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Wo die Elfen hausen - Mythologie in Island

Seminararbeit 2003 14 Seiten

Kulturwissenschaften - Europa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Island - Die sichtbare Welt
2.1. Geschichtlicher Überblick
2.2. Klima, Lage und Landschaft
2.3. Land und Bewohner

3. Die Welt der Elfen
3.1. Einführung in die „Anderswelt“ – Yggdrasil
3.2. Die Rasse der Elfen
3.2.1. Erscheinungsformen
3.2.2. Lebensraum und Formen des Zusammenlebens

4. Über den Umgang mit Elfen in Island

5. Schlußbetrachtung

Verzeichnis der verwendeten Literatur

Anmerkungen

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der germanisch-nordischen Mythologie. Aufgrund des Umfanges, den dieses Thema hat, muß hier eine Einschränkung auf einen Teilbereich vorgenommen werden. Aus diesem Grund handelt diese Arbeit vom Elfenglauben.

Zunächst jedoch wird die ‚Heimat’ der Elfen, die Insel Island, als Ausgangspunkt in einer kurzen Übersicht dargestellt und zwar bezüglich geschichtlicher, geographischer und gesellschaftlicher Aspekte. Dies geschieht zur Einführung in die Thematik. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit richtet sich allerdings auf die Elfen. Bevor sie in einem weiteren Teil anhand ihrer ‚Welt’ eingeführt werden, wird die „Anderswelt“ skizziert, die nach heidnischem Glauben existiert und in der die Elfen, genauso wie die Menschen, ihr Zuhause haben. Darauf folgt eine Übersicht über Erscheinungsformen und Lebensraum der Elfen. Schließlich werden die beiden Welten (die der Elfen und die der Menschen) zusammengeführt und gemeinsam betrachtet, besonders im Hinblick auf den Umgang mit dem Elfen-Mythos in Island.

Die Arbeit soll Antworten liefern auf die Frage wie die Isländer heutzutage mit dem Glauben an Elfen und an all die anderen mystischen Wesen umgehen, ob sie zu ihrem Glauben stehen, oder unter dem Deckmantel des Christentums ‚heimlich’ ihrer eigenen ‚Religion’ folgen. Es wird deutlich, auf welche Art und Weise dieses Nebeneinander funktioniert und wie man sich diese Naturgeister zunutze machen kann. Darüberhinaus wurde überprüft, welches die Hintergründe für die Beschäftigung mit mythologischen Wesen sind und weshalb sie sich bis in die heutige hochmoderne Zeit erhalten konnten.

2. Island - Die sichtbare Welt

2.1. Geschichtlicher Überblick

Die Insel Island wurde ungefähr im Jahre 750 n.Chr. erstmals durch keltische Mönche betreten, die sich nur gelegentlich dort aufhielten. Erst 874 entschied der Norweger Ingólfur Arnarson, sich dauerhaft niederzulassen und ist somit der erste Bewohner der Insel, dem schnell weitere folgten. Die älteste demokratische Volksversammlung der Welt, das Althing, wurde 930 auf Thingvellir[1] gegründet. Hier fanden erstmals Gerichtsverhandlungen statt, bei denen Diebe, Ehebrecher und Mörder entweder zum Tode verurteilt, oder von der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden.[2] Das Jahr 1000 war in Island das Jahr der Christianisierung, d.h. offiziell wurde nun dem Heidentum abgeschworen. Ebenfalls in diesem Jahr entdeckte der Isländer Leif Eiriksson Nordamerika. Zwei Jahrhunderte nach dem ‚Ende’ des Heidentums (1120-1250) entstand die „Edda“, eine Sammlung aus Sagas (zu Deutsch ‚Berichte’) deren erster Teil vom Glauben und von Göttern handelt. Der andere Teil umfaßt Heldenlieder und wird deshalb auch „Liederedda“ genannt. Diese Sagas wurden von Snorri Sturluson (1179-1241)[3] aufgezeichnet. Im Jahre 1262 geriet Island unter die Herrschaft der norwegischen und 1380 unter die der dänischen Krone. Damit begann für die Bevölkerung eine Zeit der Abhängigkeit und Qualen[4], die fast 700 Jahre andauerte. Der Weg zur Eigenständigkeit war ein langer Kampf, der unter anderem dazu führte, daß Island 1904 Selbstverwaltungsrecht erhielt. Die isländische Universität wurde 1911 gegründet[5]. Nach dem ersten Weltkrieg (1918) begann die Souveränität unter dänischer Flagge. Nach der Besetzung durch britische (1940) und ein Jahr später durch amerikanische Truppen, wurde am 17. Juni 1944 auf Thingvellir die Republik Island ausgerufen, die seither von Koalitionsparteien regiert wird. In den Jahren 1947 bis 1952 wurde Island Mitglied der OECD, der NATO, des Europarates und des Nordischen Rates. Nach drei „Kabeljaukriegen“ mit den britischen und westdeutschen Regierungen wurden die Fischereigrenzen Islands schrittweise von drei auf 200 Seemeilen ausgedehnt.[6] 1963 konnte man an der Entstehung der Insel Surtsey sehen, wie auch Island dem Meer ‚entsprungen’ sein mußte. Die Hauptstadt Reykjavík (zu Deutsch ‚Rauchbucht’) wurde im Jahre 2000 zur Kulturhauptstadt Europas.[7]

2.2. Klima, Lage und Landschaft

Island gilt als relativ junges Land, es entstand vor ungefähr 16 Millionen Jahren aufgrund vulkanischer Aktivitäten auf dem sogenannten Mittelatlantischen Rücken, welcher Teil eines, vorwiegend unter dem Ozeanspiegel liegenden, weltweiten Gebirgssystems ist.[8] Diese Insel besteht in etwa zu gleichen Teilen aus Plateaubasalten und Tephra[9]. Islands Untergrund ist nach wie vor sehr aktiv, häufig kommt es zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen. Dort, wo die Basalte noch nicht völlig abgekühlt sind, bietet eine starke Grundwassererhitzung die Grundlage für etwa 600 Thermalquellen. Nirgends sonst auf der Welt gibt es einen vergleichbaren ‚Zeugen’ der letzten Eiszeit, die etwa 10000 Jahre zurückliegt: dieses Land wird von fünf großen Eiskappen bedeckt (was 12% der Landfläche ausmacht). Auf Island zeigt sich die Gegensätzlichkeit der Natur ‚ausnahmsweise’ in vollem Umfang: Geysire (Heißwasserquellen), Wasserfälle (die größten Europas sind allesamt auf Island zu finden)[10] und Lavalandschaften (Einöden, die die Basis für heidnische Sagen bieten) sind beliebte Ausflugsziele. Im Landesinneren befinden sich weite Hochebenen mit vielen Vulkanen, die wüstenhaft aussehen und unbewohnbar sind. Die Nord-, Ost- und Westküsten sind häufig eingeschnitten durch Buchten und Fjorde. Island bietet ein Bild der „bizarren Formen und Farben“ beispielsweise in den Gegenden, in denen die schwarze Asche der Vulkane an weiße Gletscherfelder grenzt.[11]

Das Klima Islands wird von zwei verschiedenen Luftströmen beherrscht: zum einen trifft ein Ausläufer des warmen atlantischen Golfstroms (Irmingerstrom) zuerst auf die Südküste und umrundet die Insel danach im Uhrzeigersinn, zum anderen treffen polare Kaltwassermassen des Ostgrönlandstroms auf die Nordostküste, an die bisweilen sogar Treibeis gebracht wird.[12] Ohne den Einfluß des warmen Golfstroms wäre ein Leben auf Island nahezu unmöglich.

2.3. Land und Bewohner

Die parlamentarische Republik Island hat eine Fläche von 103110 Quadratkilometern, auf der lediglich 286000 Einwohner leben.[13] Über 160000 Menschen leben in der Hauptstadt Reykjavík und deren ‚Speckgürtel’. Der Rest des Landes ist nur dünn besiedelt, beziehungsweise gänzlich unbewohnt[14]. Die Landesnatur bietet ungünstige Bedingungen für die Landwirtschaft. So sind nur 1% der Insel kultiviert, 20% sind Naturweiden und das restliche Land befindet sich im Naturzustand. Deshalb müssen viele Nahrungsmittel importiert werden, ebenso wie Erdöl und Erdölprodukte, Maschinen und Fahrzeuge. Im Gegenzug exportieren die Isländer Fisch und dessen Erzeugnisse, sowie Aluminium.[15] Die einzigen Bodenschätze Islands sind Wasserkraft und Geothermische Energie.

In ihrer Freizeit treiben die Isländer viel Sport. Die verbreitetesten Sportarten sind Reiten, Angeln, Radfahren, Schwimmen und Trekking.[16]

Auch sind die Inselbewohner sehr literaturbegeistert. Es gibt in Island etwa 30 Buchverlage, in denen jährlich 1600 Bücher erscheinen. Dies ist, angesichts der geringen Bevölkerungsdichte, beachtlich. Zudem werden fünf Tageszeitungen verlegt, die 1994 eine Auflage von 137000 Stück erreichten.[17] Zu den berühmtesten Literaten Islands gehören unter anderem der progressive Humanist Halldór Laxness, der 1955 den Literaturnobelpreis erhielt, der Begründer der isländischen Romanliteratur Jón Thorroddsen und der humanistische Romanschriftsteller Gunnar Gunnarson.

Die Atlantikinsel hat einige Rekorde zu bieten, beispielsweise „eine der weltweit höchsten Lebenserwartungen, allerdings auch mit die höchste Selbstmordrate europaweit.“[18] Letzteres ist sicherlich bedingt durch die teilweise ‚menschenunfreundlichen’ Lebensbedingungen die auf dieser Insel herrschen. Ein Beispiel dafür sind die Westfjorde, in denen die Natur ständig ihren Tribut fordert. Die Menschen dort leben vom Fischfang und es heißt:

„Es gibt keinen Ort, wo eine Familie weniger als zwei Männer an die See verloren hat. In den Westfjorden kämpft man gegen die Natur. Ob nun jemand von der See geholt oder von einem polternden Felsbrocken erschlagen wird oder in einer Felsspalte verschwindet – das ist Draußen.“[19]

‚Drinnen’[20] jedoch ist Ruhe und Frieden und die, die nicht nach Reykjavík ‚flüchten’, leben gern mit der Gefahr. Im Winter, die Zeit in der die Sonne in den Westfjorden nur eine halbe Stunde täglich Licht und Wärme spendet, werden viele Menschen depressiv. Diese unfreundliche Zeit verbringen die Isländer dann „Zwischen Familienbilderwand und Sitzecke und Bücherschrank“[21], sie erzählen sich Geschichten über ihre Herkunft und „warten, daß ein Wiedergänger an die Tür klopft.“.[22] Die Isländer haben sich trotz ihrer sehr modernen Einstellung gegenüber Wissenschaft und Technik ihren Aberglauben (Asatru) bewahrt, dies soll im folgenden genauer betrachtet werden.

3. Die Welt der Elfen

3.1. Einführung in die „Anderswelt“ - Yggdrasil

Die Welt hat, in der Mythologie des Nordens, feste Strukturen: sie wird häufig als Weltesche Yggdrasil dargestellt. Dies ist ein Baum, der die gesamten Welten aller Wesen durchdringt (anderen Ansichten zufolge, ist Yggdrasil der Träger der Welten). Die Tabelle zeigt im folgenden die Einteilung der neun Welten[23] der germanisch-nordischen Mythologie:

[...]


[1] Heute ist dies eine historische Stätte, die von Touristen gern besucht wird.

[2] Vgl. Lange: 29f.

[3] Er gilt als der bedeutendste Autor Islands und wurde 1241 ermordet.

[4] Eine Zeit der Unterdrückung, der Hungersnöte, Seuchen und Naturkatastrophen.

[5] Bemerkenswert dabei ist, daß sie heute ungefähr 2000 Studenten besuchen und dies kostenlos.

[6] Die Ausdehnung der Fischereigrenzen war notwendig geworden, weil die Fischbestände immer knapper wurden, und damit die Wirtschaftslage Islands bedroht war. Zudem sollten sich die Fischbestände erholen. Zu den „Kriegen“ vgl. Lange: 47f.

[7] Zu sämtlichen geschichtlichen Informationen vgl. Lange und Bertelsmann: 384-389.

[8] Vgl. Lange: 37.

[9] Einer lockeren Ansammlung von vulkanischen Auswurfprodukten. Vgl. Bertelsmann: 386.

[10] Vgl. Lange: 15f.

[11] Vgl. Bertelsmann: 386.

[12] Vgl. Lange: 7.

[13] Pro Quadratkilometer sind das 2,8 Einwohner. Vgl. Mair: 17.

[14] Das trifft auf Zentralisland zu.

[15] Die Handelspartner Islands sind die USA, Großbritannien, Deutschland, ehemalige GUS-Staaten und die skandinavischen Länder. Vgl. Bertelsmann: 384.

[16] Vgl. Mair: 83ff.

[17] Vgl. Bertelsmann: 384ff.

[18] Mair: 17.

[19] Handloik: 48.

[20] Im Heim, mit Erinnerungen und lieben Angehörigen.

[21] Handloik: 48.

[22] Handloik: 51.

[23] Bedingt durch die Fülle an Auffassungen, wird sich hier auf die von Jeanne Ruland beschränkt. Sie stellt die „Anderswelt“ innerhalb der Weltesche Yggdrasil dar. Diese Tabelle enthält also nur Informationen aus Ruland: 31ff.

Details

Seiten
14
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638262781
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v23086
Institution / Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) – Kulturwissenschaftliche Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Elfen Mythologie Island Wissenschaftliches Schreiben KulturwissenschaftlerInnen

Autor

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Titel: Wo die Elfen hausen - Mythologie in Island