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Der Beitritt Bremens zur Hanse

Hausarbeit 2008 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. 650 Jahre Hansestadt Bremen

2. Die Rinesberch-Schene-Chronik
2.1 Verfasser und Entstehung der Chronik
2.2 Bremens Aufnahme in die Hanse 1358 in der Rinesberch-Schene-Chronik
2.3 Widersprüche und Fehler in der Darstellung des Beitritts zur Hanse

3. Johann Renners Chronica der Stadt Bremen
3.1 Verfasser und Entstehung der Chronik
3.2 Bremens Aufnahme in die Hanse 1358 in den Chronica der Stadt Bremen
3.3 Widersprüche und Fehler in der Darstellung des Beitritts zur Hanse

4. Verhansung Bremens vor 1358

5. Verlässlichkeit der beiden Chroniken

Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang

1. 650 Jahre Hansestadt Bremen

Im August dieses Jahres feierte die Stadt Bremen ihre 650jährige Mitgliedschaft in der Hanse. Das Jubiläum wurde unter anderem mit einer Hansekoggen-Parade, einem Koggenfest und einer wissenschaftlichen Vortragsreihe begangen. An dem Aufwand, der zu diesem Anlass betrieben wurde und an der positiven Resonanz, auf die die Feierlichkeiten stießen, erkennt man, dass die Hanse auch heute noch, 650 Jahre nach Bremens Beitritt, im Alltagsleben der Bremer Bürger präsent ist. Besonders zu Werbezwecken und zur Vermarktung von Produkten wird das Wort Hanse gerne eingesetzt. So findet zum Beispiel vom 13. bis 21. September 2008 in Bremen die große Verbrauchermesse HanseLife 2008 statt.

Da Bremen also auch heute noch mit der Hanse in Verbindung gebracht wird, erscheint es angebracht, sich ausführlich mit Bremens Aufnahme in die Hanse im Jahre 1358 zu beschäftigen. Vom Beitritt zur Hanse wird in mehreren Chroniken berichtet, doch ich werde mich hier auf die entsprechenden Passagen in zwei deutschen Bremer Chroniken konzentrieren. In der ältesten deutschen Bremer Chronik, der Rinesberch-Schene-Chronik, ist in den Kapiteln 459 bis 463 die Rede von der Aufnahme in die Hanse und in den Chronica der Stadt Bremen berichtet der Verfasser Johann Renner: do quemen se wedder inn de hense[1].

Auffällig an Renners Formulierung ist das Wort wedder, denn es setzt voraus, dass Bremen vor dem Beitritt im Jahre 1538 schon einmal Mitglied der Hanse war. Auch die Darstellung in der Rinesberch-Schene-Chronik lässt dies vermuten, deshalb haben sich in der Vergangenheit einige Fachmänner mit einer möglichen Verhansung Bremens vor 1358 beschäftigt. Insgesamt ist die Forschungsliteratur zum Thema zwar eher rar - so gibt es zum Beispiel keine Monographie über Bremens Beitritt zur Hanse - jedoch wurde die Problematik in einigen Aufsätzen abgehandelt.

Zu erwähnen sind hier die Beiträge von Dietrich Schäfer[2], Karl Koppmann[3] und Wilhelm von Bippen[4], die Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlicht wurden und ganz unterschiedliche Meinungen widerspiegeln. Einen aktuelleren Beitrag zu Bremens Aufnahme in die Hanse lieferte Herbert Schwarzwälder in den Hansischen Geschichtsblättern im Jahre 1961[5]. Schwarzwälder setzt sich mit den bereits erwähnten Aufsätzen aus dem 19. Jahrhundert auseinander und versucht, mit Bezug auf die Rinesberch-Schene-Chronik Widersprüche und Unklarheiten über Bremens Beitritt zur Hanse aufzulösen bzw. zu erklären.

Im Folgenden soll es darum gehen, die Rinesberch-Schene-Chronik und Johann Renners Chronica der Stadt Bremen miteinander zu vergleichen und dabei auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede einzugehen. Die beiden Quellen sollen zunächst formal und inhaltlich analysiert werden, bevor dann auf Widersprüche und Ungereimtheiten in den Darstellungen eingegangen wird. Da eine eventuelle Verhansung Bremens vor 1358, wie bereits erwähnt, in beiden Werken eine große Rolle spielt, wird hierauf im Detail eingegangen werden. Abschließend soll dann geklärt werden, welche der beiden Chroniken bessere und zuverlässigere Informationen über Bremens Beitritt zur Hanse vor 650 Jahren liefert.

2. Die Rinesberch-Schene-Chronik

2.1 Verfasser und Entstehung der Chronik

Die Rinesberch-Schene-Chronik wurde Ende des 14. Jahrhunderts und Anfang des 15. Jahrhunderts hauptsächlich von den beiden Chronisten Gert Rinesberch und Herbort Schene verfasst und von Johann Hemeling und dessen Schreiber fortgeführt und ergänzt. Die Verfasser begannen ihr Werk vermutlich mit dem Ziel, die Historia archepiscoporum Bremensium, eine Sammlung von Biographien der bremischen Erzbischöfe beginnend mit der Zeit Karls des Großen, vom Lateinischen ins Niederdeutsche zu übersetzen[6]. Diese Übersetzung wurde jedoch durch Informationen aus den Lübecker Nachrichten[7] und durch eigene Ergänzungen Rinesberchs und Schenes ergänzt. Die Schilderungen der Ereignisse bis zum Jahr 1344 übernahmen die beiden Verfasser aus früheren Quellen, ab diesem Jahr arbeiteten sie jedoch selbstständig[8]. In der Vorrede der Chronik verkünden die beiden Chronisten, dass sie mit ihrem Werk ihre Nachfahren belehren und über alle Geschehnisse wahrheitsgemäß berichten wollen[9]. Die Chronik richtet sich also an eine breite Öffentlichkeit, die aus dem Gelesenen lernen und dadurch zum Wohl der Stadt Bremen beitragen soll.

In der Einleitung der Chroniken der niedersächsischen Städte wird Gert Rinesberch als der jüngere der beiden Chronisten beschrieben, der vermutlich um 1315 geboren wurde und 1406 starb. Sein Vater war Ratmann und er selbst war ab 1365 Domvikar. In seinem Leben stieg er nie zu einer bedeutenden Persönlichkeit auf und er machte keine Stiftungen[10]. Daraus lässt sich schließen, dass Rinesberch wahrscheinlich ein Bürger „in bescheidenen Lebensumständen“[11] war.

Der zweite Verfasser wird in selbiger Einleitung als Erbe eines reichen Vater dargestellt, der um 1340 geboren wurde und sich seit 1367 viele Landkäufe leisten konnte. Zudem hatte er wichtige Ämter innerhalb der Bremer Geistlichkeit inne und vertrat diese sogar 1376 in Lübeck[12]. Schene machte Schenkungen an Stadt und Kirche bevor er 1413 oder 1414 starb. Insgesamt war er eine einflussreiche Person, die am Geschehen in und um Bremen einen großen Anteil hatte.

Laut Johann Martin Lappenberg waren sowohl Rinesberch als auch Schene bei einigen Ereignissen, über die sie berichten, persönlich dabei und sie zeigten beide „stets das lebhafteste Interesse für die Angelegenheiten der Stadt“[13].

Besonders wichtig für die Beschäftigung mit der Passage über den Beitritt Bremens zur Hanse 1358 ist der Einfluss, den Johann Hemeling als dritter Schreiber auf das Werk hatte. In der Vorrede erwähnen Rinesberch und Schene nur einen „guten Freund“, der ihnen bei der Arbeit an der Chronik geholfen habe, aber glaubt man dem Verfasser der Einleitung in Die Chroniken der niedersächsischen Städte, so steht es fest, dass dieser dritte Chronist zweifelsohne Johann Hemeling sein muss[14]. Hemeling wurde um 1360 geboren, war ab 1405 Bürgermeister von Bremen und starb am 27. März 1428. Nach seinem Tod wurde die Chronik bis Oktober 1430 von seinem Schreiber fortgeführt. Wichtig ist, dass Hemeling als Bürgermeister Bremens unmittelbar am Geschehen der Stadt beteiligt war und seine Erlebnisse an einigen Stellen der Chronik festhielt. Wahrscheinlich veränderte oder fälschte er einige Abschnitte der ursprünglichen Fassung durch eigene Einschübe[15]. Auch die Kapitel 459 bis 463, die hier im Fokus stehen, wurden vom Verfasser der Einleitung als Einschub Hemelings identifiziert[16]. Dies ist jedoch nicht mit Sicherheit zu belegen und Herbert Schwarzwälder ist der Ansicht, dass man nicht beweisen kann, ob Hemeling oder vielleicht auch Schene die Kapitel verfasst haben[17]. In der Einleitung der Chroniken der niedersächsischen Städte gilt der ganze Abschnitt als unsachlich und fehlerhaft[18], was im Weiteren noch zu diskutieren ist.

2.2 Bremens Aufnahme in die Hanse 1358 in der Rinesberch-Schene-Chronik

Die Darstellung des Beitritts Bremens zur Hanse beginnt in Kapitel 459, das unmittelbar auf eine Schilderung der Besetzung der Burg von Lullenhusen folgt. Inhaltlich geht es um die verbotene Flandernfahrt Tideman Nannings, die der Bremer Rat mit der Ächtung des Mannes und seiner Familie bestrafte (do leet se de rad alle vredelos leggen[19]). In Kapitel 460 wird berichtet, dass der Bremer Rat zu einer Tagfahrt nach Lübeck geladen worden sei. Diese Einladung habe man allerdings nicht annehmen können, da zuvor im Verlauf der Fehde mit Hoya, nach der Schlacht an der Aller, 150 Bremer Bürger gefangen genommen wurden. Daraufhin habe Hamburg dafür gesorgt, dass Bremen aus der Hanse ausgeschlossen wurde (des arbeideden de Hamborgere so hartliken by den steden, de dar do to tiden weren, dat se Bremen ute der Hense legeden[20]). Dies habe dazu geführt, dass über einen Zeitraum von drei Jahren die Stadt Bremen verarmte und viele Bürger wegzogen.

In Kapitel 461 geht es darum, dass der Kaufmann und die Meinheit, die laut Schwarzwälder für „die Gesamtheit der Bürger“[21] stand, den Schoss für die Gefangenen in Hoya nur dann bezahlen wollten, wenn der Rat dafür sorgte, dass die Stadt wieder in die Hanse aufgenommen wurde. Aus diesem Grund versprach der Rat, Vertreter zur nächsten hansischen Tagfahrt zu senden.

Diese Tagfahrt fand laut Kapitel 462 an Mittsommer 1358 in Lübeck statt und obwohl Bremen nicht geladen war, entsandte der Rat Hinrich Doneldey und Bernd von Dettenhusen dorthin. Die Hamburger hörten schon vorzeitig davon, mit welchem Anliegen diese Vertreter nach Lübeck kamen und Hamburg und die anderen Städte reagierten sehr verärgert darauf (unde dat dede der stadt van Bremen groten schaden[22]). Hamburg war besonders schlecht auf Bremen zu sprechen, da der Bremer Bürger Johann Hollemann Hamburger Kaufleute auf der Elbe ausgeraubt hatte.

[...]


[1] Johann Renner: Chronica der Stadt Bremen. Transkription von Lieselotte Klink. Bremen 1995, S.301.

[2] Dietrich Schäfer: Bremens Stellung in der Hanse. In: Hansische Geschichtsblätter 1874 (1875), S.3-22.

[3] Karl Koppmann, Versammlung zu Lübeck. – 1358 Aug. 3. In: Die Recesse und andere Akten der Hansetage von 1256-1430 Bd. 1 (1870), S.139-145.

[4] Wilhelm von Bippen: Geschichte der Stadt Bremen. Erster Band. Bremen 1892, S.223-227 und Wilhelm von Bippen: Die Aufnahme Bremens in die Hanse 1358. In: Hansische Geschichtsblätter 1890/1891 (1892), S.153-158.

[5] Herbert Schwarzwälder: Bremens Aufnahme in die Hanse 1358 in neuer Sicht. In: Hansische Geschichtsblätter 79 (1961), S.58-79.

[6] Wilhelm von Bippen: Artikel ‚Rinesberch’. In: Allgemeine deutsche Biographie 28 (1970), S.629.

[7] Die Chroniken der niedersächsischen Städte, Bremen. Hg. durch die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bremen 1968 (= Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert 37), S.XXIV.

[8] Willy Krogmann: Altfriesische Literatur. In: Ludwig Erich Schmitt (Hg.): Kurzer Grundriß der germanischen Philologie bis 1500. Bd.2 Literaturgeschichte. Berlin 1971, S.272.

[9] Die Chroniken, 1968, S.XX.

[10] Ebd., S.XX f.

[11] Ebd., S.XXI.

[12] Ebd.

[13] Johann Martin Lappenberg: Geschichtsquellen des Erzstifts und der Stadt Bremen. Aalen 1967, S.XVII.

[14] Die Chroniken, 1968, S.XXIX.

[15] Ebd., S.XXXII.

[16] Ebd., S.XXXIX.

[17] Schwarzwälder, Bremens Aufnahme, S.77.

[18] Die Chroniken, 1968, S.XXXV.

[19] Ebd., S.135.

[20] Ebd., S.136.

[21] Herbert Schwarzwälder: Bremen als Hansestadt im Mittelalter. In: Hansische Geschichtsblätter 112 (1994), S.8.

[22] Die Chroniken, 1968, S.137.

Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656459026
ISBN (Buch)
9783656459545
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230240
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,0
Schlagworte
beitritt bremens hanse

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