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Alternative Verfahren der Intervention und Prävention zur Stärkung der Immunfunktion: Wirkung von Yoga und Qigong auf das Immunsystem und damit verbundene Einflussfaktoren

Seminararbeit 2012 15 Seiten

Psychologie - Biologische Psychologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Biopsychologische Grundlagen
2.1 Aufbau und Funktion des Immunsystems
2.2 Stress und Immunfunktion
2.3 Gesundheitliche Konsequenzen

3. Alternative Verfahren zur Stärkung und Erhalt der Immunfunktion
3.1 Qigong und Immunität
3.2 Yoga und Immunität

4. Diskussion

5. Literatur

1. Einleitung

Gesundheit ist wohl das Hauptkriterium für individuelles Wohlbefinden, wird aber leider meist erst als solches erkannt, wenn der Körper schon krank ist. Egal ob es sich um eine einfache Erkältung oder schwerwiegendere immunologische Defizite handelt, so resultieren doch immer negative Erfahrungen daraus. Und das nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft: Nach einer Studie der Krankenkasse DAK war der Krankenstand der Deutschen im Jahr 2011 so hoch, wie seit 15 Jahren nicht mehr, was einen volkswirtschaftlichen Schaden von 225 Mrd. €, und somit etwa neun Prozent des von Deutschland erwirtschafteten Bruttoinlandsproduktes pro Jahr, bedeutete.

Die Gesundheit ist also auch ein wertvolles wirtschaftliches Gut. Umso mehr verwundert die Fahrlässigkeit jener Personen, die ihrer Gesundheit kaum Beachtung schenken, oder erst dann wenn es zu spät ist. Denn abseits klassischer pharmakologischer Medikation gibt es einige unkonventionelle Anwendungen, die möglicherweise das Wohlbefinden und die Immunität auch positiv beeinflussen können, und nun hier auf ihre wissenschaftliche Basis hin untersucht werden sollen.

In dieser Auseinandersetzung zu alternativen Interventions- und Präventionsmaßnahmen für eine verbesserte Immunfunktion sollen zunächst psychoneuroimmunologische Grundlagen zum Immunsystem des Menschen und zu dessen Beeinträchtigung, vor allem durch stressinduzierte Belastungen, geklärt werden, um anschließend anhand von Studien und weiteren wissenschaftlichen Ergebnissen die Wirksamkeit von Qigong und Yoga, als Beispiele für Alternativverfahren, auf eine potentiell gesteigerte Immuntätigkeit zu erläutern. Zum Schluss werden beide Techniken hinsichtlich inhaltlich-funktioneller Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Immunreaktion untersucht und deren Wirkungen kritisch diskutiert. Entsprechend verwendete Quellen sind im Text als solche gekennzeichnet und können im anliegenden Literaturverzeichnis noch detaillierter eingesehen werden.

2. Biopsychologische Grundlagen

Um zu verstehen, wie wir durch präventive, gesundheitsfördernde Maßnahmen unsere körpereigene Abwehr gegen Krankheitserreger stärken können, ist es zunächst erforderlich sich die in diesem Zusammenhang wichtigen immunologischen Parameter und deren Funktionsweise zu verdeutlichen. Dabei soll ein elementarer Überblick über jene biopsychologischen Prozesse gegeben werden, die für den Effekt bestimmter Interventionen verantwortlich sind.

2.1 Aufbau und Funktion des Immunsystems

Das Immunsystem dient der Elimination fremder Mikroben und Antigene und kann unterschieden werden in das "angeborene" Immunsystem und das "erworbene" Immunsystem. Die Bestandteile des angeborenen Immunsystems sind von Geburt an vorhanden und voll funktionsfähig. Hierzu zählen: die Körperbedeckung (Haut und Schleimhaut) und spezielle Abwehrzellen, die so genannten "Fresszellen", genauer gesagt die "Granulozyten" und "Makrophagen". Diese Zellsorten gehören zu den weißen Blutkörperchen. Ihre Hauptfunktion besteht in der Phagozytose ("Auffressen") von Krankheitserregern und Fremdkörpern und der Antigenrepräsentation zur Verstärkung der Immunfunktion auf von außen eingedrungene Fremdproteine. Ein Sonderfall stellen die Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) dar, die auf die Zerstörung von Krebs -und virusinfizierter Zellen durch direkten Zell-Zell Kontakt und Ausschüttung toxischer Substanzen spezialisiert sind. Zudem wirken im angeborenen Immunsystem auch noch lösliche Botenstoffe (humorales Immunsystem), die so genannten Zytokine (zum Beispiel Interferone oder Interleukine), die eine Kommunikation zwischen den Immunzellen gewährleisten, sowie das Komplementsystem (Ehlert & von Känel, 2010).

Das erworbene Immunsystem besteht auch aus Zellen und Botenstoffen, die zwar auch von Geburt an vorhanden sind, aber die noch "ausreifen" müssen. Außerdem fehlt ihnen das Gedächtnis gegenüber bestimmten Erregern, das zu einer verbesserten Immunantwort bei wiederholtem Auftreten der gleichen Antigene führt. Die Zellen des erworbenen Immunsystems heißen T -und B-Zellen und auch sie gehören zu den weißen Blutkörperchen. T-Zellen können Krankheitserreger direkt selbst abtöten, sowie die anderen Zellen des Immunsystems, zum Beispiel die Fresszellen und die B-Zellen steuern. Die B-Zellen hingegen sind vor allem notwendig zur Antikörperbildung. Diese Antikörper sind lösliche Eiweiße, die bestimmte Pathogene erkennen können, sich an diese Anheften, um somit die Aktivität des Immunsystems auf diese Substanzen zu lenken.

Insgesamt gibt es fünf Arten von Antikörpern, die auch als Immunglobuline bezeichnet werden.

Ein besonderes Augenmerk soll außerdem noch auf das lymphatische System gelegt werden, da es bei allen Wirbeltieren einen essentiellen Bestandteil der Immunfunktion darstellt. Es gliedert sich in die lymphatischen Organe und das Lymphgefäßsystem. Das lymphatische System zirkuliert Lymphe, eine wässrige hellgelbe Flüssigkeit, die das Zwischenglied zwischen der Interzellularflüssigkeit und dem Blutplasma bildet, durch den Körper. Bakterien können mit der Lymphe von den Krankheitsherden zu den Lymphknoten verschleppt werden. Dort wird die Immunantwort eingeleitet, indem sich die für die betreffenden Fremdkörper spezifischen Lymphozyten vermehren. Zu den Lymphozyten zählen die bereits erwähnten T -und B-Zellen und die Natürlichen Killerzellen.

Das Zusammenspiel dieser Systeme und Komponenten bewirkt letztlich eine intakte immunologische Abwehr.

2.2 Stress und Immunfunktion

Bei einem intakten Immunsystem ist der menschliche Organismus gegen die verschiedensten Erreger sehr gut geschützt. Immerhin sind wir fast ständig einer Vielzahl von Pathogenen ausgesetzt ohne immer gleich daran zu erkranken. Denn die Immunfunktionen laufen permanent in unserem Körper ab und ermöglichen es uns so den Alltag trotz einer Überfülle von potentiellen Krankheitskeimen gesund zu bewältigen. Wenn der Körper jedoch geschwächt und die Immunreaktion heruntergefahren ist, steigt auch zunehmend das Erkrankungsrisiko. (Ehlert, von Känel, 2010). Dies geschieht zum Beispiel wenn wir einer chronischen Stressbelastung ausgesetzt sind. Andauernder Stress, egal ob in einer längeren Prüfungsperiode, auf dem Arbeitsplatz oder im familiären Bereich, zum Beispiel bei der Pflege eines schwer erkrankten Angehörigen, ist einer der wichtigsten Faktoren, der zu einer stark verminderten Immunaktivität führen kann (Vedhara et al., 1999).

Dauerstress führt zum einen zu einer anhaltenden Aktivierung des Sympathikus, was die Absonderung von Katecholaminen, wie zum Beispiel Adrenalin und Noradrenalin aus dem Nebenierenmark veranlasst (Ehlert & von Känel, 2010). Diese Botenstoffe bewirken eine Aktivierung des Körpers, dass heißt eine Erhöhung der Herzfrequenz, des Blutdrucks, eine Verengung der Blutgefäße und weitere Symptome. Gleichzeitig wird das antagonistisch angelegte Parasympathische Nervensystem, das für Regeneration und Reparation steht nur noch unzureichend stimuliert.

Weiterhin gibt es einige Evidenz dafür, dass chronischer Stress eine Überaktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse, HHN-(auch HPA) Achse induziert (Ehlert & von Känel, 2010; Kang, Lee, Lim & Myeong, 2004), was im Ergebnis zu einer gesteigerten Sekretion des Steroidhormons Cortisol führt. Dieses Cortisol soll verhindern, dass die übermäßige Bildung und Freisetzung von Zytokinen, die normalerweise die Immunabwehr regeln, aufgrund ihrer proinflammatorischen Wirkung bei unkontrollierter Ausschüttung selbst zur Gefahr für den gesamten Körper werden. Weiterhin mindert Cortisol die Reaktivität der T -und B-Zellen und die Aktivität der NK-Zellen und es verändert das Zytokinmuster der T-Zellen vom zellulären Typ TH-1 (gute Abwehr gegen Viren -und Krebszellen, aber proinflammatorisch), zum Typ TH-2 (antiinflammatorisch, aber allegergenisierend, und schlechte Abwehr gegen Virus -und Krebszellen). Durch eben diese Verschlechterung des Immunsystems steigt das Infektrisiko erheblich und die Entstehung von Krankheiten wird begünstigt. Dies wird auch als "open-window-Ph ä nomen" bezeichnet, dass heißt ein geschwächtes Immunsystem kann Krankheitserreger nicht mehr ausreichend bekämpfen, und lässt die eindringenden Pathogene somit weitgehend ungehindert im Organismus wirken.

2.3 Gesundheitliche Konsequenzen

Die gesundheitlichen Folgen von langanhaltender Stressbelastung sind äußerst mannigfaltig, sodass an dieser Stelle nur einige der wichtigsten Symptome und Krankheitsbilder benannt werden sollen.

Wie bereits erwähnt, veranlasst eine andauernd hohe Konzentration an Cortisol einen immunsupressiven Effekt, was uns wesentlich anfälliger für Erkältungs-, Grippe- und Viruserkrankungen macht, und auch die Bekämpfung etwaiger tumoröser Zellverbände hemmt (Ehlert & von Känel, 2010). Eine Dauerstimulation des Sympathischen Nervensystems bewirkt eine permanent ergotrope Reaktion des Organismus, dass heißt eine Überaktivität bestimmter Neurotransmittersysteme, zum Beispiel des serotonergen Systems, was zu Kopfschmerzen und Migräne führen kann.

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Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656473824
ISBN (Buch)
9783656474036
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230946
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Biopsychologie
Note
1,3
Schlagworte
Immunsystem Psychoneuroimmunologie Yoga Qigong Alternative Verfahren Biopsychologie

Autor

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Titel: Alternative Verfahren der Intervention und Prävention zur Stärkung der Immunfunktion: Wirkung von Yoga und Qigong auf das Immunsystem und damit verbundene Einflussfaktoren