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Legitimation von Staat und Herrschaft in Saudi Arabien

Stützen der Macht in der Monarchie am Golf

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 16 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Sonstige Staaten

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Öl

3. Bürokratie

4. Königshaus

5. Saudisches Netzwerk

6. Religion

7. Dekomratische Elemente

8. Medien

9. Fazit

10. Literatur

1. Einleitung

In Saudi-Arabien beherrschen seit vielen Jahren Mitglieder aus ein und derselben Königsfamilie das Land. Saudi Arabien kann daher zu einer der wenigen verbleibenden absoluten Monarchien der Welt gezählt werden. Das europäische Bild Saudi Arabiens scheint durch westliche Medien stark verzerrt zu sein, das international geläufige Klischee des Landes setzt sich besonders aus Öl, Wüste, Mekka und Medina, einer reichen Elite und einer unterdrückten Bevölkerung, vor allem verschleierten Frauen zusammen. Während in anderen Ländern im arabischen Raum seit Jänner 2011 politische und soziale Umwälzungen im Gange sind, macht es den Anschein, als wäre es in Saudi Arabien relativ ruhig und stabil. Saudi Arabien unterscheidet sich gewissermaßen von anderen Ländern der arabischen Welt, die Situation scheint hier anders zu sein, komplex, ganz bestimmt, ebenso verworren denn die saudische Königsfamilie hält mit ihren vielen, vielen Armen die Zügel in der Hand, auch wenn innerhalb der Königsfamilie nicht immer Einigkeit und Eintracht herrscht. Ganz so schwarz-weiß ist jedoch die politische Machtstruktur in Saudi Arabien nicht. Ayubi fasst einige wesentliche Punkt, auf welche die Macht des Herrscherhauses basiert prägnant zusammen:

„.Owing to the articulated nature of their social formations, the institutional logic of the Gulf states is to a large extent centered around acts of reconciliation between the requirements of oil-exportation on the one hand and those of communal order on the other. Put crudely, the state’s function is to reproduce patriarchy, tribalism and ethnic domination in ways that are as compatible as possible with the preservation of an oil-exporting economy and the circulation of its revenues” (Ayubi 1995:224).

2. Öl

Saudi Arabiens einzige Deviseneinnahmequelle war lange Zeit der Export von Öl, woraus sich nach wie vor der größte Teil des BIPs zusammensetzt. Das Land ist somit von den Ölexporten und den daraus entstehenden Einnahmen abhängig. „Der Ausbau des Ölsektors war entscheiden für die innere politische Stabilität und gewährleistet internationalen Schutz bei zahlreichen regionalen Konflikten“ ( Depetris Chauvin 2010:50). Von den Einnahmen aus dem Öl profitieren direkt nur wenige, zum einen die Königsfamilie selbst, zum anderen traditionelle Eliten, auf deren Loyalität das Herrscherhaus für seinen Machterhalt angewiesen ist (Ayubi 1995:224ff.). „Lange Zeit galt Saudi-Arabien als der typische Rentierstaat, in dem die herrschende Elite materielle Leistungen an die Bevölkerung verteilt, die als Gegenleistung keinen Anspruch auf politische Mitsprache erhebt“ (Glosemeyer 2002:172). Zwischen 1962 und 1979 entwickelte sich Saudi-Arabien zu einem stark zentralistisch geführten Staat, der seine Legitimation aus direkten staatlichen Leistungen an die Bevölkerung und durch eine

umfassende wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung schöpfte, die durch einen starken Anstieg des Ölpreises finanziert wurden“ (Depetris Chauvin 2010:50). „Wie allgemein bekannt, belief sich der Gesamtgewinn der arabischen OPEC-Länder [während des Öl-Booms 1973/74] auf 120 MilliardenUS-Dollar“ (Ayubi 2002:251). Dieses Phänomen bringt jedoch auch Nebenwirkungen mit sich: „It is to be expected that a kind of ‚rentier mentality‘ would also prevail in such a society. Individuals can live well without having to commit themselves to any stick ‘work ethic’” (Ayubi 1995:227). Auch wenn ein Teil der Einnahmen aus dem Öl in Saudi Arabien der Bevölkerung zugutekam, so war dieser im Verhältnis zum daraus gewonnenen Profit einiger weniger, relativ gering. „Dieser Geldsegen kam mit dem Einbruch der Erdölpreise im Jahr 1982 zu einem jähen Ende, so dass die Funktionäre in Saudi-Arabien nicht mehr mit der Verwaltung großer Überschüsse, sondern mit wachsenden Haushaltsdefiziten und negativen Zahlungsbilanzen konfrontiert waren“ (Depetris Chauvin 2010:51).

„Vor dem Hintergrund des seit 2003 hohen Ölpreisniveaus konnte die Region eine langjährige politische Herausforderung in Angriff nehmen, nämlich die Diversifizierung ihrer Volkswirtschaften zur Überwindung der Abhängigkeit vom Erdöl“ (Depetris Chauvin 2010:49). Die Region sollte zum Anziehungspunkt für neue Wirtschaftszweige als auf ausländische Direktinvestitionen werden. Dabei wurde in der Region vor allem auf den Banken- und Immobilien- und Logistiksektor sowie den Tourismussektor, speziell in Mekka und Medina, gesetzt. Trotzdem funktioniert diese Diversifizierung nicht wie erhofft, 2006 stammten 89% der Ausfuhrerlöse noch immer aus Ölwirtschaft, die 54% des gesamten BIPs aus macht (Depetris Chauvin 2010:57). Hand in Hand geht dieses Programm der Diversifizierung der Wirtschaft gewissermaßen mit dem Projekt der Saudisierung am Arbeitsmarkt. Aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums und des hohen Anteils sehr junger Bevölkerung stehen immer mehr Arbeitskräfte zur Verfügung, die vom Arbeitsmarkt absorbiert werden möchten. Die Politik der Saudisierung zielt darauf ab, vermehrt Arbeitsplätze für saudische Staatsbürger, vor allem Männer, zu schaffen, um eine Massenarbeitslosigkeit bei Jugendlichen abzufangen. Sogar bei männlichen Universitätabsolventen liegt die Arbeitslosenquote bei schätzungsweise über 30%. Diese Problem trifft jedoch nicht nur saudische Männer, sondern auch saudische Frauen, denn an viele Fakultäten stellen sie die Mehrheit der Studenten (Glosemeyer 2002:178f.).

3. Bürokratie

Nicht nur durch Transferzahlungen hat sich der Staat lange Zeit die Stabilität seiner Bevölkerung erkauft. Ebenso durch den Aufbau eines großen Beamtentum und eines Militär ist es den Monarchen gelungen die Loyalität einer bestimmten Mittelschicht an sich zu binden, dies geht in eine Zeit zurück als das Erdöl gerade an Bedeutung gewann und mehr oder weniger der finanzielle Mittel vorhanden waren, um den Staat gründlich und konsequent aufzubauen. Dieser Staatsaufbau kam der Konsolidierung als Staatsreligion in Saudi Arabien zugute (Wollner 2008:102). Der Staatsapparate macht vor den 1950ern gerade einmal ein paar hundert Angestellte aus, schon in den 1962/63 stieg er rapide auf ungefähr 37.000 Angestellte an, im Jahr 1970/71 bestand er bereits aus 85.000 und Anfang der 80er Jahren es dann bereits

245.000 Angestellte. Durch eine geschickte Einbindung von Stammesführern und regionalen Eliten in der Bürokratie und im militärischen Bereich könnte sich der König die Loyalität dieser sozialen Gruppen sichern. Durch den Aufbau dieses großen Bürokratieapparates und den gezahlten Gehältern entstand ein gewisser Wohlstand aus dem sich eine Mittelschicht in der Bevölkerung herausbilden konnte. Hertog bezeichnet dieses Phänomen als institutionalisierte Patronage-Beziehungen (Hertog 2009:76). Ayubi identifiziert hinter dem Auf einer Bürokratie uns eines Militärwesens eine gezielte Stategie zur Bildung von Gesellschaftsschichten. “This is achieved through devices such as (i) general public expenditure; (ii) employment in the large bureaucracy; and (iii) specific public policies such as those pertaining to economic subsidies and land allocation. ‘Land allocation’ or ‘land acquisition’ is a policy (which is still extensive, private land ownership being a relative new practice in the region) whereby parcels of state lands are distributed or ‘sold’ at a symbolic price to (often selected) citizens, to be subsequently repurchased by the state (for public works) at a much higher price” (Ayubi 1995:229).

4. Königshaus

Das saudische Königshaus selbst besteht aus einer Kernelite, welche für sämtliche Regierungsgeschäftige verantwortlich ist, diese besteht aus einem Personenkreis von ungefähr zehn Personen, welche nach wie vor Söhne, zusehends auch Enkel, des Staatsgründers sind. Zu dieser Kernelite zählt der 1953 von König Faisal geschaffene Ministerrat, in welchem andere Prinzen, dem amtierenden König in administrative Belangen und der Überwachung von Ministerien zur Seite stehen (Owen 2003:56).

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656474258
ISBN (Buch)
9783656474357
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230984
Institution / Hochschule
Universität Wien – Internationale Entwicklung
Note
1,0
Schlagworte
legitimation staat herrschaft saudi arabien stützen macht monarchie golf

Autor

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