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Das Phänomen "Jugendsprache"

Seminararbeit 2011 18 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der Forschung von Jugendsprache

3. Was ist Jugendsprache?

4. Äußere Einflussfaktoren
4.1. Medien, Werbung und Musik
4.2. Fremdsprachen

5. Motive für das Sprechen

6. Merkmale und Beispiele der Jugendsprache
6.1 Wortbildung
6.2 Phraseologie
6.3 Syntax
6.4 Wortschatz

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zu Beginn stellt sich die Frage, was Jugendsprache ist und was sie dazu macht. Diese Frage bzw. dieses Thema wurde bereits von zahlreichen Autoren aufgegriffen und ist für die Linguisten sogar derart wichtig, dass schon zahlreiche Wörterbücher mit jugendsprachlichen Ausdrücken erschienen sind, wie das 1984 erschienene „angesagt: scene – deutsch. Ein Wörterbuch.“ von Michael Rittendorf, aus dem Jahre 2005 „Endgeil – das voll korrekte Lexikon der Jugendsprache“ von Herrmann Ehrmann oder das im letzten Jahr neu erschienene „PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2011“. Jedoch sei angemerkt, dass sich die genannten Wörterbücher in ihrem Vokabular keinesfalls gleichen, da sich die Jugendsprache immer weiter entwickelt, weshalb viele Ausdrücke, die noch 1984 von Jugendlichen verwendet wurden, heutzutage in deren Sprachgebrauch nicht mehr vorkommen.

Die Forschung in dem Bereich der Jugendsprache hat erst in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts konkrete Formen angenommen. Natürlich gab es schon immer Interesse an der Sprache Jugendlicher, doch eine linguistische Forschung entstand erst in der letzten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Ein Einblick in die Forschungsgeschichte sowie deren Ziel wird in Kapitel 2 behandelt.

Ein Fehlschluss, der zu Beginn der Jugendsprachforschung auftrat und der ebenfalls durch die Wörterbücher vermittelt wird, ist, die Sprache der Jugend als eine einheitliche zu sehen. In den erwähnten Lexika werden oft nur allgemeingebräuchliche Ausdrücke aufgeführt, ohne auf das Alter, die Bildung, den Migrationshintergrund oder das Geschlecht einzugehen.

Kapitel 3 der vorliegenden Arbeit behandelt konkret den Ausdruck Jugendsprache, was unter diesem Phänomen zu verstehen ist, sowie dessen Zusammensetzung. Darauf folgen die äußeren Einflussfaktoren (Kapitel 4) sowie die Motive für das Sprechen der Jugendsprache (Kapitel 5). Kapitel 6 beinhaltet den praktischen Teil der Arbeit, wobei neben verschiedenen Merkmalen auch Beispiele zu dem behandelten Phänomen herangezogen werden.

Ziel der Arbeit ist es, festzustellen, aus welchen Gründen es falsch ist, von einer einheitlichen Jugendsprache zu sprechen. Der Ausdruck Jugendsprache „[…] suggeriert, eine solche Sprechweise sei vergleichbar der Standardsprache (oder Schriftsprache), mit eigener Grammatik, differenziertem Wortschatz und normativer […] Geltung […]“[1]. Henne stellt fest, dass die Jugendsprache ein „[…] fortwährendes Ausweich- und Überholmanöver[…]“[2] bzw. eine

Abwandlung der Standardsprache ist.

2. Geschichte der Forschung von Jugendsprache

Obwohl die Forschung erst nach 1945 Form annahm, ist es falsch zu sagen, Jugendsprache gebe es erst seit dieser Zeit. Sicherlich sprachen die Jugendlichen aller Epochen, sei es die Urzeit, die Antike oder das Mittelalter, eine etwas andere Sprache als die ältere Generation, selbst wenn sie damals noch nicht erforscht wurde. Anfang der 80er Jahre schrieb Henne, es gebe keine linguistische Jugendsprachforschung.[3] Nun stellte sich die Frage, ob die Jugend tatsächlich eine andere Spreche spreche und die Forschung kam dadurch immer mehr in Schwung. Neuland stellt den Sachverhalt der langen Tradition von Jugendsprache folgendermaßen dar:

„In der öffentlichen Meinung wird Jugendsprache oft als neuzeitliches Phänomen der Gegenwartssprache angesehen. Kaum bis gar nicht ist bekannt, das Jugendliche auch zu früheren Zeiten einen ihnen eigenen Sprachstil ausgebildet haben, der sich von dem in der Gesellschaft vorherrschenden und von der älteren Generation verwendeten in bedeutsamer Weise unterschied.“[4]

Neuland stellt fest, dass schon im 16. Jahrhundert die Studentensprache als Vorläufer der Jugendsprache datiert wurde. Durch sie entwickelte sich die Burschensprache, welche ein Gemeinschaftsgefühl zwischen den Studierenden herstellte.[5] Ausdrücke, die aus der Zeit bis heute präsent sind, sind beispielsweise einschreiben, pumpen (Geld) und schwänzen. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war die Forschung „auf dürftige Quellenlage gelegentlicher literarischer Belege verwiesen, unter anderem in Zachariäs Renommist (1744), in Kortums Jobsiade (1784) und vor allem in den Lebensbeschreibungen des Magisters Laukhard (1792)“[6]. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde ausschließlich die Sprache der Männer untersucht. Erst zu Beginn des 19. Jahrhundert, als sich auch die ersten Universitäten für Mädchen öffneten, wurde langsam begonnen, deren Sprache ebenfalls genauer zu analysieren.

Die ersten Untersuchungen zur Jugendsprache gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts, wobei im Rahmen der Sondersprachforschung die Studenten- und die Schülersprache untersucht wurden. „Die Sprache der heutigen Jugend konnte sich dennoch erst entwickeln, als sich durch gesellschaftliche Umgestaltung im 18. und 19. Jahrhundert die Jugend als ,sozial relevante' Institution durchsetzte.“[7]

Im 20. Jahrhundert wurde zum ersten Mal versucht, Jugendsprache zu kategorisieren und

einzuordnen. Doch in der Zeit der Weimarer Republik bis nach dem Zweiten Weltkrieg brach

die Sprachentwicklungsforschung größtenteils ab.[8] Nach 1945 kam es zu einem gewaltigen Aufschwung der Forschung. Dies verdankte sie besonders den anglophonen Einflüssen der 50er Jahre, durch die es erstmals zu einer eigen-ständigen Jugendkultur kam, die sich gegen die Werte und Normen der Erwachsenen stellte.[9] Neben Linguisten befassten sich auch Psychologen mit dem Thema und den damit verbundenen Problemen der Jugendlichen mit ihrer Sprache. „Die Entwicklungspsychologie sah in den Sprachbemühungen der Jugendlichen eine Hilfe zur Identitätsbildung, sowie den Ausdruck eines kollektiven Selbstwertgefühls, das vorsah, sich gemeinsam von den Erwachsenen abzugrenzen.“[10]

In den folgenden Jahren unterlag die Jugendsprache zahlreichen Zeitströmungen und Einflüssen. Vor allem durch die aufkommende Popkultur in den 60er Jahren stieg die Anzahl der Anglizismen im Sprachgebrauch der Jugendlichen stark an. In den 80er Jahren kam es zu entscheidenden Veränderungen in der Forschung. Hatte man zuvor vielmehr die Sonderlexik untersucht, wurde nun „die Beschreibung überwiegend mündlicher situationsgebundener und gruppenspezifischer Sprachstile mittels sprachpragmatischer und sprachfunktionaler Analysen“[11] untersucht.

Zu Beginn der Forschung entstanden durch Befragungen Jugendlicher Wörterbücher, welche von einer Allgemeingültigkeit der Sprache ausgingen. Denn jugendsprachliche Ausdrücke „sollten nicht nur in ihrer sprachlichen Erscheinungswelt beschrieben, sondern in ihrer möglichen alters-, generations- oder (sub)kulturtypischen Funktionsweise im sozialen Kontext analysiert werden“[12]. Vor allem durch die ethnographischen Einzelfallbeobachtungen Schlobinkis und Hennes kam die Forschung zu dem Ergebnis, die Jugendsprache nicht als ein homogenes, sondern als ein heterogenes System anzusehen.

3. Was ist Jugendsprache?

Wie die Forschung bereits festgestellt hat, gibt es nicht „die“ Jugendsprache, weil es ebenso nicht „die“ Gruppe Jugendlicher gibt. Die Jugendsprache setzt sich aus verschiedenen Merkmalen zusammen, die durch die unterschiedlichen Jugendgruppen entstanden sind und sich immer wieder verändern. Henne erläutert hierzu: „Sie setzt die Standardsprache voraus, wandelt sie schöpferisch ab, stereotypisiert sie zugleich und pflegt spezifische Formen ihres sprachlichen Spiels.“[13] D.h. sie ist keinesfalls eine eigenständige Sprache, sondern vielmehr eine Varietät der Standardsprache, indem sie sich deren Mittel bedient und sie gegebenenfalls abändert.

Bevor auf die genaue Entstehung bzw. Zusammensetzung der Jugendsprache, die Modelle und den Sprachwandel eingegangen wird, ist es wichtig zu erwähnen, dass Jugendsprache als Gruppensprache nicht auf einer einzigen Ebene darstellbar ist. Augenstein unterscheidet hierbei drei solcher Ebenen, die sich gegenseitig durchaus beeinflussen können:

- Die Großgruppe Jugend: Diese drückt die Zugehörigkeit zu der Großgruppe Jugendlicher aus und schließt die kleineren mit ein. Gemeinsam grenzt sich diese soziale Gruppe von der Gesellschaft ab.
- Die subkulturelle Gruppe: Sie bedeutet Zugehörigkeit zu einer bestimmten Jugendszene und dient der Binnenmarkierung in der Szenelandschaft, z.B. Skater, Rapper.
- Die Peergroup: Dies ist kleinste Gruppe. Hierbei handelt es sich um Zugehörigkeit zu einer Gruppe Jugendlicher, die etwa im gleichen Alter sind, eine ähnliche soziale Herkunft, gemeinsame Interessen und Einstellungen haben.[14]

[...]


[1] Henne 1986, 208f.

[2] Henne 1986, 208 f.

[3] Vgl. Henne 1981, 372

[4] Neuland 2000, 110

[5] Vgl. ebd. 2008, 92

[6] Ebd. 2008, 92

[7] Bluhm 2003, 217'

[8] Vgl. Neuland 2008a, 109

[9] Vgl. Schlobinski/Heins 1998, 10

[10] Androutsopoulos 1998, 35

[11] Neuland 1994, 81

[12] Ebd. 2008a, 24

[13] Henne 1986, 208

[14] Augenstein 1998, 25

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656453055
ISBN (Buch)
9783656454090
Dateigröße
758 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229906
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,0
Schlagworte
phänomen jugendsprache

Autor

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