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Die Arbeitsmarktsituation Jugendlicher - der Weg in das Erwerbsleben

Hausarbeit 2012 21 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Arbeitsmarkt Jugendlicher
2.1) Allgemeine Situation in Deutschland
2.2) Problematik des Arbeitsmarkts

3) Jugendarbeitslosigkeit
3.1) Auswirkungen von Jugendarbeitslosigkeit
3.2) Lage in Europa

4) Möglichkeiten, die Arbeitsmarktlage Jugendlicher zu verbessern

5) Fazit

6) Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Der Übergang von der Schule in die Erwerbsarbeit ist für die meisten Jugendlichen heute deutlich länger und komplexer, als noch bei der Generation ihrer Eltern. Der Arbeitsmarkt stellt sich für Jugendliche als Rahmen für den Einmündungsprozess in das Erwerbsleben dar, bei dem verschiedene Stationen durchlaufen werden und dessen Ende bestmöglich in ein stabiles Beschäftigungsverhältnis einmündet. Im Anschluss an die allgemein bildende Schule müssen oftmals eine ganze Reihe von Übergängen bewältigt werden, bis eine Anstellung im erlernten Beruf gefunden wird. Solche Übergänge können als Statuswechsel gesehen werden und sind häufig mit zahlreichen Problemen verbunden. Mit der Wahl der schulischen sowie beruflichen Bildung wird von jungen Menschen sehr früh Entscheidungen verlangt, die Einfluss auf die gesamte Zukunft haben.

In Deutschland streben die meisten der Jugendlichen nach wie vor eine betriebliche Ausbildung an, jedoch gelingt es einer beträchtlichen Anzahl weder eine Ausbildungsstelle, noch eine Arbeitsstelle im Anschluss einer Ausbildung zu finden. So wird oftmals eine weitere schulische oder betriebliche Ausbildung absolviert oder auf arbeitsmarkt- oder bildungspolitische Maßnahmen zurückgegriffen, bis sich ihnen eine geeignete Beschäftigung bietet. Es gibt jedoch auch langfristige arbeitslose Jugendliche, die sich resigniert vom Arbeitsmarkt zurückziehen oder Stammkunden bei der Agentur für Arbeit sind. Die Positionierung im Erwerbsleben ist jedoch von großer Bedeutung jedes Einzelnen, denn sie entscheidet über die Qualität der Arbeits- und Lebensbedingungen. Somit hat ein Scheitern in dieser frühen Stufe negative Auswirkungen auf das gesamte Erwerbsleben, denn Einstiegsprobleme bedeuten ein relativ hohes Risiko der Verfestigung. Anhand dieser Arbeit soll geklärt werden, welche Besonderheit den Arbeitsmarkt für Jugendliche kennzeichnen, denn er unterscheidet sich von anderen Teilbereichen des Arbeitsmarktes, sowie von Jugendarbeitsmärkten in anderen Ländern. Dabei sollen die Schwierigkeiten, die hier entstehen können, näher beleuchtet, sowie mögliche Folgen aufgezeigt werden. Gerade die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland stellt ein großes Risiko für die Gesellschaft dar und betrifft nicht nur Ausländer und Aussiedler. Auch viele deutsche Familien schaffen es heute nicht mehr ihre Kinder so zu erziehen, dass sie sich auf die Schule konzentrieren und ihnen die Bedeutung von Bildung vermittelt wird. Nicht zuletzt aufgrund des drohenden Fachkräftemangels, sowie der demografischen Entwicklung, dürfen junge Leute nicht von der Schulbank in die Arbeitslosigkeit fallen und deren Potentiale ungenutzt bleiben. Beratung, Betreuung von jungen Arbeits- und Ausbildungssuchenden und andere politische Maßnahmen spielen in Deutschland eine sehr große Rolle, jedoch ist nicht klar inwiefern sie die Jugendlichen im Übergang in das Erwerbsleben wirklich unterstützen oder weiteren unnötigen Übergängen aussetzten. Deshalb soll geklärt werden, welche Maßnahmen es gibt, die das wohl größte Problem- die Jugendarbeitslosigkeit- sowie weitere Stolpersteine die der Arbeitsmarkt für Jugendliche mit sich bringt, verhindern bzw. verbessern können.

2) Arbeitsmarkt Jugendlicher

2.1) Allgemeine Situation

Der Arbeitsmarkt für Jugendliche fungiert als „Eingliederungsprozess“ in das Erwerbsleben, in dem unterschiedliche Stufen durchlaufen werden und auf jeder Stufe Probleme entstehen können. Auf der Individualebene spielen hauptsächlich der „sozio- ökonomische Hintergrund“, sowie das „Humankapital“ eine Rolle für den Erfolg. Die berufliche, wie soziale Entwicklung von Jugendlichen wird entscheidend vom sozialen Umfeld beeinflusst (Vgl. Zimmermann 2000, S. 21). Auch die Bildung und der Berufsstatus der Eltern prägen die Wünsche bezüglich des Schulabschlusses der Kinder erheblich. Eltern, die selbst über höhere Bildungszertifikate verfügen, wünschen sich dementsprechend auch einen möglichst hohen Schulabschluss für ihre Kinder. Generell übernehmen Eltern viele Entscheidungen während des Heranwachsens ihrer Kinder, wie beispielsweise die Wahl der Schule nach der Grundschule, wodurch ihnen in diesem Prozess eine vielfältige Rolle zu kommt.

In der Soziologie werden zwei Aspekte benannt, die sich prägend auf den Lebenslauf sowie die soziale Stellung auswirken und somit auch auf die spätere Stellung im Erwerbsleben. Sie werden als „kulturelles und soziales Kapital“ bezeichnet, das vom Elternhaus beeinflusst wird. „Alle Eigenschaften eines Individuums, die einen festen Bestandteil seiner Persönlichkeit ausmachen“ beschreiben das kulturelle Kapital, welches auch das „Humankapital“ umfasst. Der „Bestand an kulturellem Kapital“ ist insofern ein Indikator für die Qualität der Erziehung, dadurch dass dieses durch Erziehung in der Familie übermittelt wird. Damit sich kulturelles Kapital oder Humankapital überhaupt bilden kann, ist es nötig in einen gewissen Aufwand an Ressourcen sowie Zeit zu investieren. Dabei hängt die Ausstattung kulturellen Kapitals selbstverständlich damit zusammen, inwieweit es vermittelt werden kann. Jugendliche, die aus Familien mit einem hohen Bestand dieses Kapitals versorgt sind, haben es auf dem Arbeitsmarkt leichter und können am besten weitervermittelt werden. „Somit leistet Erziehung einen Beitrag zur Reproduktion der bestehenden Sozialstruktur einer Gesellschaft“ (Zimmermann 2000, S. 28). Ein höheres Kapital verspricht einen „höheren Nutzen aus dem Besuch einer weiterführenden Schule“ und liefert die Grundlage für weiteres Kapital, wie dem Humankapital. Gerade in den Übergängen von Jugendlichen in das Erwerbsleben kann solch kulturelles Kapital für die Beurteilung von Bewerber seitens der Arbeitgeber entscheidend sein. Als soziales Kapital bezeichnet Volker Zimmermann „alle Ressourcen eines Individuums, die mit seiner Einbindung in ein dauerhaftes Netz von sozialen Beziehungen im Zusammenhang stehen. Indem man einer bestimmten Gruppe zugehört, wie beispielsweise einer gesellschaftlichen Schicht, einer Partei oder der Familie, entsteht soziales Kapital, wodurch sich die Möglichkeit bieten kann, über diese Beziehungen die Eingliederung in das Erwerbsleben zu erleichtern“ (Zimmermann 2000, S. 29). Ein Elternteil, der in einem bestimmten Bereich tätig ist, kann seinem Kind möglicherweise zu eine Ausbildungs- bzw. Arbeitsstelle verhelfen, insofern dieses sich für diesen Bereich ebenfalls interessiert. Beide genannten Kapitalsorten haben einen starken Einfluss auf die Erwerbskarriere von Jugendlichen, keine Frage, jedoch korrelieren sie oftmals miteinander, was die Unterscheidung schwierig macht. Klar ist jedoch, die Gleichheit der Startchancen unter Jugendlichen ist nicht gegeben (Vgl. Zimmermann 2000, S. 27- 29).

Der Übergang von der Schule in die Berufsausbildung wird auch „erste Schwelle“ genannt, ist für Jugendliche meist mit einer Orientierungsphase verbunden und vollzieht sich häufig nicht problemlos (Vgl. Zimmermann 2000, S. 35). In Deutschland bestimmt das Bildungssystem einen fest vorgegebenen Rahmen des Eintritts in den Arbeitsmarkt. Schon der erreichte Schulabschluss beeinflusst den Übergang in die Berufsausbildung hinsichtlich der Attraktivität der Ausbildungsgänge und der Erleichterung des Eintritts. Für Jugendliche mit einem niedrigen schulischen Abschluss stehen die Chancen eine Ausbildung beginnen zu können relativ schlecht, vor allem in Zeiten einer angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Die Mehrzahl der Jugendlichen durchläuft immer noch eine duale Ausbildung, welche „mit die beste Ausgangsbasis ist, sowohl für den Einstieg, als auch für das weitere Erwerbsleben“. Etwa 60% der Absolventen allgemeinbildender Schulen finden einen betrieblichen oder außerbetrieblichen Ausbildungsplatz, was deutlich macht, dass ein großer Prozentsatz keine Ausbildungsstelle findet (Vgl. IAB Forschungsbericht 2007, S.19). „Am Ende des Vermittlungsjahres bleiben Lehrstellen unbesetzt, sowie Bewerber nicht vermittelt werden“, es gibt somit über die gesetzliche Nachfrage hinaus einen Bedarf an Ausbildungsplätzen.

Im Anschluss an die Berufsausbildung ergibt sich eine weitere kritische Phase im Eingliederungsprozess in das Erwerbsleben, nämlich die sogenannte „zweite Schwelle“ (Vgl. Zimmermann 2000, S. 70- 71). Hier entsteht oftmals „Sucharbeitslosigkeit“, das heißt der Jugendliche ist so lange arbeitslos, bis er eine passende Arbeitsstelle gefunden hat oder es resultieren längerfristige Phasen der Arbeitslosigkeit. „Dabei haben Jugendliche, die an der zweiten Schwelle Fehlschläge aufweisen, oft mit lang anhaltenden Nachteilen im Erwerbsleben zu rechnen“. Für die „berufliche Platzierung“ der Jugendlichen im Erwerbsleben zeigt sich die erste Beschäftigung als entscheidend. Dieses Zwei- Schwellen- Modell wurde in den 1970er Jahren formuliert und findet heutzutage noch vielfach Beachtung, jedoch kann es unter den aktuell vorherrschenden Bedingungen lediglich noch als „idealtypische Zuspitzung des Übergangs von der Schule in den Beruf sein“ (Vgl. IAB Forschungsbericht 2007, S. 18). Das zwei Schwellen- Modell ist zudem eng mit der Vorstellung einer „Normalbiografie“ verbunden. „Es wird als normal angesehen, dass Jugendliche nach der Ausbildung einen nahtlosen Übergang in die Beschäftigung findet, was idealerweise durch die Übernahme von Ausbildungsbetrieb oder durch Weiterbeschäftigung im erst erlernten Beruf geschehen kann“ (IAB Forschungsbericht 2007, S. 18). Es ist nicht mehr angebracht von nur zwei Schwellen zu sprechen, denn die Arbeitsmarktdynamik und die mehrstufigen Übergänge auf dem Arbeitsmarkt werden von „diesem Begriff auf ein Minimum reduziert“ (Vgl. IAB Forschungsbericht 2007, S.19).

2.2) Problematik des Arbeitsmarkts

Es zeigt sich, dass für Jugendliche jede Menge „Stolpersteine“ auf dem Weg in die Erwerbsarbeit lauern. Die Konkurrenz um die geringe Anzahl von Stellen, sowie befristete Verträge oder andere Formen „atypischer Beschäftigung“ verlangen ein hohes Maß an Flexibilität und Ausdauer (Vgl. Statistisches Bundesamt 2009, S. 23). Die Übergänge von der Schule in einen Beruf werden zusätzlich erschwert durch gestiegene Ansprüche seitens der Ausbildungsbetriebe bezüglich den schulischen Qualifikationen ihrer Bewerber. Während für höher qualifizierte Bewerber die Chancen relativ gut stehen, einen Ausbildungsplatz zu finden, haben Jugendliche mit vergleichsweise geringer schulischer Bildung das Nachsehen. „Zum Teil konkurrieren Schulabsolventen auch mit Altnachfragen, also Bewerbern, die im vorherigen Jahr keine Lehrstelle finden konnten und sich erneut um einen Ausbildungsplatz bemühen“. Formale Bildungsabschlüsse haben einen großen Einfluss auf „individuelle Erwerbschancen, jedoch bestimmen auch „Basisqualifikationen“ und sogenannte „Softskills“ wie etwa Höflichkeit die Chancen auf dem Arbeitsmarkt (Vgl. IAB Forschungsbericht 2007, S.19).

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Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656451464
ISBN (Buch)
9783656451655
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229393
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Arbeitsmarktsituation Jugendlicher Jugendarbeitslosigkeit Jugendliche auf dem Weg in das Erwerbsleben Förderungsmaßnahmen für Jugendliche

Autor

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Titel: Die Arbeitsmarktsituation Jugendlicher - der Weg in das Erwerbsleben