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Fremdsprachenlernen im höheren Erwachsenenalter

Seminararbeit 2000 16 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Theoretische Grundlagen
1. Die wichtigsten Hypothesen der Fremdsprachenlerntheorie
1. 1. Die Adoleszenz- Maximum- Hypothese
1. 2. Die Monitor Theorie
1. 3. Die neueren Fremdsprachenlerntheorien
2. Rolle der anderen Faktoren beim Fremdsprachenerwerb im Kindes- und Erwachse nenalter

II. Praktische Beispiele für den Unterricht mit Fremdsprachenlernern im höheren Erwachsenenalter
1. Didaktik und Methodik des Unterrichts für ältere Fremdsprachenlerner
2. Situation des Unterrichts mit älteren Erwachsenen in Hannover anhand eines Inter views

Schlussbemerkung

Literaturangabe

Einleitung

Sprache ist eine, nur Menschen vorbehaltene, Ausdrucksform, daß sich von allen anderen Verständigungsmöglichkeiten (Tiersprachen, künstliche Programmiersprachen) durch ihre Kreativität und Fähigkeit zur begrifflicher Abstraktion unterscheidet. Sie dient dem Austausch von Gedanken, Vorstellungen und Informationen. Sie ermöglicht das Erfassen und Verstehen der Welt und die Herausbildung der individuellen Identität, so wie die Aufnahme und Mitteilung wichtiger Erfahrungen.

Der Erwerb einer zweiten, fremden Sprache hat insofern für den Menschen große Bedeutung, als sie dadurch die Möglichkeit haben, ihre Erfahrungen mit unbekannter Kultur und Menschen zu machen und eigene Lebensqualität verbessern können. Der Erwerb der Fremdsprache kann in unterschiedlichen Lebensabschnitten stattfinden (Kindesalter, Heranwachsende, Erwachsene, Senioren). Forschungsgeschichtlich hat man sowohl biologische als auch sozialpsychologische Argumente in der Auseinandersetzung mit Fremdsprachenlernen in unterschiedlichen Alter eingebracht.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich mit dem Erwerb einer Fremdsprache durch Lerner im unterschiedlichen Alter mit besonderer Berücksichtigung der Senioren befassen. Nach dem Überblick über die Forschungslage und die Hypothesen der Fremdsprachenlerntheorie werde ich auf die Situation des Sprachunterrichts für ältere Erwachsene näher eingehen. Ich versuche, einige praktische Hinweise für den Verlauf der Unterrichtsstunde zu geben. Anschließend befasse ich mich, anhand eines Interviews mit einem Lehrer, mit der Lage des Fremdsprachenunterrichts für Senioren an der hannoverschen Volkshochschule.

I. Theoretische Grundlagen

1. Die wichtigsten Hypothesen der Fremdsprachenlerntheorie

Mitte der sechziger Jahre wurde die Untersuchung des Fremdsprachenlernprozesses besonders intensiviert. Es wurde untersucht, ob ein Mensch in verschiedenen Lebensabschnitten eine Fremdsprache auf die gleiche oder unterschiedliche Weise erlernt. Der Entwicklungsprozeß eines Menschen wurde in drei Abschnitten unterteilt: in Kindesalter (3 - 14 Jahre), Jugendalter (14 - 18 Jahre) und Erwachsenenalter (18+ Jahre). Um zu Überprüfen, ob der Verlauf des Fremdsprachenerwerbs in den drei Lebensabschnitten sich voneinander unterscheidet, wurden verschiedene Hypothesen aufgestellt. Zu den bedeutsamen gehören: die Adoleszenz- Maximum- Hypothese, die Monitor Theorie und die neueren Fremdsprachenlerntheorien von S. Felix, W. Klein, T. Walsh und K. Diller.

1. 1. Die Adoleszenz- Maximum- Hypothese

Diese Hypothese wurde 1972 in der Altersforschung von Eric Lenneberg entwickelt. Sie besagt, daß die Pubertät eine biologische Grenze in der Herausbildung der sprachlichen Lernfähigkeit des Gehirns ist. Die linke und rechte Gehirnhälfte entwickeln sich bis zur Pubertät (der Lateralisierungsprozeß). Nur bis zu diesem Zeitpunkt verfügt das Gehirn über eine Plastizität, die den Spracherwerb in der linken Hirnhälfte ermöglicht. Dieser Zeitpunkt zwischen dem zweiten und zwölftem Lebensjahr, auch “kritische Periode”genannt, ist entscheidend für den leichten, schnellen und akzentfrein Erwerb einer Fremdsprache. Danach kann eine Fremdsprache nur mühsam und selten mit Erfolg erworben werden. Bereits ab dem sechsten Lebensalter ist es schwerer, eine akzentfreie Aussprache zu erlernen. Es ist auch damit verbunden, daß bei Jugendlichen und Erwachsenen die Mutter- und Fremdsprache in der sog. Broca- Region, die für die Prozessierung der Aussprache und Grammatik zuständig ist, getrennt verortet werden. Bei zweisprachig aufwachsenden Menschen und im Kindesalter, werden die beiden Bereiche (Aussprache und Grammatik) in demselben Ort angelegt. Das Gelernte wird in unterschiedlichen Altersstufen anders erlernt und gespeichert. Nur der Wortschatz wird unabhängig von dem Alter in dem sog. Wernicke- Region prozessiert. Sein Erwerb hängt ausschließlich von der Gedächtnisleistung und des persönlichen Interessen ab.

Diese Hypothese wurde jedoch in zahlreichen empirischen Experimenten nicht bestätigt. 1975 wurde mit Hilfe einer empirischen Untersuchung[1] herausgefunden, daß der Lernprozeß bei Erwachsenen und Kindern anders verläuft. Die Erwachsenen lernen besser, wenn sie die grammatischen Regeln anwenden und verstehen, die Kinder dagegen lernen schneller, wenn nur der audio- linguale Kontakt mit der Zielsprache vorhanden ist. Während der Pubertät findet zwar ein Umbruch im Lernverhalten des Menschen, aber es muß nicht zu schlechteren Lernresultaten führen. Der Wortschatz und Syntax werden von den beiden Altersgruppen genauso erfolgreich erlernt. Nur das Höreverstehen und die Aussprache beherrschen Kinder besser als Erwachsene.

In anderen empirischen Arbeiten[2] wurde zu zwei unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Das erste Ergebnis bestätigt Lennebergs Hypothese. Es besagt, daß das Alter ein entscheidender Faktor in dem akzentfreien Erwerb der Fremdsprache ist. Andere Faktoren z.B. die Länge des Aufenthaltes im Zielland, die Intensität der sprachlichen Kontakte mit der Bevölkerung spielen keine Rolle. Das zweite Ergebnis der empirischen Untersuchung widerlegt die “Adoleszenz- Maximum- Hypothese”. Die Erwachsenen erwerben eine Fremdsprache nicht mit geringerem Erfolg wie die Kinder. Sie übertreffen sogar, besonders im ersten Jahr des Aufenthaltes im Ausland, ihre Schnelligkeit und Korrektheit bei Fremdsprachenerwerb. Sie sind sogar in der Lage, das Lautsystem einer fremden Sprache akzentfrei zu erlernen.

1. 2. Monitor Theorie

1981bearbeitete Stephen Krashen erneut die Daten, auf die Lenneberg seine Hypothese stützt, und stellte fest, daß sie falsch interpretiert wurden. Die Entwicklung der beiden Gehirnhälften und die damit verbundene Lateralisation der Sprachfunktion ist schon vor der Pubertät abgeschlossen. Sie findet nur bis zum fünften Lebensjahr statt, so daß die Pubertät keine natürliche Grenze in der Sprachentwicklung darstellt. Auf dieser Grundlage ist die Monitor Theorie entstanden. In dieser Theorie zählt Alter zu den personalen und affektiven Faktoren (Motivation, Einstellung), die einen “Affektiven Filter” bilden. Er entscheidet darüber, welche sprachliche Informationen bearbeitet werden. Diese sprachliche Daten werden entweder in dem unbewußten “Organizer” oder dem bewußten, für die sprachliche Kontrolle verantwortlichen “Monitor” gespeichert. Damit sind auch die Begriffe des Lernens und des Erwerbs verbunden. Eine Fremdsprache kann auf zwei unterschiedliche Weisen erlernt werden: im Unterricht, in der Schule (das Lernen) und von Geburt an, später beim Spielen mit anderen Kindern (der Erwerb).

[...]


[1] Elek, Tibor, Oskarsson, Mats: Comparative Method Experiments in Foreign Language Teaching. The Final Report of the GUME/ Adults Projekt, Dept. of Educ. Research, Mölndal 1975. In: Bausch, Karl- Richard, Christ, Herbert: Handbuch Fremdsprachenunterricht, Tübingen 1995, S. 452.

[2] Krashen, Stephen, Scarcella, Robin, Long, Michael: Child- Adult Differences in Second Language Acquisition, Rowley, Mass 1982. In: ibidem, S. 455.

Details

Seiten
16
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638254915
ISBN (Buch)
9783656585268
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22049
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Seminar für deutsche Literatur und Sprachwissenschaft
Note
1
Schlagworte
Fremdsprachenlernen Erwachsenenalter Proseminar Einführung Methodik Didaktik Deutschen Fremdsprache

Autor

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Titel: Fremdsprachenlernen im höheren Erwachsenenalter