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Menschen mit Borderline-Syndrom in Partnerschaftsbeziehungen

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 21 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Borderlinebegriff, seine Symptome und Ursachen

3. Borderlinebeziehungen und Emotionen

4. Behandlungsmöglichkeit
4.1 Vorbereitungsphase
4.2 Erste Therapiephase: Schwere Probleme auf der Verhaltensebene
4.3 Zweite Therapiephase: Probleme mit den Folgen von traumatischen Erfahrungen
4.4 Dritte Therapiephase: Probleme mit der Lebensführung

5. Schlusswort

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Borderline-Syndrom ist eine psychische Erkrankung, über die gerade seit ein paar Jahren besonders viel geredet wird und die sozusagen fast schon eine Art Modediagnose geworden ist, wenn man über psychische Erkrankungen spricht. Wo früher im Alltag schnell darüber geredet wurde, dass jemand mit psychischen Problemen manisch depressiv sei, so lautet heute die vorschnelle Diagnose von Laien, dass die Person wohl ein Borderliner[1] sei und wohl am Wahrscheinlichsten noch früher als Kind sowieso schon ADHS[2] hatte.

Mit der neu entstandenen, und teilweise auch auf Unverständnis stoßenden, jugendlich geprägten Subkultur des ‚Emo[3] ‘, wird in ungewöhnlicher Weise ebenfalls diese psychische Erkrankung verbunden.

Was steckt aber nun wirklich hinter dem Borderline-Syndrom?

In der vorliegenden Hausarbeit wird nun nach einer Begriffsklärung, auf die Symptome und Ursachen der Borderline-Erkrankung eingegangen. Im weiteren Verlauf wird sich besonders dem Sachverhalt, der Beziehungsführung von Menschen mit Borderline-Syndrom gewidmet und hierbei ein Therapiemodell nach Martin Bonus kurz vorgestellt. Gerade das Führen einer Beziehung dürfte Menschen mit Borderline-Syndrom besonders schwer fallen und da der Mensch schließlich aus anthropologischer Sicht ein soziales Wesen ist, wird daher ein besonderes Augenmerk auf die Partnerschaftsbeziehung gelegt. In wie weit nun Beziehungen von und mit Borderlinern möglich sind, soll im Folgenden hinterfragt werden.

2. Der Borderlinebegriff, seine Symptome und Ursachen

„Die Schmerzen sind’s, die ich zu Hilfe rufe, denn es sind Freunde. Gutes raten sie.“

(Goethe)

Seine Wurzeln hat der Borderline Begriff in der Psychoanalyse und in der Psychopathologie. Er wurde 1938 von dem Psychoanalytiker Adolph Stern für eine Patientengruppe beschrieben, die weder in die Klassifikation der Neurosen noch der Psychosen passte. Der Name Borderline trifft, obwohl es bei der Störungsbenennung nicht beabsichtigt war, genau das Krankheitsmuster, nämlich das der Grenzüberschreitung (vgl. SZOMORU 2004, S. 9f.).

Der Borderline Begriff wurde in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Sonderform der schizophrenen Psychose verstanden und Patienten in diesem Grenzbereich wurde ein Krankheitsbild zugeordnet, das man schon vor über einhundert Jahren als Hysterie bezeichnete.

Heutzutage wird der Begriff Borderline eher inflationär verwendet. Gründe dafür könnten fehlendes Wissen und auch die Komplexität des Krankheitsbildes sein. Dadurch, dass das Krankheitsbild so komplex ist, ist die Suche nach Erklärungsmodellen auch in der heutigen Zeit noch sehr schwierig.

Im Folgenden möchte ich auf die Diagnosesystematik des DSM-IV verweisen, welche für eine Diagnose von Borderline mindestens 5 der folgenden Aspekte als von Nöten angibt:

1. „heftige Bemühungen, reales oder vorgestelltes Alleinsein zu vermeiden;
2. ein Muster von instabilen und intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen, die durch Wechsel zwischen Extremen von Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet sind;
3. Identitäts-Störung: ausgeprägt und durchgängig instabiles Selbst-Bild oder Selbst-Gefühl (<Sense of self>);
4. Impulsivität in mindestens zwei Bereichen, die pontentiell selbstschädigend sind (z.B. Verschwendung, Sex, Glücksspiel, Substanz-Mißbrauch, leichtsinniges Fahren, Freßanfälle);
5. wiederkehrendes suizidales Verhalten, Gesten oder Drohungen oder selbstverletzendes Verhalten;
6. affektive Instabilität aufgrund ausgeprägter Stimmungs-Reaktivität (z.B. intensive episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, die gewöhnlich einige Stunden und nur selten länger als einige wenige Tage andauern);
7. chronische Gefühle von Leere;
8. unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, Wut zu kontrollieren (z.B. häufiges Zeigen von Gereiztheit, dauerndes Zornigsein, wiederkehrende körperliche Auseinandersetzungen);
9. vorübergehende, streß-bezogene paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.“

(LEICHSENRING 1996, S.15f.)

Nach den Psychotherapeutinnen Alice und Martina Sendera kommt die Borderline Störung in unserer Gesellschaft öfter vor als vermeintlich im Allgemeinen angenommen wird. Von Seiten der beiden Psychotherapeutinnen wurde kein Unterschied zwischen Männern und Frauen festgestellt, was die Verbreitung des Erkrankungsbildes betrifft. Von den Betroffenen begeben sich ca. 80% in psychiatrische und/oder psychotherapeutische Hilfe, davon befinden sich ca. 20% in ambulanter und ca. 15% in stationärer Behandlung. Die Neigung zu Suizidversuchen ist bei Borderlinebetroffenen sehr hoch und liegt bei etwa 60% (vgl. SENDERA; SENDERA 2010, S. 9f.).

Bei Borderlinebetroffenen die gleichzeitig noch depressiv sind, liegt die Neigung zu Suizidversuchen sogar bei 100%. Es gibt vier Symptomdimensionen, die die Borderline-Persönlichkeitsstörung charakterisieren. Als Hauptsymptom wird dabei die Störung der Affektregulation betrachtet, die deshalb zustande kommt, weil der oder die Betroffene ein erhöhtes Erregungsniveau besitzt und diese emotionale Erregung nur verzögert wieder zurück geht. Oft kommt es auch, zusammen mit der emotionalen Erregung, zu dissoziativen Zuständen in Verbindung mit einer Reduktion der Schmerzwahrnehmung. Der Borderline-Erkrankte versucht seine emotionale Spannung zu reduzieren indem er sich selbst verletzt (Selbstverletzendes Verhalten). Die häufigsten Formen des selbstverletzenden Verhaltens sind Schneiden, Brennen oder Blutabnehmen. Viele Betroffenen verletzen sich aber nicht nur selbst, weil sie ihre innere emotionale Spannung abbauen möchten, sondern häufig wird sich auch selbst verletzt um sich zu bestrafen oder um einen dissoziativen Zustand zu überwinden, wenige verletzen sich sogar selbst, wenn sie ein freudiges Ereignis erfahren. Viele Borderline-Patienten haben Schwierigkeiten Distanz und Nähe zu regulieren sie haben also häufig instabile zwischenmenschliche Beziehungen was teilweise daran liegt, weil die Patienten von sich selbst ein instabiles Selbstbild haben (vgl. BRUNNER; RESCH 2009, S.11).

Im Folgenden möchte ich kurz aufzeigen wie das Selbstbild, das Selbstvertrauen und die sozialen Beziehungen bei einem Menschen aussehen bzw. aussehen sollten, der weder unter der Borderline Persönlichkeitsstörung, noch unter einer anderen Persönlichkeitsstörung leidet um die Unterschiede mit der Borderline Persönlichkeitsstörung zu verdeutlichen.

Das Selbst besteht aus Gedanken und Überzeugungen die wir über unsere eigene Person haben. Zum großen Teil ist es das Abbild dessen was wir im Laufe unseres Lebens an Rückmeldungen, Erfahrungen und Unterstützungen unserer Umwelt erfahren haben. Je nachdem ob diese positiv oder negativ waren prägen sie unser komplettes individuelles Selbstbild in eine Richtung. Auch können kurze Ereignisse wie z.B. das Versagen in einer überaus wichtigen Situation oder das Verlassenwerden einer sehr nahestehenden Person zu einem mangelhaften Selbstvertrauen führen. Ein Mensch der weder unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung noch unter einer anderen Persönlichkeitsstörung leidet hat oftmals ein positiveres Selbstbild, er ist frei von sozialer Angst und verfügt über soziale Fertigkeiten. Haben wir ein positives Selbstwertgefühl, machen uns Kränkungen nur wenig aus und es ist leichter für uns mit negativen Reaktionen umzugehen die wir von unserer Umwelt erfahren. Jedoch kann ein zu starkes Selbstwertgefühl auch ein narzistisches Verhalten aufzeigen. Der Nicht-Borderliner hat eine höhere Selbstakzeptanz, was bedeutet dass er seine Meinung, Einstellungen und den eigenen Körper mehr wertschätzt und seine Bedürfnisse achtet und respektiert. Er verfügt unterdessen auch über ein höheres Selbstvertrauen und hat somit eine positivere Einstellung zu seinem eigenen Können und seinen Fähigkeiten. Seine höhere Frustrationstoleranz, reale Selbsteinschätzung und Durchhaltevermögen ermöglichen es ihm Kritik anders anzunehmen, sich angemessen zu wehren, seine Meinung zu vertreten und Kontakte zu knüpfen. Auch verfügen zwar Borderline-Persönlichkeiten zum Teil über diese Eigenschaften, jedoch hat der normale Mensch die nötige soziale Kompetenz damit er in der Lage ist zwar seine eigenen Interessen in sozialen Interaktionen zu verwirklichen, ohne gleichzeitig die Interessen der Mitmenschen zu verletzen. Er kann demnach die Konsequenzen seines Handelns abschätzen, die von seinem Gegenüber auf sein Handeln kommen könnten, was voraussetzt dass man sich in die Perspektive des Interaktionspartners versetzen kann. Je nach Kultur und Milieu können unterschiedliche Vorgehensweisen als kompetent und andere wiederum von der jeweiligen (Sub)Kultur bzw. dem Milieu als weniger kompetent gelten oder gar sanktioniert werden.

[...]


[1] Im Folgenden werden häufiger unterschiedliche Begriffe für Menschen, welche die Diagnose des Borderline-Syndroms bekommen haben, verwendet um eine bessere Lesbarkeit zu erreichen. Wenn in diesem Kontext daher auch häufig von einem ‚Borderliner‘ die Rede ist, so soll hier betont werden, dass es ‚den Borderliner‘ nicht gibt und dies keine Diskriminierung dieser Personen darstellen soll.

[2] Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom

[3] Emotional Hardcore

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656454540
ISBN (Buch)
9783656455639
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229552
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Schlagworte
Borderline Persönlichkeitsstörung psychische Störung Schizophrenie Selbstverletzendes Verhalten Grenzgänger Depressionen Suizid

Autor

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