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Leseprobe

Inhalt

Ist der Dandy tot?
Literaturverzeichnis

Décadence und Fin de Siècle
Einleitung
Fin de siècle
Décadence
Décadenceliteratur
Der Bezug zum Dandyismus:
Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis

Oscar Wildse
Einleitung
Begriffsklärungen
Das Bildnis des Oscar Wilde
Das Bildnis des Dorian Gray
Conclusio
Literaturverzeichnis

Die schwere Last der Lebenskunst – Der tragische Dandy bei Oscar Wilde und Francis Scott Fitzgerald
Einleitung – Oscar Wilde und Francis Scott Fitzgerald
Ästhetizismus und Dekadenz im 19. Jahrhundert
Der Dandy – Virtuose der Lebenskunst oder Gefangener seiner selbst?
The Picture of Dorian Gray – Wildes ewiger Jüngling als tragischer Dandy
Ästhetizismus und Dekadenz in Amerika – Die Roaring Twenties und Scott Fitzgerald
Romantische Egoisten - Fitzgeralds tragische Dandys
Zusammenfassung und Schlussbemerkung
Literaturverzeichnis

Männlichkeitsbilder und Beziehungsprobleme in Christian Krachts „Faserland“
Einleitung
Der Dandy in „Faserland“
Homosexualität in „Faserland“
Beziehungsprobleme
Literaturverzeichnis

Ist der Dandy tot?

Von Antje Schöne, 2010

Es scheint, als bedarf der Begriff Dandy heute kaum einer Erklärung. In Feuilletons und Modezeitschriften wird das Wort automatisch verwendet, häufig zur Kennzeichnung gut gekleideter, leicht feminin wirkender Männer, die sich durch besondere Eleganz auszeichnen. Diesem Eindruck nach gibt es ihn noch, den Dandy. Zumindest scheint er ein Comeback zu erleben. Oder ist der moderne Dandy nicht mit der Dandy -Gestalt aus dem 19. Jahrhundert zu vergleichen? Lassen die neuen Medien und unsere Zeit noch einen echten Dandy zu? Scheint doch die triviale Beschränkung auf das Aussehen ein oberflächlicher Umgang mit dem Dandy -Begriff. Dem geistigen Habitus wird bei einer Verwendung in der Modewelt kaum Bedeutung beigemessen. Eine begriffliche Klärung scheint vonnöten, bevor die Beantwortung der Frage erfolgen kann, ob der Dandy ausgestorben ist.

Der Begriff Dandy ist eindeutig nicht deutsch. Wann aber tritt dieses Lexem in den deutschen Sprachgebrauch ein? In Jakob und Wilhelm Grimms Deutsches Wörterbuch (1860) findet sich der Dandy nicht, jedoch in Daniel Sanders Wörterbuch der deutschen Sprache aus dem gleichen Jahr, ist die Bedeutung „Stutzer, Modeherr“[1] vermerkt. Neuere Nachschlagewerke folgen dieser Richtung: „modisch herausgeputzter Mann, Geck“[2] schlägt der zweibändige Brockhaus von 1977 vor und 1988 erklärt die Brockhaus Enzyklopädie den Dandy als „allg. Modenarr“[3]. 1990 definiert Meyers großes Taschenlexikon den Dandy als „heute allg. im Sinne von Stutzer, Geck, Modenarr gebraucht“[4]. Daneben fügen die ausführlicheren Enzyklopädien nach Nennung von einigen Vertretern, „Extravaganz der Kleidung u. Exklusivität der Lebensführung“ als Merkmale des Typus hinzu.[5] Durch die Umschreibung als „Geck“ wird die Definition des Dandys über seine Selbstdarstellung und sein Modebewusstsein eher negativ konnotiert. Dass der Begriff auch positiv belegt werden kann, zeigt der Große Herder von 1932: Der Dandy zeichnet sich hiernach aus durch „Sonderung von der Menge u. ihrem Verhalten, auch in Kleidung u. ästhet. Haltung (Vorliebe für außergewöhnl. erlesene Genüsse, Geckentum)“.[6] Doch es wäre fatal, würde man den Begriff Dandy nur unter rein linguistisch-semantischen Gesichtspunkten betrachten. Das Wort ist auch untrennbar mit einem vielfältigen sozialen, kulturellen und auch literarischen Umfeld verbunden.

„Es ist mithin ein Wort, das sich erst aus seinem kulturellen Kontext erschließt, der sich wiederum in seinem literarischen Niederschlag manifestiert. In dieser Hinsicht kann der Transfer des Begriffs und seiner kulturellen Konnotationen als ein Aspekt der Literaturvermittlung behandelt werden. Der Transfer ist zeitbedingt und wird nur vor dem Hintergrund seiner spezifischen historischen Situation verständlich.“[7]

Die historische Situation ist folgende: Die Dandy-Literatur ist eine Erscheinung des 19. Jahrhunderts, die am stärksten in England und Frankreich verbreitet war.[8] Als englischer Urdandy wird George Bryan Brummell bezeichnet. Im 18. Jahrhundert lehnten die Engländer die französische Hofkultur zunehmend ab und das neue Körperbewusstsein, hervorgerufen durch die Beschäftigung mit antiker Plastik, zeichnete sich vor allem in der Schneiderei ab. Diese Einflüsse ließen den modernen Herrenanzug entstehen, der körperbetont geschnitten die V-Silhouette des Mannes hervorhob. Dieser Anzug im schlichten Schnitt, aus festem Stoff und in gedeckten Farben, wurde von Brummell auf die Spitze getrieben. Er propagierte bereits die neue Schlichtheit als in adlige Kreise noch Protz und Prunk ­– gepuderte Perücken, üppige Mäntel und Juwelen – in Mode waren. Viele Legenden ranken sich um seine Person. Stunden brauchte er, heißt es, um sich anzuziehen, wechselte, entgegen den Gepflogenheiten seiner Zeit, mehrmals täglich seine Wäsche, dabei verachtete er Schmuck und Parfüm. Angeblich hatte er drei Friseure, einen für die Stirn, einen für die Seiten und einen für den Hinterkopf. Den Aufwand, den er trieb, sah man ihm nicht auf den ersten Blick an, seine Kleidung war geradezu dezent. Umso argwöhnischer wurde er von Zeitgenossen betrachtet. Brummell wurde zum Prototypen für den Dandy, der seine Persönlichkeit zu einer Kunstfigur erschaffen hatte und gute Manieren mit geistreicher Konversation zu verbinden wusste. Nachdem er sein geerbtes Vermögen verbraucht hatte und von Gläubigern verfolgt wurde, endete er im Irrenhaus von Caen.[9] Als französische Theoretiker des Dandytums sind etwa Jules Amédée Barbey d’Aurevilly, Honoré de Balzac oder Charles Baudelaire zu nennen. In der romantischen Restauration nach der Französischen Revolution existierte der Dandy in der reinsten Ausprägung. Durch die Schriftsteller Jules Barbey d’Aurevilly und Charles Baudelaire kommt es zu einer typisch französischen Akzentverschiebung in der Bedeutung des Wortes Dandy:

„Das Element der Revolte, die ethischen und spirituellen Eigenschaften werden stärker betont, sogar auf Kosten der äußeren Eleganz. Zum aristokratischen Formalkult tritt die weltschmerzliche Erfahrung existentieller Isolation.“[10]

Oscar Wilde, Max Beerbohm, Aubrey Beardsley und andere Vertreter des Ästhetizismus propagierten gegen Ende des 19. Jahrhunderts einen neuen Dandy -Stil: Kniehosen und Westen aus Samt und niederliegende Hemdkragen wurden zu ihren äußerlichen Kennzeichen. Die Ästhetizisten öffneten die von bürgerlicher Enge und vom Moralismus geprägte viktorianische Gesellschaft für eine neue Sinnlichkeit in Farben und Formen. Sie bekämpften den herrschenden Geschmack des mainstream mit ritualisierter Ästhetik. Dandyismus ist eine Lebenseinstellung, zu der Selbstinszenierung und ein eher ungezwungenes Verhältnis zum Geld gehörten. Wichtig war ihnen die Unabhängigkeit von bürgerlichen Zwängen wie Brotberuf oder Ehe.

Für die deutschsprachige Literatur, in der der Dandy weitaus weniger verbreitet ist, hat Richard Schaukals Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser, eines Dandy und Dilettanten eine herausragende Position eingenommen.[11] Schaukal setzte sich intensiv mit der Dandy -Literatur auseinander und übersetzte 1909 Barbey d’Aurevillys Essay Vom Dandytum und von G. Brummell (1844) ins Deutsche. In dem Aufsatz „-denn Begriffe begraben das Leben der Erscheinungen“ Über einen Versuch, den Dandy in die deutsche Literatur einzubürgern geht Autor Knobb der Frage nach, warum der Dandy in der deutschsprachigen Kultur und Literatur erst so spät Einzug gefunden hat. Den Grund sieht er in Schaukals Balthesser, der erst 1907 erschien.

Daß sich Schaukals des Dandy-Thema bemächtigte, beweist, daß das Motiv in der Luft lag. Die Anverwandlung des Dandy ist Teilaspekt der Aneignung so vieler französischer Anregungen in der Kultur und Literatur der Jahrhundertwende.“[12]

Der Balthesser bietet zwar eine Novität im Bereich der deutschen Literatur, entstand aber zu einer Zeit, in der das Dandytum bereits überholt war und wirkt daher eher zusammenfassend und abschließend als zukunftsweisend und innovativ. Einen weiteren Grund sieht Krobb im Fehlen einer Metropole wie London oder Paris, „in der die moderne Befindlichkeit (etwa akzeptierter sozialer Wandel, Vermassung, Komplexität der Wirtschafts- und Lebens-verhältnisse) besonders intensiv erfahrbar wird und besonders auffällige Reaktionen provoziert […].“[13]

Der Weg des Dandytums in die deutsche Kultur und Literatur ist also einem zweifachen Vermittlungsprozess zu verdanken, über die Zeit- und über die Sprachgrenzen hinweg. Die Gestalt des Dandys ist mit diesen deutschen Äquivalenzbegriffen und der Geschichte jedoch bei Weitem nicht gebührend beschrieben. Daher sollen hier noch weitere Merkmale über den Dandy zusammenfassend angeführt werden:

„Er vertritt einen dekadent überfeinerten Lebensstil, ist überlegen, lässig und elitär. Ennuyiert und hybrid kritisiert er mit äußerster Schärfe die Gesellschaft, den Fortschritt, vor allem die Kunst. Im Mittelpunkt seines Interesses steht seine äußere Erscheinung. Mehrere Stunden täglich werden für die Rasur, die Frisur, die Auswahl und das Binden der richtigen Krawatte sowie die perfekte Kleidung - Schal, Robe, Weste, Hut, Spazierstock, Monokel, Schuhe etc. – verwandt.“[14]

Gut gekleidet sein heißt beim Dandy aber nicht, dass er auffällig gekleidet ist. Extravaganzen so genannter Künstler lehnt der Dandy ab. Gnüg spricht in ihrer Monographie vom „Raffinement der Einfachheit“.[15] Die originelle, aber jederzeit passende elegante Kleidung, kombiniert mit den formvollendeten Manieren eines Gentleman, wird zum einzigen Lebenszweck erhoben. Erbe nennt ihn sogar „einen Heros stilvoller Eleganz“.[16] Daher passen auch die Niederungen anstrengender Erwerbsarbeit nicht zum echten Dandy. Anders formuliert: „Der Dandy hat keinen anderen Beruf als die Eleganz.“[17] Er ist ein passionierter Müßiggänger und eine notorische Spielernatur. Das Dandytum ist eine Ideologie.[18] Was den Dandy maßgeblich auszeichnet, sind seine natürliche Grazie und seine selbstverständliche Eleganz, er beherrscht die Kunst der Selbstinszenierung so perfekt, dass er niemals unnatürlich wirkt. Somit hat der Dandy keine Angriffsfläche.

Der Dandy benötigt als Lebensraum die Gesellschaft, die er gleichwohl verachtet. Er bewegt sich zwar innerhalb der feinen Gesellschaft, grenzt sich aber gleichzeitig von dieser ab. „Dandytum ist der passive Kampf des Individuums gegen die kollektive Saturiertheit des bürgerlichen Zeitalters. Passiv ist dieser Widerstand, da er niemals argumentativ wird, sich nicht engagiert und nie revoltierend eingreift, sondern lediglich durch eine hypertrophierte Ästhetik provoziert.“[19] Der Dandy ist ein radikaler Individualist und duldet keine anderen Individuen neben sich. Er sieht in den anderen nur Gruppen und Kollektive. Das schlägt sich auch in seiner Sprache nieder. Er neigt zu einer typologischen Begriffswahl.[20] Die Sprache wird zu seiner Waffe: Sein sarkastischer Scharfsinn provoziert das Gegenüber, ohne es jedoch zu beleidigen.

Eine weiteres Merkmal des Dandy ist sein Umgang mit Frauen: „In das Weltbild des Dandy fügt sich die Frau nur als Dame […], als gesellschaftliches Ornament, als modisches Accessoire […].“[21] Die Frau fungiert für den Dandy also nur als soziales oder dekoratives, nicht als privates oder körperliches Phänomen. Vollkommen auf sich fixiert, bleibt kaum Platz für andere – weder für Gefährten in der Gesellschaft noch für eine Frau. Als Fazit für die Konzeption des Dandy kann folgendes Zitat gelten: „Sein funkelndes, vielfältiges Wesen setzt sich aus konträren Zügen zusammen, sodass sein Charakter nicht flächig erscheint, sondern polydimensional.“[22] Beim Konzept des Dandys ist es wichtig zu begreifen, dass er zum einen als historische Figur existiert und zum anderen als literarische Figur weiterlebt, die den Autoren als Projektionsfläche für ihre Idealisierung dient.

Wie bereits deutlich geworden ist, existiert der Dandy, bedingt durch unterschiedliche geschichtliche Umstände, in vielen Spielarten und Mischformen. Wichtige Attribute sind dem Dandy in jedem Fall die Betonung des Äußerlichen, sein Benehmen, seine Manieren und seine Sprache.

In dem Beitrag Der moderne Dandy von Günter Erbe versucht der Autor den Dandy in der heutigen Gesellschaft auszumachen. Er identifiziert vier zeitgenössische Adaptionen. Zunächst geht er auf Andy Warhol ein, den Dandy als Massenprodukt. Er sieht in der Warhol’schen Selbstinszenierung eine Verwischung der Person und des Künstlers, was an den wahren Dandy erinnert, der stets sich selbst zum Werk einer künstlerischen Anstrengung machte. Außerdem erinnert Warhol mit seinem Habitus an die distanzierte Kühle und Künstlichkeit des Dandys.

„In seiner den Lifestyle diktierenden Rolle ist Warhol ein Erbe des Dandys, ein Avantgardist des Stils und Geschmacks im Zeitalter der Massenkultur. Während sich der Dandy jedoch auf eine exklusive Schicht von fellow travellers bezieht, will Warhol auf den Geschmack der Masse einwirken. […] Mehr als jeder Popstar aus der Musikbranche oder prominente Designer verkörpert er das Schicksal des Dandys in unserer Zeit. In Warhol manifestieren sich die Schwundstufen von Eleganz, Originalität und Exklusivität.“[23]

Doch was Warhol zu einem echten Dandy fehlt, ist der Müßiggang. Als zweites Beispiel für den Dandy als Desperado wählt Erbe Pim Fortyun. Der niederländische Politiker kultivierte sein Anderssein und beherrschte die Register der Selbstinszenierung. Er bediente sich des Kostüms des Dandys als Mittel zum Zweck.

„Fortuyn spielte die Rolle des schwulen Lebemanns mit dem Habitus eines Herrn. Zu seiner Popularität trug sein glamouröses Erscheinungsbild bei: ein hochgewachsener Mann mit kahlgeschorenem Kopf, in maßgeschneidertem Anzug mit stets auffallender Krawatte, in repräsentativer Limousine mit Chauffeur. Ein kitschiges Porträt in Öl zeigt ihn mit zwei Hunden im Arm. Sein Lebensstil des kalkulierten Exzesses steigerte seinen Aufmerksamkeitswert und unterschied ihn von der grauen Politikerkaste.“[24]

Fortyun nutzte die provozierende Rede, die Schlagfertigkeit, den Wortwitz und die Ironie eines Dandys, um seine politischen Ziele durchzusetzen. In Karl Lagerfeld sieht Erbe den Dandy als Designer. Er ist der Meinung, dass niemand anderes in der Gegenwart dem Dandy -Ideal so nahe kommt wie Lagerfeld, denn kaum jemand ist in den Medien so präsent und beherrscht die Kunst der Selbstinszenierung so gut wie Lagerfeld. Das liegt wohl hauptsächlich an seiner Nonchalance, seiner Ungezwungenheit, Leichtigkeit und der dandyhaften Unberührtheit, die er zur Schau stellt. Im Unterschied zum wahren Dandy, „der im Widerstreit mit dem Zeitgeist hochmütig seinen eigenen Stil behauptet, passt der Designer sich den Trends der Zeit an, um geschäftlich nicht ins Hintertreffen zu geraten.“[25]

„Der Dandy ist im Unterschied zum Designer ein Kleiderkünstler, der es sich angelegen sein lässt, im Rahmen des Schicklichen eine wirkliche Originalität zu schaffen. Kleidung ist für ihn nicht ein Gewerbe, dem er sich verdingt, sondern ausschließlich Selbstausdruck. Das Kunstwerk, das diesem Handwerk entspringt, ist der Dandy selbst.“[26]

Als letztes Beispiel nennt Erbe den Dandy als Popliterat. Diese jungen Literaten sind meist Journalisten aus Fernsehen, Presse oder Werbebranche. „Sie alle wissen, dass man heutzutage die Werbung für seine Artikel und Bücher selbst in die Hand nehmen muss. Etwa indem man provokant agiert und posiert und somit die Medien auf sich aufmerksam macht. Sie wollen keine kritischen Intellektuellen mehr sein wie ihre älteren Rivalen in den Redaktionsstuben, sondern Vorreiter einer neuen Geschmackselite.“[27] Wie der wahre Dandy treten sie als Geschmacksrichter auf, sind dabei aber nicht originell genug.

Erbe muss jedoch feststellen, dass jeder der vier identifizierten Dandy -Typen nur Teilaspekte des wahren Dandys verkörpert. Warhol konzentriert sich nicht auf die Massen, verliert dadurch an Exklusivität und Originalität. Pim Fortyun instrumentalisierte die Sprache für politische Zwecke, ein Feld aus dem der wahre Dandy sich herausgehalten hat. Karl Lagerfeld hingegen nimmt die Attitüde des Dandys nur an, wenn seine Arbeit ruht und er sich der Öffentlichkeit präsentiert. Und auch die Popliteraten sind zu sehr in ihren Betrieb eingespannt, arbeiten zu viel, hasten ruhelos von Ort zu Ort. Allen fehlt die Muße, über die der Dandy in reichem Maße verfügt. Die Hast des Geschäftslebens passt nicht in das traditionelle Dandy -Bild. Diese Möchtegern- Dandys sind zu beschäftigt, um eigene Geschmacksakzente zu setzen. Was stattfindet, ist einzig allein „eine Vergesellschaftung von Impulsen des Dandytums.“[28]

„Was in einer Gesellschaft der Permissivität bleibt, ist ein Individualismus ohne Rückbindung an verpflichtende Konventionen des Geschmacks und des Stils. Das Spannungsverhältnis ist nicht mehr gegeben, aus dem die Selbstdarstellungskunst des Dandys Funken schlägt. Seine Nachfolger verfügen nicht mehr über die seelische und intellektuelle Disziplin, die den Dandy auszeichnet. Exemplarische Eleganz wird ersetzt durch forcierte Extravaganz, ein Prozess, der schon mit Oscar Wilde einsetzte, dem Vorreiter eines öffentlichen Dandytums.“[29]

Seine Macht hat der Dandy im Stilwandel des Medienzeitalters an Designer, Popstars und andere Stilfiguren abgeben müssen, welche heute als Trendsetter die gesellschaftliche Szene beherrschen. Diese inflationäre Ausbreitung dandyhafter Attitüden im Zeitalter der Massenkultur und der Massenmedien hat eine Nivellierung des Dandytums zur Folge.[30]

„In einer Zeit, in welcher der Selbststilisierung und Selbstdarstellung keine Grenzen mehr gesetzt und einzelne Charakterzüge des Dandys zu Massenerscheinungen geworden sind, hat es ein wirklicher Dandy schwer, seine Originalität zu beweisen.“[31]

Erbe sieht vor allem in den Milieus der Subkultur zahlreiche Verwandlungskünstler und Selbstdarsteller unterschiedlichster Couleur, aber identifiziert diese Exzentriker und Außenseiterexistenzen nicht als Dandys, sondern als urbane Überlebenskünstler. Solche Künstlertypen haben zwar vom Dandy die eine oder andere Attitüde übernommen, doch weder ist die Eleganz ihr einziger Beruf, noch widmen sie sich einzig und allein dem Zweck, die Idee des Schönen in ihrer Person zu kultivieren. Im Gegenteil, sie sind hektisch bemüht, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Vom berühmten Müßiggang des Dandys sind diese gehetzten Wesen weit entfernt. Das soziale Terrain des Dandys ist demzufolge die Subkultur.

„Während der Dandy alten Stils sich dem guten Geschmack hingebe, mache der [neue Dandy] keinen Unterschied mehr zwischen dem einzigartigen Gegenstand und dem Massengut. Er verstehe es, die Produkte der Massenkultur auf ausgefallene Art zu besitzen. […]Diese Klasse repräsentiere die Beziehung zum Stil in einer Zeit, in der die Übernahme eines Stils - als solche - fragwürdig geworden sei und in der es keine echten Aristokraten im alten Sinne mehr gebe, die besondere Geschmacksrichtungen fördern könnten.“[32]

Der heutige Dandy steht sozusagen auf verlorenen Posten, da er weder ein soziales Umfeld, noch ein Publikum für sich vorfindet, welche seinen Geschmacksdiktaten zustimmen. Doch Einzigartigkeit und Originalität sind schwer in einer Zeit, in der es alles zu geben scheint und alles problemlos nachgeahmt werden kann.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt Oswald Wiener in seinem Essay Eine Art Einzige, in dem er eine Theorie zu einem modernen Dandytum entwirft. Er ist der Meinung, dass das Dandytum auf hohem Niveau nicht mehr möglich sei, sondern nur eine Wiederholung auf niedrigerer Stufe, also in der Subkultur ist. Wie er sagt, gebe es nur noch ein „sekundäres Dandytum“, das bereits Bekanntes für sich neu entdecke.[33]

In einem neueren Beitrag zum veränderten Charakter öffentlicher Räume in großstädtischer Umgebung heißt es: „Natürlich, wir wissen es, der öffentliche Raum wurde ausgeräumt und seiner Funktionen beraubt. Der Dandy zeigt sich lieber in der Talkshow als beim Nachmittagsbummel auf der Kärntnerstraße.“[34] Das Verständnis des Dandys als Selbstdarsteller, Müßiggänger und Flaneur wird dabei vorausgesetzt. Die positiven Konnotationen dieses Sozialtypus lassen seine Abwesenheit als Zeugen für den Verfall der Lebensart in einer Gesellschaft, die von Massenmedien, Reproduzierbarkeit und Effizienzsteigerung dominiert wird, auftreten. Der Dandy wird in dem Beitrag sowohl als Sozialtypus als auch als Symbol begriffen. Als Symbol für etwas Verlorenes, Unzeitgemäßes.

Allen drei Beiträgen zufolge ist der wahre Dandy tot. In der heutigen Gesellschaft hat es ein echter Dandy schwer, sich zu behaupten. Allenfalls finden sich Möchtegern- Dandys beziehungsweise Charakterzüge des Dandy wieder. Der Dandy wird zwar kopiert, aber nicht erreicht. Besonders sein Müßiggang ist heutzutage schwer umzusetzen, denn die meisten Menschen müssen arbeiten, um sich einen solchen Lebensstil leisten zu können. Ein wahrer Dandy darf nichts anderes als ein Dandy sein. Er macht kein Geld, er gibt es aus! Damit ist der Dandy eher in der Vergangenheit als in der Zukunft verankert. Des Weiteren führt der verzweifelte Versuch nach Originalität den Dandy in den Untergang. Einmaligkeit und Exklusivität sind in Zeiten der unendlichen Reproduzierbarkeit unmöglich geworden:

„Ein […] Grund für das Ende des Dandy wird in der technischen Reproduzierbarkeit gesehen, denn wenn der Dandy als Kunstwerk anzusehen ist, so die zugrunde liegende Argumentation, müsse somit sein Auraverlust in Betracht gezogen werden.“[35]

Der Dandy selbst ist zu einer Ware geworden. Die gesellschaftlichen Umstände führen zum Tod des Dandys. Der Dandy ist tot! Er lebt lediglich in seinen Nachahmern weiter. Erbe nannte bereits Andy Warhol aus dem Bereich der Massenmedien, Pim Fortyun aus der Politik und Karl Lagerfeld aus dem Bereich Mode. Als letztes Beispiel führte er die Gruppe der Popliteraten an, nennt aber keinen Namen. Bekannt aus den Medien können hier aber Vertreter wie Christian Kracht oder Benjamin von Stuckrad-Barre aufgezählt werden. Ein weiteres Beispiel für eine neue Form des Dandys findet sich in Hörners Monographie Die Behauptung des Dandys. Eine Archäologie. In seinem Ausblick über die Zukunft des Dandys sieht er den Rapper als Dandy des 21. Jahrhunderts. In deren üppigem Männerschmuck (als Beispiel nennt er das amerikanische Hip-Hop-Duo Outkast) zeigt sich seiner Meinung nach Ähnlichkeiten zur Dekadenz eines Dandys. Dieser Behauptung bedarf es jedoch noch einer Untersuchung.[36]

Das größte Comeback scheint der Dandy jedoch im Bereich der Mode zu erleben. Besonders in der massenhaft produzierten Konfektionsmode ist zu beobachten, wie Modezeitschriften in regelmäßigen Abständen betonen, dass der Dandy -Look wieder en vogue ist. Etwa erklären das gleichnamige Magazin Vogue und auch das Männermagazinen GQ und Men’s Health, wie man sich als Dandy in Szene setzt. Worin allerdings der heraufbeschworene Dandy -Look besteht, darüber herrscht Uneinigkeit. Für Vogue existiert er als weiblich und sexy. Frauen sollten für diesen Look im Kleiderschrank ihrer Männer wühlen:

„Bringen Sie Brüche ins Spiel! Kombinieren Sie zum Beispiel strenge Anzüge zu zarten Lingerie-Tops, tragen Sie High- oder Plateauheels zur klassischen Nadelstreifenhose oder Gehröcke und lange Blazer zum Pencil Skirt. Schmale Krawatten und kleine Taschenuhren machen jedes Dandy-Outfit perfekt. Die Regel lautet: Maskulin wird durch feminin aufgelockert.“[37]

Men’s Health erklärt den Dandy -Look als lässiges Outfit. Die Grundausstattung bildet ein „eng geschnittenes Sakko oder ein edler Anzug “. Dazu empfohlen werden elegant wirkende Smokingjacketts, Ein- oder Zweiknopf-Sakkos mit dezenten Paisley-Mustern, taillierte Hemden mit Seidentüchern oder -krawatten und glänzende Lederschuhe. Nicht fehlen dürfen natürlich Manschettenknöpfe.[38] Der Ausstatter Conley’s bezeichnet eine Fischgrathose mit weitem Bein als Dandy Hose und GQ beschreibt den Dandy -Look mit auffälligen Hüten und körperbetonte Schnitten.[39] Dass massenhaft produzierte Kleidung eine Person zum Dandy erklären kann, beweist einerseits die Popularisierung des Dandys, andererseits dokumentiert sie eine Verflachung dieser Figur.

In vielen Fällen bedeutet der Dandy -Look eine Verbindung von Klasse, Eleganz und weiblichen Attributen. 1994 wurde von dem britischen Journalisten Mark Simpson erstmalig der Begriff metereosexuell publiziert. Der Begriff setzt sich zusammen aus den Worten metropolitan und heterosexual und bezeichnet einen extravaganten Lebensstil heterosexueller Männer, die angeblich keinen Wert auf Kategorisierung in ein maskulines Rollenbild legen. Als deren Prototyp gilt etwas Fußballer David Beckham.[40] In den Medien wird diskutiert, ob Metrosexuelle nicht die Dandys des 21. Jahrhunderts seien.[41] Doch wahrscheinlich wäre Brummell entsetzt, wer sich mittlerweile mit dem Begriff Dandy schmücken darf. Dandys können nicht einfach gleichgesetzt werden mit Männern, die penibel auf ihre Erscheinung achten. Ein maßgefertigter Anzug, Melone und weiße Handschuhe machen einen Mann noch nicht zum Dandy. Zwar erlebt der Dandy derzeit eine Renaissance, etwa mit der Literaturverfilmung Das Bildnis des Dorian Gray (2009). Im Internet organisieren Männer sich derweil zu modernen Herrenzirkeln. Statt in Debattierklubs trifft man sich online. Blogs wie A New York Dandy von Sam Wellington oder Christian Chensvolds Dandyism zelebrieren ein Lebensgefühl, das von extravaganter Eleganz geprägt ist. Diese Eleganz drückt sich jedoch hauptsächlich modisch aus. Dabei ist das Dandytum vielmehr eine Geisteshaltung. Das wird schnell vergessen, wenn der Dandy zum Trend erhoben wird.

Der wahre Dandy ist tot! Dandy, adieu! Es ist Zeit zu trauern. Wo bleibt der Champagner?

Literaturverzeichnis

Beerbohm, Max. Dandys. Ausgesuchte Essays und Erzählungen. Zürich: Haffmans. 1989.

Flocker, Michael. Metrosexual – Das Handbuch für den neuen Mann. München: Heyne Verlag. 2004.

Gnüg, Hiltrud. Kult der Kälte. Der klassische Dandy im Spiegel der Weltliteratur. Stuttgart: Metzler. 1988.

Hörner, Fernand. Die Behauptung des Dandys. Eine Archäologie. Bielefeld: Transcript. 2008.

Krobb, Florian. „-denn Begriffe begraben das Leben der Erscheinungen“ Über einen Versuch, den Dandy in die deutsche Literatur einzubürgern. In: Krobb Florian und Sabine Strümper.Krobb (Hrg.). Literaturvermittlung um 1900. Fallstudien zu Wegen ins deutschsprachige kulturelle System. Amsterdam und New York: Rodopi. 2001. S. 75-91.

Schaukal, Richard. Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser, eines Dandy und Dilettanten. Stuttgart: Klett-Cotta. 1986.

Von der Heyden-Rynsch, Verena (Hrg.). Riten der Selbstauflösung. München: Matthes & Seitz. 1982.

Wicke, Andreas. Der paradoxe Dandy. Richard Schaukals Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser. In: Helmes, Günter (Hrg.). Literatur und Leben. Anthropologische Aspekte in der Kultur der Moderne. Tübingen: Gunter Narr. 2002. S. 147–160.

Braun-Himmerich, Anne. Dandy-Look. In: Vogue. 15. Oktober 2008. <http://www.vogue.de/articles/mode/mode-trends/dandy-look/2008/10/15/11554>

Erbe, Günter. Der moderne Dandy - Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale für politische Bildung. (B 46/ 2004).
<http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

Dumreicher, Heidi. Wettlauf von Hase und Igel. In: Zeitschrift für KulturAustausch. Ausgabe. 48/3. Stuttgart.1998.

refuse. Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?. In: Neon.de. 09. September 2009. < http://www.neon.de/kat/kaufen/maennermode/26106.html >

Walbersdorf, Max Ernst. Z Zegna. In: GQ. 24. Juni 2009.
<http://www.gq-magazin.de/articles/stil/modenschau/mailand-fashion-week-fs-2010/2009/06/24/16157/>

Weinreuter, Marc. So setzen Sie sich als Dandy in Szene. In: Men’s Health. 26. Dezember 2009. < http://www.menshealth.de/style/designer/so-setzen-sie-sich-als-dandy-in-szene. 9029.htm >

Décadence und Fin de Siècle

Im Bezug auf den Dandyismus

Von Stefanie Breitzke, 2004

Einleitung

Die hier vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Begriffen der „Décadence“ und des „Fin de siècle“ und wird diese jeweils kultur- und literaturhistorisch betrachten. Als Quellenangaben dienen hier größtenteils Lexikonartikel und Wörterbücher, bzw. Nachschlagewerke. Ein großer Teil der Arbeit wird der „Décadenceliteratur“ gewidmet und setzt die Schwerpunkte vor der Zeit des Fin de siècle und währenddessen. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf die deutsche Décadenceliteratur geworfen.

Abschließend wird der Dandyismus und die daraus resultierende Literatur in den Kontext der Décadenceliteratur gebracht und dort werden einige Parallelen, aber auch Unterschiede herausgearbeitet.

Fin de siècle

Begriffsgeschichtlich erläutert

Als Fin de siècle wird die gesamteuropäische Epoche des Übergangs vom 19. zum 20. Jh. bezeichnet. Es herrscht eine gewisse Gleichheit von Endzeitstimmung und Modernitätsbewusstsein. Der Begriff ist nicht speziell auf die oder das letzte(n) Jahr(e) des 19. Jh. festgelegt, sondern bezieht sich auf die Zeit um die Jahrhundertwende.[42]

Er kommt von der lateinischen Formulierung „finis saeculi“, die das Ende der Weltzeit überhaupt meint. Dies ist um 1900 zwar nicht der Sinn der „Formel Fin de siècle“, aber das Wort empfängt von dieser Vorgeschichte her eine gewisse Aura, einen Beiklang von Weltuntergang, der nicht ernst gemeint ist, aber den Stimmungswert des Modeworts pathetisch erhöht.[43]

Der Begriff tauchte erstmals in seiner heute gebräuchlichen Form 1886 in Emile Zolas Roman „L'Œuvre“ auf, und wurde im ersten Jahrgang der Zeitung „Le Décadent“ 1886 verwendet. Zuvor war er aber schon 1883 im Argotwörterbuch von Barrère aufgeführt, aber nicht als eigenständiger Begriff, sondern nur als Synonym mit Dandy.[44] Sogar in Gedichten von Arno Holz wurde der Passus verwendet, oder in Oscar Wildes „Dorian Gray“, daran sieht man, dass Fin de siècle nicht nur auf einen engeren Umkreis der literarischen Décadence beschränkt blieb.[45] Darauf wurde es zum Modewort und hatte sich bis 1894 durch ganz Europa verbreitet.

Die kultur- und literaturhistorischen Stufen der Décadence

Von Beginn an verbindet sich beim Fin de siècle die allgemeine Vorstellung vom Niedergang des ganzen Zeitalters, politisch, gesellschaftlich, kulturell und moralisch.

Auch in den vertretenen Kunstrichtungen des Fin de siècle lässt sich die Zwiegesichtigkeit dieser Epoche gut erkennen, da steht z.B. der Naturalismus (1880-1900)[46] dem Symbolismus oder Impressionismus (Gegenströme des Naturalismus 1890-1920)[47] gegenüber.[48] Eine dominierende Bedeutung in diesem Stilpluralismus wird jedoch dem Jugendstil zugesprochen.[49] Das Janusköpfige des Fin de siècle Phänomens erscheint auch noch in weiteren kontrastierenden Begriffspaaren, hier einige zur besseren Erläuterung:

Morbidität – Vitalismus

Fortschrittsglaube – Zukunftspessimismus

Realismus – Neuromantik, Lyrismus[50]

Die Künstler der Décadence Literatur wurden der Fin de Siècle Bewegung zugeordnet, Huysmans Roman „A Rebours“ gilt als das herausragende Standardwerk des Fin de siècle, und sein Protagonist als Dandy par exellence. Im Grunde befinden sich alle Romanfiguren Huysmans in einem besonderen Spannungsverhältnis zur Umwelt; sind auf der Suche nach etwas Neuem, ohne dabei aber eine Aktivität zu entwickeln. Die Selbstbeobachtung ist für alle bezeichnend und somit auch ein typisches Phänomen des Fin de siècle. Im Bereich der deutschsprachigen Literatur werden die Anregungen des französischen Fin de siècle zuerst durch Autoren des „Jungen Wien“ umgesetzt.[51] Als gemeinsames Credo der Literatur im Fin de siècle könnte man die folgenden Zeilen betrachten: „Ein künstliches Leben oder ein Leben in fernen Zeiten wirkt wie der Balsam, der über die schlechte Gegenwart hinweghelfen soll.“[52]

Bezeichnend für die Menschen um 1900 ist auch ein ständiges, immer wachsendes Bedürfnis, die eigene Gegenwart, ihre eigene geschichtliche Situation zu verstehen, um in ihrer Lebensgestaltung dem nahe kommen zu können, was „heute gefordert, was notwendig und zeitgemäß ist“. Am genauesten beschreibt Hugo von Hofmannsthal die Décadence des Fin de siècle in seinem Essay über d’Annunzio von 1893. Er beginnt mit der Erkenntnis, zu den „Spätgeborenen“ zu gehören, zu den nervenschwachen Söhnen lebenskräftiger Vorfahren. Sie genießen die vergangene Kunst und Schönheit, sehen aber in ihrer Gegenwart nur „öde Wirklichkeit“. Die Zweiwertigkeit des Fin de siècle ist repräsentativ für diese Epoche, erst beides zusammen, Endzeitstimmung und Aufbruchswillen macht die innere Struktur dieses Phänomens aus. Mit einer naiv anmutenden Ungeduld wurde das 20. Jh. erwartet, so als sei mit der wechselnden Datierung schon eine ganz neue geschichtliche Phase verwirklicht.[53]

Décadence

Das französische Wort Décadence ist abgeleitet vom Lateinischen decadere und bedeutet zer- bzw. herabfallen; im deutschen Fremdwörterbuch wird ihm heute folgende Bedeutung zugesprochen: kultureller, sittlicher Verfall, Niedergang und Lasterhaftigkeit.[54] Daneben bezeichnete man seit dem 18 Jh. auch den Sonnenuntergang als Décadence, was im Hinblick auf die symbolische Bedeutung des Sonnenuntergangs in der Literatur um die Jahrhundertwende interessant erscheint.[55]

In französischen Texten ist das Wort als Substantiv bis 1413 zurückzuverfolgen, adjektivisch verwendet taucht es 1516 erstmalig auf. Der Begriff Décadence/Dekadenz hat bis in die heutige Zeit aber eine außerordentliche konzeptuelle Erweiterung erfahren, auf die später noch eingegangen wird.

Von Décadence war zuerst mit einem umfassenden Naturbezug und ohne Wertung die Rede, die Wurzeln dieses weiten Gebrauchs waren die antiken Zeitalter-, Niedergangs- und Kreislaufkonzeptionen. Der Naturbegriff war durch Verfalls- und Kreislaufvorstellungen strukturiert, d. h. Geburt, Wachstum, Alter, Tod. Die Décadence war also erst einmal mehrere Jahrhunderte zyklisch gefangen. Im 17. Jahrhundert konzentrierte sich die Bedeutung der Décadence auf den Verfall weltlicher Reiche und Macht. Erneut beschäftigten sich die Menschen mit dem Fall des römischen Reiches, und in diesem Zusammenhang spielt der Décadence Begriff eine zentrale Rolle. Dabei wird nur nicht der politische Verfall beklagt, sondern auch der moralische, ausgelöst durch übergroßen Luxus und sexuelle Ausschweifungen.[56] Etwa um 1780 war dann die Funktion von Décadence zur Strukturierung von Geschichte überholt, sie wurde fortan durch Epochenbegriffe gegliedert. Im kommenden Zeitalter des Fortschritts konnte der Verfall nicht mehr als etwas Natürliches akzeptiert werden, fortan wurde die Zivilisation als ein widernatürlicher Zustand betrachtet und „als solcher mitsamt seinen kulturellen Errungenschaften, seiner Verfeinerung des Lebens, der Differenzierung der Formen, der Rationalisierung des Weltbildes und seiner Wissenschaftsgläubigkeit als Verfall bewertet. Dieser Kulturpessimismus, der durch die französische Revolution neue Nahrung erhält, ist für die inhaltliche Fülle des Begriffs Décadence von entscheidender Bedeutung.“[57] Die Décadence avancierte zu einem endgültigen Begriff – Modernisierung oder Verfall, Sein oder Nichtsein, dazwischen gab es keinen Spielraum mehr.

Ab dem 17./18. Jh. wurde der zyklische Décadence Begriff auch für künstlerische Werke genutzt, quasi der erste Schritt in die Richtung eines ästhetischen Décadence Verständnisses. Ab ca. 1830 war Décadence dann als, – zwar immer noch negativer –, Stilbegriff anzusehen. Er wurde im Rahmen der Rhetorik verwendet und sein Hauptmerkmal war der Bruch mit dem Naturschönen und der Vernunft zugunsten einer überfeinerten Künstlichkeit.[58]

Von diesem Zeitpunkt an verlor sich immer mehr die ursprüngliche Bedeutung von Décadence und sie sollte in kürzester Zeit zum entscheidenden ästhetischen Stilbegriff einer bestimmten literarischen Epoche werden, den „Décadents“.

Décadenceliteratur

Vor der Zeit des Fin de siècle

Die entscheidenden Impulse einer Décadenceliteratur gehen auch hier wieder von Frankreich aus.[59] Montesquieu verbindet 1734 den Begriff der Décadencedichtung mit dem europäischen Bewusstsein einer politisch-sozialen, weltanschaulich-sittlichen und künstlerisch-kulturellen Krisenlage. Die veränderten Lebensformen und die gegebenen Verhältnisse erscheinen als eine Entfremdung des Lebens von seiner natürlichen Ordnung. Es herrscht in ganz Europa eine Art Kulturpessimismus.[60] Zu Beginn des 19. Jh. vollzieht sich ein Wandel des bisher immer negativ gewerteten Décadence Begriffs zu einem positiv wertenden Stilbegriff. Der Übergang in andere europäische Kulturen geschieht etwas später (zum Ende des 19. Jh.). Damit die Décadence ästhetisch werden konnte, musste Gefallen am Verfall entwickelt werden. Die Kunst wurde neu definiert, und man strebte nach einer zweckfreien Kunst. „Nur was anti-natürlich, was der Norm und der Vernunft widerspricht ist zweckfrei, ist schön.“

1830/40 hat Charles Nodier „als erster so etwas wie ein dekadentes Stilbewusstsein formuliert“,[61] und Baudelaire forderte 1857 die Wendung der Décadence ins Neue, ins Elitäre.[62] Er war der eifrigste Vertreter und Propagandist dieser neuen, modernen Literatur, deren Weltanschauung er für lange Zeit voll verwirklichte. Für Baudelaire wurde der geschichtliche Begriff der Décadence zum Gegenwartsgefühl und Grundempfinden seines Daseins. Seine Dichtung erscheint in höchst differenzierter Form: Ästhetizismus, Exotismus, Dandyismus, Perversion und Abgrund, Satanismus, religiöse Musik, u.a.[63] Die Schriftsteller der Décadenceliteratur charakterisieren in ihren Werken den Genuss des Leidens und die Schönheit des Verfalls. Hintergrund dieser Dichtung ist das allgemeine Gefühl eines Endes, die Verwandlung der Negativität in einen Positivismus der eigenen Seelenstimmung. Kennzeichnend ist weiterhin die Ablehnung der bürgerlichen Welt mit ihren Normen und Regeln. Unter den Verfechtern dieser Bewegung herrscht eine gesteigerte Sensitivität und Reflexivität des eigenen Ich, Nervosität und Willensschwäche eingeschlossen. Daraus resultiert die Bevorzugung des Künstlichen gegenüber dem Natürlichen. Die Künstler flüchten sich in einen überzogenen Schönheitskult und in die phantastische Welt des Traums.[64]

In der Zeit des Fin de siècle

Im weiteren Verlauf der Entwicklung der Décadence verliert sie immer mehr an Klarheit und Deutlichkeit, sodass sie langsam zur Modeerscheinung avanciert. Alles wird bald unter dem Thema Décadence abgetan und man bezeichnet sich auch selbst gerne als „Décadent“. Es erscheinen einige Zeitschriften, die sich mit der Thematik auseinandersetzen, die bekannteste nennt sich „Le Décadent“ und erscheint von 1887-1889. Inhaltlich waren aber keine großartigen Neuerungen seit Baudelaire zu vermerken. Die Leistung der „Décadents“ bestand hauptsächlich darin, durch provokative Propaganda den Begriff sprachlich zu manifestieren und zu einem festen Bestandteil der literarischen Szene zu machen. Etwas widersprüchlich erscheint, dass sich besagte „Décadents“ der Bohème zurechneten. Außerhalb der Bohème wurden aber ganz andere, bedeutendere Einbürgerungsleistungen vollbracht. Zum einen 1884 die Erscheinung von Huysmans Roman „A Rebours“. Seine Leistung war die erste durchgearbeitete Fiktion einer auf Künstlichkeit zielenden Existenz. Das ganze Leben im Roman war eine Welt des ästhetischen Scheins. Dieses Werk könnte auch als „Grundbuch der Décadence“ oder die „Einführung in den Ästhetizismus“ bezeichnet werden. Der etwas andere Einbürgerungsversuch gelang Paul Bourget. Er schaffte es, der Décadence „die Spitze abzubrechen“. 1881 verfasste er ein Essay über Baudelaire, 1883 die „Essais de psychlogie contemporaine“ (Abhandlung über zeitgenössische Psychologie), der 1885 noch ein zweiter Band folgen sollte. Er versuchte die Décadence in ihrer Gesamtheit zu erfassen und die „Orgien der Überreife“ ganz ins Innere zu verlegen. Ende der 80er Jahre verlor die Décadence in Frankreich schon weitestgehend an ihrer Suggestivkraft, man könnte sagen, als Décadence Mode wurde, war sie paradoxerweise schon überholt.

In England kam die Bewegung zu dieser Zeit erst richtig in Schwung, 1889 wurde die „Yellow Decade“, in deren Zentrum Oscar Wilde stand, eröffnet. Auf deren Höhepunkt 1894/97 wurde dann auch noch die programmatisch dazu passende Zeitung „The Yellow Book“ herausgegeben. Innerhalb dieser Hochphase erschien auch das Vorzeigewerk der englischen Décadenceliteratur, „The Picture of Dorian Gray“ (1890 von O. Wilde).

Der Begriff Décadence spielte in England aber nie so eine entscheidende Rolle, die Literatur Wildes wurde die ganzen Jahre hindurch als ästhetische Provokation angesehen. „Selbstreflexive Verfeinerung“ oder „Anti-Natur“ als Kunstprinzip waren durchaus gängige Synonyme. Zusammenfassend könnte über die englische Décadence Dekade festgestellt werden: „Der Stilbegriff aus Frankreich hat auf den englischen Ästhetizismus kurz fördernd eingewirkt, aber keinen wesentlichen Einfluss genommen oder gar eine Entwicklung erfahren.“[65]

Décadenceliteratur in Deutschland

Am Ende des 19. Jh. gelingt der Décadence der Siegeszug von Frankreich ins kulturmüde Europa, allen voran propagieren Friedrich Nietzsche und Helmut Bahr die neue Décadence. Die Wurzeln liegen in Deutschland jedoch im Sturm und Drang verankert, auch hier herrschte schon ein gewisser Kulturpessimismus, der wiederum auf die Ideen Rousseaus zurückgeht und jeden blinden Fortschrittsglauben und Rationalismus im Zeichen der Zivilisation ablehnt und stattdessen eine Rückkehr zum natürlichen Leben fordert. Schon im Sturm und Drang also geht die Erkenntnis des Niedergangs der Kultur einher mit einer starken Kritik an Zivilisation und Gesellschaft. An der Philosophie Schopenhauers und der Musik Richard Wagners entzündet sich dann auch der Décadencebegriff bei Nietzsche, anfangs verwendet er jedoch noch bevorzugt Synonyme wie Verfall, Untergang und Niedergang. Der Verlust der Einheit, des Ganzen, ist für ihn das Hauptmerkmal aller Décadence.[66] Sie ist für ihn eine notwendige Konsequenz des Lebens, sie erfasst Menschen und Epochen.[67] Zur Zeit Wilhelms II sind die Begriffe „Fin de siècle“ und „Décadence“ aber auch von Anfang an mit einer kritischen Distanzierung verbunden. In dieser Zeit des starken biologisch-naturwissenschaftlichen Denkens sieht Nietzsche die Décadence auch als eine Art Krankheit an, die sich aber gleichzeitig als „Stimulans zum Leben“ erweisen könnte.[68] Er begreift die Décadence als einen „Hysterismus“,[69] ist aber davon überzeugt, schon die Überwindung der Décadence in sich zu tragen. Von Anfang an lebt in der Décadence auch ein schmerzliches Bedürfnis nach Gesundung, so sehr man auch den Zauber und die Reize des Verfalls genießt. Die Décadencebewegung greift im Ausgang des 19. Jh. das Gefühl der Entfremdung vom Leben auf und steigert es zu einem Kult der Innerlichkeit und Künstlichkeit, sieht ihren extrem verfeinerten Zustand aber gleichzeitig als Höhe- und Endpunkt, dem nur der Untergang als letzte Steigerung noch folgen kann.[70] Die Décadenceliteratur ist eine Ausprägung einer Lebensstimmung, die sich mit verschiedenen Erlebniskomplexen verbinden kann, sie trägt in der deutschen Literatur zum Teil die innere Tendenz zur Gegenwendung, zur Überwindung; das zeigt z.B. Thomas Mann, der der Décadenceliteratur schon sehr früh das positive Vorzeichen des „Heroismus der Schwäche“ gab. Er würde der Décadenceliteratur gerne absagen, schafft es jedoch nicht. Daher versucht er mit der Überwindung von Décadence und Nihilismus wenigstens künstlerisch zu experimentieren.[71] In Deutschland kommt es zu einer ambivalenten Haltung der Décadence gegenüber, so stellten der Rückzug auf die eigene Innerlichkeit und die Verliebtheit in den eigenen Verfall nur eine Seite der Décadence dar. Der Décadent leidet zeitweise unter seiner selbstgewählten Isolation und versucht sie aus seinem Inneren heraus zu bekämpfen, da er sich nach einer neuen Einbindung in den Lebensprozess sehnt und die Stärke seiner Vorfahren bei sich selbst vermisst. Hugo von Hofmannsthal beschreibt am treffendsten diesen inneren Zwiespalt, der sich aus der Lebensferne und Lebenssehnsucht der Décadence ergibt: „Wir haben nichts als ein sentimentales Gedächtnis, einen gelähmten Willen und die unheimliche Gabe der Selbstverdoppelung. Wir schauen unserem Leben zu; wir leeren den Pokal vorzeitig und bleiben doch unendlich durstig: denn, wie neulich Bourget schön und traurig gesagt hat, der Becher, den uns das Leben hinhält, hat einen Sprung, und während uns der volle Trunk vielleicht berauscht hätte, muß ewig fehlen, was während des Trinkens unten rieselnd verloren geht: so empfinden wir im Besitz den Verlust, im Erleben das stete Versäumen. Wir haben gleichsam keine Wurzeln im Leben und streichen, hellsichtige und doch tagblinde Schatten, zwischen den Kindern des Lebens umher.“ Daran sieht man, dass die selbstgewählte ästhetische Lebensferne nicht nur als lustvoller Ausnahmezustand wahrgenommen wird, sondern auch als leidvoll empfundene Ausgrenzung vom Leben.[72] Das Bewusstmachen der eigenen Décadence erhöht das Gefühl für das, was fehlt und früher vorhanden war: Willenskraft, nervliche Widerstandsfähigkeit, Eingefügtsein in Wirklichkeit und Gemeinschaft, Lebenszuversicht, etc. Da der Verlust dieser Werte beklagt wird, bestätigt das ihre Geltung und macht sie wieder erstrebenswert. Auf der Stufe der Verfeinerung und Vergeistigung, die in der Décadence auf Kosten der Vitalität erreicht ist, kann die Rückgewinnung der lebenskräftigen Gesundheit versucht werden.[73]

Vielleicht kann man sich Flucht in künstliche Welten, in eine überhöhte Vergeistigung und den Verzicht auf jegliches Handeln mit dem Wissen um seine Vergeblichkeit erklären. Die Menschen des Fin de siècle und somit auch der Décadence fühlten eine drohende Ohnmacht, und da sie keine Kraft besaßen sich aus ihr zu befreien, flüchteten sie in eine konstruierte Scheinwelt, um sich ihrer Neurosen anzunehmen. Aus dem Bewusstsein einer Stimmung war somit eine neue Kunstepoche geboren.

Der Bezug zum Dandyismus:

Zwischen dem Dandyismus und der Décadenceliteratur gibt es einige Parallelen. Zuerst einmal ist es die gleiche Zeitspanne in der beide agieren. Es sind beides Bewegungen des 19. Jh., die sowohl von den Ausschreitungen der französischen Revolution als auch von der fortschreitenden Industrialisierung geprägt sind. Der Dandyismus umfasst einen bestimmten Sozialtypus, ein ästhetisches Kompositionsprinzip, einen Lebensstil und einen literarischen Stil. Das Wort Dandy tauchte in seiner heute gebräuchlichen Form erst zu Beginn des 19. Jh. auf, im Gegensatz zur Décadence ist der Dandyismus aber englischer Herkunft. Deswegen kann man den Beginn des Dandyismus auch nicht mit dem Beginn der Décadence gleichsetzen, da diese ihre Anfänge bekanntlich in Frankreich hatte. In den späten dreißiger Jahren wurde seine Urform aber rehabilitiert und er wurde auch in Frankreich zum Inbegriff souveräner Kultiviertheit. Aber obwohl England das Land des gelebten Dandyismus ist, haben sich vor allem französische Autoren, wie Baudelaire oder Barbey d’Aurevilly, mit seinen kultursoziologischen und ästhetischen Aspekten auseinandergesetzt.[74] Für Baudelaire ist der Dandyismus auch eine Erscheinung einer Übergangszeit zwischen Demokratie und Aristokratie.[75] Man könnte auch sagen, der Dandy ist eine Zwittergestalt, mit einem Teil seiner Selbst ist er noch mit dem Wertekanon des Ancien régime verbunden, doch zur Hälfte seines Wesens schon durchdrungen vom Geist der neuen Zeit.[76] Diese beiden Äußerungen lassen sich auch durchaus mit der Lebenshaltung zur Zeit des Fin de siècle vergleichen, woraus man schließen kann, dass der Dandy durchaus ein Kind seiner Zeit war. Dieses Jonglieren zwischen den Werten, das Vor-Bewusstsein des Niedergangs hat den Dandy in diese Dennoch-Haltung getrieben, die in seiner Egozentrik ihren Höhepunkt fand.[77] Zu unterscheiden sind allerdings zwei verschiedene Typen des Dandys. Zum einen gibt es den Lebemann, den gelangweilten Elegant, der die meiste Zeit in luxuriösen Salons verbringt und dessen Dandytum sich meist in Äußerlichkeiten erschöpft. Auf der anderen Seite gibt es den Dandy der Künstlerszene, der Bohème. Für den Schriftsteller Dandy war es wesentlich schwieriger, beides miteinander zu vereinbaren: den Formalkult der Dandys und das Formgesetz künstlerischen Schaffens. Durch enorme Exzentrik versuchten sie über ihre, meist finanziellen, Probleme hinweg zu täuschen. Diese Art des Dandyismus fand in Frankreich eine größere Resonanz, da die französischen Schriftsteller traditionell eine größere Nähe zur aristokratischen Lebenswelt hatten. Zu dieser Gruppe gehörten auch Baudelaire und Barbey d’Aurevilly, die ein geistiges Dandytum zu kultivieren suchten, und auch nur diese Dandys kann man mit den Décadents vergleichen, bzw. sind die Typen, die in der Décadenceliteratur eine tragende Rolle spielen.[78] Das Décadence und Dandyismus überlappen, sieht man daran, dass die Protagonisten der herausragendsten Werke der Décadenceliteratur dandystische Züge tragen, oder sich selbst als Dandy sehen. So z.B. Des Esseintes aus Huysmans „A rebours“. Er lebt in selbstgewählter, völliger Einsamkeit und gibt sich ganz seinem übertriebenen Ästhetizismus hin. Bis dahin ein Décadent, da er aber die klassische Dandy Literatur in den prächtigsten Ausgaben besitzt und auch sonst viele dandystische Züge aufweist, ist er auch dieser Spezies zuzurechnen. Für Wildes Protagonist Dorian in „The Picture of Dorian Gray“ wird Huysmans „A rebours“ sogar zum Kultbuch. In Baudelaires „Fleurs du mal“ von 1857, ein entscheidendes Werk der Décadenceliteratur, ruft das lyrische Ich Bilder, Gesten und Gestalten dandystischer Art auf, und die Übernatürlichkeit ihrer Komposition entspricht einer dandystischen Ästhetik. Der permanenten Wachheit des dandystischen Bewusstseins entspricht eine außerordentliche Selbststilisierung, der die Natur fremd geworden ist. Den klassischen Dandy trifft man ebenso wenig wie den Décadent in der freien Natur an. Die Theoretiker des Dandyismus setzen am Dandy aber auch alle unterschiedliche Akzente, Balzac befasst sich mehr mit den Äußerlichkeiten, Barbey d’Aurevilly orientiert sich mehr am soziokulturellen Hintergrund und Baudelaire bezieht sich am meisten auf die Spiritualität, die Effektkontrolle und Selbstreflexion des Dandys. Daher sind seine Analogien zum Künstlertum am treffendsten und somit auch die Verbindung zur Décadence.[79] Bei den klassischen englischen Vertretern des Dandyismus, wie z.B. bei George Brumell, dem sog. „Urdandy“, findet man weniger Assoziationen zur Décadence. Diesen Dandys fehlt die Lust am Vergänglichen, sie besitzen nicht den Schwermut eines „Des Esseintes“ und die Gabe zur völligen ästhetischen Stilisierung. Die von Baudelaire und d’Aurevilly geschaffenen Personen dürfen aber auch nicht immer als Abbilder lebender Personen gesehen werden, da sie Idealbilder vom Dandy geschaffen haben. Sie statten ihn mit Eigenschaften aus, die ihn aus dem gewöhnlichen Dandytum herausheben. „Ihr Dandy ist der geistig überlegene Mann voller Selbstzucht, ein Müßiggänger, der in ununterbrochener Selbstbespiegelung sein Leben ausschließlich dem Schönen weiht. Mehr als das Äußere zählt für ihn die innere Haltung. Sie sehen in ihm den heroischen Außenseiter, eine Protestfigur gegen bürgerliche Nivellierung und Moral, gegen die Ideologie des Nützlichen und Zweckhaften.“ „Der Dandyismus ist das letzte heroische Sichaufbäumen in Zeiten des Verfalls.“[80] Wenn man diesen von Baudelaire geschaffenen Dandy mit dem des Décadent vergleicht, lassen sich leicht wieder einige Parallelen herstellen. Abschließend lässt sich feststellen, dass der Dandyismus ein Teil der Décadenceliteratur ist. Der Dandy und der Décadent weisen einige Gemeinsamkeiten auf, aber trotzdem kann man die ganze Bandbreite des Dandyismus nicht in die Schranken der Décadence zwängen und umgekehrt. Beide Entwicklungen wurden voneinander beeinflusst und hatten ähnliche Vorzeichen als Auslöser. Sie bedingen sich gegenseitig, da die Protagonisten teilweise in beiden Teilen die Hauptrolle übernommen haben.

Schlussbetrachtung

Diese Arbeit hat sich mit der Begriffsklärung des Fin de siècle und der Décadence im Zusammenhang mit dem Dandyismus beschäftigt. Des Weiteren liegt eine genauere Analyse des Phänomens der Décadenceliteratur, vor allem im deutschsprachigen Raum, vor.

Zusammenfassend gibt sie einen ersten Überblick über die einzelnen Termini.

Das Phänomen „Fin de siècle“ kann als eine Art Überbegriff angesehen werden, vergleichbar einer Epochenbezeichnung. Die Zweiwertigkeit von Endzeitstimmung und Modernitätsbewusstsein sind ihre entscheidenden Merkmale. Anders verhält es sich mit dem „Décadencebegriff“, der eine wesentlich längere Entwicklungsphase durchlebte. Zu Anfang noch ein Naturbegriff zur Darstellung der Verfalls- und Kreislaufvorstellungen des Lebens, gelangte er als Synonym für den Fall des römischen Reiches zu einem ästhetischen Stilbegriff für eine Lebens- und Kulturthaltung. Die Décadenceliteratur wurde in Deutschland vor allem durch Nietzsche geprägt, obwohl er von Anfang an eine innere Tendenz zur Überwindung in sich trug. Ein Phänomen das nur in Deutschland in dieser Form ausgeprägt war. Im Bezug zum Dandyismus lassen sich einige Parallelen zur Décadenceliteratur feststellen, da die Schriftsteller sich selbst als Dandys sahen, oder literarisch welche schufen, und in deren Verhaltensmustern lebten.

Literaturverzeichnis

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Dekadenzdichtung, in: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte, 2. Ausgabe, Bd. 1, hg. v. Werner Kohlschmidt u. Werner Mohr, Berlin/New York, 2001, S. 223 ff.

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Fin de siècle, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft, Bd. 1, hg. v. Klaus Weimar, Berlin/New York, 1997, S. 602 ff.

Frenzel, Herbert A. u. Elisabeth: Daten deutscher Dichtung; Chronologischer Abriss der deutschen Literaturgeschichte, Bd. 2, 33. Aufl., München, 2001, S. 457 u. 483

Gnüg, Hiltrud: Dandy, in: Ästhetische Grundbegriffe; Historisches Wörterbuch in sieben Bänden, Band 1, hg. v. Karlheinz Barck u. a., Stuttgart/Weimar, 2000, S. 814 – 830

Klein, Wolfgang: Dekadent/Dekadenz, in: Ästhetische Grundbegriffe; Historisches Wörterbuch in sieben Bänden, Band 2, hg. v. Karlheinz Barck u. a., Stuttgart, 2001, S. 1 - 40

Rasch, Wolfdietrich: Fin de Siècle als Ende und Neubeginn, in: Fin de Siècle; Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, hg. v. Roger Bauer, Frankfurt am Main, 1977, S.30 – 49

Schalk, Fritz: Fin de Siècle, in : Fin de Siècle ; Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, hg. v. Roger Bauer, Frankfurt am Main, 1977, S. 3 – 15

Schickedanz, Hans – Joachim: Der Dandy; Texte und Bilder aus dem 19. Jahrhundert, Dortmund, 1980, S. 7 ff.

Schmoll gen. Eisenwerth, J. A.: Vorwort, in: Fin de Siècle; Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, hg. v. Roger Bauer, Frankfurt am Main, 1977, S. IX – XIII

Sendlinger, Angela: Lebenspathos und Décadence um 1900, in: Europäische Hochschulschriften, Bd./Vol. 1441, Frankfurt am Main, 1994

Oscar Wilde

Aesthet, Dandy und Selbstdarsteller

Von Sandra Folie, 2010

Einleitung

Sich die Frage zu stellen, wer Oscar Wilde wirklich war, wäre ein zu weites Feld – nicht nur für den sehr eingeschränkten Rahmen dieser Arbeit. Um einiges realistischer ist die Fragestellung: Wer wollte Oscar Wilde sein bzw. wie inszenierte er seine Person ständig von neuem, einmal als reformierender Ästhet, dann wieder in der Maske des lässigen Dandys? An seinen Roman The Picture of Dorian Gray anlehnend, werde ich den ersten Teil dieser Arbeit, der sich mit der Selbstdarstellung Wildes beschäftigt, Das Bildnis des Oscar Wilde nennen. Seiner Maxime, dass man entweder ein Kunstwerk sein oder ein Kunstwerk tragen sollte[81], kam er sowohl als auch nach und erarbeitete sich durch sein artifizielles Auftreten in der Öffentlichkeit ein Image, das anzog.

Die Zäsur, die den zweiten Teil meiner Arbeit einleitet, bildet der Roman The Picture of Dorian Gray – optimistisch betrachtet ein klarer Karrierehöhepunkt Oscar Wildes, etwas kritischer beleuchtet und sehr pathetisch wie übertrieben ausgedrückt: der Anfang vom Ende. Es kreuzen sich darin einerseits ästhetisches Kredo des Autors, andererseits die Kritik an eben demselben – eine paradoxe Situation, die zu entschlüsseln ich einen Versuch unternommen habe. Oscar Wilde selbst sah seine Beziehung zu The Picture of Dorian Gray als etwas Besonderes an, wie er 1894 in einem Brief an einen Bekannten offenbarte:

Dieses mein seltsames farbiges Buch enthält vieles von mir. Basil Hallward ist das, was ich zu sein glaube; Lord Henry das, wofür die Welt mich hält; Dorian das, was ich gerne sein würde - in fernen Tagen vielleicht.[82]

Durchaus eine Aussage, die dem Publikum einen bestimmten Blick auf den Autor nahelegen will. Was für einer das ist und worauf er sich bezieht, möchte ich versuchen im Laufe dieser Arbeit aufzudecken.

Begriffsklärungen

Definition Ästhetizismus

Der Ästhetizismus gilt als eine Lebens- und Kunstanschauung, die dem Ästhetischen einen absoluten Vorrang vor anderen Werten einräumt.[83] Eine einheitliche Definition von Ästhetizismus gibt es nicht, unterschiedliche Strömungen vertraten teilweise gegensätzliche Ansichten. Feste Bestandteile aller Theorien waren allerdings Schönheit und Kunst.

Definition Dandyismus/Dandy

Als Dandyismus wird der in der Mitte des 18.Jh.s. in England aufgekommene Lebensstil bezeichnet, für den Exklusivität in Kleidung und Lebensführung sowie ein geistreich-zynischer Konversationston und eine gleichgültig-arrogante Haltung typisch waren. Es werden aber nicht nur Vertreter des Dandytums als Dandys bezeichnet, sondern auch generell Männer, die sich übertrieben modisch kleiden.[84]

Das neue Dandytum

Der englische Geschmack kehrte in den letzen Jahrzehnten der Regierungszeit von Königin Viktoria[85] wieder zur Periode der Romantik zurück. Die neuen Dandys, zu denen oft auch Oscar Wilde gezählt wird, übernahmen einige der alten Regency[86] -Attitüden, standen aber nicht direkt in deren Tradition. Impulse lieferte weiterhin der Ästhetizismus mit seinem übertriebenen Schönheitskult und die Dekadenzbewegung, v.a. französische Schriftsteller wie Théophile Gautier oder Joris Karl Huysmans. Viele Vertreter dieses Dandytums, darunter auch Oscar Wilde mit seinen wechselnden Attitüden, thematisierten die Verwischung der Geschlechtergrenzen, eine Verschmelzung männlicher und weiblicher Eigenschaften. Die Dandys kamen nun zudem nicht mehr nur aus Adelskreisen und dem neureichen bürgerlichen Milieu, sondern waren oft Theaterleute und Künstler.[87]

Das Bildnis des Oscar Wilde

Erste Berührungen mit dem Ästhetizismus

Wilde kam zwar sicher schon in Portora[88] mit ästhetischem Gedankengut, vor allem in Zusammenhang mit der hellenischen Kultur der alten Griechen, in Berührung, doch in Oxford saß er erstmals praktisch an der Quelle zeitgenössischer Ästhetizismusdebatten. Seine wichtigsten Lehrer diesbezüglich waren John Ruskin und Walter Horatio Pater, die in ihm die Liebe zur Schönheit, zur Kunst der Renaissance und der Antike entfachten.

John Ruskin

Für Ruskin mussten Ästhetik und Ethik Hand in Hand gehen. Da das Kunstwerk sehr viel von seinem Schöpfer enthält, diesen gewissermaßen preisgibt, sind beide Teile nicht als selbständig, sondern als eine feste Einheit anzusehen. Der Künstler hat somit die Möglichkeit, mit seiner Kunst etwas auszusagen. Von schöner Kunst kann dann gesprochen werden, wenn die Aussage eine moralische Funktion hat.[89]

Diese Position begegnet einem im Dorian Gray in der Person des Basil Hallward wieder, der betont, wie viel von sich selbst er im Porträt Dorians offenbart hat und dies dann später als unangenehm empfindet, vielleicht eben weil es kein moralisches Ziel war, das er mit diesem Werk verfolgte, sondern die Zügellosigkeit seiner Anbetung Dorians mit ihm durchging.

Walter Pater

Für Pater wäre dieses Sich-gehen-lassen während der Kunsterzeugung nicht nur kein Problem gewesen, sondern geradezu das, was er in seiner Kunsttheorie Studien zu Kunst und Dichtung der Renaissance propagierte: „art for art’s sake“. Er pries die Kunst um ihrer selbst willen, sie sollte nicht für andere Zwecke als den des Sinnengenusses missbraucht werden. Die Erfahrungen des Augenblicks und der Vergnügungen wurden von ihm zum Ziel der menschlichen Existenz erklärt, ganz egal was oder ob man überhaupt etwas aus den eigenen Handlungen lerne, Hauptsache sie würden durchlebt. Die Kunst biete allen, die sich auf ihre Gefühle bei deren Betrachtung einlassen, eine Fluchtmöglichkeit, die immun gegen die negativen Einflüsse der Realität mache. Erst durch die Kunst ergäbe das Leben Sinn.[90]

Ein ähnliches Credo verkündet auch Lord Henry Wotton Dorian:

Live! Live the wonderful life that is in you! Let nothing be lost upon you. Be always searching for new sensations. Be afraid of nothing….A new Hedonism – that is what our century wants. You might be its visible symbol.[91]

Dorian Gray äußert sich in den Worten Walter Paters zu Lord Henrys Theorie später wie folgt: „It’s aim, indeed, was to be experience itself, and not the fruits of experience, sweet or bitter as they might be.“[92]

Wildes früher Ästhetizismus

Ruskin und Pater waren zweifellos eine Inspiration für Wilde, der sich aus deren recht widersprüchlichen Ansichten seine eigene ästhetizistische Weltanschauung zusammenbastelte, die er in seinen Studienjahren wie folgt zusammenfasste:

La beauté est parfaite.

La beauté peut toute chose.

La beauté est la seule chose au monde qui n’excite pas le désir.[93]

Dass er dies auf Französisch niederschrieb, lässt allerdings darauf schließen, dass sein Schönheitskult zwar mehr als ein Schnörkel, aber immer noch weniger als ein Kredo war.[94]

Dazu gehörte zudem, neben seinem außergewöhnlichen Kleidungsstil und der Liebe zu kostbaren Accessoires wohl auch, den Anschein einer gewissen Leichtigkeit in allen Dingen, die er anpackte, zu wahren. Denn Anstrengung und verbissene Strebsamkeit mag vieles sein, lobenswert und bewundernswürdig, aber ganz bestimmt nicht ästhetisch. Auch Richard Ellmann bemerkte in seiner umfangreichen Oscar Wilde Biographie: „Wie eifrig Wilde nun immer Philosophie, Wissenschaftsgeschichte und Literatur studierte, im Grunde wollte er sich nur den Ruf erwerben, auch ohne viel Fleiß hervorragend zu sein.“[95]

Die Mentoren seiner Studienzeit distanzierten sich aber schließlich von ihrem ehemaligen Schüler und Pater setzte sogar gelegentlich bösartige Kommentare über Wilde in Umlauf. Es fiel ihm offenbar leichter das hedonistische Leben der Renaissance rhetorisch zu verherrlichen, als es in der Personifikation Wildes, ohne historischen Abstand, anzuerkennen;[96] ein Zug, der auch an Lord Henry auffällt. Des Öfteren lässt Basil durchblicken, dass Henry zwar viel rede, aber selbst am wenigsten danach handle: „You never say a moral thing, and you never do a wrong thing. Your cynicism is simply a pose.“[97]

Gesellschaftlicher Aufstieg

Wilde trat 1875 in die Freimaurerloge ein, deren Kostüm, das aus Kniehosen, Frack, Seidenstrümpfen und Lackschuhen bestand, ihn zu seiner Ästhetenkleidung inspirieren sollte.[98] Den zurückhaltenden Kleidungsstil der Gentlemen seiner Zeit fand er steril und ärmlich, weswegen er vorhatte, das Herrenkostüm gänzlich zu erneuern.[99] Sein Bedürfnis nach formvollendeter Kleidung nahm ständig zu. Er sagte zu einem Freund: „Selbst wenn ich ganz allein auf einer verlassenen Insel ausgesetzt wäre, würde ich mich – vorausgesetzt, ich hätte meine Sachen dabei – zum Souper grundsätzlich umziehen.“[100]

Bei der Eröffnung der Grosvenor Gallery in London gab er sein offizielles Debüt und erregte durch seinen celloförmigen Frack Aufsehen. Wilde sah die Ausstellung als eine Art Kostümprobe für seine Rolle als Kunstkritiker. Bevor er ein Werk veröffentlicht hatte, nannte er sich schon einen Dichter und schickte allerhand einflussreichen und prominenten Persönlichkeiten, mit denen er sich ständig bekanntzumachen suchte, Gedichte von sich.[101] Bald stieg er, dank seiner Redekunst und seinem exzentrischen Äußeren, zu einer der bekanntesten Personen Londons auf. Selbst der Spott der Öffentlichkeit, den er sich damit zuzog, war Teil seines Kalküls, um jeden Preis bekannt zu werden. Die polnische Schauspielerin Helena Modjeska wunderte sich:

Wie kommt es eigentlich, daß man diesen jungen Mann überall trifft? Gewiß, er kann gut reden; aber hat er denn schon irgendetwas geleistet? Er ist nicht als Autor hervorgetreten, er singt nicht, malt nicht, schauspielert nicht – er redet immer nur. Die Sache ist mir ein einziges Rät­sel.“[102]

Homme de lettres

„Aus mir wird einmal ein Dichter, ein Schriftsteller, ein Dramatiker. Auf irgendeine Weise werde ich berühmt – und wenn nicht berühmt, dann zumindest berüchtigt.“[103] Was Wilde schon zu Studienzeiten prophezeite, schien sich 1880 zu bewahrheiten, als sein erster Gedichtband erschien. Obgleich von der Kritik verrissen, wurde aus dem berühmt-berüchtigten Dandy, nicht zuletzt wegen seiner Popularität, nun endlich auch ein Dichter.[104]

Wilde vergaß aber deswegen keineswegs auf seine ästhetischen Ideale. Er begab sich, in erster Linie um seine Geldlage zu verbessern, auf eine Vortragsreise durch die USA, wo er den Schönheitskult der englischen Ästheten verbreiten sollte. Bei seinen Auftritten wechselte er des Öfteren das Kostüm, darunter ein selbst entworfener, mit Seehund- bzw. Otterfell besetzter grüner Überzieher und auch die bekannte Ästhetenkleidung. Wie die großen Dandys, mit denen Oscar Wilde oft verglichen wurde, wollte auch er neue Maßstäbe in der zeitgenössischen Herrenmode setzen. Die von ihm getragenen Kostüme sollten Grundlage für seine Kleiderreform sein, welche sich allerdings nie auch nur annähernd durchsetzen konnte.[105]

Wildes nächstes Ziel war Paris. Er hatte mittlerweile seine amerikanische Ästhetentracht abgelegt und trug die Haare kürzer, denn er wollte in erster Linie als Dichter wahrgenommen werden. Trotz dieser Veränderung, wie seinen ausgezeichneten Kenntnissen der französischen Literatur und Landessprache, kam Wildes Auftreten in Frankreich nicht gut an. Ihm wurde schlechter Geschmack nachgesagt.[106]

Bourgeois wider Willen

Wegen seiner ständigen Schulden dachte Wilde daran, reich zu heiraten. Die vermögende Witwe Charlotte Montefiore, eine der vielversprechenderen Kandidatinnen, sagte ihm jedoch ab, worauf er typisch Wilde-ish affektiert antwortete: „Ich bedaure Deine Entscheidung. Mit Deinem Geld und meinem Verstand hätten wir es weit bringen können.“[107] 1884 heiratete er dann ‚aus Liebe‘ Constance Lloyd, deren Vermögen zwar nicht alle, aber doch einige finanzielle Sorgen Wildes beseitigen konnte.[108]

Auf diesen privaten Umschwung folgte auch ein modischer: Aus dem ästhetischen poseur soll eine glänzende Persönlichkeit geworden sein, die an die großen Dandys der Regency -Zeit erinnerte.[109] Es muss aber angemerkt werden, dass solche Phasenwechsel bei den authentischen Dandys nicht bekannt waren. Im Gegensatz zu ihnen, wie auch den aristokratischen Dandygestalten seiner Werke, z.B. Dorian Gray und Lord Henry, war Wilde ein Parvenü, der aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammte. Schon dadurch, dass er den Dandy soziologisch als Aristokraten einstufte, versagte er sich den Anspruch auf diesen Titel. Ihm war bewusst, dass er nie ein wirklicher Dandy sein würde, sondern allenfalls jemand, der die Rolle des Dandys mit einigem Erfolg spielte. Seine Redekunst und Intellektualität, zu einem Teil wohl auch sein markanter Aufzug, führten ihn sehr nah an die Perfektion der Dandyrolle heran. Seine charakterliche Unbeständigkeit und fehlende Selbstbeherrschung hingegen warfen ihn wieder zurück. Wilde betrieb in der Gestaltung seiner Romanfiguren einen Kult der Kälte, zu dem er selbst nie fähig war.[110] Ihm ging es wohl auch mehr darum, die Maske des klassischen Dandys anzulegen, um sein virtuoses Rollenspiel nicht einschlafen zu lassen. Er wurde förmlich zum Prediger einer Philosophie der Maske: „Der Mensch ist am wenigsten er selbst, wenn er in eigener Person spricht. Gib ihm eine Maske und er wird die Wahrheit sagen.“[111]

Als einzig Beständiges in seinem Leben könnte wohl seine Unbeständigkeit, mit dem Ziel, stetig auf sich aufmerksam zu machen, vermerkt werden.

Wilde erregte Ende der 80er Jahre nun auch mit einigen Essays Aufsehen, die in verschiedenen Zeitschriften erschienen und seine kunsttheoretischen Auffassungen darlegten. Er provozierte die viktorianische Öffentlichkeit damit, dass er alles Triviale ebenso ernst nahm, wie er das Ernsthafte für trivial erklärte. Das Ziel der Kunst bestand für ihn darin, vollkommen schön zu sein, nicht wahr. Künstler seien Lügner, deren Aufgabe darin läge, die Menschen zu bezaubern. Daraus folgerte er, dass das Leben die Kunst weit mehr nachahme als die Kunst das Leben.[112]

Das Bildnis des Dorian Gray

Seine Überzeugungen, betreffs Kunst und Leben, brachte Wilde in seinem ersten und einzigen Roman The Picture of Dorian Gray (1890) ein. Die Botschaft des Romans ist auf der einen Seite Kritik am Ästhetizismus, das Vorwort auf der anderen Kredo dafür. Oberflächlich betrachtet, kann dies als paradox abgetan werden, aber bei näherem Hinsehen lässt sich der Roman eindeutig als Kritik am gelebten Ästhetizismus lesen, einem ‚Kult der Kälte‘, dem die Dandys Henry scheinbar und Dorian tatsächlich anheimgefallen sind. Die Vorrede hingegen, welche oft als Subversion der zu moralischen Handlung verstanden wird, als Offenlegung jenes ästhetischen Kredos, das Dorian im Roman dann zerstören sollte, predigt den Ästhetizismus in der Kunst und nicht im Leben.

[...]


[1] Sanders, Daniel. Wörterbuch der deutschen Sprache. Band I. Leipzig. 1860. S. 263

[2] Brockhaus. Band I. Wiesbaden: Brockhaus. 1977. S. 241

[3] Brockhaus Enzyklopädie. Band V. Wiesbaden: Brockhaus. 1988. S. 112

[4] Meyers großes Taschenlexikon. Band V. Mannheim: BI-Taschenbuchverlag. 1990. S. 69

[5] Brockhaus Wahrig deutsches Wörterbuch. Band II. Wiesbaden: Brockhaus. 1981. S. 148

[6] Der große Herder. Band III. Freiburg: Herder. 1932. Sp. 638

[7] Krobb, Florian. „-denn Begriffe begraben das Leben der Erscheinungen“ Über einen Versuch, den Dandy in

die deutsche Literatur einzubürgern. In: Krobb Florian und Sabine Strümper-Krobb (Hrg.).

Literaturvermittlung um 1900. Fallstudien zu Wegen ins deutschsprachige kulturelle System.

Amsterdam und New York: Rodopi. 2001. S. 75-76

[8] Zur Geschichte des Dandy in der Literatur vgl.: Gnüg, Hiltrud. Kult der Kälte. Der klassische Dandy im

Spiegel der Weltliteratur. Stuttgart: Metzler. 1988.

[9] Anekdoten und Aufsätze über Brummell sind von Baudelaire, Beerbohm und Virginia Woolf überliefert. Vgl. u.a.: Beerbohm, Max. Dandys. Ausgesuchte Essays und Erzählungen. Zürich: Haffmans. 1989.

[10] Erbe, Günter. Der moderne Dandy - Aus Politik und Zeitgeschichte. Bundeszentrale für politische Bildung. (B 46/ 2004)< http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[11] Vgl.: Schaukal, Richard. Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser, eines Dandy und

Dilettanten. Stuttgart: Klett-Cotta. 1986.

[12] Krobb, Florian. „-denn Begriffe begraben das Leben der Erscheinungen“ Über einen Versuch, den Dandy in

die deutsche Literatur einzubürgern. In: Krobb. 2001. S. 82-83

[13] Krobb, Florian. „-denn Begriffe begraben das Leben der Erscheinungen“ Über einen Versuch, den Dandy in die deutsche Literatur einzubürgern. In: Krobb. 2001. S. 84

[14] Vgl.: Wicke, Andreas. Der paradoxe Dandy. Richard Schaukals Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser. In: Helmes, Günter (Hrg.). Literatur und Leben. Anthropologische Aspekte in der Kultur der Moderne. Tübingen: Gunter Narr. 2002. S. 151

[15] Gnüg, Hiltrud. Kult der Kälte. Der klassische Dandy im Spiegel der Weltliteratur. Stuttgart: Metzler. 1988. S. 27

[16] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[17] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[18] Vgl.: Wicke, Andreas. Der paradoxe Dandy. Richard Schaukals Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser. In: Helmes. 2002. S. 151

[19] Vgl.: Wicke, Andreas. Der paradoxe Dandy. Richard Schaukals Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser. In: Helmes. 2002. S. 155

[20] Vgl.: Wicke, Andreas. Der paradoxe Dandy. Richard Schaukals Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser. In: Helmes. 2002. S. 155

[21] Wicke, Andreas. Der paradoxe Dandy. Richard Schaukals Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser. In: Helmes. 2002. S. 157-158

[22] Wicke, Andreas. Der paradoxe Dandy. Richard Schaukals Leben und Meinungen des Herrn Andreas von Balthesser. In: Helmes. 2002. S. 159

[23] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[24] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[25] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[26] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[27] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[28] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[29] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[30] Vgl.: Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[31] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[32] Erbe. 2004. < http://www.bpb.de/publikationen/YEJ0WG,0,Der_moderne_Dandy.html >

[33] Wiener, Oswald. Eine Art Einzige. In: Verena von der Heyden-Rynsch (Hrsg.). Riten der Selbstauflösung. München: Matthes & Seitz. 1982. S. 59.

[34] Dumreicher, Heidi. Wettlauf von Hase und Igel. In: Zeitschrift für KulturAustausch. Ausgabe. 48/3. Stuttgart.1998. S. 61

[35] Hörner, Fernand. Die Behauptung des Dandys. Eine Archäologie. Bielefeld: Transcript. 2008. S. 287

[36] „Inwiefern der Rapper als Dandy des 21. Jahrhunderts zu sehen ist, wie seine Verwendung des Worts als Waffe und seine Undurchdringlichkeit der Behauptung des Dandy entspricht, mit welchen Mitteln er – gemäß der Behauptung des Autors im literarischen Feld – künstlerische Autonomie […] für sich veranschlagt, wie er Exzentrik oder Originalität behauptet und sich nach dem Vorbild der hier untersuchten Taktiken als ein schwarzes und/ oder ein weißes Original behauptet, das bliebe noch ausführlich zu untersuchen.“ In: Hörner. 2008. S. 311

[37] Braun-Himmerich, Anne. Dandy-Look. In: Vogue. 15. Oktober 2008. < http://www.vogue.de/articles/mode/mode-trends/dandy-look/2008/10/15/11554 >

[38] Weinreuter, Marc. So setzen Sie sich als Dandy in Szene. In: Men’s Health. 26. Dezember 2009. < http://www.menshealth.de/style/designer/so-setzen-sie-sich-als-dandy-in-szene.9029.htm >

[39] Walbersdorf, Max Ernst. Z Zegna. In: GQ. 24. Juni 2009. < http://www.gq-magazin.de/articles/stil/modenschau/mailand-fashion-week-fs-010/2009/06/24/16157/ >

[40] Flocker, Michael. Metrosexual – Das Handbuch für den neuen Mann. München: Heyne Verlag. 2004.

[41] refuse. Metrosexuelle: Die Rückkehr des Dandys im 21. Jahrhundert?. In: Neon.de. 09. September 2009. < http://www.neon.de/kat/kaufen/maennermode/26106.html >

[42] Vgl. Reallexikon der dt. Literaturwissenschaft, Fin de Siècle S. 602

[43] Vgl. Rasch, W., Fin de Siècle, Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, S. 32

[44] Vgl. Schalk, F., Fin de Siècle. Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, S. 3

[45] Vgl. Rasch, E., Fin de Siècle. Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, S.30 ff.

[46] Daten dt. Dichtung, Band 2, S. 457

[47] Daten dt. Dichtung, Band 2, S. 483

[48] Vgl. Schmoll, J. A., Fin de Siècle. Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, S. X

[49] Vgl. Reallexikon der dt. Literaturwissenschaft, Fin de Siècle, S.604

[50] Vgl. Schmoll, J. A., Fin de Siècle. Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, S. X

[51] Vgl. Reallexikon der dt. Literaturwissenschaft, Fin de Siècle, S. 603-605

[52] Vgl. Schalk, F., Fin de Siècle. Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, S.4-8

[53] Vgl. Rasch, W., Fin de siècle, Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, S.34-45

[54] Das große Fremdwörterbuch, S.153

[55] Vgl. Sendlinger, A., S.53

[56] Vgl. Sendlinger, A., S.53

[57] Sendlinger, A., S.54

[58] Vgl. Ästhetische Grundbegriffe, Band 2, Dekadent/Dekadenz, S.1-9

[59] Vgl. Reallexikon der dt. Literaturwissenschaft, Fin de Siècle, S. 603

[60] Vgl. Reallexikon der dt. Literaturgeschichte, Dekadenzdichtung, S.224

[61] Vgl. Ästhetische Grundbegriffe, Band 2, Dekadent/Dekadenz, S. 9-12

[62] Vgl. Roger Bauer, Die schöne Décadence, S. 7-9

[63] Vgl. Reallexikon der dt. Literaturgeschichte, Dekadenzdichtung, S.225

[64] Vgl. Reallexikon der dt. Literaturwissenschaft, Fin de Siècle, S.603-605

[65] Vgl. Reallexikon der dt. Literaturwissenschaft, Fin de Siècle, S.603-605

[66] Vgl. Sendlinger, A., S.59 ff.

[67] Vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, Band 2, Dekadenz, S. 48

[68] Vgl. Sendlinger, A., S.61

[69] Vgl. Reallexikon der dt. Literaturwissenschaft, Fin de Siècle, S.603

[70] Vgl. Sendlinger, A., S.69 ff.

[71] Vgl. Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte, Dekadenzdichtung, S. 228

[72] Vgl. Sendlinger, A., S. 79 ff.

[73] Vgl. Rasch, W., Fin de Siècle, Zu Literatur und Kunst der Jahrhundertwende, S. 37-44

[74] Vgl. Ästhetisches Wörterbuch, Dandy, S.814

[75] Vgl. Aufsätze zur Literatur und Kunst, Der Dandy, S. 244

[76] Vg. Erbe, G., Dandys – Virtuosen der Lebenskunst, S. 17

[77] Vgl. Schickedanz, H. J., Der Dandy, S. 18

[78] Vgl. Ästhetisches Wörterbuch, Dandy, S. 815 - 822

[79] Vgl. Ästhetisches Wörterbuch, Dandy, S. 815 - 822

[80] Vgl. Erbe, G., Dandys – Virtuosen der Lebenskunst, S.15-17

[81] Vgl. Günter Erbe: Oscar Wilde. Ästhet, Dandy und Selbstdarsteller. In: Dandys. Virtuosen der Lebenskunst. Wien: Böhlau 2002. S. 216.

[82] Norbert Kohl: Oscar Wilde. Leben und Werk. Frankfurt/M.: Insel 2000. S. 123.

[83] Duden. Das Fremdwörterbuch. Hrsg. von der Dudenredaktion. 7. neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Wien: Dudenverlag 2001. S. 99.

[84] Ebd. S. 202.

[85] Viktoria war von 1837 bis 1901 Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland.

[86] Epoche in der Geschichte Großbritanniens. In der Kunstgeschichte wird der Begriff als Stilrichtung verstanden und von 1783 bis 1834 angesetzt.

[87] Vgl. Günter Erbe: Das neue Dandytum. In: Dandys. Virtuosen der Lebenskunst. Wien: Böhlau 2002. S. 214.

[88] Portora Royal School in Enniskillen – dort wurden Schüler für das Trinity College in Dublin vorbereitet. Oscar besuchte diese Schule sieben Jahre lang. Vgl. hierzu: Richard Ellmann: Oscar Wilde. München: Piper 2000. S. 17.

[89] Richard Ellmann: Oscar Wilde. S. 79-86.

[90] Vgl. Ebd. S. 79-86.

[91] Oscar Wilde: The Picture of Dorian Gray. New York: Penguin Popular Classics 1994. S. 30.

[92] Ebd. S. 151. Hierbei handelt es sich um eine Sentenz Paters, die Wilde ohne Angabe der Quelle zitiert.

[93] Richard Ellmann: Oscar Wilde. S. 71-72.

[94] Vgl. Ebd. S. 71-72.

[95] Ebd. S. 73.

[96] Vgl. Josef Rattner und Gerhard Danzer: Gipfelpunkte des englischen Geisteslebens von 1850–1950. Würzburg: Königshausen und Neumann 2002. S. 52.

[97] Oscar Wilde: Dorian Gray. S. 11.

[98] Vgl. Günter Erbe: Oscar Wilde. S. 219.

[99] Vgl. Ebd. S. 217.

[100] Richard Ellmann: Oscar Wilde. S. 67.

[101] Vgl. Günter Erbe: Oscar Wilde. S. 220.

[102] Günter Erbe: Oscar Wilde. S. 220.

[103] Richard Ellmann: Oscar Wilde. S. 78.

[104] Vgl. Günter Erbe: Oscar Wilde. S. 222.

[105] Vgl. Ebd. S. 224.

[106] Vgl. Ebd. S. 225.

[107] Ebd. S. 225.

[108] Vgl. Ebd. S. 226.

[109] Vgl. Ebd. S. 226/227.

[110] Vgl. Ebd. S. 232.

[111] Ebd. S. 218.

[112] Vgl. Ebd. S. 227-229.

Details

Seiten
206
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656457725
ISBN (Buch)
9783956870095
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230735
Note
Schlagworte
spaziergang dandy zeit

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Titel: Der Spaziergang des Dandy durch die Zeit