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Technologie, Ideologie und internationale Beziehungen

Eine kulturelle Interpretation der internationalen Politik

Wissenschaftliche Studie 2013 62 Seiten

Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche

Leseprobe

Inhalt/Index

1. Eine kulturelle Interpretation der internationalen Beziehungen: Die Spionage des amerikanischen Geheimdienstes NSA

2. Europapolitische Evidenz und Ursachen deutscher Erpressbarkeit

3. Das Spiel der Allianzen: Erbfeindschaft, Freundschaft, Partnerschaft und Komplizität

4. Der nationalstaatliche Machtpoker in den internationalen Beziehungen (in Englisch)

5. Weitere geopolitische Evidenz der Erpressbarkeit

6. Innenpolitische Ursachenforschung

7. Deutsch-jüdische Beziehungen (in Englisch)

1 Eine kulturelle Interpretation der internationalen Beziehungen:Die Spionage des amerikanischen Geheimdienstes NSA

Diesseits des Atlantik und insbesondere hierzulande geriert man sich gekränkt und entrüstet ob der nun ans Tageslicht gekommenen Ausspähaktion europäischer und insbesondere deutscher Institutionen durch das Weiße Haus mithilfe der National Security Agency (NSA) oder des amerikanischen Geheimdienstes. Diese Reaktion eines wiedererstarkten nationalen Egos ist durchaus nachvollziehbar. Aber da es sich, wie der amerikanische Präsident 2 Wochen zuvor in Berlin versicherte, keine flächendeckende Überwachung, sondern lediglich eine streng eingegrenzte Überwachung zur Abwehr des Terrors und der Unterbindung des Handels mit Massenvernichtungswaffen gäbe und es sich infolge dessen nicht um eine Spionage für den illegitimen Erwerb von wirtschaftsstrategischen Vorteilen im Interesse der Wirtschaft oder von militärisch- und wissenschaftsstrategischen Vorteilen, wie im Kontext des Krieges oder Wirtschaftskrieges, handeln dürfte, sondern um Aktionen, die letztendlich auf einer Bedrohungsanalyse der Partner im globalen Terrorkriegs-Kontext gründen und somit letztendlich dem Schutz der Partner dienen, ist dieser vermeintliche Affront durch die legitime Intention des Schützens der geneinsamen strategischen Interessen legitimierbar, relativierungsbedürftig und vertretbar. Und obgleich derartig unilateral-eigenmächtig anmutendes Handeln ohne die entsprechende Würdigung der geopolitischen, globalen strategischen und informationstechnischen Gesamtzusammenhänge einzubeziehen als verwerflicher Usus zwischen Partnern und Freunden anmuten mag, mag es eventuell sogar die Pflicht des Senior Partners sein, sich um die Sicherheitsinteressen des Juniorpartner zu kümmern und die diesbezüglich erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, während der Juniorpartner dennoch, nach wie vor seine Loyalität unter Beweis stellt, weil er die Informationsüberwachung im Sinne der Senior-Junior Reziprozitätsverpflichtungen und somit letztendlich im ureigenen Interesse des Juniorpartners, also seiner selbst, interpretiert. Alles andere wäre ein falsches Statement des amerikanischen Präsidenten, während er die deutsch amerikanische Freundschaft vor welthistorischer Kulisse zelebriert.

Die Wechselwirkung von Sorge und Loyalität ist an sich ein gutes Prinzip unter Freunden und wurde beispielsweise in der konfuzianischen Ethik unter dem Begriff der 5 Kardinalbeziehungen zu einem sozialen, gesellschaftsregulierenden Prinzip schlechthin, als Substitution einer prioritär legalistischen Kultur, wie der amerikanischen beispielsweise, erhoben. Unter allgemeinem, beziehungspsychologischen und insbesondere natürlich unter konfuzianischem Blickwinkel handelt es sich dabei um eine Pflichterfüllung unter ungleichen Partnern, denen aufgrund ihrer Unterschiedlichkeit ebenso verschiedene Rollenverpflichtungen zukommen, deren Nichterfüllung beschämenden Gesichtsverlust mit sich bringen würde. Und dieser Verlust des sozialen Kapitals ist nicht ohne Folgen.

Die Missachtung der Sorgepflicht durch den Seniorpartner könnte, insbesondere, wenn der Juniorpartner und somit die Partnerschaft also solche Schaden nimmt, eine fundierte Klage seitens des Juniorpartners rechtfertigen. Man könnte also, unter dem Blickwinkel der Ethik und der damit einhergehenden Verpflichtungen aus einer Senior-Junior Partnerschaft sogar, ganz im Gegenteil sagen, Gott sei Dank kümmert sich der Senior Partner, wenn auch in unkonventioneller Weise, um den Juniorpartner und somit um die Permanenz und den Schutz der Partnerschaft. Und wer würde leugnen, dass es sich insbesondere bei den amerikanisch-deutschen Beziehungen um eine Senior-Junior Partnerschaft und Freundschaft handelt.

Obschon das Senior-Junior Prinzip mit seinen Implikationen nicht nahtlos interkulturell übertragbar ist, da insbesondere die USA eine legalistische Kultur par excellence repräsentieren, nehmen sich die USA dennoch als Leader und Senior der westlichen Welt im Krieg gegen den Terror wahr und schreiben sich aufgrund ihrer weltpolitischen Gesamtverantwortung und bei ihren technischen Möglichkeiten die Seniorrolle in der geopolitischen Verantwortung zu.

Deutschland muss also den speziellen Rapport einer Senior-Junior Partnerschaft und die Verpflichtungen, die sich für beide daraus ergeben, verstehen und mit seinem nun wieder erstarkten nationalen Ego in Einklang bringen lernen. Auch wenn der Senior Partner zu ungewöhnlichen Mitteln greifen muss, um seinen speziellen partnerschaftlichen Verpflichtungen gerecht zu werden, sind sie dennoch in beider vitalem Interesse, obschon sie den guten Usancen unter Partnern und insbesondere Freunden im gängigen kontextärmeren westlichen Kulturverständnis zu wiedersprechen scheint: Sieht ein Senior Partner, wie zum Beispiel ein älterer Freund, älterer Bruder, Staatsmann die das Wohl des Junior Partners bedroht, so greift seine natürliche partnerschaftliche Verpflichtung aus oder der Seniorität. Sieht also beispielsweise ein Ehemann die Integrität seiner Gattin oder Eltern jene ihrer Sprösslinge einer Gefahr ausgesetzt, so müssen sie, im Rahmen ihrer allgemeinen Sorgepflicht als Senior Partner alle erdenklichen Maßnahmen ergreifen, um jegliche drohende Gefahr abzuwenden. Die Einholung der Erlaubnis dafür beim Juniorpartner könnte unter Umständen den Schutz der Interessen des Juniorpartners kompromittieren, weil er vielleicht nicht dieselbe Erkenntnis, Einsicht, Information oder das erforderliche Verantwortungs- oder Gefährdungsbewusstsein hat oder weil er eventuell nicht über die erforderlichen Mittel für den Schutz verfügt, wohl aber sein Senior Partner. Und der Schutz des einen oder anderen in der Senior-Junior Partnerschaft ist immer auch ein Schutz der Interessen der Partnerschaft schlechthin, nach dem Motto, der Feind meins Freundes oder Partners ist mein Feind. Die Honorierung seiner Loyalitätspflicht seitens Juniorpartners verpflichtet ihn sogar, dem sicherheits- und schutzorientierten Handeln des Seniors gegenüber unbedingt loyal und kooperativ zu sein, statt durch ein gekränktes Ego zu reagieren. Diese Logik würde nur dann ihre Legitimation verlieren, wenn der Juniorpartner in irgendeiner Weise dadurch geschädigt, statt geschützt würde. Allein in der negativen, schädigen Intention des einen oder anderen Partners bestünde Grund zur Beanstandung über ein verletztes Ego hinaus und Anlass, die Validität der Partnerschaft zu hinterfragen. Dieser Beweis müsste also erbracht werden. Und solange er nicht erbracht ist regiert das Reziprozitätsprinzip zwischen Senior- und Juniorpartner mit seinen wechselseitigen Verpflichtungen. Der Tabubruch, das heißt, das Ausscheren aus den tradierten kulturellen Verpflichtungsrollen würde in kontextreiche Kulturen das gesellschaftliche Kapital des so Handelnden stark beeinträchtigen. Eine Widerherstellung des Vertrauens wäre ungleich schwieriger als in kontextarmen Kulturen, wie den transatlantischen Beziehungen. Der kulturübergreifende Impact des Tabubruchs im partnerschaftlichen Reziprozitätsprinzip wird aber auch hierzulande deutlich, wenn man schon aufgrund der Vermutung der partnerschaftlichen Untreue hin die strategische Allianz der geplanten transatlantischen Freihandelszone als gefährdet betrachtet. Diese starke emotionale Reaktion scheint auch zu signalisieren, wie sehr man hierzulande noch im Geist des Junior Status mit seiner Verletzlichkeit und Abhängigkeit gefangen ist. Und dieser Mangel an Souveränität scheint im Nachhinein den geopolitischen Senioritäts-Monopolanspruch zu legitimieren.

Ist man so brüskiert auf deutscher Seite, weil man offenbar die deutsch-amerikanische Freundschaft nicht kulturrelativ interpretierte. Der amerikanische Begriff der Freundschaft ist lockerer und beinhaltet nicht die europäische, zum Beispiel De Gaulles Begriff der Freundschaft im deutsch-französischen Kontext, die fundamentaler intendiert ist. Der amerikanische Begriff der Freundschaft signalisiert also eher eine auf gemeinsamen Interessen gründende Partnerschaft, die durch das Spiel der Allianzen und den situativen Kontext stets legitimiert und präzisiert werden muss, während der deutsch-französische Freundschaftsbegriff einer langfristigen Liaison gleichkommt, die eine einmalige historische Weichenstellung für die Zukunft sein soll und keine kurzfristige relativierbare Interessengemeinschaft.

Aus diesem kulturrelativen Freundschafts- und Partnerschaftsverständnis ergeben sich auch verschiedene Verpflichtungen der Freunde oder Partner. Und die deutsche Seite ist dabei eben deshalb so brusquiert weil sie, trotz ihres realpolitischen Selbstbildes, eine Tiefe, Langfristigkeit und Irreversibilität in die Freundschaft hineininterpretiert hat, die im pragmatischeren amerikanischen Kulturverständnis gar nicht in dem Maße vorhanden war und ist. Und selbst die emotionale Ausdrucksweise einer persönlichen Angela-Barack Freundschaft vor den Augen der Welt und vor der weltpolitisch-historischen Berliner Kulisse tun diesem diversen Kulturverständnis kein Abbruch, sondern bestätigen es vielmehr nur. Und darüber hinaus bestätigen diese symbolischen Handlungen offenbar nur deren kulturell diverse Interpretation, wenn der Partner gleichzeitig umfassender ausgespäht wird. Die lockerere Sichtweise der Freundschaft und Partnerschaft seitens der Vereinigten Staaten würde auch unabhängig von dem oben erwähnten Senior-Junior Reziprozitätsethos durchaus Raum für die Überwachung des Partners haben, während ein intimeres Freundschaftsverständnis und Annahme ein Misstrauen des Partners oder eine zu hinterfragende Intention offenbaren würden. Letzteres ist offenbar nicht in dem Maße auf amerikanischer Seite gegeben. Und Deutschland ist daher auch nicht als prioritärer Partner der Kategorie 1 oder 2, wie insbesondere die kulturell alliierten, hauptsächlichen Anglonationen Canada, Großbritannien und Neuseeland, sondern nur mit der Priorität der Kategorie 3 bedacht, während die deutsche Freundschaftsinterpretation die Freundschaftssymbolik als über utilitäre Interessen einer Zweckgemeinschaft hinausgehend und als fundamentale Weichenstellung für eine strategische Werte- und politische Allianz für alle Zeit einstufte.

Häufig werden die USA und insbesondere ihre strategischen Akteure auf dem internationalen Parkett als ethnozentrisch bis naiv eingestuft. Doch hier muss man eher der deutschen Seite eine gewisse kulturelle Naivität bescheinigen, weil sie der strategischen Konsequenzen der kulturrelativen Bedeutung von Freundschaft nicht ganz bewusst ist und das amerikanische kulturrelative Verhalten mit der deutschen kulturellen Brille, statt mit der amerikanischen wahrnimmt und interpretiert. Doch die Ausblendung aller Kulturbewusstheit deutet wiederum auf die die Junior Psychologie hin.

Handlungen kulturell diverser Akteure müssen stets vor dem kulturellen Hintergrund und zusammen mit ihm interpretiert werden. Dann entsteht kulturelle Kohärenz und keine kulturelle Falschinterpretation aufgrund der Verwendung eigenkultureller Werte als Interpretationsfilter für fremdkulturelle Verhaltensweisen. Andernfalls kann ein Kulturmissmanagement auf der politischen Ebene zu unangemessenen Prämissen für politisches Handeln und entsprechende Fehlleistungen führen. Und der Beweis für ein kulturelles Kommunikationsmanagement Defizit besteht eben in der annähernd zeitgleichen Offenbarung des vermeintlich untragbaren Eingriffes und Übergriffes in die nationale Souveränität durch eine gigantische Ausspähaktion seitens des vermeintlichen Freundes und Partners mit der Freundschaftsinszenierung durch Staatslenker. Auf einen Nenner gebracht das Angela-Barack-Edward (die strategische Ausspähaktion) Trio ist möglich im amerikanischen Freundschaftsverständnis, unerhört im deutschen. Sosehr kann Kultur die Geopolitik determinieren.

Über diese kulturrelativen Lesarten von Freundschaft und Partnerschaft hinaus offenbart die neue informationspolitische und strategische Sachlage hinaus auch, dass die Technologien, die vorhanden sind, auch irgendwann zum Einsatz kommen. Es trifft eventuell auf die strategischen Waffen des Nuklearzeitalters ebenso, wie auch auf die strategischen Waffen des Informationszeitalters zu. Und darin besteht ein wahrhaft ernstzunehmender Anlass zur Sorge, wenn man desweiteten auch noch die biologischen und weitere Waffenarsenale bedenkt, die, basierend auf dieser Evidenz, alle zu irgendeinem Zeitpunkt zum Einsatz drängen. Der Mensch scheint auf keine seiner ihm durch die Technisch eröffneten Möglichkeiten verzichten zu wollen.

Und wenn man das kulturelle Missmanagement der persönlichen und strategischen Beziehungen zwischen Partnern als mit dem destruktiven Potential der modernen Hightech basierten Zerstörungstechnik und der Spionagestrategie interdependent und wechselwirkend erkennt, dann offenbart sich eine mehrfach potenzierte Gefahr, die allein schon durch das Kulturmissmanagement der Partnerbeziehungen, ganz zu schweigen von jenem zwischen politischen Gegnern mit größerer kultureller Distanz, eskalieren könnte. Auf kulturellen Missverständnissen gründende Annahmen von strategischer Relevanz könnten Phasen der Weltgeschichte bestimmen. Insofern sind derartige Situationen, wie sie durch die mutmaßliche, aber kulturell divers bewertete Spionagestrategie und deren Enthüllung durch den NSA Mitarbeiter nun vor den Augen der ganzen Welt entstanden sind, eine nützliche Lektion hinsichtlich der komplexen strategischen, kulturellen und technischen Interdependenzen. Komplexitätsmanagement ist somit auch eine dringliche Management Erfordernis und Kompetenz, die für die strategischen politischen Akteure nicht irrelevant ist.

Insofern muss man unter geopolitischem Blickwinkel dankbar für diese Affäre sein und die subjektiven Befindlichkeiten unter den oben genannten Blickwinkeln relativieren. Es ist vielmehr eine strategische geopolitische Simulation von weiter skalierten und bedeutsameren Szenarien im Sandkasten der Geschichte, die dadurch präventiv gemanagt werden können.

Technologie, Kultur und internationale Politik bedürfen fortan einer bewussten, interdependenten Betrachtung, denn sie können insbesondere die strategischen Beziehungen zwischen Systemen vital beeinträchtigen. Und es stellt unter Beweis, dass es im globalen Informationszeitalter keine geschlossenen Systeme mehr gibt, sondern dass alle verletzlich sind.

Pressestimmen zur Abhöraktion durch den amerikanischen Geheimdienst

"Abhören von Freunden ist inakzeptabel"

Angela Merkel ließ ihren Sprecher Steffen Seibert eine Stellungnahme zu den US-Ausspähungen abgeben (Quelle: Zumapress)

Die Bundesregierung hat ihr Schweigen gebrochen: Erstmals äußerte sich Regierungssprecher Steffen Seibert zur mutmaßlichen Ausspähaktionen des US-Geheimdienstes NSA in Deutschland und der EU und forderte von Washington rasche Klarheit.

"Wenn sich bestätigt, dass tatsächlich diplomatische Vertretungen der Europäischen Union und einzelner europäischer Länder ausgespäht worden sind, dann müssen wir ganz klar sagen: Abhören von Freunden, das ist inakzeptabel", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Wir sind nicht mehr im Kalten Krieg."

Gespräch mit US-Botschafter

Seibert betonte, dass die Informationen bislang auf Medienberichten, nicht auf eigenen Erkenntnissen der Bundesregierung beruhten. Das Auswärtige Amt teilte mit, dass der US-Botschafter in Berlin für Montagnachmittag zu einem Gespräch erwartet werde. Eine förmliche "Einbestellung" sei dies jedoch nicht.

Seibert sagte, notwendig seien nun vollständige Aufklärung "und gegebenenfalls eine einstimmige und auch eine sehr deutliche europäische Reaktion." Die Bundesregierung spreche über das Thema mit der französischen Regierung. "Europa und die USA sind Partner, sind Freunde, sind Verbündete. Also muss Vertrauen die Basis unserer Zusammenarbeit sein. Und Vertrauen muss in dieser Angelegenheit wiederhergestellt werden", sagte der Regierungssprecher.

Friedrich fordert Entschuldigung

Inzwischen äußerte sich auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zu den Ausspähaktionen. "Wenn der Verdacht sich bestätigen sollte, dass die Amerikaner die Bundesregierung und deutsche Botschaften ausspioniert haben, wäre eine Entschuldigung unausweichlich", sagte der Minister zu "Focus Online".

Friedrich fügte hinzu: "Wenn sich die Berichte als Tatsache herausstellen, ist das Vertrauensverhältnis zwischen der Europäischen Union und den USA belastet." Daher könne es "in vielen Bereichen des europäisch-amerikanischen Verhältnisses" zu Beeinträchtigungen

Groß angelegte Überwachung

Laut einem Bericht des britischen "Guardian" spähte der US-Geheimdienst die diplomatischen Vertretungen Frankreichs, Italiens und Griechenlands in Washington und bei den Vereinten Nationen aus. Die NSA habe in den Botschaften und UN-Vertretungen unter anderem Wanzen installiert und Kabel angezapft.

Das Magazin "Spiegel" hatte zuvor bereits über NSA-Lauschangriffe auf EU-Einrichtungen berichtet. Auch in Deutschland wurden demnach monatlich rund eine halbe Milliarde Telefonate, E-Mails oder SMS überwacht.

Quelle: Nachrichten im Email Programm der T-Com vom 01.07.2013

2 Europapolitische Evidenz und Ursachen deutscher Erpressbarkeit

Betrachtet man neuere geschichtliche Ereignisse in den internationalen Beziehungen und eventuell intrakulturelle Wechselwirkungen in dieser Nation, so scheint sich einige Evidenz für die potentielle Gefahr der Erpressung abzuzeichnen:

Mario Monti drohte kürzlich das europäische Wachstumspaket ex-post nach vorheriger Zustimmung zu abzulehnen, sofern Deutschland keine Konzessionen im Bereich des Eurostabilisierung machen würde, die von Bedeutung für sein Land sind.

Man möchte Deutschland in die unübersehbare Logik der Vergemeinschaftlichung der Schulden im Euroraum, z.B. in der Gestalt der Eurobonds, hineinzubugsieren.

Zuvor hatten insbesondere die romanischen Kulturen, allen voran Frankreich, die Bremse hinsichtlich weiterer Eurostabilisierungsbemühungen über Haushaltskonsolidierungen zu ziehen gedroht, falls Stabilisierungs- und Wachstumsmaßnahmen nicht parallelisiert würden.

Frau Merkel wurde offenbar, gleich einem deutschen Au-pair Mädchen von den Latinos Mario, Mariano und Francois in einem nächtlichen Verhandlungsmarathon regelrecht aufs Kreuz gelegt und hat jene Zugeständnisse gemacht, die nun nur noch seitens des Bundesverfassungsgerichtes einer Revision unterzogen werden und unwirksam gemacht werden können.

Den Drohungen, der subtilen Einschüchterung und Bezirzung, insbesondere einer blonden deutschen Kanzlerin, die, wie bereits durch Merkozy illustriert, den Charmeur und Jägerinstinkt bei den dunkleren Latinos auslöst und die nur von einem behinderten Finanzminister Sekundanten in den wirtschaftspolitischen Duellen unterstützt wird, kann, so scheint es, auch - und vielleicht eben gerade - eine deutsche Kanzlerin nicht wiederstehen. Wer die Schwächen des Partners kennt, kann sie zu seinen Gunsten nutzen. Doch die Bewusstheit um dieselben und die Tendenz von Partnern, diese auszunutzen, zeugt von Selbst- und Fremdkenntnis. Dadurch wird die Schwäche in mancher Hinsicht in Stärke verwandelt.

Drohungen, Schmeicheleien, Liebes- und Aufmerksamkeitsentzug stellen eine Kontinuität zur Politik des leeren Stuhls Frankreich inbezug auf dessen Europapolitik Mitte der sechziger Jahre dar. Insgesamt heißt es, ihr Deutschen habt eine historische, politische und kulturelle Bringschuld aufgrund der wiederholten großen Kriegsgreuel, insbesondere aufgrund eurer gegenwärtigen Wirtschaftskraft, zu begleichen und wenn ihr nicht in Einklang mit unseren europäischen Partnerwünschen handelt, dann aktivieren wir euer psychologisch-kulturelles Abhängigkeitssyndrom inbezug auf uns; jenes des wirtschaftlichen Riesen mit seinen kulturellen und daher politischen Schwächen. Die gezielte Nutzung dieses Schwachpunktes wirkt wie der den Riesen Goliath vernichtende Kieselstein Davids, biblisch gesprochen oder mythisch, wie die verwundbare Schwachstelle Siegfrieds, deren Kenntnis durch Hagen ersterem zum Verhängnis wurde. Und dieses Muster oder Pattern der internationalen Beziehungen wird innenpolitisch und gesellschaftlich in dem Verhältnis der Migranten zu den Deutschen, zu letzterer Ungunsten repliziert. Der opportunistische Materialismus der internationalen Beziehungen ist in dem opportunistischen Materialismus der intrakulturellen interkulturellen Beziehungen widergespiegelt, die somit beide echter Solidarität als einziger Basis für eine nachhaltige Zukunft entbehren und daher solange konfliktträchtig sind und bleiben, bis die Beziehungen nicht nur dem Materialismus, sondern auch geistigen Werte genügen.

In der Tat, Deutschland ist kulturhistorisch bedingt erpressbar und an gewissen Schnittstellen, wie in der gegenwärtigen personellen Konstellation, kann die Erpressungspsychologie subliminal greifen, falls sie nicht rational voll bewusst durchdacht und in das Verhandlungskalkül miteinbezogen wird. Mangelnde Bewusstheit, Naivität und Bevormundung aufgrund eines kulturhistorischen Abhängigkeitssyndroms, gleich eines Adoleszenten von seinen Senioren, können die gesamte Außenpolitik pervertieren, sofern es keine volle Erkenntnis seiner selbst, sowie der Verhandlungspartner gibt.

Europapolitik wird nicht immer nach objektiven Kriterien gestaltet. Die deutsch- französische Partnerschaft war laut einem ehemaligen französischen Konsul ein reiner Willensakt und kam somit nicht von Herzen. Eigentlich wollten wir nicht mit euch, heißt das. Wie sehr hier Partnerschaft eventuell verfremdet wird, ist eine Frage, der politische Analysten nachgehen sollten, sofern sie noch objektiv sind.

Und wieviele Zugeständnisse werden von Schäuble noch gefordert, die er willens ist, zu erfüllen, um seinem emotionalen Bedürfnis, Eurogruppenchef zu werden, zu genügen – eine emotional bedingt strategische Schwäche, die europäische „Partner“ für die Erpressung von Zugeständnissen nutzen können, bis sein Wunsch, wenn überhaupt, in Erfüllung geht, da man eine derartige strategische supranationale Schlüsselposition nur ungern jemand anvertraut, mit dem man nur eine Zwangspartnerschaft eingegangen ist. Langfristig orientierte strategische und kulturelle Motive stehen da im Wege.

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Details

Seiten
62
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656472179
ISBN (Buch)
9783656566625
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230416
Note
Schlagworte
deutsch-amerikanische Beziehungen deutsch-judische Beziehungen deutsch-französiche Beziehungen

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