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Die BILD Zeitung. Im Spannungsfeld moderner Öffentlichkeit

von Khashayar Hodaei (Autor) Jan Christoph Möller (Autor)

Seminararbeit 2012 14 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die BILD-Zeitung

3. Modeme Öffentlichkeit
3.1. Enstehungsbedingunegnmodemer Öffentlichkeit
3.2. Funktionen moderner Öffentlichkeit

4. Strukturbildungen und Rollendifferenzierungen moderner Öffentlichkeit

5. Die BILD-Zeitung im Spannungsfeld moderner Öffentlichkeit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Ein Boulevard-Blatt als Leitmedium - wie erfolgreich ist BILD?“ haben wir uns mit der Bildzeitung und ihrer Rolle in der heutigen Gesellschaft beschäftigt. Dabei sollte anhand bestimmter Themen und Ausarbeitungen eine Herangehensweise an die Funktionen und Arbeitsweise der Bildzeitung gelingen.

In unserer Ausarbeitung werden wir, auf die von uns behandelten Inhalte zu dem Text von Jürgen Gebhards und Friedhelm Neidhardt „Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit“ Bezug nehmen um dann ein Spannungsverhältnis zwischen dem System der Öffentlichkeit und der BILD zu beschreiben. Bevor wir uns mit dem Begriff der Öffentlichkeit, deren Funktionen und Strukturen auseinandersetzen und auf inhaltliche Aspekte des Textes eingehen, werden wir einen kurzen Überblick über die BILD-Zeitung allgemein geben, um später einen besseren Übergang, zu dem von uns erarbeiteten Verhältnis von Öffentlichkeit und BILD zu erreichen.

Die Öffentlichkeit ist ein vielseitig eingesetzter Begriff, mit sehr differenzierten Funktionen. So sieht die Systemtheorie öffentliche Meinung als Spiegel für die Politiksphäre, der durch Medien eine Form gegeben wird.[1] Dahingegen setzt sich die Öffentlichkeit bei Elisabeth Noelle-Neumann aus wertgeladenen Meinungen zusammen, die aber auch öffentlich geäußert werden. Der öffentlich Meinung wird eine starke Macht zugesprochen, sie prägt die Medienberichterstattung, ebenso wie sie von dieser geprägt wird.[2]

Die Komplexität die der Begriff Öffentlichkeit mit sich bringt ist unabdingbar. Diesem Dilemma war sich auch Jürgen Habermas bewusst, der mit seiner 1962 erstmals veröffentlichen Habilitationsschrift, „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ das Ziel verfolgt, den Begriff Öffentlichkeit in seiner Struktur zu verstehen und ihn zu systematisieren. Diesen Überlegungen folgten auch Neidhardt/Gebhards in ihren Ausführungen. Neben einer Funktionsbeschreibung zu dem Begriff der Öffentlichkeit, liefert sie auch einen Ansatz zur Strukturbildung des Öffentlichkeitssystem und widmeten sich auch dem Prozess der öffentlichen Meinungsbildung. An diesem Prozess nimmt in Deutschland auch die BILD teil und nimmt dabei eine besondere Stellung ein, die wir hier näher erläutern wollen.

2. Die BILD-Zeitung

Die BILD-Zeitung ist eine deutsche überregionale Boulevardzeitung, die werktäglich von Montag bis Samstag erscheint. Lange Zeit war, das seit dem 24. Juni 1952 im Axel-Springer-Verlag erscheinende Boulevardblatt, die auflagenstarkste Tageszeitung Europas. Die Auflagenentwicklung zeigt seit 1998 jedoch einen Abwärtstrend.[3] Die verkaufte Auflage sinkt seit Jahren kontinuierlich von ca. 4.200.00 bis zum aktuellen Stand auf 2.702.206 Exemplare.[4] Trotz der Negativentwicklung der verkauften Exemplare erreicht die BILD-Zeitung etwa 17,9 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren. Das sind täglich etwa 11,6 Millionen Menschen. Doch wie ist diese Masse an Menschen zusamengesetzt.?

Von den täglich ca 11,6 Millionen erreichten Menschen sind etwa 4,3 Millionen Frauen und ungefähr 7,3 Millionen Männer. Damit sind rund 63 Prozent der Leser der BILD-Zeitung Männer. Diese Zahlen geben noch keine Informationen über die gesellschaftliche Verortung der BILD­Zeitung. Erst die berufsgruppenspezifische Analyse der Leserschaft erlaubt es uns einen ersten Eindruck über die Leserschaft zu erlangen. 43 Prozent der Leser haben einen Hauptschulabschluss mit Lehre, 35 Prozent die mittlere Reife und nur 4 Prozent die Hochschulreife. 7 Prozent der Leser sind Selbstständige, 34 Prozent sind Angestellte oder Beamte und 37 Prozent sind Facharbeiter. Getreu den Leitlinien des Gründers Axel Springer ist somit die Zielgruppe der BILD-Zeitung nicht die Schicht der Führungskräfte oder der Gebildeten und Intellektuellen, sondern die Schicht der Arbeits- und Konsumbevölkerung.[5] Dieser Eindruck wird ebenfalls verstärkt durch die Angaben des Springer-Verlags über die Lesedauer der eigenen Tageszeitung. Demnach benötigt man nur 45 Minuten, um eine gesamte BILD-Ausgabe zu lesen. Durch solche Aussagen wird relativ schnell klar auf welche Art, der Informationsverarbeitung der Leser, die BILD-Zeitung zielt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass das Boulevardblatt vor allem Artikel druckt, die grammatisch und inhaltlich extrem verkürzt sind. Darüber hinaus werden abstrakte Ereignisse personifiziert und stark zugespitzt, auch wenn nicht menschliche Belange zu den Themen gehören. Dabei wird bevorzugt mit Schlagwörtern und Metaphern gearbeitet. Ebenfalls wird durch die Verwendung von Superlativen versucht eine Meldung spannender und interessanter zu gestalten, als sie vielleicht in Wahrheit ist. Schlagzeilen werden mit Emotionen verbunden, um beim Leser ein gewisses Gefühl zu erzeugen, welches dann wieder im Artikel relativiert werden.

Ein Schwerpunkt innerhalb der BILD-Zeitung ist die Sportberichterstattung, die im Vergleich zu anderen deutschen Tageszeitungen überdurchschnittlich umfangreich ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass etwa ein Viertel der 800 fest angestellten BILD-Redakteure Sportreporter sind. Diesem großen Aufwand ist es geschuldet, dass 50 Prozent der Leser angeben, die BILD-Zeitung fast ausschließlich wegen des Sportteils zu beziehen. Ein weiterer vermeidlich kluger Schachzug der Marketingstrategen der BILD-Zeitung ist die Platzierung von sogenannten Volks-Produkten, die den Leser enger an die Zeitung binden sollen. Dabei fallt auf, dass gelegentlich die Abgrenzung zwischen redaktionellem Inhalt und einer Anzeige fehlt.

Diese kurze Darstellung der BILD-Zeitung hat nicht den Anspruch das Phänomen BILD injeglicher Couleur beleuchten zu können. Sie soll lediglich den Auftakt dieser Seminarrabeit bilden, damit im Verlauf die Erkenntnisse über Funktionen und Strukturen moderner Öffentlichkeit mit der BILD­Zeitung und ihrem Schaffen verbunden werden können.

Aus diesem Grund werden wir uns im folgenden Abschnitt mit den Funktionen von moderner Öffentlichkeit befassen.

3. Moderne Öffentlichkeit

"Öffentlichkeit bildet ein intermediäres System, dessen politische Funktion in der Aufnahme (Input) und Verarbeitung (Throughput) bestimmter Themen und Meinungen sowie in der Vermittlung der aus dieser Verarbeitung entstehenden öffentlichen Meinungen (Output) einerseits an die Bürger, andereseits an das politische Sytem besteht."[6] Diese Funktionsdefinition von moderner Öffentlichkeit von Jürgen Gerhards und Friedhelm Neidhardt soll anhand der nächsten Abschnitte dieser Seminararbeit etwas genauer beleuchtet werden.

3.1. Entstehungsbedingungen moderner Öffentlichkeit

Entstehung und gesellschaftliche Funktionen eines Systems Öffentlichkeit sind eng mit der Entwicklung moderner Gesellschaften verbunden. Wenn man die Funktionen und Strukturen von Öffentlichkeit in modernen Gesellschaften angemessen verstehen möchte, muß zunächst ein Blick auf die Grundstruktur moderner Gesellschaften geworfen werden. Moderne Gesellschaften sind in ihrer Grundstruktur als funktionaldifferenzierte Gesellschaften zu beschreiben. Ihre Entstehung ist durch eine Umstellung des Strukturmusters von stratifikatorischer Differenzierung auf funktionale

Differenzierung gekennzeichnet.[7] Mit funktionaler Differenzierung ist die Differenzierung einer Gesellschaft in verschiedene Teilsysteme gemeint, die jeweils eigene Muster und Strukturen aufweisen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Autonomie solcher Teilsysteme, die darauf basiert, dass die Teilsysteme ihre Handlungen in erster Linie an den systemeigenen Kriterien orientieren und nicht an der Rationalität anderer Systeme. Diese Ausdifferenzierung "kann auf unterscheidliche Weise stabilisert werden."[8] Ein Teil der Systeme hat einen eigenen Code entwickelt, der als Rahmen der Handlungsorientierungen dient. Bei den Journalisten handelt es sich nicht um eine sprachliche Codierung wie beispielsweise bei Juristen oder Medizinern. Die Einigung des Deutschen Presserats auf (allgemein) verbindliche Regeln für Verleger und Journalisten werden in den publizistischen Grundsätzen des Pressekodexes formuliert.

Doch unter funktionaler Differenzierung ist auch die Ausdifferenzierung eines eigenständigen politischen Systems zu verstehen. Der Politik kommt sowohl eine besondere, "übergeordnete Stellung als Problemadressat zu (Input), als auch eine Sonderstellung als Problemlösungsystem , als Steuerungsakteur der Geseamtgesellschaft (Output)."[9] Verkürzt dargestellt ist die Politik für alle Probleme zuständig, die von den anderen Teilsystemen nicht gelöst werden können. Diese Bestimmung von Politik weist das System als potenziellen zentralen Problemadressaten der übrigen Teilsysteme aus. Darüber hinaus ist das politische Teilsystem zumindest auf der Inputebene auf externe Einspeiser angewiesen. Zu diesen Einspeisern gehören neben den eigenen Institutionen der Meinungsforschung auch die Strömungen aus dem Teilsystem Öffentlichkeit welche dann an das politische Teilsystem durch die Medien oder Medienvetretern eingebracht werden. Um dieser Doppelfunktion (Input-Output) gerecht zu werden ist das politische Teilsystem mit besonderen Zugriffsrechten und Steuerungsrechten über die anderen Teilsysteme ausgestattet. Doch genau diese Doppelfunktion verschärft das Problem, wie das politische System selbst kontrolliert werden soll? Die Antwort auf diese Frage bietet auch gleichzeitig die Überleitung zum nächsten Kapitel in dem genau dieser Sachverhalt mit den Funktionen moderner Öffentlichkeit in Zusammenhang gebracht wird.

[...]


[1] Vgl. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 1984, neue Auflage 2001.

[2] Vgl. Noelle-Neumann, Elisabeth: Öffentlich Meinung. Die Entdeckung der Schweigespirale. Erweiterte Ausgabe. Frankfurt/Main: Ullstein 1991, Seite 408

[3] Vgl Auflagenentwicklung http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bild-auflage.png (Stand 29.03.2012)

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Bild (Zeitung) (Stand 29.03.2012)

[5] Vgl Axel Springer AG Marktforschung 2007

[6] Gerhards, Jürgen/Friedhelm Neidhardt (1991): Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit. In: Stefan Müller-Doohm/Klaus Neumann-Braun (Hrsg.): Öffentlichkeit. Kultur, Massenkommunikation. Oldenburg: Universität Oldenburg: 52-89, Seite 54

[7] Vgl. Luhmann, Niklas: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. 1984, neue Auflage 2001

[8] Gerhards, Jürgen/Friedhelm Neidhardt (1991): Strukturen und Funktionen moderner Öffentlichkeit. In: Stefan Müller-Doohm/Klaus Neumann-Braun (Hrsg.): Öffentlichkeit. Kultur, Massenkommunikation. Oldenburg: Universität Oldenburg: 52-89, Seite 55

[9] Ebd. Seite 56

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656458104
ISBN (Buch)
9783656458074
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v230024
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Schlagworte
bild zeitung spannungsfeld öffentlichkeit

Autoren

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