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Einführung in die Geschlechtersoziologie

Ausarbeitung 2011 9 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Anfänge der Geschlechtsforschung

3. Definition von Geschlecht

4. Sex und Gender

5. Geschlechtliche Entwicklung

6. Geschlechtliche Sozialisierung

7. Geschlechtliche Institutionen

8. Ausblick auf die Geschlechterforschung

9. Entstehung von Geschlechtsdifferenzen

10. Fazit

1. Einleitung

Quasi wie von selbst teilen wir Menschen in zwei Arten ein: Die Männer und die Frauen. Im großen Stil wird nach wie vor der Unterschied beider Geschlechter im biologischen Bereich gesucht. Dabei sind selbst biologisch betrachtet Männer und Frauen weitgehend identisch. Beide sind Warmblüter, haben 23 Paar Chromosomen usw.[1] Das es auch eine ganze Reihe biologischer Differenzen gibt, versteht sich von allein. Doch wenn man verstehen will warum wir überhaupt eine Unterscheidung zwischen Mann und Frau machen, welche solch einschneidende Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Leben hat, so muss man der Ursache bei der Wurzel auf dem Grund gehen. Wir müssen uns zuerst bewusst machen, dass Menschen weder programmierbar, noch willenlos ausgeliefert ihrer Instinkte sind.[2] Es bedarf vielmehr einer umfassenden Entwicklung des Individuums, welche sich aus tagtäglichen Interaktionen, weit zurückreichenden Institutionen und anderen Faktoren zusammensetzt. Wie genau und wo überall das Geschlecht in unserer Welt hergestellt wird soll im Folgenden beleuchtet und nähere erörtert werden. Dabei wird auffallen, dass im Laufe der Zeit die Konstruktion der Geschlechter einer historischen Kontingenz, Instabilität und Wandelbarkeit unterlegen ist.

2. Anfänge der Geschlechtsforschung

Noch über das 19. Jahrhundert hinaus verstand sich die damalige Frauenforschung als eine Forschung der Männer über die Frauen. Die Frau wurde somit ausschließlich aus dem Blick des Mannes gesehen. Frauenbewegungen, wie die des 19. Jahrhunderts, die gegen den Ausschluss der Frauen aus politischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Institutionen kämpften leiteten allmählich einen Wechsel dieser Sichtweise ein. Die Gender Studies, wie wir sie heute kennen wurden noch in den 1970er Jahren unter „The Sociology of Women“[3] an verschiedenen amerikanischen Universitäten gelehrt. Trotzdem hatten die Gender Studies schon kurze Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs in den amerikanischen Universitäten Einzug gehalten. In Deutschland wurde erst in den 1960 Jahren mit der Frauenforschung begonnen. Dabei müssen wir unbedingt auch den historischen Kontext in Bezug nehmen um die Geschlechterforschung in all ihren Aspekten verstehen zu können. Dazu muss einige Jahrhunderte zurückgegangen werden. Noch zur Zeit der Französischen Revolution war das Ein-Geschlecht-Modell im Bewusstsein der Menschen. Das heißt, dass bei den Frauen von nach innen gestülpte Geschlechtsteile des Mannes ausgegangen war. Die Scheide wurde demnach als der nach innen gestülpte Penis und die Eierstöcke als Hoden betrachtet. Mit dieser Betrachtungsweise war die Frau dem Mann deutlich benachteiligt und als Mangelwesen angesehen.

Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Geschlechtsunterschiede mithilfe von Untersuchungen als von Natur gegeben angesehen. Mit dem Zwei-Geschlechter-modell wurden auch typische Charakteristiken für die Männer und die Frauen verbunden. Minderwertig galten folglich die Frauen; sie waren die Gefühlswesen. Als Vernunftwesen und den Frauen überlegen; die Männer. Die Frauen wurde folglich dem familiären Bereich zugeordnet, während die Männer als unersetzbares Oberhaupt und Glied zwischen familiärer Ebene und dem bürgerlichen Haus galten. Als Resume der Frauenforschung kann stehen bleiben, dass sie eklatante Wissenslücken in Geschichte, Ethnologie, Soziologie und der Literaturwissenschaft schließt und zugleich eine Revision des Wissenschaftsverständnisses einklagt.

3. Definition von Geschlecht

Zunächst einmal muss sich die Frage gestellt werden was Geschlecht überhaupt ist. Es gibt viele unterschiedliche Definitionen von Geschlecht, sie unterscheiden sich von Kulturbereich zu Kulturbereich anders. Zu beachten ist jedoch ein wichtiger Punkt: Es kann nicht eindeutig zwischen „natürlichen (im Sinne von) biologischen, physiologischen oder genetischen“ und sozialen Unterschieden getrennt werden.[4]

Viele Zuschreibungen des jeweiligen Geschlechts sind schlichtweg kein natürlicher Zustand, sondern erst durch die soziale Praxis heraus entstanden. Wenn etwa mit der krummen Haltung einer Frau begründet wurde, dass sie allein schon durch diese physische Begebenheit für die Feldarbeit geschaffen sei. Dabei wird vergessen, dass erst durch die Feldarbeit es bei der Frau zu solch einer gebückten Haltung kommt.

Letztendlich kann jedoch festgehalten werden, dass erst aus dem gesellschaftlichen Diskurs heraus Männer und Frauen als zwei verschiedene Charakteristiken geschaffen werden.[5] Es gibt zahlreiche Unterscheidungen die mit Mann und Frau zusammenhängen; oben und unten, stark und schwach; perfekt und mangelhaft sind nur einige davon.

In der modernen Gegenwartsgesellschaft wird Geschlecht auf unterschiedliche Arten definiert. Die anatomische Definition (Genitalien,...) hat ausschließlich Kriterien zur Unterscheidung. Einen wechselseitigen Ausschluss folgert sich aus der Definition der Binarität. Bei der inklusive Definition dagegen unterliegt jeder der Zuordnung. Dass das Geschlecht von Geburt an zugeordnet wird und ein Leben lang hält, besagt schließlich die askriptive Definition.

4. Sex und Gender

In dem Moment, in dem eine Person als männlich oder weiblich klassifiziert wird, also ab dem Moment der Geburt, werden soziale Erwartungen und Zuschreibungen eingesetzt. Diese Zuschreibungen sind praktisch die Basis der Gegenüberstellung der strikten Klassifizierung von Mann und Frau und nicht die physiologischen Differenzen. Gender umfasst also psychologische, soziale und kulturelle Dimensionen des Geschlechts, die darüber Auskunft geben was es heißt eine Frau oder ein Mann zu sein.

[...]


[1] Vgl: Wharton 2006, 18.

[2] Vgl: Wharton 2006, 3.

[3] Wharton 2006, 4.

[4] Vgl: Wharton 2006, 6.

[5] Vgl: Gildemeister 1992, 56.

Details

Seiten
9
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656464457
ISBN (Buch)
9783656468448
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230393
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
Schlagworte
Soziologie Gender Studies Geschlecht Mann Frau Gildemeister Wharton

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Titel: Einführung in die Geschlechtersoziologie