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Die Universität als Expertenorganisation

Seminararbeit 2012 20 Seiten

BWL - Informationswissenschaften, Informationsmanagement

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Zum Begriff der Expertenorganisation
2.2 Interessens- und Arbeitsorganisation
2.3 Die Universität als korporativer Akteur
2.4 Das New Public Management

3 Untersuchungsrahmen
3.1 Mentales Modell
3.2 Methodik

4 Untersuchung
4.1 Herausforderungen der Steuerung einer Universität
4.1.1 Steuerungsprobleme aufgrund loser Kopplung innerhalb der Universität
4.1.2 Bestimmung interessens- und arbeitsorientierter Universitäts-Bereiche
4.1.3 Das New Public Management – Von der traditionellen Expertenorganisation zur ,, gemanageden Universität’’
4.1.4 Organisationsentwicklung durch Personalentwicklung
4.1.5 Qualitätssicherung als Steuerungsinstrument
4.2 Die Universität als Unternehmen?

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Universität ist eine der ältesten Institutionen der Menschheit und hat unser gegenwärtiges Zeitalter durch die Wissenschaft intensiv mitgestaltet.

In diesem Themengebiet wurde dementsprechend viel geforscht und die Literatur gibt so viele Antworten auf philosophische, soziologische, strukturelle, geografische usw. Fragen.

Seit den 1990er Jahren ist jedoch ein Prozess in Gang gesetzt worden, der versucht, die traditionelle Universität als Expertenorganisation zu einem korporativen Akteur umzuwandeln. Dieses neue Feld ist noch nicht umfassend erforscht worden, insbesondere, weil dieser Wandel ,,work in process’’ ist und somit voraussichtlich noch lange nicht beendet ist. Bereits erlangte Erkenntnisse werden demnach entweder bestätigt, weiterentwickelt oder wieder verworfen, da die Entwicklung sich doch in eine andere Richtung bewegt.

Viele Fragen, speziell im Bereich des Managements und der Organisations- und Personalentwicklung, konnten noch nicht beantwortet werden. Aus diesem Grund kann die vorliegende Arbeit einerseits manche Beobachtungen nur anschneiden und lässt andererseits einige Aspekte unbeantwortet.

Durch die hohe Relevanz der Universität für die Gesellschaft als solches, aber auch für die Wirtschaft, ist dieses Thema von großer Bedeutung für den ,,Praktiker’’. Die Richtung, in die sich die Universität entwickelt, wird auch Konsequenzen für die Gesellschaft haben, von daher ist diese Veränderung äußerst spannend mit zu verfolgen.

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Ziel dieser Seminararbeit ist die Definition der Universität als Expertenorganisation, sowie Fragen über die Herausforderung der Steuerung und ein Ausblick, ob sich die Universität zu einem vollkommenen korporativen Akteur entwickeln kann.

Zunächst soll deutlich gemacht werden, was man unter einer Universität als Expertenorganisation versteht, denn diese Form der Organisation unterscheidet sich wesentlich von anderen Organisationen. Unter anderem soll geklärt werden, welche organisationalen Unterschiede es innerhalb der Universität gibt und wie der universitäre Veränderungsprozess zustande gekommen ist. Anschließend werden die Probleme erörtert, die bei der Steuerung einer Universität auftreten, denn aufgrund der Universitätscharakteristika gibt es Besonderheiten bei der Führung einer Expertenorganisation. Eine genauere Betrachtung auf das Personal soll diese Steuerungsherausforderungen verdeutlichen. Abschließend soll erklärt werden, inwieweit die Transformation der Universität zu einer Unternehmung geschehen kann.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Zum Begriff der Expertenorganisation

Im Rahmen dieses Kapitels soll zunächst der Begriff der Expertenorganisation näher ausgeführt werden. Es scheint vorerst relativ unproblematisch die Universität[1] als Organisation zu verstehen, jedoch kann man die Universität nicht mit anderen Organisationen vergleichen. Sie ist eine der ältesten Institutionen der Menschheit und historisch gesehen unterscheidet sie sich strukturell und prozessual von Organisationen im eigentlichen Sinne – Unternehmen etc..

Henry Mintzberg hat in seiner Publikation ,,The Professional Bureaucracy’’[2] die Bezeichnung Expertenorganisation ausführlich erläutert, welche im Folgenden zusammengefasst dargestellt wird.

Er statuiert, dass administrative Organisationen nicht notwendigerweise zentral gesteuert sein müssen. So auch der Fall bei Universitäten, denn diese zeichnen sich gerade durch ihre Dezentralisierung aus[3]. Weiterhin führt Mintzberg an, dass die Ergebnisse der operativen Aktivitäten der Mitarbeiter im betrieblichen Kern zwar standardisiert sind, die Arbeit selbst jedoch sehr komplex ist, was dazu führt, dass die kontrollierende und steuernde Rolle direkt bei den Experten (vor allem Professoren, aber auch Doktoranden, wissenschaftliche Mitarbeiter etc.) liegt. Die Standardisierung der Lehre bzw. der Ausbildung ist der einzige Bereich, in dem Standardisierung und Dezentralisierung gleichzeitig zusammentreffen. Somit hängt die Universität sehr stark von den Fähigkeiten und dem Wissen ihrer Experten ab[4].

Bei der Betrachtung des strukturellen Aufbaus der Universität als Expertenorganisation veranschaulicht Mintzberg den auf dem betrieblichen Kern liegenden Schwerpunkt, welcher die zwei Bereiche Forschung und Lehre beinhaltet. Die Technostruktur – der Funktionsbereich, in dem Arbeitsabläufe des betrieblichen Kerns koordiniert und kontrolliert werden – ist, im Vergleich zu anderen Organisationen, nur schwach entwickelt. So auch die Mittellinie, da die Planung und Formalisierung der Arbeit der Experten, durch den hohen Grad an Fachkompetenz und Autonomie, limitiert ist. Hingegen ist der Hilfsstab, mit seiner für die Experten (also dem betrieblichen Kern) unterstützenden Funktion stärker ausgebaut[5]. Die folgende Abbildung 2 soll diese Struktur darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Struktur der Expertenorganisation Universität[6]

Die Universität weist durch die geringe Macht der Mittellinie und Technostruktur eine große Autonomie der Experten auf. Dadurch sind diese innerhalb des betrieblichen Kerns untereinander nur lose gekoppelt. Diese losen Kopplungen ermöglichen den Teilsystemen (Fakultäten, Lehrstühle etc.) innerhalb des Gesamtsystems (der Universität) das Beibehalten und parallele Bestehen unterschiedlicher Wertesysteme[7].

Durch diese besondere Struktur der Universität ergeben sich jedoch auch Probleme. Die starke Konzentration der Experten auf ihr eigenes Fachgebiet führt innerhalb des betrieblichen Kerns zu einer eingeschränkten Sichtweise, sodass der Blick für die Anforderungen der eigenen Organisation fehlt. Zwar werden durch Forschung große Erkenntnisse erzielt, die Weiterentwicklung der Expertenorganisation bleibt jedoch benachteiligt.

Um diesem Problem entgegenzuwirken fordert vor allem der administrative Bereich mehr Kontrolle und Standardisierung der Expertenarbeit. Doch laut Mintzberg hat sich die Kontrolle der Expertenarbeit nach dem top-down-Prinzip, also von oben nach unten, als unbrauchbar erwiesen und führt eher zu Behinderung und Frustration der Arbeit der Experten[8].

Trotzdem sollte die Funktion der universitären Verwaltung nicht unterschätzt werden. Die Entscheidungsmacht der Verwaltung ist zwar deutlich geringer als die der Unternehmen, allerdings dienen die administrativen Aufgaben zur Autonomie-Sicherung und Unterstützung der Experten[9], sodass für die Expertenorganisation unverzichtbare Rahmenbedingungen geschaffen werden.

2.2 Interessens- und Arbeitsorganisation

Bei der Betrachtung der Universität ist die Unterscheidung zwischen zwei Organisationsformen sinnvoll – der Interessens- und der Arbeitsorganisation. Zechlin stellt in seinem Essay ,,Zwischen Interessensorganisation und Arbeitsorganisation? Wissenschaftsfreiheit, Hierarchie und Partizipation in der ,unternehmerischen Hochschule’ ’’[10] die These auf, dass sich Universitäten im Laufe der letzten Jahre zunehmend von einer eher interessensorientierten Organisation, ,,immer mehr in Richtung Arbeitsorganisation bewegen’’[11]. Die Unterschiede dieser Organisationstypen wurden von Müller-Jentsch[12] herausgearbeitet und sollen nun kurz wieder gegeben werden.

Interessensorganisationen haben dann Bestand, wenn sich Individuen freiwillig zusammenschließen, mit dem Wissen, dass sie ihre, überwiegend ,,eigennützigen’’ Interessen gemeinsam besser verfolgen können. Es werden also Synergien geschaffen und genutzt. Da diese Experten ihre Interessen am besten artikulieren können, wird ihre Entscheidungsbildung buttom-up bestimmt. Diese Struktur ist sehr prägnant in der Expertenorganisation.

Auch die Arbeitsorganisation ist in der Universität wiederzufinden. Hier erbringen die Organisationsmitglieder Leistungen für externe Interessensträger. Sie hat also einen eher ,,fremdnützigen’’ Charakter. Die Grundprinzipien dieser Typologie liegen in der organisierten Arbeitsteilung und den Rentabilitätsinteressen der Eigentümer der Organisation. Die ,,Mitgliedschaft’’ erfolgt dabei durch einen Arbeitsvertrag und der damit verbunden Dispositionsbefugnis des Eigentümers bzw. des Arbeitgebers, wodurch die Arbeitsorganisation ein hierarchisches Konstrukt ist und somit ,,top-down’’ geleitet wird.

[...]


[1] Anmerkung: In dieser Arbeit wird der Fokus auf Universitäten, nicht Hochschulen im Allgemeinen gesetzt, da sich Universitäten durch die hohe Relevanz der Forschung von anderen Hochschulen differenzieren!

[2] vgl. Mintzberg, Henry: The Professional Bureaucracy, in: Structure in Fives: Designing Effective Organizations, Prentice Hall, Englewood Cliff 1983, 189-213

[3] vgl. Mintzberg, Henry: The Professional Bureaucracy, in: Structure in Fives: Designing Effective Organizations, Prentice Hall, Englewood Cliff 1983, 189

[4] vgl. Mintzberg, Henry: The Professional Bureaucracy, in: Structure in Fives: Designing Effective Organizations, Prentice Hall, Englewood Cliff 1983, 189

[5] vgl. Mintzberg, Henry: The Professional Bureaucracy, in: Structure in Fives: Designing Effective Organizations, Prentice Hall, Englewood Cliff 1983, 194

[6] vgl. Mintzberg, Henry: The Professional Bureaucracy, in: Structure in Fives: Designing Effective Organizations, Prentice Hall, Englewood Cliff 1983, 194

[7] vgl. Laske, Stephan/Meister-Scheytt, Claudia/Küpers, Wendelin, Organisation und Führung, Waxmann Verlag, Münster 2006, 108

[8] vgl. Mintzberg, Henry, Die Mintzberg-Struktur. Organisationen effektiver gestalten, Verlag Moderne Industrie, Landsberg-Lech 1992, 282

[9] vgl. Mintzberg, Henry: The Professional Bureaucracy, in: Structure in Fives: Designing Effective Organizations, Prentice Hall, Englewood Cliff 1983, 199

[10] vgl. Zechlin, Lothar, Zwischen Interessensorganisation und Arbeitsorganisation? Wissenschaftsfreiheit, Hierarchie und Partizipation in der ,unternehmerischen Hochschule’, in: Wilkesmann, Uwe; Schmid, Christian J., Hochschule als Organisation, VS Verlag, Wiesbaden 2012, 42

[11] Zechlin, Lothar, Zwischen Interessensorganisation und Arbeitsorganisation? Wissenschaftsfreiheit, Hierarchie und Partizipation in der ,unternehmerischen Hochschule’, in: Wilkesmann, Uwe; Schmid, Christian J., Hochschule als Organisation, VS Verlag, Wiesbaden 2012, 42

[12] vgl. Müller-Jentsch, Walther, Organisationssoziologie, Campus Verlag, Frankfurt a.M. 2003, 39-71, 140-175

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656461579
ISBN (Buch)
9783656461807
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230141
Note
Schlagworte
universität expertenorganisation

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