Lade Inhalt...

Familienkonstellation und Geschlechterrolle im Bürgerlichen Trauerspiel

Inwieweit spiegelte die Dramenfamilie des Bürgerlichen Trauerspiels die bürgerliche Familie wider?

Bachelorarbeit 2012 34 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung / Aufbau der Arbeit

2. Das Umfeld und die allgemeine Familienkonstellation im 18. Jahrhundert
2.1 Das Bürgertum des 18. Jahrhunderts
2.2 Die bürgerliche Familie

3. Theater und Schauspiel im 18. Jahrhundert

4. Familienkonstellation im Bürgerlichen Trauerspiel
4.1 Die Geschlechteraufteilung
4.1.1 Die Mutter
4.1.2 Die Tochter
4.1.3 Der Vater
4.2 Die Beziehungen innerhalb der Familie
4.2.1 Vater und Tochter
4.2.2 Mutter und Tochter
4.2.3 Mutter und Vater

5. Auswirkungen des Bürgerlichen Trauerspiels auf das Publikum

6. Fazit

Literatur- / Materialverzeichnis

1. Einleitung / Aufbau der Arbeit

„Ich habe einen Vater, der kein Vermögen hat, als diese einzige Tochter“ (KL[1] 3.Akt, 4.Szene), so die Worte der Luise Miller in Schillers Bürgerlichem Trauerspiel Kabale und Liebe . Nicht nur die Figur der Luise lässt durch ihren Auftritt als tugendhafte und dem Vater überaus gehorsame Tochter bestimmte Rollenzuweisungen in der Dramenfamilie erkennen. Wie sich die Familienkonstellation im deutschen Bürgerlichen Trauerspiel des 18. Jahrhunderts konstituiert, wird im Folgenden untersucht. Außerdem wird sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit die Dramenfamilie des Bürgerlichen Trauerspiels die bürgerliche Familie des 18. Jahrhunderts widerspiegelt. Dazu werden die Familien aus den Dramen Miss Sara Sampson , Emila Galotti und Kabale und Liebe verglichen und anhand der Beziehungen der Familiencharaktere untereinander, die sich daraus ergebenen Geschlechterrollen herausgearbeitet. Hierbei stehen vor allem die Vater-Tochter-Beziehungen im Vordergrund, die maßgeblich zum tödlichen Ausgang der Dramen beitragen. Diesen Ergebnissen werden die Familienverhältnisse des 18. Jahrhunderts gegenübergestellt und nach Gemeinsamkeiten gesucht. In Bezug auf die Dramenauswahl ist Folgendes von Bedeutung: Es spielt keine Rolle, ob die Figuren der ausgewählten Dramen aus dem Stand des Bürgertums stammen. Wichtig ist ihr Auftreten in Hinsicht ihrer Moralideologie. Diese entspricht der des Bürgertums. Die dramatische Gattung der drei ausgewählten Dramen ist in diesem Sinne soziologisch fixiert.[2] Ebenfalls werden die Auswirkungen des Bürgerlichen Trauerspiels auf die Gesellschaft dieser Zeit näher betrachtet.

Zu Beginn wird ein Einblick in das Bürgertum, seine Lebensumstände in Gesellschaft und Politik und in die bürgerliche (Klein-)Familie des 18. Jahrhunderts gegeben. Hierauf folgt ein Überblick über die verschiedenen Theater- und Schauspielformen dieser Zeit, wobei das Hauptaugenmerk auf der des Bürgerlichen Trauerspiels liegt. Danach werden die einzelnen Familienfiguren in ihrer Funktion und Geschlechterrolle untereinander verglichen, woraufhin die Beziehungen innerhalb der Familien untersucht und gegenübergestellt werden. Mit dem Begriff „Geschlecht“ wird nur zwischen Mann und Frau unterschieden. Es geht darum aufzuzeigen, wie den männlichen und weiblichen Familienmitgliedern ihre Rolle im Familiengefüge zugewiesen wird. Daher auch der Begriff „Geschlechterrolle“ im Sinne von Rolle der beiden Geschlechter innerhalb der Familie. Dabei werden die Familienverhältnisse der Dramenfamilien mit denen der bürgerlichen Familien verglichen. Zuletzt werden die Auswirkungen des Bürgerlichen Trauerspiels auf Publikum und Gesellschaft näher beleuchtet. Hierbei werden das Theater als moralische Erziehungsanstalt und schauspielerische Umsetzung im Vordergrund stehen.

2. Das Umfeld und die allgemeine Familienkonstellation im 18. Jahrhundert

2.1 Das Bürgertum des 18. Jahrhunderts

Das Deutschland des 18. Jahrhunderts – zu dieser Zeit noch Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation – war durch die Folgen des 30jährigen Krieges ein aufgesplittetes Land des Partikularismus (Kleinstaaterei). Die einzelnen Fürstentümer lagen unter der absolutistischen Herrschaft weltlicher oder geistlicher Fürsten. Die Bevölkerung war in drei Gruppierungen aufgeteilt: in den Adel, das Bürgertum und das übrige Volk, wie Bauern.[3]

War das deutsche Bürgertum zuvor laut Kopitzsch noch als „die Summe der nicht-adeligen und nichtbäuerlichen Schichten“[4] zu sehen, so begann im 18. Jahrhundert sein Aufstieg zu einer bedeutenden Klasse mit einer neuen und spezifischen Lebensweise.[5] Das Bürgertum stellte das Gesellschaftsmodell des Feudalstaates mit seinen vererbbaren Privilegien radikal in Frage und suchte eine eigene Identität, bei der das Selbstbewusstsein auf dem Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit fußte. Das aufklärerische Ideal der „klassenlosen Bürgergesellschaft“[6] war das Aushängeschild des neu eingeleiteten bürgerlichen Zeitalters. Diese neue Gesellschaft brachte eigenständige Individuen hervor, die aus eigener Leistung und Kraft ihr Leben meisterten und daraus den Anspruch auf Mitbestimmung und gesellschaftliche Repräsentanz ableiteten. Da das Bürgertum politisch funktionslos (jedenfalls in viel stärkerer Weise als das französische oder englische Bürgertum) war und durch die politische Zerklüftung ein Nationalgeist nicht aufzukommen vermochte, wurde die Selbstbestätigung dieser neuen Gesellschaft auf der privaten moralischen Ebene gesucht.[7] So sah sich das Bürgertum als sittliches Gefühlswesen und Träger der Vernunftpostulate der Aufklärung. Die Abgrenzung zum Adel als standeslose Gesellschaft wurde durch die vom Bürgertum entwickelten und als Norm angesehenen Moralvorstellungen vollzogen, denn der Adel wurde von nun an anhand der bürgerlichen Moralansprüchen gemessen. Die Eigenschaft der Empfindsamkeit wurde als Ethos propagiert. Ebenso wurde der Versuch unternommen, sich von den doktrinären, oberflächlichen Konventionen, vor allem auch von der adeligen Verschwendungssucht, abzusetzen. So rückte die Empfindsamkeit in den vierziger und fünfziger Jahren besonders stark in den Moralischen Wochenschriften, die vielzählig erschienen, in den Mittelpunkt.[8]

Zu Beginn führten die mangelnde Integration in die ständische Ordnung und die Trennung von Erwerbsarbeit und Wohnen zu einer Isolation der Gesellschaftsgruppe des Bürgertums. Hieraus ergab sich das „Bedürfnis nach Privatisierung“[9], in der bestimmte Lebensbereiche von der sozialen Umwelt abgeschirmt wurden. Im „häusliche(n) Glück“[10] fand der Bürger einen Rückzugsort von den Anstrengungen des Erwerbslebens und den Frustrationen der politischen Machtlosigkeit. Hieraus entstand der für die bürgerliche Mentalität maßgebliche Individualismus. Dieser prägte die bürgerliche Kleinfamilie entscheidend.

2.2 Die bürgerliche Familie

Vor Beginn der Emanzipation des Bürgertums des 18. Jahrhunderts herrschte vorrangig die Familienform der Produktionsfamilie. Diese war eher als Zweckgemeinschaft zum Bewerkstelligen der Versorgung des ganzen Hauses zu verstehen. Diese Wirtschaftsgemeinschaft war neben den blutsverwandten Angehörigen auch aus der Dienerschaft, die ebenfalls im Haus wohnte, zusammengesetzt. Da die Hauptaufgabe die Bewältigung des Alltags darstellte, waren die Beziehungen untereinander lediglich von sachlichen Erfordernissen geprägt, die kaum Raum für individuelle Bedürfnisse oder Emotionen ließen. Die Partnerwahl vollzog sich dadurch vorzugsweise durch rationale Abwägung des Nutzens der Verbindung. Gefühle spielten im Bezug hierauf keine Rolle.[11]

Im Zuge des bürgerlichen Aufstiegs im 18. Jahrhundert löste die bürgerliche patriarchalische Kleinfamilie die Familienform der Produktionsfamilie ab. Ihre Struktur war an die spezifischen sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen des Bürgertums gebunden. Die Vorstellung, dass Liebe, Sexualität und Ehe eine Einheit bilden, fasste Fuß und es gelang im Laufe der Zeit auch den Adel davon zu überzeugen. Dieser vertrat vorerst den Standpunkt, Ehe und Liebe seien unvereinbar, weshalb die Heirat als Sicherung und Ausbau politischer Machtverhältnisse galt.[12]

Neben dem „Leistungsprinzip auf ökonomischer Ebene“[13] (durch eine ökonomische Lebensführung grenzte man sich vor allem gegen die verschwenderische Lebensführung des Adels ab) verhalf dem Bürgertum das neue Lebensideal auf privater Ebene zu einer neuen Lebens- und Weltanschauung. Von besonderem Stellenwert war das neue Verständnis von Liebe und Ehe. Hier wurde die Ehe nicht mehr als Zweckgemeinschaft für wirtschaftlichen Nutzen oder Möglichkeit zur Standesfestigung gesehen, sondern als exklusive Verbindung zwischen zwei Individuen. Vor allem im Zeitalter der Aufklärung wurde Liebe oder auch die „vernünftige Liebe“[14] als ehestiftender Beweggrund definiert. Die spontane leidenschaftliche Liebe wurde weiterhin verurteilt, da sie nicht von Vernunft geleitet werden kann. Die Ehe war nun nicht mehr als „soziales selbstverständliches Amt“[15] zu sehen, sondern ließ persönliches Glück erwarten. Auch wenn weiterhin noch lange die Konvenienzehe die Regel darstelle, wurde die Liebesheirat zum Ideal.

Der bürgerliche Ehrbegriff und seine beinhaltete Tugendhaftigkeit der Frau stellte ein geeignetes Mittel dar, um von den unsittlichen Ausschweifungen des Adels Abstand zu nehmen. Die weibliche Unschuld wurde zum Postulat, die Ehe zur „einzig angemessenen, sozial akzeptierten Versorgungs- und Lebensperspektive“[16], sodass sich die Frau des Bürgertums über die Akzeptanz als Hausfrau und Mutter zu definieren hatte. Durch seine Rolle als Beschützer, finanzieller Versorger und als Besitzer von Eigentum, sowie Disziplin und Anstand, garantierte der Mann seinen Autoritätsanspruch, dem sich die Frau zu unterstellen hatte. Als schwaches und passives Geschlecht, das durch seinen starken Hang zu Gefühlsausbrüchen mit dem Wesen eines Kindes verglichen wurde, war die Frau dazu gezwungen, vor allem als Mutter ihre Existenz zu sichern. Das Durchsetzen ihrer eigenen Interessen, wenigstens indirekt, war nur durch geschickte Einflussnahme auf ihren Mann zu erreichen, da sie sonst unter der patriarchalischen Herrschaft ihres Mannes und so unter dem „gottgewollten“ und „vernünftigen“ Herrschaftsprinzip zu weilen hatte.[17] Zentraler Inhalt des weiblichen Daseins wurde so die Häuslichkeit, die zum Ideal und zur vornehmsten Tugend in der Mädchenerziehung aufstieg. Das biologische Geschlecht der Frau und des Mannes bedingte somit ihre jeweilige soziale Rolle.[18]

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts veränderte sich die Rolle der Mutter entscheidend. Durch die Trennung von Arbeit und Wohnen, Öffentlichkeit und Privatem und vor allem durch die Charakterisierung von Mann (rational und aktiv) und Frau (emotional und passiv) bildete sich ein Bewusstsein, das den Mythos der Mutterliebe entstehen ließ. Durch ihn versuchte man, die hohe Kindersterblichkeit zu bezwingen. Mit einem hohen Maß an Zuwendung und Liebe wurden Erfolge erzielt, die die Familien vor dem Verlust ihrer Erben weitgehend bewahrten. Die Mutter-Kind-Beziehung wandelte sich von Distanz und Strenge zu Liebe und Fürsorglichkeit. Der Familienvater hatte, trotz dass diese Tätigkeit fast allein in den Händen der Mutter lag, immer das letzte Wort. In das emotionale Verhältnis zwischen Mutter und Kind hatte er durch seine häufige Abwesenheit und seiner geringen Anteilnahme jedoch einen nicht so großen Einfluss. Parallel zur Veränderung der Fürsorglichkeit in der Kindererziehung verlief die „Entdeckung der Kindheit“[19]. Kinder wurden nun nicht mehr als potentielle Arbeitskräfte gesehen, sondern als Bereicherung. Den Jungen wurden Tugenden nahegebracht, die ihnen später beruflichen Erfolg sichern sollten. Die Tugenden waren vorrangig: Affektbeherrschung, Selbstkontrolle und eine asketische Lebensführung. Ziel dieser Erziehung war die Herausbildung eines vernünftigen Menschen, der in der Lage ist, seinen Verstand zu gebrauchen und sinnvoll einzusetzen.

Die durch den Protestantismus verbreitete Priorität, dass der Glaube aus dem Inneren heraus vollzogen wird, führte dazu, dass sich die „Innerlichkeit“ zur Prämisse der bürgerlichen Familie entwickelte. Das Vermögen, sich diese Innerlichkeit angemessen einzuverleiben, wurde durch die Familie als Instanz der Wertevermittlung koordiniert.

Die Familie war so eine „Keimzelle der Gesellschaft“[20], aus der die Vertreter des Bürgertums hervorgingen. Vorrangiger Repräsentant war der Vater. Als rational Denkender hatte er die Funktion des Gewissens und der Ausübung einer richterlichen Funktion – er war der Patriarch der Familie. Doch die Ausübung seiner Herrschaftsgewalt war nicht seinen bloßen Launen unterlegen, sondern wurde als „uneigennützige Liebeshandlung“[21] empfunden. Die bürgerliche (Gefühls-)Familie war eine sittliche Gefühlsgemeinschaft, deren Bild von Macht und Liebe geprägt wurde und sich in seinen kleinen Kreisen vom Einflussbereich des Adels zurückziehen und ein eigenes Wertesystem schaffen konnte.

3. Theater und Schauspiel im 18. Jahrhundert

Während sich das Musenspiel nach italienischem und französischem Vorbild in den opulent gestalteten Opern- und Schauspielhäusern zeigte, war das deutsche Theater in Bretterbuden anzutreffen. Geächtet, isoliert und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen zogen die deutschen Schauspieltruppen mit ihren Rollwagen durch die Lande, in der Hoffnung, einen geeigneten Schauplatz zu finden.[22] Teilweise durfte in einem Saal des Rathauses oder im Ratskeller gespielt werden. Diese Bühnen erwiesen sich bald aber als zu eng für das Kulissen- und Dekorationssystem und die Unterbringung der Zuschauer. Das Nomadenleben der Schauspieler ergab sich aus dem Umstand, dass ihnen die Opernhäuser und die Hoftheater verschlossen waren und sie auch nicht über ein so geeignetes Repertoire an Stücken verfügten, um sich über einen längeren Zeitraum in einer Stadt aufzuhalten. So wurden die Wanderbühnen durch aufkommendes Desinteresse des Publikums nach Durchspielen ihres Bestandes an Bühnenwerken und abgelaufenen Auftrittsbewilligungen immer wieder weitergetrieben.

Als Resultat der unermüdlichen Bestrebungen diverser Prinzipale, wie Schönemann, Schuch oder Ackermann, verfügten die großen Theaterstädte erst ab den sechziger Jahren über feste Schauspielhäuser, die mehr oder minder nobel ausgestattet waren.[23] Zwar zogen immer noch Wandertruppen mit mobilen Bühnenkonstellationen durch das Land, doch diese bildeten nun die Ausnahme.

Der Bestand an Dramen der Wanderbühnen musste nicht sehr umfangreich sein, denn war das vorwiegend konstante Repertoire durchgespielt, zog man weiter, um ein anderes Publikum zu unterhalten. Die Auswahl der Stücke oblag dem Prinzipal, der in der Regel selbst Schauspieler war und die Hauptrollen beanspruchte. Da das Hauptaugenmerk eher auf gewinnbringenden Darbietungen lag, wurde meistens auf sogenannte „Zugstücke“ zurückgegriffen. Diese sind Stücke, die einen für verschiedene Publikumsklassen interessanten Stoff enthalten und daher oft erfolgreich wiederholt werden können.[24] Waren zuerst Trauerstücke nach französischem Vorbild, wie sie am Hofe gezeigt wurden, Publikumsmagnet, wurden sie durch Gottscheds entwickelten und durch die Gruppe der Neuberin verbreiteten Normenkodex, der zur Verbannung des Harlekin von der Bühne führte, für den Theaterbesucher uninteressant.

Es war Brauch, den Theaterabend in drei Teile zu gestalten: eröffnet wurde der Abend mit einem Vorspiel oder einem Prolog. Danach wurde das Hauptstück gezeigt, auf das immer ein heiteres Nachspiel folgte. Letzteres war ein Ausgleich zu den Trauerspielen, das in Form von Pantomimenspiel, Ballett oder Schwank aufgeführt wurde. Daneben galt das graziös-anakreontische Schäferspiel mit seinen Hauptthemen wie Freundschaft, Liebe und Geselligkeit als beliebte Gattung.[25] Vor allem nach Bürgerlichen Trauerspielen wie Miss Sara Sampson oder Emilia Galotti mussten die Zuschauer mit erheiternden Einlagen wieder glücklich gestimmt werden. Vorerst schienen sich die Spielpläne in eine soziologische Richtung des Bürgerlichen zu verschieben, doch Mitte des 18. Jahrhunderts sah man Spielangebote mit Bürgerlichen Trauerspiel und rührendem Lustspiel auf der einen, pantomimische Zwischenspiele und Ballett auf der anderen Seite.[26] Die Nachfrage nach Erheiterung bzw. nach rührendem Lustspiel mit fröhlichem Ausgang war zwar größer, doch die Spielpläne dieser Zeit zeigen, dass das Publikum trotzdem bereit war, sich durch das Theater „bilden“ bzw. sich zu einer kritischen Auseinandersetzung mit moralischen und allgemeinen Problemen motivieren zu lassen. Vor allem durch die Emanzipation des Bürgertums von der Schicht des Adels wurde das Theater zunehmend als bürgerliche Institution verstanden. Vor allem Lessing und Schiller waren Dramatiker, die das Theater als moralische Anstalt etablierten, die für Toleranz und Humanität eintrat. Vor allem durch das Bürgerliche Trauerspiel, das sich mit den Lebensbedingungen des Bürgertums und dem Zwist zwischen ihm und dem Adel beschäftigte, wurde die Schaubühne ein Forum, auf dem die Themen eines kritischen und selbstständigen Bürgertums behandelt wurden.[27]

[...]


[1] Schiller: Kabale und Liebe wird im Folgenden mit KL abgekürzt.

[2] Siehe Guthke 2006, 15.

[3] Siehe Schmitt-Sasse 1983, 102.

[4] Schmitt-Sasse 1983, 103.

[5] Siehe Horstenkamp-Strake 1995, 15.

[6] Horstenkamp-Strake 1995, 15.

[7] Siehe Guthke 2006, 44.

[8] Siehe Guthke 2006, 43.

[9] Horstenkamp-Strake 1995, 16.

[10] Horstenkamp-Strake 1995, 16.

[11] Siehe Horstenkamp-Strake 1995, 15.

[12] Siehe Horstenkamp-Strake 1995, 15.

[13] Horstenkamp-Strake 1995, 16.

[14] Horstenkamp-Strake 1995, 17.

[15] Horstenkamp-Strake 1995, 17.

[16] Horstenkamp-Strake 1995, 18.

[17] Siehe Horstenkamp-Strake 1995, 19.

[18] Ähnlich äußert sich Judith Butler in Bezug auf den Unterschied zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und der daraus resultierenden Geschlechterrolle (gender) in ihrem Werk Das Unbehagen der Geschlechter. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2000.

[19] Horstenkamp-Strake 1995, 22.

[20] Horstenkamp-Strake 1995, 26.

[21] Horstenkamp-Strake 1995, 27.

[22] Siehe Maurer-Schmoock 1982, 4.

[23] Siehe Maurer-Schmoock 1982, 18.

[24] Siehe Maurer-Schmoock 1982, 126.

[25] Siehe Maurer-Schmoock 1982, 127-128.

[26] Siehe Maurer-Schmoock 1982, 129-130.

[27] Siehe Maurer-Schmoock 1982, 135.

Details

Seiten
34
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656452973
ISBN (Buch)
9783656453642
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229921
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Film-, Theater- und empirische Kulturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
familienkonstellation geschlechterrolle bürgerlichen trauerspiel inwieweit dramenfamilie trauerspiels familie

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Familienkonstellation und Geschlechterrolle im Bürgerlichen Trauerspiel