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Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung und persönliches Vorwort

2. Wir leben nicht, um zu essen, sondern wir essen, um leben zu können

3. Entstehung einer neuen Krankheitsdiagnose

4. Krankheitsverlauf der Bulimia nervosa
4.1.Gesellschaftliche und familiäre Einflüsse
4.2. Bulimie, eine heimliche Krankheit
4.3. Der Tagesablauf
4.4. Wozu diese Qual?
4.5. Der Körper recht sich

5. Therapieformen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung und persönliches Vorwort

Warum schreibe ich überhaupt über Eßstörungen?

Ich habe mir dieses Thema für meine Seminararbeit ausgesucht, weil ich selber seit mehr als 7 Jahren unter einer Eßstörung der Bulimia Nervosa ( Eßsucht mit Erbrechen ) leide.

Für Patienten mit Eßstörungen ist es typisch, ihre Krankheit aus Scham und Schuldgefühlen vor ihrer Umwelt zu verstecken. Da diese Geheimhaltung, „das Nicht-Darüber-Reden“, nicht gerade für die Genesung förderlich ist, habe ich mich schon vor Jahren für eine stationäre wie auch bis heute noch anhaltende ambulante Therapie entschieden und zuletzt eben für diese Seminararbeit.

Im folgenden werde ich speziell auf das Krankheitsbild, Ursachen und Merkmale der Bulimia Nervosa eingehen, auch in der Hoffnung, mir damit helfen zu können und diese Eßstörung besser verstehen zu lernen.

2. Wir leben nicht, um zu essen, sondern wir essen, um leben zu können

Den [1] Hunger zu stillen, unserem Körper Energie zuzuführen ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Allerdings hat sich mit den Lebensformen im Laufe der Jahrtausende die Art und Weise der Nahrungsaufnahme im Verlauf des Zivilistionsprozesses verändert.

Nahrung zu sich zu nehmen bedeutet heutzutage etwas anderes als etwa in der Zeit der Jäger und Sammler. Heute wird nicht mehr nur gearbeitet um satt zu werden und auch nicht mehr nur aus diesem einzigen Grund gegessen, sondern vielmehr aufgrund des Appetits.

In der Nachkriegszeit erhöhte sich der Fettkonsum, aufgrund der plötzlich wieder vielfältigen, mengenmäßig ausreichenden und zunehmend billigeren Nahrung. Die sich verbreitende „Fettleibigkeit“ in der Bevölkerung führte zu einem Wandel des Schönheitsideals.

Der sportlich-schlanke Körper wurde „in“.

Materielle Werte wie Wohlstand, äußeres Prestige, Attraktivität, Schlanksein überragen heute die primären menschlichen Werte. Diesen gesellschaftlichen Anforderungen unserer Leistungsgesellschaft zu entsprechen fällt schwer, und das heutzutage extreme Schönheitsideal scheint eine der Voraussetzungen für die Eßstörungen zu sein.

In Gesellschaften, in denen Nahrung knapp ist, gibt es keine Eßstörungen.

Wir leben zweifelsohne in einer narzißtischen Leistungsgesellschaft. Wir alle sind auf äußere Bestätigung nur allzusehr angewiesen. Gemeischaftsleben weicht Vereinzelung und großer Individualität; das Ausleben und Zeigen von Gefühlen macht Ordnung, Disziplin und Vernunft Platz. (...) Reichtum, Besitz, Reisen, Attraktivität und Fitneß werden zu unseren Lebensinhalten. Sowohl Männer wie auch Frauen lassen sich vom Schlankheitsideal leiten, und sie leiden darunter.[2]

3. Entstehung einer neuen Krankheitsdiagnose

Während die Anorexia Nervosa ( Magersucht ) schon seit mindestens 300 Jahren in der Medizin bekannt ist, wurde die Bulimia nervosa erst in den Jahren 1976 bis 1980 begrifflich und inhaltlich von der Anorexia nervosa abgegrenzt und schließlich 1980 von der American Psychiatric Association als eigenständige Krankheit definiert.

Der Name dieser Eßstörung leitet sich ab aus den Griechischen Worten Bous (Ochse) und Limos (Hunger), bedeutet im übertragenden Sinne „verzehrender Hunger“. Der Zusatz „nervosa“ weist auf den psychischen Hintergrund der Erkrankung hin.

Alle Formen von Eßstörungen zählen zu den psychosomatischen Krankheiten.

Ihr Ursprung ist sehr komplex, liegt weit zurück, denn er entwickelte sich schon in den frühen Kindheitsjahren.

Faktoren, wie gesellschaftliche Anforderungen bzw. Vorgaben, familiäre Situationen, der Verlust wichtiger Bezugspersonen, Abmagerungskuren etc. können Auslöser für Eßstörungen sein.

Noch in den 60er Jahren war die Magersucht die vorherrschende Form der Eßstörungen. Dann entdeckten ungefähr 60% der Anorektiker den Ausweg jahrelanger Nahrungsverweigerung in der Bulimia nervosa. Sie erlaubte Nahrungsaufnahme und das in Unmengen und machte durch Erbrechen diese Sünde wieder hinterher ungeschehen.

Bulimisches Verhalten gibt es jedoch auch ohne vorangegangene Magersucht.

Seit den 90er Jahren weitet sich diese Eßstörung auch auf Alkohol- und Tablettenmißbrauch, Drogenabhängigkeit und Selbstverletzungen aus. Diese Entwicklung hängt mit den psychischen Begleiterscheinungen der Störung wie Depressionen, Zwang und Panikattacken, soziale Isolation und Unsicherheit, Verzweiflung, Selbstvorwürfen und Minderwertigkeitsgefühlen zusammen.

Die Zahl der Personen, die an extremen Übergewicht, extremen Untergewicht oder gestörtem Eßverhalten ( denn Bulimie-Kranke sind meist normalgewichtig ) leiden, steigt ständig.

Man findet sie in allen Altersstufen und bei beiden Geschlechtern. Die Mehrheit, in etwa 95%, sind jedoch Frauen zwischen beginnender Pubertät und etwa 45 Jahren.

Die Mehrzahl der Magersüchtigen ist zwischen 12 und 20 Jahren. In dieser Altersgruppe ist heutzutage etwa jedes hunderte Mädchen magersüchtig und weitere 4% weisen leichte Symptome auf.

Die Eß- und Brechsucht kommt am häufigsten in der Gruppe der 22- bis 30jährigen Frauen vor, von denen etwa jede Zwanzigste betroffen ist.

Die American Anorexia und Bulimia Association verzeichnet pro Jahr 150 000 Todesfälle. Eßstörungen sind die psychischen Erkrankungen mit der höchsten

Sterblichkeit, die Sterblichkeitsrate liegt bei bis zu 19%, wobei die Anorektiker regelrecht verhungerten und die Bulimiker oftmals durch Suicid starben.

Dieses vermehrt gestörte Verhältnis zum Essen und zum Körper ist nicht verwunderlich. Schließlich werden wir alltäglich vorallem durch die Massenmedien ( zum Beispiel durch Diät-Tips ) daran erinnert wie wichtig Schlanksein für ein erfolgreiches und glückliches Leben ist.

Um solchen beängstigenden Zahlen entgegen zuwirken, könnte also auch die Gesellschaft einen großen Teil zu beitragen.

[...]


[1] Erpen, Heinrich: Die Sucht, mager zu sein, München 1994, S. 9

[2] ebda., S. 45

Details

Seiten
14
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638256810
ISBN (Buch)
9783638747608
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22296
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – Kulturwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Essstörungen

Autor

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Titel: Essstörungen