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Weltklasseleistungen in einer feindlichen Umwelt - Schwarze Athleten und ihr Kampf gegen den Rassismus

Seminararbeit 2002 26 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Einleitung

3 Vom Begriff der Rasse zum Rassismus
3.1 Die Rasse – ein Begriff aus der Biologie
3.2 Rassismus – ein Phänomen des 20. Jahrhunderts

4 Die Weg zur Gleichberechtigung der Afroamerikaner im Sport
4.1 Geschichtlicher Rückblick
4.2 Die Position der Afroamerikaner im Sport von heute

5 Gründe für die Dominanz schwarzer Athleten

6 Integration durch den Sport
6.1 Zum Begriff der Integration
6.2 Sozial-integrative Funktion des Sports

7 Projekte zur Förderung der Integration mittels Sport

8 Abstract

9 Quellenverzeichnis

10 Abbildungsverzeichnis

1 Vorwort

Wir leben in einer Zeit der allgemeinen Globalisierung. Dies ist keineswegs wertend gemeint, sondern lediglich die Feststellung einer Tatsache. Die Wirtschaft bereichert sich an einem Finanzmarkt von nie da gewesener Größe, Informationen können durch neue Medien sekundenschnell weltweit transferiert werden und vom einzelnen wird Flexibilität ebenso vorausgesetzt wie die Bereitschaft zur Mobilität – der Arbeitsmarkt zwingt oftmals zu häufigem Wohnungs- und Arbeitswechsel

Ganz Europa organisiert sich, am Beispiel der Vereinigten Staaten, im Rahmen der Union. Nach Jahrhunderten der Kriege, Verfolgungen, Unterdrückungen und Völkermorde erhofft man sich nun dauerhaften Frieden und gegenseitige Bereicherung durch die kulturelle Vielfalt unseres Kontinents.

Welch bessere Voraussetzungen könnten denn in der zivilisierten, westlichen Welt noch herrschen, um uralte Vorurteile gegenüber anderen Volksgruppen, Hautfarben und Religionsgemeinschaften endgültig über Bord zu werfen? Mit Bedauern blicken wir nach Israel, völlig unverständlich erscheint uns der maßlose Hass, mit dem sich Juden und Palästinenser begegnen. Fassungslos sind wir darüber, dass Nordirland trotz unermüdlicher Vermittlungsversuche scheinbar nicht zu befrieden ist und auch in Afrika entbrennen Kriege und Bürgerkriege immer wieder aufs neue. Die Liste an Krisenherden ließe sich problemlos seitenlang weiterführen und überall scheinen inmitten der Problematik mangelnde Toleranz gegenüber Fremdem und Rassismus auf.

Doch es bedarf eigentlich gar keines zweiten Blicks, um festzustellen, dass auch in Europa und den Vereinigten Staaten Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus aktuelle Themen sind.

Der Sport versteht sich als Instrumentarium der Völkervereinigung, als offene und wertfreie Institution, die klar quantifizierbare Leistungen würdigt – unbeeindruckt von der Hautfarbe, Religion oder Nationalität ihrer Erbringer.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit will ich versuchen, dieses Selbstverständnis des Sports anhand eines Beispiels zu untersuchen.

2 Einleitung

Erklärtes Ziel meiner Proseminar-Arbeit war es, den Sport als Mittel zur Integration sozialer Randgruppen zu untersuchen. Zunächst unklar formulierte Fragestellungen, wie zum Beispiel „Ist Sport ein Allheilmittel zur Integration?“, musste ich aufgrund ihres suggestiven Charakters und der Fülle der zu beleuchtenden Aspekte bald verwerfen. Meine Literatur-Recherchen machten rasch klar, dass der gewählte Themenbereich auf mehreren Wegen sinnvoll bearbeitet werden kann. Einerseits ist es möglich, sich auf psychologische Aspekte zu beschränken. Die psychischen Auswirkungen des sportlichen Treibens sowie die gruppendynamischen Prozesse, die es – im Kollektiv ausgeübt – hervorruft, wären dann mögliche Ansatzpunkte zur Untersuchung der Frage, ob und inwieweit Sport sozial Schwächere in die Gesellschaft integrieren kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine andere Möglichkeit an das Thema heranzutreten wäre die Einengung auf eine bestimmte Sportart. So ließe sich auch die Fragestellung untersuchen, ob professionelle Fußballmannschaften mit (meist) hohem Ausländeranteil die Beliebtheit der in ihr vertretenen Nationalitäten erhöhen kann. Konkret dachte ich hierbei an den SV Bad Bleiberg, mit zahlreichen Spielern ehemals slowenischer Herkunft in seinen Reihen in dieser Saison überaus erfolgreich – der Kader ist unter nachfolgendem Link nachzulesen - und an die soziale Stellung der Slowenen in Kärnten allgemein.

Obgleich mich dieses Thema sehr interessiert hätte, musste ich feststellen, dass für so konkrete Fallbeispiele noch gar nicht oder zumindest zu wenig publiziert wurde, um eine gewissenhafte hermeneutische Bearbeitung zu gewährleisten.

Ich entschied mich letztlich für eine Untersuchung der Afroamerikaner, die im Sport zweifellos umjubelte Nationalhelden stellen, im Alltag aber weiterhin mit Rassismus konfrontiert werden. Ich halte ich es für notwendig, sich zu Beginn der Arbeit mit dem Begriff der Rasse ein wenig näher auseinander zu setzen, da historisches Verständnis zu diesem Begriff auch das Phänomen Rassismus begreiflicher werden lässt. Danach möchte ich kurz den Prozess der Gleichberechtigung der Afroamerikaner im Sport beleuchten um dann auf die Stellung afroamerikanischer Spitzensportler von heute überzuleiten. In weiterer Folge wird die Frage zu beantworten sein, warum schwarze Athleten in so vielen Disziplinen dominieren und wie die weiße Gesellschaft auf diese Dominanz reagiert. Ist Amerika wirklich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in dem Talent und harte Arbeit in einer quasi farbenblinden Weise gewürdigt werden?

Gibt es Rassismus trotz oder vielleicht sogar gerade wegen dem Sport? Und welche Möglichkeiten haben moderne Staaten beziehungsweise Staatengemeinschaften, um mit Hilfe des Sports dem Rassismus entgegenwirken zu können.

Diesen Fragestellungen will ich mich in meiner Arbeit annähern, um das Thema „Schwarze Athleten und Rassismus in den Vereinigten Staaten“ von unterschiedlichen Seiten beleuchten zu können.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit verwende ich eingeschlechtliche Formulierungen. Selbstverständlich sind aber immer beide Geschlechter gemeint.

3 Vom Begriff der Rasse zum Rassismus

3.1 Die Rasse – ein Begriff aus der Biologie

Der Begriff "Rasse" wurde bis zu seinem ideologischen Bedeutungswandel als soziales Phänomen vor allem in der Tierzucht beziehungsweise der Biologie als Bezeichnung einer Art oder Unterart verwendet. Im 17. Jahrhundert wurden verschiedene Versuche unternommen, die Menschheit auf der Basis der biblischen Erzählung in Großgruppen einzuteilen. Der französische Arzt und Forschungsreisende François Bernier (1620-1688) schlug für diese Einteilung die Begriffe "espèces" oder "races" vor. Nationalsozialistische Rassenforscher wie Eickstedt feierten diese Veröffentlichung Berniers als die "Geburtsurkunde der Rassenforschung". Bernier jedoch verwendete "race" noch in einem anderen Sinne. Ihm ging es darum, unterschiedliche Arten zu beschreiben, ohne eine Wertung vorzunehmen. Die Herkunft des Wortes "Rasse" läßt sich bis ins späte Mittelalter zurückverfolgen. Als möglicher Ursprung kommt das italienische "razza" in Frage, das spanische "raza", das slawische "Raz", aber auch die Ableitung vom arabischen "râz" im Sinne von "Kopf", "Haupt einer Familie". "Race" bedeutete daher vor allem die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Familie, die Abstammung, wobei gerade der Adel sich gerne auf seine "race" berief, um die Privilegien des eigenen Standes zu betonen.

Während der schwedische Mediziner und Naturforscher Carl von Linné (1707-1778) die erste umfassende biologische Systematik erstellte, griff im deutschsprachigen Raum der Philosoph Immanuel Kant (1724-1804) das Konzept der "Racen" auf, um eine Überlegenheit der Europäer zu formulieren. Die Forschungen des Charles Darwin (1809-1882) über "Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" lieferten das naturwissenschaftliche Gerüst, für die Beschäftigung mit den angeblichen "Menschenrassen". Bei Graf Gobineau findet sich die Einteilung der Menschheit nach Hautfarben, wobei er der "weißen Rasse" den höchsten Wert zuwies. Houston Stewart Chamberlain erhob das Prinzip "Rasse" ins Quasi-Religiöse, die nördlichen Europäer wurden zum Träger der Weltgeschichte. Chamberlain definierte erstmals den Begriff der Rasse im Zusammenhang mit dem Judentum. Die jüdische Minderheit wurde demnach nicht mehr als Angehörige einer anderen Religion betrachtet, sondern als "fremdrassisch" und gefährlich, indem sie durch "Vermischung" die "Blutreinheit" des "deutschen Menschen" in Gefahr bringen würde. Im Nationalsozialismus wird der Rasse-Antisemitismus zur Staatsdoktrin. Dem Idealtypus des großen, blonden und blauäugigen Ariers steht der "rassisch minderwertige" Jude gegenüber, dem zudem alle nur denkbaren negativen Charaktereigenschaften zugeschrieben wurden. Der Wissenschaftszweig, der sich während der Zeit des Nationalsozialismus mit der "Rasse" befasste, war die Rassenkunde. Diese stand im Dienste des Ideals der völkischen "Rassereinheit" und der erbbiologischen Gesundheit:

Die "juristische" Definition des Begriffs "Rasse" findet sich im Kommentar zur "Rassen- und Erbpflege":

"Rasse ist eine Gruppe von Menschen, die sich durch gemeinsame blutmäßig bedingte, in der gleichen Zusammensetzung anderweit nicht vorhandene körperliche, geistige und seelische Eigenschaften von anderen Menschengruppen abheben."

(Zerger, Johannes. 1997. „Was ist Rassismus?“. Seite 53. Göttingen: Lamuv-Verlag.)

3.2 Rassismus – ein Phänomen des 20. Jahrhunderts

Der Begriff "Rassismus" taucht erst im 20. Jahrhundert auf. Der Wiener Kultursoziologe Friedrich Hertz beschrieb noch mit dem Ausdruck "Rassenhass" die Erscheinungsformen einer Ideologie, welche die unterschiedliche Abstammung von Menschen als Maßstab für deren Wertigkeit ansah. Die Ideologie des Rassismus zielt auf die Herabsetzung und Ausgrenzung von Menschen anderer Herkunft und ethnischer Zugehörigkeit. Mit der Einführung des Begriffs Rasse in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen als Kategorie zur Systematisierung menschlicher Kollektivgruppen erfährt die Diskriminierung ihre wissenschaftliche Legitimation.

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Details

Seiten
26
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638255653
Dateigröße
984 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22141
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Sportwissenschaften
Note
2
Schlagworte
Weltklasseleistungen Umwelt Schwarze Athleten Kampf Rassismus

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