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Konzeptionen der Stabilitätspolitik: Theoretische Grundlagen und wirtschaftspolitische Konsequenzen

Seminararbeit 2000 21 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis/ Gliederung

1 Entwicklung der Wirtschaftspolitik
1.1 Vorläufer
1.2 Die klassische Periode
1.3 Neo-Klassik
1.4 Keynes
1.5 Monetarismus

2 Zielsetzung und Instrumentarium der Stabilitätspolitik
2.1 Begriff
2.2 Konjunkturelle Fehlentwicklungen
2.3 Aufgaben und Ziele der Stabilitätspolitik

3 Alternative Ansätze zur Stabilisierung von Konjunkturschwankungen
3.1 Das keynesianische Konzept: Diskretionäre, antizyklische Geld- und Fiskalpolitik
3.1.1 Theoretische Konzeption
3.1.2 Konsequenzen für die Wirtschaftspolitik
3.2 Das neo-klassisch-monetaristische Konzept: Regelgebundene Geld- und Fiskalpolitik
3.2.1 Theoretische Konzeption
3.2.2 Konsequenzen für die Wirtschaftspolitik
3.3 Andere Regelpolitiken
3.3.1 Nominelle BSP-Stabilisierung
3.3.2 Outputstabilisierung
3.3.3 Preisniveaustabilisierung
3.3.4 Zinsniveaustabilisierung
3.3.5 Wechselkursstabilisierung
3.3.6 Inflation Targeting

4 Zeitgeschehen und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

1 Entwicklung der Wirtschaftspolitik

1.1 Vorläufer

Schon in der Antike beschäftigten sich Philosophen im Rahmen anderer Disziplinen, also nicht als eigenständige wissenschaftliche Sparte, mit Fragen der Wirtschaft. Hier ging es zunächst um Fragen der Wirtschafts- und Verwaltungspraxis und später bis zum 16. und 17. Jahrhundert, der Zeit des Merkantilismus, entwickelten sich Theorien um die nationale Handelskraft und die Einnahmen der öffentlichen Hand. Deren analytischer Gehalt war bis PETTY (1623-1687), dem Begründer des Konzeptes des volkswirtschaftlichen "Überschusses", jedoch noch dürftig. Die erste Analyse der Wirtschaftsprozesse, verstanden als Kreislauf zwischen drei sozialen Gruppen, folgte dann Mitte des 18. Jahrhunderts durch die Physiokraten unter der Leitung von QUESNAY (1694-1774), dem Leibarzt Ludwig des XV.1

1.2 Die klassische Periode

Um das Jahr 1770 ist der Beginn der Klassik anzusiedeln, in etwa mit der Veröffentlichung des Hauptwerkes von TURGOT (1727-1781) und der alle bisherigen Erkenntnisse zusammenfassenden Theorie von SMITH (1723-1790). Da man sich in einer Vollbeschäftigung befand und der Geldwert nach dem Goldstandard festgelegt war, bestand hier noch kein Bedarf für Stabilisierung. Die Klassik lehrt die Existenz einer natürlichen Ordnung und Koordination, ein "Harmonieprinzip", innerhalb der Wirtschaft und die ausdrückliche Forderung an die öffentliche Hand, nicht in den Prozeß einzugreifen. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Erklärung des Bruttosozialproduktes in der heute noch bestehenden Dreiteilung Entstehung, Verteilung und Verwendung. Weitere berühmte Vertreter dieser Epoche sind SAY (1767-1832), RICARDO (1722-1823) und MILL (1806-1873), der die klassische Theorie abschließend dargestellt hat. MARX (1818-1883) verfeinerte die Analyse der Wertschöpfung im Zuge seiner eher verteilungspolitisch motivierten Lehre, legte den Grundstein zur Erklärung von Vermögensänderungen und ergänzte die Kreislaufdarstellung um wesentliche heute noch vertretene Elemente. Auf ihn geht ebenfalls der Vorschlag der Bezeichnung der ökonomischen Erkenntnisse seiner Zeitgenossen und Vorgänger seit 1770 als eine "klassische Periode" zurück.2

An dieser Stelle sei das SAY'sche Theorem noch einmal erwähnt, da die knappe Form, in der es üblicherweise zitiert wird "Das Angebot schafft sich seine Nachfrage" oft mißverständlich ist. Etwas ausführlicher ist vielleicht diese Fassung: Beim Einsatz der Produktionsfaktoren konkurrieren Arbeit und Freizeit, bei der Verwendung Kapital und Konsum. Das Einkommen geht bei rationalem Verhalten der Wirtschaftssubjekte (nach der neo-klassischen Auffassung ist das Horten von Geld irrational) immer als Konsum oder Sparpotential, dem langfristig immer ein entsprechendes nachfragewirksames Investitionsvolumen gegenübersteht, in den Kreislauf der Wirtschaft ein; jedes Produzieren bzw. die Ausweitung des Produktionspotentials erzeugt seinerseits wieder Einkommen.3

1.3 Neo-Klassik

Die Abgrenzung zur Klassik erfolgt durch die Einführung der marginalen Betrachtung wirtschaftlicher Prozesse und die mathematische Umsetzung klassischer Gedanken. Im Gegensatz zur Klassik wurden nun zu Beginn Grenzwertbetrachtungen einer "subjektiven" Nutzengröße statt einer "objektiven" Kostengröße Mittelpunkt des Interesses. Weiterhin ging man auch nicht mehr von in Klassen unterteilten, sondern universellen Wirtschaftssubjekten aus, deren Verhalten anhand mikroökonomischer Erklärungsmuster bestimmt werden sollte4. Diese methodischen Änderungen lassen sich etwa um den Zeitraum von 1850 bis 1870 ansiedeln. Eine Synthese der Kosten- und Nutzen-Betrachtung brachte MARSHALL (1842-1924), die sich noch heute in der bekannten graphischen Darstellung der sich kreuzenden Angebots- und Nachfragekurven widerspiegelt. In Hinblick auf Stabilisierung waren zu dieser Zeit nur die Zinsen, aufgrund der Abhängigkeit der Altersversorgung dominierender Schichten von Wertpapieren, eine interessante Größe.5

Weitere wichtige Vertreter der neo-klassischen Periode sind FISHER (1867-1947), PARETO (1848-1923), WICKSELL (1851-1926) und PIGOU (1877-1959), die hier aber nur genannt werden sollen. Da ein Großteil der Methodik, die in dieser Zeit erste Anwendung fand, immer noch Gültigkeit hat, läßt sich das Ende der Neo-Klassik nur historisch - etwa auf den Beginn des zweiten Weltkrieges - festlegen.6

1.4 Keynes

Die 1936 von KEYNES (1883-1946) veröffentlichte "General Theory of Employment Interest and Money" stellt einen Wendepunkt der Wissenschaft von der mikroökonomischen zur makroökonomischen Perspektive dar. Ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise (1929-1933), die entgegen klassischer und neo-klassischer Aussagen zu nicht ausgelasteten Produktionskapazitäten führte, verlagerte sich das Erklärungsziel zur Beschäftigung. Ausdrücklich erklärte KEYNES das Nichtgelten des Say'schen Theorems7 unter bestimmten Bedingungen und lehrt eine inhärente Instabilität der Märkte.

1.5 Monetarismus

Diese Denkrichtung entwickelte sich in den 50er Jahren, als die Inflation vor dem Hintergrund einer wider Erwarten guten Beschäftigungslage an Interesse gewann.

FRIEDMANs Aufsatz "The Quantity Theory of Money: A Restatement" aus dem Jahre 1956, mit einer Neuinterpretation der FISHER'schen Verkehrsgleichung, beziehungsweise ihrer Komponente "Umlaufgeschwindigkeit", war wohl der Grundstein des Monetarismus. FRIEDMAN betrachtet Vermögen und Einkommen als zwei Seiten derselben Medaille und stellt eine permanente Einkommenshypothese8 auf, die den Ansätzen KEYNES' widerspricht, jedoch bezüglich unvollkommener Information und damit der Möglichkeit von Abweichungen zum Vollbeschäftigungseinkommen Zugeständnisse an KEYNES macht.9

2 Zielsetzung und Instrumentarium der Stabilitätspolitik

2.1 Begriff

In der älteren Literatur verstand man unter "Stabilitätspolitik" eine auf das Preisniveau gerichtete staatliche Wirtschaftspolitik. Maßnahmen, die sich auf die Vollbeschäftigung und das Wachstum der Volkswirtschaft beziehen, bezeichnete man als "Beschäftigungs- und Konjunkturpolitik". Zusammenfassend für diese Maßnahmen findet man häufig den Begriff "Stabilisierungspolitik". Bei CASSEL findet sich eine Unterscheidung in "Stabilitätspolitik" für erhaltende und "Stabilisierungspolitik" für Stabilität schaffende Maßnahmen10. Hier soll keine so enge Fassung der Begriffe verwendet werden, sondern unter "Stabilitätspolitik" alle auf die Ziele innere und äußere Geldwertstabilität, hohes Beschäftigungsniveau, angemessenes Wachstum der Volkswirtschaft und außenwirtschaftliches Gleichgewicht gerichteten Aktivitäten verstanden werden. Strukturelle oder andere nicht-konjunkturelle Störungen sollen hier nicht erörtert, und die wirtschaftspolitischen Maßnahmen nur auf ihre Tauglichkeit zur Bekämpfung konjunktureller Schwächen im "Referenzland" BRD untersucht werden.

2.2 Konjunkturelle Fehlentwicklungen

Konjunkturzyklen lassen sich als "Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität um ihre trendmäßige Entwicklung"11, oder "Schwankungen des Auslastungsgrades des Produktionspotentials"12 beschreiben, also eine Beurteilung relativer wirtschaftlicher Aktivität, deren Messung allerdings aufgrund der Aggregatzahlen an sich bereits nicht unproblematisch ist.13

Es wurden zahlreiche magische Drei-, Vier- und Fünfecke wirtschaftspolitischer Ziele konstruiert, jedoch existieren ebenso zahlreiche Überlegungen zur Inkompatibilität der Ziele, ihre Hierarchie und die Ziel-Mittel-Beziehungen.14 Insbesondere sollen hier die konjunkturbedingten Auswirkungen auf das Beschäftigungsziel und die Geldwertstabilität Beachtung finden; die Vorrangigkeit der Ziele ist hierbei ebenfalls strittig15. Die Beschäftigungszahl und die Inflationsrate stellen gegenüber der Konjunkturentwicklung einen Spätindikator dar, und bewegen sich nicht synchron zu den Konjunkturzyklen.16 Verschiedene Theorien zu Ursachen dieser Konjunkturschwankungen führen zu unterschiedlichen Stabilisierungskonzepten.17

2.3 Aufgaben und Ziele der Stabilitätspolitik

Die in Kapitel 1 beschriebenen Ansätze und Erklärungsziele sowie deren Weiterentwicklung basieren auf realwirtschaftlichen Phänomenen der jeweiligen Zeit. Zunächst sollten knappe Ressourcen auf die Produktionsmöglichkeiten verteilt werden, man befand sich in einer Vollbeschäftigung, die die Allokation zum Gegenstand der Untersuchung machte. Es folgten eher grundlegende Untersuchungen der Zusammenhänge volkswirtschaftlicher Größen und ihrer Erklärung. Hiernach mußte man sich mit Unterbeschäftigung und stagnierendem Wachstum in der Weltwirtschaftskrise auseinandersetzen. Die Nachkriegszeit war geprägt durch Inflation und Schwankungen des Wachstums und der Beschäftigung; Anfang der 70er Jahre kam schließlich ein neues Problem, die sogenannte Stagflation18 mit anhaltenden Preisniveausteigerungen trotz Depression bzw. stagnierendem Wachstum hinzu.19

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Details

Seiten
21
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638113670
ISBN (Buch)
9783640300754
Dateigröße
543 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2239
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Fachbereich Wirtschaft
Note
2,0
Schlagworte
Konzeptionen Theoretische Grundlagen Konsequenzen Seminar Konzeption Praxis Perspektive EU Staat Verschuldung Neuverschuldung Arbeitsmarkt Inflation Wachstum Außenhandelsbilanz Wirtschaftspolitik Stabilität Preisniveau

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