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Die Jena-Plan-Schule. Das Konzept nach Peter Petersen

Hausarbeit 2010 17 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Biographisches von Peter Petersen

3) Entstehung und Entwicklung der Jena-Plan- Schule

4) Schule unter der Idee der Erziehung

5) Der Jena-Plan in der Schulpraxis
5.1) Stammgruppen statt Jahresklassen
5.2) Das Konzept der Schulwohnstube
5.3) Die vier Bildungsgrundformen
5.3.1) Das Gespräch
5.3.2) Das Spiel
5.3.3) Die Feier
5.3.4) Die Arbeit
5.4) Wochenarbeitsplan
5.5) Charakteristik statt Benotung
5.6) Elternschaft

6) Fazit

Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Viele Schüler sehen ihre Schulzeit als unvermeidbare Zwangsveranstaltung an, die sie irgendwie überstehen müssen. Konflikte mit den Lehrern und unzufriedenen Eltern belasten oft die Entwicklung und Motivation. Einige Schüler haben sogar Angst in die Schule zu gehen, sehen sich dem ganzen Druck nicht gewachsen und verweigern sogar die Schule. Diese Tatsachen führen zu der Überlegung, was man an dem heutigen Schulsystem ändern kann, so dass es attraktiver für die Schüler gestaltet ist, keine Zwangsveranstaltung mehr darstellt und stattdessen mehr Freiräume und weniger Druck hervorruft.

Peter Petersen hat ein pädagogisches Konzept, den Jena-Plan, entworfen, welches zum einen mehr Freiraum und weniger Leistungsdruck für die Schüler schafft und zugleich zur Eigentätigkeit und zum Gemeinschaftsleben anregt.

Auf den nächsten Seiten werde ich dieses Konzept des Jena-Plans näher beleuchten. Zu Anfang werde ich Peter Petersens Leben bis zur Fertigstellung des Jena-Plans darstellen. Ich denke, dass es wichtig ist, Biographisches von ihm zu kennen, denn seine Erfahrungen und Begegnungen, die er machte wirkten sich auf seine Pädagogik aus und lassen so auch seine Beweggründe, die zu diesem Konzept führten besser verstehen.

Nachdem ich dann die Entstehung und Entwicklung des Jena-Plans dargestellt habe, möchte ich seine Erziehungsidee für die Schule näher beleuchten. Dann komme ich zu dem Teil meiner Arbeit, in dem ich den Jena-Plan in der Schulpraxis näher vorstellen werde. In dem Abschnitt werde ich mich mit den Themen um die Stammgruppe, der Schulwohnstube, den Bildungsgrundformen, dem Wochenarbeitsplan, der Charakteristik und der Elternschaft näher beschäftigen. Ich denke, dass man an diesen Bereichen das Konzept und auch den Unterschied zu der traditionellen bzw. heutigen Standard-Schule gut erkennen kann. Außerdem stellen diese Themen wichtige Punkte im Konzept des Jena-Plans dar.

Zu guter Letzt werde ich über die gewonnenen Ergebnisse ein Fazit abgeben.

2) Biographisches von Peter Petersen

Am 26.Juni 1884 wurde Peter Petersen in Großenwiehe bei Flensburg geboren. Er wuchs als ältester von sieben Geschwistern auf dem väterlichen Bauernhof auf. Bereits das Aufwachsen in dieser kleinbäuerlichen Familiengemeinschaft formte seinen Charakter. Seine wesentlichen Charaktermerkmale waren Beharrlichkeit und Zielbewusstsein gepaart mit Strenge und Fleiß (vgl. Dietrich, 1995, S.23). „Das Erleben des Aufeinander-Angewiesenseins in der dörflichen Umwelt haben nicht nur die Hilfsbereitschaft gefördert, die Petersen später seinen Mitmenschen gegenüber immer wieder erwiesen hat, sondern auch den Grund für die im Begriff der Gemeinschaft zentrierten Pädagogik Petersens gelegt.“ (ebd., S.23).

Von 1890 bis 1896 besuchte Petersen die Dorfschule seines Heimatortes. Anschließend besuchte er von 1896 bis 1904 das Flensburger Gymnasium. Für den Eintritt in das Gymnasium wurde er vom Pastor des Dorfes vorbereitet. Er verlässt das Gymnasium mit Abitur und beginnt im selben Jahr das Studium an der Universität Leipzig, wechselt später nach Kiel, nach Kopenhagen, danach an die Akademie in Posen und kehrt dann nach Leipzig zurück. Seine Studiengänge waren Theologie, Philologie, Psychologie, Geschichte und Nationalökonomie. Er betrieb pädagogische Studien und wurde durch den Psychologen Wilhelm Wundt in die experimentelle Psychologie und ihren empirischen Forschungsansatz eingeführt. Fünf Jahre später, also 1909 legte Petersen die staatliche Prüfung für das Lehramt an Gymnasien in Leipzig ab und beginnt dort das Referendariat. Zwischen 1910 und 1920 war er als Lehrer an der Gelehrtenschule des Johanneum in Hamburg tätig. Dort wurde er mit den Ideen und Zielen der Schulreformbewegung bekannt (vgl. ebd. S.23 ff.). „Hamburg ist zu dieser Zeit eine Hochburg des sich seit 1890 abzeichnenden reformpädagogischen Aufbruchs“ (Eichelberger, 2000, S.28).

1912 wurde Petersen Vorstandsmitglied im Bund für Schulreform und 1915 dann Schriftführer in dem nun umbenannten Bund “Deutscher Ausschuss für Erziehung und Unterricht”. In dieser Zeit wird die “Innere Schulform” zu seiner Lebensaufgabe. Er übernimmt 1920 die Leitung der Realschule in Hamburg-Winterhude und „will das Schulwesen von der Wurzel aus umgestalten, eben “organisch” gestalten und die verschiedenen Schularten integrieren. Aus diesem Grunde setzt Petersen im gleichen Jahr die Umwandlung der Realschule zur “Vollanstalt mit Oberstufe” durch (…)“ (Dietrich, 1995, S.26). Diese Schule entwickelte sich nach kurzer Zeit zur ersten Versuchs-Oberschule in der Petersen mit Kollegen, verschiedener Weltanschauungen und unterschiedlicher politischer Richtungen, praktische Versuche zur Schulreform durchführte. Gemeinsam wurde ein neuer Lehrplan erarbeitet, der u.a. fächerübergreifenden Unterricht vorsah und auch organisatorisch wurde der Unterricht differenzierter gestaltet. Außerdem wurde das Gemeinschaftsleben der Schüler in den Mittelpunkt der Unterrichtsarbeit gestellt. Die Erfahrungen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse bildeten die Ansatzpunkte für das Schulkonzept, den Jena-Plan (vgl. ebd., S.26).

Im nächsten Abschnitt meiner Arbeit werde ich auf die Entstehung und Entwicklung der Jena-Plan-Schule und damit auch auf weitere Punkte von der Biographie Peter Petersens eingehen.

3) Entstehung und Entwicklung der Jena-Plan-Schule

1923 wird Petersen nach Jena berufen. Er soll dort an der Universität den Lehrstuhl des hoch angesehenen Pädagogen Wilhelm Rein übernehmen. Außerdem übernimmt er die Universitätsübungsschule und gestaltet diese nach seinen Konzepten bzw. Reformideen um (vgl. ebd., S.68). Dabei stellt er sich die Frage, wie die Erziehungsgemeinschaft beschaffen sein soll, „in der und durch die ein Mensch seine Individualität zur Persönlichkeit vollenden kann“ (Petersen, 2001, S.20; zit. n. Petersen, 1924, I S.107). Petersen will keine Jahresklassen, sondern Erziehungsgemeinschaften aufbauen. Er begründet diese Forderung u.a. damit, dass viele Schüler des Jahresklassensystems während ihrer Pflichtschulzeit sitzen bleiben, das Pensum nicht schaffen und das Abitur entweder überhaupt nicht oder verspätet schaffen. Daher muss laut Petersen eine Änderung des Schulwesens her (vgl. Dietrich, 1995, S.68). „ Kein Volk kann die Schüler ändern und lernschulmäßig mehr aus ihnen herausbringen, darum ist das Schulwesen – und in erster Linie das Schulleben – selbst zu ändern!“ (Petersen, 2001, S.34; zit. n. Petersen, 1934, S.1-20).

Im April 1924 nimmt die Schule unter seiner Leitung ihren Betrieb auf. Zu Anfang hatte sie eine Gruppe mit 21 Kindern des ersten bis vierten Schuljahres. Von Jahr zu Jahr steigt die Anzahl der Schüler und Gruppen (vgl. Klein-Landeck, 1998, S.135). 1925 legt Petersen bereits einen ersten Bericht mit dem Titel “Eine Grundschule nach den Grundsätzen der Arbeits- und Lebensgemeinschaft” vor. Dieser Titel „gibt die Zielstellung wieder, die schon für die Hamburger Lichtwark-Schule maßgebend gewesen ist und die nun auch für den Jenaer Versuch gelten soll, nämlich “Arbeits- und Lebensgemeinschaftsschule” zu sein. Selbsttätiges Arbeiten, gemeinschaftliches Zusammenarbeiten und –leben, Bewältigung von Lebensaufgaben, Mitverantwortung der Eltern- und Schülerschaft sind die wesentlichen Prinzipien des Schulversuchs“ (Dietrich, 1995, S.69).

1927 stellt Petersen sein Konzept auf den 4. Kongress des Weltbundes für Erneuerung der Erziehung in Locarno der pädagogischen Weltöffentlichkeit vor (vgl. Eichelberger, 2000, S.29), wo sein Konzept von den Teilnehmern des Kongresses auch den Namen „Jena-Plan“ bekommen hat (vgl. Dietrich, 1995, S.70).

„…ab 1930 wird der Versuch zunehmend auch auf Schulen außerhalb Jenas ausgedehnt und wissenschaftlich begleitet“ (Klein-Landeck, 1998, S.135).

4) Schule unter der Idee der Erziehung

Der Jena-Plan ist keine Unterrichtsmethode, er ist ein pädagogisches Konzept nach den Grundsätzen der neuen Erziehung. Petersen unterscheidet zwischen alter und neuer Erziehung. Nach seiner Auffassung erzieht die alte, klassische Schule, die Jugend zu tüchtigen Individuen, die Schule der neuen Erziehung hat sich die Bildung des Gemeinschaftswillens zum Ziel gesetzt (vgl. Kleinespel, 1998, S.36). Somit vollzieht sich Erziehung nach der Erziehungsidee Petersens in und durch die Gemeinschaft. „Das Individuum bringt sich mit all seinen Fähigkeiten und Kenntnissen absichtslos in die echte Gemeinschaft ein und erfährt so seine Sinnerfüllung: Das Individuum wird zur Persönlichkeit durch Leben in der Gemeinschaft“ (Eichelberger, 2000, S.37). Was bedeutet das für die Schule? Die Schule ist für Petersen eine Lebensstätte und damit „ist es nötig und unverzichtbar, gemeinschaftliches Zusammenleben in der Schule und durch die Schule zu ermöglichen“ (ebd., S.39). In der Praxis wird dies u.a. durch das Konzept der Schulwohnstube (siehe 5.2.) ermöglicht. Auch hat der Lehrer den Unterricht und das Schulleben so zu gestalten, dass es den Schülern gelingen kann, „selbstständig Probleme zu finden, zu bearbeiten und zu lösen, in Ruhe und Gelassenheit etwas zu Ende zu denken oder eine Aufgabe zu vollenden. So gesehen ist die Jenaplan-Schule auch immer eine Schule des Schweigens und der Stille “ (ebd., S.39).

5) Der Jena-Plan in der Schulpraxis

Der Jena-Plan wird als Ausgangsform verstanden. Daher wird man kaum Jena-Plan-Schulen finden, die identisch sind. Unterschiede gibt es immer. Jede Schule ist somit auch individuell, von der Ausgangsform her weiter entwickelt und gestaltet. Das Konzept stellt eine Plattform dar, bei der das Prinzip der Gestaltungsfreiheit gilt.

In den folgenden Abschnitten meiner Arbeit werde ich den Jena-Plan in der Schulpraxis und in seinem Konzept näher beleuchten.

5.1) Stammgruppen statt Jahresklassen

Jahrgangsklassen, in denen Schüler hinsichtlich ihres Alters, aber mehr noch nach ihrer physischen und psychischen Entwicklung lernen, sind in unserem Regelschulsystem fest verankert. Anders ist es bei den Jena-Plan-Schulen. Jahrgangsklassen gibt es hier nicht. Hier lernen alle Kinder gemeinschaftlich in ihrer sogenannten Stammgruppe, die auch gleichzeitig die jeweilige Bezugsgruppe für das Kind ist (vgl. Eichelberger, 2000, S.47). Diese jahrgangsübergreifenden Stammgruppen sind „Petersens Alternative zum „Sitzenbleiberelend“ und zur Jahrgangsklasse (…), die bewusst die Heterogenität tatsächlichen Lebens (und damit des Lernens) nachbilden“ (Kluge, 2002, S.39). Die „Schüler, die aufgrund ihrer Entwicklung einer Altersstufe angehören, werden unterrichtlich zu einer Stammgruppe zusammengefaßt [sic]“ (Dietrich, 1995, S.71). Somit entstehen heterogene Lerngruppen, welche das „Prinzip des Altersstufenaufbaues“ (ebd., S.71) verwirklichen.

Nach langer Erprobung ergibt sich für Petersen die Stammgruppenbildung folgendermaßen:

- Untergruppe: 1.-3. Schuljahr
- Mittelgruppe: 4.-6. Schuljahr
- Obergruppe: 6./7.-8. Schuljahr
- Jugendlichengruppe: 8./9.-10. Schuljahr

(vgl. Petersen, 2007, S. 51 f.). „Die Vereinigung von jeweils drei Jahrgängen ist keine Willkür. Sie ergab sich in Jena aus den ab 1925 durchgeführten planmäßigen Versuchen. (…) Kinder einer solchen Phase – also von durchschnittlich drei Jahren – gehören irgendwie seelisch – und was noch wichtiger für den Pädagogen ist – allgemein menschlich enger zusammen, d.h. sie bedeuten etwas Besonderes für einander, können sich gegenseitig besonders viel sein und geben“ (Eichelberger, 2000, S.48; zit. n. Petersen, 1937, S.54).

Die Anzahl der Schüler in den einzelnen Gruppen sollte in der Unter- und Mittelgruppe nicht 40 und in der Obergruppe nicht 30-35 überschreiten. Nach Petersens Erfahrungen werden das Arbeiten, Lernen und Zusammenleben, durch die Arbeitsweisen des Jena-Plans, auch in großen Gruppen ermöglicht. (vgl. Petersen, 2007, S.43f.). Das ist vermutlich für diejenigen, die eine Regelschule mit 20-25 Schülern besucht haben, schwer vorstellbar. Aber durch die Altersspanne innerhalb einer Stammgruppe werden die Kommunikation und das Zusammenarbeiten gefördert. Die unterschiedlichen Jahrgänge „verhalten sich zueinander wie Lehrlinge, Gesellen und Meister“ (Dietrich, 1995, S.73), d.h. dass die Kinder im Verlauf der Schulzeit mehrmals die jüngsten (Lehrlinge), die mittleren (Gesellen) und die ältesten (Meister) einer Gruppe sind. Dabei lernen sie sich in ihren unterschiedlichen Rollen immer wieder neu einzuordnen und vielfältige Aufgaben für die Gruppe zu leisten. Das Alters- und Bildungsgefälle ist für die Gruppe aus pädagogischer Sicht vorteilhaft. Denn die Schüler lernen voneinander, indem sie beispielsweise sich gegenseitig etwas erklären und somit entweder etwas Neues dabei lernen oder die vorhandenen Kenntnisse vertiefen können. Der Lernerfolg kann somit auf beiden Seiten erfolgen (vgl. Klein-Landeck, 1998, S.143f.).

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Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656462507
ISBN (Buch)
9783656462965
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230544
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,3
Schlagworte
Soziale Arbeit Erziehungstheorien Pädagogik Schule Konzepte

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Titel: Die Jena-Plan-Schule. Das Konzept nach Peter Petersen