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Serialität bei Fernsehserien. Eine Analyse der TV-Serie „Das Traumschiff“

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die ZDF-Fernsehreihe „Das Traumschiff“

3. Die vielfältigen Handlungsstränge

4. Die Wahl der Drehorte

5. Der Stellenwert von Protagonisten

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kaum ein anderes Kreuzfahrtschiff beschert seinem Fernsehsender höhere Einschaltquoten als Das Traumschiff dem ZDF. Seit 1981 sticht der TV-Dampfer in See und lässt die Zuschauer regelmäßig rund 125 Minuten lang Seeluft schnuppern und Teil an großen und kleinen Urlaubsabenteuern und –romanzen werden; nicht nur auf Schiffsdeck, sondern auch an unterschiedlichen exotischen Orten auf der ganzen Welt. Mit durchschnittlich 6,37 Millionen Zuschauern ab 3 Jahren seit dem Jahr 2000[1] ist das Format eines der erfolgreichsten des ZDFs, mit dem der Sender nicht nur die Abende von Weihnachts- und Neujahrestagen zelebriert.[2]

Die derartige Langlebigkeit, Popularität und der Erfolg der Serie machen es reizvoll, das Format zu genauer zu analysieren und als Ausgangspunkt für die Fragestellung zu nutzen, was grundsätzlich die Serialität einer Fernsehreihe auszeichnen kann.

Die folgende Arbeit widmet sich dieser Fragestellung in drei Schwerpunkten: Zunächst steht am Beispiel von Das Traumschiff die Frage im Mittelpunkt, wie die Handlungen einer Serie organisiert sein können. Durch was zeichnen sich die Plots aus? Warum kann es in Serien überhaupt mehrere Plots geben? Warum zeichnen sich diese durch eine Vielfältigkeit in ihren Genres aus, wie Liebesdramen, Komödien oder Abenteuergeschichten? Sind die Plots innerhalb einer Folge wiederum aufeinander abgestimmt oder ganz voneinander unabhängig?

Zweitens wird die Frage gestellt, welchen Stellenwert der jeweilige Drehort in einer Serie einnehmen kann. Das Traumschiff ist einerseits für die Drehs auf der MS Deutschland bekannt. Andererseits sind die Reisen zu exotischen Ländern ein zentrales Element der Serie, mit dem die einzelnen Folgen jeweils betitelt werden. Daraus ergibt sich zunächst die Frage, welchen Vorteil vertraute Drehorte für eine Serie und vor allem für den Zuschauer haben können. Welche Priorität nehmen dagegen unbekannte und exotische Orte für den Rezipienten einer Serie ein?

In einem dritten Teil wird der Fokus auf die Protagonisten gelegt. Dabei wird am Beispiel der Crew der MS Deutschland gefragt, durch was sich die Protagonisten einer TV-Serie auszeichnen können und welche Rolle diese für den Rezipienten und das Serienbild einnehmen. Eine zentrale Fragestellung wird außerdem sein, wie Hauptprotagonisten, die über mehrere Folgen hinaus zum Serienensemble gehören sollen, mit in die einzelnen Handlungsstränge, die von Folge zu Folge variieren, eingewoben werden.

Die folgenden Untersuchungen beziehen sich überwiegend stichprobenartig auf die Das Traumschiff -Folgen Botswana, Shanghai, Rio de Janeiro, San Francisco, Vietnam und Papua-Neuguinea. Zunächst jedoch wird die Serie vorgestellt und der Werdegang kurz erläutert.

2. Die ZDF-Fernsehreihe „Das Traumschiff“

Das Traumschiff ist eine Fernsehreihe des ZDFs. Seit 1981 wurden bereits 61 Folgen von Wolfgang Rademann in Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft produziert. Jede Folge zeichnet sich durch rund drei bis vier Handlungssträngen aus, in denen die Geschichten einiger Passagiere sowie einzelner Besatzungsmitgliedern an Bord erzählt werden. Dabei haben die einzelnen Plots unterschiedliche Genres, die unter anderem zwischen Romanzen, Dramen, Abenteuergeschichten und Komödien variieren. Zentrale Themen sind meist Liebe, Karriere oder Familie.

Mit jeder neuen Folge beginnen neue Handlungsstränge mit anderen Passagieren. Ausgeschlossen sind die Crewmitglieder Kapitän Paulsen, Chefstewardess Beatrice von Ledebur sowie Schiffsarzt Dr. Wolf Sander, die in allen (aktuellen) Folgen in mindestens einen der Handlungsstränge mit eingewoben werden. Fitnesstrainerin Inka und Gentlemen Host Oscar Schifferle treten nicht in allen Folgen auf und spielen eine untergeordnete Rolle.

In (fast) jeder Episode steuert der Kreuzfahrtdampfer ein neues Reiseziel an. Darunter zählen vor allem ferne exotische Ziele wie Hong Kong, Hawaii, Rio de Janeiro oder Bora Bora. Die Handlungen finden dabei zunächst an Bord statt und werden dann am jeweiligen Reiseziel fortgesetzt.

In den Grundzügen kann die Serie als Kopie der US-Serie The Love Boat betrachtet werden, die zwischen 1977 und 1986 produziert wurde. Auch dort erleben die Passagiere des Schiffes überwiegend romantische Geschichten auf einem Kreuzfahrtschiff, welches in jeder Folge ein neues exotisches Ziel ansteuert.[3] Auch die neunteilige DDR-Serie Zur See kann als Vorgänger der Fernsehreihe betrachtet werden, in welcher Geschichten einer Schiffsmannschaft einer sozialistischen Handelsflotte geschildert werden.[4]

Die ersten Folgen von Das Traumschiff ab dem Jahr 1981 hatten eine Länge von 60 Minuten. Durch den großen Erfolg der Serie wurden die Folgen später auf 90 Minuten verlängert und in unregelmäßigen Abständen ausgestrahlt. Heute haben die Folgen eine Länge von bis zu 125 Minuten und werden neben unregelmäßigen Ausstrahlungsterminen vor allem an Weihnachts- und Neujahrstagen gezeigt. Die vielfältigen Handlungsstränge innerhalb der einzelnen Folgen waren von der ersten Reise an bis zur aktuellen Folge ein zentrales Element der Serie. Diese werden im nächsten Kapitel näher untersucht.

3. Die vielfältigen Handlungsstränge

Während meist in Spielfilmen jeweils nur eine Geschichte mit dem oder den jeweiligen Protagonisten geschildert wird, zeichnet sich die Serie Das Traumschiff durch mindestens drei voneinander unabhängigen Handlungssträngen aus. Gelten diese bei der Fernsehreihe oftmals als triviale und sich wiederholende Romanzen und Liebesdramen, besitzen diese auf den zweiten Blick jedoch ein hohes Maß an Komplexität mit jeweils völlig unterschiedlichen Genres, die innerhalb einer Folge genau aufeinander abgestimmt sind. Im Folgenden wird anhand von Das Traumschiff untersucht, welchen Anforderungen eine Serie im Zusammenhang mit den Handlungssträngen, ihren jeweiligen Genres sowie ihrer Komplexität unterliegen kann.

Die Handlungen von Das Traumschiff wechseln in jeder Folge mit neuen Passagieren. Überblickt man die Fernsehreihe, so fallen kaum Plots auf, die sich über die einzelnen Folgen hinweg erstrecken. Jeder Handlungsstrang findet in seiner jeweiligen Folge sein Anfang und sein Ende. Kaum eine andere Serie bewegt sich dabei in einem derart starken Kontrast zwischen Variabilität und Wiederholung wie Das Traumschiff: Einerseits halten die Macher konservativ an gleichen Mustern fest, wie der sich stetig wiederholenden Traumschiffmelodie und dem typischen Intro, den gleichen Schnittbildern und Drehorten an Bord bis hin zur Abschlussrede des Kapitäns beim Captain’s Dinner auf der Rückreise, in welcher er die Höhepunkte und Erkenntnisse der Reise in seinen eigenen Worten zusammenfasst. Auch die zeitliche Gestaltung der Plots ist immer die gleiche: Fast alle Geschichten beginnen kurz vor Reisebeginn am Hafen vor der noch angelegten MS Deutschland und enden auf der Rückreise. Schabacher rekurriert sich dabei auf das kindliche Bedürfnis, immer wieder die gleiche Geschichte zu hören, wodurch mit der Vorhersagbarkeit unterschiedlicher Elemente der Geschichte die Furcht vor Veränderung und Wechsel gemindert wird.[5]

[...]


[1] Recherchiert durch die RTL Quotenanalyse: Hier wurden alle Folgen von „Das Traumschiff“ mit einberechnet, die seit dem 13.02.2000 um 20:15 Uhr ausgestrahlt wurden.

[2] Vgl. Hirsch/Förster: ZDF – Ihr gutes öffentliches Recht?. In: Förster (Hrsg.): Strategien Erfolgreicher TV-Marken: Eine Internationale Analyse. Wiesbaden 2011, S. 163-164.

[3] Vgl. Seiter: Love Boat and Fantasy Island Television Utopias. In: Jump Cut vom 04.1987.

[4] Weißbach, Ina u.a.: Rademanns Geschichte vom Traumschiff. In: News.de,

21.08.2011, URL: http://www.news.de/medien/855213986/rademanns-geschichte-vom-traumschiff/1/(01.03.2012).

[5] Vgl. Schabacher: Serienzeit. Zu Ökonomie und Ästhetik der Zeitlichkeit neuerer US-amerikanischer TV-Serien. In: Arno Meteling/Isabell Otto (Hrsg.): „Previously on...“ Zur Ästhetik der Zeitlichkeit neuerer TV-Serien. München 2010, S. 24 – 25.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656460589
ISBN (Buch)
9783656460954
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230694
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Medienkultur und Theater
Note
1,3
Schlagworte
serialität fernsehserien eine analyse tv-serie traumschiff

Autor

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Titel: Serialität bei Fernsehserien. Eine Analyse der TV-Serie „Das Traumschiff“