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Ich- und Ach-Laute. Korrektive Phonetik für fortgeschrittene bulgarische Lerner

von M.A. Adriana Slavcheva (Autor) Sultan Al-Farsi (Autor)

Seminararbeit 2004 21 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Theoretischer Teil
1. Erläuterungen zum phonetischen Gegenstand der Projektarbeit
1.1. Phonologischer Wert der Laute
1.2. Ich- Laut [ç]
1.3. Ach-Laut [x]
2. Zielgruppe
3. Kontrastive Betrachtung Bulgarisch – Deutsch
3.1. Allgemein
3.2. Realisierung des Ich- und Ach-Lautes durch Bulgaren

II. Unterrichtsmodell
0. Einleitung
1. Eintauchübungen
2. Kontrollierbare Hörübung – Ich-Ach-Baum
3. Übungen zur Bewusstmachung
4. Automatisierungsübung – Kettenspiel
5. Anwendungsübungen

III. Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Thema der vorliegenden Projektarbeit sind die Ich- und Ach-Laute.

Ausgegangen von einer Lernergruppe von fortgeschrittenen bulgarischen Lernern, wurde ein Unterrichtsmodell zur korrektiven Phonetik, verbunden mit landeskundlichen Inhalten, entwickelt.

Das Projekt besteht aus zwei Teilen.

Im ersten theoretischen Teil wird der phonetische Gegenstand des Themas umrissen, die Zielgruppe beschrieben und ein Vergleich zwischen der Ausgangssprache Bulgarisch und der Zielsprache Deutsch in den für das Projekt relevanten Punkten gezogen werden.

Im zweiten Teil wird das Unterrichtskonzept dargestellt werden. Im Anhang sind sämtliche Zusatzmaterialien dazu enthalten, sowie die Folien und Aufnahmen, die bei der Präsentation des Projekts im Seminar verwendet wurden.

I. Theoretischer Teil

1. Erläuterungen zum phonetischen Gegenstand der Projektarbeit

1.1. Phonologischer Wert der Laute

In der aktuellen Forschung wird mehrheitlich die Auffassung vertreten, dass der velare [x]-Laut und der palatale [ç]-Laut Allophone eines Phonems sind, da sie innerhalb der Grenzen eines Morphems komplementär distributiert sind[1]. Wegen seiner größeren Distribution[2] wird das Segment [ç] als Hauptallophon des Phonems /ç-x/ angesehen, obwohl [x] historisch älter ist und [ç] von diesem erst abgeleitet wurde[3].

1.2. Ich- Laut [ç]

1.2.1. Lautbeschreibung

„Der Zahnabstand und die Lippenöffnung sind klein, dennoch übernehmen die Lippen die Merkmale des jeweiligen benachbarten akzentuierten Vokals. Der vordere Zungenrand hat Kontakt mit den unteren Schneidezähnen. Die Vorderzunge wölbt sich zum Hartgaumen auf, die seitlichen Zungenränder berühren die Backenzähne und deren Alveolen, so dass in der Mitte der Zunge eine Rinne entsteht, in der sich an den Verengung ein Reibegeräusch bilden kann. Der Laut ist stimmlos und die Artikulationsspannung ist hoch.“[4]

1.2.2. Positionen:

- Bei Schreibung <ch> in- und auslautend[5]

a. nach Vorderzungenvokalen: i ch, e ch t, mö ch te, Bü ch er;

b. nach den Diphthongen <ei> und- <eu>/<äu>: wei ch, feu ch t, Bräu ch e;

c. nach den Sonorlauten <l, n, r,>: Mil ch, man ch, Ler ch e;

d. im Deminutivsuffix –chen: Mäd ch en.

- Bei Schreibung <g> im Suffix –ig, wenn g im Silbenauslaut steht: Kön ig (aber königlich), led ig (aber lediglich).

- Bei Schreibung <ch> im Anlaut eingedeutschter Wörter vor <i, e>: Ch ina, Ch emie.

1.3. Ach-Laut [x]

1.3.1. Lautbeschreibung:

„Die Hinterzunge wölbt sich zum weichen Gaumen, so dass eine Enge entsteht, an der das Reibegeräusch erzeugt wird. Der Laut ist immer stimmlos, die Artikulationsspannung relativ hoch. Der vordere Zungenrand hat Kontakt mit den unteren Schneidezähnen.“[6]

1.3.2. Positionen:

- „Bei Schreibung <ch> in- und auslautend nach den A-Lauten, den Hinterzungenvokalen <o, u> , und dem Diphthong <au>: Ba ch, do ch, Bu ch, au ch[7]
- Bei Schreibung <j> in Wörtern aus dem Spanischen: J uan

2. Zielgruppe

Zielgruppe der vorliegenden Projektarbeit sind fortgeschrittene bulgarische Lerner – Studierende an der Universität Leipzig, die seit mind. 2 Jahren in Deutschland leben, die DSH-Prüfung erfolgreich absolviert haben und keinen studienbegleitenden Sprachunterricht bekommen.

Um eine Fehlerprognose anzustellen, wurden drei Sprecher der imaginären Lernergruppe aufgenommenem. Eine Kassette mit den Tonaufnahmen ist Anhang. Sie wurden gebeten, als erstes sich kurz vorzustellen (freies Sprechen), und im Anschluss den folgenden Text[8] vorzulesen:

Herr und Frau Koch aus Bochum sind bei Freunden zu Besuch. Spät in der Nacht klingelt das Telefon. Eine Stimme spricht: "Ihre Kinder schlafen nicht. Sie machen furchtbaren Krach. Ich habe sie ins Bett gebracht. Ich habe den Hahn zugemacht, damit die Badewanne nicht überläuft. Ich habe den Hund aus dem Kühlschrank befreit. Ich habe das Licht ausgemacht und die Türen geschlossen. Sie können froh sein, dass ich so ein anständiger Einbrecher bin."

Die aus der Analyse der Tonaufnahmen gewonnenen Ergebnisse erlaubten, sich eine erste grobe Vorstellung von den typischen Problemen und Fehlleistungen fortgeschrittener bulgarischer Lerner zu machen.

3. Kontrastive Betrachtung Bulgarisch – Deutsch

3.1. Allgemein

„Bulgarisch ist eine südslavische Sprache, die man auf Grund zahlreicher lexikalischer und grammatischer Gemeinsamkeiten mit den benachbarten Sprachen Rumänisch, Serbisch, Neugriechisch und Albanisch auch als „Balkansprache“ bezeichnet. […] Es wird von etwa acht Millionen Einwohnern der Republik Bulgarien (es ist dort die einzige Amtssprache) benutzt sowie von den bulgarischen Minderheiten in Mazedonien, Nordgriechenland, Rumänien, im Moldaugebiet und in der Ukraine.“[9]

„Das bulgarische Konsonantensystem enthält wesentlich mehr Phoneme (38) als das deutsche“[10], was mit dem Vorhandensein von palatalisierten („weichen“) Phonemen zu erklären ist.

Das stimmlose velare [x] ist in den beiden Sprachen vorhanden. Jedoch gibt es einige artikulatorischen Unterschiede – „die Muskelspannung ist beim bulgarischen [Laut] geringer, die Enge zwischen Zungenrücken und Velum breiter und das Zäpfchen schwingt während der Bildung […] niemals mit.“[11]

In bestimmten Positionen („inlautend und auslautend nach /e/ und /i/ und anlautend vor /e/ und /i/“[12]) weist das Bulgarische einen dem deutschen [ç] ähnlichen Laut auf: das palatale [x’].

3.2. Realisierung des Ich- und Ach-Lautes durch Bulgaren

- „Korrekte Realisierung des [ç] nach /e/ und /i/“[13]
- Realisierung des [ç] nach Sonoren und den Diphthongen <ei> und- <eu>/<äu>: wie [x]
- Realisierung des [x] mit einem zu leichten Reibegeräusch[14]

II. Unterrichtsmodell

Thema: Städte in Deutschland. Korrektive Phonetik: Ich- und Ach-Laute

0. Einleitung

Im aufgestellten Unterrichtmodell wird das phonetische Thema in einen landeskundlichen Rahmen eingebettet – die Laute werden auf der Grundlage von Texten über einige deutsche Städte thematisiert und geübt. Auf diese Weise bietet das Modell zahlreiche Möglichkeiten, landeskundliche Informationen zu vermitteln und die Arbeit schwerpunktmäßig zu vertiefen. Einige Anregungen hierzu finden sich bereits in der beigefügten Materialiensammlung.

Darüber hinaus werden in unterschiedlichen Sozialformen alle vier Fertigkeiten (Leseverständnis, Schreiben, Hörverständnis und Sprechen) einbezogen, wobei logischerweise das Hörverständnis und der mündliche Ausdruck eine vorrangige Stellung haben.

Bei der Textauswahl wurde ein besonders hoher Wert auf Authentizität gelegt – es handelt sich um Texte, die größtenteils den offiziellen Internet-Seiten einzelner Städte und solcher mit touristischen Informationen entnommen und für die Zwecke des Unterrichts unter geringfügigen Veränderungen zusammengefügt sind.

Das Modell besteht aus 7 logisch aufeinander folgenden und aufeinander bauenden Aufgaben, die übungstypologisch folgendermaßen zu beschreiben sind:

(1) Vorbereitende Hörübungen (= Eintauchübungen), die in die Unterrichtsthematik einführen und implizit das phonetische Problem aufgreifen;
(2) Kontrollierbare Hörübung zur Identifikation und Diskrimination;
(3) Übungen zur Bewusstmachung;
(4) Automatisierungsübung;
(5) Anwendungsübungen

Die Übungen werden in der Reihenfolge dargestellt, wie sie im Unterricht auszuführen sind. Im Anschluss an die Aufgabenstellung werden kurze Anmerkungen eingebracht, die als Lehrerhandreichungen gedacht sind.

Im Anhang finden sich Kopiervorlagen und Folien, sowie ein Lösungsschlüssel und die Transkription der Hörtexte. Des Weiteren gibt es dort eine kleine Materialiensammlung zu einigen der vorgestellten Städte, die sich zur weiterführenden landeskundlichen Arbeit eignet.

[...]


[1] vgl. dazu Ramers, K.-H., 1991, 98, sowie Meinhol, G./Stock, E, 1980, 133

[2] siehe 1.2.2. und 1.3.2.

[3] vgl. dazu Ramers, K.-H., 1991, 98 – 100, sowie Meinhold, G./Stock, E, 1980, 133

[4] Rausch, R./ Rausch, I., 2000, 381

[5] Simeonova, R., Grigorova, E., Kostova-Dobreva, H., 1996, 29-30 – Zitat mit einigen Kürzungen

[6] Rausch, R./ Rausch, I., 2000, 386

[7] Simeonova, R./Grigorova, E./Kostova-Dobreva, H., 1996, 31

[8] Dieling, H./ Hirschfeld, U., 2000, 170

[9] Schmidt, L./Simeonova, R., 2003, 2

[10] Schmidt, L./Simeonova, R., 2003, 7

[11] Simeonova, R./Grigorova, E./Kostova-Dobreva, H., 1996, 31

[12] Simeonova, R./Grigorova, E./Kostova-Dobreva, H., 1996, 30

[13] Simeonova, R., 1998, 16

[14] Simeonova, R./Grigorova, E./Kostova-Dobreva, H., 1996, 31

Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638254946
Dateigröße
597 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22052
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Herder-Institut
Note
1,0
Schlagworte
Deutsch als Fremdsprache Ich- und Ach-Laute Phonetik Deutsch Unterrichtsmaterial kontrastive Phonetik Bulgarisch fortgeschrittene Lerner

Autoren

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