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Zu Freundschaft in Kurbjuweits 'Zweier ohne'.

Essay 2013 7 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Freundschaft in Kurbjuweits ‚Zweier ohne’

ein Essay

Gert Singer

10.06. 2013

Freundschaft ist das zentrales Thema von Kurbjuweits Novelle ‚Zweier ohne’1. An exponierter Stelle, gleich in der zweiten Zeile des Textes heißt es: „.. wurde Ludwig mein Freund.“

Wie wichtig es für Johann, den Erzähler dieser Novelle , ist, einen Freund zu bekommen, erfahren wir im Rückblick auf Seite 14. Johann erzählt uns dort: „Damals brauchte ich dringend einen Freund. Ein Freund war alles in jener Zeit.“

Unmittelbar zuvor, was hier nicht die erzählte Zeit betrifft, denn der Autor hat seine Novelle nicht chronologisch organisiert, werden wir über einen Klassiker, erneut auf die Bedeutung des Themas Freundschaft im ‚Zweier ohne’ hingewiesen. Die Schüler der Klasse, in der Johann ist und in die Ludwig kommt, lesen gerade Schillers Ballade ‚Die Bürgschaft’, als der Neue, Ludwig, vom Rektor der Schule vorgestellt wird.

In Schillers Gedicht rettet ein Freund den anderen davor, umgebracht zu werden.

Schon vorab sei festgestellt, mit Ludwigs Freundschaft zu Johann ist es nicht weit her.

Wie entwickelt sich beider freundschaftliche Beziehung?

Zunächst einmal bezweifelt Johann, dass Ludwig der Richtige für ihn sein könnte. Er bemerkt am Ende von Abschnitt eins, auf Seite 9: „Ich war nicht sicher, ob Ludwig zu mir passt.“ Auf Seite 16 lesen wir dann – wie bereits erwähnt, Chronologie ist in Kurbjuweits Erzählweise aufgehoben - : „Wenn Ludwig schon mein Freund gewesen wäre...“. Klar definiert Johann dann etwas später, was er von einem Freund erwartet. „Ich wollte nicht irgend einen Freund, ich wollte einen, mit dem ich endlos spielen konnte.“ (S. 19) Feinde nennt er jene Jungs, die bei Einbruch der Dunkelheit aufhören, Fußball zu spielen, weil sie so früh schon nach Hause müssen. So etwa vierzehn Tage nach Ludwigs Schuleintritt, übernachtet Johann zum ersten Mal bei Ludwig zu Hause. Als er seine Mutter um Erlaubnis hierzu bittet, tut er es mit dem Hinweis darauf, das er und Ludwig „...in kurzer Zeit sehr gute Freunde geworden sind.“ Auf Seite 28 dann wird Johann von Ludwig auf Freundschaftstauglichkeit getestet. Johann muss von der Autobahnbrücke in die Tiefe sehen und nachts die Straße der Brücke überqueren. Da das gefährlich ist, fragt sich Johann: „ ... konnte er (Ludwig) wirklich mein Freund sein? Und der Prüfling konstatiert: „Es war... nicht besonders nett gewesen, mich über die Autobahn zu

1 Dirk Kurbjuweit, Zweier ohne, Kiepenheuer und Witsch, Köln 2008.

Alle im Text des vorliegenden Essays genannten Seitenangaben beziehen sich auf diese Ausgabe

locken.“ Gewissheit hat Johann endlich auf S. 34. Er verrät uns: „ Ich wusste, dass Ludwig ,mein Freund sein würde.“ Als vorläufige Definition von Freundschaft gilt für unseren Erzähler erst mal: „...ein Freund ... ist mehr als jemand der anruft. Man braucht einen Freund gegen die Angst.“ (S. 35)

Soweit so gut. Was folgt kann man als Perversion des Freundschaftsbegriffes auffassen.

Johann und Ludwig vereinbaren „...wie Zwillinge zu werden.“

Dazu heißt es im Text: „ Wir wollten Zwillinge sein. Wir wollten absolut gleich sein.“ (S. 39) Neben äußerer Ähnlichkeit und ähnlicher Begabung „...wir waren gleich groß, gleich schwer, gleich kräftig, technisch gleich begabt...“ (S. 47) kommt – Orwell lässt grüßen – gleiches Denken als Freundschaftsbasis mit ins Trauerspiel. Leicht irritiert nimmt auch der geneigte Leser zur Kenntnis: „ Wir waren Freunde, wir dachten gleich.“ (S. 47)

Als Gipfel des Gleichheitswahns formuliert Ludwig: „ Wir müssen immer das gleiche tun, wir müssen immer das gleiche denken... und wenn einer von uns einen Grund hat, von der Brücke zu springen, muss das auch ein Grund für den anderen sein, von dieser Brücke zu springen...“ (S. 48) Die Freundschaft der beiden in Form einer Zwillingsbruderschaft sieht dann so aus. „Fast jede wache Minute verbrachten wir miteinander, sahen fern, spielten dieselben Computerspiele, lasen Bücher gemeinsam, aßen gleich viel von den selben Gerichten,

erzählten uns jeden Gedanken.“ (S. 49, S. 50) Ein paar Seiten weiter werden wir damit konfrontiert: „ wir waren Zwillinge geworden... hatten vereinbart... uns jeden Morgen die Träume der Nacht zu erzählen.“ (S. 55) Bald schon sind Ludwig und Johann mit ihrem Zwillingsprojekt soweit gekommen: „...dass man nicht mehr über alles Worte verlieren musste. Die wichtigsten Dinge ahnten und wussten wir voneinander.“ (S. 64) Andererseits, den freiwilligen Zwillingen ist es möglich, „...einander selbst das Peinlichste zu erzählen.“ (S. 60) Gegen Ende der Novelle spricht Ludwig nochmals von Freundschaft. Er erklärt: „ ...was man teile, das verbinde, während das, was man für sich haben wolle, trenne.“ (S. 94) Es wird sich noch erweisen, wie wenig er den Gehalt dieser, seiner eigenen Worte, wenn’ s darauf ankommt, leben kann.

In Zweier ohne wird Freundschaft verabsolutiert.

Ebenso im Text im Text, in ‚Die Bürgschaft’.

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656451488
Dateigröße
397 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v229391
Note
Schlagworte
Freundschaft Zweier ohne Kurbjuweit Prüfung Deutsch Realschule 2014

Autor

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