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Frauen im Islam

Seminararbeit 2002 23 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Fundamente des islamischen Lebens: Koran, Sunna und Scharia

3.Die Lehre des Islam
3.1 Das Glaubensbekenntnis (Schahada)
3.2 Die fünf Gebete (Salat)
3.3 Das Fasten (Siyam)
3.4 Die Pilgerreise (Hadj)
3.5 Das Almosengeben (Zakat)

4 Die Verbreitung des Islam

5. Die gesellschaftliche Stellung und Rolle der Frau im Islam
5.1 Mohammed und die Frauen
5.2 Die Stellung der Frau im Koran
5.2.1 Ungleichheit in der Gleichheit
5.2.2 Ehe und Familie
5.2.3 Ausbildung und Beruf
5.2.4 Der Schleier (Hidjab)
5.3 Die Stellung der Frau in den Hadîthen bzw. Sunna

6. Fazit

1. Einleitung

Führte die Einführung des Islams im Vergleich zur vorislamischen Zeit zu einer Verbesserung oder zur einer Verschlechterung der gesellschaftlichen Stellung und Rolle der Frauen ? Unterdrückt der Islam die Frauen bewußt, um die Macht der männlichen islamischen Bevölkerung innerhalb der Gesellschaft im politischen, beruflichen, familiären und sozialen Bereich nicht zu gefährden oder handelt es sich hierbei nur um einen mit Vorurteilen besetzten Eindruck der westlichen Gesellschaft? Inwieweit unterscheidet sich der Islam vom Christentum? Warum verschleiern sich islamische Frauen...?

Dies sind nur wenige Fragen von vielen, die man sich stellt, wenn man sich bisher nur oberflächlich mit dem Islam befaßt hat.

Die vorliegende Seminararbeit versucht Antworten auf Fragen wie die bereits erwähnten unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Stellung und Rolle der Frau im Islam zu finden.

Die Gesetze des Islams sind in zwei heiligen Büchern im Koran und in der Sunna unveränderlich aufgezeichnet.[1]

Der Islam ist nicht wie das Christentum ein kirchliches, sondern ein organisches Religionssystem, d.h., daß er Regelungen für sämtliche Lebensbereiche als organisches Ganzes zu bieten hat.[2]

Der Islam regelt das gesamte Leben des Moslems, beeinflußt seinen Tagesablauf, bestimmt seine Handlungen, seine Gesetze, seine gesellschaftliche Stellung... Eine Trennung zwischen Religion und Staat wie es in den westlichen Ländern der Fall ist, kennt der Islam nicht.

Islam ist der Entwurf einer Gesellschaftsordnung. Islam bedeutet die Existenz eines ewigen, gottgegebenen und vom menschlichen Willen unabhängigen Regelsystems, das die angemessene Einrichtung der Gesellschaft bestimmt. Dieses Modell steht in schriftlicher Form zur Verfügung; es steht gleicherweise und gleichmäßig allen schriftkundigen Menschen sowie allen denen, die auf schriftkundige Menschen zu

hören bereit sind, zur Verfügung. Seine Regeln müssen das ganze Leben durchwalten.[3]

Deshalb liegen die heiligen Bücher des Islams und ihre Gesetze unter der Annahme, daß sie die zuverlässigsten Quellen für eine Veranschaulichung des islamischen Gesellschaftskonstrukt darstellen, auch dieser Seminararbeit zugrunde.

Zu beachten bleibt hierbei allerdings, daß die Aufzeichnungen dieser Arbeit nicht als für jede islamische Gesellschaft allgemeingültig betrachtet werden dürfen. Zwar richten sich alle Moslems nach den selben Schriften des Islams, aber die teilweise sehr allgemein gefaßten Formulierungen der Suren erlauben eine eigene Interpretation und Beeinflussung der unterschiedlich kulturell und mentalitäts geprägten islamischen Gesellschaften, so daß mehrere zum Teil sogar widersprüchliche Koran- und Sunna - Interpretationen existieren.

2. Fundamente des islamischen Lebens: Koran, Sunna und Scharia

Mohammed wird von den Muslimen als letzter der Propheten gesehen. Er gilt als Sprachrohr Gottes aufgrund seiner Offenbarungen, die er in einem Zeitraum von zwanzig Jahren von dem Erzengel Gabriel überliefert bekam und die später durch seine Anhänger zum Inhalt des Korans, arabisch qur´an, wurden. Mohammed ist 569 nach Chr. in Mekka (heutiges Saudi-Arabien), die Stadt, die später zum Zentrum des Islams und „Hüter der Heiligen Stätten“ wurde, geboren. Die erste Niederschrift des Korans wurde nach dem Tod Mohammeds im Jahre 632 nach Chr. in der Stadt Medina, welche ebenfalls den Namen des Zentrums des Islams trägt, durch den Kalifen[4] Abû-Bakr veranlaßt. Aber erst unter Uthmân (Kalif 644-656 nach Chr.) wurde der Koran so wie er in der heutigen Form vorliegt zusammengestellt. Der Koran ist in 114 Suren[5] eingeteilt. Die Anordnung der Suren mit Ausnahme der ersten Sure geschieht ihrer Länge nach: Sure 2 ist die längste, Sure 114 die kürzeste.

Ein besonders hohes Verdienst ist es unter den Islamisten den Koran auswendig zu lernen. Dazu dienen die Koranschulen. Es kommt dabei nicht darauf an, den Inhalt zu verstehen, sondern lediglich die Worte Gottes frei zu wiederholen.

Koran leitet sich von „kara“, bedeutet zitieren, ab und im Glauben der Muslime spiegelt diese Bedeutung den Auftrag ihres von Gott Gesandten Mohammeds wieder.

Er wurde geschickt, um die bereits ewig im siebten Himmel existierenden Gesetze der Menschheit zu offenbaren. Demnach ist der Koran niemals geschaffen worden; er ist ewig und deshalb auch unveränderbar.

Der Koran enthält Aussagen über die:

- Glaubensüberzeugungen
- gottesdienstlichen Ordnungen
- sozial-gesellschaftlichen Ordnungen, insbesondere das Familienrecht
- sittlich ethische Maßstäbe

Jeder Muslim hat sich an den Gesetzen des Korans zu orientieren, um ein „gottgefälliges“ Leben zu führen.

Deshalb ist der Koran für den Moslem eine Begleitung im Alltag, der ihm Urteilshilfe und Rechtleitung gibt.

So ist der Koran der Wegweiser der Gläubigen zu Gott, er lehrt ihn, zu Gott zu reden, ihn anzurufen und sich in der besten Weise unter seinen Willen zu unterwerfen, sich seinem Dienst hinzugeben, d.h. im eigentlichen Sinne Muslim zu sein.[6]

Der Koran gibt nicht auf alle Lebensfragen eine direkte Antwort, so daß es drei Jahrhunderte später zu einer Ergänzung kam, um eine „ausschließlich göttliche“ Leitung für alle Lebenssituationen zu erhalten. Dazu berief man sich auf die Worte, Taten, Gewohnheiten und Haltungen gegenüber dem Tun anderer Mohammeds, auf die sogenannten Hadîthen.

[...] was Mohammed jeweils selbst getan oder außerhalb der göttlichen Offenbarungen gesagt hatte. Diese überlieferten kurzen Erzählungen, hadith genannt, bilden in ihrer Gesamtheit die Tradition, die sunna.[7]

Die Sunna, übersetzt Brauch, Tradition, Verhaltensweise, wird als Synonym für die Hadîthen gebraucht und enthält die Gesamtheit der authentischen Überlieferungen dessen, was der Prophet Mohammed gesagt, getan und gebilligt hat. Im Gegensatz

zum Koran gibt es trotz Einschränkungen[8] keine allgemein akzeptierte und gültige Festlegung darüber, welche Hadîthen echt und welche unecht sind.

Sie sind durch die konstruierte Genealogie der Tradanten bis zurück zum Propheten, nicht durch den Inhalt autorisiert[9].

Obwohl die Ungewissheit bezüglich ihrer Herkunft und Verlässlichkeit einen Widerspruch zum Islam, eine Religion, die den Anspruch hat das endgültige Wort Gottes zu verkörpern, darstellt, steht im allgemeinem Volksglauben die Sunna über dem Koran.

Steht ein Koranvers zu einer Überlieferung des Propheten im Widerspruch, so darf der Koranvers aufgehoben werden.[10]

Aufgrund der Schwierigkeiten in der Zuordnung bezüglich ihrer Echtheit ist es zu vielen Fälschungen gekommen und viele Wissenschaftler, vor allem der westlichen Welt, betrachten sämtliche Überlieferungen als Fälschungen. So sprach zum Beispiel Carl Heinrich Becker im Zusammenhang mit der Sunna vom wilden Chaos religiöser Wucherung und Auseinandersetzung und Patricia Crone von einer Schutthalde ohne erkennbare Eigenstrukturen.

Anders die Muslime, sie kennen die Sunna oft besser als den Koran und sehen das Leben, die Worte und Gewohnheiten Mohammeds genauso inspiriert wie seine Offenbarungen. Denn das Handeln und Reden Mohammeds nachzuahmen, ist für einen Moslem der sicherste Weg, um ein „Allah wohlgefälliges“ Leben zu führen. Die Sunna bietet dem Moslem die Möglichkeit zur Nachahmung und dadurch gewinnt sie ihren heiligen Stellenwert.

Der Koran und die Sunna sind aufgrund ihres Totalitätsanspruches, den ganzen Menschen in allen Bereichen seines Lebens zu führen, auch die Grundlagen des arabischen Rechtssystems, genannt Scharia. Die Scharia bedeutet übersetzt „der Weg, der zur Oase führt“, demnach ist das Gesetz des Islams ein religiöses, daß das Wort Gottes enthält um den Gläubigen den richtigen Weg zu weisen. Der Islam kennt also keine Trennung zwischen Staat und Religion, beides ist nach dem Glauben der Muslime ewig und unveränderbar. Auf diese Weise wird ein Wandel in

vielerlei, wahrscheinlich sogar in allen Lebensbereichen der islamischen Völker erheblich erschwert.

Die Unflexibiliät des Islams sich an die sich laufend verändernde Realität zu orientieren stellt somit auch ein Hemmnis für den Wandel bezüglich der Sozialstruktur der Gesellschaft und der damit verbundenen Stellung und Rolle der islamischen Frauen da.

Vor dem Hintergrund der westlichen Erfahrung beruht die entscheidende Hemmung der wirtschaftlichen Entwicklung in den islamischen Ländern auf der unterbliebenen Entbindung ihrer Wirtschaft –und der anderen Gesellschaftsbereiche- von wirtschaftsfremden religiösen Vorschriften und ideologischen Vorgaben, auf ihrer mangelnden Selbstbestimmung und Selbstbesteuerungsfähigkeit.[11]

Deshalb hat sich seit dem 16./17. Jahrhundert in vielen muslimischen Ländern eine europäische Rechtsform zumindest in bestimmten Teilen der Scharia –insbesondere im Strafrecht- orientiert an den Menschenrechten, durchgesetzt. Wodurch die Scharia jedoch keineswegs widerrufen wurde -schließlich sind die Worte Gottes nicht aufhebbar- sondern lediglich vorübergehend dem Zeitgeist angepaßt.[12] Heute allerdings fordern viele Islamisten mit sich bereits abzeichnendem Erfolg die Wiedereinführung der Scharia als dem von Gott verkündetem Recht. Die Motive für dieses Verlangen sind fraglich, stehen aber höchst wahrscheinlich in enger Verbindung mit ihrem fanatischen Glauben der Gebundenheit ihres Lebens an die Offenbarungen Allahs, der Angst vor zu großer gesellschaftlicher Freiheit und Veränderung etc.. Für die islamische Frau bedeutet die vollständige Wiedereinführung der Scharia eine erneute Herabstufung -die Gründe hierfür werden in den folgenden Ausführungen über die Gesetze des Korans und Sunna aufgeführt- bezüglich ihrer sozialen Situation.

3. Die Lehre des Islam

Der Islam ist aus einer Art >Doppelbewegung< entstanden: einer religiösen und einer politischen [...] Mohammed ist ethischer Prophet und charismatischer politischer sowie militärischer Führer, der nicht zuletzt unter geschickter Verwendung tradierter Stammespraktiken der Konflikterzeugung und

Konfliktbewältigung, seine religiös politischen Absichten Zug um Zug zu realisieren weiß.[13]

Im Jahre 622 nach Chr. beginnend mit der Hidschra[14] breitete sich der Islam durch den Aufstieg Mohammeds zum politischen und religiösen Führer aus. Die von ihm und seinen Anhängern eroberten Gebiete, wurden innerhalb kürzester Zeit islamisiert, denn aufgrund einer dort ernannten Steuerpflicht jizya für Nicht-Moslems, traten die meisten schnell zum Islam über. Demnach führten vor allem die gesetzlichen Vorschriften und nicht die religiöse Überzeugung, die den Status der Nicht-Muslime in jedem muslimisch eroberten Staat regulierten, zu dem Ergebnis der komplexen und zügigen Glaubensbekennung.

Diese Religion sollte zusammen mit der weltlichen Macht, die sie impliziert, das ganze Universum umfassen. [...] Mit anderen Worten, in der Praxis wie in der Theorie war das erste Ziel der militärischen Eroberung eher politisch als missionarisch, eher territoriale Expansion als Konversion.[15]

Der Islam bedeutet übersetzt Hingabe, Annahme, Übergabe, Unterwerfung. Dies ist es auch, was es bedeutet ein Moslem zu sein, denn er hat die Pflicht jegliche eigene Verantwortung aufzugeben und sich vollkommen und uneingeschränkt dem Willen Allahs in allen Aspekten des Lebens zu unterwerfen. Die Gläubigen sehen ihr Leben im Diesseits als eine sogenannte Prüfung dafür, ob sie in der Lage sind ein „gottgefälliges“ Leben zu führen und ob sie es Wert sind nach ihrem weltlichen Dasein ewig im Paradies zu leben. Nach ihrem Tod entscheidet das heilige Gericht Gottes, ob sie dem Leben im Jenseits würdig sind oder nicht.

Ein orthodoxer Muslim würde auf die Frage, was Islam sei, schlicht antworten, der Islam bestehe aus den Vorschriften des Korans und der Hadith-Überlieferung des Propheten Mohammed sowie aus den fünf Säulen.[16]

Der Islam besteht aus fünf Grundpflichten, den sogenannten fünf Säulen:

1. Säule: Das Glaubensbekenntnis
2. Säule: Die fünf Gebete
3. Säule: Die Fastenzeit
4. Säule: Die Pilgerreise
5. Säule Das Almosengeben

[...]


[1] vgl.: Zündorf, Lutz: Kulturelle Voraussetzungen wirtschaftlicher Entwicklung: Christentum und Islam im Vergleich, Seite 15

[2] Tibi, Bassam: Der Islam und das Problem der kulturellen Bewältigung sozialen Wandels, Seite 58

[3] Gellner, Ernest: Leben im Islam, Seite 13

[4] Nachfolger Mohammeds und ebenfalls politischer und religiöser Führer

[5] Suren: Bezeichnung für die Kapitel des Korans

[6] Khoury, A.Th.; Heine, P.: Im Garten Allahs, Seite 36

[7] Sabbagh, Abdulkarim: Frauen im Islam, Seite 38

[8] Bei echten Hadîthen muß die lückenlose Überlieferungskette von Gewährsmännern bis hin zum Propheten aufzeigbar sein

[9] Schluchter, Wolfgang: Max Webers Sicht des Islams, Seite 51

[10] Ehrsen,I.: Jesus Christus in den islamischen Traditionen, Seite 7

[11] Zündorf, Lutz: Kulturelle Voraussetzungen wirtschaftlicher Entwicklung: Christentum und Islam im Vergleich, Seite 22

[12] vgl.: Wlliams, J. A.: Der Islam, Seite 116ff.

[13] Schluchter, Wolfgang: Max Webers Sicht des Islams, Seite 50ff.

[14] Hidschra: der Umzug Mohammeds von Mekka nach Medina

[15] Schluchter, Wolfgang: Max Webers Sicht des Islams, Seite 143

[16] Tibi, Bassam: Der Islam und das Problem der kulturellen Bewältigung sozialen Wandels, Seite 30

Details

Seiten
23
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638256797
ISBN (Buch)
9783638647441
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22294
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg – BWL
Note
1,3
Schlagworte
Frauen Islam

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Titel: Frauen im Islam