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Raumkonzepte in der Schedelschen Weltchronik

Die Darstellungen der Länder in Text, Bild und Karte

Bachelorarbeit 2010 57 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Raumkonzepte und geographisches Wissen im späten Mittelalter

3. Die Schedelsche Weltchronik – Ein Buchunternehmen am Ende des 15. Jahrhunderts

4. Die Länderbeschreibungen
4. 1. Die Auswahl der Länder im Allgemeinen
4. 2. lant, gegent, volck oder reich – Die Namen der Länder
4. 3. Lageangaben und Grenzziehungen
4. 4. Landschaftsmerkmale
4. 5. Natürliche Ressourcen

5. Die Landschaftsbilder
5. 1. Aufbau und Verwendung der Bilder innerhalb der Chronik
5. 2. Beschreibung der Bilder und ihre topographischen Faktoren

6. Die „Deutschlandkarte“
6. 1. Karten im späten Mittelalter
6. 2. Beschreibung der „Deutschlandkarte“ und ihre topographischen Faktoren

7. Die Raumkonzepte im Vergleich von Text, Bild und Karte

8. Schlussbemerkung

9. Literatur

10. Abbildungsnachweis

11. Anhang

1. Einleitung

Es sind drei Jahreszahlen, die immer wieder für das Ende des Mittelalters genannt werden: 1454, der Buchdruck mit beweglichen Lettern hilft schneller Wissen zu verbreiten, 1492, die Neue Welt wird entdeckt und 1512, die Kirche wird reformiert. Alle drei Ereignisse symbolisieren einen Umbruch. Doch auch wenn es einzelne Jahreszahlen sind, so ist ein solcher Wandel, wie der vom Mittelalter zur Neuzeit, nicht mit einem Ereignis oder innerhalb weniger Jahre vollzogen. Während sich neue Ideen durchsetzen wird immer noch Altes tradiert, obwohl neues Wissen schon verfügbar ist, werden immer noch alte Vorstellungen weitergegeben.

Inmitten dieser Umbruchszeit wird 1493 in Nürnberg ein bilderreiches, großes Buch gedruckt: die Schedelsche Weltchronik. Es ist ein „buch[.] der Chroniken und geschichten mit figurē und pildnussen von anbegiñ der welt bis auf diese uñsere zeit“ [1]. Mehrere gebildete und wohlhabende Männer haben sich zusammengefunden, um dieses Buchunternehmen zu realisieren. Chroniken gab es am Ende des Mittelalters viele, doch versehen mit etlichen Bildern sollte diese zum Verkaufshit werden. Man fügte ein Register an, um es als Nachschlagewerk benutzen zu können, und brachte erstmals sehr umfangreich Städte- und Länderbeschreibungen unter. Die Bilder und die Städtebeschreibungen waren es, die die Chronik tatsächlich bis in unsere heutige Zeit berühmt gemacht haben. Zum einen konnte die Mitarbeit Albrecht Dürers nachgewiesen werden, zum anderen lieferte das Buch für mehrere mittelalterliche Städte erste der Realität einigermaßen entsprechende Abbildungen. Für die Buchforschung ist die Chronik ebenfalls ein lohnendes Objekt. Verträge, Vorlagen und Korrekturen haben sich erhalten, so dass der Prozess der Buchherstellung in der Inkunabelzeit, also der Zeit der ersten gedruckten Bücher, nachvollzogen werden kann.

Der Schedelschen Weltchronik wurde viel Aufmerksamkeit gespendet, jedoch wurde das was das Buch mitteilen wollte, der Inhalt, nur selten betrachtet. Dabei ist das Buch eine Manifestation des mittelalterlichen - frühneuzeitlichen Wissens. Eine Kompilation aus biblischen, sagenhaften und zeitgeschichtlichen Ereignissen und geographischen Beschreibungen.

Die Geographie war im Mittelalter alles andere als ein repräsentatives Fach. Geographische Fragestellungen wurden so gut wie nicht bearbeitet und geographisches Wissen wurde vor allem als Teil der Rhetorik angewendet um Geschichte zu untermalen. Es war zwar wichtig im täglichen Leben, doch die Gelehrten hielten sich nicht damit auf. Mit den neuen Entdeckungen und der Vergrößerung der bekannten Welt stieg das Interesse. Ab dem 16. Jahrhundert häufen sich dann neue erdkundliche Erkenntnisse und Erfindungen.

Die Schedelsche Weltchronik steht ganz zu Beginn dieser neuen Entwicklung. Ein Jahr vor dem Druck wurde von Martin Behaim ebenfalls in Nürnberg der „Erdapfel“ hergestellt, der älteste erhaltene Globus. Die Darstellung entspricht noch lange nicht der unseres heutigen Wissens, doch die Darstellungsweise ist revolutionär und beflügelte die Kartographie. Die Schedelsche Weltchronik zeigt ein großes Interesse an landeskundlichem Wissen, was eine Neuerung gegenüber anderen Chroniken ist. Doch inwieweit ist die Darstellung noch dem Mittelalter verhaftet? Zeigen sich tatsächlich schon Spuren eines neuen geographischen Ansatzes?

Diese Arbeit möchte dieser Frage nachgehen. Um sie zu beantworten sollen die Elemente herausgefiltert werden, die bei der Charakterisierung eines Landes wichtig waren. Sind diese individuell, also eher neuzeitlich oder entsprechen sie Topoi und gehören damit dem mittelalterlichen Vorgehen an?

Es soll in dieser Arbeit nicht darum gehen unser heutiges Wissen mit dem in der Weltchronik abzugleichen um eine Auflistung wahr/falsch zu erhalten. Das geographische Wissen, welches vermittelt wird, soll nicht bewertet werden. Sondern ich möchte es heranziehen um die Konzeption von Ländern, und damit von Raum, zu beleuchten. Was war an einem Land bemerkenswert? Welche topographischen Faktoren zählten zum Wissen über ein Land? Und was wurde abgebildet? Die Chronik bietet die Gelegenheit die Darstellungen in Bildern, im Text und in Karten heranziehen und vergleichen zu können.

Da sich in den letzten beiden Jahrzehnten die Auffassung zum Raum und damit zur Geographie maßgeblich geändert hat, möchte ich zunächst in Kapitel 2 die Forschungsgeschichte, speziell den spatial turn, kurz behandeln und dann näher auf die Geographie im Mittelalter eingehen. In Kapitel 3 wird die Schedelsche Weltchronik und ihre Erschaffer vorgestellt. Dann folgen die Betrachtungen zum Text, den Bildern und der so genannten „Deutschlandkarte“. Der Untersuchung liegt die deutsche Ausgabe zu Grunde. Ein Vergleich mit dem lateinischen Druck wäre durchaus wünschenswert, jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich.

Zuerst habe ich die Länderbeschreibungen aus der Schedelschen Weltchronik gefiltert. Die erhaltenen Angaben werden dann nach den Namen, Grenzziehungen, Landschaftsmerkmalen und Ressourcen sortiert behandelt. Während im Kapitel 4 meist beispielhaft auf die Beschreibungen eingegangen wird, können die gesamten geographischen Ausführungen, reduziert auf die Grundaussagen, in den Tabellen 2 bis 4 im Anhang nachgeschlagen werden. Im Kapitel 5 werde ich vier ausgewählte Landschaftsbilder beschreiben und in ihre Bildelemente zerlegen. Kapitel 6 behandelt nach einer kurzen Abhandlung zur Kartographie im Mittelalter die „Deutschlandkarte“ der Weltchronik. Kapitel 7 führt die Ergebnisse der Einzelbetrachtungen zusammen. Dabei soll nicht der direkte Vergleich der angeführten Faktoren im Vordergrund stehen, z. B. was ist textlich beschrieben worden und was ist auf der Karte zu sehen, sondern es sollen die zu Grunde liegenden Strukturen verglichen werden, um abschließend ein Urteil über die Raumkonzepte der Schedelschen Weltchronik fällen zu können.

2. Raumkonzepte und geographisches Wissen im späten Mittelalter

Raum ist ein alltägliches, jederzeit fassbares und unumgängliches Phänomen. Räumlichkeit an sich, wie es Karl Schlögel schreibt, „ ist nicht der Rede wert. Über das, was sich von selbst versteht, spricht man nicht. […] Alles, was geschieht, findet nicht nur in der Zeit statt, sondern auch im Raum – das weiß jedes Schulkind.“ [2] Doch gerade durch seine Alltäglichkeit ist Raum ein Phänomen, das „menschliches Handeln und Verhalten grundlegend“ [3] bestimmt. Raum ist nicht nur physisch, real und unmittelbar existent, er kann auch als gesellschaftliches, menschliches Produkt verstanden werden und damit verschiedensten Konzepten und Konstruktionen unterliegen.[4] „Denn während wir Raum im Kleinen täglich erfahren, indem wir ihn begehen, vermessen und verlassen, sind wir gleichzeitig mit einer Unermesslichkeit und Abstraktion von Räumen konfrontiert, die wir nur schwer begreifen können.“[5], schreibt Ingrid Baumgärtner in der Einführung des Bandes „Raumkonzepte: Disziplinäre Zugänge“. Dieses Buch ist eines unter vielen Publikationen der letzten Jahre, welches Raum im Titel trägt. Seit dem Ende der 80er Jahre manifestierte sich in den Gesellschaftswissenschaften der so genannte spatial turn.[6] Raum ist zum beliebten Untersuchungsobjekt avanciert und gleichzeitig werden Raumkonzepte in vielen Forschungsbereichen angewandt. So haben Schlagwörter, wie Raumerfahrung, Raumbewusstsein oder Raumerfassung vor allem im letzten Jahrzehnt auch die Geschichtswissenschaften erreicht.[7]

1987 schrieb Franz Irsigler, „daß die Erforschung von historischen Räumen, Raumstrukturen oder Raummustern seit den späten 50er Jahren in der deutschen und der internationalen Forschung einen außerordentlichen Aufschwung genommen hat“ [8] . Er postuliert eine Kontinuität der Raumforschung zu einer Zeit, als vom spatial turn noch keine Rede war.[9] Die „Methoden, Konzepte oder Theorien“[10], die er präsentiert, beschränken sich auf die Landesgeschichte und auf die Zentralitätsforschung. Bei letzterer wird versucht geographische Raummodelle, z. B. von Heinrich von Thünen oder Walter Cristaller, auf die geschichtliche Zeit anzuwenden, bzw. anzupassen. Was hier deutlich wird ist, dass die Raumforschung bis zum Ende der 80er Jahre hauptsächlich dazu diente geschichtliche Abläufe in eine Raumstruktur einzubetten. Es galt Kulturräume, Herrschaftsräume, Territorien, Provinzen, Länder, Regionen, etc. zu beschreiben und voneinander abzugrenzen. Die politische oder rechtliche Dimension stand hierbei meist im Vordergrund, wie z. B. die Bildung der Territorialstaaten oder die Verfassungsgeschichte. Ein anderer Schwerpunkt lag auf dem Raumgefüge, wie z.B. die Forschungen zum Stadt – Umland Verhältnis.[11]

Mit dem spatial turn änderten sich die Auffassungen der Raumforschung. Raum ist nicht mehr eine absolute Gegebenheit, in der sich Geschichte abspielt,[12] sondern Raum wird konstruiert durch geographische, politische, religiöse, ethnographische und soziale Faktoren. Der Aspekt, dass Raum etwas „Beobachterabhängiges, gesellschaftlich Produziertes“ [13] ist, wird hervorgehoben. Raumkonzepte werden nicht mehr ausschließlich dafür benutzt geschichtliche Räume zu definieren. Mit der Betrachtung der räumlichen Wahrnehmung als Teil des menschlichen Bewusstseins können nun Erkenntnis- und Erfahrungsprozesse beleuchtet werden.

Der Band zur 30. Kölner Mediaevistentagung in Köln im Jahr 1996 zeigt wie umfangreich die Betrachtungsansätze von „Raum und Raumvorstellungen“ für das Mittelalter sein können, sie reichen vom physikalischen Raum bis zum Raum in der Musik. Geographische Raumvorstellungen bilden dabei nur einen kleinen Teil.[14] Insgesamt ist es sogar so, dass übergreifende Publikationen zum geographischen Wissen im Mittelalter eher eine Seltenheit sind. Dies rührt vermutlich daher, dass die Geographie im mittelalterlichen Wissensbetrieb nur eine Randerscheinung war.

Die Grundlagen der Geographie sind in der Antike gelegt worden. Drei der bekanntesten „Geographen“ sind Herodot (490/480 – 424 v. Chr.), der nicht nur als Vater der Geschichte gilt, sondern auch als Vater der Geographie,[15] Plinius der Ältere (23 – 79 n. Chr.), dessen Werk „Naturalis Historia“ das Wissen seiner Zeit über die Natur zusammenfasst und Claudius Ptolämeus (um 100 – um 175 n. Chr.), der mit seiner „Geographia“ das Fundament für die moderne Kartographie schuf. Diese drei und andere antike Autoren[16] wurden im Mittelalter herangezogen, wenn es um geographisches Wissen und dessen Anwendung ging. Eigenständige Forschungen zur Länderkunde, zur Vermessung der Welt oder zur Wirtschaftsgeographie erfolgten in Mitteleuropa dagegen nicht.

Trotzdem war die Geographie immer ein Teil des Lebens. Topographisches Wissen war für Reisende unentbehrlich. Händler verfügten natürlich über wirtschaftsgeographische Kenntnisse und eine konstruierte räumliche Ordnung lag der Religion zu Grunde. Die mappae mundi, universelle Weltkarten des Mittelalters, repräsentieren diese Ordnung. Sie zeigen nicht naturgetreu das Abbild der Welt, sondern sie illustrieren das Welt- und Heilsgeschehen. Sie sind ein „Erzeugnis der Geistesgeschichte“.[17]

Die Erforschung der Geographie des Mittelalters beschäftigt sich mit Einzelaspekten. Wichtige Quelle sind die Weltbilder der mappae mundi, Karten im Allgemeinen, Reise- oder Pilgerberichte und Itinerare.[18] Die Chroniken und Geschichtswerke sind ebenso Quellen um geographisches Wissen des Mittelalters rekonstruieren zu können. Polybios (um 200 – um 120 v. Chr.) forderte, dass ein Geschichtsschreiber die Topographie des Schauplatzes kennen muss. Nicht nur seit ihm ist es Tradition einer geschichtlichen Abhandlung eine geographische Beschreibung des Ortes voran zu stellen oder beizufügen. Für das Mittelalter konstatiert Marie Bláhová: „Ein derartiger situs terrae, eine Beschreibung der Lage und Charakteristik der natürlichen Gegebenheiten des Landes, wurde zum Bestandteil fast jeder mittelalterlichen Staatsvolkgeschichte. Nicht selten kommt dieser Exkurs im Zusammenhang mit der Landnahmeerzählung vor. Die Verfasser versuchten jedoch nicht nur, das Land geographisch zu lokalisieren, seine Natur und sein Klima zu beschreiben, sondern auch seine Eignung für das menschliche Leben zu betonen. In diesem Fall geht die Landbeschreibung zumeist in das Landeslob über.“ [19] Diese Herangehensweise ist auch in der Schedelschen Weltchronik zu finden und zeigt seine Verankerung im Mittelalter. Das Landeslob verharrt mehr in der Verwendung von Topoi anstatt reale Naturbeschreibungen einzubinden. Doch auch letztere kommen in der Weltchronik vor.[20] So gilt für die Chronik, dass sie „typisch für das Produkt einer Zeitenwende [ist], in dem Althergebrachtes und Neues sich durchdringen, also 'Noch' und 'Schon' vermengt sind.“

Die Chronik steht am Beginn einer Zeit, in der der Stellenwert der Geographie wieder stieg. 1492, ein Jahr vor dem Druck der Chronik, schuf Martin Behaim den „Erdapfel“ und Christoph Kolumbus entdeckte Amerika. 1509 erhielt Barthel Stein eine Lektur an der wittenbergischen Universität für die er nur geographische Vorlesungen hielt.[21] 1569 erschuf Gerhard Mercator die erste winkeltreue Karte mit der nach ihm benannten „Mercator-Projektion“. Es sollte zwar noch eine Weile dauern, bis die moderne Geographie mit Alexander von Humboldt (1769 – 1859) begann, doch die Anfänge waren gemacht.

3. Die Schedelsche Weltchronik – Ein Buchunternehmen am Ende des 15. Jahrhunderts

Zum Ende des 15. Jahrhunderts war Nürnberg eine blühende Stadt. Als Freie Reichstadt profitierte sie von der Lage im Herzen des Heiligen Römischen Reichs und war im Spätmittelalter eine der größten Städte des Reiches. Sie war zwar nicht der Sitz einer Universität, doch sie bot vielen Bürgern in wirtschaftlicher Hinsicht sehr gute Perspektiven. Das wirtschaftliche Hoch wirkte sich auf die Bildung und die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Arbeit aus. So „bestand ein auffälliger Zusammenhang zwischen dem Wohlstand einzelner Patrizierhäuser und der Ausdehnung des Humanismus. Dieser Wohlstand ermöglichte Bildungsreisen, gab freie Zeit, besonders am Lebensabend, gab die Mittel, um opulente Bibliotheken zu sammeln, Stipendien zu vergeben, begabte Familienmitglieder ganz freizustellen für Studien.“ [22] Patriziersöhne, darunter auch Hartmann Schedel, reisten nach Italien und kamen angefüllt mit humanistischen Ideen zurück. Nürnberg avancierte zum Zentrum des Humanismus in Deutschland.[23] Für das „größte Buchunternehmen der Dürer-Zeit“, wie Elisabeth Rücker ihr Buch über die Schedelsche Weltchronik untertitelt,[24] bot die Stadt somit „wohl die idealste Umwelt in Deutschland schlechthin“.[25]

Die Schedelsche Weltchronik war ein Gemeinschaftswerk.[26] Zwar wird sie heute nach dem Kompilator des Werkes, Hartmann Schedel, benannt,[27] doch ist ein solches Buch nicht ohne Finanziers, Drucker, Maler und Formschneider zu realisieren. Bemerkenswert ist, dass von den mindestens 10 beteiligten Personen allein fünf in einer Strasse wohnten, in der Gasse unter der Veste, welches heute die Burgstrasse ist.[28] Dies waren Sebald Schreyer (1446 – 1520), Anton Koberger (um 1440 – 1513), Michael Wolgemut (1434/37 – 1519), Albrecht Dürer (1471–1528) und Hartmann Schedel (1440 – 1514).[29] Sebald Schreyer war u. a. am kaiserlichen Hof in Wien und im Pelzhandel tätig, er war Schöffe am Land- und Bauerngericht und Geldzähler in der Losungsstube. Er und der Bruder seiner Frau Sebastian Kammermeister (1146 – 1503), über den nur sehr wenige Informationen vorliegen, finanzierten das Buchunternehmen. Anton Koberger war der Drucker der Chronik. Ihn würde man heute einen Selfmademan nennen. Geboren als Sohn eines Bäckermeisters brachte er es als europaweiter Händler von Büchern in das Nürnberger Patriziat. 1473 begann Koberg zu drucken. Nach und nach baute er ein weit reichendes Netz von Offizin auf und wurde zu einem wohlhabenden Mann. 1504 stellte er die Druckerei ein, da das Handwerk als nicht standesgemäß galt.[30] Zudem war er der Pate von Albrecht Dürer. Dieser wiederum war vermutlich als Lehrling am Druck der Weltchronik beteiligt. Sein Lehrmeister war Michael Wolgemut, der mit seinem Stiefsohn Wilhelm Pleydenwurff erfolgreich eine Malerwerkstatt führte. Beide stellten die Vorlagen und die Holzstöcke für die Chronik her.

Hartmann Schedel studierte in Leipzig und Padua, und wurde 1484 Stadtphysikus von Nürnberg. Er hatte von seinem Vetter Hermann Schedel, der seit dem Tode seiner Eltern[31] sein Förderer war, eine umfangreiche Bibliothek geerbt. Dieser fügte er etliche Werke hinzu. Später bildete sie das Fundament der Bayrischen Staatsbibliothek.[32] Als Büchersammler war Schedel prädestiniert den Text zu der Chronik beizusteuern, indem er ihn aus anderen Werken zusammentrug.

Anton Koberger und Sebald Schreyer waren „Genannte des Großen Rates“ in Nürnberg, was ebenfalls auf Hartmann Schedel zutraf. Die drei studierten Männer dürften nicht nur deswegen in regen Kontakt miteinander gestanden haben. Es ist gut vorstellbar, dass die Schedelsche Bibliothek ein Treffpunkt für geistige Auseinandersetzungen war.[33]

Bemerkenswert ist, dass in Nürnberg am Ende des 15. Jahrhunderts verschiedenen geographisch Interessierten zusammen kamen. Hier sind zu nennen: Erhard Etzlaub (1460 – 1532) ein Doktor aber auch ein Kartograf und Kompassbauer, Martin Behaim (1459 – 1507) ein Tuchhändler, Conrad Celtis (1459 – 1508) ein Dichter und Hieronymus Münzer (um 1447 – 1508) ein Arzt, wie Schedel.[34]

Conrad Celtis und Hieronymus Münzer kommen ebenfalls für eine Mitwirkung an der Schedelschen Chronik in Frage. Münzer war ein „Genannter des Großen Rates“. Er war häufiger auf Reisen und geographisch interessiert. Er könnte die geographischen Beschreibungen als Anhang an die Weltchronik angefügt haben.[35] Celtis wurde von Friedrich III. zum poeta laureatus gekrönt. Trotz dieser Ehrung als Dichter litt er unter Geldnot und wohnte zeitweise bei Sebald Schreyer. Er sollte Teile des Textes der Chronik neu verfassen, wozu es aber nicht mehr kam.

Nicht zu vergessen ist Georg Alt (1450 – 1510). Er übersetzte die lateinische Version der Weltchronik ins Frühneuhochdeutsche. Er hatte studiert und war Kanzlei- und Losungsschreiber. Das Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Menschen mit Geld, Bildung und handwerklichem Geschick ermöglichte die Schaffung der bildreichsten Inkunabel, welche am 12. Juli 1493 in lateinischer Sprache ausgeliefert wurde und fünf Monate später am 23. Dezember in einer deutschen Ausgabe.[36]

Die Schedelsche Weltchronik ist nach der Einteilung der Chroniken von Anna-Dorothee von den Brincken eine imago mundi. „Ein solches Werk kann ausschließlich der sichtbaren Welt und ihren Bewohnern gewidmet sein, also eine geographische-historische Mischung darbieten, es kann aber auch alle oder mehrere Freie Künste mitumschließen oder gar eine Zusammenfassung allen Wissens in einer Enzyklopädie erstreben.“ [37] Und so verspricht denn auch die zeitgenössische Buchhändleranzeige: „Wenn du es liest, wird es dich, wie ich dir versprechen darf, derart fesseln, daß du die Abfolge aller Zeiten nicht zu lesen, sondern leibhaftig zu schauen glaubst. Sehen wirst du nicht nur die Bilder der Kaiser und Päpste, Philosophen, Dichter und anderer berühmter Männer, von denen jeder in der richtigen Tracht des Altertums dargestellt ist, sondern auch die Lage der berühmtesten Städte und Gegenden ganz Europas, ihren Anfang, ihre Blüte und ihren weiteren Zustand.“[38] In dieser vollmundigen Beschreibung ist der bunte Reigen, den die Schedelsche Weltchronik bietet, schon zu erahnen. Er reicht von biblischen Geschichten bis zur Baugeschichte des Salomonischen Tempels, von Berichten über monsterähnliche Menschen aus fremden Erdteilen bis zu Biographien der Heiligen oder von Ärzten.

Der Grundton der Chronik ist eindeutig christlich geprägt und so orientiert sie sich nicht nur mit dem Aufbau, der Einteilung in sieben Weltalter, an der mittelalterlichen Tradition. Es finden sich jedoch viele Einflechtungen von Sagengeschichten, politischer und antiker Geschichte, was dem Werk einen Bezug zum Frühhumanismus verleiht. Ebenfalls in den Humanismus deutet die Funktion als Enzyklopädie, die durch das vorangestellte Register deutlich[39] und durch die zahlreichen Bilder unterstützt wird. Das Buch berücksichtigt viele Quellen und soll Wissen nachschlagbar machen, was eine Neuerung gegenüber älterer Weltchroniken ist, die hauptsächlich eine Orientierung in der Heilsgeschichte und eine pastorale Erbauung bieten sollten.[40]

Das erste Weltalter der Chronik beginnt mit der Erschaffung der Welt und endet mit der Sintflut. Das zweite Alter reicht bis zur Geburt Abrahams, das dritte bis zum Reich Davids, das vierte bis zur babylonischen Gefangenschaft der Juden, das fünfte bis zur Geburt Christi, das sechste bis in die Gegenwart und das siebte behandelt die Ankunft des Antichristen und das Jüngste Gericht. Danach folgt ein Anhang mit den Beschreibungen von Sarmacien, Krakau, Lübeck, Neisse und ein Landeslob Deutschlands.[41] Dieser Teil wird von mir im Folgenden als Anhang bezeichnet. Den Schlussteil der Chronik bildet ein Auszug aus der „Europa“ von Enea Silvio de`Piccolomini (1405 – 1464, ab 1458 Papst Pius II.), im Folgenden von mir als „Europa“ bezeichnet.[42]

Das textliche Werk ist eine Kompilation. Große Teile stammen aus dem Werk „Supplementum Chronicarum“ des Jacobus Foresti aus Bergamo, welches 1483 erstmals in Venedig gedruckt wurde. Andere Teile stammen aus Werken von dem schon erwähnten Piccolomini, von Werner Rolevinck oder Flavius Blondus. Michael Haitz, von dem die bis jetzt einzige Analyse der ursprünglichen Quellen stammt, nennt als Ursprung für die Blätter 202 bis 258 allein 23 Werke von 18 Autoren.[43] Schedel hat „fleißig gesammelt und gelesen, hat Zusammengehöriges zusammengestellt, Überflüssiges ausgeschieden, den Stoff in Teilen anders angeordnet, die Übergänge geglättet und verputzt.“[44] Somit schuf er zwar keinen neuen Text, er war jedoch der Schöpfer einer, nur in seiner Zeit und an seinem Ort existierenden, Zusammenstellung von Wissen und Vorstellungen der menschlichen Geschichte. Die Chronik ist damit nicht nur eine „textlich belanglose Kompilation“ [45] von altbekannten Werken, sondern sie repräsentiert das allgemeine Bildungsgut des deutschen Bürgertums am Ende des Mittelalters.

Schedel verarbeitete nicht die neuesten Erkenntnisse und eine kritische Reflexion gegenüber dem Geschriebenen fehlt. Er stellte die Auffassungen zusammen, die zu seiner Zeit weit verbreitet waren und lieferte damit ein Abbild der spätmittelalterlichen, frühhumanistischen Wissenskultur. Dies wird umso klarer, wenn man die Bedeutung des Buchdrucks hinzunimmt. Die Herstellung eines solchen Buches benötigte große finanzielle Mittel. Brincken stellt daher hinsichtlich der geographischen Aspekte fest: „Der frühe Buchdruck war ein finanzielles Risiko und lohnte nur in Fällen, in denen mit einer breiteren Leserschicht gerechnet werden konnte. Von seinen kartographischen Erzeugnissen und seinen geographischen Traktaten sind daher weniger die neusten Forschungsergebnisse, wohl aber der allgemeine Bildungsanspruch abzulesen.“ [46]

Die bisherigen Untersuchungen galten vor allem kunstgeschichtlichen Aspekten und der Buchgeschichte. Mittelpunkt des Interesses war die Zuweisung der Holzschnitte zu den einzelnen Künstlern und da vor allem der Nachweis einer Mitwirkung von Albrecht Dürer. Für die Buchgeschichte ist von Vorteil, dass die Vorlagen und Verträge noch vorhanden sind, so lässt sich sehr gut der Entstehungsprozess nachvollziehen.[47] Unter dem Blickwinkel des repräsentierten Bildungsanspruchs ist die Chronik jedoch durchaus auch für Forschungen am Text zu verwenden.

Eine Neuerung, die der Schedelschen Chronik zukommt ist der verstärkte Schwerpunkt auf die Geographie. Dazu schreibt Haitz: „Ebensowenig ist der Gedanke der geographischen Schilderung neu. Aeneas Sylvius ist auch hier der grosse Meister, der Geschichte mit Geographie verbinden lehrte, desgleichen Blondus. Aber für eine Weltchronik war noch nie das geographische Element so sehr in den Vordergrund getreten wie bei Schedel. Die wenigen Städtebeschreibungen bei Jacob Philipp nehmen sich den Schedelschen gegenüber, die zudem noch die Pracht der Illustration für sich haben, äusserst dürftig aus. Gerade auf diesem Gebiete liegt der grosse Vorzug Schedels. Ist auch der Gedanke nicht mehr originell, so ist es doch wenigstens die Ausführung des Gedankens.“ [48]

4. Die Länderbeschreibungen

4. 1. Die Auswahl der Länder im Allgemeinen

Die Länderbeschreibungen in der Schedelschen Weltchronik stammen von verschiedenen Autoren (siehe Kapitel 3). Die meisten sind der „Europa“ des Piccolomini entnommen. Diese wurden teilweise wortwörtlich übernommen, jedoch vor allem in der deutschen Ausgabe maßgeblich gekürzt.[49] Eine Quellenanalyse wäre sehr wünschenswert, kann aber von mir im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden. Da es sich um eine Kompilation handelt und damit die getroffene Auswahl als Akt eines bewussten Handelns angesehen werden kann und ebenso das Streichen einem bewussten Prozess unterlag, werde ich die Länderdarstellungen so behandeln, als wären sie aus einem geschlossenen Werk. Der Einfachheit halber werde ich Schedel als Autor anführen. Zudem scheint es, zumindest auf den ersten Blick, keine bemerkenswerten Unterschiede in der Art der Beschreibungen in den verschiedenen Teilen der Chronik zu geben.

Die folgende Untersuchung konzentriert sich auf die Länderbeschreibungen, welche in der Chronik in gesonderten Abschnitten aufgeführt werden, das Land wurde also nicht nur als Ort eines Ereignisses erwähnt, wie z. B. das Königreich Israel, sondern mit der Absicht darüber landeskundlich zu informieren. Auf Grund der Kürze dieser Arbeit, wurde von mir die Beschreibung Asiens, Europas und Afrikas, welche nach der Weltkarte auf zwei Blättern erfolgt, nicht mit aufgenommen. Ebenso wurde die Beschreibung des Paradieses von mir ausgespart. Nur soviel: Das Paradies liegt nach der Schedelschen Chronik „weit von vnserm inwonlichem teyl entlegen“ und ihm entspringen die Flüsse Ganges, Nil, Euphrat und Tigris.[50]

Der textliche Aufbau der Länderbeschreibungen ist nicht einheitlich, dennoch lässt sich ein grobes Gerüst feststellen. Meist wird die Beschreibung mit der Herkunft des Namens eingeleitet. Dann folgt eine kurze geographische Beschreibung. Den größten Teil nehmen die geschichtlichen Ausführungen ein.

Wie der Tabelle 1 (siehe Anhang) zu entnehmen ist, sind die Länderbeschreibungen nicht regelmäßig über die Chronik verteilt. Der Großteil entfällt auf den Schlussteil, die „Europa“.

Im Chronikteil basiert das Ordnungssystem auf das Alter der Länder von dem Schedel ausgeht. So werden von ihm das Assyrische Reich und das der Skythen, Amazonien[51], sowie Ägypten im zweiten Zeitalter im Zusammenhang mit dem Turmbau zu Babel gebracht. Medien und Lydien werden am Ende des vierten Zeitalters behandelt. Das Persische Reich findet sich im fünften Weltalter. Die Vorderasiatischen Länder und das einzige erwähnte afrikanische Land (Ägypten) sind mit Macedonia, Spanien, Böhmen, Italien und England, sowie den Inseln nach Annahme Schedels die ältesten Länder.

In der „Europa“ erfolgt die Ordnung nach der Lage des Landes. Beginnend mit Ungarn werden erst die südlichen Länder behandelt, dann geht es über die Länder der Alpen nach Mähren, Schlesien und Polen weiter in den Osten. Nach Livland folgt die Beschreibung der Massageten. Die angegebene Lage zwischen Livland und Preußen entspricht nicht den historischen Gegebenheiten. Dieses Volk war vermutlich zwischen Kaspischem Meer und dem Aralsee ansässig. Jedoch bilden sie mit der angeblichen Lage im Norden Europas eine gute Überleitung zu den Beschreibungen von Preußen und Sachsen. Es folgen die nördlichen Länder und über Seeland und Westfalen geht es weiter südlich bis zu den Schweizern, dem Elsass und Savoyen. Nach einem Abschnitt, der mit „Nota einen zusatz“[52] überschrieben ist und in dem erklärt wird, dass Piccolomini Teile der Deutschen Nation vergessen habe und diese aufgelistet werden, kommen die Beschreibungen der Länder England mit Schottland und Irland, Spanien, Portugal und Italien. Den Abschluss bildet ein Text zur folgenden „Deutschlandkarte“.

[...]


[1] Titel des ersten Blattes der deutschen Ausgabe der Schedelschen Weltchronik.

[2] Schlögel 2004, S. 265.

[3] Schmid/Schmid 2007, S. 9.

[4] Neuere Zusammenfassungen der Raumtheorien und der verschiedenen Raumkonzepte finden sich u. a. bei Miggelbrink 2009, Günzel 2010 oder Sturm 2000.

[5] Baumgärtner/Klumbies/Sick 2009, S. 9.

[6] Je nach Autor und Disziplin auch topographical turn oder topological turn. Zur Unterscheidung und zur Kritik am spatial turn siehe Günzel 2008.

[7] Für den spatial turn in der Geschichte sind als Auftakt zur neuen Beschäftigung mit Raum Heit 1987 und Brunn 1996 zu nennen. Speziell für die Mediävistik: Aertsen/Speer 1998, Moraw 2002, Vavra 2005 und Kundert/Schmid/Schmid 2007.

[8] Irsigler 1987, S. 12.

[9] Dagegen stellen 1998 Jan A. Aertsen und Andreas Speer fest, dass „Raum und Raumvorstellungen im Mittelalter“ ein Desiderat der Mittelalterforschung sei (Aertsen/Speer 1998, S. VII). Sie beziehen dies auf die neuzeitliche Neubestimmung des Raumbegriffs. Ebenfalls einen Bruch in der Forschungsgeschichte sieht Peter Moraw (Moraw 2002, S. 8).

[10] Irsigler 1987, S. 12.

[11] Eine zwar etwas ältere, aber gute Übersicht bietet Graf 1992, S. 128ff und 157ff. Als Überblick zur Forschung siehe auch die Literaturangaben bei Irsigler 1987.

[12] In der Forschung wird dieser Raum Containerraum genannt, siehe u. a. Miggelbrink 2009, S. 74.

[13] Miggelbrink 2009, S. 71.

[14] Aertsen/Speer 1998. Siehe auch den Band: „Ausmessen – Darstellen – Inszenieren. Raumkonzepte und die Wiedergabe von Räumen in Mittelalter und früher Neuzeit“ Kundert/Schmid/Schmid 2007. In keinem der enthaltenen Artikel wird eine geographische Konzeption untersucht.

[15] Nach einem Zitat Alexander von Humboldts in Beck 1982, S. 20. Dagegen nennt Eckart Olshausen Thukydides als Begründer der Geschichtswissenschaft und Polybios als Begründer der historischen Geographie (Olshausen 1991, S. 7).

[16] Für einen Überblick der geographisch arbeitenden antiken Autoren siehe Olshausen 1991, S. 19ff und 64ff.

[17] Brincken 2008, S. 226.

[18] Siehe Kapitel 6. 1.

[19] Bláhová 1998, S. 542.

[20] Elisabeth Rücker macht zu Recht auf die Beschreibung des Rheins auf Blatt CCXXXXIII aufmerksam, welche ein Beispiel einer „individuellen Naturbeobachtung“ gesteigert zum „Erlebnisbericht“ ist (Rücker 1980, S. 185).

[21] Beck 1982, S. 26.

[22] Sprandel 1982, S. 247.

[23] Füssel 1994, S. 14.

[24] Rücker 1988.

[25] Brincken 2008, S. 279.

[26] Die Betonung auf das gemeinschaftliche Wirken findet sich in fast allen Abhandlungen zur Chronik.

[27] Sie wird auch „Liber Chronicarum“ genannt und im englischsprachigen Raum „Nuremberg Chronicle“. Die Chronik erhielt kein Titelblatt als solches. Es wurde jedoch vor dem Register, welches am Anfang der Chronik war, ein Blatt vorgelegt auf dem stand: „Register Des buchs der Chroniken und geschichten mit figurē und pildnussen von anbegiñder welt bis auf diese uñsere zeit.“

[28] Mit Plan der nachbarschaftlichen Gemeinschaft: Rücker 1988, S. 18.

[29] Kurzbiographien zu den im Folgenden genannten Personen finden sich u. a. bei Rücker 1988, S. 20ff, Reske 2000, S. 38ff, Brincken 2008, S. 279f.

[30] Reske 2000, S. 42.

[31] Hartmann Schedels Mutter starb 1445, sein Vater 1451, somit war er mit 11 Jahren Waise (Reske 2000, S. 38).

[32] Rücker 1988, S. 18.

[33] Elisabeth Rücker erwähnt, dass „die große Kostbarkeit der Bücher in damaliger Zeit und die Mühsal ihrer Beschaffung […] geradezu den intensiven Kontakt miteinander“ erzwang (Rücker 1980, S. 191).

[34] Siehe auch die Auflistung bei Rücker 1980, S. 186.

[35] Rücker 1980, S. 186ff.

[36] Als Inkunabeln werden die ersten gedruckten Bücher bezeichnet, die zwischen 1454 (Druck der Gutenbergbibel) und 1500 (eine nicht unumstrittene, willkürlich gezogene Grenze) hergestellt wurden.

[37] Brincken 1969, S. 56. Die anderen Formen sind series temporum – der Schwerpunkt liegt bei der Chronologie und mare historiarum – eine Universalgeschichte aus einer Fülle von Geschichten. Eine Chronik kann und sollte jedoch durchaus Merkmale aller drei Typen enthalten.

[38] Commendatio – Buchhändleranzeige zur Weltchronik, eingeklebt in Hartmann Schedels Handexemplar, München, Bayrische Staatsbibliothek, zitiert nach Füssel 2001, S. 9.

[39] Vgl. Brincken 2008, S. 281.

[40] Vgl. Sprandel 1982, S. 249. Die neue Funktion zeigt sich auch schon bei dem Vorgänger der Schedelschen Chronik, dem „Supplementum Chronicarum“ des Jacobus Foresti aus Bergamo.

[41] Vor dem Anhang steht: „WIewol allererst nach beschluss des buochs vns die nachfolgenden beschreybungen des Polnischen lannds Auch der stett Kraka Luebeck vnd Neyss zu komen sind yedoch haben wir dieselben als neben andern guoter gedechtnus wol wirdig im ende diss buochs nit vnbegriffen laßen woellen.“ (Schedel 2001, Blatt CCLXIII).

[42] Dieser Auszug wurde vermutlich von Hieronymus Münzer kompiliert (Rücker 1980, S. 186ff, Vogel 1994, S. 94ff.).

[43] Vgl. Haitz 1899, Anhang Quellenanalyse.

[44] Vogel 1994, S. 97.

[45] Kommentar von Rücker zur bisherigen Forschung, Rücker 1980, S. 183.

[46] Brincken 2008, S. 265. Der Preis einer teilkolorierten Chronik konnte in England nachgewiesen werden und hatte umgerechnet den Wert von fünf und einen halben Schlachtochsen (vgl. Rücker 1988, S. 88f).

[47] Für einen ausführlichen Überblick zur Forschungsgeschichte siehe Reske 2000, S. 2ff.

[48] Haitz 1899, S. 44.

[49] Siehe Haitz 1899 und den Vergleich der deutschen mit der lateinischen Ausgabe bei Reske 2000, S. 34.

[50] Schedel 2001, Blatt VIII verso. Die Beschreibungen dieser Flüsse sind durchaus beachtenswert, ich möchte aber hier auf Grund der Kürze der Arbeit darauf ebenfalls verzichten.

[51] Amazonien gilt als mythisches Land, welches eventuell auf einer wahren Kernaussage beruht. Die geographische Angabe ist relativ präzise und wurde daher von mir aufgenommen. Zu den Amazonen heißt es: „diss sind scytische weiber gewest. vnd haben erstlich bey dem fluß thanaym gewonet. vnd darnach in ein gegent bey dem fluss termodonta komen.“ (Schedel 2001, Blatt XIX verso). Bei dem Fluss Thanay handelt es sich um den Don in Russland. Dieser teilt nach Schedel Europa von Asien (Schedel 2001, Blatt XIIII verso). Der Thermodon ist vermutlich der heutige Terme Çay in der Nordtürkei.

[52] Schedel 2001, Blatt CCLXXXII verso.

Details

Seiten
57
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656506423
ISBN (Buch)
9783656506973
Dateigröße
4.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229581
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Geschichtswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
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Titel: Raumkonzepte in der Schedelschen Weltchronik