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Neun Bausteine zum Aufbau und Erhalt einer positiven Eltern-Kind-Beziehung

Seminararbeit 2011 23 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Macht und Verantwortung
2.2 Grenzen
2.3 Neun Bausteine zum Aufbau und Erhalt von Beziehungen
2.3.1 Einfühlung und Verständnis
2.3.2 Respekt
2.3.3 Mut machen
2.3.4 Zeit bewusst miteinander teilen
2.3.5 Vorbild sein
2.3.6 Positives in den Blick nehmen
2.3.7 Mitwirken lassen
2.3.8 Kommunikation
2.3.9 Selbstmanagement

3. Kritische Auseinandersetzung und Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Seminararbeit im Bereich Familien- und Erziehungsberatung setzt sich mit dem Thema „Aufbau und Erhalt positiver Eltern-Kind-Beziehungen“ auseinander, da Erziehung, also „[…] die bewusste und zielgerichtete Beeinflussung von Kindern durch Eltern […]“ (vgl. Vollmer 2005, S. 78), erst auf der Grundlage einer positiven emotionalen Beziehung stattfindet und wirksam ist (vgl. Tschöpe-Scheffler 2003, S. 44ff.).

Die Eltern-Kind-Beziehung gehört außerdem zu den bedeutsamsten Faktoren für die Entwicklung kindlichen Verhaltens (vgl. Lask 2007, S. 54). Die Hirnforschung kann nicht nur belegen, dass das Gehirn des Kindes ein Lernspezialist ist, sondern auch zeigen, dass es besonders dann Gelerntes abspeichern und abstrahieren kann, wenn Kinder in sicherer, enger und vertrauter Verbundenheit mit ihren Bezugspersonen leben (ebd., S. 13). Jeder Mensch ist mindestens auf sich selbst, aber auch auf andere Menschen bezogen. Entscheidend ist die Qualität von zwischenmenschlichen Beziehungen, deren Grundlage Vertrauen ist. Dieses muss in einem lebenslangen, herausfordernden Prozess aufgebaut und immer wieder erarbeitet werden.

Erziehungsansätze wandeln sich mit dem Lauf der Zeit, der Veränderungen in den Bereichen Politik, Gesellschaft und Familie mit sich bringt. Dies verdeutlicht auch der dänische Erziehungswissenschaftler Jesper Juul. Er schreibt (Juul 2010, S. 15): „Eltern, Lehrer und Pädagogen genießen den Respekt ihrer Umwelt inzwischen weniger durch das,wassie sind, als dadurch,wersie sind.“ Sigrid Tschöpe-Scheffler veranschaulicht in Ihrer Grafik (siehe unten) einige Faktoren, die dazu beitragen, dass Erziehung in der heutigen Zeit grundsätzlich schwieriger geworden ist (vgl. Tschöpe-Scheffler 2006, S. 10). Diesen Faktoren und den damit verbundenen Herausforderungen können Familien nur dann begegnen, wenn sie mit- und voneinander lernen, denn Eltern haben keinen eindeutigen Wissens- und Erfahrungsvorsprung mehr in allen Bereichen des alltäglichen Lebens (ebd., S. 10). Diese Gleichheit in Familien und das Aufeinanderbezogensein ist überlebenswichtig, denn Kinder und Erwachsene müssen (neue) Lebenskompetenzen erwerben, um in der postmodernen Welt zurechtzukommen (ebd., S. 10).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die neun Bausteine zum Aufbau und Erhalt von Eltern-Kind-Beziehungen sollen Einladung, Anreiz und Hilfestellung für Erwachsene sein, eine qualitätvolle Beziehung zu (ihren) Kindern aufzubauen und zu erhalten. Dabei ist es wichtig, dass Familien ihre Ressourcen wahrnehmen, anerkennen und die Bereiche verstärken, in denen ein Miteinander erfolgreich ist und bereits gelingt, denn daraus erwachsen auch der Mut und die Motivation, Wachstumsbereiche kreativ zu lösen. Familien sollten daher ihren Fokus nicht auf Misserfolge richten, um einen Einstieg in die negative Gedanken- und Handlungsspirale und um Frustration und Kapitulation zu vermeiden (Lask 2007, S.8). Eine Eltern-Kind-Beziehung entwickelt sich am besten auf der Basis der vorbehaltlosen Annahme und einer positiven Grundhaltung dem Kind gegenüber. Darauf kann aufgebaut werden durch gemeinsam verbrachte positive Zeit, durch die Förderung und Begleitung des Kindes, durch Vermittlung von Wert- und Glaubensinhalten und durch die Sorge um sich selbst. Alle diese Elemente stärken die Beziehungsfähigkeit des Kindes, seine Identität und sein Selbstvertrauen durch vielfältigen Kontakt und Rückmeldungen mit Bindungs- und Vertrauenspersonen (Lask 2007, S. 54). Zweck des Einsatzes der Beziehungsbausteine ist nicht nur eine oberflächliche Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung, sondern die Gemeinschaft, das Verstehen, die tiefe Kenntnis und das Anteilnehmen am Leben der Kinder bzw. aller Familienmitglieder zu bewirken. Beim Aufbau und Erhalt positiver Beziehungen geht es um ein individuelles und prozesshaftes Geschehen im „Hier und Jetzt“, nicht um einen Idealzustand, der irgendwann in der Zukunft erreicht werden muss. Juul drückt es so aus: „Das Ziel ist nicht, eine „richtige Familie“ zu schaffen, sondernunsereFamilie.“ (vgl. Juul 2010, S. 38).

Im Rahmen der Seminararbeit wird davon ausgegangen, dass es sich bei den Eltern-Kind-Beziehungen um die Konstellation von Mann (Vater), Frau (Mutter) und Kind(ern) handelt. Mutter und Vater sind dabei sowohl die biologischen als auch die sozialen Eltern. Die frei erfundenen Beispiele berücksichtigen dies.

2. Hauptteil

2.1 Macht und Verantwortung

Eltern haben rechtliche, ökonomische, physische und psychische Macht über ihre Kinder, ihr Leben und Wohlergehen (vgl. Juul 2010, S. 13). Eltern können Kindern physische Gewalt antun mit oder ohne Zuhilfenahme von anderen Menschen oder Gegenständen, zum Beispiel durch Schlagen, Stoßen, Ziehen, Fesseln, Anbinden, Treten, Angreifen, Anschreien, Anspucken, Schubsen, Essensentzug, Schlafentzug. Laut § 1631 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches in der Fassung des Jahres 2000 haben Kinder „ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig“ (http://dejure.org/gesetze/BGB/1631.html). Trotz dieser gesetzlichen Ächtung von jeglicher Form der Gewalt an Kindern waren und sind diese Erziehungsmaßnahmen heute teilweise immer noch zum Aufzeigen von Grenzen, als Ventil für die eigene Unzulänglichkeit oder als Ausdruck der Hilflosigkeit und Ohnmacht akzeptiert. Die Motive und Ziele für Gewaltbejahung und -ausübung sind vielfältig. Gründe für elterliche Gewalt im Erziehungsalltag können in einem generellen Gefühl und Wissen der Überlegenheit, ebenso jedoch in Überforderung, Angst oder Unsicherheit liegen. Es gibt aber auch Eltern, die bewusst, aus religiöser oder kultureller Überzeugung, ihren Kindern Gewalt antun. Psychische Gewalt lässt sich generell schwieriger konkretisieren, äußert sich aber unter anderem in Lächerlichmachen, Sarkasmus, übler Nachrede, Verboten (z. B. Umgang mit Freunden, Hausarrest), Manipulation, Alleinlassen, Ignoranz, Abhängighalten oder emotionalem Missbrauch. Zum Einsatz von Gewalt als Erziehungsmethode schreibt Jesper Juul:

„Gewalt als Mittel der Erziehung erzeugt keinen Respekt, sondern Angst. Sie bringt den Kindern nicht den Unterschied zwischen richtig und falsch bei, sondern lehrt sie, dass Gewaltanwendung richtig ist, wenn man die Macht hat. Sie lehrt die Kinder nicht, die Grenzen der Erwachsenen zu respektieren, sondern die Konsequenzen zu fürchten.“(vgl. Juul 2010, S. 14).

Damit modernen Eltern ihre Führungsrolle gelingt und um Machmissbrauch zu vermeiden, ist es laut Juul (ebd., S. 15) notwendig, dass sie persönliche Autorität entfalten und so kongruent und authentisch wie möglich den Kindern (und ihren Partnern) begegnen.

Eltern haben nach dem deutschen Grundgesetz § 6 Absatz 2 das (Vor-)Recht und die Pflicht, ihre Kinder zu erziehen: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“ (http://dejure.org/gesetze/GG/6.html). In einer Familie, einem wechselseitigen Interaktionsgefüge, erziehen Kinder aber auch ihre Eltern. Kinder sind wie ein Spiegel, in dem sich Eltern selbst erkennen können mit allem Guten und auch mit allen Wachstumsbereichen (vgl. Wünsche 2006, S. 15). Es ist ihre Pflicht, ihren Einfluss wahrzunehmen und gezielt positiv nutzbar zu machen. Die Eltern tragen die Verantwortung für die Qualität ihrer Beziehung zum Kind und für ihr Erziehungsverhalten. Einseitiges erzieherisches Handeln kann nach Weikert (vgl. Weikert 1996, S. 154) schwere Verhaltensstörungen beim Kind hervorrufen. Verantwortung zu übernehmen, bedeutet für Eltern grundlegend, dass sie ihre Elternrolle bejahen (vgl. Tschöpe-Scheffler 2005, S. 280) und ihr erzieherisches Handeln für die Kinder voraussehbar ist (vgl. Wünsche 2006, S. 16).

2.2 Grenzen

Für das Fundament positiver Beziehungen ist die Fähigkeit unerlässlich, sich voneinander so abzugrenzen, dass weiterhin guter Kontakt zwischen Eltern und Kind besteht, ohne dass einer von beiden darunter leidet (vgl. Juul 2010, S. 7). Zwei Facetten des Liebens sind das Beachten und Respektieren von persönlichen Grenzen des Kindes wie der Eltern. Kinder lernen erst im Wachstumsprozess ihre persönlichen Grenzen und Bedürfnisse und die der anderen kennen, oft indem sie die eigenen oder fremde überschreiten. Wieder fungieren Eltern als Vorbilder für ihre Kinder, und zwar in der Art und Weise, wie sie mit diesen Situationen umgehen. Kinder zeigen ihren Eltern ihre Bedürfnisse und ihre Grenzen und die Eltern können entscheiden, wie sie mit dem umgehen, was ihnen durch die Nähe zu ihren Kindern offenbart wird. Bedürfnisse und Grenzen sollten immer in einer persönlichen Sprache zum Ausdruck gebracht werden, damit deutlich wird, wer der Problemeigentümer ist und wen das Anliegen konkret betrifft. Eltern und Kind haben gleiche physische und psychische Grundbedürfnisse, wie zum Beispiel Ruhe, Schlaf, Bewegung, Versorgung, Angenommenwerden, Vertrauen, Sicherheit, Zugehörigkeit, Zuneigung, Zärtlichkeit, Spaß, Freiräume, etwas Schönes tun, Freunde, Anerkennung, Leistung, etwas Sinnvolles tun (vgl. Honkanen-Schoberth 2002, S. 36).

2.3 Neun Bausteine zum Aufbau und Erhalt von Beziehungen

2.3.1 Einfühlung und Verständnis

Bei diesem Baustein zum Aufbau und Erhalt einer positiven Eltern-Kind-Beziehung ist es wichtig, dass die Bezugspersonen versuchen und lernen, sich in ihr Kind hineinzuversetzen, also die Welt und konkrete Situationen aus der Sicht des Kindes wahrzunehmen und zu verstehen. Eltern sollten die Wünsche, Bedürfnisse und den Willen ihres Kindes erkennen und darauf eingehen. Das bedeutet nicht, dass Eltern immer alles tun müssen, was ihre Kinder verlangen, oder alles gut finden sollten, was ihre Kinder machen. Oft geht es darum, Kinder erleben zu lassen, dass sie gesehen werden und Eltern mit ihnen in Beziehung treten, indem sie das Wahrgenommene thematisieren; denn Kinder suchen Nähe statt Grenzen und sind grundsätzlich immer kooperationsbereit (vgl. Juul 2009, S. 46). Durch gezielte Beobachtung können Eltern lernen, die gefühlsmäßige Verfassung ihres Kindes zu erkennen und dessen Signale zu deuten. Dabei sollten sie besonders auf den Tonfall, die Mimik und Gestik achten, ebenso aber auf den Inhalt der Botschaft (vgl. Weiß et al. 2008, Thema 19, S. 18). Wenn sich ein Kind sehr freut und aufgeregt ist, können Eltern ihm vermitteln, dass sie den Anlass seiner Freude teilen oder nachvollziehen können. („Du bist wohl ganz aufgeregt, weil wir heute in den Zoo gehen?“) Wenn Bezugspersonen bemerken, dass ein Kind wütend ist, können sie dem Kind helfen, das Gefühl und die Situation zu bearbeiten, indem sie Verständnis zeigen („Ich weiß, dass Dich das wütend gemacht hat. Wie wäre es, wenn du den ganzen Ärger aus dem Bauch lässt und mal kräftig schreist?“) und ihm die Möglichkeit geben, es körperlich auf angemessene Weise abzubauen, zum Beispiel durch ein Bataka, einen Boxsack oder ein Wutkissen (ebd., S. 18). Trost ist ein Mittel der Einfühlung, wenn sich ein Kind verletzt hat oder Angst zeigt. Je besser es sich verstanden fühlt, desto eher wird es in der Lage sein, die Situation zu verarbeiten.

2.3.2 Respekt

Dass Kinder ihre Bezugspersonen und andere Menschen respektieren, ist ein Erziehungsziel vieler Eltern. Dies werden Kinder am besten lernen, wenn sie selbst die Erfahrung machen, mit Respekt behandelt zu werden. Es beginnt mit dem Anerkenntnis seitens der Eltern, dass einem Kind die gleiche Würde eignet wie Erwachsenen und es deshalb als gleichwertiges Geschöpf mit Bedürfnissen, Gefühlen und Grenzen wahrgenommen werden muss (Juul 2006, S. 24f.). Konkret bedeutet Respekt gegenüber Kindern, dass man ihnen eine Privatsphäre gestattet, direkte und indirekte verbale und/oder nonverbale Übergriffe unterlässt und dass Eltern sich bei ihren Kindern für eigenes Fehlverhalten entschuldigen. Bezugspersonen von Kindern sollten es vermeiden, in Gegenwart anderer über das Kind zu sprechen, als wäre es nicht anwesend, es mit anderen zu vergleichen oder zu disziplinieren und damit bloßzustellen (vgl. Weiß et al. 2008, Thema 19, S. 18). Eine Form des Respekts kann auch ein Nichteingreifen oder Gewährenlassen sein in Situationen, in denen sich ein Kind selbst Wissen aneignet oder seine zunehmende Selbstständigkeit verteidigt, die es sich hart erarbeitet hat, solange das nicht eine Gefahr für das Kind selbst oder andere Personen darstellt. Es geht hierbei nicht darum, dass Eltern ein Kind sich selbst überlassen, ihm alles erlauben, oder dass ihnen alles gleichgültig ist. Eltern sollten sich vielmehr als Forschungsassistenten begreifen, die ihre Kinder beim Explorieren begleiten und beobachten, wie sie sich ihr Lebensumfeld und die Welt an sich erschließen. Dabei unterstützen sie helfend diesen Prozess, sind Ansprechpartner und sichere Basis für das Kind, auf die es sich zurückziehen kann (vgl. Ahnert 2010, S.128f.). (Selbst-)Respekt ist Voraussetzung und Basis für Beziehungen, aber auch eine Antwort oder Folge aus ihnen (vgl. Juul 2009, S. 40). Ganz praktisch können sich Eltern grundsätzlich und immer wieder mit Fragen zum ThemaVorbildseinauseinandersetzen, die ihnen dabei helfen, ihre Einstellungen und ihr Verhalten zu reflektieren. Folgende Fragen können die Selbstreflexion anregen (vgl. Weikert 1997, S. 149): Halten wir gemeinsam aufgestellte Regeln ein?Erfüllen wir in der Familie und im Berufsleben unsere Aufgaben zuverlässig? Bedenken wir die Folgen unserer Handlungen und übernehmen wir für unser Fehlverhalten die Verantwortung? Gehen wir auf Menschen zu und begegnen wir ihnen grundsätzlich mit Respekt? Sind wir in der Lage, Gedanken und Gefühle mitzuteilen und uns zu erklären? Sind wir fähig, mit anderen kreativ und harmonisch zusammenzuarbeiten? Stehen wir zu unseren Meinungen und Entscheidungen? Akzeptieren wir unterschiedliche Meinungen anderer? Zeigen wir Konfliktfähigkeit und können wir Streit friedlich und fair austragen?

2.3.3 Mut machen

Indem Eltern ihre Kinder in ihren Begabungen und Fähigkeiten bestärken, legen sie das Fundament für inneres Wachstum und Weiterentwicklung. Kinder werden durch Ermutigung an Selbstachtung gewinnen, leistungsfähig werden und Selbstvertrauen erlangen (vgl. Weikert 1997, S. 116). Um dies zu erreichen, ist es sinnvoll, Kinder zu beobachten, sich für sie zu interessieren und festzustellen, wo ihre Stärken und Anstrengungen liegen. Ermutigte Kinder werden eher neue Dinge und Situationen ausprobieren und fähig werden, sich selbst kennenzulernen und zu vertrauen, als Kinder, die mit destruktiven und festlegenden Botschaften und selbsterfüllenden Prophezeiungen wie „Aus Dir wird nie etwas werden!“ oder „Lass das, das kannst Du doch eh nicht!“ konfrontiert und möglicherweise in ihrer Gesamtentwicklung gehemmt werden. Stärkende Botschaften lauten zum Beispiel so: „Versuche es doch einmal, es wird Dir bestimmt gefallen!“; „Du schaffst das, ich glaube an dich!“; „Ärgerlich, dass es nicht beim ersten Mal funktioniert hat, probier’s noch einmal, vielleicht klappt es dann!“ (vgl. Weiß et al. 2008, Thema 19, S. 18).

2.3.4 Zeit bewusst miteinander teilen

Kinder brauchen Eltern, die ansprechbar sind, sich ihnen zuwenden und ihnen das „Geschenk der reinen Aufmerksamkeit“ (Martin Buber) machen (vgl. Tschöpe-Scheffler 2003, S. 52). Wenn sich Eltern Zeit für ihre Kinder nehmen, geht es dabei besonders um die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit, nicht um die Quantität. Die Qualitätszeit zeichnet sich durch einen intensiven, liebevollen, konfliktfreien Kontakt und ungeteilte Aufmerksamkeit zwischen Erziehungsberechtigten und Kind(ern) aus (vgl. Plück et al. 2006, S. 59). Es bietet sich aufgrund der wachsenden Aufgaben und des komplexer werdenden Alltags an, diese Beziehungszeiten zu planen. So können Eltern ganz praktisch miteinander darüber nachdenken, wann sich Kurzkontakte und längere Qualitätszeiten am besten in den Wochen- bzw. Monatsplan einarbeiten lassen. Dabei sind pro Tag häufige kurze Beziehungszeiten von 30 Sekunden bis zwei Minuten, die mitten im Alltag geschehen, besser als lange (vgl. Lask 2007, S. 60). Auch berufstätige Eltern können kurze Beziehungskontakte zu ihren Kindern mittels der modernen Kommunikationstechnik pflegen. Sie können von der Arbeitsstelle oder der Dienstreise aus mit ihnen durchFacebookverbunden bleiben, E-Mails, eine SMS oder eine Karte schreiben (ebd. S. 60), mit ihnen skypen oder auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen. Überraschungsbotschaften in der Brotbox oder Klebezettel an einem vom Kind häufig frequentierten Platz zu Hause sind weitere Möglichkeiten der Beziehungspflege.Die Aktivitäten für die ausgedehnten Qualitätszeiten können von Eltern und Kindern zusammen überlegt werden. Gemeinsame Unternehmungen, Ausflüge oder Spaß- und Spielzeiten stärken die Beziehung. Mit Hilfe einer Tabelle können Kinder und Eltern bewerten, was ihnen am besten oder gar nicht gefallen hat, sodass die Aufzeichnungen als Ressource für zukünftige Planungen dienen können.

Beispiel für eine Ideentabelle mit Bewertungsmöglichkeit für die gemeinsam verbrachte Qualitätszeit (vgl. Lask 2007, S. 59):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3.5 Vorbild sein

Aus der Grafik (s.u.) von Honkanen-Schoberth leitet sich ab, dass es wichtig ist, Kindern das Verhalten vorzuleben, welches von ihnen erwartet wird, weil das die Basis der (positiven und negativen) Einflussnahme bildet. Kinder lernen in erster Linie über das Vorbild ihrer Eltern, denn sie sind ihre ersten Lernmodelle, sie haben über ihre ersten Lebensjahre kontinuierlichen Kontakt zu ihnen und werden von ihnen als wichtige und einflussreiche Personen wahrgenommen (vgl. Wünsche und Reinecker 2006, S. 15). Kinder beobachten, wie ihre Eltern ihr Leben gestalten, was und wie sie etwas aussprechen und wozu sie etwas tun. Kinder imitieren ihre Vertrauenspersonen und experimentieren mit dem Wahrgenommenen (vgl. Weiß et al. 2008, Thema 19, S. 19). Deshalb ist es für Eltern unbedingt notwendig, sowohl einzeln als auch gemeinsam ihr (Erziehungs-)Verhalten zu überprüfen. Selbstreflexion, Selbsterkenntnis und Selbsterziehung der Erwachsenen sind unbedingt notwendig im Erziehungsprozess, damit Eltern entwicklungshemmende Einstellungen und schädliches Verhalten eindämmen bzw. einstellen und durch entwicklungsfördernde Ansätze und praktische Methoden ersetzen können (vgl. Tschöpe-Scheffler 2003, S. 11).

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Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656456377
ISBN (Buch)
9783656457367
Dateigröße
639 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229780
Institution / Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau – Sozialwesen
Note
2,0
Schlagworte
Familienberatung Erziehungsberatung Elterntraining Kommunikation Beziehung Erziehung Verantwortung Grenzen Selbstmanagement

Autor

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