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Frauenpolitik in Lateinamerika

Hausarbeit 2003 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Frauenwahlrecht

3 „Democracia en el país y … en la casa“

4 Die Schranken der Frauenpolitik

5 Die Partizipation der Frau an der Politik
5.1 Lateinamerikas Parlamente – ein Überblick
5.2 Der Name des Vaters und die primeras damas
5.3 Die Frauenquote
5.4 Kuba – Frauen im Partido Comunista de Cuba und im Poder Popular
5.5 Mexiko: Die konservative Frau
5.6 Die Frau in Paraguay – Vom Ausschluss zum Einfluss

6 Schlussbemerkung und Zukunftsperspektiven

7 Literatur

1 Einleitung

Der kolumbianische Autor Gabriel García Márquez äußerte sich einst über Frauen in der Politik: es sei an der Zeit, dass Frauen in Politik und Wirtschaft die Zügel übernehmen. Frauen stellten in der Praxis des Alltages, in der sie ihre oftmals vielköpfigen Familien am Überleben halten müssen, ihre Fähigkeiten unter Beweis, Wirtschaft und Politik real im Griff zu halten.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Frauenpolitik in Lateinamerika“ ab 1980 unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Strukturen und der (fast überall) überwundenen Diktaturen.

Frauenpolitik bedeutet nicht nur eine weibliche Partizipation in hohen Entscheidungspositionen der politischen Parteien, sondern auch Vorhandensein von Bündnissen wie Frauenbewegungen, Frauenkomitees, Organisationen oder die Teilnahme von Frauen an öffentlichen Prozessen. Hier wird aber häufig der machismo zu einem großen Hindernis für Frauen. Es wird deutlich, wie wichtig es für Frauen ist, sich mit der Politik und deren Auswirkungen zu beschäftigen, um Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen.

Aufgrund des vorgegebenen Umfangs kann in dieser Arbeit nicht jedes lateinamerikanische Land behandelt werden, sondern es können nur einige Länder beispielhaft angerissen werden. Insbesondere werden hier, neben der allgemeinen Behandlung der Themen Frauenwahlrecht, Demokratie und Schranken der Frauenpolitik, drei Länder miteinander verglichen, in denen es im Laufe der Jahre unter verschiedenen Bedingungen zu einer weiblichen Beteiligung in der Politik kam: Kuba, Mexiko und Paraguay.

Ein schwieriges Problem bei der Recherche stellt der Mangel an Literatur zu Frauen in Machtpositionen und -sphären dar, vor allem zur heutigen Zeit. Meistens finden sich Beiträge über Frauen „zwischen den (männlichen) Zeilen“.

Folgende Hausarbeit untersucht anhand der oben genannten These von García Márquez, inwiefern die Lateinamerikanerinnen schon in die Sphäre der Politik eingedrungen sind und wie sie dies erreicht haben. Nicht nur das durchgesetzte Frauenwahlrecht im Laufe des 20. Jahrhunderts zeigt einen Erfolg der Frau, sondern auch die Frauenquote, die sich ständig zugunsten der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen verbessert hat.

Frauenpolitisch haben sich in den letzten fünfzehn Jahren in Lateinamerika Anzeichen für einen „Aufschwung“ und eine Verbesserung der Frauenfrage ergeben.

2 Das Frauenwahlrecht

„Las mujeres necesitan el derecho al voto por las mismas razones que los hombres; es decir, para defender sus intereses particulares, los intereses de sus hijos, los intereses de la patria y de la humanidad, que miran a menudo de modo bastante distinto que los hombres."[1]

Das Recht der Frauen zu wählen, markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte Lateinamerikas. Erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts erreichten die Frauen ihr derecho al voto, zuvor sahen sie sich immer wieder mit dem Widerstand der Diktaturen oder patriarchalischen Strukturen konfrontiert. Als Hauptargument gegen das Wahlrecht von Frauen wurde immer wieder deren „staatsbürgerliche Unmündigkeit, ihre Unfähigkeit und ihre fehlende Bildung“[2] angeführt.

In Paraguay, wo das Wahlrecht der Frauen 1961 durchgesetzt wurde, kämpften die Frauen sogar seit Beginn des 20. Jahrhunderts, bis schließlich die Liga Paraguaya Pro Derechos de la Mujer Alfredo Stroessner die Ley 704 über die politischen Rechte der Frauen vorlegte und er sie unterschrieb.[3]

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Anerkennung des Frauenwahlrechtes in Lateinamerika.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anerkennung des Frauenwahlrechtes in Lateinamerika[4]

Nachdem die Frauen nun ihr Recht zu wählen erlangt haben, ist die Frage, wie sie ihre Stimme bei den Wahlen einsetzen.

Laut Studien, die das Wahlverhalten sowohl der Frauen als auch der Männer untersucht haben, scheinen die Lateinamerikanerinnen, im Vergleich zu den Männern, wenig Interesse an Politik zu haben.[5]

„ ... las mujeres hablan poco de política, … tienen un mayor índice de abstencionismo, y creen menos en la limpieza electoral y el respeto al voto … Todo un signo de alejamiento, desinterés, y sobre todo desconfianza en el sistema político institucional … “[6]

In einer Umfrage erhielt man folgende Ergebnisse über das politische Interesse bei Männern und Frauen (in %):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Interesse für Politik bei Männern und Frauen (in %)[7]

Beim Wahlverhalten beider Geschlechter sind regionale Differenzen und Bildungsunterschiede wichtige Faktoren. Man schlussfolgert aus den Umfrageergebnissen, „dass Frauen sich eher als Männer durch Eltern, Ehemänner und die Medien bei der Stimmabgabe beeinflussen lassen.“[8]

Mexikanische Frauen sind eher rechtsgerichtet, während Männer sich im Zentrum und linksgerichtet betrachten. Die mexikanische Partei PRI (Partido Revolucionario Institucional) erhält die meisten weiblichen Stimmen (42 %), was wiederum unterstreicht, dass Frauen eher „auf Kontinuität und den Erhalt der bestehenden Ordnung setzen“, während Männer sich eine „Veränderung der Politik durch den Stimmzettel“[9] erhoffen.

3 „Democracia en el país y … en la casa“

„Wir Frauen wollen ein freies und souveränes Vaterland, wo die Rechte und die fundamentalen Freiheiten respektiert werden und wo alle … frei über die Geschicke des Landes entscheiden können, wo die zentrale Kraft in der Souveränität des Volkes, den Rechten der Menschen, dem Pluralismus, der Gewaltenteilung und dem Rechtsstaat besteht.“[10]

Autoritäre Regime und Diktaturen sind kennzeichnend für das 20. Jahrhundert in Lateinamerika. Die Probleme der einzelnen Länder betreffen auch die Frauen. In den achtziger Jahren konstatiert man ein verändertes Verhältnis von Frauen und Politik gegen die bürokratisch autoritären Regime und eine Teilnahme der Frauen im demokratischen Kampf. In vielen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte sind es Frauen, die sich für die „Verbesserung der sozialen Bedingungen ihrer Familien … einsetzen, die beim Anklagen von Menschenrechtsverletzungen und beim Kampf um Demokratie ihr Leben riskieren, die Gewalt gegen Frauen auch in der Privatsphäre zu einem Thema in den Medien machen und nach Wegen suchen, Frauenrechte als Menschenrechte zu begreifen …“[11]

[...]


[1] Braig, Marianne, Frauenangelegenheiten und Politik oder Politik als Angelegenheit der Frauen, in: Hengstenberg, P./ Kohut, K./ Maihold, G. (Hrsg.), Zivilgesellschaft in Lateinamerika. Interessenvertretung und Regierbarkeit, Frankfurt a. M. 2000, S. 327

[2] Vgl., ebd., S. 327

[3] Vgl. Soto, Clyde, Mujeres Paraguayas, ciudadanía social y democracia política, in: Sanchiz Ochoa, P./ Martínez Portilla, I. (Hrsg.), Mujeres Latinoamericanas: Entre el desarrollo y la supervivencia, Sevilla 1999, S. 61

[4] Quelle: Leicht verändert übernommen aus Karin Schüller, Einführung in das Studium der iberischen und lateinamerikanischen Geschichte, Münster 2000, S. 207

[5] Vgl. Fernández Poncela, Anna M., Participación política de las mujeres en México, in: Sanchiz Ochoa, P./ Martínez Portilla, I. (Hrsg.), Mujeres Latinoamericanas: Entre el desarrollo y la supervivencia, Sevilla 1999, S. 36

[6] Vgl., ebd., S. 36

[7] Quelle: Sanchiz Ochoa, P./ Martínez Portilla, I. (Hrsg.), Mujeres Latinoamericanas: Entre el desarrollo y la supervivencia, S. 36

[8] Braig, Marianne, Frauenangelegenheiten und Politik oder Politik als Angelegenheit der Frauen, in: Hengstenberg, P./ Kohut, K./ Maihold, G. (Hrsg.), Zivilgesellschaft in Lateinamerika. Interessenvertretung und Regierbarkeit, Frankfurt a. M. 2000, S. 328

[9] Vgl. ebd., S. 328

[10] Helwerth, U./ Palme, U., Bericht zum III. Nationalen Frauenkongress in Chile, in: Aguilar, Graciela, Frauen in Lateinamerika: Alltag und Widerstand, Hamburg 1983, S. 130

[11] Braig, Marianne, Frauenangelegenheiten und Politik oder Politik als Angelegenheit der Frauen, in: Hengstenberg, P./ Kohut, K./ Maihold, G. (Hrsg.), Zivilgesellschaft in Lateinamerika. Interessenvertretung und Regierbarkeit, Frankfurt a. M. 2000, S. 322

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638261135
ISBN (Buch)
9783638647663
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22879
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Politisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Frauenpolitik Lateinamerika Wahlsysteme Politische Parteien

Autor

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Titel: Frauenpolitik in Lateinamerika