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La Reine Margot

Die historische und literarische Adaption der Darstellungen der Bartholomäusnacht von Margarete von Valois

Hausarbeit 2013 10 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Die Bedeutung der Memoiren der Margarete von Valois und ihre geschichtliche Relevanz im Allgemeinen

II. Die Darstellungen der Geschehnisse im Louvre in der Bartholomäusnacht in den Memoiren von Margarete von Valois

III. Margarete als literarische Figur – Die Verwendung ihrer Texte
3.1 Alexandre Dumas - „La Reine Margot“

IV. Schlussbetrachtungen

V. Quellenverzeichnis

VI. Literaturverzeichnis

VII. Abbildungsverzeichnis

Einleitung

La Reine Margot – eine berühmte Frauengestalt des 16.Jahrhunderts, die uns mit ihren Memoiren ein Zeitzeugnis hinterließ, welches in vielen Bereichen unserer Gesellschaft Anklang und Verwendung fand. Ob auf der großen Leinwand in Patrice Chéreau's „Die Bartholomäusnacht“ (französischer Originaltitel „la Reine Margot“) oder als Roman von Alexandre Dumas - ihr Leben fasziniert und inspiriert.

Doch warum ist das so? Zum Einen sei hier ihre politische Bedeutung im durch die verschiedenen Religionen gespaltenen Frankreich des 16. Jahrhunderts genannt. Zum Anderen ihre Zugehörigkeit zum französischen Königsgeschlecht der Valois, das seither immer wieder im Augenmerk der historischen Beobachtung stand.

Es stellt sich dennoch die Frage, was wirklich übrig geblieben ist, von Margarete de Valois, Königin von Navarra. Alexandre Dumas' Klassiker „La Reine Margot“ kann zwar als fiktionales, wenn auch historisch inspiriertes Werk für das breite Publikum interessant sein, doch für den Historiker ist es wohl von geringerer Bedeutung, als fiktionales Werk ohne den Anspruch historisches Wissen durch Quellenkunde zu vermitteln. Von Margarete selbst haben wir ihre Memoiren, die sie erst spät in ihrem Leben verfasste und die wohl nicht zur Veröffentlichung gedacht waren, wenn gleich sie bald nach ihrer posthumen Erscheinen zu einem europäischen Bestseller avancierten und bald in andere Sprachen übersetzt wurden. Ein Originalmanuskript dieser Memoiren gibt es nicht, doch es erschienen Übersetzungen und Nachdrucke in etlichen Auflagen. Der Zugang zu diesen kann als durchaus leicht eingestuft werden, wenn man tatsächlich Interesse daran hat. Natürlich muss bei all diesen Übersetzungen im Auge behalten werden, dass, wie bei allen anderen auch, eventuell Änderungen zum von Margarete selbst verfassten Original bestehen können.

Diese Arbeit will sich mit einem Teil dieser Memoiren beschäftigen, nämlich jenem der sich um die Geschehnisse der Bartholomäusnacht im Jahre 1556 beschäftigt. Wie erlebte Margarete jene Nacht, die aufgrund ihrer Hochzeit mit dem dem protestantischen Führer Heinrich von Navarra auch die „Pariser Bluthochzeit“ genannt wird ? In wie fern haben diese Erzählungen anklang in der populären historischen Literatur und anderen Medien gefunden? Welches Bild hat die heutige Welt von Margarete und wodurch ist dieses geprägt? In dieser Arbeit möchte ich diesen Fragen auf den Grund gehen und dem Leser einen Einstieg in die Memoiren der Margarete von Valois ermöglichen.

I. Die Bedeutung der Memoiren der Margarete von Valois und die geschichtliche Relevanz ihrer Person im Allgemeinen

Was vielfach über Margaretes Leben in Augenschein genommen wird, sind ihre Memoiren. Dieser erst posthum 1628 gedruckte Text, der nicht zur Veröffentlichung bestimmt war, zeigt die Sicht einer intelligenten, verwöhnten reichen Prinzessin, die aus einem der bedeutendsten Fürstenhäuser Europas entstammte. Doch auch wenn dieser Text autobiographisch und eine versuchte Richtigstellung des Werkes Discours von Pierre de Bourdeille, seigneur de Brantôme1, ist, so ist er dennoch geprägt von den „im 16.Jahrhundert üblichen Konventionen für die Verschriftlichung von Selbstzeugnissen, die Kodierungen des Genres und politischen Vorsichten sowie anderen Rücksichtnahmen.“2 Einige Autoren haben versucht, diesem Zerrbild auf den Grund zu gehen und ein authentisches Bild einer Renaissanceprinzessin entstehen zu lassen. Vor allem sei hier der Aufsatz „Marguerite de Valois – Freilegung eines durch Mythenbildung vernebelten und verschütteten Charakterbildes“ zu nennen, aus dem auch obiges Zitat stammt. Ein deutscher Aufsatz, der sich mit der Frage beschäftigt, was eigentlich passiert ist mit dem Bild der Margarete de Valois und der die Aufgabe verfolgt, dieses wieder ins rechte Licht zu rücken.

Deutsche historische Aufsätze zum Thema Marguerite de Valois sind selten oder schwer zu finden. Es scheint, als sei das Interesse der deutschen Geschichtsforschung im Gegensatz zur französischen nicht sehr interessiert am Leben der Medici Tochter. Einige Biographien sind auf deutsch erschienen, z.B.

Janine Garrisson Königin Margot. Allerdings ist auch hier die Originalsprache nicht deutsch. Dem entgegen existiert eine wahre Flut an französischen Publikationen, die das Leben Margaretes in allen Facetten zu beleuchten versuchen. Das Thema „Königin Margot“ wird interdisziplinär behandelt; ob Kunst- oder Sprachwissenschaft, Margaretes Leben inspiriert zu Arbeiten in fast allen wissenschaftlichen Disziplinen.

Im Folgenden Abschnitt wird nun zunächst auf die Beschreibungen von Margarete von Valois eingegangen, die ganz oder zumindest teilweise die Grundlage dieser Adaptionen bilden.

II. Die Darstellungen der Geschehnisse im Louvre in der Bartholomäusnacht in den Memoiren von Margarete von Valois

Margarete von Valois stellt in ihrem Memoiren, unterteilt in drei Bücher, unter anderem die Geschehnisse in der Bartholomäusnacht (23./24. August 1572) innerhalb des Louvre in Paris dar. Margarete beschreibt die Vorgänge in ihren eigenen Gemächern, nachdem ihr Gemahl Heinrich von Navarra, dieselben bei Anbruch des Tages verlassen hat. „Nach einer Stunde, nachdem ich fest eingeschlafen war, pochte jemand mit Händen und Füßen an die Tür und rief:

„Navarra! Navarra!“ Meine Amme meinte, es sei der König, mein Gemahl, und lief schnell hinzu, ihm die Türe zu öffnen. Es war ein

Edelmann namens Léran, der von einer

Hellebarde in den Arm verwundet war; er drängte sich mit vier Häschern, die ihn verfolgten, in mein Zimmer und warf sich auf mein Bett, um sich zu retten.“3 Margarete ist verwirrt und überfordert, versucht sich hinter ihrem Bett in Sicherheit zu bringen, Léran klammert sich an weiter an ihr fest. Nachdem sich die Situation durch die Intervention des Hauptmanns aufgelöst hat, lässt Margarete den Edelmann Léran in ihr Nebenzimmer bringen. Anschließend begibt sie sich in Begleitung des Hauptmanns in die Gemächer ihrer Schwester, der Herzogin von Lothringen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Scene from the Saint Bartholomew's Day Massacre, Alexandre-Évariste Fragonard, 1833, © Musée du Louvre/A. Dequier - M. Bard

Bemerkenswert an Margaretes Schilderungen ist, dass sie alle historischen Ereignisse, an denen sie selbst nicht beteiligt ist, komplett beiseite lässt. Sie bezieht sich lediglich auf ihre eigenen Erfahrungen und Eindrücke. Die Beschreibungen ihrer Familie fallen sehr kurz aus; ihre Mutter Katharina von Medici ist die „Königinmutter“, ihr Bruder „König Karl“.4 Charakterliche Beschreibungen sind spärlich oder gar nicht vorhanden, Margarete hält sich mit Einschätzungen anderer Charakteren sehr zurück. Ob sie allerdings glaubte, eine solche Beurteilung stünde ihr nicht zu, bleibt das Geheimnis der französischen Königstochter. Zumindest inspirierten diese Memoiren andere Autoren, diese fehlenden Beschreibungen auszufüllen.

III. Margarete als literarische Figur und die Verwendung ihrer Texte in anderen Werken

Margaretes Leben und ihre Darstellungen haben etliche Autoren über die Jahrhunderten zu eigenen Werken inspiriert, die ihr Leben und vor allem die Ereignisse der Bartholomäusnacht zum Gegenstand haben. Als Beispiel seien hier zwei Autorinnen genannt, Janine Garrisson5 und Éliane Viennot6, die beide Biographien über Margarete von Valois geschrieben haben. Cornelia Klettke übt Kritik an beiden Autorinnen in ihrem Aufsatz „Marguerite de Valois – Freilegung eines durch Mythenbildung vernebelten und verschütteten Charakterbildes“ im Hinblick auf die sogenannten blancs, also Stellen in Margaretes Leben, die nicht

[...]


1 de Bourdeille, Pierre, Seigneur de Brantôme, Discours sur la Reyne de France et de Navarre, Marguerite, fille unique maintenant restée et seule de la noble Maison de France, in ID., Recueil des Dames, poésies et tombeaux, édition établie, présentée et annotée par ÉtienneVaucheret, Paris, Gallimard (Bibliothèque de la Pléiade), 1991, 119-158.

2 Klettke, Cornelia, Marguerite de Valois – Freilegung eines vernebelten und verschütteten Charakterbildes, in: Charakterbilder – Zur Poetik des literarischen Porträts, Angela Fabris/Willi Jung (Hg.) Göttingen : V & R Unipress, Bonn Univ. Press , 2012

3 Geschichte der Margaretha von Valois, Gemahlin Heinrich IV. : von ihr selbst beschrieben; nebst Zusätzen und Ergänzungen aus anderen französischen Quellen, Andermatt, Michael (Hg.),S.59, Zürich 1996

4 Geschichte der Margaretha von Valois, Gemahlin Heinrich IV. : von ihr selbst beschrieben; nebst Zusätzen und Ergänzungen aus anderen französischen Quellen, Andermatt, Michael (Hg.),S.58-59, Zürich 1996

5 Janine Garrisson, Königin Margot: das bewegte Leben der Marguerite de Valois, Benziger Verlag, Solothurn und Düsseldorf, 1995

6 Éliane Viennot, Marguerite de Valois: histoire d'une femme, histoire d'un mythe, Paris, Éditions Payot, 1993/ 1995

Details

Seiten
10
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656464075
ISBN (Buch)
9783656466147
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230304
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,3
Schlagworte
reine margot adaption darstellungen bartholomäusnacht margarete valois

Autor

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