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Medialer Sprachkontakt

Eine computerbasierte Korpusanalyse von Anglizismen in französischen Sport- und Technikzeitschriften

Examensarbeit 2011 98 Seiten

Romanistik - Französisch - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themenfindung
1.2 Vergleichbare Untersuchungen
1.3 Fragestellungen

2 Sprachkontaktforschung

3 Die Entlehnungsforschung
3.1 Motive für Entlehnung
3.2 Gliederung nach Werner Betz
3.3 Gliederung nach Einar Haugen und Uriel Weinreich
3.4 Kritik an den drei Vertretern und Diskussion

4 Statistische Linguistik

5 Korpuslinguistik

6 Vorstellung des Materials
6.1 Die Printmedien
6.2 Kategorisierung von Printmedien
6.3 Überblick über die französische Presselandschaft
6.4 Der Arbeitskorpus

7 Vorgehensweise
7.1 Quantitative Erfassung
7.1.1 Betrachtung des Korpus
7.1.2 Betrachtung der Anglizismen
7.1.3 Digitalisierung der Anglizismen

8 Qualitative Analyse
8.1 Ermittlung produktiver Morpheme
8.2 Ermittlung des momentanen Zustand

9 Vergleich der Zeitschriften miteinander

10 Ergebnisse und Interpretation
10.1 La Pêche et les poissons
10.1.1 Quantitative Erfassung
10.1.2 Qualitative Analyse
10.2 Micro Actuel
10.2.1 Quantitative Erfassung
10.2.2 Qualitative Analyse
10.3 Sugar - Skateboard Magazine
10.3.1 Quantitative Erfassung
10.3.2 Qualitative Analyse
10.4 Jeux Videos
10.4.1 Quantitative Erfassung
10.4.2 Qualitative Analyse

11 Vergleich der Zeitschriften
11.1 Quantitativer Vergleich
11.2 Qualitativer Vergleich
11.3 Vergleich der Merkmale

12 Abschließende Gedanken

Literaturverzeichnis….96

Abbildungsverzeichnis

Erklärung

1 Einleitung

"Bionic Commando, héros de l' arcade et de la Nintendo Entertainment System, revient en 3D léchée sur les consoles High Definition, quand Nintendo annonce un lifting intriguant des hits de la NES (Nintendo Entertainment System) pour sa future 3DS (Dual Screen). Et quand ce ne sont pas les professionnels qui relookent, ce sont les fans qui s'y mettent."[1]

Dieses authentische Zitat aus einer französischen Videospiel-Zeitschrift war der Denkanstoß für diese Arbeit. Von 58 Wörtern sind 18 englischsprachigen Ursprungs. Das entspricht einem Anteil von über 30 %. Der zitierte Satz steht exemplarisch für den starken englischen Einfluss auf bestimmte Teilbereiche des Französischen. Diese Erkenntnis ist bei weitem nicht neu, ebenso wenig wie die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion über die Vermischung von Englisch und Französisch. Bezeichnet wird das Phänomen als Franglais. Alain Schneider meint definiert es folgendermaßen:

"Le franglais mot-valise formé des mots « français » et « anglais », désigne l'utilisation d'une langue française fortement anglisée, dans l'expression écrite ou orale. Plus concrètement, il s'agit d'un ensemble de mots anglais et des tournures syntaxiques calquées sur l'anglais, introduits dans la langue française. Il est fréquemment évoqué comme repoussoir par les tenants de la pureté de la langue française, contre l'invasion des anglicismes."[2]

Diese durchaus wertende Aussage deutet darauf hin, dass bestimmte Zeitgenossen den englischen Einfluss als Invasion wahrnehmen. Die Reinheit der französischen Sprache wird betont und soll vor den Invasoren geschützt werden. Tatsächlich ist der englische Einfluss auf das Französische seit langem bekannt und auch die Diskussion über den Umgang mit jenem besitzt schon eine lange Tradition. Der Begriff Franglais tritt bereits im Jahre 1959 in Erscheinung. In einem Artikel der Zeitung France-Soir erfand Max Rat diesen Begriff. Bekannt wurde der Name dann durch René Etiembles Buch Parlez-vous Franglais?[3] Die Thematik an sich reicht noch weiter zurück. Im Jahre 1923 etwa schrieb Max Scherer über Englisches Sprachgut in der französischen Tagespresse der Gegenwart. André Thérive beschwor bereits im Jahre 1923 den Untergang des Französischen in einem sehr subjektiven Buch Le fran ç ais, langue morte? Heute gibt es unzählige Beiträge aus allen Richtungen der französischen Literaturszene zu diesem Thema. Die Gesamtheit der Aussagen von Beteiligten, Außenstehenden, "Tätern“ und „Opfern" ergibt am Ende ein komplexes Gefüge aus Anschuldigungen, Widersprüchen, Falschaussagen, Fehlinterpretationen, aber auch Sympathiebekundungen, in manchen Fällen gar Liebeserklärungen. So zeichnet sich der Titel Honni soit qui mal y pense von Henriette Walter ein sehr positives Bild von der Beziehung des Französischen mit dem Englischen. Nebenbei bemerkt thematisiert dieses Buch auch den weitaus größeren Einfluss den wiederrum das Französische bei der Entstehung der modernen englischen Sprache gespielt hat. Allen diesen Publikationen ist jedoch gemein, dass Sie wenig wissenschaftlich sind. Empirische Untersuchungen relativieren dann meist übertriebene Befürchtungen und empfehlen etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit diesem Thema. Entweder, es werden nur geringe tatsächliche Anteile an englischen Elementen festgestellt, oder es wird gezeigt, dass viele Anglizismen eher Modeerscheinungen sind und schnell wieder verschwinden.

Dennoch betreibt Frankreich, wie kein ein anderes Land, aktive Sprachpolitik zum Schutz und der Pflege der eigenen Sprache. Verschiedene Gesetze zur Eindämmung des englischen Einflusses wurden erlassen. Inwiefern diese Wirkung zeigen, ist ebenfalls Gegenstand der teilweise hitzigen öffentlichen Diskussion. An dieser Stelle müssen zwei Bücher Erwähnung finden: Der Mythos Franglais von Christiane Beinke beschreibt sehr ausführlich die französische Sprachpolitik und das kollektive Empfinden der französischen Nation im Angesicht der „Anglisierung“ der französischen Sprache. Jean-Louis Calvets Buch La guerre des langues et les politiques linguistiques untersucht die internationale Sprachpolitk der Weltsprachen.

1.1 Themenfindung

Nach sorgfältiger Überlegung, habe ich beschlossen das Thema Franglais im Rahmen der Sprachkontaktforschung anzugehen und die mediale Wortentlehnung bei den Printmedien zu untersuchen. Schließlich wurde die Pressesprache als Untersuchungsbereich ausgewählt, da eine Untersuchung von informell verfassten Texten, etwa im Internet, auf einer angemessenen wissenschaftlichen Basis kaum möglich ist. Die Presse ist Dreh- und Angelpunkt der Kommunikationswelt. Sie beeinflusst das gesprochene und geschriebene Französisch, genauso wie sie dessen Einfluss ausgesetzt ist. Zusätzlich besitzen Journalisten meist gute Englischkenntnisse. Egal auf welchem Weg Anglizismen in den französischen Gebrauch, oder gar in die Wörterbücher gelangen, die Printmedien sind eine wichtige Instanz zur Etablierung von Lehnwörtern. Besonders die Fachpresse ist sehr aufgeschlossen gegenüber der Aufnahme von fremdsprachlichem Wortgut. Diese Arbeit möchte nun einen wissenschaftlichen Blick auf Wortentlehnungen in Fachzeitschriften werfen. Insgesamt wurden vier Zeitschriften analysiert, jeweils zwei aus den Sparten Sport und Technik, mit jeweils unterschiedlichem Zielpublikum. eine Zeitschrift pro Sparte richtet sich hierbei eher an ein junges Publikum, die zweite Zeitschrift hauptsächlich an erwachsene Leser. Es wird versucht konkrete Zahlen für verschiedene Phänomene der Entlehnung zu ermitteln, welche dann mit ähnlichen Untersuchungen verglichen werden können. Anhand der Komplexität der Thematik wird deutlich, dass sich diese Arbeit nicht komplett in einen sprachwissenschaftlichen Bereich einordnen lässt. Das Themengebiet erstreckt sich von Sprachkontaktforschung über statistische Linguistik und Korpuslinguistik bis zur Medienwissenschaft.

1.2 Vergleichbare Untersuchungen

Es erschienen zahlreiche Arbeiten, die das Anwachsen des englischen Wortschatzes im Französischen belegen. Beispiele hierfür sind die Beiträge der Autoren Beinke (Der Mythos Franglais), Picone (Anglicisms, neologisms and dynamic french), oder Braselmann (Sprachpolitik und Sprachbewusstsein in Frankreich heute). Ein bemerkenswert hoher Anteil, an Anglizismen konnte aber nie eindeutig nachgewiesen werden. Nennenswerte prozentuale Anteile werden ausschließlich in Wörterbüchern gefunden. So stützen sich viele Forscher auf Wörterbücher als Basis ihrer Berechnungen und Untersuchungen. Natürlich spiegeln diese nicht den tatsächlichen Sprachgebrauch wider, sondern repräsentieren einen wohlüberlegten Ausschnitt der Sprache. Häufig werden Wörterbücher als Untersuchungsgegenstand herangezogen. Mitterand untersucht im Jahre 1938 den Anteil an Anglizismen im Wörterbuch Larousse. Dabei wird von ihm ein Anteil von 2,5 % ermittelt. Gebhard ermittelt in einer ähnlichen Untersuchung des Petit Robert einen Anteil von 2,1 %.[4] Anette Endruschat ermittelt im Jahre 2003 in ihrer Studie „Leben und Sterben von Anglizismen im Petit Larousse - eine Jahrhundertbetrachtung “ den Anteil mit 1,7%[5]. Daneben sind auch die Tageszeitungen eine beliebte Quelle, um Anglizismen-Anteile zu berechnen. Gossen untersuchte im Jahre 1980 französische Tageszeitungen und berechnete den Anteil von 0,8 %. Forgue ermittelt im Jahre 1980, gemessen an LeMonde, den eher geringen Anteil von 0,6 %. Die Studien von Pressetexten liefern also sehr geringe Anteile von Anglizismen. Diese sind bei weitem geringer als der Anteil in den Wörterbüchern[6].

Warum hat das französische Publikum dennoch das subjektive Empfinden einer fortschreitenden Anglisierung des Französischen? Die tatsächlich ermittelten Werte sind zu gering um die langanhaltende Diskussion um den angeblich so starken Einfluss der englischen Sprache auf das Französische zu erklären. Im Gegenteil: Jene Sprachwissenschaftler, die sich objektiv mit der Thematik auseinandersetzen, geben meist Entwarnung. Die mit der Thematik sehr vertraute Christiane Beinke schätzt die Anglizismen-Anteile auf 1% bei der Tageszeitung LeMonde, auf 1,5 % in der Werbesprache und auf bis zu 4 % in Spezialsprachen (So haben etwa Piloten, Ärzte oder Software-Programmierer sehr internationalisierte Sprachbestandteile[7].

Für die immer wieder geäußerte Furcht, das Französische deformiere sich zum Franglais, lässt sich kaum statistische Bestätigungen finden. In diesem widersprüchlichen Kontext möchte die vorliegende Arbeit nun erneut einen empirischen Blick auf die aktuelle Situation der französischen Sprache, genauer der Pressesprache, werfen. Die ermittelten Werte sollen mit bisherigen Forschungsergebnissen verglichen werden. Zusätzlich wird die Arbeit versuchen, durch verschiedene Berechnungsverfahren dem subjektiven Empfinden der französischen Leserschaft auf die Schliche zu kommen. Kann der Term Franglais durch bestimmte Rechenverfahren bestätigt werden?

1.3 Fragestellungen

Im Verlauf der Recherche und der Auseinandersetzung mit der Thematik haben sich folgende konkrete Fragen ergeben:

- In welchen Formen (Eigennamen, Anglizismen, Wendungen) treten die englischen Elemente in Erscheinung? Wie ist die Verteilung dieser Elemente pro Zeitschrift? Welche Erscheinungsformen überwiegen? Wie ist der Unterschied zwischen den Zeitschriften? Sind hierbei die Merkmale (Sparte und Alter der Zielgruppe) entscheidend für die Verteilung?
- Wie hoch sind die Anteile englischer Elemente an den Texten? Lassen sich die mutmaßlich hohen Anteile von Anglizismen bestätigen? Gibt es Berechnungsmethoden, welche das subjektive Empfinden der Leser wiederspiegeln können? Wie verhalten sich die ermittelten Anteile zwischen den einzelnen Zeitschriften? Sind hierbei die Merkmale (Sparte und Alter der Zielgruppe) entscheidend für die Unterschiede? Wie verhalten sich die Ermittelten Werte zu den Ergebnissen von vergleichbaren Untersuchungen?
- Welche Anglizismen und Eigennamen haben die höchsten Frequenzen ? Lassen sich Anglizismen ausmachen, welche Sparten- und zielgruppenübergreifend, vorkommen?
- Welche Wortklassen werden bevorzugt entlehnt? Wie sind die Verhältnisse der Wortklassen? Gibt es hier Unterschiede zwischen den Zeitschriften? Lassen sich diese Unterschiede auf die Merkmale (Sparte und Zielgruppe) zurückführen?
- Sind alle der Anglizismen in den Wörterbüchern zu finden? Wie sind die Verhältnisse zwischen auffindbaren und nicht-auffindbaren Anglizismen? Wie sind hier die Unterschiede zwischen den Magazinen? Lassen sich mögliche Unterschiede auf die Merkmale (Sparte und Zielgruppe) zurückführen?
- Gibt es englische Morpheme, welche besonders produktiv sind? In welchen Frequenzen und in welchen Verbindungen treten diese Morpheme auf?

Eine Beantwortung dieser Fragen setzt eine interdisziplinäre Betrachtung voraus. Die vorliegende Arbeit stützt sich deshalb auf Methoden der Sprachkontaktforschung, der Entlehnungsforschung, der Statistischen Linguistik und der Korpuslinguistik.

2 Sprachkontaktforschung

Den Hintergrund dieser Analyse liefert die Sprachkontaktforschung. Die klassische Sprachkontaktforschung beschäftigt sich mit Gebieten, in denen zwei Sprachen geographisch aufeinandertreffen. Heute treffen Sprachen zusätzlich durch die Massenmedien aufeinander. Uriel Weinreichs Studie Sprachen in Kontakt von 1953 lieferte den ersten theoretischen Rahmen der Sprachkontaktforschung. Seitdem wurde die Forschung weiter differenziert, sodass die Sprachkontaktforschung heute drei grundlegenden Perspektiven einnimmt. Die systemlinguistische Perspektive untersucht die Effekte und die Wirkung eines Sprachkontaktes auf die Sprachsysteme. Erscheinungen wie Code-Switching oder Entlehnung werden hier beschrieben. Die psycholinguistische Perspektive erforscht die Auswirkungen des Sprachkontaktes auf das Individuum. Die Zwei- und Mehrsprachigkeitsforschung ist hier anzusiedeln. Die soziolinguistische Perspektive beleuchtet das Verhältnis von Sprache und Gesellschaft. Prozesse der Sprachverschiebung und Sprachbewahrung werden hier beschrieben[8]. Die vorliegende Arbeit betrachtet das Thema Anglizismen aus der ersten Perspektive. Sprachkontakt findet im Zustand der Diglossie statt. Ferguson definiert Diglossie folgendermaßen:

„Diglossie is a relatively stable language situation in which, in addition to the primary dialects of the language (which may include a standard or regional standards), there is a very divergent, highly codified (often grammatically more complex) superposed variety, the vehicle of a large and respected body of written literature, either of an earlier period or in another speech community, which is learned largely by formal education and is used for most written und formal purposes but is not used by any sector of the community for ordinary conversation[9]."

Auch der Sprachwandel und die Verdrängung von Varietäten sind Gegenstände der Forschung. Hierfür werden beispielsweise politische, ökonomische, sozialpsychologische oder kulturelle Faktoren betrachtet. Schließlich ist auch die Einstellung zur Sprache relevant. Loyalität, Antipathie, Sprachkontrolle, Sprachplanung, Sprachverbot, Sprachbewusstsein oder Sprachwissen sind hierbei von Bedeutung. Sprachkontakt wird immer im Zusammenhang von Wirtschafts- und Sozialstruktur, politisch-ideologischen Verhältnissen und sprachlicher Situation gesehen. Allerdings hat die Forschung bisher keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen Sozioökonomie und Entwicklung von Sprachen feststellen können. Es gibt sowohl Kontaktsituationen mit großem Konfliktpotential und dramatischen Veränderungen im Sprachverhalten der Menschen, als auch relativ stabile diglossische Situationen, wie etwa in der vielsprachigen Schweiz. Politische Staatengrenzen haben keine Bedeutung für die Forschung. Befinden sich auf beiden Seiten einer staatlichen Grenze Sprecher der jeweils anderen Sprache, dann kann man hier von einem diglossischen Gebiet sprechen[10].

Sprachkontakt und Kontaktlinguistik

Das Lexikon der Sprachwissenschaft liefert folgende Definition von Sprachkontakt:

„Koexistenz zweier oder mehrere Sprachen innerhalb einer Sprachgemeinschaft, deren Sprecher diese Sprachen alternativ (situationsspezifisch oder diskursstrategisch) verwenden (Code-Switching)[11]."

Die Kontaktlinguistik wird wie folgt beschrieben:

„Linguistische Teildisziplin, die Ursachen, Ausprägung und Folgen von Sprachkontakt erforscht, sowohl auf individueller Ebene (Bilingualismus, Code-Switching) als auch auf gesellschaftlicher Ebene (Mehrsprachigkeit, Verhältnis von Hochsprache zu regionalen Dialekten). In ihrer interdisziplinären Ausrichtung ist Kontaktlinguistik verknüpft mit Sozialpsychologie, Geographie, Anthropologie, Ökologie, Geschichte und Politikwissenschaften. Als extreme Auswirkungen von Sprachkontakt gelten Sprachentstehung, insbesondere Entstehung von Pidgin- und Kreolsprachen. Im Rahmen der Kontaktlinguistik ist auch die Lehnwort-Forschung anzusiedeln[12]."

Die Lehnwort-Forschung ist demnach ein Untersuchungsgegenstand der Kontaktlinguistik. Kontaktlinguistik wiederum kann nur stattfinden, wenn eine Situation des Sprachkontaktes vorliegt. Sprachkontakt ist ein Zustand der Diglossie, in welchem die Sprecher bilingual sind. Doch diese Meinung wird nicht von allen Autoren geteilt. Denn von einem Lehnwort wird auch dann noch gesprochen, wenn es sich verbreitet und auch von nicht-bilingualen Sprechern benutzt wird. Dieser Widerspruch kann aufgelöst werden, wenn nur das erste Auftreten einer Entlehnung, die sogenannte Ad-Hoc-Entlehnung, als Ergebnis von Bilingualität gesehen wird. Eine weitere Verbreitung des Lehnguts muss dann nicht mehr zwingend als Gegenstand der Sprachkontaktforschung gelten. Diese Situation kann auch vom Standpunkt des Code-Switchings betrachtet werden.

Code - Switching bezeichnet den Wechsel eines bilingualen Sprechers zwischen verschiedenen Sprachen oder Varietäten eines Sprachsystems, innerhalb eines Gespräches. Situatives Code - Switching basiert auf gesellschaftlichen normierten Bewertungen sprachlicher Kodes, beim konventionellen Code-Switching bleiben die situativen Bedingungen konstant und das Code-Switching erfüllt eher stilistische Zwecke[13]. In mehrsprachigen Gesellschaften ist es ein weit verbreitetes Phänomen. Einige Forscher setzten, um von Code - Switching reden zu können, ganze Satzteile in einer Äußerung aus einer anderen Sprache voraus. Für andere handelt es sich aber bereits beim Auftreten eines Fremdwortes während einer Äußerung um Code - Switching. Für das Lehnwort gilt dies nur, wenn der Sprecher bilingual ist, und diese Entlehnung zum ersten Mal auftritt. Die Entlehnung, wie sie in dieser Arbeit betrachtet wird, ist demnach kein Code - Switching, auch wenn den Redakteuren der Magazine bilinguale Fähigkeiten zugesprochen werden. Nur ganz am Anfang einer eventuellen „Einbürgerung“ eines Fremdwortes, streng genommen nur beim ersten Vorkommen, kann man von Code - Switching sprechen[14].

3 Die Entlehnungsforschung

Als Ausgangpunkt der Entlehnungsforschung kann die Etymologie betrachtet werden. Sie ist die Wissenschaft von der Herkunft, Grundbedeutung und Entwicklung einzelner Wörter sowie von ihrer Verwandtschaft mit Wörtern gleichen Ursprungs in anderen Sprachen[15]. Ein Missstand in der Entlehnungsforschung ist sicherlich die hochkomplexe und teilweise widersprüchliche Gliederung von Lehngut sowie von den Motiven für Wortentlehnungen. Es gibt zahlreiche Autoren mit eigenen Klassifikationsversuchen. Schon im Jahr 1968 klagt Broder Carstensen mit folgenden Worten über das terminologische Durcheinander in der Sprachkontaktforschung:

"Wer sich mit dem Problem des Einflusses einer Sprache auf eine andere und mit dem der Bilingualität auseinandersetzt, hat in besonders starkem Maße mit dem Wirrwarr, ja mit dem Chaos in unserer gegenwärtigen Terminologie zu kämpfen[16]."

Auch Christiane Beinke spricht von einem "terminologischen Wirrwarr"[17]. Sie bemängelt die unterschiedlichen methodischen Voraussetzungen und Konzeptionen, die so zentrale Punkte, wie die Definitionen von Sprache, System, Sprachbrauch und - norm oder die uneinheitliche Einteilung der Sprachstruktur betreffen. Jansen spricht von einer "Welle der Publikationen, die sich mit den Arbeiten [...] auseinandersetzten"[18]. Die Versuche gegenzusteuern und einheitliche Terminologien zu entwickeln, führen dann oft zu einer Verschlechterung der Situation. Allerdings scheint die theoretische Diskussion ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Die Problematik gilt als heute größtenteils ausgeschöpft[19]. Jedoch ohne sagen zu können, die Klassifikationsmodelle wären ausgereift.

3.1 Motive für Entlehnung

Es gibt zwei Ebenen der Motivation für die Wortentlehnung aus einer Fremdsprache. Zunächst soll der Blick auf die sozio-kulturellen Rahmenbedingungen, innerhalb welcher sich Entlehnungsvorgänge abspielen, gerichtet werden. Außersprachliche Faktoren spielen eine entscheidende Rolle bei Sprachkontakten und Entlehnung. Die Tatsache, dass man in verschiedenen Epochen und Zeitspannen eindeutig expandierende Sprachen ausmachen kann zeigt eindeutig, dass die Struktur einer Sprache nicht der alleinige Grund für die Verbreitung sein kann, sondern dass andere, außersprachliche Faktoren eine Rolle spielen müssen. Die Tatsache, dass heute nahezu alle Sprachen weltweit stark aus dem Englischen entlehnen zeigt auch, dass von einer weltweiten Dominanz der englischen Sprache gesprochen werden muss. Historische Entwicklung, soziale und psychologische Prozesse spiegeln sich demnach ebenso in sprachlichen Veränderungen wieder, wie kulturelle, politische, wirtschaftliche oder militärische Dominanz.[20] Die Position des Englischen in der Welt zu besprechen oder eine Aufzählung aller möglichen außersprachlichen Faktoren würde hier allerdings jeglichen Rahmen sprengen. Immer spielen mehrere Motive eine Rolle bei der Entlehnung, und einzelne Lehnursachen lassen sich nur selten isolieren. Marion Cypionka bringt zusätzlich den Faktor Zufall ins Gespräch.[21] Höfler geht sogar so weit, dass er „alle Versuche, die jeweiligen Ursachen einer Entlehnung aufzudecken, als letztlich zum Scheitern verurteilt betrachtet“[22]. Im Sinne Christiane Beinke ist es „[…] selbstverständlich, dass es nicht darum gehen kann, alle Aspekte erschöpfend zu behandeln und so einem interdisziplinären Ansatz gerecht zu werden, wie er nötig wäre, um die Bedingungen, unter denen sich Sprachen gegenseitig beeinflussen, und die Bahnen, in denen dieser Einfluss abläuft, genau zu bestimmen.“[23] Eine Vermutung des Autors ist, dass die gesellschaftliche und politische Situation entscheidend dafür ist, welche Sprachen expandieren. Innerhalb dieser, von außersprachlichen Faktoren bestimmten Vorgabe, greifen dann die sprachwissenschaftlichen Motive der Entlehnung.

Die sprachwissenschaftlichen Motive für Entlehnungen werden eingeteilt in Bedürfnislehnwörter (emprunts de nécessité) und Luxuslehnwörter (emprunts de luxe). Diese Einteilung verdeutlicht zwei extreme Positionen. Bei Ersteren werden Lexien zusammen mit neuen kulturellen Phänomenen übernommen und damit Bezeichnungslücken geschlossen. Bei letzteren spielen eher affektive Gründe eine Rolle beim Import von Sprachmaterial. Ein Bedürfnislehnwort wird auch Wort-Sach-Entlehnung genannt. Dieses schließt eine Bezeichnungslücke in der Empfängersprache. Dies ist am wahrscheinlichsten, wenn diese sachliche Innovation aus dem Kulturkreis stammt, aus dessen auch die Bezeichnung übernommen wird. Es herrscht ein kontinuierlicher Bedarf an neuen sprachlichen Einheiten zur Bezeichnung neuer außersprachlicher Referenten. Die Luxuslehnwörter werden auch als Entlehnungen affektiver Art bezeichnet. Hier findet trotz vorhandener Synonyme in der Muttersprache Entlehnung statt. Diese können noch weiter unterteilt werden. Zum Beispiel in sprachlicher Spieltrieb, Reiz der exogenen Lexie oder den sozialen Wert einer Sprache[24]. Diese Klassifikationsversuche sind jedoch wenig wertvoll für eine wissenschaftliche Untersuchung, da sie empirisch nicht nachweisbar sind. So bleibt die Klassifikation von Ursachen für Wortentlehnungen eher eine wissenschaftliche Randerscheinung und sieht sich auch starker Kritik ausgesetzt. Sogar die grobe Zweiteilung in Bedürfnislehnwörter und Luxuslehnwörter ist in der Praxis schwer nachzuweisen, verdeutlicht aber dennoch zwei Endpunkte einer Skala.

3.2 Gliederung nach Werner Betz

Als Überbegriff zum Lehnwort kann der Neologismus, ein neu eingeführter sprachlicher Ausdruck, gesehen werden. Der Neologismus umfasst aber noch zwei weitere Möglichkeiten der Erneuerung einer Sprache. Neologismen sind zu einem gewissen Grade lexikalisiert und bekannt, doch werden sie vom Sprecher als neu empfunden. Man kann drei (auch kombinierbare) Formen der Neuprägung unterscheiden. Erstens, die Wortbildung auf der Basis des vorhandenen lexikalischen Materials. Zweitens, die Entlehnung aus einer fremden Sprache und drittens, die metaphorische Bedeutungsübertragung.[25] Die Entlehnung ist folglich nur eine von drei Möglichkeiten neues Sprachmaterial in eine Sprache zu bringen. Bei Bußmann wird Entlehnung wie folgt definiert:

„Vorgang und Ergebnis der Übernahme eines sprachlichen Ausdrucks bzw. einer sprachlichen Struktur aus einer Fremdsprache in die Muttersprache, meist in solchen Fällen, in denen es in der eigenen Sprache keine Bezeichnung für neu entstandene Sachen bzw. Sachverhalte gibt.“[26]

Die drei wichtigen Vertreter der Lehngutforschung sind Werner Betz, Einar Haugen und Uriel Weinrich. Die Klassifikationen dieser drei Autoren "bilden auch heute noch die Grundlage zahlreicher empirischer Untersuchungen zum Sprachkontakt"[27]. Vor der Vorstellung der drei Autoren sei erwähnt, dass es für die vorliegende Untersuchung keinen Unterschied macht, welche Klassifikation verwendet wird. Der betreffende Bereich ist bei allen Autoren identisch. Begonnen wird mit dem System von Werner Betz:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gliederung des Lehnguts nach Betz. aus: Jansen. 2005. S.7

Die endgültige Terminologie von Betz liegt im Jahre 1974 vor. Betz unterscheidet grundsätzlich zwischen Lehnwort (auch äußeres Lehngut) und Lehnprägung (auch inneres Lehngut). Das Kriterium ist hierbei die ursprüngliche Herkunft des Wortmaterials. Wird ein Wort zusammen mit seiner Lautgestalt übernommen, so ist es ein Lehnwort. Wird es mit eigenen Sprachmaterial nachgebildet ist es eine Lehnprägung. Der Einfluss beschränkt sich hier auf die Inhaltsseite oder auf die formale Bildungsweise sprachlicher Zeichen. Bußmanns Lehnwort im weiteren Sinn ist identisch mit Betz' Lehnwort:

Lehnwort: „Lehnwort im weiteren Sinn: Oberbegriff für Fremdwort. Bei dieser Verwendung wird zwischen lexikalischen und semantischen Entlehnungen (Lehnprägung) unterschieden: Bei lexikalischen Entlehnungen wird das Wort und seine Bedeutung in die eigene Sprache übernommen und als Fremdwort (nicht assimiliertes Lehnwort) oder als assimiliertes Lehnwort im engeren Sinn verwendet.“[28]

Auch im Falle der Lehnprägung stimmen beide Autoren überein:

Lehnprägung: „Oberbegriff für alle Formen von semantischer Entlehnung: Vorgang und Ergebnis der Nachbildung eines fremdsprachlichen Inhalts mit den Mitteln der Muttersprache.“[29]

Untergruppen von Lehnwort

Nach dem Grad der lautlichen Anpassung wird das Lehnwort bei Betz unterteilt in Fremdwort und assimiliertes Lehnwort. So wird das ursprüngliche Fremdwort bei Anpassung an die Empfängersprache allmählich zum assimilierten Lehnwort. Zum Fremdwort liest man bei Bußmann:

Fremdwort: „Ausdruck der aus einer fremden Sprache übernommen wurde. Im Unterschied zum Lehnwort ist das typische Fremdwort nach Lautung, Schreibung und Flexion (noch) nicht in das Sprachsystem integriert, doch ist die Grenze zwischen den beiden Entlehnungsstufen fließend und auf Grund unterschiedlicher Normen bei der Entlehnung nur einzelsprachlich zu bestimmen.“[30]

Das assimilierte Lehnwort entspricht nun Bußmanns Lehnwort im engeren Sinne:

"Lehnwort im engeren Sinn: Im Unterschied zum Fremdwort solche Entlehnungen einer Sprache A aus einer Sprache B, die sich in Lautung, Schriftbild und Flexion vollständig an die Sprache A angeglichen haben."[31]

Hierzu sollte erwähnt werden, dass die Benennung durch Betz doch etwas ungeschickt wirkt. Einerseits ist Fremdwort eine Unterkategorie von Lehnwort, dann wird es vom assimilierten Lehnwort abgegrenzt. Auch dass assimiliertes Lehnwort und Fremdwort an den beiden Enden einer Skala liegen, ist aus den Bezeichnungen schwer herauszulesen. Bei Haugen führt diese Skala vom unassimilierten zum assimilierten Fremdwort, eine stimmigere Benennung als bei Betz. Der Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist also nach Haugen die Skala zwischen unassimilierten und assimilierten Fremdwort.

Untergruppen von Lehnprägung

Die Lehnprägung wird nun aufgeteilt in Lehnbedeutung und Lehnbildung. Bei der Lehnbedeutung wird lediglich ein bestehendes Wort, in seiner Bedeutung modifiziert bzw. erweitert. Ein Beispiel wäre hierfür ist das französische ' réaliser', welches durch den Kontakt mit dem Englischen ' to realize' eine neue Bedeutung erfahren hat. Bei der Lehnbildung wird die Bildung neuer Wortschatzeinheiten mit eigensprachlichem Material angeregt, am Vorbild von fremdem Wortmaterial.[32]

Untergruppen von Lehnbildung

Die Lehnbildungen lassen sich weiter unterteilen in Lehnschöpfungen und Lehnformung. Erstere ist eine formal relativ unabhängige Nachbildung in der eigenen Sprache, zum Zweck der Substitution eines Lehnwortes. Letzteres meint die Bildung in formaler Anlehnung an das Vorbild.[33]

Gliederung von Lehnformung

Je nachdem wie treu eine Vorlage reproduziert wird, unterscheidet Betz hier zwischen der Lehnübersetzung, einer genauen Glied-für-Glied-Übersetzung eines fremdsprachlichen Ausdrucks, und der Lehnübertragung, der freien Teilübersetzung des Ausgangswortes, das durch eine angenäherte Übersetzung wiedergegeben wird.[34]

3.3 Gliederung nach Einar Haugen und Uriel Weinreich

Trotz ihrer unterschiedlichen Voraussetzungen sind die Ansätze von Haugen und Weinreich in weiten Teilen deckungsgleich. Unterschiede betreffen oft nur die Terminologie oder weitere Feindifferenzierungen.[35] Die deutsche Romanistik orientiert sich vorwiegend an Betz, während die frankophone Romanistik oft ohne besondere Systematik arbeitet. Empirische Untersuchungen lassen sich meist auf keine Diskussion ein und stützen sich auf eines der traditionellen Modelle. Dabei eignen sich bestimmte Klassifikationen besser für verschiedene Forschungsinteressen. Soll etwa der Entlehnungsvorgang betrachtet, oder nur ein momentaner fremdsprachlicher Einfluss auf den Wortschatz einer Sprache bestimmt werden?[36]

Haugen hat zwei unterschiedliche Gliederungssysteme verfasst. Das erste wurde 1950 entwickelt. Doch unter dem Einfluss von Betz wandelt Haugen seine Terminologie ab und nähert sich in der Fassung von 1956 stark an Betz an. Diese Fassung von 1956 ist nahezu deckungsgleich mit Betz' Modell. Für nahezu alle Erscheinungen gibt es Äquivalente bei Haugen. Uriel Weinreich betrachtet Sprachkontakt vor allem aus der Perspektive des bilingualen Sprechers. Weinreich steht mit seinem Modell etwas abseits von Betz und Haugen. Dabei richtet er seine Aufmerksamkeit ganz auf die "Keimzelle jeglicher zwischensprachlichen Beeinflussung"[37]. Auf den Augenblick der sprachlichen Realisation einer Idee beim zweisprachigen Sprecher. Die sogenannte Interferenzerscheinung in der parole tritt dann auf, wenn sich der bilinguale Sprecher spontan dafür entscheidet, eine Idee der langue mit einem ihm geläufigen Fremdwort in der parole zu realisieren. Auch bei Weinreich können Parallelen zu Betz und Haugen gefunden werden. Der Fokus seiner Forschung liegt aber auf kognitiven und psychischen Aspekten.[38] Was bei Weinreich als sprachliche Interferenz bezeichnet wird, setzt Jansen gleich mit dem neueren und geläufigeren Phänomen des Code-Switching.

3.4 Kritik an den drei Vertretern und Diskussion

Jansen schildert auffällige Probleme der bisherigen Ansätze. Betz wird vorgeworfen nicht konsequent vorzugehen. Tatsächlich verwendet er auf jeder Ebene des Modells verschiedene Analysekriterien. Während er bei der grundsätzlichen Differenzierung zwischen innerem und äußerem Lehngut nach etymologischer Herkunft des Wortmaterials unterscheidet, werden bei der Klassifikation des inneren Lehnguts Vor- und Nachbild auf formaler Ebene verglichen. In die Unterscheidung zwischen Lehn - und Fremdwort fließen außerdem diachrone Aspekte ein. Haugens Terminologie hat vor allem in ihrer früheren Fassung, die in dieser Arbeit nicht besprochen wird, Wiederhall gefunden. Die neue Version wurde, wegen der Nähe zu Betz, kaum beachtet. Kritik wäre hier natürlich an den gleichen Stellen zu üben wie bei Betz. Weinreichs sprecherbezogener Ansatz gründet auf psychische, der Beobachtung nicht zugängliche Vorgänge. Als einzige Möglichkeit bleibt daher auch Weinreich nur der Versuch, durch Vergleiche zwischen Vor- und Nachbild den Entlehnungsvorgang zu rekonstruieren. Der Grundgedanke, lexikalischen Sprachkontakt in actu zu beschreiben, ist gut, jedoch mit den heutigen technischen Möglichkeiten, unmöglich.

Der Vorwurf heterogener Unterscheidungskriterien wird allen drei Autoren gemacht. Je mehr Untergruppen gebildet werden, desto uneinheitlicher sind die verwendeten Kriterien. Eine innere Heterogenität der Modelle ist deutlich zu erkennen. Dadurch werden eigentlich unterschiedliche Betrachtungsebenen auf eine nicht gerechtfertigte Art und Weise vermengt. Jansen zufolge wird, in den bisherigen Publikationen, versucht diesen Schwierigkeiten entgegenzuwirken, indem immer feinere Differenzierungen vorgenommen werden. So gelangt Fischer durch Ausbau Betz' Modell auf 17 Kategorien. Durch immer wieder neue Kriterien, so Jansen, sei die Anzahl der Kategorien theoretisch beliebig erweiterbar. Dies mache die Anwendung in der Praxis unmöglich. Die Ansätze hätten sich auf einer deskriptiven Ebene festgefahren und ermöglichten keine wirkliche Analyse des Entlehnungsvorgangs.[39] Sogar Einar Haugen selbst stellte einst "the scientific validity of the whole system"[40] in Frage.

Die Darstellung der grundlegenden Werke von Betz, Haugen und Weinreich zeigt, dass die verschiedenen Autoren mit ähnlichen Kriterien operieren und zu vergleichbaren Klassifikationen kommen. Dabei zeigen die Modelle auch ähnliche Schwächen. Allen Ansätzen ist gemein, dass in irgendeiner Form zwischen der Übernahme fremder Einheiten und dem Ersatz bzw. der Nachbildung fremder Morpheme und Morphemkombinationen unterschieden wird. Da in der vorliegenden Arbeit das äußere Lehngut untersucht wird, macht es keinen Unterschied welches Modell als Grundlage dient. Auch ein von Jansen komplett neu entwickeltes Modell stimmt beim Punkt "äußeres Lehngut" mit den drei Vertretern überein. Es werden Wörter untersucht, welche vom Leser eindeutig als Anglizismen erkannt werden. Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem Lehnwort (loanword), bzw. auf dem Spektrum zwischen Fremdwort (unassimilated loanword) und assimiliertem Lehnwort (assimilated loanword). Zum Abschluss soll auch eine Definition von Anglizismus nicht fehlen:

„Aus dem Englischen in eine nicht-englische Sprache übernommener Ausdruck (a) als lexikalische Einheit, (b) in idiomatischer Verwendung, (c) als syntaktische Konstruktion.“[41]

4 Statistische Linguistik

Nachdem Kapitel 2 und 3 den disziplinären Rahmen gesteckt haben um diese Arbeit innerhalb der Sprachwissenschaft einzugrenzen, sollen Kapitel 4 und 5 das methodische Vorgehen thematisieren. Die statistische, auch quantitative, Linguistik und die Korpuslinguistik werden auch als eigenständige wissenschaftliche Disziplinen gesehen. Aber dabei steht immer eine gewisse Methodik im Zentrum. Während sich die Sprachkontaktforschung und die Entlehnungsforschung eher durch ihren Untersuchungsgegenstand definieren, stehen Quantitative Linguistik und Korpuslinguistik eng in Verbindung mit ihren Methoden des Erkenntnisgewinns.

Quantitative Linguistik / Sprachstatistik: „Experimentell orientierter Teilbereich der mathematischen Linguistik. Die quantitative Linguistik beschäftigt sich unter Verwendung statistischer Methoden mit der kontrollierten Untersuchung sprachlicher Regularität unter quantitativen Aspekten. Ihre Verfahren dienen u.a. der Herstellung von Häufigkeitswörterbüchern und statistisch-stilistischen Textanalyse.“[42]

Frequenzwörterbuch / Häufigkeitswörterbuch: „Statistische Registrierung der häufigsten Wörter einer Sprache, die aufgrund quantitativer Kriterien als Wörter mit dem höchsten Gebrauchswert ausgewählt werden. Solche lexikographischen Frequenzuntersuchungen basieren auf einer als repräsentativ angesehenen breiten Streuung verschiedener Textsorten.“[43]

Lexikostatistik „Beschreibung des Wortschatzes eines Sprache, der Häufigkeit spezifischer Mittel oder stilistischer Eigentümlichkeiten verschiedener Texte auf Basis quantitativer Methoden. Dies geschieht in zunehmendem Maße mittels elektronischer Datenverarbeitung.“[44]

Die quantitative Linguistik und ihre Erzeugnisse zeichnen sich also durch eine streng empirische Vorgehensweise aus. Ergebnisse werden nicht durch Grammatik oder durch den Verweis auf wissenschaftliche Theorien begründet, sondern sind empirisch fundiert und belegbar. Für die Aussagekraft ist nur die Größe des Korpus entscheidend.

5 Korpuslinguistik

Eine effiziente Methode zur Durchführung von statistischer Linguistik ist die Korpuslinguistik. Allerdings ist eine Vorstellung der Korpuslinguistik kein einfaches Unterfangen, da auch hier Unstimmigkeit herrscht. Ein Streitpunkt ist hierbei, ob die Korpuslinguistik nun eine Methode oder eine eigene wissenschaftliche Disziplin sei. Bei Lemnitzer finden sich folgende einführende Worte:

Korpuslinguistik: „Als Korpuslinguistik bezeichnet man die Beschreibung von Äußerungen natürlicher Sprachen, ihrer Elemente und Strukturen, und die darauf aufbauende Theoriebildung auf der Grundlage von Analysen authentischer Texte, die in Korpora zusammengefasst sind. […] Korpusbasierende Sprachbeschreibung kann verschiedenen Zwecken dienen, zum Beispiel dem Sprachunterricht, der Sprachdokumentation, der Lexikographie oder der maschinellen Sprachverarbeitung.“[45]

[...]


[1] Jeux Vidéo. 2010. S.28

[2] Schneider. 2010. <http://fr.wikipedia.org/wiki/Franglais>

[3] Schneider. 2010. <http://fr.wikipedia.org/wiki/Franglais>

[4] Beinke. 1990 . S.72-74

[5] Endruschat. 2006. S.395

[6] Beinke. 1990 . S.72-74

[7] Beinke. 1990. S.74

[8] Stroh. 1993. S.12

[9] Stroh. 1993. S.13

[10] Stroh. 1993. S.12-15

[11] Bußmann. 2008. S.652

[12] Bußmann. 2008. S.367

[13] Bußmann. 2008. S.106

[14] Riehl. 2009. S.19-29

[15] Bußmann. 2008. S.179

[16] Jansen. 2005. S.63

[17] Beinke.1990. S.49

[18] Jansen. 2005. S.4

[19] Jansen. 2005. S.3-5

[20] Beinke. 1990. S.1-6

[21] Cypionka. 1994. S.74

[22] Cypionka. 1994. S.75

[23] Beinke. 1990. S.6

[24] Cypionka. 1994. S.74-79

[25] Bußmann. 2008. S.470

[26] Bußmann. 2008. S.164

[27] Jansen. 2005. S.3

[28] Bußmann. 2008. S.396

[29] Bußmann. 2008. S.396

[30] Bußmann. 2008. S.204

[31] Bußmann. 2008. S.396

[32] Bußmann. 2008. S.395

[33] Bußmann. 2008. S.396

[34] Jansen.2005. S.5-7

[35] Jansen.2005. S.22-23

[36] Jansen. 2005. S.4

[37] Jansen. 2005. S.15

[38] Jansen. 2005. S.9-19

[39] Jansen. 2005. S.63-66

[40] Jansen. 2005. S.66

[41] Bußmann. 2008. S.43

[42] Bußmann. 2008. S.565

[43] Bußmann. 2008. S.253

[44] Bußmann. 2008. S.407

[45] Lemnitzer. 2006. S. 9

Details

Seiten
98
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656459880
ISBN (Buch)
9783656460305
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230191
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Romanistik-Institut
Note
1,0
Schlagworte
medialer sprachkontakt eine korpusanalyse anglizismen sport- technikzeitschriften

Autor

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Titel: Medialer Sprachkontakt