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Wie aus Magiern aus dem Morgenland drei heilige Könige wurden

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 21 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführender Vergleich: Bibeltext versus Legende
2.1 Bibeltext „Die Magier aus dem Morgenland“
2.2 Legende „Die Heiligen Drei Könige“

3. Die Quellen
3.1 Die Bibel als Textquelle
3.2 Quellen der Legendenbildung
3.2.1 Apokryphen
3.2.1.1 Protoevangelium des Jakobus
3.2.1.2 Pseudo-Matthäusevangelium
3.2.2 Historia Trium Regum
3.2.3 Legenda Aurea

4. Erklärung der Vergleichsunterschiede zwischen Bibeltext und Legende
4.1 Der Titel „heilige Könige“
4.1.1 Die Anzahl
4.1.2 Die Namen
4.1.3 Die Herkunft
4.1.4 Das Alter und Aussehen
4.1.5 Der Zeitpunkt des Besuches

5. Historische und politische Gründe für die Legendenbildung

6. Zusammenfassung

7. Bibliographie

1. Einleitung

Die Heiligen Drei Könige – eine Legende, deren Ursprünge vor über 2000 Jahren begannen. Doch „dass die Heiligen Drei Könige auch in unserer Zeit nach wie vor interessant und attraktiv sind, hat das 750-jährige Jubiläum des gotischen Doms zu Köln 1998 bewiesen. Wer die Scharen von Menschen gesehen hat, die sich – auch nach längerer Wartezeit – am Dreikönigenschrein vorbeischoben, hat etwas von der Faszination miterlebt, die diese Drei immer noch bewirken.“[1] Die Legende von den drei Königen, oder Magiern aus dem Morgenland, wie es in der biblischen Überlieferung heißt, die aus dem Heidentum stammten und Anbeter Jesu Christi wurden, gehört mittlerweile zum Grundwissen der Christenheit. Doch wie genau waren die Anfänge der Legende? Warum begeistert sie die Menschen heute noch genauso wie vor vielen hundert Jahren? Und als Hauptfrage: Inwiefern unterscheidet sie die Legende von der historischen Überlieferung des biblischen Berichts? Diesen Fragen möchte die vorliegende Hausarbeit auf den Grund gehen. Viele Untersuchungen und Ergebnisse sind zu diesem Thema schon präsentiert worden, deshalb hat diese Hausarbeit nicht den Anspruch, etwas vollkommen Neues zu entdecken. Sie fokussiert daher eher Grundmuster der Legendenbildung und -entwicklung, und versucht herauszuarbeiten, inwiefern die Legende für politische Zwecke eingesetzt wurde. So wird zunächst ein kurzer Vergleich gezogen werden, der die Unterschiede herausstellen soll, die zwischen Bibeltext und Legende zu finden sind. Dann folgt eine Vorstellung der Quellen, die bei dieser Untersuchung benutzt wurden. Diese Quellen bestehen aus der Bibel, einigen Apokryphen, der Historia Trium Regum und der Legenda Aurea. Sind die Quellen bekannt gemacht worden, kann eine Erklärung folgen, wie die Unterschiede entstanden sind, die unter Punkt 2 zum Ausdruck kamen. An diese Erklärung schließt sich eine Recherche an, wie es zu der Legendenbildung und zu der Behauptung kam, dass die Gebeine der heiligen drei Könige nun im Kölner Dom liegen. Es wird gezeigt werden, wie die Legende zwecks politischer Absichten von verschiedenen Personen über die Jahrhunderte genutzt wurde. Zuletzt gibt eine Zusammenfassung nochmal einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse der Fragestellungen in dieser Hausarbeit.

2. Einführender Vergleich: Bibeltext versus Legende

Wenn man als Kind das erste Mal mit der Geschichte der Geburt Jesu in Form eines Krippenspieles oder Gemäldes in Berührung kommt, scheint es oft so, als ob die Hirten und die Magier aus dem Morgenland zeitgleich zur Krippe des Jesukindes gekommen wären. Liest man jedoch den Bibeltext im Vergleich zu den Quellen der Legende um die Heiligen Drei Könige, findet man das nicht bestätigt. Doch was genau wird berichtet und wo liegen die Unterschiede zwischen Bibeltext und Legende? Im Folgenden wird eine Wiedergabe der Textquellen diesen Fragen auf die Spur gehen.

2.1 Bibeltext „Die Magier aus dem Morgenland“

Das erste Indiz, dass dem Anschein entgegen spricht, die Hirten und die Magier seien zeitgleich zu Besuch beim Jesuskind gewesen, ist die Tatsache, dass der Bericht über die zwei Besuchergruppen auf zwei verschiedene Evangelien aufgeteilt ist. Findet man den Besuch der Hirten nur im Lukasevangelium, ist von dem Besuch der Magier dagegen ausschließlich im Matthäusevangelium zu lesen. Im ersten Buch des Neuen Testamentes findet man also folgenden Wortlaut über die Magier aus dem Morgenland:

1 Als aber Jesus in Bethlehem in Judäa geboren war, in den Tagen des Königs Herodes, siehe, da kamen Magier vom Morgenland nach Jerusalem 2 und sprachen: Wo ist der König der Juden, der geboren worden ist? Denn wir haben seinen Stern im Morgenland gesehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. 3 Als aber der König Herodes es hörte, wurde er bestürzt und ganz Jerusalem mit ihm; 4 und er versammelte alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erkundigte sich bei ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. 5 Sie aber sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht durch den Propheten geschrieben: 6 „Und du, Bethlehem, Land Juda, bist keineswegs die Geringste unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird ein Führer hervorkommen, der mein Volk Israel weiden wird.“7 Dann rief Herodes die Magier heimlich zu sich und erfragte von ihnen genau die Zeit der Erscheinung des Sternes; 8 und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht genau nach dem Kind; wenn ihr es aber gefunden habt, so berichtet es mir, damit auch ich komme und ihm huldige. 9 Sie aber zogen hin, als sie den König gehört hatten. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und oben über dem Ort stehen blieb, wo das Kind war. 10 Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit sehr großer Freude. 11 Und als sie in das Haus gekommen waren, sahen sie das Kind mit Maria, seiner Mutter, und sie fielen nieder und huldigten ihm; und sie taten ihre Schätze auf und brachten ihm Gaben dar: Gold und Weihrauch und Myrrhe. 12 Und als sie im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg hin in ihr Land.[2]

2.2 Legende „Die Heiligen Drei Könige“

Die Legende der Heiligen Drei Könige hat sich über die Jahrhunderte konstant verändert bzw. erweitert. Schon früh berichtete man von den Weisen/Magiern, die aus dem Morgenland nach Bethlehem kamen, um dem Jesu-Kind zu huldigen. Aus Weisen/Magiern wurden dann Könige und immer mehr Details schmückten die Geschichte der ersten Heidenchristen, bis sie letztendlich so berichtet wurde, wie das heute getan wird, wenn man z.B. zu Weihnachten oder dem Dreikönigstag von den Heiligen Drei Königen erzählt. Demnach hört sich die Geschichte der drei Könige, die aus verschiedenen Teilen der Welt stammten, in etwa so an: König Melchior aus Afrika, König Kaspar aus Asien und König Balthasar aus Europa sahen jeweils unabhängig von einander einen Stern, der die Geburt des verheißenen Messias ankündigte, und sie machten sich auf den Weg nach Bethlehem. Unterwegs trafen sie aufeinander, erkannten übereinstimmend ihr Ziel, dem Jesus-Kind zu huldigen, und zogen gemeinsam bis nach Jerusalem. Dort befragten sie die Leute und schließlich auch König Herodes, wo der verheißene Messias, der neue König des Volkes Israel, geboren worden sei, doch niemand konnte ihnen weiterhelfen. Schließlich führte sie der Stern, der ihnen bereits zuvor den Weg gewiesen hatte, zu einem einsamen Stall in Bethlehem, wo das Jesu-Kind in Windeln gewickelt in einer Krippe lag, da in einer Herberge kein Platz für Maria, Joseph und das Baby war. Die drei Könige verbeugten sich, huldigten dem Gotteskind und brachten ihre Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – dar. In der folgenden Nacht erschien den drei Königen ein Engel im Traum, der sie davor warnte, zu Herodes zurückzukehren und ihm zu verraten, wo der Geburtsort des neuen Königs sei. So kehrten sie über Umwege in ihre Länder zurück, ließen sich taufen und wurden dadurch zu Christen, den ersten Heidenchristen. Durch ihr Zeugnis kamen auch viele andere Heiden zum christlichen Glauben und so wurden die drei Könige im weiteren Verlauf der Historie heilig gesprochen.

3. Die Quellen

3.1 Die Bibel als Textquelle

Viele Christen glauben an die historische Authentizität der Bibel, weil sie davon ausgehen, dass die Autoren der Bibel – und somit auch der Autor des Matthäusevangelium – „unter der Eingebung des Heiligen Geistes standen, der sie beim Abfassen ihrer Beiträge sowohl hinsichtlich des Inhalts als auch der Form leitete“.[3] Wissenschaftlich bewiesen ist dies natürlich nicht. Da die Verfasserin der Hausarbeit jedoch zu diesen Christen gehört, wird der Bibeltext bei den folgenden Untersuchungen als Grundlage behandelt werden, zu der dann jeweils die Vergleiche zur Legende gezogen werden.

Obwohl an keiner Stelle der Name des Verfassers genannt wird, bezeugte die Tradition der Christen von Anfang an, dass der Jünger und spätere Apostel Matthäus ungefähr zwischen 60 und 70 n. Chr. das Evangelium geschrieben hat.[4] Das Evangelium nach Matthäus gehört neben den Evangelien nach Markus, Lukas und Johannes zu den vier kanonischen Evangelien des Neuen Testaments. „Das Wort Evangelium bedeutet 'gute Nachricht'“. Laut Benware besteht die gute Nachricht in „Jesus Christus und [seinem wunderbaren] Erlösungswerk“[5], dass als zentrales Thema in den vier Evangelien behandelt wird.

Die Geschichte der Geburt Jesu, so wie sie im Volksmund unter dem Namen „Weihnachtsgeschichte“ bekannt ist, wird ausschließlich im Lukasevangelium erzählt. Der Bibeltext des Matthäusevangelium lässt die ganzen Umstände um die Geburt außen vor und setzt erst wieder ein, als die Magier aus dem Morgenland anreisen, um das neugeborene Kind, den verheißenen Messias, zu besuchen. Diese Begebenheit wird ihrerseits aber auch wieder nur in diesem Evangelium berichtet, daher wird sich die biblische Grundlage bei den folgenden Untersuchungen auf den Text des Matthäusevangelium beschränken.

3.2 Quellen der Legendenbildung

Bereits kurze Zeit nach Niederschreibung des Matthäusevangeliums kamen erste Quellen auf, die ebenfalls über die Geburt Jesu und ihre Umstände berichteten. Dazu gehörte natürlich auch immer die Geschichte von den Magiern/Weisen bzw. Königen aus dem Morgenland. Die Quellen, die in dieser Hausarbeit untersucht werden sollen, wurden in den ersten 13 Jahrhunderten nach Christi Geburt geschrieben.

3.2.1 Apokryphen

Apokryphen werden jene Bücher genannt, die den 66 üblichen Bibelbüchern hinzugefügt wurden, die aber nicht zum Kanon der Heiligen Schrift gehören. Sowohl im AT wie auch im NT sind sie zu finden. „Der Begriff selbst bedeutet ,verborgen', ,geheim', ,okkult'. Hinsichtlich eines Anspruches, ein Teil der Heiligen Schrift zu sein, müssen sie als ,unecht' bezeichnet werden.“[6] Für die Zwecke dieser Hausarbeit sind ausschließlich zwei der Apokryphen des NT von Bedeutung: das Protoevangelium des Jakobus und das Pseudo-Matthäusevangelium.

3.2.1.1 Protoevangelium des Jakobus

„The Protoevangelium of James (PJ) is one oft he most important and influential of the apocryphal gospels“[7], denn es berichtet in 25 Kapiteln von der Geburt Jesu, so wie es auch im Matthäusevangelium geschildert wird, setzt jedoch viel eher ein und erzählt zuerst einmal, wie es zur Geburt Marias, der Mutter Jesu, kam. Mit diesen Berichten, die auch von der heranwachsende Maria erzählen und ausführen, in welchem Verhältnis Maria und Joseph zueinander standen, als Maria schwanger wurde, „it may be said with some confidence that the developed doctrines of Mariology can be traced to this book.“[8] An die Lebensgeschichte der jungen Maria anschließend wird ausführlich von ihrer Reise und der Geburt Jesu erzählt und man erfährt einige Begebenheiten rund um die Geburt des verheißenen Messias, die im Matthäusevangelium nicht erzählt werden. Das Protoevangelium endet mit den Geschehnissen, die ungefähr zu der Zeit passierten, als Herodes den Kindermord in Bethlehem in Auftrag gab. Elliott bewertet zusammenfassend: „Together with the Infancy Gospel of Thomas PJ influenced other and later birth and childhood gospels such as Pseudo-Matthew and the Arabic, Armenian, and Latin infancy traditions.”[9]

3.2.1.2 Pseudo-Matthäusevangelium

Das Pseudo-Matthäusevangelium umfasst 24 Kapitel und ist textlich einerseits eine Wiedergabe des Protoevangeliums des Jakobus und basiert zum anderen auf dem Kindheitsevangelium nach Thomas, zeigt an manchen Stellen aber deutliche Unterschiede im Bezug zu den Originalen.[10] Das Pseudo-Matthäusevangelium berichtet nicht nur von der Geburtsgeschichte Jesu, sondern erzählt zusätzlich mit vielen Ausführungen, was Maria, Joseph und dem Jesu-Kind auf der Flucht nach Ägypten alles passiert sein soll. Im Gegensatz zum biblischen Text werden viele Details aus dem Leben des noch jungen Jesus erzählt, beispielsweise dass ihm alle wilden Tiere auf dem Weg nach Ägypten huldigten, anstatt die Menschen anzugreifen.[11] Es scheint, als solle dem Leser gezeigt werden, dass Jesus auch schon in diesem frühen Alter in der Vollmacht Gottes handelte, und dass es bereits viele Menschen gab, die ihn als Messias anerkannten und an ihn glaubten.

3.2.2 Historia Trium Regum

Die Historia Trium Regum ist eine von Johannes von Hildesheim im 14. Jahrhundert auf Lateinisch niedergeschriebene Legende über die Heiligen Drei Könige. Johannes von Hildesheim schrieb die „Historia trium regum [...] im Auftrag des Kölner Domherrn Florentius von Wevelinghoven [...] – vermutlich zum 200-Jahr-Gedächtnis an die Übertragung der Dreikönigsreliquien“.[12] Hildesheim baute auf den Bibeltext aus Matthäus 2 auf und ergänzte ihn mit zahlreichen Details. „Schon früh war die kurze biblische Erzählung [...] durch Legenden ergänzt worden, die Johannes in seiner Dreikönigsgeschichte um geographische und historische Angaben aus z.T. phantastischen Pilger- und Reiseberichten erweiterte“.[13] So schildert er in 47 Kapiteln zum Beispiel die Herkunft der Könige, ihren Besuch beim Kind in der Krippe, ihre Heimreise, ihr Christ-werden, und was nach dem Tod der Heiligen Drei Könige mit ihren Gebeinen geschah.

[...]


[1] Manfred Becker-Huberti: „Geschichte – auch heute lebendig" http://www.heilige-dreikoenige.de/geschichte/index.html (18.08.2012).

[2] Die Bibel. Elberfelder Übersetzung. Matthäus 2,1-12.

[3] Arend Remmers: Das Neue Testaments im Überblick. Hückeswagen 1990. S.11.

[4] Vgl. Arend Remmers: Das Neue Testaments im Überblick. Hückeswagen 1990. S.10+11.

[5] Paul N. Benware: Von Matthäus bis Offenbarung. Das Neue Testament verstehen. Dillenburg 2007. S.47.

[6] Andreas Hardt, Dietrich Runkel und Burkhard Wandhoff (Hg.): „Bibel-Lexikon. Apokryphen“

http://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=1383 (21.10.2012).

[7] J.K. Elliot: The Apocryphal New Testament. Oxford 1993. S.48.

[8] Ebenda.

[9] Ebenda.

[10] J.K. Elliot: The Apocryphal New Testament. Oxford 1993. S.85.

[11] Vgl. Hans Zimmermann: „Pseudo-Matthäusevangelium“. http://12koerbe.de/azur/ps-mtth.htm (20.10.2012). Kap.18-19.

[12] Ulrike Surmann: „Johannes von Hildesheim: Historia trium regum". http://www.ceec.uni-koeln.de/projekte/CEEC/texts/GlaubeUndWissen/GlaubeUndWissenZuHs169.htm (18.10.2012).

[13] Ebenda.

Details

Seiten
21
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656461258
ISBN (Buch)
9783656461746
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230138
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Schlagworte
Heilige 3 Könige Legende Heiligenlegende Legende Aurea Historia Trium Regum Legendenbildung

Autor

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