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Tatsächliche Gleichberechtigung und (er-)lebbare Gleichstellung

Ein strukturbedingt unerreichtes, aber potentiell erreichbares Ideal

Diplomarbeit 2012 145 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Kontext und zentrale Begriffe
1.2.1 Gleichberechtigung, Gleichstellung und Gender
1.2.2 Sozialisationsforschung und anhängige Begriffe
1.2.3 Die Konstruktion 'Gender'

2 Strukturbedingte (Un-)Gleichheit
2.1 Aktueller Bezug oder 'Immer wieder das alte Dilemma?'
2.2 Vordenkerinnen patriachatskritischer Theorie
2.2.1 Simone de Beauvoir (1908 - 1986)
2.2.2 Shulamith Firestone (geb. 1945)
2.2.3 Kate Millet (geb. 1934)
2.2.4 Sherry B. Ortner (geb. 1941)
2.2.5 Adrienne Rich (geb. 1929)

3 Ungleichstellung im 21Jahrhundert
3.1 Einleitung
3.2 Betrachtung der Handlungsrahmen
3.2.1 Handlungsrahmen: Familie
3.2.2 Handlungsrahmen: Bildung
3.2.3 Handlungsrahmen: Beruf
3.2.4 Handlungsrahmen: Wirtschaft
3.2.5 Handlungsrahmen: Gewalt und Kriminalität
3.3 Ergebnisse der Betrachtung der Handlungsrahmen

4 (K)eine Veränderung
4.1 Hindernis 1: Die Entwicklung der Strukturen
4.2 Hindernis 2: Die (fehlende) männliche Beteiligung
4.3 Hindernis 3: Strukturimmanenz und Reproduktion
4.3.1 Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse
4.3.1.1 Das Problem des latenten Biologismus
4.3.2 Die interaktionstheoretische-wissenssoziologische Perspektive
4.3.2.1 Der interaktionstheoretische Ansatz
4.3.2.2 Dynamisch-prozesshafte Interaktion
(wissenssoziologische Ergänzung)
4.3.3 Stabilität der Interaktion und Handlungsmöglichkeiten
4.3.4 Widerständige Ordnung
4.4 (K)ein Veränderungspotential
4.4.1 Hindernis 1: Entwicklung erfolgt langfristig
4.4.2 Hindernis 2: Beide Geschlechter arbeiten gegeneinander
4.4.3 Hindernis 3: Strukturimmamnenz und Reproduktions­mechanismen hindern eine Veränderung maßgeblich

5 Theoretische Veränderungsperspektiven
5.1 Möglichkeiten derVeränderung
5.2 Ausgangspunkt: Struktur/Ordnung
5.2.1 Kriterien für eine mögliche Veränderung
5.3 Ausgangspunkt: Akteurin
5.3.1 Derfeministisch-existentialistische Ansatz
5.3.2 Kriterien für eine mögliche Veränderung

6 Praktische Veränderung und (künftige) Förderungsmöglichkeiten
6.1 Herkunft und Entwicklung der Grundgedanken
6.2 Geschlechtsbezogene Ansätze
6.2.1 Zielsetzung
6.2.2 Umsetzungsbeispiele
6.2.3 Beiträge zur Veränderung
6.3 Geschlechteregalitäre Ansätze
6.3.1 Zielsetzung
6.3.2 Umsetzungsbedingungen
6.3.3 Umsetzungsbeispiele
6.3.4 Beiträge zur Veränderung
6.4 Veränderungspotentiale
6.4.1 Veränderungspotential der Ansätze
6.4.2 Modellbeispiel zu geschlechtsbezogenen Ansätzen
6.4.3 Modellbeispiel zu geschlechteregalitären Ansätzen

7 Veränderungen möglich machen

Anhang: Quellenverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Fragestellung

Wann sind Menschen einander gleichgestellt? Was bedeutet es für Menschen, gleichgestellt zu sein? Warum ist Gleichberechtigung ein so hohes Gut?

Um diese Fragen zu beantworten brauchte es mehr als ein Menschenleben und doch zählen sie zu den wichtigsten Fragen, die sich Menschen stellen können. Nicht nur, weil jeder Mensch danach strebt, durch andere Menschen anerkannt zu werden, sondern auch, weil jeder Mensch Anerkennung gerne so erleben will, dass er dem Anderen dabei als gleichgestelltes Lebewesen gegenübertritt und gerade wegen seiner Existenz akzeptiert wird.

Der Mensch wird im folgenden daher faktisch als Existenz begriffen, die danach strebt, sich zu verwirklichen, und seinen/ihren Selbstentwurf in diesem Bestreben ständig in seinem/ihren Handeln erneuert und überarbeitet. Er/Sie befindet sich im Handeln dabei ständig in Bewegung, erfasst seine/ihre Gegenwart und strebt danach, über sich und diese hinauszuwachsen, um sich zu transzendieren, d.h. durch sein/ihr Handeln seinen/ihren Selbstentwurf zu verwirklichen.[1] Menschsein bedeutet Handeln und Streben nach dem Verwirklichen des Selbstentwurfes bzw. dem Erlangen der Freiheit. Freiheit, d.h. die Möglichkeit zu transzendieren und das Ziel des Handelns zu erreichen, kann dabei kein dogmatischer Begriff sein, der klare Strukturen hätte, sondern muss von jedem Menschen in jeder Handlung mit Inhalt gefüllt werden, so dass sie gleichzeitig das Ziel und die Aufgabe des Menschen ist: Nur durch die Nutzung der Freiheit kann der Mensch transzendieren und sein Ziel erreichen und damit seine Freiheit.[2]

Mit diesem Ansatz liefert Simone de Beauvoir die Grundlage des Verständnisses menschlichen Strebens für diese Arbeit. Jeder Mensch, Mann oder Frau[3], handelt, um seine Freiheit zu nutzen und damit seinen/ihren Selbstentwurf zu verwirklichen, um wahrhaft frei zu sein.

Dieser Antrieb führt dazu, dass Menschen mit Menschen kommunizieren und in der Interaktion erleben, dass Andere ihnen in diesem Bestreben Grenzen setzen (wollen), um auf diese Weise das eigene Streben umzusetzen. Ideal wäre es, sagt de Beauvoir, wenn alle Menschen die Freiheit aller Anderen akzeptieren und sichern wollten, wenn sie ihr Bestreben umsetzen, so dass es nicht zu einer Unterdrückung der Freiheit eines Anderen käme[4], aber dass dies nicht der Fall sein kann, zeigt ein Blick auf die Interaktion der Menschen untereinander:

Die feministisch-existentialistische Brille zeigt, dass Menschen, in dieser Arbeit liegt der Fokus insbesondere auf der Interaktion von Männern und Frauen, untereinander eben nicht auf die vorgeschlagene Weise interagieren, sondern durch ihr Bestreben die Freiheit anderer einschränken, um die eigene maximal auszubauen, so dass einige mehr und andere weniger transzendieren können. Anders ausgedrückt: Tradition, Kultur, soziale Umgangsweisen und Festschreibungen manifestieren die Unterdrückung innerhalb des Geschlechterverhältnisses und des Handelns und sorgen so dafür, dass bestimmte Gruppen strukturell unterdrückt werden können. Besonders auffällig wird dies in Bezug auf die Frauen.[5] [6]

Gleichstellung, d.h. die allgemein optimierte Möglichkeit aller Menschen die eigene Freiheit zu nutzen, und Gleichberechtigung, d.h. die Festschreibung der gleichgestellten Interaktion in gesellschaftlich normierenden Regeln und Strukturen, die garantieren können, dass die Freiheit anderer nicht eingeschränkt wird, sind somit nicht nur theoretische, sondern darüber hinaus in jedem Fall faktische Notwendigkeiten, um allen Menschen Menschsein zu ermöglichen.

Wenn Leben also heißt, zu existieren und mit dem Ziel der Selbstverwirklichung nach Freiheit zu streben, so muss es ideell jedem Menschen gesichert möglich sein, das, ungeachtet seiner/ihrer Ethnie, Herkunft, Religion, Weltanschauung, sexuellen Identität oder Geschlechtes u.a., zu tun. Wäre dies möglich, wären die Menschen in diesem Sinne gleichgestellt und gleichgestellt zu sein würde die volle Bedeutung ausprägen: Menschsein. Da dies immer noch nicht der Fall ist, sind die für diese Arbeit definierte tatsächliche Gleichberechtigung und (er-)lebbare Gleichstellung ein Ziel, das keine Gesellschaft, d.h. eine Gemeinschaft mit einer bestimmten Struktur und/oder Ordnung, unbeachtet lassen darf.

Zugegeben: Das, was gesagt wurde, ist keine ausreichende Beantwortung dieser wichtigen Fragen, aber sie ist ein entscheidender Hinweis für die Auseinandersetzung mit dieser Thematik. Gleichstellung/Gleichberechtigung bieten, vor dem Hintergrund der soeben beschriebenen grundlegenden Annahme, einen reichhaltigen Themenfundus an, der in dieser Arbeit jedoch nicht voll ausgeschöpft werden kann. Es kann nicht um eine rechtliche und auch nicht um eine tiefgreifende Analyse aller Lebensbereiche und der dazugehörigen Parameter gehen, die jedes menschliche Handeln bezüglich des Geschlechterverhältnisses abbildet, die die Regeln der Kommunikation von Mann und Frau umfassend aufzeigen könnten. Dennoch liegt der Ansatzpunkt, gemäß der feministisch-existentialistischen Perspektive, in der Lebenswelt der Einzelnen und somit bei der Handlungsebene innerhalb der Lebensbereiche.

Diese Arbeit wird daher versuchen ausgewählte maßgebliche Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts zu den Themen Gleichstellung/Gleichberechtigung darzustellen, indem ein Bogen von den ersten theoretischen Analysen, d.h. den patriachatskritischen Auseinandersetzungen[7], zu aktuellen, d.h. den konstruktivistischen Ansätzen[8], geschlagen wird, der stets durch die Rückkopplung an die Handlungsrealität der Menschen begleitet dargestellt erscheint.

Insbesondere werden dabei die Theorien von Simone de Beauvoir und Regine Gildemeister mit möglichen Praxisbezügen der aktuellen Gleichstellungsarbeit verbunden, so dass eine komplexe, wenn auch notwendig unvollständige, Darstellung der aktuellen Situation, der Hindernisse und der (möglichen) Veränderungen entstehen soll, die die Fragestellung tendentiell auflösen kann. Anhand von ausgewählten, tendentiell gesellschaftlich ausschlaggebenden Handlungsrahmen soll daher aufgezeigt werden, wie Geschlechterverhältnisse Gleichstellung/Gleichberechtigung in Bezug auf das Ideal beeinflussen und wie sie selbst durch die Einzelnen beeinflussbar werden (können). Mit dem Ziel, die Geschlechterverhältnisse aufgrund ihrer strukturellen Bedingungen zu verorten[9] und im Anschluss Einflussmöglichkeiten der Einzelnen in ihren Lebensbereichen herauszuarbeiten[10], soll ein Bild skizziert werden, das tendentiell verschiedene Einflussfaktoren mit einbeziehen kann. Die gelebte Gleichstellung in Deutschland 2011/2012[11], die regional vorwiegend anhand von Beispielen innerhalb Flensburgs analysiert wird, wird Hinweise auf die grundlegenden Geschlechterverhältnisse geben, die sich der Beantwortung der Frage nähern können, wie tatsächliche Gleichberechtigung und eine (er-)lebbare Gleichstellung in einer Gesellschaft möglich sind, die dieser und damit sich selbst im Wege steht.

Dabei werden verschiedene Theoriebezüge hergestellt werden und immer wieder deutlich die kritische Frage anklingen, ob und inwieweit die aktuelle Gesellschaft patriarchalische Strukturen legitimieren kann, obwohl sie vorgibt, eine gleichberechtigte, gleichgestellte bzw. geschlechtergerechte Gesellschaft zu sein, ohne sich diesbezüglich zu reflektieren.

Mit diesem Schwerpunkt auf die patriachatskritische Theorie wird die Basis der allgemeinen Betrachtung geschaffen, die in der Folge mittels der Handlungstheorie Regine Gildemeisters, sowie der eingangs vorgestellten feministisch-existentialistischen Perspektive und dem Grundmodell des Konstruktivismus ergänzt wird, um Erkenntnisse hervorbringen zu können.

1.2. Kontext und zentrale Begriffe

1.2.1 Gleichberechtigung, Gleichstellung und Gender

Gleichstellung/Gleichberechtigung in Bezug auf das Geschlecht stehen im Zentrum dieser Arbeit. Gleichberechtigung wird nach dem 'Meyers Lexikon - Das Wissen von A-Z', abweichend von der in Kapitel 1.1 benannten und anzustrebenden Definition[12], aktuell definiert als das in Artikel 3 Abs. 2 GG garantierte Grundrecht der rechtlichen Gleichheit von Mann und Frau. Es enthält ein Gebot der Gleich- und ein Verbot der Ungleichbehandlung der Geschlechter. Deren tatsächlichen Verschiedenheiten rechtfertigen jedoch eine Ungleichbehandlung in Lebensbereichen, die durch die biologischen oder funktionalen (arbeitsteiligen) Unterschiede von Mann und Frau gekennzeichnet werden, so v. a. bei geschlechtsbezogenen Sachverhalten (Beispiel: Mutterschutz).

Die G. von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts wurde durch das Gleichberechtigungsgesetz vom 18. 6. 1957 rechtlich gesichert.[13]

Diese Ausführung beinhaltet die vorgeschlagene Definition von Erna Scheffler, der späteren Bundesverfassungsrichterin, die diese anlässlich eines Vortrages auf dem 38. Deutschen Juristentag 1950 in Frankfurtvorschlug, nur teilweise:

Gleichberechtigung bedeutet, dass in Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung gleiche Tatbestände gleich behandelt werden müssen. Wenn nun der Gesetzgeber noch besonders bestimmt: Männer und Frauen sind gleichberechtigt, so kann das nur heißen, dass die natürliche Verschiedenheit der Geschlechter rechtlich nicht als verschiedener Tatbestand gewertet werden darf.[14]

Durch diese Festschreibung wird deutlich, dass ein biologistisches Verständnis, das Männer und Frauen aufgrund biologischer Merkmale, z.B. die Möglichkeit zum Gebären, unterschiedlich seien, nicht aus dem Recht heraus zu denken ist. Neben sozialen Ungleichheiten, die nicht bestehen dürfen, werden diese durch eine mögliche Ungleichbehandlung überschattet, welche die Maximalforderung deutlich einschränken kann, wie die Ausführungen insgesamt zeigen werden.[15]

Soziale Ungleichheiten werden heute in Bezug auf das Geschlechterverhältnis zunehmend unter dem Begriff 'Gender' erfasst:

Gender is the condition of being male, female or neuter. In a human context the distinction between gender and sex reflects usage of these terms. Sex usually refers to the biological aspects of maleness, femaleness, whereas gender implies the psychological, behavioural, social and cultural aspects of being male or female[16]

Ausschlaggebend für die Betrachtung des Geschlechterverhältnisses und seiner Auswirkungen ist mit diesem Begriff nicht die biologische Anlage, sondern die psychologischen, sozialen und kulturellen Aspekte des Handelns, die einen Mann und eine Frau innerhalb der Gesellschaft als Mann und als Frau definieren und kennzeichnen. 'Gender' bezeichnet das soziale Geschlecht, das sichtbare, handelbare Geschlecht, das sich durch die Erziehung und die Sozialisation prägt, und damit die Dimension, die seit Simone de Beauvoir offensichtlich anerkannt werden will: Der/Die Einzelne wird nicht als Frau [oder als Mann] geboren, sie [oder er] wird es.[17] Gleichwohl will 'Gender' nicht verleugnen, dass es das biologische Geschlecht (sex) gibt, denn es will differenzieren, damit an den Stellen, wo Männer und/oder Frauen benachteiligt sind/werden und Gleichstellung aktiv gefördert werden muss, diese auch gefördert werden kann.

Gleichstellung zu fördern ist daher das Ziel aktueller Programme, z.B. Gender-Mainstreaming[18], die bestehende traditionelle Rollenvorstellungen, Zuschreibungen, Maßgaben und Stereotype, die den Geschlechtern durch soziale Normen angetragen werden, der tatsächlichen realen Lebenswelt der Einzelnen authentisch und passgenau anzupassen versuchen, denn der Mensch von heute sei männlich oder weiblich und nicht länger als Ungleich-gestellt anzuerkennen.[19]

Geich'stel'lung, die Gleichstellung, Gleichstellungen> (meist Sing) das Gleichstellen: Die Gleichstellung von Mann und Frau gleich»stel»len; stellte gleich, hat gleichgestellt; [Vt] jemanden/etwas ( Pl ) gleichstellen; jemanden/etwas ( mit ) jemandem/etwas gleichstellen zwei od mehreren Personen od Sachen die gleiche Bedeutung zumessen, sie als gleichwertig ansehen od gleich behandeln die Arbeiter ( mit ) den Angestellten finanziell gleichstellen || hierzu Gleichstellung die; nur Sg[20]

Gleichstellung hat folglich eine deutlich qualitative Bedeutung, Frauen und Männern in allen Lebensbereichen und so beide Geschlechter, als gleichwertig zu betrachten. Hierbei ist nicht nur das aktive Handeln und propagieren von Vorstellungen gemeint, das z.B. verspricht, dass der Anteil eines Geschlechtes in einem bestimmten Lebensbereich steigen soll, um den gleichen Wert beider Geschlechter herauszustellen, sondern auch die Bewusstseinsstruktur. Männer und Frauen müssen auch in der Lage sein, das Gegenüber als gleichgestellt anzuerkennen und in jeder Handlung genau so aufzufassen, damit Gleichstellung im feministisch-existentialistischen Sinne gelebt und Gleichberechtigung unabhängig von biologischen Annahmen hergestellt werden kann.

1.2.2 Sozialisationsforschung und anhängige Begriffe

Mit diesen Begriffen sind die Begriffe Rollenvorstellungen, Zuschreibungen, Stereotype, sowie daraus resultierende Maßgaben und Geschlechterverhältnisse ebenso deutlich verknüpft wie anerkannte gesellschaftliche Normen, anerkannte normierende Strukturen und Traditionen. Sie reproduzieren sich innerhalb der anerkannten normierenden Strukturen durch das Handeln der Einzelnen und sind explizit zu thematisieren, um in der Folge verändert, d.h. dekonstruiert und passend produziert werden zu können. Dies kann nur innerhalb der Handlungsrahmen geschehen, die sich durch und in den Lebensbereichen eröffnen. Erst dann können sie sich innerhalb der Handlungsrahmen manifestieren und anerkannte normierende Strukturen werden, die die traditionellen, teilweise patriarchalischen, Strukturen abzulösen vermögen.[21] Wie komplex dieser Vorgang ist, wird bereits deutlich, wenn die Begriffe einzeln betrachtet und in einen gemeinsamen Kontext gestellt werden. Was gilt es durch das Handeln der Einzelnen aktiv zu dekonstruieren, damit es an den Stellen, wo es 'nicht mehr passt', nicht länger reproduziert, sondern produziert werden könnte, d.h. passend für den Einzelnen und die sich verändernde Gesellschaft verändert wird?

'Gender', das soziale Geschlecht, das den Einzelnen durch die Norm angetragen und durch die normierenden Strukturen gefestigt wird, ist ein durch Vorannahmen normiertes Konstrukt einer Vorstellung, wie Mann und Frau zu sein haben.

Dazu gehören Rollenbilder, Rollenzuschreibungen und Stereotype, die Mann und Frau in ihrem Verhalten, ihrem sozialen Umgang, ihrer Lebensführung und -gestaltung vordefinieren.

Die Sozialisationsforschung, in dieser Arbeit betrachtet durch die Handbücher zum Thema von Klaus Jürgen Tillmann, sowie Klaus Hurrelmann und Dieter Ulich, deren Publikationen in dieser Hinsicht sehr ertragreich sind, hat nachgewiesen, wie sich Stereotype auf die soziale Rolle auswirken und welche Rollenbilder und Rollenzuschreibungen aus Vorannahmen entstehen können.[22]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In einem ersten Schritt werden Vorannahmen gezeigt, die die Geschlechter in Bezug auf die Lebensführung und die Biologie ('Sex') im Vorfeld festlegen. Die Lebensführung des Mannes sei tendentiell dadurch geprägt, dass er mit seinem Verstand und in Konkurrenz mit anderen aktiv seine Lebenswelt erobern will, und die der Frau durch eine besondere Liebe zu Kindern, eine natürliche Mutterliebe und einen Mutterinstinkt. Dieser sei verantwortlich für ihr deutlich emotionales Bestreben, die Erziehung und den Haushalt in jeder Hinsicht zu übernehmen: Gefühlsabhängig, naturverbunden und empfindsam, gestaltet sie ihre Lebenswelt geduldig und leidensfähig so, dass diejenigen, die sie zu erziehen und zu bemuttern hat, verpflegt sind.[23] Dieses stereotype Bild der Lebensweltgestaltung, das besonders in den 50er Jahren zu dem Idealbild der 'Hausfrauenehe' führte, fußt folglich auf einem biologistischen Verständnis, das auch heute nicht für aufgehoben erklärt werden kann.[24]

Grundlegend kann daher behauptet werden, dass die naturalistischen Annahmen der Aufklärung, die den Mann von Natur aus für aktiv, stark, wollend und könnend setzten und als ein Wesen, dem es gefällt, dass es stark ist, da seine Stärke ein Verdienst seiner Macht sei, und die Frau als passiv, schwach und willig, sich zu unterwerfen, um durch ihren Widerstand die Kraft des Mannes zu fördern und diesem zu gefallen[25], tendentiell nach wie vor im aktuellen Handlungsalltag Bestand haben. Beide Geschlechter sind nach dieser Vorstellung aneinander gebunden, weil sie geliebt werden wollen, und gewährleisten dies gerade dadurch am besten, dass sie ihre natürlichen Anlagen nutzen und sich in der Folge der sozialen und moralischen Ordnung beugen.[26]

Gerade die soziale und moralische Ordnung, die die normierte Struktur dieser Zeit bildet, festigt sich in der Folgezeit durch Forschungsergebnisse in allen wissenschaftlichen Disziplinen, die aufgrund der naturalistischen Annahme beweisen sollen, dass diese Annahme richtig ist und so die soziale Ordnung aufrecht erhalten werden kann, oder anders ausgedrückt, die normierten Strukturen reproduziert werden können.

Tillmann stellt auch 1999 fest, dass der Mann tendentiell stärker kognitiv agiert, abstrakter und logischer denkt, sich räumlich eher zu orientieren vermag und seine Aggressivität nach außen richtet. Er ist also aktiv, richtet seinen Blick in die Welt und ist besser ausgerüstet, um seine Lebenswelt zu entdecken, warum er sie schlussendlich auch erobern will. Die Frau zeichnet sich hingegen durch ein ausgeprägtes Fürsorgeverhalten aus, richtet ihre Aggressivität nach innen und erfasst ihre Lebenswelt eher durch ihre Gefühle, während sie sich besser verbal ausdrücken und lebendig erinnern kann. Ihre Fähigkeit, anschaulich zu denken, unterstützt somit ihre soziale Rolle maßgeblich, weshalb sie als Fürsorgerin besser geeignet ist.[27] Die biologistische Annahme legitimiert so die Vorannahmen der daraus resultierenden sozialen Rollenbilder und Rollenzuschreibungen, die sich in Form von Normen, d.h. festgeschriebenen Stereotypen, wie Mann und Frau zu sein haben, festigen. Diese Stereotype beziehen sich dabei, wie Ulich und Hurrelmann ergänzen, nicht nur auf die Lebensführung, sondern auf jeden Handlungsrahmen, der erlebt werden kann: Verhalten und Sichtbares, sowie Empfindungen und Emotionen, Wertvorstellungen und physische und psychische Handlungsmöglichkeiten[28]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Fazit bedeutet dies, dass das biologische Geschlecht ('Sex') durch legitimierte Normen und durch die Tradition deutliche Auswirkungen auf das soziale Geschlecht ('Gender') hat und davon ausgegangen werden kann, dass jede biologische Annahme eine Abbildung in dem sozialen Geschlecht findet, aber nicht jeder Aspekt des sozialen Geschlechtes eine Wurzel im biologischen Geschlecht haben muss: Der Frau eine hohe Angstbereitschaft zuzuschreiben erschient hierbei ebenso unabhängig von physischen Eigenschaften, wie die Annahme, dass Männer 'allenfalls Probleme mit Aggressionen haben', weil sie nicht gefühlsabhängig seien. Ein Umgang mit Misserfolgen erscheint schwerlich als eine Folge der physischen Anlagen, sondern eher als eine Erweiterung der Annahme, dass Fürsorge, die direkt aus der physischen Anlage des Gebären abgeleitet wird, zu einem anderen Weltbild führt, das sich eher an Sorge und an Verantwortung orientiert, als an Prinzipien. Ob daher eine Frau einen Misserfolg tendentiell anders empfindet als der Mann, denn er hat lediglich zu wenig getan, da er auch in diesem Bereich weniger emotional sei, bleibt tendentiell ohne biologischen Zusammenhang.

Rollenbilder, Rollenzuschreibungen und Stereotype entstehen, reproduzieren und manifestieren sich gleichwohl durch das Handeln der Einzelnen in den Strukturen einer Gesellschaft und werden zu Normen. Wenn Männer und Frauen aufhörten, die normierten Strukturen an den Stellen zu reproduzieren, wo sie für ihre Lebenswelt unsinnig erscheinen, und diese analysieren, reflektieren und neu denken, dekonstruierten sie diese theoretisch und wenn sie eine neu produzierte mögliche Handlungsweise in einem bestimmten Lebensbereich, d.h. dem Handlungsrahmen, dann aktiv in die Strukturen einbringen würden, produzieren sie diese für sich passend. Ob und in welchem Maße es auf diesem Wege möglich ist, sie in der gesellschaftlichen Struktur zu manifestieren und zu einer anerkannten normierten Struktur werden zu lassen, die die traditionellen, teilweise patriarchalischen, Strukturen abzulösen vermag, wird eine Frage sein, die zu klären sein wird, zumal die Tradition einer Gesellschaft deutlich normierend wirken kann.[29]

Erschwerend kommt außerdem hinzu, dass 'Gender' nicht solitär zu betrachten, sondern ein Teil des Geschlechterverhältnisses ist und in dessen Zentrum steht. Es ist bereits nicht einfach, 'Gender' innerhalb der Stereotype aufzudecken, da nicht jeder Aspekt auf eine biologische Annahme zurückzuführen zu sein scheint, und es ist noch weniger leicht, da bereits Mann und Frau zueinander in einem Verhältnis stehen, so dass sich ein Geschlechterverhältnis ergibt, von dem Männer und Frauen ein Teil sind. Diese Frage, d.h. wie genau 'Gender' durch sozial handelnde Männer und Frauen, die selbst Teil derselben sind, die Geschlechterverhältnisse in ihrer Struktur aufzudecken vermögen, wird im Rahmen dieser Arbeit nicht geklärt werden können. Wichtig ist jedoch das folgende: Das Geschlechterverhältnis ist ein Teil der Machtverhältnisse, d.h. von Verhältnissen, die einzelne Faktoren und Strukturen, u.a. Besitz, Einkommen und soziale Beziehungen, unter Berücksichtigung von gesellschaftlichen Machteinflüssen zueinander in ein Verhältnis setzen und so die gesellschaftliche Struktur durchziehen und prägen, so dass das Geschlechterverhältnis neben den Besitzverhältnissen,

Einkommensverhältnissen und sozialen Verhältnissen etc. nur ein Aspekt ist, der darüber hinaus im Verhältnis zu anderen Verhältnissen steht.

1.2.3 Die Konstruktion 'Gender'

Das soziale Geschlecht ist eine Definition, die sich innerhalb der Sozialwissenschaften in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte. Das Sex-Gender-Modell bildete sich als ein konträres Modell zu der 'Natur-der-Frau-Argumentation'[30] heraus und lehnt jede Interpretation der Definition von Geschlecht ab, die dieses biologisch fixieren will, wobei es unterschiedliche Lesarten der Grundannahme gibt, die der Biologie eine unterschiedlich große Einflussreichweite zubilligen.[31]

Grundsätzlich sei die 'Natur-der-Frau-Argumentation' eine Ideologie, die Herrschaftsverhältnisse, d.h. Machtverhältnisse, sichern und reproduzieren will, stellten die Forscherinnen fest. Es ist mit diesem konstruktivistisch-feministischen Modell falsch, biologische Annahmen ganz oder teilweise zur Grundlage typischer Geschlechtereigenschaften, Strukturen und Normen zu setzen, denn dies sei eine 'Überzeichnung der Bedeutung anatomischer und physiologischer Unterschiede', die weder normierende Strukturen, noch geschlechtsspezifische Arbeitsteilung legitimieren könne. Was auf diese Weise erreicht würde, sei die Festigung der Vormachtstellung des Mannes, die u.a. sogar bestimmte Berufe als ungeeignet für Frauen ableite.[32] Daher stellten Sozialwissenschaftlerinnen dagegen, dass Geschlecht eine historische und soziale Kategorie sei, die natürliche Geschlechterdifferenzen als sozial geformt bzw. überformt und interpretiert versteht. Damit verändert sich die Perspektive: Es wird nicht mehr nach einem Zusammenhang zwischen angenommenen natürlichen Geschlechterdifferenzen und Aspekten der Lebensbereiche gesucht, wie es besonders bei Freuds Analysen deutlich wurde, um diese zu belegen, sondern die gesellschaftliche Funktion und die Bedeutung in den Herrschafts- und Machtverhältnissen analysiert, um die Bedeutung der Geschlechterdifferenz für die sozialen Prozesse herauszuarbeiten und die patriarchalisch organisierte Gesellschaft zu kritisieren. Soziokulturelle Inhalte und Einflüsse und der Sozialisationsprozess Einzelner, die zu der Entwicklung einer Geschlechterrolle und -identität führen, bilden das soziale Geschlecht ('Gender'), welches losgelöst von einem möglichen biologischen Geschlecht ('Sex') besteht. Daher kann dem Gedanken, dass dem Geschlecht ein biologischer Faktor innewohnt, der Geschlechterunterschiede einem natürlichen Ursprung zuordnet und so ein zwei-geschlechtlich konstruiertes System zu einem 'natürlichen' Ausgangspunkt werden lasse, mit diesem Ansatz nicht zugestimmt werden.[33]

Das Konstrukt 'Gender' ist daher in jedem Fall eine erlernte Handlungsweise, die aufgrund von gesellschaftlich-kulturellen Bedingungen ein spezifisches gesellschaftliches Handeln darstellt, das einen Menschen geschlechtlich identifiziert. Dem Geschlechterverhältnis wohnt so eine normierende Differenz inne, die es den Einzelnen jedoch nicht verweigert, den Stereotypen entgegen zu handeln, solange die Basis, dass es Männer und Frauen gibt, grundlegend in jeder Handlung reproduziert wird.[34] [35]

Die Basis für diese Theorie[36] ist der Konstruktivismus, der als eine wichtige philosophische Strömung im 20. Jahrhundert unterschiedlich radikal gedacht wird: Ebenso, wie radikale Sozialwissenschaftlerlnnen die Existenz eines biologischen Geschlechtes mit Hinblick auf das soziale Geschlecht vollständig ablehnen und sehr gemäßigte das biologische Geschlecht als Grundlage bestimmter Aspekte anerkennen, bestehen im Konstruktivismus unterschiedliche Auslegungen. Die für diese Arbeit zu Grunde liegende, ist die folgende: Die Fragestellung ist, wie es zu Phänomenen, z.B. bestehender normierender Strukturen, der Gesellschaft gekommen ist. Konstruktivistlnnen fragen folglich nicht ontologisch, d.h. wie sich Phänomene ergründen lassen, sondern setzen den/die Einzelne als Beobachter bzw. erkennende Instanz maßgeblich für die Orientierung ihrer Analyse, gerade weil es, so die Annahme, keine objektive Realität geben kann, sondern jede Wirklichkeit perspektivisch betrachtet werden muss. Wirklichkeit liegt daher im Auge des/der Einzelnen und schlägt sich in seiner/ihrer Wahrnehmung von Welt nieder, so dass bei der Analyse der Struktur/Ordnung folglich Differenzen und Pluralitäten vorausgesetzt werden, da der/die Einzelne sich seine/ihre Konstruktion gemäß der grundlegenden Auffassung autonom schafft. Der Erkenntniswert ergibt sich eben aus diesem Umstand und macht auch paradoxe Denkfiguren bezüglich der Struktur/Ordnung möglich.[37]

Der/Die Einzelne ist innerhalb seines/ihres Handelns in allen Lebensbereichen folglich ein/e handelnde Akteurin[38], der/die sich seine/ihre Konstruktion von Wirklichkeit, wenn auch nicht intentional und nur in gesellschaftlichen Rahmen, selbst schafft und erhält, solange sie ein passendes Handeln ermöglicht. Der/Die Akteurin muss dafür mit seinem/ihrem Umfeld in Interaktion treten und erschafft sich so durch seine/ihre eigene Wahrnehmung seine/ihre Konstruktion, indem er/sie die Symbolsysteme, Normen, Traditionen u.a. seines/ihres Umfeldes, insofern sie passend erscheinen, in seine/ihre eigene Konstruktion von Wirklichkeit aufnimmt, wenn sie seinem/ihrem Handeln dienlich sind.[39]

Die Konstruktion entsteht folglich in jedem Fall durch die Interaktion des/der Akteurs/in mit den erfahrbaren Gegenständen/Lebewesen seiner/ihrer Lebenswelt, wobei der Grad der möglichen Beeinflussung durch die Außenwelt strittig bleibt[40]. Sicher kann also angenommen werden, dass der/die Akteurin durch die Interaktion mit seinem/ihrem Umfeld dieses erfährt und sich durch diese Erfahrung ein Bild, d.h. eine Konstruktion, von seinem/ihren Umfeld macht. Innerhalb der Interaktion werden dem/der Akteurin soziales Handeln und soziale Praktiken vermittelt, die sich bei steter Wiederholung zu einem Wissen um soziale Rollen, Eigenschaften, Verhaltensweisen etc. ausbauen und ein sicherer Fundus für jedes Handeln werden. Anders ausgedrückt: Der/Die Akteurin stellt sich der Sozialisation, die durch die Interaktion einsetzt und erfüllt damit sein Bestreben, sich eine Konstruktion zu schaffen.[41]

Innerhalb der Sozialisation entwickeln sich z.B. die Geschlechterrollen, die dabei als besonders zu betrachten sind, denn es gibt keine Situation, die keine Zuordnung zu einem Geschlecht notwendig macht, denn ohne das Wissen, ob mit einer Frau oder einem Mann interagiert wird, kann es zu keiner sozialen Interaktion kommen. Da ohne eine Interaktion auch der Wunsch nach einer Bestätigung, Erweiterung, Modifikation oder Veränderung u.a. der Konstruktion unterbunden würde, sorgt der/die AkteurIn dafür, dass er/sie sicher einem Geschlecht zugeordnet werden kann und reproduziert damit die anerkannte Norm, etwa bezüglich einer bestimmten Kleidung. Weitere Merkmale können andere Zeichen eines Geschlechtes sein, die durch das Verhalten und die Selbstinszenierungen des/der Akteurs/in deutlich werden, wie etwa der Haarschnitt, die Bewegungen, die Stimme, die Gestik und Mimik. Es handelt sich um subtile Signale, die dem Gegenüber anzeigen, zu welchem Geschlecht sich der/die AkteurIn zuordnet.[42] [43]

Geschlechterrollen und -identifikation entwickeln sich folglich mit der ersten Notwendigkeit einer Interaktion und so sind sie gleichwohl zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Leben eines Menschen verfestigt. Dieser Umstand bietet eine Chance, flexibel und autonom die eigene Konstruktion wandeln zu können, und ist gleichzeitig ein Hinweis, warum sich die normierten Vorstellungen und Zuschreibungen gerade in diesem so elementaren Bereich derart verfestigen. Sie werden sehr früh gelernt und sind, bildlich gesprochen, die Grundpfeiler der Konstruktion, die nicht erschüttert werden sollten. Daher verlangt eine Modifikation der Geschlechterrollen und -identifikation nach einem Vorgehen, das deutlich berücksichtigt, wie beide entstehen (können), denn wenn vergessen wird, dass eine Modifikation der AkteurInnen auch maßgeblich destabilisieren kann, (kann) sie ihr Ziel einer passenden Veränderung verfehlen.

2 Strukturbedingte (Un-)Gleichheit

Seit dem Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts kam es nicht nur zu einem gesellschaftlichen Wandel sondern auch zu dem Aufkommen konstruktivistisch-feministischer Ansätze, die die Forschungsziele der feministischen Theorie modifizierten.[44] Während 'zunehmend die Deutungsmuster der bürgerlichen Gesellschaft' in Zweifel gezogen worden, verschob sich das Ziel der Analyse für eine Kritik an der patriarchalisch organisierten Gesellschaft, hin zu der Dekonstruktion der Geschlechtervorstellungen, um ihnen ihre faktische Selbstverständlichkeit zu nehmen und den geschlechtsspezifischen Selbstentwurf der Akteurlnnen reflektionsfähig und wandelbar zu machen. Der Analysegegenstand sind tendentiell eher die Geschlechterverhältnisse selbst, die als 'Produkte andauernder sozialer Konstruktion der Wirklichkeit' verstanden werden und nicht mehr die gesellschaftlichen Strukturen, die dieses umgeben, um kritisiert werden zu können.[45] [46]

Gleichwohl ist bei allem Fortschritt nicht der Zeitpunkt gekommen, an dem die frühesten Analysen der Strukturen im 20.Jahrhundert sich erübrigt hätten. Die Problematik, die zu der patriachatskritischen Auseinandersetzung der 60er/70er Jahre bewegte, hat sich verändert, aber nicht aufgehoben, wie die folgende Betrachtung zeigen wird. Davon auszugehen, dass Gleichstellung (er-)lebbar oder Gleichberechtigung tatsächlich geschaffen wäre, die biologistische Sichtweise sich erübrigt hätte und alle Menschen bewusst gleichgestellt miteinander kommunizierten und handelten, wenn es um das Geschlechterverhältnis und die Interaktion der Geschlechter geht, wäre Selbstbetrug. Das zweite und dritte Kapitel werden zeigen, wo die Probleme lagen und wo sie heute liegen, und feststellen, dass sich die Problemlage kaum unterscheidet, wobei sich die Gesamtsituation maßgeblich verändert hat.

2.1 Aktueller Bezug oder 'Immer wieder das alte Dilemma?'

Ein Blick aus dem Fenster reicht aus, um zu begreifen: Auch heute besteht die Gesellschaft zur einen Hälfte aus Frauen und zur anderen Hälfte aus Männern und auch heute besteht die Frage der Geschlechter ebenso aktuell, wie vor Jahrhunderten. Auch wenn Frauen nicht mehr für ihre Bürgerrechte aufstehen müssen, wie Olympe de Gouges (1748-1793) es ihrerzeit tat, keine Grundsatzschriften zur Gleichstellung und Gleichberechtigung der Frau zu verfassen brauchen, wie Mary Wollstonecraft (1759-1797) ihren Vorstoß zu formulieren hatte, oder die Teilnahme an dem politischen Tagesgeschäft zu erkämpfen haben, wie Louise Otto (1819-1895) es zu tun hatte, um nur einige Beispiele zu nennen[47], ist das Ziel der Gleichberechtigung noch nicht erreicht und steht mitunter vor denselben Problemen, die zwar weiterentwickelt, dennoch nicht als erledigt betrachtet werden können.

Auch wenn die modernen Feministinnen bereits seit 1789 nach diesem Ziel streben, ist dieses bis heute nicht erreicht und u.a. in sozialen und rechtlichen Bestimmungen der Mangel an Gleichberechtigung und somit die Existenz von sozial konstruierten Ungleichheiten zwischen Mann und Frau, aus denen ersterer zu resultieren scheint, nur allzu deutlich.

Rechtlich wird dies ebenso deutlich, wie gesellschaftlich u.a.: Frauen verdienen weniger als Männer und sind überwiegend auf dem zweiten Arbeitsmarkt tätig und dabei angehalten, für die Erziehung der Nachkommen Sorge zu tragen.[48] Gerade weil dabei jedoch ihre ökonomische und politische Partizipation an der Gesellschaft notwendig bleibt, um den Fortschritt einer Gesellschaft zu gewährleisten, kann die Frau heute, da sie vor dem Gesetz gleichgestellt ist, auch alle Bürgerrechte in Anspruch nehmen und jedes politische Amt übernehmen, das sie zu übernehmen wünscht, wenn sie das gegen alle Widerstände nur will.

Dennoch entstehen bei einer solchen Einschätzung Zweifel, die nicht von ungefähr zu kommen scheinen:

- Gibt es nicht die gesellschaftlich immanente sozial konstruierte und etablierte Ungleichheit der Geschlechter, die sich auch heute noch in vielfältiger Weise explizit und implizit manifestiert?
- Warum ist es einer Frau nur gegen Widerstände möglich, sich, ebenso wie der Mann, als souverän zu setzen und sich als sozial autonome Existenz zu denken, um dies dann auch handelnd zu sein?
- Warum definiert sie sich demgemäß tendentiell nicht über ihr Handeln, sondern ganz oder teilweise, über ihr Geschlecht?
- Warum definiert er sich weiterhin tendentiell über sein Handeln und nicht ganz oder teilweise über sein Geschlecht?
- Warum nimmt sie u.a. wirtschaftliche Einschränkungen, z.B. bei Einstellungsgesprächen für gut dotierte Vollzeitstellen, mit der Begründung hin, dass sie gebärfähig sei, anstatt sich aktiv ihre Tätigkeit so zu gestalten, dass sie durch ihr Handeln eine souveräne Anerkennung erfährt und deutlich bleibt, dass dieser Umstand mit derselben nicht nur vereinbar, sondern kombinierbar sein muss (wie sie bei dem Mann ebenfalls gestaltet bleibt)?[49]
- Warum dominiert insbesondere in wirtschaftlichen Zusammenhängen nach wie vor die Aktivität des Mannes?

Es erscheint heute, als könne sich eine Frau nach wie vor tendentiell nicht über ihr Geschlecht hinwegsetzen, während der Mann tendentiell gar nicht über sein Geschlecht reflektiert und sich über seine weitergehenden Ziele definiert und dadurch ebenso sozial anerkannt wie wertvoll erscheint. Beansprucht eine Frau selbiges, was heute möglich ist, bleibt sie etwas Besonderes und hebt sich selbst hervor. Vielleicht hat sie dabei sogar noch Kinder: In diesem Fall ist sie eine Vorreiterin, eine, die unbedingt geachtet werden muss, weil sie ihre Aufgabe um eine Dimension erweitert hat, die durch ihre Beschwernis anerkannt ist, und sie dafür umso deutlicher hervorgehoben werden muss: die männliche Dimension. Schließlich hat sie das geschafft, obwohl die Kultur, das Recht und die Ökonomie ihr diesen Weg erschweren und trotz ihrer, gleichsam als 'natürlich' angenommenen Reproduktionsaufgabe, die mit einem Mal ebenfalls wieder zu etwas besonderem wird: Etwas ganz besonderem, denn sie hat es trotz der durch Männer kreierten und legitimierten Strukturen geschafft, die sie strukturell hindern.[50] Solange dieser Fall nicht gehäuft eintritt, besteht kein Grund, die geltenden Regeln zu ändern, und erst dann muss darüber nachgedacht werden, dass Gleichberechtigung gefördert würde.[51] Selbstverständlich würde kein Mann diesen Umstand so ausdrücken und auch keine Frau, ohne betroffen zu sein, so denken. Die stilistisch richtige Ausdrucksweise eines Mannes wäre vielleicht, dass diese Frau eine Bereicherung darstellt, die den Expansionsbestrebungen der Firma sehr zu Gute kommt, und dass ihr Engagement neben der Familie bewundernswert ist. Andere Frauen betonen das vermutlich genau anders herum, denn dass diese Frau es trotz der Familie schafft, so erfolgreich zu sein, sei deutlich bewundernswert.

Das letztgenannte Beispiel erscheint deckungsgleich mit Simone de Beauvoirs (1908-1986) Einschätzung von 1951[52]: Auch wenn es hier der Frau rechtlich nicht möglich war, derart deutlich selbiges zu tun, wie der Mann, so gab es doch eben diese Frauen, die diese Wirkung erzielten.[53] Hat sich folglich nichts wesentlich verändert? Ist jede feministische Anstrengung derart fruchtlos geblieben, dass das 'Grundproblem' nicht gelöst werden konnte? Wenn ja, welches 'Grundproblem' ist zu lösen?

Aus der Perspektive der patriachatskritischen Theorie, die in den 50er/60er Jahren des 20. Jahrhunderts als erste Initiative die Macht- und Herrschaftsstrukturen einer konkreten Analyse unterzog, um eine fundierte Kritik an den normativ konnotierten Strukturen bezüglich der Geschlechterverhältnisse durchzuführen, die strukturbedingten Diskriminierungen gegenüber Frauen durch männlich strukturierten Normen, hervorzuheben vermochte, hätte sich tatsächlich wenig verändert: Die Grundstrukturen, wie die folgenden Beispiele theoretischer Ausführungen und die Analyse in Kapitel 3 zeigen werden, entbehren teilweise sehr deutlich nicht ihren wesentlichen Erkenntnissen. Die Autorinnen dieser frühen Ansätze der Geschlechterforschung hatten darüber hinaus sehr ähnliche Problemansätze und Gegenstände, die sie betrachteten:[54]

- Um die gesellschaftliche Arbeitsteilung, die Frauen tendentiell private Tätigkeiten, z.B. die Erziehung und Hausarbeit, und Männern tendentiell öffentliche Tätigkeiten, z.B. die Erwerbstätigkeit, zuschrieb, sollte diese aufgebrochen werden, indem Frauen in die Berufswelt integriert und Männer eine idealerweise paritätische Verantwortung an der Erziehung und der Haushaltsführung erhielten.
- Um geschlechtsspezifische Zuschreibungen, z.B. dass die Frau aufgrund ihrer Sexualität sozial eine Ehefrau, Mutter und eine reproduzierende Kraft sein müsste, und der Mann aufgrund seiner Aufgabe das Leben zu gestalten, aktiv und (vor-)herrschend die Gesellschaft gestalten und kontrollieren sollte, aufzuheben, wurden die Macht- und Herrschaftsstrukturen, u.a. durch Simone de Beauvoir, analysiert, um diesen Umstand verdeutlichen zu können.
- In den 1970/80er Jahren kam außerdem die Intention hinzu, dass die Unterdrückung der Frau in allem Lebensbereichen mit Hilfe der bisherigen Ergebnisse der Theorie und der Erkenntnisse über mögliche Veränderungspläne, abgebaut werden sollte, und die Schaffung von Gleichstellung rückte in den Vordergrund, da Gleichberechtigung nicht nur als positiv empfunden wurde. Gleichberechtigung bedeutete auch eine mögliche 'Angleichung an männliche Strukturen'. Es wurde daher nach neuen Wegen gesucht, wie sich die Frau mit ihrer Sexualität dennoch für Gleichgestellt setzen könnte, um die Unterdrückung durch ein neues Bild von Weiblichkeit aufzuheben, während die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung nach wie vor umgestaltet werden sollte, um die soziale Stellung der Frau aufzuwerten.

Das Thema 'Haus- und Erziehungsarbeit'[55], das heute unter 'Vereinbarung von Familie und Beruf' nach wie vor sichtbar ist, der Nachweis, dass die 'Reproduktionarbeit der Frauen ein Ort der ökonomischen, psychischen und sexuellen Unterdrückung'[56] sei, der heute latent immer noch z.B. in der Debatte um gleiche Löhne und identische Bedingungen zur Partizipation am Erwerbsleben, mitschwingt, wenn der Frau die Erziehungs- und Hausarbeit selbstverständlich zugeschrieben wird, selbst wenn dies nicht der Realität entsprechen kann, und die 'Legitimation der weiblichen Geschlechterrolle' als sexuell zur Reproduktion bestimmte und sozial daher Unterlegene gegenüber der männlichen Geschlechterrolle[57], die heute immer noch sehr deutlich in den bereits in Kapitel 1 beschriebenen Stereotypen und Rollenzuschreibungen manifestiert ist, bestehen heute ebenso wie in den 50er/60er Jahren.

Das Anliegen der patriachatskritischen Theorie kann folglich trotz der Tatsache, dass dieser Theorieansatz heute einen elementaren Teil der aktuellen Theorien darstellt und nicht deutlich eigenständig besteht[58], nicht für aufgehoben erklärt werden, so dass es den Startpunkt dieser Arbeit darstellt: Es ist grundsätzlich die Frage zu stellen, warum sich in Anbetracht der ökonomischen, rechtlichen und sozialen Veränderungen noch keine maßgebliche Veränderung der sozial konstruierten Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und in den normativen Strukturen eingestellt hat und dies sich mit allen Veränderungen nicht verändert zu haben scheint, bevor über die Einschätzung der aktuellen Situation, Hindernisse und (mögliche) Veränderungen gesprochen werden kann.

2.2 Vordenkerinnen patriachatskritischer Theorie

2.2.1 Simone de Beauvoir (1908 -1986)

De Beauvoir bietet 1951 in ihrem Werk 'Das andere Geschlecht - Sitte und Sexus der Frau' in einer der ersten analytisch angelegten Auseinandersetzungen eine existenzphilosophische Erklärung an, die, aufgrund der Nähe zu der vorangegangenen Situationsanalyse, hilfreich sein kann: Ausgehend von der These, dass die Menschheit aus zwei Kategorien besteht, von denen die eine der jeweils anderen ihre Souveränität aufzwingen will, fragt De Beauvoir, welchen Vorteil der Mann hatte, sich gegen die Frau durchzusetzen. Sie fragt, wie es ihm gelang, die Frau dauerhaft in Unterdrückung zu halten und gleichzeitig, warum es nicht dazu kam, dass die Geschlechter gleichgestellt ihre Souveränität erhielten, um, in einer feindlichen bzw. freundschaftlichen Spannung zueinander, miteinander zu leben.[59]

Mit ihrer Erklärung beginnt sie in einer 'vor-ackerbaulichen Zeit': Zu dieser Zeit lebten die Menschen, nach ihrer Theorie, als Nomaden in Gruppenverbänden und waren den Einflüssen ihrer Umwelt unmittelbar ausgesetzt. Die Frau war ebenso robust und widerstandsfähig wie der Mann, nahm teilweise an Kriegen teil, verteidigte die Gruppe und stand ihm dabei in nichts nach. Belastet wurde sie, im Gegensatz zu ihm, jedoch regelmäßig mit der Fortpflanzung, die sie dabei einschränkte, so dass sie in diesen Zeiten nicht jagen gehen konnte und stattdessen die Beeren sammelte und auf Reisen die Lasten trug, da sie zur Verteidigung durch ihre Belastung nicht taugte. Menstruation, Schwangerschaft und Niederkunft minderten ihre Kräfte auf diese Weise regelmäßig und schlossen sie für mehr oder minder lange von diesen Tätigkeiten aus, so dass sie von Versorgung, Schutz und Verteidigung der Männer mehr oder minder abhängig wurde.[60]

Nun sollte davon ausgegangen werden können, dass diese Phasen auch regelmäßig endeten und dann wieder die Kraft bliebe, die Aufgaben der Gemeinschaft wieder voll zu übernehmen, aber dem konnte nicht so sein: Da es keine Geburtenkontrolle gab, stand der Frau durch die ständige Wiederholung dieser Phasen diese Möglichkeit nicht offen. Da gleichzeitig zu viele Kinder die Ressourcen der Gemeinschaft belasteten und die Anstrengung, die Gruppe zu verpflegen, für die meist schwangere Frau zu groß war, wurde sie zu 'der Gebärenden' und erledigte die Reproduktionsaufgabe: die Fortpflanzung, sowie die häuslichen und weniger kraftbetonten Arbeiten. Sie konnte sich nicht vollständig an der Verpflegung der Gemeinschaft beteiligen, so dass ihre Reproduktionsaufgabe ihre Produktionsaufgabe überwog.[[61] [62] ]

Das hieraus entstehende Ungleichgewicht der gemeinschaftlichen Aufgaben wurde dadurch ausgeglichen, dass der Mann seine Reproduktionsaufgabe zugunsten der Produktionsaufgabe reduzierte: Er übernahm die Sorge um die Verpflegung, die Verteidigung und den Schutz umso deutlicher und überließ die Sorge um die Reproduktion deutlicher der Frau. Ein Ausgleich, der organisatorisch sinnvoll daherkommt und gleichzeitig dazu führt, dass die Frau gerade deshalb in der Lage ist, ihre Aufgaben zu übernehmen, weil der Mann ihr zur Seite steht, so dass das Gleichgewicht erhalten werden kann, aber intern durch ein Ungleichgewicht verschoben besteht.[63]

Es sollte folglich angenommen werden können, dass das mangelnde Gleichgewicht von Produktions- und Reproduktionsaufgaben sich durch das kollektive Miteinander wiederherstellte, da der Hunger, Kindsmorde und Kriege die Population regulierten und so die Möglichkeit einer Regulierung durch die Transzendierung der Männer und Frauen anböten: Da innerhalb einer Gruppe jedoch Werte und Regeln gebildet werden, die sich in ihrer Idealform auch dann institutionalisieren, wenn sie nicht verschriftlicht werden, blieb es nach De Beauvoir nicht möglich, dass dies geschähe. Die Regeln und Werte bedeuteten für die Frau, die ein Kind austrug, dass sie nicht stolz auf ihre Aufgabe sein konnte, da die Lebensgrundlage der Gemeinschaft harte Arbeit blieb und die Erhaltung und Verteidigung derselben die basierende produktive Aufgabe darstellte, während Schwangerschaften und Kinder die Gemeinschaft eher belasteten. Geschwächt durch ihre Umstände und gezwungen, sich leichteren, häuslichen Tätigkeiten zuzuwenden, wurde ihre Leistung geringer geschätzt und sie 'erduldete ihr Schicksal'. Der Mann, damit beschäftigt, die Gemeinschaft zu verteidigen, zu schützen und zu ernähren, genoss demzufolge ein höheres Ansehen, da er nicht nur produktiv seiner Aufgabe nachging und die Frau unterstützte, sondern auch aktiv dafür Sorge trug, dass die Gemeinschaft sich entwickelte. Er machte sich seine Welt autonom tätig zu Eigen, setzte sich Ziele und gestaltete die Zukunft der Gemeinschaft, indem er Fanggründe eroberte oder eine neue Technik entwickelte, für Nahrung zu sorgen. Sein Handeln diente höheren Zielen außerhalb seiner selbst und war häufig mit Gefahren verbunden, die sein Ansehen noch steigerten, denn da er sich, indem er z.B. auf der Jagd tötete, 'über das Leben erhob', erlangte er eine Macht, die ihn am Ende befähigte, die Frau, die mit ihrer Aufgabe in der Wiederholung immanent gefangen blieb, seinem Willen zu unterwerfen.[64] [65]

Übertragen auf die existenzphilosophische Ebene bedeutet dies (mit De Beauvoir): Der Mensch ist dazu berufen, sich außerhalb seiner selbst zu entfalten und seine Welt autonom tätig zu entdecken und sich zu Eigen zu machen, um sich als existent zu begreifen. Er will sich souverän gegenüber seiner Umwelt als Akteurin setzen und erhält durch die Anerkennung des 'Anderen' ein Existenzbewusstsein[66]. Der Mann hat unter den Nomaden alle Möglichkeiten dies zu tun und erhält dafür nicht nur die soziale Anerkennung, sondern auch ein Existenzbewusstsein. Die Frau entwirft keine Wege, bemächtigt sich nicht autonom (tätig) der Umwelt und gewinnt keine soziale Anerkennung und/oder ein Existenzbewusstsein durch sich selbst, da sie unmittelbar durch ihre Umstände daran gehindert wird.

Da jedoch gerade die Entfaltung des Menschen ihm die höchste Anerkennung bringt, so wurde sie als reproduzierende folglich, durch die Umstände und das Werte- und Denksystem, darauf beschränkt, sich innerhalb seiner Transzendierung Anerkennung zu verschaffen, so dass sie, insbesondere in Bezug auf produzierende Aufgaben, nur durch die Nutzung seiner Möglichkeiten, zu transzendieren, Anerkennung für sich erfahren konnte. Dadurch, dass sie nur durch ihn tatsächliche Anerkennung erfahren konnte, wurde der Mann als produzierender zu dem überlegenen Geschlecht, das seine Anerkennung auch durch die Frau erhielt, die, selbst wissend, dass sie sich entfalten sollte, sich selbst nur durch ihn erfahren konnte: Als die Andere, die ihm die Möglichkeit gab, ohne selbst einen Anspruch darauf zu erheben.

2.2.2 Shulamith Firestone (geb. 1945)

Diesen Gedanken griff Shulamith Firestone 1970 in ihrem Buch 'Frauenbefreiung und sexuelle Revolution' ('The Dialectic of Sex') auf und bestimmte ihn zur Geburtsstunde des Patriarchats. Eine Arbeitsteilung, deren Basis die Sexualität ist, entsteht und rechtfertigt mit Firestone über Jahrhunderte die Herrschaft des Mannes über die Frau.[67]

im Unterschied zu De Beauvoir geht sie allerdings nicht davon aus, dass es in der Gemeinschaft Produktions- und Reproduktionsaufgaben gibt, die sich im Gleichgewicht befinden müssten, um das Ungleichgewicht, etwa durch sinnvolle Umverteilungen der Aufgaben und Möglichkeiten der Empfängnisverhütung, zu beseitigen, um einen gleichberechtigten Umgang zwischen den Geschlechtern hervorzubringen, sondern versucht, den Kern der Arbeitsteilung, nach ihr die Sexualität, zu analysieren, um herauszufiltern, wie diese gleichsam natürliche Begründung ausgehebelt werden kann.[68]

Ausgehend von der These, dass

die Spaltung in geschlechtsspezifische Klassen - die Klasse der Männer und die Klasse der Frauen - (...) so tief verwurzelt [sei], dass sie nicht mehr zu erkennen [sei][69]

stellt sie fest, dass sie lediglich als eine oberflächliche Ungleichheit erscheine, die mit ein paar Reformen aufzuheben wäre. Die spontane Reaktion auf diese These von Frauen, Männern und Kindern käme der Wahrheit jedoch am nächsten:

Das? Das kann man doch nicht ändern. Ihr müsst übergeschnappt sein![70]

Die Forderung nach Veränderungen, um die Ungleichheit der Geschlechter aufzuheben und Gleichberechtigung (er-)lebbar zu machen, trifft folglich auf einen tief verwurzelten Widerstand innerhalb der gesellschaftlich traditionellen Denkkategorien, die so tief verankert zu sein scheinen, dass sie ausschließlich durch radikale Veränderungen aufzuheben sind.[71] Radikale Veränderungen, wie etwa die Anerkennung der sexuellen Selbstbestimmung der Frau durch Verhütung und das Verbot männlicher Vorrechte auf die Fortpflanzungsaktivität, anstatt einer Vorherrschaft des Mannes in der gleichsam natürlich angenommenen Einheit Familie, und die Verlagerung der Kindererziehung in die öffentliche Hand (in Form von Kindertagesstätten und Kindererziehungszentren), anstatt einer gleichsam natürlichen Pflicht der Frau für den Nachwuchs zu sorgen - selbst dann, wenn sie erwerbstätig ist.[72]

Gleichwohl betrachtet Firestone letztere Maßnahme als eine Übergangslösung, da sie den Frauen zwar die Möglichkeit gibt, sich teilweise von ihrer Biologie zu lösen, jedoch die Verantwortung für die Nachwuchssorge nicht von ihnen nimmt. Um dies nachhaltig tun zu können, soll die gemeinsame Sorge von Männern und Frauen um die Fortpflanzung und die Nachwuchssorge in der Gesellschaft verankert und darüber hinaus dadurch gefestigt werden, dass das 'Potential der modernen Embryologie' (heute: Genforschung oder künstliche Befruchtung) es der Frau ermöglicht, sich von ihrer Biologie zu lösen, damit kein Grund mehr besteht, Frauen aufgrund ihrer Fähigkeit zur Fortpflanzung in Ungleichheit zu halten.[73] Auch mit Hinblick auf politische und ökonomische Verhältnisse hin fordert Firestone radikale Veränderungen: Im Erwerbsleben ist die Produktion von Waren für den sofortigen Gebrauch, etwa Stoffe, ganz im Sinne von De Beauvoirs These, als reproduzierender Zweig nicht in dem Maße anerkannt, wie die Produktion zukunftsweisender produzierender Produkte. Gleiche Bezahlung für gleichen Arbeitsaufwand zu fordern, sei in dieser Hinsicht ein Wunschtraum, sagt Firestone, der bei allem notwendig zu erfüllen sei, um die 'Wurzel der Arbeitsteilung' in Frage zu stellen - sowohl im ökonomischen, als auch auf der politischen Ebene, die durch die ökonomische Veränderung nachziehen müsse.[74]

Frauen und Kinder vollständig gleichberechtigt in die Gesellschaft zu integrieren und die kulturelle Trennung von Mann/Frau/Kind aufzuheben, bedeutet somit nach Firestone, dass nicht nur traditionelle Rollenmuster verändert werden müssen, sondern auch, dass sexuelle Unterdrückung qua Tradition nicht mehr existent sein darf. Firestones Ideal stellt daher eine Gesellschaft dar, die eben nicht jede sexuelle Handlung verbietet, die der Bestimmung der eindeutigen Vaterschaft im Wege steht, sondern eine, die es der[75]

Menschheit [ermöglicht] zu ihrer natürlichen polymorphen Sexualität zurückfinden (...) [und jede/r] zu seiner vollen Selbstverwirklichung einfach im Prozess von Sein und Handeln kommen [könnte]'.[76]

In der Perspektive von Firestone begründet sich die patriarchale Ordnung, ebenso wie die Ungleichheit der Geschlechter bei De Beauvoir, auf die Biologie, die fälschlicherweise für eine traditionell normierte Gesellschaftsstruktur sorgt, die die Ungleichheit der Geschlechter aufrechterhalten will, um die Tradition zu festigen.

2.2.3 Kate Millet (geb. 1934)

Dieser Umstand lässt sich mit Kate Millets Theorie der Sexualpolitik parallel zu Firestones These im realistischen Bezug vertiefen, so dass deutlich werden kann, warum die Tradition aufrechterhalten wird und wie diese Praktik über Jahrhunderte nicht an Bedeutung verloren hat. Sexualpolitik ist ein durch Millet festgelegter Terminus, der die machtstrukturellen Beziehungen, aufgrund derer eine Gruppe von Menschen von einer anderen regiert wird[77] bezeichnet. Damit geht er über den allgemein verstandenen Begriff von Politik hinaus, da Politik im Idealfall als Zusammenleben nach annehmbaren und rationalen Prinzipien [aufgefasst wird] (...), aus denen der Begriff der Macht über andere vollkommen eliminiert sein sollte, (...) auf die Situation, die wir gewöhnlich als politisch bezeichnen, nicht zutrifft.[78]

Mit dieser Wortwahl unternimmt Millet den Versuch, die wahre Natur der Geschlechterrangordnung sowohl aus historischer Perspektive wie aus dem Gesichtswinkel der Gegenwart zu untersuchen.[79]

Sexus (Sex) fasst sie hierbei als eine Rangkategorie mit einem politischen Unterton auf. Ihr Analyseziel ist es, Machtverhältnisse auf weniger konventioneller Basis zu betrachten, um die persönlichen Beziehungen und die Wechselwirkungen zwischen klar umrissenen und ausgeprägten sozialen Gruppen zu definieren[80], denn gerade weil in verschiedenen politischen Strukturen gewisse Gruppen keine Vertreter haben, ist ihre Position so stabil, ihre Unterdrückung so wirkungsvoll.[81]

Grundsätzlich stellt sie fest, dass eine unterdrückte Gruppe in einer bestehenden politischen Ordnung nur ungenügenden Rechtsbeistand erfährt und deshalb daran gehindert ist, sich zu einer konventionellen politischen Opposition zu organisieren. Im System der Sexualbeziehungen sei demzufolge die Norm, dass das männliche Geburtsrecht über das weibliche regiert, völlig unkritisiert zu betrachten.[82]

Diese Herrschaft ist haltbarer als jede Art erzwungener Segregation, unerbittlicher als Klassenschichtung, einheitlicher und zweifellos zeitüberdauernder. Wenn die gegenwärtige Form dieser sexuellen Herrschaft auch belanglos erscheinen mag, so ist sie doch die weitverbreiteste Ideologie unserer Kultur und liefert einen fundamentalistischen Machtbegriff.[83]

Zum Beleg dieser These führt Millet, die mit der Theorie des 'Grundproblems' (der Ursprung läge in der Interpretation und Existenz der Biologie bzw. Sexualität) der vorangegangenen Autorinnen übereinstimmt, verschiedene Beispiele auf, an welchen Stellen patriarchalische Strukturen nachgewiesen werden können, von denen hier die wesentlichen dargestellt werden sollen.

Generell stellt sie fest, dass alle Stellungen des öffentlichen Lebens, die Zugang zu Macht versprechen, durch Männer besetzt seien, und auch jedwede Art gedachter übernatürlicher Autorität männlich gedacht wird. Alles, was die Gesellschaft prägt, stamme von Männern. Jede Institution, in der die Frauen durch die Männer beherrscht werden, folgt somit dem Prinzip, dass männlich über weiblich und alte Männlichkeit über junge Männlichkeit herrscht. Dieses Prinzip wird auch dann nicht außer Kraft gesetzt, wenn es Unterschiede gibt, die scheinbar diese Regel brechen, wenn dies nicht gänzlich geschieht.[84]

Die Familie stellt für Millet die stärkste Einheit der patriarchalischen Gesellschaften dar. Dadurch, dass sie über den Zugang zur Sozialstruktur, die Sozialisation und die Erziehung bestimmt und ihre Mitglieder dazu zwingt, sich den Gegebenheiten anzupassen, sei sie das[85]

Exekutivorgan eines patriarchalischen Staates, der seine Bürger durch die Familienoberhäupter regiert.[86]

Familie, Gesellschaft und Staat sorgen so gemeinsam für das Fortbestehen der Strukturen und sanktionieren Verstöße durch Normen, die über männliche Leitbilder, wie etwa die Religion oder die Wissenschaft, legitimiert werden. Wollen Frauen diese Norm durchbrechen, erfahren sie weder rechtliche noch soziale Anerkennung und bemerken bald, dass sie sich nur dort durchsetzen können, wo sie dieselben nicht ernsthaft verletzen. Geschieht dies dennoch, werden sie durch Rechtlosigkeit, etwa nicht vorhandene Rechte oder schlechten Rechtsbeistand, und soziale Ächtung, etwa Ausgrenzung von Frauen mit unehelichen Kindern, sanktioniert.[87] Dadurch wird deutlich, dass Sexus durch die zentralen Funktionen der Familie (Sozialisierungsprozess und Fortpflanzung) stets eine immanente Kategorie der Differenzierung ist, die über Macht- , Bildungs- und Sozialzugänge entscheidet und zwar gerade dadurch, dass sie innerhalb der vorgestellten Strukturen stets mitgedacht wird, ohne kritisiert zu sein, so dass traditionelle und kulturelle Maßgaben die Unterdrückung der Gruppe der Frauen, selbst dann, wenn es Gegenbestrebungen gibt, manifestieren und ihre Bedeutung nicht verlieren können. Dadurch, dass der Frau nicht zuletzt durch die Strukturen die wirtschaftliche Unabhängigkeit verwehrt bleibt, ist ihr ein maßgeblicher Dreh- und Angelpunkt von vorn herein rechtlich und gesellschaftlich genommen. Die Macht, die die Männlichkeit somit über die Strukturen und Normen erhält, wird mit ihren Mitteln (Gewalt und durch sich selbst legitimierte Sanktionen) gefestigt und durchgesetzt.[88]

2.2.4 Sherry B. Ortner (geb. 1941)

Warum sich diese Struktur derart deutlich durchsetzt, versucht Ortner in ihrem Werk 'Is Female to Male as Nature to Culture' 1974 herauszukristallisieren.

Die Anthropologie schöpft ihre Kreativität zu einem großen Teil aus der Spannung zwischen zwei unterschiedlichen Ansprüchen: zum einen menschliche Universalien zu erklären und zum anderen kulturelle Besonderheiten. In diesem Rahmen ist die Frau eines der schwierigsten Probleme, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Der sekundäre Status der Frau in der Gesellschaft gehört zu den echten Universalien, er ist eine pankulturelle Tatsache.[89] betont Ortner zu Beginn ihres Textes und stellt fest:

In meinem Aufsatz werde ich die Logik bloßlegen, die der kulturellen Vorstellung von der Unterlegenheit der Frau innewohnt, denn wäre sie nicht überzeugend, würden die Menschen nicht bis heute an ihr festhalten. Doch ich versuche auch, die sozialen und kulturellen Ursprünge dieser Logik aufzudecken und zu zeigen, wo die Möglichkeiten zu einer Veränderung liegen.[90]

Für Ortner steht, wie auch für die bereits genannten Autorinnen, fest, dass die Gesellschaft männlich strukturiert ist und dass diese Struktur sich aus sich selbst heraus legitimiert. Ihr Interesse an der Logik dieser Struktur führt sie zu drei wesentlichen Ergebnissen: Zum ersten ist die Unterlegenheit nach kulturellen Maßstäben dann nachweisbar, wenn durch Elemente der kulturellen Ideologie oder durch Aussagen überzeugend nachgewiesen werden kann, dass Frauen in ihren Rollen, Aufgaben, Erzeugnissen und sozialen Milieus explizit abgewertet werden. Dies ist dann der Fall, wenn dieselben Kriterien bezogen auf Männer höher bewertet werden, und/oder selbiges mit impliziten, von der Deutung durch normabhängige Deutungsmuster abhängigen symbolischen Verfahren geschieht und/oder wenn soziokulturelle Ordnungen Frauen explizit und/oder implizit von der Partizipation in/an Bereichen ausschließen, die ihnen Autorität verleihen würden. Ortner betont ausdrücklich, dass zur Analyse einer Kultur nach diesen Maßstäben das Zutreffen eines Aspektes ausreicht, um die Unterlegenheit der Frau nachzuweisen und das Bestehen dieses Umstandes umso deutlicher hervortritt, je mehr Kriterien erfüllt sind, woraufhin sie zu dem Ergebnis kommt, dass jede bekannte Kultur mindestens eines der Kriterien erfüllt.[91]

Zum zweiten weist sie nach, dass 'Natur' und 'Kultur' zwei Begrifflichkeiten sind, über die Gesellschaft sich definiert und Zuordnungen vornimmt, die die Frau zwischen 'Natur' und 'Kultur' einordnen und den Mann bei 'Kultur'. Da Kulturen die Natur zugunsten ihrer Distinktion auf einer niedrigeren Existenzstufe ansetzen, um sich als Kultur zu legitimieren und zu festigen, geschieht dies analog auch mit den Universalien einer Kultur: So wie die Kultur danach trachtet, sich die Natur dienlich zu machen, trachtet sie auch danach, die Teile ihrer selbst sich selbst dienlich zu machen, die sie selbst beherbergt. Sie teilt sie z.B. in unnütze, nützliche und herausragende Leistungen ein, je nachdem, wie sie sie voranbringen, und bewertet sie. Je bedeutungsvoller und förderlicher die Prozesse und Symbole für eine Kultur sind, desto mehr Wert haben sie. Kultur kann so allgemein betrachtet, sagt Ortner, mit dem Begriff des 'menschlichen Bewusstseins' bzw. den 'Erzeugnissen des menschlichen Bewusstseins' gleichgesetzt werden, denn auch diese/s bemüht sich um Distinktion, die Beherrschung der Natur und seiner Lebenswelt. Da die Maßstäbe zur Einstufung der Universalien auch hier mehrheitlich dem Mann die höhere Bedeutung zuschreiben (z.B. Ehre, Ämter, wirtschaftlichen Erfolg, sexuelle Unabhängigkeit) und der Frau wesentlich niedrigere Bedeutung (z.B. Fürsorge, Rückendeckung, wirtschaftliche Abhängigkeit, sexuelle Abhängigkeit), steht die Frau der Natur innerhalb der kulturellen Norm näher, als der Mann, wobei dessen Bedeutung sich tendentiell durch ihn selbst legitimiert:[92]

Wenn also, wie ich meine, der Mann überall (unbewusst) mit der Kultur assoziiert wird und die Frau der Natur näherzustehen scheint, so ist das Grundprinzip dieser Assoziation unschwer zu verstehen, allein wenn man die Folgen des physiologischen Unterschieds zwischen Männern und Frauen berücksichtigt. Zugleich kann eine Frau dennoch nicht gänzlich der Kategorie 'Natur' zugeordnet werden, denn es ist offensichtlich, dass sie ein richtiges menschliches Wesen ist, wie auch der Mann ausgestattet mit einem Bewusstsein; sie macht die Hälfte der menschlichen Rasse aus, und ohne ihre Teilhabe würde das ganze Unternehmen zusammenbrechen.[93]

Zum dritten stellt Ortner fest, dass eine Veränderung nur dann möglich ist, wenn sich 'Kultur menschlich denkt und handelt' und so eine soziale Veränderung eintritt, die Frauen und Männer als Menschen ansähe. Dazu sei jedoch ein anderer Blick auf die Kultur notwendig, als er (weitgehend unbewusst) besteht, so dass dieser nur aus einer anderen (veränderten) sozialen Realität erwachsen kann. Da eine andere soziale Realität jedoch nur aus einem anderen (veränderten) Blick auf die Kultur erwachsen könne, muss das Konstrukt der Kultur sich (zwingend) verändern.[94] [95]

Ortner fügt mit ihren Ausführungen einen wesentlichen Aspekt zu den bereits genannten Fakten hinzu: Sie konstatiert, wie die patriarchalische Struktur nachweisbar sein kann und liefert, mit Hinblick auf die bereits genannten Autorinnen, eine fast identische Erklärung für die dauerhafte Vormachtstellung des Mannes (Biologie/Sexualität). Allerdings ist dabei zu bemerken, dass sie sich nicht wesentlich von der Terminologie von 'Kultur' und 'Natur' löst, die von der männlichen Leitkultur geschaffen wurde und so, wie die nächste Autorin zeigen wird, auf der Suche nach einer Veränderungsmöglichkeit scheinbar explizit nicht soweit geht, das Konstrukt selbst anzuzweifeln.

2.2.5 Adrienne Rich (geb. 1929)

Rich erweitert die Debatte um das Patriarchat um eine Dimension, die bisher explizit gänzlich fehlte. In ihrem Aufsatz 'Zwangsheterosexualität und lesbische Existenz' macht sie 1980 zum ersten Mal analytisch deutlich, wie sich die sexuelle Norm auf Frauen und ihre Lebenswelt auswirkt.

'Lesbische Existenz' fasst sie dabei nicht nur als die per Definition festgelegte körperliche Liebe von Frauen zu Frauen auf, sondern erweitert diesen Begriff um eine entscheidende Dimension: Sie konstatiert, dass alle Beziehungen zwischen Frauen gemeint sind, die in unterschiedlicher Intensität frauenbezogene Erfahrungen miteinander teilen. Auf diese Weise löst sie das Tabu der Homosexualität aus seiner Isolation heraus und hebt gleichzeitig die Abgrenzung lesbischer und heterosexueller Frauen auf, so dass sich gemeinsame Perspektiven eröffnen können. Eine dieser gemeinsamen Perspektiven ist die Kritik an der Heteronormativität und der Zwangsheterosexualität, die durch die geltende patriarchalische Norm postuliert werden und einen wesentlichen Anstoß für die heutige, immer deutlicher anerkannte Queer Theory gaben.

Heteronormativität, d.h. die gesellschaftlich kulturelle Vorgabe, dass Heterosexualität das Normale darstellt, manifestiert sich maßgeblich in den allgemeinen Vorstellungen und Verhaltensregeln und Zwangsheterosexualität ist in gewisser Weise ihre Folge, denn der Zwang, dass jeder Mann und jede Frau sich zur Heteronormativität bekennen und dieses Ideal leben sollte, kann als eine explizit sanktionierende Ausdrucksweise der männlich dominierten Struktur gelesen werden, wobei sich ihre Bedeutung besonders in der anerkannten Familienform manifestiert.[96]

Lesbische Existenz' beinhaltet [folglich] sowohl das Brechen von Tabus als auch die Ablehnung einer erzwungenen Lebensweise. Sie ist außerdem ein direkter oder indirekter Angriff gegen das männliche Anrecht auf Frauen[97] stellt Rich fest und kommt zunächst explizit auf tatsächlich lesbisch lebende Frauen zu sprechen:

Aber sie ist noch mehr, auch wenn wir sie vielleicht zunächst nur als Form der Patriarchatsverweigerung, als Akt des Widerstandes wahrnehmen. Natürlich schließt sie Rollenzwänge, Selbsthaß, Depression, Alkoholismus, Selbstmord und Gewalttätigkeit unter Frauen nicht aus. Wir sollten uns davor hüten, romantisch zu verklären, was es hieß und noch immer heißt, unter Androhung schwerer Strafen 'gegen den Strom' zu handeln und zu lieben. Lesbischsein (anders als Jüdisch- oder Katholischsein) heißt, ohne irgendein Wissen von einer Tradition, einer Kontinuität und ohne soziales Fundament zu leben. Wir müssen die Zerstörung aller Zeugnisse, Briefe und Dokumente über lesbische Daseinsweisen bitter ernst nehmen, denn was uns damit vorenthalten wird, ist das Wissen um Freude, Sinnlichkeit, Mut und Erlebnisse der Gemeinschaft genauso wie das Wissen um Schuldgefühle, Selbstbetrug und Schmerz.[98]

Später im Text bezieht sie die heterosexuellen Frauen explizit mit ein:

Während die Bezeichnung 'lesbisch' in ihrer patriarchalischen Definition mit einschränkenden, klinischen Assoziationen behaftet ist, werden andererseits Freundschaft und Kameradschaft zwischen Frauen vom Bereich der Erotik ausgenommen; was die Erotik selbst einschränkt. Indem wir jedoch die Skala dessen, was wir als lesbische Existenz begreifen, vertiefen und erweitern, zeichnen sich Umrisse eines lesbischen Kontinuums ab, das auf keinen einzelnen Körperteil und nicht einmal auf den Körper als solchen beschränkt ist; als eine nicht nur diffuse, sondern (...) allgegenwärtige Energie, die sich im 'Teilen, Mitteilen von Freude - körperlicher, emotionaler und psychischer Freude' und in gemeinsamer Arbeit ausdrückt; als machtverleihende Freude, die uns 'weniger willens (macht), Ohnmacht oder jene anderen demütigenden und für mich unnatürlichen Zustände wie Resignation, Verzweiflung, Selbstzurücknahme, Depression und Selbstverleugnung zu akzeptieren' (...). Wenn wir die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß alle Frauen in einem lesbischen Kontinuum leben, (...) dann sehen wir vielleicht auch, wie wir uns selbst ständig in dieses Kontinuum hinein- und wieder hinausbewegen, gleichgültig, ob wir Lesben sind oder nicht. Dann können wir erkennen, dass die unterschiedlichsten Aspekte der Frauenidentifikation miteinander in Verbindung stehen Rieh schafft mit ihrer Erweiterung und Vertiefung einen Raum, der auch der heterosexuellen Frau fehlt, denn die gemeinsame Erfahrung, eben nicht heiraten oder die fürsorgende Rolle übernehmen zu wollen, oder sieh der Erwartung zu beugen, dass es Bereiche gibt, an denen eben einfach keine Frau partizipieren darf, betrifft alle Frauen. Jede Frau hat, gemessen an der Norm, dieselben psychischen, physischen, sozialen und wirtschaftlichen Repressionen zu tragen und mit dem Anpassungszwang an die Norm umzugehen.[99] [100]

Dieses gemeinsame Erlebnis- und Erfahrungsfeld teilen alle Frauen und gerade deshalb sollte gemeinsam an einer Lösung gearbeitet werden:

Die Arbeit, die uns bevorsteht, um das, was ich hier 'lesbische Existenz' nenne, ans Licht zu holen und zu beschreiben wird sich potentiell auf alle Frauen befreiend auswirken. Diese Arbeit muss zweifellos über die Grenzen westlicher Mittelstands­Frauenforschung hinausführen und das Leben, die Arbeit und die Zusammenschlüsse von Frauen innerhalb aller rassenbedingten, ethnischen und politischen Strukturen erforschen.(...) Das lesbische Kontinuum, meine ich, müßte im Licht des Doppellebens von Frauen gesehen werden - nicht nur von Frauen, die sich selbst heterosexuell nennen, sondern genauso von selbsternannten Lesben.[101]

Die Autorin fordert, dass die Kenntnisse über Frauengeschichte und Frauenerleben gesammelt und im Licht der Zwänge der geltenden Norm in allen Handlungsfeldern reflektiert werden, um die Widersprüche der Heteronormativität aufzudecken, die Zwangsheterosexualität zu hinterfragen und im Ende maßgeblich die Situation und die Norm zu beeinflussen.[102]

Rich verlässt mit ihrer Analyse deutlich die Bühne des bestehenden Wissens und wagt es, die Institution der Heterosexualität (ihre Vorgängerinnen in dieser Arbeit benannten es mit Biologie/Sexualität) tiefgreifend und explizit anzuzweifeln. Sollte es gelingen, diesen Zweifel ebenso überzeugend an die Öffentlichkeit zu bringen, wäre bereits sehr viel getan, konstatiert sie.

3 Ungleichstellung im 2Uahrhundert

3.1 Einleitung

Mit De Beauvoir, Firestone, Millet, Ortner und Rich wurde ein ausgewählter Bogen durch die feministischen Theorien der Patriachatskritik geschlagen, der die wesentlichen Gedanken dieser Theorie aufgreift. Was auch immer von De Beauvoirs 'Naturzustand' und der Entwicklung der traditionellen Arbeitsteilung zu halten ist, wie radikal der Ansatz Firestones auch erscheinen mag, wie plakativ die Analyse Millets auch daherkommt, wie kurz gedacht Ortners Beitrag im Ende erscheinen mag, da sie die Handlung ankündigt, aber nicht explizit benennt und wie kritisch der Beitrag Richs wegen der deutlichen Fokussierung auf lesbische Frauen auch betrachtet werden könnte: Deutlich scheint sich die wichtigste Gemeinsamkeit, die patriarchale Struktur der bestehenden Gesellschaft/Kultur, dieser Thesen heute immer noch zu bestätigen. Angenommen, Geschlechterungleichheit, - hierarchie und -ungerechtigkeit resultieren aus der Tatsache, dass die Frau qua ihrer Biologie/Natur daran gehindert wird, die wichtigen Aufgaben der Menschheit zu bewältigen bzw. an ihnen zu partizipieren. Angenommen, daraus entstünden (mit De Beauvoir) eine in den Strukturen, Normen und Werten manifestierte Ungleichheit, die aufgehoben werden sollte, (mit Firestone) eine immanente auf der Biologie fußende Interpretation der Gesellschaftsverhältnisse, die die Unterdrückung der Frau legitimiert und basal zu tilgen gilt oder (mit Millet) eine Tradition, Norm und Ökonomie, die Hierarchien und Ungleichheiten der Geschlechter zugunsten eines Patriarchats aufrechterhalten. Oder es entstünden (mit Ortner) eine Bewusstseinsstruktur, die unbewusst die geltenden Normen und die anerkannte Kultur übernimmt und lebt oder (mit Rich) eine Möglichkeit, die bestehenden Strukturen zu begreifen und als Frauen gemeinsam gegen die bestehenden Normen vorzugehen. Angenommen, diese Theorien können im täglichen Leben in 2011/2012 nachgewiesen werden und erfüllten eben die Funktionen, die von den Autorinnen hervorgehoben werden, so lieferte dies einen Beleg dafür, dass dieser Ansatz nicht für überholt geltend gemacht werden könnte und berechtigt Eingang in die (Folge-)Theorien gefunden hat, die heute ihre Gültigkeit beanspruchen.

Inwieweit diese Thesen folglich heute noch geltend gemacht werden und/oder Bestand haben, soll im Anschluss an diesen Überblick mit einem Fokus auf exemplarische gesellschaftliche Handlungsrahmen auf ihre aktuelle Existenz überprüft werden. Es wird anhand verschiedener Orte, wo eine Handlung stattfindet, kritisch überprüft werden, inwieweit von patriarchalischen Strukturen gesprochen werden kann und woran dies erkennbar ist.

3.2 Betrachtung der Handlungsrahmen

3.2.1 Handlungsrahmen: Familie

Die Familie ist auch heute der Grundstein jeder Gesellschaft und bildet die kleinste reglementierende Einheit, die existiert. Der Handlungsrahmen Familie bietet die Möglichkeit allgemeingültige Handlungsmuster zu erlernen und einzuüben, um diese derart zu verinnerlichen, dass sie zu einem festen Bestandteil der eigenen Persönlichkeit werden, der künftig nicht mehr wegzudenken ist. Diese Möglichkeit, einen Menschen zu prägen und auf die Gesellschaft vorzubereiten, kann dabei jedoch progressiv und reproduktiv angegangen werden. Erziehung, d.h alle gezielten Maßnahmen, die insbesondere Kindern die Fähigkeiten vermitteln sollen, die sie im Leben brauchen bzw. alle gezielten Maßnahmen und Methoden, mit denen ein Mensch auf gesellschaftliches Handeln vorbereitet wird[103], und Sozialisation, d.h. der Vorgang, durch den Einzelne sich an den Umgang mit anderen Menschen gewöhnen und sich durch Interaktion mit ihnen bzw. ihrem Umfeld in die Gesellschaft integrieren, ohne dass es sich um gezielte Maßnahmen und Methoden handelt[104], die Grundprozesse in diesem Zusammenhang, können durch die Familie beeinflusst werden, so dass nur aufgrund der Existenz dieser Einheit keine patriarchalische Reproduktion angenommen werden kann.

Patriarchalische Grundzüge bestehen erst dann faktisch, wenn der männliche Machtanspruch höher eingestuft wird, als der weibliche und sich die sozialen, ökonomischen, rechtlichen und politischen Normen mit dieser Konnotation durch die Handlungs- und Lebensgewohnheiten ziehen, stellt Kate Millet fest. Eine Familie erfüllt folglich dann offensichtlich alle Merkmale des Patriarchats bzw. einer patriarchalen Struktur/Ordnung, wenn der Vater der Vorstand und die Mutter wirtschaftlich und sozial von ihm abhängig ist, weil er wesentlich mehr Geldmittel in die Familie trägt und sie durch seine gesellschaftliche Anerkennung die ihre gewinnt, wenn er die durch ihn erfahrene an sie weiter gibt, und gleichzeitig bzw. mehrheitlich für die Erziehung und den Haushalt Sorge trägt. Die Mutter hat in Bezug auf den häuslichen und erzieherischen Bereich die Möglichkeit Meinungsführerin zu sein, wird jedoch nie die letzte Entscheidung treffen, denn eine Entscheidung entsteht nur in Absprache mit dem Vater. Außerhalb des Hauses lebt der Vater ein öffentliches Leben, dass der Familie Anerkennung einbringt und wenn es notwendig wird, unterstützt die Mutter ihn dabei. Die Erziehung und die Haushaltsführung sind so nach den Entscheidungen des Vaters gerichtet und wirken sich maßgeblich auf die Kinder aus. Diese lernen und begreifen die Struktur und verinnerlichen diese derart deutlich, dass sie für sie Normalität wird. Soziale, ökonomische und rechtliche, sowie politische Normen werden so durch die männliche Vorgabe geprägt und dadurch durch die Reproduktion der patriarchalischen Norm der Gesellschaft die Handlungsspielräume und -abläufe innerhalb der Familie bestimmt.[105]

Mit Blick auf 2011/12 ist dieses Bild in Reinform in der traditionellen 'Hausfrauenehe' sichtbar. Auch wenn es hier häufig vorkommt, dass Entscheidungen zu Erziehung, Haushaltsführung und auch zu dem öffentlichen Leben auch von der Mutter getroffen werden, so ist die Mutter unter wirtschaftlichen, sozialen und rechtlich-politischen Gesichtspunkten maßgeblich von dem Vater abhängig: Er ist der Ernährer, der sozial und öffentlich sichtbare Vertreter und der rechtlich und politisch bevorzugte Familienvorstand. Sein materieller Verdienst und seine öffentliche Position bestimmen die wirtschaftliche Situation und die soziale Anerkennung der Familie und ihrer Mitglieder und seine Einschätzung der politischen Lage prägt zumeist die politische Position der Familie.

Darüber hinaus existieren aktuell vielfältige 'alternative Familienformen', wie beispielsweise Partnerschaften, eheähnliche Arrangements verschiedener Art und Ein-Elternteil-Familien. Keiner der genannten Familienformen, einschließlich der traditionellen 'Hausfrauenehe', will unterstellt sein, dass sie bewusst patriarchalische Strukturen reproduzieren, dennoch scheinen diese in jeder Form von Familie nachweisbar zu sein.[106]

'Alternativen Familienmodelle' haben tendentiell eine Gemeinsamkeit: Sie sind sozial weniger anerkannt, als die traditionelle Form, denn sie halten zumeist bereits der ersten Bedingung, der Vater-Mutter-Kind-Konstellation mit Trauschein, nicht stand. Außerdem nutzen sie vielfältig alternative Handlungsmuster zu der traditionellen Vorstellung der Familienorganisation, was nicht selten zu Konflikten mit den Strukturen und der Norm der Gesellschaft führt, an denen diese Formen auch nicht selten scheitern.

- Partnerschaften zeichnen sich im Wesentlichen durch das Ideal aus, dass beide Partnerinnen ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit und eine gleichberechtigte Handlungsstruktur stärken (wollen) und die Frage nach Kindern davon abhängt, inwieweit diese mit den beiderseitigen Lebensentwürfen übereinstimmt.

Dies ist jedoch reell tendentiell schwer umsetzbar, da rechtlich-politisch der männliche Teil in einer Partnerschaft zum einen ein höheres Einkommen erzielen kann (und durch die ökonomischen Strukturen der Gesellschaft soll) und zum anderen die besseren Aussichten auf eine angesehene Position zur Verfügung gestellt bekommt. Dazu kommt, dass die steuerrechtlichen-, versicherungs- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen vorsehen, dass der weibliche Teil einer Partnerschaft die Sorge für die Kinder übernimmt und diesen so von vorn herein von einem geringeren wirtschaftlichen Nutzen einstuft, wenn es z.B. darum geht, gut dotierte Stellen zu besetzen oder diesen nach einer Schwangerschaft wieder zu denselben Konditionen wie vorher einzustellen. Auf diese Weise werden insbesondere Partnerschaften mit dem traditionellen Familienbild, das seinen Ausdruck nicht nur in der gelebten Realität, sondern auch in Form etwa des Ehegattensplittings, wiederfindet, die deutlich aufzeigen, wo die normierten gesellschaftlichen Grenzen der Familienbilder verankert sind, konfrontiert. Soziologischer Studien, die in dieser Arbeit nicht ausführlich dargestellt werden können, belegen glaubhaft, dass Partnerschaften mit der Begründung, dass die wirtschaftliche Situation besser gewährleistet werden kann, wenn die Partnerin ihre Arbeitszeit im Falle von Kindern kürzt und der Partner Vollzeit tätig ist. Eine Begründung, die sehr deutlich macht, dass sie mit dem Hintergrund der erwähnten Strukturen, keine gleichberechtigte Entscheidung innerhalb der Partnerschaft, sondern eine Reaktion auf die Reproduktionsmechanismen patriarchalischer Normvorstellungen ist. Nicht wenige Partnerschaften lösen sich daraufhin bald in Ehen auf, um dieselben rechtlichen und finanziellen Vorteile zu erhalten, wie sie Ehegatten angeboten werden, selbst wenn dies nicht dem gewollten Lebensentwurf entsprach. Diese Reproduktion patriarchalischer Grundmuster im Handeln ist durch die selbstbestimmten Erklärungen im Alltag nicht immer sichtbar, aber, wie im Beispiel der Erfüllung des Kinderwunsches, deutlich vorhanden.[107]

- Dasselbe Problem haben eheähnliche Arrangements aller Art, z.B. offene Beziehungen, Fernbeziehungen, unverheiratete Paare mit Kindern oder Wirtschaftsgemeinschaften. Als nicht-eheliche Familien- und Beziehungsformen werden alle Beteiligten als ledige Bürgerinnen aufgefasst und haben keinen Anteil an den Vorteilen ehelicher Verbindungen, die sich nicht nur im Steuerrecht, sondern selbstverständlich auch im Familienrecht, Versicherungsrecht und im Erbrecht u.a. wiederfinden. Die Ehe jedoch wird hier, wie auch in Partnerschaften, kritisch betrachtet, denn 'Ehe' wird intuitiv häufig mit 'Hausfrauenehe' gleichgesetzt - ein Modell, das häufig abgelehnt wird. Trotz dieses kritischen Blickes werden insbesondere in diesen alternativen Familienformen soziale Abhängigkeiten der weiblichen Beteiligten deutlich. Zwar ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit zumeist ein unbestrittenes ideal, jedoch ein Anspruch auf soziale Gleichstellung nicht derart verbreitet, wie in Partnerschaften. Während in Partnerschaften die Norm häufiger reflektiert und auf einem eigenen Weg gehandelt wird, bleibt sie hier eher unreflektiert. Der Mann/Vater geht Vollzeit arbeiten, wenn es Kinder gibt, übernimmt die Mutter die Sorge um die Erziehung (nicht zwingend den Haushalt), der Mann/Vater unterstützt die Frau/Mutter finanziell und materiell und die wichtigen Entscheidungen fällt im Ende eher der Mann.[108]
- Eine weitere 'alternative Form', die Ein-Elternteil-Familien, trifft auf beide der soeben genannten Grenzen gleichzeitig. Meist entstehen diese Familien nach einer Scheidung oder nach einer Trennung heterosexueller wie homosexueller Paare und beauftragen von Haus aus ein Elternteil (deutlich mehrheitlich eine Frau) mit der Erziehung der Kinder. Darüber hinaus führen auch ungewollte Schwangerschaften und gewaltsame Übergriffe u.a. zu dieser 'Familienalternative'. Diese Form ist daher tendentiell notwendig auf alternative Handlungsformen angewiesen.

Wie genau dies an dieser spannenden Schnittstelle des traditionellen Familienbildes und möglichen neuen Handlungsformen geschieht, muss in dieser Arbeit jedoch aufgrund der Komplexität der speziellen Thematik notwendig unbelegt bleiben und kann lediglich durch einen Versuch einer These, die in einer weiteren Arbeit zu belegen wäre, tendentiell skizziert werden:

Das Elternteil übernimmt, sofern kein Unterhalt in ausreichender Höhe besteht, die wirtschaftliche Versorgung, die Erziehung und die Haushaltsführung, so dass es 'Mutter und Vater sein muss', wie der Volksmund tendentiell mitleidig konstatiert. Als Frau verdient es dabei von Haus aus weniger, als als Mann hat es viel schwieriger die Möglichkeit, qualifiziert in Teilzeit zu arbeiten. Eine wirtschaftliche Abhängigkeit von dem Ex-Ehegatten oder vom Staat (und somit von der Gesellschaft) ist daher, auch vorübergehend, tendentiell unausweichlich. Inwieweit sich die rechtlich-politische Abhängigkeit verändert, könnte hier nur spekuliert werden, die soziale jedoch wird für beide Geschlechter scheinbar überdeutlich: Ist das Elternteil eine Frau, so steht es tendentiell unter der Obhut des Staates, denn insbesondere Frauen gilt der Schutz des Familien(schutz)gesetzes.

Allen Situationen, die zu dieser Familienform führten, selbst wenn sie freiwillig gewählt sei, tragen ihre eigenen (zusätzlichen) sozialen Folgen, eines jedoch scheint eindeutig: Als alleinerziehende Frau ist die soziale Anerkennung über sie selbst notwendig, so dass das traditionelle Bild empfindlich geschädigt wird. Da die Anerkennung für Familien normgerecht über den Vater gegeben wird, muss diese tendentiell (hart) erkämpft werden. Eine wirtschaftliche Unabhängigkeit schafft Raum für eine steigende soziale Anerkennung und die Selbstständigkeit dabei führt tendentiell zu derselben. Diese wird scheinbar deutlich daran gemessen, wie gut dies dem Elternteil, insbesondere in Bezug auf die Vereinbarung von Familie und Beruf, gelingt. Ist das Elternteil ein Mann, so steht es vor der Aufgabe, seine soziale Position und die damit verbundene soziale Anerkennung zu Gunsten der Situation zu mindern. Dies zu tun ist gerade dann schwer, wenn die Konsequenzen den anerkannten Normen deutlich widersprechen, denn der Frau ist Abhängigkeit tendentiell normativ zugeschrieben worden, so dass sie die Aufgabe hat, sich aus dieser Situation zu befreien, während ein männliches Elternteil eben eine Abhängigkeit einzugehen hat, die der tendentiell normativ zugeschriebenen Unabhängigkeit widerspricht. Ein Teilzeitarbeitsplatz, die Kindererziehung und die Haushaltsführung oder ein Vollzeitarbeitsplatz mit Tagesmutter, Kindererziehung und Haushaltsführung sind beides Modelle, die die soziale Anerkennung sinken lassen, da deutlich eine Reproduktionsaufgabe übernommen wird.

[...]


[1] Vgl.: Bennet-Vahle, Heidemarie/Meyer, Ursula I., 1994, S.56-58

[2] Vgl.: Bennet-Vahle, Heidemarie/Meyer, Ursula I., 1994, S.57/58

[3] 'Der Mann' und 'die Frau' stehen hier für zwei rivalisierende soziale Gruppen, die im sozialen Gefüge zueinander in einer Ungleichheit stehen und dies, ohne es bewusst zu erkennen, sogar zu einem großen Teil als 'natürlich' ansehen, sich eben so zu positionieren, weil sie ein Teil der Gesellschaft und ihrer Normen und Werte bleiben, die vielfach nicht realisiert, aber gelebt werden. Diese Verwendung wird auch im Weiteren auf diese Art identisch erfolgen.

[4] Vgl.: Bennet-Vahle, Heidemarie/Meyer, Ursula I., 1994, S.57/58

[5] Vgl.: Bennet-Vahle, Heidemarie/Meyer, Ursula I., 1994, S.55-58

[6] Die Position Simone de Beauvoirs wird in Kapitel 2.2.1 und 5.3 thematisiert und in Kapitel 6 Argumentationsgrundlage.

[7] Diese Auseinandersetzungen werden in Kapitel 2 thematisiert.

[8] Diese Auseinandersetzungen werden in Kapitel 1.2.3 und 4.3 thematisiert und in Kapitel 6 Argumentationsgrundlage.

[9] Dieser Schwerpunkt wird in Kapitel 2/3 gesetzt.

[10] Dieser Schwerpunkt wird in Kapitel 4-6 gesetzt.

[11] Eine deutlichere Thematisierung erfolgt in Kapitel 3.

[12] Die Problematik, die aus dieser Abweichung entsteht, wird in Kapitel 7 näher betrachtet.

[13] http://egora.uni-muenster.de/pbnetz/verfassung/frames/gleich_sach03.htm

[14] Kommission für Geschichte des Parlamentarismus (Hrsg.), 1996, S.19

[15] Die Problematik, die aus dieser Abweichung entsteht, wird insbesondere in Kapitel 7 näher betrachtet.

[16] http://lexikon.stangl.eu/53/gender/

[17] Vgl.: Beauvoir, Simone de, 1992, S.334

[18] Eine nähere Erläuterung zu diesem Begriff findet sich unter Kapitel 6.3.

[19] Vgl.: http://lexikon.stangl.eu/1973/gender-mainstreaming/

[20] http://www.definition-of.net/definition-der-gleichstellung

[21] Eine nähere Erläuterung zu diesem Vorgang findet sich unter Kapitel 4.3, 4.4 und als Argumentationsgrundlage in Kapitel 5/6.

[22] Vgl.: Tillmann, Klaus-Jürgen, 1999, S.41-55; Hinweis: Wenn nicht explizit ein Gegenstück genannt wird, wird es durch die Autorinnen für den europäischen Raum nicht aufgeführt.

[23] Vgl.: Tillmann, Klaus-Jürgen, 1999, S.41-55

[24] Vgl.: Tillmann, Klaus-Jürgen, 1999, S.41-55

[25] Vgl.: Rousseau, Jean Jaques, 1989, 18-27 und 466-481 u.a.

[26] Vgl.: Rousseau, Jean Jaques, 1989, 18-27 und 466-481 u.a.

[27] Vgl.: Tillmann, Klaus-Jürgen, 1999, S.41-55

[28] Vgl.: Hurrelmann, Klaus/Ulich, Dieter, 1991, S.279-301; Hinweis: Wenn nicht explizit ein Gegenstück genannt wird, wird es durch die Autorinnen für den europäischen Raum nicht aufgeführt.

[29] Die Thematisierung dieser Frage erfolgt insbesondere in Kapitel 5 und wird in Kapitel 6 verdeutlicht.

[30] Diese Position geht davon aus, dass die Frau durch ihre Biologie die soziale Rolle der Hausfrau und Mutter in der Gesellschaft einnehmen muss und unterscheidet nicht zwischen sozial gewachsenen und biologischen Legitimationen für diese Auffassung, sondern setzt biologische Legitimationen zur Begründung ein.

[31] Vgl.: Tillmann, Klaus-Jürgen, 1999, S.50-55

[32] Vgl.: Tillmann, Klaus-Jürgen, 1999, S.50-55

[33] Vgl.: Tillmann, Klaus-Jürgen, 1999, S.50-55

[34] Vgl.: Tillmann, Klaus-Jürgen, 1999, S.50-55

[35] Weitere Ausführungen erfolgen in Kapitel 4.3.

[36] Weitere Ausführungen erfolgen in Kapitel 4.3.

[37] Vgl.: Pörksen, Bernhard, 2011, S.13-25 (insbesondere S.21-25)

[38] Ein/e handelnde Akteurin wird in dieser Arbeit der Begriff sein, der auch im Weiteren verwendet wird, um den/die Einzelne zu beschreiben. Gemeint ist hiermit (mit Gildemeister) ein handelndes Subjekt, dass sich und seine/ihre Umwelt konstituiert und sich selbst eine Konstruktion seiner/ihrer Umwelt schafft und sich (mit de Beauvoir) sich selbst seinen/ihren Selbstentwurf verwirklicht, um leben zu können. Aufgrund der Unterschiedlichkeit und der hier nicht zu leistenden Definition des Subjektes selbst, wird damit das maßgebliche Merkmal des hier gemeinten Subjektes hervorgehoben: Der Mensch ist ein handelndes Lebewesen und damit ein/e Akteurin.

[39] Vgl.: Gildemeister, Regine, 2000, S.71-76

[40] Theoretisch wird dies, beschreibt Gildemeister, innerhalb von zwei theoretischen Grenzen denkbar, die ein breites Spektrum von theoretischen Ansätzen umfassen: Gemäßigte Positionen vertreten dabei die Annahme, dass empirisch erfahrbare, widerständige Aspekte der Außenwelt die Wahrnehmung bestimmen und radikale Positionen stellen die zweite Grenze dar, die festlegt, dass jede AkteurIn ein in sich geschlossenes, sich selbst hervorbringendes und selbstbezügliches System, d.h. autopoetisch, sei, welches als Bewusstsein die Außenwelt wahrnimmt und prinzipiell durch diese unzugänglich bleibt, wenn es das nicht will (Vgl.: Gildemeister, Regine, 2000, S.68-70).

[41] Vgl.: Gildemeister, Regine, 2000, S.71-76

[42] Vgl.: Tillmann, Klaus-Jürgen, 1999, S.50-55

[43] Eine Auseinandersetzung mit dieser These findet sich unter Kapitel 4.3.

[44] Mehr Information zu dem Hintergrund der Veränderungen findet sich insbesondere in Kapitel 6-6.3.

[45] Mehr Informationen zum Wandel der Forschungs- und Betrachtungsperspektiven findet sich in Kapitel 4.3 und 6-6.3.

[46] Vgl: Hurrelmann, Klaus/Ulich, Dieter, 1991, S.279-280

[47] Vgl.: Karsch, Margret, 2004, zu den Akteurinnen S.17-23 und 29-33 und zum Hintergrund generell

[48] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/StaatGesellschaft.html für allgemeine Übersichten und unter: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/Bevoelkerung.pdf?___ blob= publicationFile, https://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/Arbeitsmarkt.pdf?___ blob=publicationFile und https://www.destatis.de/DE/Publikationen/StatistischesJahrbuch/StatistischesJahrbuchKomplett.pdf___ blob=publicationFi le u.a.

[49] Letzteres müsste möglich sein, damit die Frage als aufgehoben betrachtet werden könnte, und dass sie noch gestellt wird, belegt das Gegenteil.

[50] Dertheoretische Hintergrund ist in Kapitel 2.2.1 und 5.3 deutlicher thematisiert.

[51] Dertheoretische Hintergrund ist in Kapitel 4.3 deutlicher thematisiert.

[52] Diese und weitere Ausführungen finden sich in: Beauvoir, Simone de, 1992

[53] Dertheoretische Hintergrund ist in Kapitel 2.2.1 und 5.3 deutlicher thematisiert.

[54] Vgl.: Knafla, Leonore/Kulke, Chiristine, 1991, S.91-115, insbesondere S.105-113; dieser Bezug gilt auch für die folgende Aufzählung.

[55] Vgl.: Knafla, Leonore/Kulke, Chiristine, 1991, S.91-115, insbesondere S.105-113

[56] Vgl.: Knafla, Leonore/Kulke, Chiristine, 1991, S.91-115, insbesondere S.105-113

[57] Vgl.: Knafla, Leonore/Kulke, Chiristine, 1991, S.91-115, insbesondere S.105-113

[58] Nähere Ausführungen zu dieser These finden sich insbesondere unter Kapitel 4.3, 5 und 6-6.3.

[59] Vgl.: Beauvoir, Simone de, 1992, S.86-108 (Kernthese: S.86-91)

[60] Vgl.: Beauvoir, Simone de, 1992, S.86-108 (Kernthese: S.86-91)

[61] De Beauvoir nimmt an, dass jede Kategorie (jedes Geschlecht) in einer Gemeinschaft eine Produktions- und eine Reproduktionsaufgabe hat, die sich im Gleichgewicht befinden sollte, um den gleichberechtigten Umgang beider Kategorien in der Gemeinschaft zu erhalten.

[62] Vgl.: Beauvoir, Simone de, 1992, S.86-108 (Kernthese: S.86-91)

[63] Vgl.: Beauvoir, Simone de, 1992, S.86-108 (Kernthese: S.86-91)

[64] Vgl.: Beauvoir, Simone de, 1992, S.86-108 (Kernthese: S.86-91)

[65] Dertheoretische Hintergrund ist in Kapitel 5.3.1 deutlicher thematisiert.

[66] Gemeint ist hierbei das Resultat aus der Begegnung mit anderen Akteurinnen, die den/die Akteurin als Menschen anerkennen, denn diese macht dem/der Akteurin bewusst, dass er/sie existiert, d.h. ein Leben führt, das er/sie als Mensch führen muss, um tatsächlich ein Mensch sein zu können. Ein Existenzbewusstsein zu haben, bedeutet folglich, sich der Tatsache bewusst zu sein, dass das eigene Leben eine Existenz ist, die sich, in dem hier gedachten Verständnis, wie bereits in Kapitel 1.1, 2.2.1 und in 5.3 erläutert, als Mensch entfalten will und muss, um leben zu können. Gleichwohl sind Bewusstsein und Existenz in der Philosophie Begriffe, die nicht klar definiert sind und deren Bedeutung sich aus dem Kontext und der philosophischen Denkrichtung ergibt, so dass eine eindeutige allgemeingültige Definition hier nicht gegeben werden kann (Weitere informationen: http://www.philosophie-woerterbuch.de/startseite/; Stichworte: Existenz, Bewusstsein, Exustenzphilosophie u.a.).

[67] Vgl.: Firestone, Shulamith, 1975, S.105-112

[68] Vgl.: Firestone, Shulamith, 1975, S.105-112

[69] Firestone, Shulamith, 1975, S.105

[70] Firestone, Shulamith, 1975, S.105

[71] Vgl.: Firestone, Shulamith, 1975, S.105-114

[72] Vgl.: Firestone, Shulamith, 1975, S.112-117

[73] Vgl.: Firestone, Shulamith, 1975, S.112-117

[74] Vgl.: Firestone, Shulamith, 1975, S.114-117

[75] Vgl.: Firestone, Shulamith, 1975, S.115-117

[76] Firestone, Shulamith, 1975, S.116

[77] Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.31

[78] Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.31

[79] Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.32

[80] Vgl.: Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.31-34

[81] Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.32

[82] Vgl.: Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.31-34

[83] Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.33

[84] Vgl.: Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.34-41

[85] Vgl.: Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.34-41

[86] Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.42

[87] Vgl.: Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.42-46

[88] Vgl.: Millet, Kate, 1970 (1971 in deutscher Übersetzung), S.42-54

[89] Ortner, Sherry B., 1993, S.237

[90] Ortner, Sherry B., 1993, S.237

[91] Vgl.: Ortner, Sherry B., 1993, S.237-241

[92] Vgl.: Ortner, Sherry B., 1993, S.239-248

[93] Ortner, Sherry B., 1993, S.242

[94] Vgl.: Ortner, Sherry B., 1993, S.247/248

[95] Ortner geht in dem Quellentext nicht darauf ein, wie diese Veränderung, insbesondere in Bezug auf den von ihr vorgetragenen Zusammenhang zwischen dem Blick auf die Kultur und die soziale Realität, erfolgen sollte, so dass die angedeutete als Zirkel anmutende Verschränkung, hier nicht aufgeklärt werden kann und notwendig undeutlich bleiben muss.

[96] Vgl.: Rich, Adrienne, 1986 (zuerst 1983), S.219-228

[97] Rich, Adrienne, 1986 (zuerst 1983), S.219

[98] Rich, Adrienne, 1986 (zuerst 1983), S.219

[99] Rich, Adrienne, 1986 (zuerst 1983), S.220/221

[100] Vgl.: Rich, Adrienne, 1986 (zuerst 1983), S.219-228

[101] Rich, Adrienne, 1986 (zuerst 1983), S.227

[102] Vgl.: Rich, Adrienne, 1986 (zuerst 1983), S.219-228

[103] Vgl.: http://www.def¡n¡t¡on-of.net/advanced-word-searches.aspx?q=erz¡ehung&match=starts&Jang=de

[104] Vgl.: http://www.def¡n¡t¡on-of.net/advanced-word-searches.aspx?q=soz¡al¡sat¡on&match=starts&Jang=de

[105] Vgl.: Millet, Kate, 1970 (1971 ¡n deutscher Übersetzung), S.42-45 insbesondere

[106] Nicht ungenannt sollen an dieser Stelle Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien und homosexuelle Partnerschaften u.a. bleiben, welche zugunsten der Fragestellung jedoch unthematisierbar sind, da deren Situation eine Reflektion erfordert, die den Rahmen der Auseinandersetzung sprengen würde.

[107] Vgl.: Koppetsch, Cornelia/Burkhart, Günter, 1999; Wimbauer, Christine/Henninger, Annette/Gottwald, Markus (Hrsg.), 2007 (exemplarische Beispiele)

[108] Vgl.: Koppetsch, Cornelia/Burkhart, Günter, 1999; Wimbauer, Christine/Henninger, Annette/Gottwald, Markus (Hrsg.), 2007 (exemplarische Beispiele)

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Titel: Tatsächliche Gleichberechtigung und (er-)lebbare Gleichstellung