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"Einnisten will ich mich" (P.E. Ruppel / K. Rose) - Biblische Anlehnungen. Musikalische Struktur. Interpretation.

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 27 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhalt

1 Kurzbiographien
1.1 Der Texter Kurt Rose
1.2 Der Komponist Paul Ernst Ruppel

2 Der Text
2.1 Einführung
2.2 Die Struktur
2.3 Biblische Anlehnungen und ihre Bedeutung
2.3.1 Die erste Strophe
2.3.2 Die zweite Strophe
2.3.3 Die dritte Strophe

3 Die Musik
3.1 Einführung
3.2 Musikalische Struktur
3.2.1 Der Aufbau
3.2.2 Die Rhythmik
3.2.3 Die Melodie
3.2.4 Tonart und Modulationen

4 Die Einheit von Text und Musik
4.1 Einführung
4.2 Die Beharrlichkeit des Sängers
4.3 Der Spiralenwirbel des Mantels Christi
4.4 Ganzheit und Fülle
4.5 Gott als Ziel und Höhepunkt des Liedes

5 Interpretation und Beurteilung
5.1 Interpretation
5.1.1 Ein kühner Wunsch
5.1.2 Der Sänger als Zeuge der endzeitlichen Auferstehung
5.1.3 Das Ziel der Gläubigen: Das Angesicht Gottes
5.2 Beurteilung
5.2.1 Unerhörtes und Ungehörtes
5.2.2 „Einnisten will ich mich“ - ein Osterlied?
5.2.3 Praktische Verwendung
5.2.4 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Musik hat im Christentum wie im Judentum schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Die Heilige Schrift ist reich an Stellen, die dies belegen. Egal, ob sie dem Lob Gottes (vgl. Ps 33; Ps 150; Kol 3,16) oder der Klage (vgl. 2 Chr 35,25; Klgl) dient, sich im Tanz als Ausdruck der Freude niederschlägt (vgl. Ex 25,20) oder im Gottesdienst Verwendung findet (vgl. Eph 1,3-14; Kol 1,12-20) - Glaube und Musik liegen eng beieinander. Luther bezeichnet die Musik als die höchste aller Künste, da sie der Theologie am nächsten stünde.1 Johann Walter nennt sie sogar die Schwester der Theologie.2

In der Kirche wurde die Musik von Anfang an als wesentliches und notwendiges Element des Gottesdienstes angesehen.3 Die Wurzeln der Kirchenmusik liegen im jüdischen Synagogalgesang4, wobei man sich sowohl jüdischer Gesänge (z.B. Psalter) als auch hellenistischer Formen (Hymne und Ode) bediente.5 Wurde sie zunächst von Ordinierten und Gemeinde gemeinsam getragen, so kam ihr mit Beginn der Mehrstimmigkeit im 12. Jahrhundert allerdings nur noch liturgiebegleitende Funktion zu6.

Das Zweite Vatikanische Konzil schließlich spricht der Kirchenmusik selbst wieder liturgischen Vollzug zu7 und widmet ihr in der Konstitution über die heilige Liturgie "Sacrosanctum Concilium" das gesamte sechste Kapitel (SC 112-121). Das Konzil bescheinigt ihr, als der mit dem Wort verbundene gottesdienstliche Gesang ein notwendiger und integrierender Bestandteil der feierlichen Liturgie zu sein.8 Es heißt sogar:

„Ihre vornehmste Form nimmt die liturgische Handlung an, wenn der Gottesdienst feierlich mit Gesang gehalten wird“.9

Ihr Ziel sei die Ehre Gottes und die Heiligung der Gläubigen10, und sie müsse „mit größter Sorge bewahrt und gepflegt“ werden11. Und so ordnet das Konzil an:

„Die Kirchenmusiker mögen [...] sich bewußt sein, daß es ihre Berufung ist, die Kirchenmusik zu pflegen und deren Schatz zu mehren. Sie sollen Vertonungen schaffen, welche [...] die tätige Teilnahme der ganzen Gemeinde der Gläubigen fördern.“12

Diesen Auftrag haben Kirchenmusiker bis in die jüngste Zeit hinein auf die verschiedensten Weisen erfüllt. Von dem Schriftsteller Kurt Rose und dem Komponisten Paul Ernst Ruppel stammt das evangelische Osterlied „Einnisten will ich mich“ von 1987, in dem es um die endzeitliche Auferstehung der Toten geht. Wie die beiden diese zentrale christliche Botschaft in Text und Musik umsetzen, wird in dieser Arbeit untersucht.

Im folgenden soll zunächst kurz auf die Biographien von Rose und Ruppel eingegangen werden. Hieran schließt sich eine ausführliche Behandlung des Liedes „Einnisten will ich mich“ hinsichtlich Text und Musik an. Den Abschluß bildet eine Interpretation und Beurteilung.

1 Kurzbiographien

1.1 Der Texter Kurt Rose

Der Schriftsteller Kurt Rose wurde 1908 in Bernburg an der Saale geboren.13 Im Laufe seines Lebens bekleidete er verschiedene pädagogische Ämter innerhalb Deutschlands und Europas.

So war er von 1931-35 Lehrer in der Türkei, danach in Spanien und Finnland und von 1948-1973 Realschullehrer in Bordesholm, Wedel, Iserlohn und Euskirchen.14 1970 wurde er zudem Predigthelfer in Bad Münstereifel.15 Seit 1986 lebte er in Celle16, wo er bis zu seinem Tod 199917 blieb.

Neben zahlreichen pädagogischen Werken hat Rose auch viele geistliche Texte bzw. Lieder geschrieben, wie z.B. „Er stellte seinen Bogen in die Wolken“18, „Wär in der Wüste nicht der Dornbusch“19 und „Christus und alle, Christus und alle Welt“ (KG 453). Mit der zweiten Strophe des Liedes „Unser Leben sei ein Fest“ (EG 571) ist er im Evangelischen Gesangbuch vertreten.

1.2 Der Komponist Paul Ernst Ruppel

Paul Ernst Ruppel wurde am 18.7.1913 in Esslingen am Neckar geboren20 und wuchs in einem baptistisch-geprägten Elternhaus auf21. Nach seinem Abitur 1933 begann er im selben Jahr sein Kirchenmusikstudium an der Stuttgarter Musikhochschule, welches er 1936 beendete.22 1938

heiratete er Paula Ritter, mit der er fünf Söhne bekam.23 1939 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und geriet von 1943 bis 1948 in amerikanische Gefangenschaft.24

Nach Abschluß seines Studiums hatte Ruppel eine Reihe von Anstellungen. So wurde er 1936 Kantor in Rheurdt25 und war bis 1977 zugleich Singwart, Schriftleiter und Komponist des Christlichen Sängerbundes.26 Für den zu diesem gehörigen Verlag Singende Gemeinde in Wuppertal war er zudem als Lektor tätig.27 Seit 1970 ist er Kantor der evangelischen Kirchengemeinde Vluyn28, deren Organist er außerdem bis 1980 war.29

Durch sein Elternhaus einerseits und Kontakte zu Walter Blankenburg, Richard Gölz, Hugo Distler und Helmut Bornefeld andererseits flossen bei Ruppel bereits während seines Studiums Traditionen der freikirchlichen Gemeindemusik und der Singbewegung zusammen.30 In der Kombination freikirchlicher Singtradition mit den musikalischen Formen der Singbewegung ist insbesondere die laiengerechte, gemeindenahe Mehrstimmigkeit als sein Beitrag zum kirchlichen Singen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anzusehen.31

Neben zahlreichen Kanones brachte Ruppel außerdem Singsprüche, Chorsätze, Bibelwortmotetten und kleine Kantaten heraus.32 In seiner Redaktion erschienen der Singkalender „Wir loben Gott“ (1954-69) und zwanzig Jahrgänge des „Singheftes“.33 Er veröffentlichte drei Bände des „Singsuriums“, die Liedblattreihen „Der junge Chor“ und „Kommt und singt“ und 1969 in Zusammenarbeit mit Herbert Beuerle und Armin Schoof das „Chorleiterbuch“.34

Zu seinen Werken gehören u.a. „Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang“ (EG 456), „Alle guten Gaben, alles, was wir haben“ (EG 463) und „Erd und Himmel sollen singen“ (EG 499).

2 Der Text

2.1 Einführung

Kurt Rose bedient sich für den Text des Liedes „Einnisten will ich mich“ zahlreicher biblischer Anleihen und Motive und setzt sie zueinander neu in Beziehung. Dies läßt sich für den größten Teil des Textes aufzeigen.

Nach einer Erläuterung der dem Text zugrunde liegenden Struktur sollen diese biblischen Anlehnungen nun vorgestellt werden. Dabei soll zudem ihre mögliche Bedeutung hinsichtlich des Inhalts des Liedes berücksichtig werden. Eine nähere Interpretation folgt in Kapitel 5.

2.2 Die Struktur

Der Text besteht aus zwölf Zeilen, die sich in drei Strophen mit jeweils vier Zeilen gliedern. Nach jeweils drei Langzeilen (zehn oder elf Silben) ist die vierte Zeile abrupt verkürzt (fünf Silben). Der gesamte Text wird von einem einzigen, durchgehenden Satz durchzogen und ist reimlos, „aber voll Freude am Gleichklang der Vokale innerhalb der einzelnen Zeilen und am Spiel mit neuen Worten und unverbrauchten, rasch wechselnden Bildern“35.

Inhaltlich lassen sich die einzelnen Strophen wie folgt bestimmen:

1. Strophe: Wunsch des Sängers, im Auge und Ohr Gottes zu sein
2. Strophe: Auferstehungstanz Christi
3. Strophe: Auferstehung der Toten

Das Lied hat somit ein eschatologisches Thema zum Inhalt, nämlich die endzeitliche Auferstehung der Toten.

2.3 Biblische Anlehnungen und ihre Bedeutung

2.3.1 Die erste Strophe

a) „Einnisten will ich mich im Auge Gottes, mich hocken in die Win dung seines Ohrs“36

Bei diesem Satz fühlt man sich an den 1. Korintherbrief erinnert, wo Paulus schreibt:

„Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben.“37

Dieses „Große“ möchte der Sänger des Liedes schon jetzt sehen und hören. Er hat den Wunsch, sich im Auge und Ohr Gottes dauerhaft niederzulassen.

b) „Dann könnt ich hören wie der Mantel Christi“

Hier wird beschrieben, was der Sänger dann in Gottes Ohr hören könnte, nämlich den Mantel Christi. Von diesem Mantel ist bereits in den Passionsgeschichten im Neues Testament die Rede:

„Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf und legten ihm einen purpurroten Mantel um.“38

Diesen Mantel, der zusammen mit der Krone ein Spottsymbol für den zum Tode verurteilten Jesus von Nazaret darstellte, trägt im Lied ebenso der auferstandene Christus.

[...]


1 Vgl. Blankenburg, Walter: Kirche und Musik. Gesammelte Aufsätze zur Geschichte der gottesdienstlichen Musik. Zu seinem 75. Geburtstag hrsg. von Erich Hübner und Renate Steiger, Göttingen 1979, 317.

2 Vgl. ebd.

3 Vgl. Musch, Hans: Musik im Gottesdienst, in: Derselbe (Hrsg.): Musik im Gottesdienst. Ein Handbuch zur Grundausbildung in der katholischen Kirchenmusik, Bd.1, Regensburg 21983, 7.

4 Vgl. Massenkeil, Günther: Kirchenmusik II, in:3 LThK 6, 28.

5 Vgl. Schuberth, Dietrich: Kirchenmusik, in:2 TRE 18, 651.

6 Vgl. Massenkeil, 28-30.

7 Vgl. ebd., 30.

8 Vgl. SC 112.

9 SC 113; zit. n.: Rahner, Karl / Vorgrimler: Kleines Konzilskompendium. Sämtliche Texte des Zweiten Vatikanums, Freiburg i. Breisgau 261994.

10 Vgl. SC 112.

11 Vgl. SC 114.

12 SC 121.

13 Vgl. Evangelisches Gesangbuch, Gütersloh / Bielefeld / Neukirchen-Vluyn 1996, 1579, nachfolg. zit. als EG.

14 Vgl. EG, 1579.

15 Vgl. ebd.

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. Reich, Christa: Einnisten will ich mich im Auge Gottes, in: MuK 70 (2000).

18 Vgl. Rose, Kurt: Fröhlicher Vogel Hoffnung. Lieder und Gedichte (Neues für den Gottesdienst), Han nover, 1995, 98f.

19 Vgl. ebd., 96f.

20 Vgl. Schuberth, Dietrich: Ruppel, Paul Ernst, in: Herbst, Wolfgang (Hg.): Wer ist wer im Gesang buch?, Göttingen 2001, 266.

21 Vgl. ebd.

22 Vgl. ebd., 266f.

23 Vgl. Schuberth (Ruppel), 267.

24 Vgl. ebd.

25 Vgl. ebd.

26 Vgl. EG, 1580.

27 Vgl. Schuberth (Ruppel), 267.

28 Vgl. EG, 1580.

29 Vgl. Schuberth (Ruppel), 267.

30 Vgl. ebd., 266f.

31 Vgl. ebd., 267.

32 Vgl. ebd.

33 Vgl. ebd.

34 Vgl. ebd.

35 Reich.

36 Diese u. alle folg. Textpassagen zit. n.: Rose, Kurt: Da war die Nacht - da kam das Licht (Neue geistliche Lieder 21), München 1987.

37 1 Kor 2,9.

38 Joh 19,2; vgl. Mk 15,17.20a; Mt 27,28.31a; Lk 23,11.

Details

Seiten
27
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638255714
ISBN (Buch)
9783638647410
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22148
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Katholisch-Theologische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Einnisten Ruppel Rose) Biblische Anlehnungen Musikalische Struktur Interpretation Hauptseminar Kirchenjahr Kirchenlied

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Titel: "Einnisten will ich mich" (P.E. Ruppel / K. Rose) - Biblische Anlehnungen. Musikalische Struktur. Interpretation.