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Entgrenzung von Arbeit und Leben

Hausarbeit 2013 20 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Gliederung

1) Einleitung

2) Entwicklung
2.1) Trennung von Arbeit und Leben im Fordismus
2.2) Das Verhältnis von Arbeit und Leben im Postfordismus

3) Entgrenzung
3.1) Entgrenzung von Arbeit
3.2) Entgrenzung von Leben
3.3) Neue Anforderungen

4) Vereinbarkeit von Familie und Beruf

5) Fazit

6) Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Zwischen den beiden Bereichen Arbeit und Leben, die früher so strikt voneinander getrennt waren, verwischen sich die Grenzen zunehmend, was vielfältige Folgen mit sich bringt.Dieser Wandel bietet den Arbeitnehmern die Möglichkeit einer stärkeren Einbringung der eigenen Persönlichkeit in Arbeitsprozesse und zudem wird eine zeitliche und räumliche Vermischung dieser beiden Lebensbereiche möglich. Allerdings resultieren auch eine ganze Reihe negativer Konsequenzen aus dieser Entwicklung, wie etwa die Tatsache, dass der Mensch mit all seinen zur Verfügung stehenden Ressourcen immer mehr ökonomischen Zielen unterworfen wird, was mit Chancen und Risiken verbunden ist.Es ist abzusehen, dass es bei der Vergabe von Arbeitsplätzen immer mehr auf Persönlichkeit ankommt und diejenigen bessere Chancen haben, die sich ihrem Arbeitgeber komplett zur Verfügung stellen.Diese Modernisierung von Arbeit und deren Organisation wird meist mit dem Begriff „Entgrenzung“ beschrieben, kann jedoch auch als Dezentralisierung, Flexibilisierung oder Vermarktlichung bezeichnet werden. Dieser gegenwärtige Wandel führt nicht nur zu einer Entgrenzung der Arbeitsverhältnisse, sondern tangiert auch das Verhältnis von Arbeit und Leben und hat somit weitreichenden Einfluss auf die Privatsphäre. Diesem Prozess der Entgrenzung können sich Erwerbstätige nur schwer entziehen, denn etwa durch moderne Kommunikationstechnologien werden Übergriffe aus dem Bereich der Arbeit in den des Privatlebensmöglich. Die Individuen müssen unter diesen Bedingungen mehr und mehr selbst für eine Abgrenzung sorgen und auch selbst verstärkt räumliche und zeitliche Grenzen ziehen, nur so kann den hohen Ansprüchen der Arbeitswelt begegnet werden. Im Folgenden wird im Kapitel 2 zuerst auf den Wandel des Verhältnisses von Arbeit und Leben eingegangen, auf die Trennung dieser beiden Bereiche im Fordismus und wie es sich bis heute entwickelt hat. Danach befasse ich mich im dritten Teil mit dem Begriff der Entgrenzung, genauer gesagt, ob und inwiefern unsere Arbeit und das alltägliche Leben entgrenzt sind. Außerdem soll aufgezeigt werden, welche Folgen dieser Wandel für Erwerbstätige hat und mit welchen neuen Anforderungen sie konfrontiert werden. Teil 4 soll anhand der Work-Life-Balance-Studie der Technischen Universität Darmstadt, die sich mit der Work-Life-Balance von Topmanagern befasst hat, aufzeigen welche Konsequenzen diese neuen Arbeitsverhältnisse für Arbeitnehmer haben können und wie diese zu vermeiden sind.

2) Entwicklung

Die gesellschaftliche Entwicklungsdynamik verlangt den Menschen neue Anpassungen ab; Industrialisierung und Arbeitsteilung waren radikale Einschnitte in die bisherigen Lebens- und Arbeitsgewohnheiten und lösten Individualisierungsprozesse aus. Die Trennung der beiden Lebensbereiche Arbeit und Leben ist das Resultat historischer Entwicklungen unserer Gesellschaft. Zuvor diente das gesamte Haus als „Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft“, während es durch die Verlagerung der Produktion in Manufakturen zu einer räumlichen Trennung dieser beiden Bereiche kam (vgl. Jürgens 2010, S. 486). Die Differenzierung der beiden Lebensbereiche Arbeit und Leben, welche die Arbeits- und Lebensweise der Gesellschaft über Jahrzehnte prägte, verliert immer mehr an Einfluss (vgl. Jürgens/ Voß 2007, S.3). Die Unterschiede zwischen Erwerbsarbeit und Privatleben lösen sich zwar nicht komplett auf, jedoch gerät die strikte Trennung und hohe kollektive Regulierung von Arbeit und Leben unter Druck.

2.1) Trennung von Arbeit und Leben im Fordismus

Als sich der Industriekapitalismus durchsetzte, führte dies zu einer „strukturellen Separierung von Tätigkeitsformen“ in der Gesellschaft. Die meisten Teile der Arbeit wurden von den gemeinsamen Produktionsstätten des ganzen Hauses in separierte Orte wie Fabriken, Manufakturen und Büros verortet. Der daraus folgende Gelderwerb wurde zur Grundlage der Existenzsicherung und räumte der Erwerbsarbeit eine Sonderstellung ein. Das für den Fordismustypische Gesellschaftsmodell nach dem Zweiten Weltkrieg war von Arbeitsteilung zwischen den Sphären Arbeit und Leben gekennzeichnet. Dieses Prinzip der Trennung von Erwerbsarbeit und Privatleben prägt bis heute den Alltag der meisten Menschen.

„In der Sphäre der erwerbsbezogenen und formell geregelten Arbeit stellen abhängige Beschäftigte in hierarchischen Organisationen vermarktbare Güter und Dienstleistungen her und sichern über bezahlte Erwerbsarbeit ihre Existenz“ (ebd., S. 4). Im privaten Leben wird sich dagegen von den Arbeitsbeanspruchungen erholt und die Arbeitskraft somit „reproduziert“, indem die Kindererziehung, die Kranken- bzw. Altenpflege übernommen wird und soziale Kontakte gepflegt werden. Durch die Normierung der Beschäftigungsverhältnisse, durch die Koppelung des Arbeitsortes an den Betrieb, durch Standardisierung der Arbeitszeiten und standardisierte Tätigkeiten sowie durch die ausdifferenzierte Arbeitsteilung, wird der Einsatz von Arbeitskraft im Betrieb ermöglicht und begrenzt. Auch das Verhältnis von Arbeit und Leben wird durch Grenzziehung bestimmt.

Die Arbeitsorganisation im Fordismus lief folgendermaßen ab: „Trennung von Planung und Ausführung, von Rationalisierern und Rationalisierten, von Kopf- und Handarbeit; Steuerung und Koordination durch Hierarchie, rational-bürokratische Planung, personale Kontrolle, Standardisierung und Normierung“ (Kratzer/ Sauer 2003, S. 94).

Das westdeutsche Muster der Trennung dieser beiden Bereiche führte dabei zu einer Ungleichverteilung gesellschaftlicher Aufgaben und schrieb „fundamentale Ungleichheiten der Geschlechter“ fest. Die Rolle der Männer war die der Familienernährer und die der Frauen war Hausfrau und Mutter zu sein, ohne staatliche Unterstützung. Dadurch ist der Arbeitsmarkt in Deutschland bis heute segregiert.

Im Zuge der Industrialisierung bildete sich außerdem eine gesetzlich geregelte Arbeitszeit heraus, der prinzipiell auch eine Freizeit gegenüber stand. Durch die regulierten Arbeitszeiten kam es zu „standardisierten Lebensläufen“, die bei Frauen aufgrund von Kindern durch mehrere Unterbrechungen gekennzeichnet waren und bei Männern durch „erwerbslebenslange Vollzeitbeschäftigung“. Auch räumlich gesehen dominierte das „Prinzip der Trennung“, denn es gab konkrete Räume der Berufstätigkeit und daneben einen privaten Raum, welcher der „individuellen Rekreation, dem Konsum, den familialen sozialen Beziehungen und der Intimität“ diente. Diese „ermöglichenden“ und zugleich „schützenden Strukturen“ boten einen verlässlichen und entlastenden Rahmen für privates und berufliches Handeln und die darauf bezogenen „alltäglichen und biografischen Entscheidungen“ (vgl. Jürgens/ Voß 2007, S. 5).

2.2) Das Verhältnis von Arbeit und Leben im Postfordismus

Diese strikte Trennung der beiden Sphären Leben und Arbeit zu Zeiten des Fordismus gerät in den letzten Jahren immer mehr ins Wanken. Denn sowohl in der Arbeitswelt, als auch im Privatleben, kam es zu massiven Strukturwandlungen. „In der Erwerbssphäre lassen sich bereits Ende der 1980 Jahre neue Formen der Arbeits- und Betriebsorganisation erkennen, die auf eine Abkehr von bisher vorherrschenden fordistisch-tayloristischstrikten Aufteilung und Fremdkontrolle von Arbeitsvorgängen und Betriebsabläufen hinweisen“ (Kratzer/ Sauer 2003, S. 99).Die Marktorientierung von Unternehmen nahm durch den zunehmend internationalen Konkurrenzkampf in der Wirtschaft zu, wodurch sowohl nationalstaatliche Grenzen an Bedeutung verlieren, sowie Grenzen zwischen Betrieb und Markt innerhalb der betrieblichen Arbeitsorganisation fallen.

Seit Mitte der 70er Jahre ist von einer Krise des Fordismus die Rede und somit handeln sich die neuen Entwicklungen in der Arbeitswelt um Anpassungen an diese Krise, nicht um deren Überwindung. Sowohl die Krise, als auch die „Bewältigungs- und Anpassungsversuche“ finden ihren Ausdruck in den neuen Reorganisations- und Rationalisierungsstrategien. Dieser Umbruch bedeutet jedoch nicht die generelle Ablösung des „Alten“ durch das „Neue“, sondern gleichzeitig Kontinuität und Umbruch im „instabilen Nebeneinander“. Kratzer und Sauer vertreten die These, dass der Fordismus-Taylorismus erst über „die Negation der Subjektivität und die scharfe Trennung der privaten Lebenswelt vom Produktionsprozess, eben als nichtintendierte Nebenfolge, jene normativen Leitbilder, lebensweltlichen Handlungslogiken und Subjekteigenschaften“ produziert, die im Postfordismus zu „zentralen Ressourcen des Verwertungsprozesses“ werden könnten (vgl. ebd., S.98f).

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Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656460077
ISBN (Buch)
9783656460190
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230463
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Arbeitssoziologie Arbeit und Leben Entgrenztes Leben Entgrenzte Arbeit Work-Life-Balance Familie und Beruf Entgrenzung von Arbeit und Leben

Autor

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Titel: Entgrenzung von Arbeit und Leben