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GREXIT. Ist der Austritt aus der EWU eine ökonomisch sinnvolle Lösung für Griechenland?

Bachelorarbeit 2013 54 Seiten

VWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Definition: Was ist ökonomisch sinnvoll?

3. Die wirtschaftliche Entwicklung Griechenlands
3.1. Der Eintritt in die Währungsunion 2001
3.2 Die Wirtschaftskrise in Griechenland ab 2008
3.3. Lösungsversuche: Der Weg aus der Krise?

4. Folgen einer Abwertung in der Theorie der Außenwirtschaft
4.1. Was bedeutet eine Abwertung:
4.1.1. Wirkung einer Wechselkursänderung auf Exporte
4.1.2. Wirkung einer Wechselkursänderung auf Importe
4.1.3. Summe der Elastizitäten
4.2. Terms of Trade

5. Der Fall Argentinien
5.1. Argentiniens Entwicklung bis 2001
5.2. Argentinien: Austritt aus der Währungsunion und die externe Abwertung des Pesos
5.3. Vergleich von Argentinien und Griechenland

6. Griechenland: Austritt aus der EWU und eine externe Abwertung
6.1. Der Abwertungsbedarf der griechischen Wirtschaft
6.2. Auswirkungen einer Abwertung auf der Grundlage von Wirtschaftsindikatoren
6.2.1. Negative Auswirkungen
6.2.2. Positive Auswirkungen
6.3. Abschließende Beurteilung der Auswirkungen

7. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Abbildungen:

Abbildung 1: Folgen einer Abwertung auf Exportangebot und -nachfrage

Abbildung 2: Wirkung einer Abwertung auf die Exportnachfrageelastizität

Abbildung 3: Veränderung des Importangebots

2. Grafiken:

Grafik 1: Zinskonvergenz in der Eurozone

Grafik 2: Konsumquote Griechenlands

Grafik 3: Entwicklung der Lohnstückkosten

Grafik 4: Griechenlands Schuldenstand und öffentliches Haushaltsdefizit

Grafik 5: Reales BIP Wachstum in den EU-Mitgliedsstaaten

Grafik 6: Beschäftigung als Anteil an der griechischen Bevölkerung

Grafik 7: Griechenlands Zahlungsbilanz (2005-2011)

Grafik 8: Zinslasten der EU-Mitglieder

Grafik 9: Verschuldung Argentiniens und Griechenlands in Prozent am BIP

Grafik 10: Wechselkursentwicklung der Türkeiafik 1: Zinskonvergenz in der Eurozone

Grafik 2: Konsumquote Griechenlands

Grafik 3: Entwicklung der Lohnstückkosten

Grafik 4: Griechenlands Schuldenstand und öffentliches Haushaltsdefizit

Grafik 5: Reales BIP Wachstum in den EU-Mitgliedsstaaten

Grafik 6: Beschäftigung als Anteil an der griechischen Bevölkerung

Grafik 7: Griechenlands Zahlungsbilanz (2005-2011)

Grafik 8: Zinslasten der EU-Mitglieder

Grafik 9: Verschuldung Argentiniens und Griechenlands in Prozent am BIP

Grafik 10: Wechselkursentwicklung der Türkei

Grafik 11: Reales Wirtschaftswachstum von Griechenland und Argentinien

Grafik 12: Argentiniens Verbraucherpreisindex

Grafik 13: CEP Default Index

Grafik 14: Anteil des Dienstleistungssektors an der Bruttowertschöpfung Griechenlands

Grafik 15: Anteil der Exporte am BIP von Argentinien und Griechenland

Grafik 11: Reales Wirtschaftswachstum von Griechenland und Argentinien

Grafik 12: Argentiniens Verbraucherpreisindex

Grafik 13: CEP Default Index

Grafik 14: Anteil des Dienstleistungssektors an der Bruttowertschöpfung Griechenlands

Grafik 15: Anteil der Exporte am BIP von Argentinien und Griechenland.

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

"Es hat keinen Sinn, über den Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone zu spekulieren" (Spiegel Online, 2012, o.S.). Mit diesen Worten schloss der deutsche Finanzminister Schäuble 2012 nicht nur den Austritt der Hellenischen Republik aus der Europäischen Währungsunion aus, er verbot sich damit auch sämtliche Spekulationen darüber.

Seit 2008 befindet sich Griechenland in der Krise. Die Hellenische Republik hat die höchste Schuldenquote Europas, weist die größten Arbeitslosenzahlen auf und ist der Staat, der die meisten internationalen Finanzhilfen erhalten hat. Bisher waren sich sowohl die Europäische Union, der Internationale Währungsfond, die Euroländer und Griechenland darin einig, dass mit allen Mitteln versucht werden sollte, Griechenland in der Eurozone zu halten. Auffällig an der ganzen Diskussion ist, dass mehrheitlich von politischer Seite, d.h. aus der Perspektive der Europäischen Union argumentiert wird. Hierbei werden nur die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Europäische Währungsunion und andere Krisenstaaten betrachtet, sollte Griechenland als erster Staat in der Geschichte der Währungsunion diese verlassen. Griechenlands wirtschaftliche Vor- und Nachteile eines Austritts werden dabei vernachlässigt. Daher ist es nun an der Zeit für einen Perspektivenwechsel. Griechenland rückt damit in den Mittelpunkt der Diskussion, d.h. es wird aus seiner Sicht argumentiert.

In dieser Arbeit beschäftige ich mich deshalb mit den ökonomischen Auswirkungen eines möglichen Grexit und konzentriere mich dabei auf die Folgen, die dieser für Griechenland haben würde. Ich werde damit zeigen, dass es sinnvoll ist, eine Alternative zu den jetzigen Rettungsmaßnahmen zu diskutieren. Bewusst werden die möglichen Effekte auf andere Staaten und den Euro als Währung vernachlässigt. Ebenso klammere ich juristische Beschränkungen und politische Rahmenbedingungen aus, sodass die wirtschaftlichen Aspekte Griechenlands im Vordergrund stehen, die bisher in der Politik und Öffentlichkeit kaum Beachtung gefunden haben. Ist ein Grexit ökonomisch sinnvoll und damit eine Alternative oder Ergänzung zu den jetzigen Spardekreten? Wie würde sich die Abwertung einer neuen griechischen Währung gegenüber dem Euro auf die griechischen Wirtschaftsindikatoren auswirken?

Um diese Fragen zu beantworten, wird zunächst der Begriff „ökonomisch sinnvoll“ definiert, um eine Basis zu schaffen, auf derer Auswirkungen eines Austritts evaluiert werden können. Dabei rückt der Begriff der Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus der Analyse, denn nur wenn es der Hellenischen Republik gelingen sollte, einen komparativen Vorteil auf den internatio- nalen Güter- und Dienstleistungsmärkten zu erlangen, kann sich ihre Wirtschaft langfristig erholen (Kap.2). Die anschließende Analyse der Entwicklung der griechischen Volkswirtschaft seit Eintritt in die Währungsunion wird den engen und bereits völlig ausgeschöpften Lösungsspielraum der Hellenischen Republik deutlich machen. Denn erst durch diese Mitgliedschaft gab Griechenland seine Kontrolle über die Währungs- und Geldpolitik an die Europäische Zentralbank (EZB) ab und damit ein wichtiges wirtschaftspolitisches Instrument auf. In dem darauffolgenden Kapitel wird der Lösungsansatz der externen Abwertung als Alternative zu den jetzigen Sparprogrammen dargestellt, wie er in der Theorie der Außenwirtschaft vorgeschlagen wird (Kap.4). Dabei geht es um die Auswirkungen einer Wechselkursänderung auf Importe und Exporte, die anhand theoretischer Modelle wie der J-Kurve von Robinson erläutert werden. Um die Anwendbarkeit der Theorien in der Realität zu demonstrieren, wird anschließend das Fallbeispiel Argentinien herangezogen, das eine ähnliche Entwicklung wie Griechenland während einer Wirtschaftskrise Anfang des 21. Jahrhunderts durchmachte (Kap.5). Dieses Beispiel wird helfen, die Effekte eines Grexit auf Wirtschaftsindikatoren der griechischen Volkswirtschaft abzuschätzen (Kap.6). Dazu werden statistische Daten u.a. vom Ifo Institut, Eurostat und dem Centre for European Studies herangezogen und im Kontext der Fragestellung interpretiert. Abschließend wird im Fazit deutlich gemacht, ob ein Grexit unter bestimmten Gesichtspunkten ökonomisch sinnvoll ist.

2. Definition: Was ist ökonomisch sinnvoll?

Zu Beginn der Arbeit soll der Begriff „ökonomisch sinnvoll“ erläutert werden. Ökonomische Effizienz wird in der Mikroökonomik durch die Pareto- Effizienz abgebildet. Dieses Konzept ist allerdings nicht auf die makroökonomische Ebene anwendbar. Aus diesem Grunde kommt die Wettbewerbsfähigkeit ins Spiel. Obwohl der Begriff sowohl von Medien als auch Politi- kern diskutiert und eine hohe Wettbewerbsfähigkeit gefordert wird, so ist er nicht klar definiert (Peters, 2010). Auch die Europäische Kommission kommt in ihrem „Special Report on Competitiveness“ im Jahr 2009 zu dem Schluss, dass „economic literature [does] not provide a single commonly- agreed definition of competitiveness“ (S. 18). Was bedeutet es, wenn die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes steigt oder sinkt? Die klassische Außenhan- delstheorie sieht die Grundlage für steigenden Wohlstand aller Marktteilnehmer im freien Handel (Adam Smith, 1776); indem jedes handelnde Land seinen komparativen Vorteil nutzt, profitierten alle (Ricardo, 1917). Heutzutage, so bemerkt Peters (2010), würde in der ökono- mischen Literatur der Begriff „komparativer Vorteil“ zunehmend durch „wettbewerblicher Vorteil“ ersetzt (S.1). Gelingt es einem Land, einen wettbewerblichen Vorteil gegenüber Handelspartnern zu erlangen, so hat dies Auswirkungen auf viele volkswirtschaftliche Indikatoren. Exporte würden steigen, Importe sinken und damit würde ein Leistungsbilanzüberschuss erreicht werden, der Wirtschaftswachstum fördert. Die erhöhte Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt durch steigende Nachfrage ausländischer und inländischer Konsumenten nach inländischen Produkten und Dienstleistungen würde zu einer sinken Arbeitslosenquote führen, was wiederum zu steigenden Staatseinnahmen und sinkenden Staatsausgaben für Sozialleistungen führt. Eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit hat also viele positive Effekte und ist aus diesem Grund das Ziel jeder wirtschaftspolitischen Handlung.

Deshalb wird ökonomisch sinnvoll in dieser Arbeit definiert als eine wirtschaftspolitische Entscheidung, die die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft steigert und langfristig zu Wachstum und Wohlstand führt. In dieser Arbeit wird nun speziell untersucht, ob dieses Ziel durch einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion und die Einführung einer griechi- schen Währung erreicht werden kann. Ist dies der Fall, so wird der Grexit am Ende als öko- nomisch sinnvoll bewertet.

3. Die wirtschaftliche Entwicklung Griechenlands

Als Griechenland 2001 Mitglied der Europäischen Währungsunion (EWU) wurde, brachte dieser Schritt dem Land sowohl Vor- als auch Nachteile. Ein Nachteil stellte sich jedoch erst nach Ausbruch der Finanzkrise 2008 als bedeutsam heraus, denn die Mitgliedschaft im Euro bedeutete die Aufgabe selbstständiger Geldpolitik. Damit nahm sich Griechenland die Mög- lichkeit, Anpassungsprozesse durch das Instrument Wechselkurs und die Veränderung der Geldmenge vorzunehmen. Die Einführung des Euro beschränkte die Hellenische Republik also in ihrem Handlungsspielraum. Der Verlust der eigenen Geldpolitik wurde jedoch zu Be- ginn nicht als Einschränkung wahrgenommen, da die Vorteile einer Mitgliedschaft überwo- gen. Im diesem Kapitel wird deshalb zunächst auf die positive wirtschaftliche Entwicklung nach Einführung des Euros eingegangen, um danach Auswirkungen der Finanzkrise in Grie- chenland darzustellen. Des Weiteren wird analysiert werden, warum die negativen Auswir- kungen gerade in Griechenland schwerwiegender waren als in anderen Krisenstaaten, und der Verlust einer eigenständigen Geldpolitik einen internen Anpassungsprozess als einzigen Lö- sungsweg ließen.

3.1. Der Eintritt in die Währungsunion 2001

Bevor Griechenland Mitglied der Eurozone wurde, galt das Land als ein unsicherer Faktor auf dem internationalen Finanzmarkt und war als „chronische[s]“ Risikoland bekannt (Hoffmann und Richter, 2012, S.2). Die Risikoaufschläge in Form von Zinsen für internationale Kapital- anleihen waren im Vergleich zu anderen EU-Staaten besonders hoch. Dies änderte sich mit der Einführung des Euro, da dieser als „starke Währung“ angesehen und von Kreditgebern als sicher und stabil bewertet wurde (Büchner, 2002). Durch das Ziel der Zinskonvergenz zwischen den Mitgliedstaaten der EWU näherten sich die vormals hohen Zinsen, die Griechenland für ausländische Kredite zu zahlen hatte, den niedrigeren von Ländern wie Deutschland an. Diese waren mit einer deutlich höheren Bonität von internationalen Rating Agenturen wie Standard and Poor´s (2012) bewertet worden1. Griechenland konnte sich dadurch günstiger am internationalen Kapitalmarkt refinanzieren, woraufhin die Kapitalim- porte anstiegen. Dies löste einen Bau- und Investitionsboom aus, sodass zwischen 2001 und 2007 die gesamtwirtschaftliche Produktion um 4,6% stieg (Born et al, 2012, S.14). Das daraus resultierende Wirtschaftswachstum basierte allerdings auf einem jahrelangen Prozess steigen- der öffentlicher und privater Ausgaben, d.h. auf Konsum, während die Sparquote der Haus- halte negativ war (OECD Factbook, 2011, o.S.). Bis in die 1980er Jahre lagen die Ausgaben der griechischen Regierung unter dem Durchschnitt der anderen zwölf Länder, die später zur Europäischen Währungsunion werden sollten. Zehn Jahre später jedoch überstiegen die Ausgaben Griechenlands die aller anderen Länder deutlich (EEAG Report, 2011). Zwischen 2001 und 2008 konsumierte Griechenland durchschnittlich im Jahr mehr als 100% des Nettoinlandsproduktes2 (Gerken et al, 2011). Der Grund hierfür waren die wachsenden Transferleistungen und steigenden Renten, sowie die ansteigende Zahl der Bediensteten im öffentlichen Dienst. So verdreifachte sich die Anzahl der Staatsbeamte zwischen 1976 und 2010, während die Anzahl der Angestellten in der Privatwirtschaft nur um 24% stieg (EEAG Report, 2011, S. 10). Im Jahr 2011 arbeitete ein Viertel der griechischen Erwerbstätigen im öffentlichen Sektor (Standard and Poor´s Rating Service, 2012), deren Einkommen in den letzten Jahren kontinuierlich stiegen. Bei geringer Produktivität waren die Löhne griechischer Arbeitnehmer im Vergleich zu anderen Ländern der Europäischen Union und Währungsunion sehr hoch. So sind die Lohnstückkosten zwischen 2001 und 2011 um 36,5% gestiegen (Gerken et al, 2011). Der Anstieg ist damit um 20 Prozentpunkte höher als der des Euroraum-

Durchschnitts3 (Gerken et al, 2011). Dieser Preisanstieg bedeutete eine reale Aufwertung griechischer Produkte und Dienstleistungen gegenüber seinen wichtigsten Handelspartnern. Zwischen 2001 und 2008 stieg der Wert um 20% und bis 2009 sogar auf 28% (Born et al, 2012, S.13). Die sinkende Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands, hervorgerufen durch einen sinkenden preislichen Vorteil und eine hohe Konsumneigung bei negativer Sparquote führte zu einem dramatischen Anstieg der öffentlichen Schulden. Der Staat versorgte sich über den internationalen Kapitalmarkt ständig mit neuen Krediten, deren Gelder wiederum nur für Konsum verwendet wurden. Der öffentliche Schuldenstand stieg im Zuge dessen bis 2008 auf 103,4% des BIP, das Defizit lag offiziell bei 5,8%4 (EEAG Report, 2012, S.104). Die hohe Konsumquote, die eigentlich zu steigenden Steuereinnahmen führen müsste, bewirkte aber keine Steigerung der Staatseinnahmen, was vor allem an dem hohen Grad der Steuerhinterziehung lag. Artavanis et al schätzten 2012 nach umfangreichen Forschungen auf dem Gebiet der Steuerhinterziehung, dass allein 2008 28 Milliarden Euro an Steuergeldern nicht gezahlt wurden (S. 11). Die geringen Einnahmen in Zusammenhang mit der hohen Kon- sumquote wirkten sich jedoch nicht nur negativ auf die Staatsverschuldung aus, sondern eben- falls auf „die Investitionen [aus], da der Anteil der inländischen Produktion, der für Investiti- onen zur Verfügung steht, mit zunehmendem Konsum sinkt“ (Gerken et al, 2011, S. 11). Die Zinsen am Kapitalmarkt stiegen weiterhin, sodass griechische Staatsanleihen für eine Dauer von 10 Jahren in dem Zeitraum Sommer 2007 bis August 2008 gegenüber den deutschen Staatsanleihen von 25 Basispunkten auf 65 stiegen (Arghyrou und Tsoukalas, 2010).

3.2 Die Wirtschaftskrise in Griechenland ab 2008

Im Zuge der Finanzkrise 2008 geriet die Hellenische Republik in eine schwere Wirtschafts- krise. Die griechische Regierung bekannte, falsche Angaben zu ihren Wirtschaftsindikatoren gemacht zu haben, und korrigierte das erwartete Haushaltsdefizit für 2009 zwei Mal nach oben, von 6% auf 12,7% und schließlich auf 13,6% (Arghyrou und Tsoukalas, 2010). Die Erwartungen lagen damit immer noch unter dem realen Defizit, das 15,8% betrug (EEAG Report, 2012, S. 32). Dieses war eine Folge der hohen Staatsausgaben, die 2009 52% des BIP betrugen und damit höher waren, als die der anderen Krisenstaaten Portugal, Spanien, Irland und Italien, die im Durchschnitt 48% des BIP ausgaben (Kovacheva, 2011, EEAG Report 2011, S.100). Das Leistungsbilanzdefizit betrug inzwischen 14,9% in Relation zum BIP. Im Jahr 2001 waren es noch 7,2% gewesen (Born et al, 2012, S.18). Des Weiteren lag der

Schuldenstand der Republik im Jahr 2009 bei 129,3% des BIP, womit er mehr als 100% größer war als im Wachstums- und Stabilitätspakt der EU vereinbart ist (EEAG Report, 2012, S.32). Obwohl die Regierung 2009 versprach, das Defizit schnellstmöglich zu reduzieren, „stiegen die Zinsen für griechische Staatsanleihen und die Kosten für die entsprechenden Kreditausfallversicherungszertifikate“ (Gerken et al, 2011, S.9). Daraufhin senkten Rating Agenturen wie Standard and Poor´s Griechenlands Bonität. Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass die problematische Situation der griechischen Wirtschaft in mehrere Teilprobleme aufgeteilt werden kann. Die Hellenische Republik weist zum einen seit Jahren die höchste Konsumquote Europas auf, gleichzeitig war die Sparquote negativ, sodass das Land kontinuierlich mehr ausgab als es einnahm. Das negative Leistungsbilanzdefizit bedeutet, dass die Hellenische Republik einen Importüberschuss hat, und damit ausländischer Kredite zur Finanzierung desselben bedarf. Dies wurde nach Eintritt in die EWU durch Kredite zu günstigen Zinsbedingungen möglich (Arghyrou und Tsoukalas, 2010; Gerken et al, 2011). Die daraus resultierende steigende Verschuldung ist also auf das hohe Leistungsbilanzdefizit zurückzuführen, das wiederum das Resultat „einer immer schwä- cheren Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Volkswirtschaft ist“ (Gerken at al, 2011, S.8). Damit ist die geringe Wettbewerbsfähigkeit das Hauptproblem Griechenlands. Griechische Güter und Dienstleistungen sind vor allem durch die steigenden Lohnstückkosten für ihre ausländischen Handelspartner preislich unattraktiv. Erst wenn es der griechischen Volkswirtschaft gelingt, einen preislichen Vorteil auf dem internationalen Güter- und Dienstleistungsmarkt zu erreichen und einen positiven Leistungsbilanzsaldo zu erreichen, kann das Land genug Vermögen aufbauen, um seinen Kreditbedarf im Inland abzudecken. Am Ende wäre es damit nicht weiter auf ausländische Kredite angewiesen (Gerken et al, 2011; Born et al, 2012).

3.3. Lösungsversuche: Der Weg aus der Krise?

Im Jahr 2010 beantragte die griechische Regierung offiziell Finanzhilfen und bekam im Zuge dessen ein Hilfspaket in Höhe von 110 Milliarden Euro zugesprochen. Davon kamen 80 Mil- liarden in Form bilateraler Darlehen von den anderen Mitgliedstaaten der Eurozone und weitere 30 Milliarden vom Internationalen Währungsfond (IWF). Als Gegenleistung musste Griechenland die Zusage geben, jährlich 20% des BIP zur Konsolidierung ausländischer Schulden zu verwenden, Einschnitte im öffentlichen Sektor durchzuführen, die indirekten Steuern zu erhöhen und eine Rentenreform einzuleiten. Des Weiteren sollten Strukturrefor- men auf dem Arbeitsmarkt, inklusive Lohnkürzungen, die hohen Arbeitslosenzahlen bekämp- fen und zusammen mit Fördermaßen für Exporte die Wettbewerbsfähigkeit steigern und das Außenhandelsdefizit senken (EEAG Report, 2011). Es wird also deutlich, dass Griechenland, EWU und IWF den Weg aus der Krise in umfassenden Reformen und einer internen Abwer- tung sahen, d.h. einer Preissenkung griechischer Waren und Dienstleistungen in Relation zum Ausland. Das oberste Ziel war damit die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, sodass Griechenland gegenüber seinen Handelspartnern preislich attraktiver erscheint (EEAG Report, 2011).

Untersucht man die Ergebnisse der Maßnahmen allerdings im Jahr 2012, so kann man erkennen, dass sich die griechische Wirtschaft trotz strikter Ausgabenkürzungen, der Erhöhung von Steuern und Abgaben, sowie finanziellen Hilfen von EU, IWF und EWU und eines Schuldenschnittes von 53% im März 2012 nicht erholen konnte (Blankart und Bretschneider, 2012, S.12). So betrug die Reduzierung der Staatsausgaben 2011 4,1% in Relation zum BIP. Die Senkung gelang vor allem durch die Entlassung Staatsbediensteter und die Kürzungen von Renten und Sozialleistungen. Da das Wirtschaftswachstum und damit das BIP gleichzeitig jedoch sanken, reduzierten sich die Staatsausgaben effektiv nur um 1,9% des BIP (Weisbrot und Montecino, 2012, S.6). Der Schuldenstand ist deshalb weiter angestiegen, von 144% in Relation zum BIP im Jahr 2010 auf 162,8% des BIP im Jahr 20115 (EEAG Report, 2012, S.32). Grund hierfür sehen Experten der EEAG (2011 und 2012) vor allem in den steigenden Sozialausgaben und den sinkenden Steuereinnahmen durch die wachsende Anzahl Arbeitsloser. Die Belastungen aus den Ausgabenkürzungen und Reformen tragen die griechischen Arbeitnehmer, deren Erwerbsquote weiter sinkt6 (Seidel, 2012, S.3; Weisbrot und Montecino, 2012, S. 8).

Der Lösungsansatz der internen Abwertung resultierte letztendlich in einer nun seit vier Jah- ren andauernden Rezession. Der reale effektive Wechselkurs7 wertete zwar seit 2010 um 7% ab und machte damit „ein Viertel der Aufwertung aus den ersten neun Eurojahren wieder wett“ (Born et al, 2012, S.18), liegt damit allerdings nur 2% unter dem Wert von 2008 (Ebd, S.14). Durch die Rezession ist die Menge an produzierten Gütern und Dienstleistungen ge- sunken, die Preise der Exportgüter sind aber fast konstant geblieben. Dadurch ist der Gesamt- export an Waren und Dienstleistungen als Anteil des BIP in dem Zeitraum 2008 bis 2012 im Durchschnitt konstant geblieben (Born et al, 2012, S.19). Das Leistungsbilanzdefizit ist dennoch leicht gesunken von 14,9% in Relation zum BIP im Jahr 2009 auf 9,8% im Jahr 2011 (Born et al, 2012, S.19)8. Die Ursache hierfür liegt in der positiven Entwicklung der Handels- und Dienstleistungsbilanz, hervorgerufen durch die sinkenden Importe. Die Einfuhr von Gütern ist gesunken, was vor allem an den „schwierigeren Kreditbedingungen“, der Rezession und der dadurch schrumpfenden Gesamtbinnennachfrage liegt (Born et al, 2012, S.19). Die gesunkene Nachfrage ist wiederum vor allem mit den starken Kürzungen im Sozialsystem zu erklären. Die Bevölkerung muss mit geringeren Einkommen und gekürzten Sozialleistungen leben, wodurch sich Importgüter in Relation verteuert haben. Der Importwert sank dadurch zwischen 2010 und 2012 um 6% (Born et al, 2012, S.19). Als Resultat gibt es nur eine „rela- tive Verbesserung des Außenbeitrages“ (Born et al, 2012, S.11), allerding ohne, dass die griechische Wirtschaft in der Lage war, Überschüsse zu erzielen.

Obwohl die griechische Regierung sich um Einsparungen zu bemühen scheint, belasten hohe Zinslasten den Staat zusätzlich. Im Vergleich zu anderen EU und EWU Staaten hat die Helle- nische Republik die höchsten Zinsen zu zahlen, was die Sanierung erschwert und die politi- schen und sozialen Kosten zusätzlich erhöht9. Durch die hohen Zinszahlungen an ausländi- sche Gläubiger ist die Regierung gezwungen, weitere starke Einschnitte im griechischen So- zialsystem durchzuführen. Dies trifft vor allem die Unter- und Mittelschicht. Die steigende Unzufriedenheit und das Unverständnis der Bevölkerung resultiert wiederum in einer sinken- den Unterstützung für Reformen, sodass es der Regierung zunehmend schwer fällt, Mehrhei- ten für ihre Reformbemühungen zu finden. Ein Grund für die hohen Zinsen ist allerdings die immer noch hohe Konsumquote des Staates Griechenlands, die bei über 100% des Nettoinlandsproduktes liegt (2010 lag sie sogar bei 109,9%). In Zusammenhang mit einer 2011 sogar negativen Investitionsquote bewirkt dies, dass das Vertrauen der Gläubiger in die Fähigkeit Griechenlands, Kredite zu bedienen, sinkt (Gerken et al, 2011).

Wurde das Ziel einer steigenden Wettbewerbsfähigkeit durch eine interne Abwertung also erreicht? Zu diesem Zeitpunkt muss man dies verneinen. Der BIP Deflator als Preisindex für selbsterzeugte Waren und Dienstleistungen verteuerte sich in Griechenland zwischen 2000 und 2011 um 40% (in Deutschland verteuerte er sich im gleichen Zeitraum um 14%) (Streule und Thürmer, 2012; Sinn, 2012). Bemühungen ab 2010 den Preisindex zu senken, waren nicht erfolgreich. Während Deutschland also auf dem internationalen Güter- und Dienstleistungsmarkt wettbewerbsfähiger wurde, sank Griechenlands Wettbewerbsfähigkeit.

Auch die Entwicklung der Lohnstückkosten trägt dazu bei, dass die Hellenische Republik bisher keinen komparativen Vorteil erlangen konnte. Von 2010 auf 2011 sind die Lohnstückkosten in Griechenland zwar um fast zwei Prozentpunkte gesunken, allerdings liegen sie damit immer noch weit über dem Durchschnitt der Euro- Zone (der Durchschnitt der Euro-Zone ist 30 Prozentpunkte niedriger) oder vergleichsweise Deutschland (die nominalen Lohnstückkosten Deutschlands sind sogar 32 Prozentpunkte geringer als die griechischen) (Gerken et al, 2011, S.14). Hohe relative Lohnkosten in Relation zu den wichtigsten Handelspartnern sind ein Indikator für die geringe Wettbewerbsfähigkeit, gerade für ein Land wie Griechenland, dessen Exporte von dem Dienstleistungssektor dominiert sind10. Den Grund für den erfolglosen Versuch der Lohnkürzungen sehen Born et al (2012) u.a. in dem Widerstand von Gewerkschaften und Bevölkerung, die sich gegen die im nötigen Umfang geplanten Kürzungen stellen (S.10).

Bisher wurden die Ziele der Haushalskonsolidierung nicht erreicht und das vorgegebene Ziel der Troika aus EZB, Europäische Kommission und IWF ab 2013 einen Primärüberschuss als Ergebnis der internen Abwertung zu erzielen, scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Der wirtschaftliche Anpassungsprozess gestaltet sich schwierig, da die Staatseinnahmen erheblich hinter den Zielvorgaben zurückblieben und bei einigen Ausgabekategorien die empfohlene Haushaltsobergrenze überschritten wurde. Da Griechenland das Instrument der Geldpolitik nicht nutzen kann, ist die Mitgliedschaft in EU und EWU das einzige, was Griechenland im Moment davor bewahrt, insolvent zu gehen. Regelmäßige Geldtransfers im Zuge der Rettungspakete und die Aktivitäten der Zentralbank überbrücken die Finanzierungslücken zwischen Export und Import, Staatsausgaben und Einnahmen (Born et al, 2012). Regierungschef Samaras verkündete im September 2012, dass „ohne weitere Hilfszahlungen aus dem Ausland, Ende November 2012 [die öffentlichen] Kassen leer sein würden“ (Peter und Böhmer, 2012, S.2). Mitte November brauchte die griechische Regierung weitere 31 Milliarden Euro an Hilfsgeldern, um handlungsfähig zu bleiben (Markus Körner et al, 2012). Am 26.11.2012 einigten sich die Finanzminister der Euroländer, der IWF und die Europäische Zentralbank darauf, die Laufzeit der Kredite um weitere 15 Jahre zu verlängern, eine Tranche von 44 Milliarden Euro an Griechenland zu überweisen und die Zinsen um 100 Basispunkte zu verringern. Des Weiteren ist geplant, ein „Schuldenrückkaufprogramm“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2012, o.S.) einzuführen, bei dem ausländische Gläubiger Griechenland ihre Schuldenpapiere (in Form von Staatsanleihen) zu einem geringen Preis anbieten. Eine weitere Neuerung ist die Verpflichtung der Eurostaaten, die Gewinne ihrer nationalen Notenbanken, „die mit dem Ankauf griechischer Staatsanleihen zusammenhängen“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2012, o.S.), im Jahr 2013 an Griechenland zu übertragen. All diese Maßnahmen sollen dem Krisenstaat Zeit geben und die jährliche finanzielle Belastung senken. Somit soll langfristig eine Steigerung der Wirtschaftsleistung und Wettbewerbsfähigkeit möglich sein. Geht man aber davon aus, dass die anderen Länder die Hellenische Republik weiterhin finanziell unterstützen, so besteht die Gefahr, dass dies auf lange Sicht in einer europäischen Transferunion endet. Dies kann nur verhindert werden, indem es Griechenland gelingt, seine Wettbewerbsfähigkeit in der kurzen Frist zu erhöhen und sich selbstständig zu refinanzieren.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die obigen Fakten und Zahlen den Schluss zulas- sen, dass eine Preis- und Lohnkostensenkung notwendig ist, um die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands zu steigern. Somit wird es dem Land langfristig ermöglicht, sich selbstständig am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Unter der Voraussetzung einer Mitgliedschaft in der Euro- zone ist dies bisher nur durch eine interne Abwertung möglich, was allerdings nur mäßig erfolgreich war. Die Abhängigkeit von ausländischen Gläubigern stieg, während sich die wirt- schaftlichen Indikatoren nur minimal verbesserten oder sogar zum Teil weiter verschlechtert haben. Da die Exporte nicht gestiegen sind, hat sich der Außenhandelsbeitrag kaum verbes- sert, sodass das Leistungsbilanzdefizit nach wie vor sehr hoch ist. Es ist nun also Zeit, eine externe Abwertung als Alternative in Erwägung zu ziehen. Wie würde sich der Austritt Grie- chenlands aus der Währungsunion und die darauf folgende Abwertung der neuen griechischen Drachme auf die Wettbewerbsfähigkeit auswirken?

4. Folgen einer Abwertung in der Theorie der Außenwirtschaft

Um am Ende der Arbeit die Frage beantworten zu können, ob der Austritt Griechenlands aus dem Euro verbunden mit der Abwertung einer neu eingeführten griechischen Währung eine ökonomisch sinnvolle Maßnahme ist, müssen erst einmal die theoretischen Grundlagen einer eigenständigen Geldpolitik betrachtet werden. Führt Griechenland wieder die Drachme ein, kann es selbstständig über die Geldpolitik und damit über Geldmenge und Wechselkurs der eigenen Währung bestimmen. In diesem Kapitel wird deshalb erst einmal die Leistungsbilanz als Indikator für Wettbewerbsfähigkeit eingeführt, um dann die theoretischen Auswirkungen einer Wechselkursänderung auf Leistungsbilanzsaldo und andere wirtschaftliche Indikatoren anhand von Modellen herzuleiten. Nach der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung gilt, dass der Vermögenszuwachs eines Staates durch einen Saldo aus Sachvermögenszuwachs und einer Veränderung des Auslandsvermögens besteht. Das Vermögen einer Volkswirtschaft steigt also auch durch ein wachsendes Netto- Auslandsvermögen. Rose schreibt, „dass die inländische Volkswirtschaft ihr Geldvermögen nur vergrößern kann, wenn sie Netto- Forderungen an das Ausland erwirbt. Die Veränderung des Geldvermögens einer Volkswirtschaft ist stets genau gleich der Veränderung des Netto-Auslandsvermögens, die ihrerseits mit dem Saldo der Leistungsbilanz […] identisch ist“ (Rose, 2006, S.26). Die Veränderung der Leistungsbilanz kann damit als Indikator für steigendes Wirtschaftswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit einer Wirtschaft gesehen werden und wird deshalb in dieser Arbeit im Mittelpunkt der Analyse stehen. Die Leistungsbilanz besteht aus drei Teilbilanzen: der Handels- und Dienstleistungsbilanz und den laufenden Übertragungen.

In dieser Arbeit konzentriere ich mich auf die Betrachtung von „Devisenangebot und -nach- frage aus Exporten und Importen“ (Rose, 2006, S.54), während die Effekte von Übertragun- gen nur am Rande behandelt werden. Daraus folgt, dass im Folgenden das Leistungsbilanz- saldo auf den Außenbeitrag beschränkt wird, der eine Teilmenge der LB ohne die Übertra- gungen darstellt. Der Außenbeitrag ist ein Teil des Sozialproduktes und wirkt sich damit di- rekt auf Produktion, Beschäftigung etc. aus, was die folgende Formel zeigt. Das Bruttosozial- produkt entspricht also der Summe aus dem Konsum (C) von Staat und Haushalten, den staatlichen und privaten Investitionen (I) und dem Außenbeitrag (AU), d.h. der Differenz aus Exporten (Ex) und Importen (Im).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Änderung des Außenbeitrages hat deshalb Folgen auf das Bruttosozialprodukt und damit auf das Wirtschaftswachstum.

Daran anknüpfend gehe ich von folgendem Modell aus. Steigt der Leistungsbilanzsaldo (LBS) soweit, dass der Exportwert größer als der Importwert ist, so steigt das Netto- Auslandsvermögen des Inlandes. Infolgedessen kann der Leistungsbilanzüberschuss für In- vestitionen oder den Schuldenabbau genutzt werden, falls die erhöhten Deviseneinnahmen nicht vollständig konsumiert werden. Ein Wirtschaftswachstum infolge eines Leistungsbilanz- überschusses wird voraussichtlich in sinkenden Arbeitslosenzahlen resultieren, was zu stei- genden Staatseinnahmen und sinkenden Staatsausgaben für Sozialleistungen führen wird. Am Ende wird die Volkswirtschaft in der Lage sein, die Neuverschuldung zu reduzieren und einen Schuldenabbau vorzunehmen. Doch wie kann die Leistungsbilanz durch Wechselkursänder- ungen beeinflusst werden?

[...]


1 Siehe Grafik 1: Zinskonvergenz in der Eurozone (1994-2011)

2 Siehe Grafik 2: Konsumquote Griechenlands in Prozent des Nettoinlandsproduktes

3 Siehe Grafik 3: Die Entwicklung der griechischen nominalen Lohnstückkosten

4 Siehe Grafik 4: Griechenlands Schuldenstand und öffentliches Haushaltsdefizit (1974-2008)

6 Siehe Grafik 6: Beschäftigung als Anteil an der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter (1994-2011)

7 Nach der Definition von Eurostat ist der reale effektive Wechselkurs REW, auch Preis- und Kostenindikator genannt, ein Indikator, der Auskunft über „die Preise und Kosten eines Landes (oder Währungsgebiets) gegenüber den wichtigsten Konkurrenten auf den internationalen Märkten“ gibt (Eurostat, 2012). Der REW ist damit ein Messwert für die Entwicklung einer Volkswirtschaft und wird auf Basis der Lohnstückkosten im Verhältnis zu den 27 EU- Mitgliedsländern und neun weiteren Industrieländern (Australien, Kanada, Vereinigte Staaten, Japan, Norwegen, Neuseeland, Mexiko, Schweiz und Türkei) berechnet. „Für die Berechnung der REW werden doppelte Exportgewichte verwendet, die nicht nur den Wettbewerb auf den Heimatmärkten der verschiedenen Wettbewerber berücksichtigen, sondern auch den Wettbewerb auf anderen Exportmärkten. Ein Anstieg des Index bedeutet eine Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit“ (Eurostat, 2012)

8 Siehe Grafik 7: Griechische Zahlungsbilanz (2005-2011)

9 Siehe Grafik 8: Zinslasten der EU-Mitgliedsstaaten (2011)

10 Im Dienstleistungssektor macht das Transportwesen 50% aus, gefolgt vom Tourismussektor mit 40% (Born et al, 2012, S. 19)

Details

Seiten
54
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656471325
ISBN (Buch)
9783656471479
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229516
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Fakultät für Wirtschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Grexit Griechenland Wirtschaftskrise Austritt Währungsunion EWU Finanzkrise Abwertung selbstständige Geldpolitik

Autor

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Titel: GREXIT. Ist der Austritt aus der EWU eine ökonomisch sinnvolle Lösung für Griechenland?