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Flächenbombardierung als Kriegsmittel

Die Luftangriffe auf Kassel im Zweiten Weltkrieg

Fachbuch 2003 161 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung und Schwerpunkte der Arbeit
1.2 Forschungsstand und Materiallage
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Vorgeschichte
2.1 Der Luftkrieg zwischen 1914 und 1918
2.2 Die Entstehung verschiedener Luftkriegstheorien und Luftkriegsdoktrinen zwischen den Weltkriegen
2.3 Vergebliche Versuche einer Luftkriegsregelung
2.4 Der Einsatz von Bombern gegen Kolonialvölker
2.5 Die Bombardierung Guernicas
2.6 Die völkerrechtliche Lage zu Beginn des Krieges

3 Der Wandel vom taktischen zum strategischen Luftkrieg
3.1 Die erste Phase: 1. September 1939 bis 10. Mai 1940
3.2 Die zweite Phase: 10. Mai 1940 bis 22. Februar 1942
3.3 Die dritte Phase: 23. Februar 1942 bis Anfang 1943
3.4 Die vierte Phase: Anfang 1943 bis 5. Juni 1944
3.5 Die fünfte Phase 6. Juni 1944 bis 8. Mai 1945

4 Technische Entwicklungen
4.1 Von der Spreng- zur Brandbombe oder die Wiederentdeckung des Feuers
4.2 Leichter oder schwerer Bomber?
4.3 Vom Blindflug zum Pfadfinder
4.4 Die Wettrüstung der Leitsysteme

5 Verteidigungsvorrichtungen in Kassel
5.1 Flugabwehrkanonen (Flak)
5.2 Jäger und Nachtjäger
5.3 Öffentliche und zivile Luftschutzkeller

6 Kassel im Fadenkreuz alliierter Bomberverbände
6.1 Warum Kassel?
6.2 Die Luftangriffe bis Juli 1943
6.2.1 Die Zerstörung der Edertalsperre am 17. Mai 1943
6.3 Der Luftangriff vom 3. Oktober 1943
6.4 Der Luftangriff in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943
6.4.1 Vorbereitungen
6.4.2 Anflug und Scheinangriff auf Frankfurt
6.4.3 Der Einsatz von Stanniolstreifen
6.4.4 Der Untergang des alten Kassel
6.4.5 Der Angriff im Spiegel der Propagandamaschinerien
6.5 Kassel von November 1943 bis Mai 1945

7 Zerstörungsausmaße in Kassel - eine Bilanz
7.1 Verluste an Menschenleben
7.2 Wohnhäuser und Wohnungen
7.3 Industrie
7.4 Verluste an historischer Bausubstanz
7.5 Verluste an historischer Bausubstanz nach Kriegsende

8 Warum Flächenbombardierung? Terror oder
kriegsentscheidendes Kalkül?
8.1 Die Bombardierung kriegswichtiger Industriezweige
8.2 Die Theorie des moral bombing
8.3 Bombardierungen zur Verwirklichung alliierter Invasionspläne

9 Schlussbetrachtung

10 Anhang

11 Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Fragestellung und Schwerpunkte der Arbeit

Wenn auch nur ein englischer Bomber die Ruhr erreicht, will ich nicht mehr Hermann Göring, sondern Hermann Meier heißen.[1]

Hätte Hermann Göring alias Hermann Meier dem bekannten Ausspruch Rechnung getragen, so wäre den deutschen Städten die wohl größte Tragödie ihrer bis zu zweitausendjährigen Geschichte erspart geblieben. Deutschland im Mai 1945: Die Bombardierung deutscher Städte durch vor allem britische, aber auch US-amerikanische Bomberflotten, hat ein noch nie zuvor dagewesenes Ausmaß an Zerstörungen hervorgerufen. Unzählige Städte haben ihr Gesicht verloren, wurden nahezu vollständig in Schutt und Asche gelegt. Über einen Zeitraum von wenigen Jahren wurde der Bombenkrieg vom simplen Abwerfen einzelner Sprengbomben zu einer höchst komplexen Wissenschaft weiterentwickelt, in welcher vor allem der Brandbombe eine entscheidende Rolle zukommen sollte. Spionagedienste organisierten Feuerversicherungskarten deutscher Städte, um die brennbarsten Regionen ausfindig machen zu können. Feuerwehrspezialisten wechselten das Metier und berechneten nun die optimale Zusammenstellung der Bombenladung, um einen möglichst flächendeckenden Zerstörungsgrad durch den sogenannten Feuersturm zu erreichen[2].

Kassel war, nach einigen erfolglosen Versuchen, eine derjenigen Städte, in welchen dieses ausgeklügelte System der Flächenbranderzeugung hervorragend funktionierte und wurde folglich zu 51 bis 91%[3] zerstört. Damit nimmt die ehemalige Kurfürstenresidenz einen deutschlandweiten Spitzenplatz ein. Über 1.000 Jahre Stadthistorie wurden in nur wenigen Stunden Opfer der Flammen, historisches Baugut unwiederbringlich zerstört. Tragischer allerdings als der Verlust an historischen Bauwerken ist natürlich jener an Menschenleben. In Kassel verloren in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 mehr als 10.000 Menschen ihr Leben, viele weitere wurden verletzt, unzählige obdachlos[4].

Einen objektiven Standpunkt einnehmend, soweit dies überhaupt möglich ist, sollte man annehmen, eine solche Welle der Zerstörung bliebe auf Jahrzehnte im Gedächtnis einer jeden Nation verankert. Gerade wenn, wie im Falle Kassels, die Folgen noch heute deutlich im Stadtbild sichtbar sind. Doch trotz ihrer beispiellosen Dimension, haben die Bombardierungen im nationalen Gedächtnis der Deutschen kaum Niederschlag gefunden. Im Gegenteil: dieses Kapitel blieb, zumindest in der öffentlichen Diskussion, lange ein Tabu-Thema; "deutsche Täter sind keine Opfer", lautete über viele Jahre die Devise. Auch die Darstellungen in deutschen Schulbüchern fielen allzu oft recht dürftig aus, in einigen Fällen nicht länger als gerade einmal zwei Sätze[5]. Erst die Veröffentlichung von Jörg Friedrichs Buch Der Brand entfachte gegen Ende des vergangenen Jahres eine hitzige, emotionsgeladene Diskussion quer durch die deutsche Medienlandschaft. Aber auch das Ausland beobachtete die Emanzipationsversuche des deutschen Historikers nicht ohne Interesse. Ob Herr Friedrich diesen Tabubruch gerade wegen der zu erwartenden Öffentlichkeitswirkung einkalkulierte oder aber nicht, mag dahingestellt bleiben. Fakt ist jedoch, dass die Gesellschaft seither für dieses Thema sensibilisiert zu sein scheint. In der Folgezeit widmeten sich dem Thema Bombenkrieg die Magazine Der Spiegel - sehr ausführlich in der Special - Ausgabe 1/ 2003[6] - sowie GEO in der Ausgabe vom Februar 2003[7]. Letztere Zeitschrift warb gar auf der Titelseite mit der scheinbar provokanten Frage: Verbrechen gegen die Deutschen?

Aber wie kam es zu dieser Form der Kriegsführung, des strategischen Luftkrieges, bei welcher im Gegensatz zum taktischen Luftkrieg nicht Soldaten und militärische Ziele, sondern Zivilisten und industrielle Ziele ins Fadenkreuz gerieten? Handelte es sich um ein spontanes Ereignis oder um eine länger währende Entwicklung? Welche Schlüsselereignisse markierten den Weg hin zum totalen Bombenkrieg? Sind die Briten und US-Amerikaner durch das Vorgehen der deutschen Luftwaffe auf den europäischen Kriegsschauplätzen zu Vergeltungsangriffen wie etwa auf Kassel gezwungen worden oder war gar das Gegenteil der Fall? Welche Überlegungen und Kriterien lagen der Zielauswahl auf alliierter und deutscher Seite zugrunde und welche Rolle kam Kassel hierbei zu? Da auch hier eine Reihe kriegswichtiger Industrien ansässig waren, welche einen entscheidenden Faktor in der Rüstungsproduktion des Deutschen Reiches darstellten, lässt sich gerade an der ehemaligen Landgrafenresidenz, die Stichhaltigkeit häufig geäußerter Aussagen, nach welchen lediglich die Industrie der deutschen Städte angegriffen werden sollte und zivile Opfer nur Kollateralschäden waren, überprüfen.

Ferner stellt sich die Frage, wie das Konzept des moral bombing zu bewerten ist, dem Versuch, durch gezielte Bombardierung der Städte, den Durchhaltewillen der Deutschen zu brechen, um sie gegen die nationalsozialistische Führung aufzubringen und Hitler zu stürzen und in welchem Kontext steht es zu den Überlegungen des strategischen Luftkrieges ? War diese Vorstellung überhaupt realistisch oder aber nur ein Versuch, das eigene Vorgehen zu legitimieren?

Ein weiteres Erklärungsmodell sieht in den Bombardements lediglich die Vorbereitung der Bodenoffensive gegen das Deutsche Reich - nicht mehr und nicht weniger. Ziel sollte demnach sein, die Leben alliierter Soldaten zu schützen, auch dann, wenn dadurch deutsche Zivilisten geopfert wurden.

Unabhängig von den Intentionen der alliierten Luftstreitkräfte galt es, die deutschen Städte vor deren Angriffen zu schützen. Welche Vorkehrungen wurden zum Schutze des Stadtgebietes und der Bevölkerung getroffen? Wie und vor allem wo wurden diese installiert und wie wirkungsvoll waren sie?

Ebenso wichtig sind natürlich die Folgen für die Stadt und deren Bevölkerung. Inwiefern hat sich das Stadtbild Kassels während des Krieges verändert? Welche Maßnahmen bezüglich der Rettung historischen Bauguts wurden zudem nach Kriegsende ergriffen?

Die folgenden Ausführungen untersuchen schwerpunktmäßig das Vorgehen der Royal Air Force gegen deutsche Städte, insbesondere die Luftangriffe auf Kassel. Besonderes Interesse kommt hierbei dem größten dieser Angriffe zu, welcher sich in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 ereignete. Es ist jedoch nicht Ziel dieser Arbeit, eine Aufrechnung oder Relativierung von Opfern oder Kriegsverbrechen zu betreiben oder gar einer Partei die alleinige Schuld an der Eskalation des Luftkrieges zuzuweisen, doch muss rund 60 Jahre nach Kriegsende eine scheuklappenlose Recherche der jüngsten Geschichte eben auch hier in Deutschland möglich sein, ohne zeitgleich auf eine Stufe mit den sogenannten Geschichtsrevisionisten gestellt und vorschnell be- bzw. verurteilt zu werden. Die Diskussion um Jörg Friedrichs letztes Werk hat diesen Mechanismus deutscher Vergangenheitsbewältigung eindrucksvoll ans Tageslicht befördert. Friedrich selbst sieht trotz allen Aufruhrs den Zeitpunkt für die Aufarbeitung dieses Kapitels der europäischen Geschichte gekommen und drückt diesen Umstand folgendermaßen aus: Inzwischen ist die Kultur der Versöhnung so weit gediehen, daß wir sogar die Wahrheit vertragen[8].

1.2 Forschungsstand und Materiallage

Die Tatsache, dass eine solche Veröffentlichung wie Der Brand derartige Aufmerksamkeit und Aufregung hervorruft, könnte den Eindruck erwecken, dass in den letzten 58 Jahren diesbezüglich kaum Nachforschungen angestellt wurden. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Es gibt sehr umfangreiche Literatur zum Thema Bombenkrieg. Allerdings ist ein Großteil von ausländischen Autoren verfasst, wie etwa die Werke David Irvings, und oft erst spät oder gar nicht ins Deutsche übersetzt worden oder aber regional beschränkt, wie die Dokumentation Werner Dettmars über die Zerstörung Kassels. Die breite Masse wurde von diesen Veröffentlichungen daher kaum tangiert. Andere Werke erschienen bald nach Kriegsende, also in einer Zeit, in welcher kaum jemand die Schrecken des Luftkrieges bezweifelte bzw. tabuisierte. Hinzu kam die vordringliche Beschäftigung der deutschen Bevölkerung mit dem Wiederaufbau und des damit einhergehenden Genusses des neuerrungenen Wohlstandes; Interesse für eine klärende Betrachtung des Luftkrieges zu wecken, war in diesen Zeiten nur schwerlich möglich[9]. Zudem wurde die deutsche Forschung durch die späte Rückführung der Luftwaffenakten aus britischen und amerikanischem Gewahrsam arg behindert. Gleiches galt für die Lehre der Luftkriegs- und Militärgeschichte nach 1945 an den deutschen Universitäten, welche nahezu völlig verdrängt wurde[10].

Dies änderte sich jedoch im Laufe der Jahre. Nachdem auch in den ehemaligen Feindstaaten die Propaganda einer wissenschaftlichen Betrachtung der Geschehnisse wich, erwachte auch in Deutschland langsam das Interesse an der eigenen Vergangenheit. Der Göttinger Gewaltforscher Wolfgang Sofsky unterscheidet hierbei allerdings zwischen der Hoch- und der Volkskultur. Erstgenannte tabuisierte spätestens seit den sechziger Jahren die deutschen Zivilopfer zugunsten der Aufarbeitung der Schuldfrage, wohingegen in der informellen Erinnerungskultur selbstverständlich, z.B. im Familienkreis, über Erlebtes - wenn auch stark subjektiv - berichtet wurde[11].

Jörg Friedrichs Buch erhielt zusätzlichen geistigen Zündstoff durch die Popularität des Autors und nicht zu vergessen, jene des herausgebenden Propyläen Verlages. Ein besonderer Kritikpunkt war überdies Friedrichs emotionaler Schreibstil, welcher vor allem die Engländer in die Position der Bösewichte manövrierte. Obwohl er als Ausgangspunkt der Eskalation das nationalsozialistische Deutschland nennt, sah er sich gerade aus England mit einer Welle der Empörung konfrontiert, zumal er Churchill indirekt als Kriegsverbrecher titulierte[12]. Diese Reaktion verdeutlicht, dass eben in diesem Punkt das bisherige Geschichtsbild, welches die Alliierten ausschließlich als Befreier sah, ins Wanken geriet.

Im Gegensatz dazu stehen die Ausführungen Olaf Groehlers in seinem 1990 in Ost-Berlin erschienenen Werk Bombenkrieg gegen Deutschland[13]. Seine Ausdrucksweise scheint zumindest ebenso emotional wie jene Friedrichs, doch in diesem Fall besonders gegen das nationalsozialistische Deutschland gerichtet, die Alliierten wären gewissermaßen zu ihren Bombenangriffen gegen die Zivilbevölkerung gezwungen gewesen oder wie es Groehler ausdrückt: Wer den Wind säht...[14] - ein Standpunkt, welchen die Deutschen gewohnt waren. Vielleicht mag es neben Groehlers sozialistisch geprägten Vokabulars auch daran gelegen haben, dass ihm nicht die gleiche Aufmerksamkeit zuteil wurde wie Friedrich.

Abgesehen von den erwähnten Eigenheiten, gibt Friedrichs Werk einen sehr ausführlichen Überblick über nahezu alle Aspekte des Bombenkrieges, wobei er sich häufig Berichten und Darstellungen von Überlebenden über ihr eigenes als auch über das Schicksal der von ihnen bewohnten Städte bedient, welche naturgemäß sehr emotional gehalten sind. Aber ebenso werden technische Einzelheiten über Bomben, Bomber und Leitsysteme sowie Kriegsabläufe von Friedrich detailliert dargestellt. Das erwähnte Buch von Olaf Groehler besticht ebenfalls durch seinen Detailreichtum. Einen ersten Überblick über die Thematik gibt Christoph Kucklick in seinem in der Zeitschrift GEO veröffentlichten Artikel Bombenkrieg gegen Deutschland. Weitere dieser Arbeit zugrunde liegende Werke und Aufsätze mit Fokus auf den gesamten Bombenkrieg sind jene von Horst Boog[15], David Irving[16], Williamson Murray[17], Erhard Klöss[18], Franz Kurowski[19], Jochen von Lang[20], Alan J. Levine[21], Robert Neillands[22], Janusz Piekalkiewicz[23], Hans Rumpf[24], Sir Robert Saundby[25], Anthony Verrier[26] sowie das Standardwerk von Charles Webster und Noble Frankland[27].

Bezüglich der Zerstörung Kassels gilt hingegen die erwähnte Dokumentation Werner Dettmars als Standardwerk. Der Autor, Sohn des damaligen Leiters der Luftwarnzentrale Wilhelm Dettmar, welcher nach eigenen Angaben während des Zweiten Weltkrieges auch selbst als Flakhelfer tätig war, hat sich über viele Jahre der Erforschung der Geschichte seiner Heimatstadt verschrieben. Anlässlich des vierzigsten Jahrestages des größten Luftangriffes, veröffentlichte Dettmar 1983 sein Werk als Zusammenfassung einer Ausstellung, die im Bürgersaal des Kasseler Rathauses gastierte. Sehr aufschlussreiche Details über den genauen Hergang des Angriffes vom 22. auf den 23. Oktober 1943 liefern überdies die drei Kartenbeilagen seiner Dokumentation. Ferner dokumentieren die vom Stadtmuseum in Buchform herausgegebene Aufsatzsammlung über das Leben in Ruinen[28] beachtenswerte Einzelheiten über den Ablauf besagten Angriffes, ebenso die gleichermaßen veröffentlichten Überlebensberichte[29].

Die Ausarbeitungen über den Angriff auf die Edertalsperre beruhen u.a. auf dem von der HNA veröffentlichen Buch Die Nacht als die Flut kam[30]. Technische Einzelheiten beinhaltet vor allem die Jubiläumsausgabe anlässlich des fünfzigsten Jahrestages der Zerstörung der Edertalsperre und des Möhnedamms, welche als Beilage des Lincolnshire Echo im Jahre 1993 erschienen war[31]. Die Zerstörungen der Kasseler Kulturbauten und Baudenkmäler wurden detailliert dokumentiert von Gottfried Ganßauge[32] sowie von Hartwig Beseler und Niels Gutschow[33].

Neben der veröffentlichten Literatur über die Luftangriffe auf Kassel gibt es natürlich noch jene Quellen, welche im Archiv der Stadt Kassel lagern. In diesen Unterlagen finden sich detaillierte Angaben zu nahezu allen Bereichen der Luftangriffe auf Kassel, u.a. der Bericht des damaligen Polizeipräsidenten, diverse Zeitungsartikel, mehr als 120 Erlebnisberichte, Geheimdienstberichte, Flugblätter u.v.m.[34]. Zudem lagert dort eine Zusammenstellung aller 40 Luftangriffe auf Kassel, mit den jeweiligen Eckdaten[35].

Informationen über das Schicksal verschiedener anderer Städte wurden den Werken von Hans Brunswick[36], Max Domarus[37], Werner Eckel[38], Erich Heyn[39], Eugen Lux[40] und Peter Simon[41] entnommen. Die Ausführungen über den Sonderfall der baskischen Kleinstadt Guernica stützten sich auf den Aufsatz Bombenkrieg, Völkerrecht und Menschlichkeit im Luftkrieg von Horst Boog[42] und die von ihm zitierten Abhandlungen von Hans Henning Abendroth[43], James S. Corum[44].

Die Entstehung des strategischen Luftkrieges lässt sich naturgemäß am besten durch die Lektüre der Werke der geistigen Schöpfer rekonstruieren. Daher waren die Werke von Winston Churchill[45] und Giulio Douhet[46] unverzichtbar für die Erstellung des entsprechenden Kapitels.

Die völkerrechtlichen Untersuchungen der vorliegenden Arbeit beruhen auf der Lektüre der besagten Aufsatzes von Horst Boog und den Veröffentlichungen von Wolf Daerr[47], Hans Sperling[48] sowie Eberhard Spetzler[49]. Die Leiden der Zivilbevölkerung werden zudem in einem weiteren Werk von David Irving[50] beschrieben. Die in dieser Arbeit zitierten Artikel der Haager Landkriegsordnung (HLKO) stammen aus der von Rudolf Laun[51] kommentierten Veröffentlichung.

Die Angaben über die Auswirkungen der alliierten Luftangriffe auf die deutsche Wirtschaft und vor allem auf die Rüstungsindustrie stützen sich die Ausführungen von Gerhard Donat[52] und Werner Wolf[53], technische Details zu Flugzeugen und Flak sind den Werken von Bill Gunston[54] und Werner Müller[55] entnommen.

Der Luftschutz wird sehr ausführlich in den Büchern von Erich Hampe[56] beschrieben, dem ehemaligen General der Technischen Truppen im OKH (Oberkommando des Heeres) und Präsidenten der Bundesanstalt für zivilen Luftschutz . Zudem gibt er, ebenso wie Uta Hohn[57], einen ausführlichen Abriss über die verschiedenen Phasen des Luftkrieges. Darüber hinaus liefert Uta Hohn sehr detaillierte Angaben über Wohnungsschäden in den verschiedenen Ländern und Städten. Die wichtigsten Untersuchungen der ehemaligen Alliierten bezüglich der Entwicklung des Bombenkrieges sind zusammengefasst zum einen im United States Strategic Bombing Survey[58] und zum anderen im Report of British Bombing Survey Unit[59].

Des Weiteren liegen dieser Arbeit die Auszüge der Werke von Basil H. Liddell-Hart[60], John Slessor[61] und John Terraine[62] zugrunde.

1.3 Aufbau der Arbeit

Da die Luftangriffe auf Kassel nicht isoliert betrachtet werden können, sondern in einen breiten Kontext historischer Entwicklungen eingebettet sind, empfiehlt es sich zunächst, die Vorgeschichte dieser Form der Kriegsführung genauer zu untersuchen. Hierbei spielt vor allem der Einsatz von Bomben und Bombern im Ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle sowie die Unterscheidung zwischen taktischem und strategischem Luftkrieg. Hieraus wiederum resultieren die Überlegungen der Zwischenkriegszeit. Einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum totalen strategischen Luftkrieg stellen die Bombardierung der baskischen Kleinstadt Guernica und der daraus entstandene Mythos dar.

Das folgende Kapitel widmet sich den Anfängen des Zweiten Weltkrieges, insbesondere der Aktivitäten der Luftwaffe sowie der Royal Air Force (RAF). In diesem Kontext werden die ersten Bombardierungen des Krieges auf ihren jeweiligen Charakter hin untersucht werden. Die darauf folgenden Unterkapitel widmen sich ausführlich den verschiedenen Phasen der Luftkriegsführung. Denn nur durch eine genaue Untersuchung der Entwicklung weg von der taktischen, hin zur strategischen Kriegsführung, kann die Entstehung des Kriegsmittels der Flächenbombardierung vollends erklären. Da diese Luftkriegsphasen wiederum begleitet bzw. eingeläutet wurden durch technische Entwicklungen in den Bereichen des Flugzeugbaus, der Bombenproduktion sowie der Navigationssysteme, verdienen auch diese Aspekte eine genauere Betrachtung.

Nach der Einordnung in den Gesamtkontext rückt Kassel in den Focus des Interesses. Zunächst werden die Verteidigungsvorrichtungen unter die Lupe genommen. Um sich gegen die Luftangriffe der Alliierten zu schützen, wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen, welche von der einfachen Fliegerabwehrkanone und dem Bau von Bunkern bis hin zur Nachtjagdverteidigung reichten.

Diese Vorkehrungen sollten sich als mehr oder weniger wirksam in den im Anschluss folgenden Untersuchungen der Luftangriffe auf Kassel bis zum Kriegsende erweisen. Die von den Bomberflotten angerichteten Schäden, sowohl physischer als auch materieller Natur, verdienen ebenfalls eine genauere Analyse.

Vor der Schlussbetrachtung werden nochmals die möglichen Gründe für die Flächenbombardierung als Kriegsmittel auf ihre Stichhaltigkeit hin durchleuchtet werden.

2 Vorgeschichte

2.1 Der Luftkrieg zwischen 1914 und 1918

Die Geschichte des Luft- bzw. Bombenkrieges beginnt nicht erst mit dem Zweiten Weltkrieg, sondern rund ein viertel Jahrhundert früher. Zumeist denkt man in diesem Kontext eher an die ritterlichen Luftgefechte eines Manfred Freiherr von Richthofen, jedoch wurden auch schon zu dieser Zeit erste Angriffe mit Bombenabwürfen durchgeführt. Erste Einsätze dieser Art sollen gar vor dem Ersten Weltkrieg von Italien in Tunesien im Jahre 1913 stattgefunden haben[63].

Unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzten sich mit der technologischen Fortentwicklung von Fluggeräten aller Art zu militärisch nutzbaren Waffen, in den Führungsstäben der Armeen konkrete Vorstellungen für deren militärischen Nutzen durch. Diese Folgerungen wurden zu Beginn des Krieges schließlich konsequent umgesetzt. Anfänglich bestand die Aufgabe von Flugzeugen, Zeppelinen und Heißluftballons in der operativen Fernaufklärung sowie der taktischen Luftaufklärung[64], doch zunehmend wurden sie auch als Jagdmaschinen und Bombenträger eingesetzt. Ab 1914/1915 gehörten z.B. Angriffe von deutschen Luftschiffen auf britische Städte zu den Begleiterscheinungen des damaligen Kriegsgeschehens. Großbritannien und Frankreich setzten dagegen auf Bombenflugzeuge, die im Kriegsverlauf stetig weiterentwickelt wurden. Auch das Deutsche Reich ersetzte bald Zeppeline und Heißluftballons durch Bombenflugzeuge, obgleich erstgenannte an Flughöhe und Bombenkapazität allen anderen Fluggeräten weit überlegen waren. Ausschlaggebend hierfür erwiesen sich ihre Trägheit und die damit verbundene Verwundbarkeit. Die Nachfolge traten zunächst die zweimotorigen Gothas an, gefolgt von den viermotorigen Riesen- Bombern. Gegen Kriegsende standen den Briten viermotorige Handley-Page HPV/1500 Bomber zur Verfügung, welche jedoch nicht mehr zum Einsatz kamen[65].

Obgleich die Erfolge der verschiedenen Luftstreitkräfte in diesem Kriege größtenteils taktischer Natur waren, sollten die weinigen strategischen Angriffe weitreichende Konsequenzen haben. Die Militärs erkannten den Nutzen der Flugwaffe zur Bombardierung von Zielen im feindlichen Hinterland und damit gewannen Konzepte für Bombenangriffe auf rückwärtige Industrie- und Verkehrszentren immer mehr an Bedeutung.

Auch wenn die ersten strategischen Bomberangriffe auf das Jahr 1915 datiert werden[66], galt der Bomber in jener Zeit als ein taktisches Kriegsinstrument, sozusagen als vertikale Artillerie[67]. Obwohl es bezüglich der Luftangriffe keinerlei Regelungen von völkerrechtlichem Status gab, wurden diese von allen Seiten im Sinne einer Art Gewohnheitsrecht anerkannt bzw. die Haager Landkriegsordnung (HLKO) auf den Luftkrieg übertragen. Angriffe dieser Art mussten sich auf militärische Ziele im Kriegsgebiet beschränkten[68], wobei militärische Ziele noch nicht näher definiert worden waren. Eine Ausnahme bildeten hier die sogenannten Repressalien, welche nach einer Völkerrechtsmissachtung des Gegners zu dessen Lasten durchgeführt werden konnten und sich durchaus auch gegen Zivilisten richten durften, solange der Charakter der Repressalie klar erkennbar war und die Dimension im Verhältnis zum Erduldeten stand[69].

Die Bilanz dieser trilateralen Auseinandersetzung liest sich angesichts der technologischen Unausgereiftheit noch relativ unbedarft. Die Opferzahlen hielten sich im Rahmen eines Bruchteils der jährlichen Verkehrstoten zu jener Zeit[70]. 1413 Menschen kamen durch deutsche Angriffe auf London ums Leben, 746 Opfer forderten britische und französische Angriffe auf das Reichsgebiet[71].

2.2 Die Entstehung verschiedener Luftkriegstheorien und Luftkriegsdoktrinen zwischen den Weltkriegen

Die blutigen Grabenkämpfe und Materialschlachten des Ersten Weltkrieges, jener ersten vollindustrialisierten militärischen Auseinandersetzung, traumatisierte alle beteiligten Nationen. Fortan war es nicht mehr das militärische Geschick der Strategen und Offiziere, sondern die industrielle Leistungsfähigkeit der kriegführenden Staaten, welche über Sieg und Niederlage entschied[72]. Der Wandel vom Söldnerheer zum Millionenheer erzeugte einen erhöhten Bedarf an Hilfsquellen, welcher wiederum die Schaffung von neuen Industriebetrieben forcierte[73]. Die im Hinterland der Front vermehrt produzierten Waffen ermöglichten die Kriegsführung, Verkehrsanlagen sicherten den Nachschub und den Güteraustausch zwischen den Industriegebieten, während die Zivilbevölkerung in den Städten den politischen und gesellschaftlichen Rückhalt der kriegsführenden Staaten bildete. Hieraus resultieren die in der Nachkriegszeit angestellten Überlegungen, wie in künftigen Konflikten solcherlei Blutvergießen an der Front vermieden werden könne.

Die Antwort auf diese Frage schien einzig und allein der Wandel vom taktischen zum strategischen Luftkrieg zu sein, die Umfassung der Erdfront - und sinngemäß auch der Seefront - durch die dritte Dimension mit Hilfe des Bombers[74]. Was aber genau ist der Unterschied zwischen diesen beiden Formen des Luftkrieges?

Der Unterschied zwischen dem Angriff gegen die Manifestationen der militärischen Stärke des Feindes in unmittelbarer Nähe des eigentlichen Kampfgeschehens und dem Angriff auf die Quellen dieser Stärke läßt sich wohl leicht, aber nicht immer genau mittels der Wörter „taktisch“ und „strategisch“ bezeichnen[75].

Hieraus wird deutlich, dass die Übergänge zwischen beiden Luftkriegsstrategien fließend sein können. Hinzu kommt die Überlegung, durch die strategischen Bombardements einen Krieg allein mit dem Einsatz von Bombern gewinnen zu können, wohingegen taktische Angriffe immer im Zusammenhang mit Boden- oder Marineeinheiten stehen. Einer der Vordenker dieses Konzeptes war Winston Churchill. In seinem Werk Thoughts and Adventures aus dem Jahre 1925 beschreibt der damalige Rüstungsminister seine Pläne über eine für das Jahr 1919 geplante Offensive gegen das Deutsche Reich, welche den Krieg hätte beenden sollen, für den Fall, dass die deutsche Westfront 1918 gehalten hätte:

Der Feldzug des Jahres 1919 hätte eine gewaltige Steigerung der Zerstörungskräfte gesehen. Hätten die Deutschen ihre Moral aufrecht erhalten und den Rückzug an den Rhein durchführen können, so wären sie im Sommer 1919 mit Kräften und Methoden angegriffen worden, die weit über alles bisher Dagewesene hinausgegangen wären. Tausende von Flugzeugen hätten ihre Städte in Trümmer gelegt[76].

Es versteht sich von selbst, dass eine solche Attacke nicht ohne große Verluste unter der Zivilbevölkerung hätte durchgeführt werden können, doch beinhaltet die Theorie des strategischen Bombenkrieges nicht zwangsläufig die Terrorisierung der Zivilbevölkerung.

In dieser Tradition stehen auch die Gedanken Hugh Trenchards, des ersten Befehlshabers der Royal Air Force nach deren Gründung am 1. April 1918[77], die er im Jahre 1928 wie folgt konstatierte und welche als die Trenchard-Doktrin in die Geschichte eingehen sollten:

Streitkräfte anzugreifen bedeutet, den Gegner an seiner stärksten Stelle anzugreifen. Andererseits läßt sich mit einem Angriff auf die Quellen, die diese Streitkräfte versorgen, eine unendlich größere Wirkung erzielen. Greift man einen Tag lang die Flugplätze des Feindes an, könnten vielleicht fünfzig Flugzeuge zerstört werden, während ein moderner Industriestaat aber hundert pro Tag produziert. Die Produktion übertrifft bei weitem jegliche Zerstörung, die wir vielleicht in der vorderen Kampfzone erzielen können. Durch einen Angriff auf die gegnerischen Fabriken hingegen läßt sich die Produktion in wesentlich größerem Maß verringern[78].

Trenchard sprach nicht ausdrücklich von gezielten Bombenangriffen auf Zivilisten, sagte aber an anderer Stelle, dass zwischen zivilen und militärisch relevanten Bombenzielen angesichts der Verzahnung der Wirtschaft in industrialisierten Nationen nicht unterschieden werden könne[79]. Die Trenchard Doktrin sollte fortan zur Richtschnur der RAF werden oder wie Friedrich es ausdrückt: ihre Daseinsgrundlage[80]. Es fanden sich darüber hinaus weitere, für die spätere Kriegsführung entscheidende, Formulierungen in Trenchards Ausführungen. So spricht er ebenfalls von den möglichen Folgen seiner Luftangriffe. Unter anderem seien dies Arbeitsausfälle in den Fabriken und Verwirrung unter der Zivilbevölkerung, wodurch der Zusammenbruch herbeigeführt würde[81].

Ein weiterer Vordenker des strategischen Luftkrieges war der Italiener Giulio Douhet. Er vertrat in seinem 1921 veröffentlichten Buch Il domino dell’aria, welches 1935 unter dem Titel Luftherrschaft auch in deutscher Sprache erschien , offen folgende Meinung: Der Krieg ist nunmehr unterschiedslos gegen das gesamte Feindgebiet zu führen, ohne Beschränkung der erlaubten Ziele und Mittel, also auch mit Flächen-, Gas-, Großangriffen[82]. Weiterhin führt er aus:

Der Krieg ist stets unmenschlich. Die Mittel, die in ihm Verwendung finden werden ausschließlich nach ihren Wirkungen unterschieden. Wer auf Tod und Leben kämpft - und anders kann man heutzutage nicht mehr kämpfen -, der hat das heilige Recht, alle vorhandenen Mittel einzusetzen, um nicht selbst zugrunde zu gehen. Sich in den Untergang des eigenen Volkes schicken, um nicht gegen irgendwelche papierenen Konventionen zu verstoßen, wäre Wahnsinn. (...) Als entscheidender Wehrmachtsteil ist die Luftwaffe einzusetzen, die in selbständigem, zusammengefaßtem und rollendem Einsatz das Kriegspotential des Gegners und den Kampfwillen seiner Bewohner zerschmettert[83].

Douhets Theorie impliziert die Erringung der Luftherrschaft über dem Territorium des Gegners. Diese kann jedoch nur als sicher angenommen werden, wenn zuvor die Luftstreitkräfte des Feindes durch einen Präventivschlag zerstört oder zumindest stark geschwächt sind[84]. Die Luftherrschaft über dem eigenen Territorium zu verlieren hieße, den Krieg zu verlieren - zumindest dieser Punkt der Douhet ’schen Theorie sollte sich voll und ganz bewahrheiten. In der Folgezeit bildeten sich unter den Anhängern dieser Theorie zwei Gruppen heraus, zum einen Douhetisten, welche Douhets Vorstellungen Eins zu Eins übernahmen und zum anderen die gemäßigten Douhetisten, welche zwar die besonderen strategischen Fähigkeiten der Luftwaffe hervorhoben, diese aber nicht den anderen Truppengattungen überordneten.

Obgleich Trenchard im Gegensatz zu Douhet nicht direkt von Angriffen auf Zivilisten spricht, ist eine weitgehende Übereinstimmung beider Theorien nicht von der Hand zu weisen. Jedoch sieht Douhet die Luftstreitkraft als wichtigsten Teil der Armee an, Trenchard hingegen als gleichrangig. Weiterhin sieht letzterer den größten Effekt nicht in der unmittelbaren Zerstörung, sondern vielmehr in den demoralisierenden Auswirkungen. Dennoch scheinen diese Theorien gewissermaßen den Zeitgeist der Luftkriegsüberlegungen in den Zwischenkriegsjahren widerzuspiegeln.

Die hieraus resultierende Konsequenz gleicht einem Teufelskreis: ist ein Rüstungsbetrieb erst einmal in das Visier der Bomberstaffeln geraten, folgen alsbald die Zulieferindustrien bis hin zum Hersteller von Kleinstteilen, welche in irgendeiner Weise zur Herstellung von Rüstungsgütern benötigt werden könnten. Den nächsten Schritt der Bombenspirale stellen die in diesen Betrieben beschäftigten Industriearbeiter dar, gefolgt von den umliegenden Stadtbezirken bis schließlich hin zum gesamten Stadtgebiet. Trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung war sicherlich die Bombardierung solcher Städte, welche keinerlei Rüstungsrelevanz aufwiesen, wie etwa die Schmuck- und Uhrenstadt Pforzheim[85].

Doch in welcher Weise fanden solche Theorien Eingang in die offiziellen Luftkriegsdoktrinen der großen Luftstreitkräfte? Zunächst scheint es sinnvoll, einen Blick auf jene weltweit erste unabhängige Luftwaffe zu werfen, der Royal Air Force, welche sich am 1. April 1918 aus dem Royal Navy Air Service und dem Royal Flying Corps zusammenschloss[86]. Es versteht sich von selbst, dass die offizielle Luftkriegsdoktrin der RAF entscheidend von Hugh Trenchard geprägt wurde. Diese - wie auch von Douhet geforderte - Selbständigkeit war die Grundvoraussetzung für die künftigen strategischen Aufgaben. Es ist kein Zufall, dass diese Überlegungen gerade in England auf fruchtbaren Boden fielen, schienen sich doch einzig durch Angriffe aus der Luft militärische Schläge aus dem durch seine Insellage isolierten Königreich gegen einen Gegner auf dem Festland durchführen zu lassen. Zudem traumatisierten die Luftangriffe des Ersten Weltkrieges durch deutsche Riesen -Bomber das sich bis dato sichergeglaubte britische Volk. Die logische Konsequenz hieraus war der Aufbau einer schlagkräftigen Bomberflotte. Die Bewunderung dieser Waffe ging sogar soweit, dass der Begriff vom Bombertraum geprägt wurde; dieses Wunschdenken ging - ganz im Sinne des strategischen Luftkriegsgedankens[87] - davon aus, dass eine Feindnation ohne den Einsatz von Bodentruppen besiegt werden könne, wodurch der Bomber als Retter der Insel hochstilisiert wurde[88]. Ein weiterer Irrtum der Zwischenkriegszeit war folgende Annahme: Der Bomber kommt immer durch. Die einzige Verteidigung ist der Angriff, und das bedeutet, daß man mehr Frauen und Kinder schneller töten muß als der Feind, um sich selbst zu retten - eine Fehleinschätzung basierend auf der niedrigen Geschwindigkeit der damaligen Jäger. Geprägt wurde diese Aussage vom damaligen britischen Premierminister Baldwin[89]. Weil folglich eine Verteidigung des eigenen Luftraumes als unmöglich oder zumindest als sehr schwierig angenommen wurde, lag das Hauptaugenmerk der RAF in diesen Jahren auf der Bomber - und nicht der defensiven Jägerflotte.

Da eine der Kernaussagen der Trenchard Doktrin die Flächenbombardierung ist, verwundert es kaum, dass die RAF in den folgenden Jahren nur wenig Wert darauf legte, die Präzision ihrer Bomberwaffe zu verfeinern - ein gutes Pferd springt eben nur so hoch es muss. Der gleichen Argumentation folgend wurde auch der Terminus des militärischen Ziels nicht unnötig definiert[90]. Die britische Luftkriegsdoktrin manifestierte sich in der Air Publication 1300, Royal Air Force War Manual, Part I: Operations aus dem Jahre 1928:

Die Willenskraft einer Nation ist die Grundlage all ihrer Kriegsanstrengungen, denn durch den Willen des Volkes wird die Regierung ermächtigt, die anderen Kraftquellen für die Kriegsführung einzusetzen (...) Eine Nation ist geschlagen, wenn Volk oder Regierung keinen eigenen Willen zur Verfolgung ihres Kriegszieles mehr haben[91].

Die Moral bzw. den Widerstandswillen zu brechen, war demnach das Hauptziel der RAF, welches nur durch strategische Angriffe erreicht werden konnte. Jedoch waren diese Überlegungen zunächst nur theoretischer Natur. Wie der Ernstfall aussehen würde, wusste niemand, man war sich aber sicher, dass ein offensives Vorgehen dieser Art ähnliche Gegenmaßnahmen des Feindes hervorrufen würde, zumal gerade die deutsche Luftwaffe einen erheblichen Rüstungsvorsprung aufzuweisen schien. Dies hatte zur Folge, dass der britischen Jägerproduktion vor Kriegsbeginn kurzfristig Priorität gegenüber der Bomberproduktion eingeräumt worden war[92].

Auch die deutsche Luftwaffe zog ihre Konsequenzen aus den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges. Allerdings standen hier die Vorzeichen ein wenig anders als bei den anderen Nationen. Im Gegensatz zur isolierten Insellage Großbritanniens barg die zentrale Situierung des Deutschen Reiches mannigfaltige Angriffspunkte. Die Schlussfolgerung war dessen ungeachtet ähnlich jener der RAF: nur durch eine starke Luftwaffe konnte die eigene Sicherheit gewährleistet werden. Dies sagt jedoch noch nichts über den beabsichtigten Einsatzbereich der Bomber aus. Eine Luftkriegsstrategie nach den Vorstellungen Douhets, so war den deutschen Militärs schon zur damaligen Zeit bewusst, hätte sich für das Deutsche Reich nur als kontraproduktiv erweisen können. Dennoch waren zu Beginn des Dritten Reiches gewisse Douhet’ sche Züge in der neuen Luftwaffe verbreitet, allerdings wichen diese bald taktisch-operativen Gedanken. Da es geostrategisch als unmöglich galt, Deutschland im Luftkrieg zu verteidigen, musste der Gegner durch offensives Vorgehen am Eindringen in den deutschen Luftraum gehindert werden – soweit stimmt das Konzept mit Douhets Theorie überein. Um dieses Ziel zu erreichen, bedurfte es jedoch mittlerer, zweimotoriger Bomber, welche mit der Unterstützung des Heeres in der Lage waren, den Feind außerhalb der eigenen Grenzen zu bekämpfen. Schwere viermotorige Bomber, wie sie von den Briten favorisiert wurden, passten daher nicht in das deutsche Konzept für ressourcenschonende Bodenkriege von kurzer Dauer im direkten Umland - zumindest nicht solange, bis eine gesicherte Stellung innerhalb des europäischen Kontinents erreicht worden war. Doch zu diesem frühen Zeitpunkt, konnte die Luftwaffenführung nicht ahnen, wie sich die Situation nur wenige Jahre später darstellen sollte. Der eindrucksvollste Beweis für diese These ist wohl die Entwicklung des Sturzkampfbombers Ju 87, welcher bis heute als eine der schrecklichsten Waffen des Zweiten Weltkrieges gilt - allerdings zu unrecht. Das Prinzip des Sturzkampfbombers war, durch einen parabelförmigen Anflug die mitgeführten Bomben so zielgenau wie möglich zu plazieren. Streuungen wie sie bei herkömmlichen, horizontal fliegenden Bombern auftraten, waren physikalisch ausgeschlossen. Die Schrecklichkeit wurde wohl eher auf die am Rumpf montierte Sirene zurückgeführt, welche eine nicht zu unterschätzende psychologische Wirkung auf den Gegner hatte. Die Gründe für diese Art der Luftkriegsführung waren zum Teil sicherlich wirtschaftlicher Natur - durch den Einsatz kleiner, taktischer Bomber wurden in zweierlei Hinsicht, am Bomber und der Bombe, knappe Rohstoffe eingespart - aber ebenso humaner Natur. In der Luftwaffendruckvorlage über Luftkriegführung, also der offiziellen Luftkriegsdoktrin, heißt es diesbezüglich:

Die eigene Wehrmacht und das eigene Land sind ständig durch die feindliche Luftwaffe bedroht. Dieser Gefahr kann durch die Verteidigung im eigenen Land allein niemals genügend begegnet werden. Die Luftgefährdung des eigenen Landes zwingt von Kriegsbeginn an zu offensivem Einsatz von Kampfkräften gegen die Luftwaffe des Gegners im Feindgebiet[93].

An anderer Stelle heißt es zudem:

Der Angriff auf Städte zum Zweck des Terrors gegen die Zivilbevölkerung ist grundsätzlich abzulehnen. Erfolgen aber trotzdem Terrorangriffe durch einen Gegner auf schutz- und wehrlose offene Städte, so können Vergeltungsangriffe das einzige Mittel sein, den Gegner von dieser brutalen Art der Luftkriegsführung abzubringen. Die Wahl des Zeitpunktes wird vor allem durch das Vorausgehen eines feindlichen Terrorangriffes bestimmt. Der Angriff muß in jedem Fall klar den Vergeltungscharakter zum Ausdruck bringen[94].

Zudem sollten Angriffe auf die Kraftquellen des Feindes nur dann in Betracht gezogen werden, wenn sie eine rasche Auswirkung auf das Frontgeschehen nach sich ziehen würden[95]. Die Ausrichtung der Luftwaffe war demnach offensiv und auf einen kurzen Kriegsverlauf ausgerichtet und kann daher nicht als strategisch eingestuft werden, auch wenn Hitler schon allein aus außenpolitischen Gesichtpunkten eine strategische Luftstreitkraft lieber gewesen sein dürfte und er einem solchen Eindruck in der Weltöffentlichkeit gewiss nicht entgegenwirken wollte.

Die Luftkriegsdoktrin der United States Army Air Force (USAAF), die Bezeichnung dokumentiert bereits die Abhängigkeit von der Armee, wurde entscheidend geprägt vom Kommandeur der US-Luftstreitkräfte in Frankreich im Jahre 1918, Billy Mitchell. Ihm war Douhet persönlich bekannt, doch entwickelte er seine Theorie unabhängig. Zwar sah auch Mitchell die strategischen Möglichkeiten der Luftstreitkraft, doch galt es nicht die Moral der feindlichen Bevölkerung zu treffen, sondern greifbare Ziele, wie etwa die Industrie des Gegners. Da sich für die USA erst gegen Ende der dreißiger Jahre die potentiellen Feinde Japan und Deutschland herauskristallisierten, wurden Bomber zunächst als Defensivwaffe gegen Schiffziele entwickelt, also gegen Präzisionsziele. Boog erklärt dies darüber hinaus mit Wild-West-Mentalität der US-Amerikaner, nach welcher der erste Schuss treffen müsse. In der Tat hielten sich die USAAF bei ihren Luftangriffe zu Beginn ihrer Einsätze an diese Maximen, doch näherten sich diese gegen Kriegsende denen der RAF an.

Natürlich besteht immer ein Unterscheid zwischen Theorie und Praxis, es ist ein weit größerer Schritt etwas durchzuführen, als es lediglich anzukündigen. Wie sich der für die deutsche Städtelandschaft so verhängnisvolle Wechsel vom taktischen zum strategischen Luftkrieg in der Praxis vollziehen konnte, soll Gegenstand der folgenden Kapitel sein. Die Tatsache, dass sowohl die Bevölkerungen als auch die Parlamente und Streitkräfte aller großen europäischen Mächte, die erwähnten Theorien bis auf einige wenige Versuche nicht energisch ablehnten und dagegen vorgingen, sondern diese mittrugen[96], sollte sich als ein beschleunigender Faktor erweisen.

2.3 Vergebliche Versuche einer Luftkriegsregelung

Trotz der Popularität jener Luftkriegstheorien gab es zur gleichen Zeit auch gegenläufige Tendenzen. Bereits im Jahre 1919 wurde auf der Pariser Luftfahrtkonferenz ein neues Luftrecht beraten, es konnte jedoch nur ein ziviles Reglement verabschiedet werden. Nur wenige Jahre später tagte die sogenannte Juristenkommission des Völkerbundes zwecks des Entwurfes einer Haager Luftkriegsordnung. Vom 11.12.1922 bis zum 6.3.1923 berieten sich unter der Leitung von J. B. Moores Fachleute aus England, Frankreich, Holland, Italien, Japan sowie den USA über eine solche Reglementierung. Der daraus resultierende Entwurf der Haager Luftkriegsregeln (HLKR) wurde jedoch von keiner beteiligten Nation angenommen, mit der Konsequenz, dass dieser nicht in das geltende Völkerrecht integriert wurde[97].

Auch das Internationale Rote Kreuz nahm sich der Angelegenheit an. Ein von dieser Organisation beauftragtes Komitee, bestehend aus acht Experten, namentlich Hammerskjöld (Schweden), MacDonough (England), Royse (USA), Scialoja (Italien), Sibert (Frankreich), Simons (Deutschland), von Eysinga (Holland) sowie Züblin (Schweiz), legte nach einjähriger Arbeit im Jahre 1930 in Genf eine Ausarbeitung mit dem Titel La protection des populations civiles contre les bombardements vor, welche ausdrücklich den Ausrottungskrieg aus der Luft ablehnt und ausschließlich militärische Einrichtungen innerhalb des Kampfgebietes als erlaubte Ziele anerkannte. Doch auch dieses Mal sah sich keines der beteiligten Länder zur Bindung an diese Regeln veranlasst.

Zwischen 1932 und 1934 tagte zudem die vorbereitende Abrüstungskonferenz des Völkerbundes. Frankreich, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und das Deutsche Reich reichten verschiedene Anträge ein, welche allesamt abgelehnt wurden. Der deutsche Vorschlag sah vor, jeglichen Kampfmittelabwurf aus Flugzeugen zu untersagen, ebenso die Vorbereitung zum Luftkrieg. Der französische Antrag forderte eine Abschaffung aller Bombenflugzeuge, in einer späteren Version die Schaffung einer multinationalen Luftwaffe unter einem Völkerbundsmandat; der britische Vorschlag zielte auf eine Begrenzung des Gewichtes und der Anzahl von Luftfahrzeugen ab sowie auf die Beschränkung von Luftangriffen auf militärische Objekte. Zivilisten sollten unter keinen Umständen angegriffen werden[98].

1934 arbeitete eine Kommission aus Mitgliedern des ständigen Komitees der Militärärzte und Juristen in Monaco einen Vorentwurf eines Abkommens über den Schutz des menschlichen Lebens im Kriege. Da dieses ebenso wie die HLKR das militärische Objekt nicht näher definierte, kam es nicht über den Status eines Entwurfes hinaus[99].

Selbst Hitler strebte ab 1935 nach einer Luftkriegsregelung, welche die Beschränkung des Bombenkrieges auf das Operationsgebiet des Heeres und der Marine vorsah[100]. Am 21. Mai erklärte er vor dem Reichstag, dass die deutsche Regierung bereit sei, über ein Verbot von Waffen, welche die Zivilbevölkerung besonders gefährden, einschließlich der Bomber, ein Verbot von Gas-, Brand- und Sprengbomben außerhalb der Kampfzone, Verhandlungen zu führen. In einer Note an die britische Regierung vom 1. April 1936 schlug er die Konstituierung einer Konferenz vor, welche über ein Verbot des Abwurfes von Bomben jeglicher Art auf offene Ortschaften außerhalb der Reichweite mittelschwerer Artillerie beschließen sollte[101]. Die ablehnende englische Haltung diesem Vorschlag gegenüber verwundert aber nicht weiter, da dieser den Spielraum aus Sicht der RAF unnötig eingeschränkt hätte, zumal Deutschland aufgrund der geographischen Lage weitaus verwundbarer war als England. Im März 1936 versuchte die deutsche Regierung mit einem Memorandum, eine Luftkriegsordnung zu vereinbaren, nach welcher jedwedes Bombardieren von offenen Städten untersagt werden sollte. Jedoch blieb auch dieser Schritt erfolglos[102].

Erst nach den im Folgenden beschriebenen Zivilbombardements, vor allem im spanischen Bürgerkrieg, entstand kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eine gegenläufige Bewegung. Am 5. Oktober 1937 äußerte sich der US-amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt gegen Luftangriffe auf Frauen und Kinder. Rund fünf Monate später, am 28. Februar 1938, wandte sich der mexikanische Präsident Cardenas an die Weltöffentlichkeit mit dem Appell, Bombenangriffe zu verhindern[103].

In der Folgezeit befürworteten weitere Nationen diese Haltung, auch jene, welche sich zuvor wenig um die Rechte der Zivilbevölkerung bei ihren Luftangriffen gekümmert hatten. Es schien, als sei endlich ein Durchbruch auf dem Gebiet des Zivilschutzes erreicht worden.

Einen letzten Versuch einer verbindlichen Regelung stellt die Entschließung der Völkerbundversammlung vom 30.9.1938 dar. Diese sollte folgende Grundsätze beinhalten:

1. Die beabsichtigte Bombardierung der Zivilbevölkerung ist rechtswidrig.
2. Die aus der Höhe der Lüfte ins Auge gefassten Ziele müssen berechtigte militärische Ziele darstellen und festgestellt werden können.
3. Jeder Angriff gegen berechtigte militärische Ziele muss so durchgeführt werden, dass die Zivilbevölkerung der Nachbarschaft nicht durch Fahrlässigkeit bombardiert wird[104].

Doch erneut scheiterte das Vorhaben an der unzureichenden Definition des militärischen Objektes.

2.4 Der Einsatz von Bombern gegen Kolonialvölker

In der Geschichtsschreibung wird häufig der Einsatz von Bombern gegen Kolonialvölker unterschlagen. Dies dürfte an der einfachen Tatsache liegen, dass diese zur damaligen Zeit als unzivilisiert galten. Brutales Vorgehen gegen vermeintliche Halbwilde war für die Weltöffentlichkeit nicht von Interesse, zumal nahezu alle Kolonialmächte solcherlei Vorgehen tolerierten, wenn nicht sogar praktizierten. Die Disziplinierung aus der Luft war weitaus kostengünstiger als der Einsatz von Bodentruppen, ein Konsens unter den Kolonialmächten war daher schnell gefunden. Wie aber sahen diese Luftangriffe aus?

Bereits acht Jahre nach der Erfindung des Motorflugzeuges wurde die erste Bombe aus einem solchen abgeworfen. Der italienische Leutnant Giulio Cavotti führte diesen historischen Akt beim Angriff auf Araber in Libyen durch[105]. In der Folgezeit erfreute sich diese Taktik wachsender Beliebtheit bei anderen Kolonialmächten. 1912 bombardierten Franzosen in Marokko, Spanier an gleicher Stelle im Jahre 1913. Die Briten wandten Luftangriffe zwischen 1915 und 1920 gegen Aufständische in Indien, Ägypten, Afghanistan, Somaliland und dem Iran an, die Südafrikaner gegen die Hottentotten, die Franzosen wiederum gegen die Stadt Damaskus, der Hauptstadt des damals unter Völkerbundsmandat stehenden Syriens. Dabei wurden große Teile der Stadt zerstört, 1000 Menschen kamen ums Leben. Auch die demokratischen Vereinigten Staaten von Amerika bombardierten revoltierende Bauern in Nicaragua[106].

Ziel der Luftangriffe war primär die Durchsetzung der Interessen der Kolonialherren. Vor der Durchführung der Luftangriffe wurden diese jedoch häufig angekündigt. Die Konsequenz war entweder das sofortige Einlenken der Bevölkerung oder die Flucht zu benachbarten Stämmen, welche naturgemäß nur höchst ungern ihre Nahrung teilten und somit dazu beitrugen, die Störenfriede zur Kooperation zu bewegen[107]. Das normale Leben der feindlichen Bevölkerung in einem solchen Maße zu stören, daß ihr die Fortsetzung der Feinseligkeiten untragbar erscheint – war die Intention der offiziellen Dienstvorschrift[108] . Es sollte sich bald herausstellen, dass die Alliierten auch das deutsche Volk durch diese Art der Bestrafung zur Räson zu bringen versuchten, obgleich Freiherr von B ülow, damaliger Fliegervizekommodore, bereits 1934 voraussagte, dass die Ergebnisse jener Angriffe auf unkultivierte Völker kaum auf europäische Kriegsschauplätze zu übertragen seien[109].

2.5 Die Bombardierung Guernicas

Die Auswirkungen des spanischen Bürgerkrieges, welcher infolge der Ermordung des Monarchistenführers José Calvo Sotelo am 13. Juli 1936 ausbrach und bis zum 1. April 1939 andauerte, blieben nicht auf die Iberische Halbinsel beschränkt. Europäische Großmächte wie Deutschland, Italien und die Sowjetunion nutzen die Gelegenheit, um ihre Waffensysteme für den erwarteten Ernstfall zu testen. Das Deutsche Reich unterstützte die Aufständischen um General Francisco Franco Bahamonde mit der Legion Condor.

Besondere Bedeutung im Kontext des Bombenkrieges sollte der baskischen Kleinstadt Guernica zukommen, welche am 26. April 1937 im Zuge einer Offensive der Legion Condor von Luftwaffenverbänden angegriffen wurde. Die Gründe für dieses Vorgehen werden bis heute kontrovers diskutiert. Die Darstellungen reichen von einem wahllosen Angriff auf die unverteidigte und militärisch unbedeutende Stadt zur Erprobung der neuen Sturzkampfbomber[110], bis hin zu einem taktischen Angriff der Legion Condor auf eine vor dem Ort gelegene Brücke, welche aufgrund mangelnder Navigations- und Zielgeräte teilweise verfehlt und stattdessen das Stadtgebiet Guernicas getroffen wurde[111]. Der kommandierende Oberst Wolfram von Richthofen sprach zusätzlich von einer durch Qualm verursachten schlechten Bodensicht, welche die Unterscheidung von Brücke und Stadtgebiet unmöglich machte[112]. Wie Horst Boog in seinem Aufsatz zusammenfasst, bestätigt auch Hans-Henning Abendroth letztere Darstellung und fügt hinzu, dass durch die Zerstörung der besagten Brücke den republikanischen Truppen der Rückzugsweg nach Bilbao abgeschnitten werden sollte. Die Bombardierung der Stadt sei demnach ein Versehen gewesen[113]. Der amerikanische Historiker James S. Corum weist zusätzlich auf die angebliche Anwesenheit von mindestens zwei baskischen Bataillonen in der Stadt Guernica hin[114]. Träfe dies zu, so wäre der Angriff als taktischer Schlag einzuordnen, nicht aber als ein strategischer. Boog geht sogar soweit, die bisherigen Darstellungen als Propagandalegenden zu klassifizieren, deren Wirkung bis heute anhielte[115].

Die Opferzahl wird von Irving mit 90 registrierten Toten angegeben[116]. Die tatsächliche Zahl kann jedoch weit darüber liegen. Als unumstritten gilt, dass keine Sturzkampfbomber an dem Angriff beteiligt waren. Was genau in Guernica passierte, kann an dieser Stelle nicht erörtert werden, da derartige Ausführungen den Rahmen der Arbeit sprengen würden. Wichtig für die weitere Entwicklung ist vielmehr der Mythos, welcher sich fortan um diese Stadt rankte. Die Bombardierung Guernicas gilt seither als Beginn des strategischen Luftkrieges, die ethische Schwelle zum wahllosen Bombenangriff auf Zivilisten schien seither überschritten.

Dieser Mythos wird zudem durch einen noch weiter zurückliegenden Aspekt der spanischen bzw. der baskischen Geschichte genährt: im Mittelalter mussten hier die spanischen Könige schwören, die Rechte der Basken zu respektieren. Darüber hinaus schuf Pablo Picasso das weltberühmte Antikriegsgemälde La muerte de Guernica, zu Deutsch: Der Tod von Guernica, welches diesen Bombenangriff thematisiert und 1937 auf der Weltausstellung in Paris im spanischen Pavillon erstmals öffentlich ausgestellt wurde.

Die Verbindung dieser Elemente führte dazu, dass der Name der baskischen Kleinstadt bis heute als Symbol für die Schrecken des Luftkrieges gilt. Doch ahnte zu jener Zeit noch niemand, welche Schrecken noch folgen sollten.

2.6 Die völkerrechtliche Lage zu Beginn des Krieges

Da die Zwischenkriegszeit keinen Durchbruch in bezug auf den Schutz von Zivilisten bzw. die Definition von militärischen Objekten hervorbrachte, schienen die Bevölkerungen sowie die Regierungen allmählich den Luftkrieg gegen Städte als legitimes Mittel der Kriegsführung akzeptiert zu haben. Doch noch immer galten Zivilisten als Nichtkombattanten und durften demnach nicht als Ziel militärischer Handlungen gelten. Nur setzte sich, wie oben beschrieben, immer mehr die Haltung durch, ein zukünftiger Krieg mache die Bombardierung von ganzen Städten unabdingbar. Die angesprochenen Luftschutzübungen führten zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl bei der Stadtbevölkerung, jedoch auch zu einer gewissen Abstumpfung; niemand konnte ahnen, wie der künftige Luftkrieg wirklich aussehen würde. Wie aber sah die völkerrechtliche Situation vor Kriegsbeginn aus?

Der Volks-Brockhaus aus dem Jahre 1938 definiert den Begriff des Völkerrechtes folgendermaßen:

Völkerrecht, die Rechtsgrundsätze zur Regelung der gegenseitigen Beziehungen zwischen Kulturstaaten. Sie werden durch zwischenstaatliche Vereinbarungen oder durch Gewohnheit geschaffen.(...)[117]

Diese Definition verdeutlicht, dass man sich das Völkerrecht keineswegs als in seiner Gesamtheit abgedrucktes und im Buchhandel zu erwerbendes Dokument handelt. Von entscheidender Bedeutung ist hier das Rechtsinstitut des Gewohnheitsrechtes, welches gleichrangig neben schriftlichen Vereinbarungen existiert. Es muss zudem zwischen dem zivilen Völkerecht und dem Kriegsvölkerrecht unterschieden werden. Das wohl am häufigsten zitierte Dokument des Kriegsvölkerrechts ist die Haager Landkriegsordnung (HLKO), welche1899 von der Haager Friedenskonferenz geschaffen und 1907 erweitert wurde. Die HLKO formuliert die Gesetze und Gebräuche des Landkrieges, sie definiert den Begriff des Kriegsführenden, den gesetzlichen Status der Kriegsgefangenen sowie die Rechtsstellung der Spione und Parlamentäre. Wie der Name schon vermuten lässt, beinhaltet dieses Werk keinerlei Regelungen in bezug auf den Luftkrieg und kann daher nur begrenzt auf diesen übertragen werden. Wie oben erwähnt, scheiterte der Versuch zur Verabschiedung einer Haager Luftkriegsregelung (HLKR) im Jahr 1923 (s. Kapitel 2.2). Völkerrechtlich bindend blieb daher lediglich die HLKO. Als für den Luftkrieg entscheidend erwies sich der Artikel 25 HLKO, der da lautet:

Es ist untersagt, unverteidigte Städte, Dörfer, Wohnstätten und Gebäude, mit welchen Mitteln es auch sei, anzugreifen oder zu beschießen.[118]

Da keine andere Definition vorhanden war, wurde die Bombardierung aus der Luft dem konventionellen Artilleriefeuer gleichgestellt, sodass der Begriff vertikale Artillerie geprägt wurde. Artikel 3 der HLKO regelt die Trennung von den kämpfenden Bevölkerungsteilen, den Kombattanten - nur diese allein waren völkerrechtlich zur Durchführung militärischer Handlungen berechtigt - und den zivilen Nichtkombattanten. Zudem wird zwischen offenen und befestigten Städten unterschieden. Erstgenannte sind unverteidigt und dürfen somit nicht als militärisches Ziel von Artillerie beschossen werden. Befestigte Städte hingegen gelten als verteidigt und dürfen mit Artillerie und dementsprechend auch mit Flugzeugen im Zuge von Bodenoperationen angegriffen werden. Weiterhin besteht ein entscheidender Unterschied zwischen dem ius ad bellum und dem Kriegsvölkerrecht, dem ius in bellum[119]. Erstgenanntes Recht bezieht sich auf die Entstehung eines Konfliktes, welcher in der Regel mit einer Kriegserklärung seinen Anfang nimmt. Das ius in bellum hingegen regelt Konflikte, die bereits ausgetragen werden. Ein Bruch des ius ad bellum impliziert demnach nicht zwangsläufig einen Bruch des ius in bellum.

Die Misere des Luftkrieges liegt nun darin, dass zivile Nichtkombattanten gewöhnlich auch in befestigten Städten leben und somit eben doch zumindest passiv am Kriegsgeschehen teilnehmen. Natürlich bestünde die Möglichkeit, die Heimatstadt zu verlassen, wie in alliierten Flugblättern immer wieder gefordert (s. Abb. 1 im Anhang), doch war dies in der Praxis im Gegensatz zu den Städten und Dörfern der Kolonialvölker gerade in Deutschland und hier insbesondere im Ruhrgebiet, nicht durchführbar - zu groß war die Bevölkerungsdichte und damit die betroffenen Menschenmassen. Dieser Umstand war den Alliierten natürlich bewusst, demnach sind erwähnte Flugblätter lediglich als moralische Rechtfertigung zu verstehen.

Eine Ausnahme im Völkerrecht stellten, wie schon im Ersten Weltkrieg praktiziert, Luftangriffe als Repressalie dar. Allerdings musste dieser Charakter klar zu erkennen sein und im Verhältnis zum Ursprungsvorfall stehen[120].

Es bleibt also festzuhalten, dass kriegsvölkerrechtlich, wenn auch nicht moralisch, die Bombardierung befestigter Städte unter taktischen Gesichtspunkten durchaus zum Spielraum militärischer Erwägungen zählte, obgleich die Zivilbevölkerung zu den Nichtkombattanten zu rechnen war. Für den nun folgenden Zweiten Weltkrieg und die zuvor, vor allem auf britischer Seite, geplanten strategischen Bombardierungen, ergab sich nun das Problem der Definition des militärischen Zieles. Ein Betrieb, welcher Rüstungsendprodukte wie etwa Panzer oder Flugzuge fertigte, wurde von allen Nationen als ein solches angesehen, doch schieden sich die Geister, sobald die Zulieferindustrien in den Fokus des Interesses rückten. Da diese in nahezu jeder größeren Stadt ansässig waren, bedeutete eine Einordnung als militärisches Ziel, dass nun die umgebende Stadt nicht mehr den Status offen, sondern befestigt inne hatte, was wiederum kriegsvölkerrechtlich deren Bombardierung ermöglichen würde.

3 Der Wandel vom taktischen zum strategischen Luftkrieg

3.1 Die erste Phase: 1. September 1939 bis 10. Mai 1940

Noch vor Ausbruch des Krieges hatte Arthur Neville Chamberlain trotz der eindeutigen Zielsetzungen der Trenchard-Doktrin am 2. Juni 1938 im Unterhaus erklärt:[121]

Ich will hier eindeutig aussprechen, daß wir jede Erklärung, wonach es zu einer vorbedachten Politik gehöre, durch Demoralisierung der Zivilbevölkerung mit Bombenangriffen aus der Luft einen Krieg gewinnen zu wollen, gar nicht scharf genug verurteilen können. Das läuft dem Völkerrecht völlig zuwider und ist auch eine falsche Politik. Denn ich glaube nicht, daß man durch absichtliche Angriffe auf die Zivilbevölkerung jemals einen Krieg gewinnen kann[122].

Nach dem Beginn des Polenfeldzuges am 1. September 1939 und den darauf folgenden Kriegserklärungen von Frankreich und England an das Deutsche Reich am 3. September, verfasste der US-amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt eine Note an die kriegsführenden Parteien, in welcher er diese aufforderte, von Angriffen auf Zivilisten abzusehen. Diese wurde binnen kurzer Zeit von Hitler, Daladier und Chamberlain zustimmend beantwortet[123]. In der Erklärung Hitlers heißt es:

(...) daß es ein Gebot der Menschlichkeit ist, bei militärischen Aktionen unter allen Umständen den Abwurf von Bomben auf nichtmilitärische Objekte zu unterlassen (...). Meinerseits habe ich bereits in meiner heutigen Reichstagsrede öffentlich bekannt gegeben, daß die deutschen Luftstreitkräfte den Befehl erhalten haben, sich bei ihren Kampfhandlungen auf militärische Objekte zu beschränken. Es ist eine selbstverständliche Voraussetzung für die Aufrechterhaltung dieses Befehls, daß sich die gegnerischen Luftstreitkräfte an die gleiche Regel halten[124].

Die Aussichten für einen verhältnismäßig human geführten, völkerrechtskonformen Luftkrieg schienen auf allen Seiten gegeben. Doch nur zwei Wochen nach Kriegsbeginn schränkt Chamberlain seine moralischen Vorbehalte aus dem Vorjahr ein. In einer weiteren Erklärung vor dem britischen Unterhaus vom 15. September 1939 heißt es unter anderem:

Die Regierung Seiner Majestät wird niemals dazu übergehen, verzweifelte Angriffe auf Frauen und Kinder zum Zwecke des bloßen Terrors zu unternehmen. Indessen muß daran erinnert werden, daß unsere Strategie und Taktik in allen Phasen durch die alleinige Überlegung beschränkt wird, nämlich die wirkungsvollste Führung des Krieges[125].

Weitere neun Tage später, am 24. September 1939 widerrief der Chef des britischen Luftstabes zuvor veröffentlichte Erklärungen:

Angesichts der deutschen Handlungen in Polen sind wir nicht mehr an die Vorschriften des Luftfahrtministeriums vom 22. August gebunden; gleiches gilt für unsere Zustimmung zum Appell von Präsident Roosevelt. Unser Vorgehen wird jetzt nur noch von den Erwägungen der Zweckmäßigkeit bestimmt[126].

Es ist unbestritten, dass der Angriff auf die polnische Hauptstadt Warschau große Opfer unter der Zivilbevölkerung verursachte, allerdings fand dieser erst einen Tag nach dieser Verlautbarung, nämlich am 25. September 1939, statt. Es ist daher fraglich, ob diese Entscheidung tatsächlich auf Ereignisse in Polen zurückzuführen ist oder aber lediglich eine scheinbare Rechtfertigung darstellt, um sich für zukünftige militärische Handlungen alle Optionen offen halten zu können.

Erste militärische Handlungen fanden indessen schon einen Tag nach der britischen Kriegserklärung statt. Am 4. September flog die RAF Angriffe auf Schiffziele in Wilhelmshaven, allerdings ohne nennenswerten Erfolg, die einzigen Verluste bei diesem Angriff hatte die RAF selbst - von 29 eingesetzten Maschinen kehrte nur eine einzige nach England zurück[127]. Weitere Angriffe gegen Cuxhaven, Helgoland sowie den Nord-Ostsee-Kanal folgten am Tag darauf[128]. Zwischen Dezember 1939 und Januar 1940 flog die RAF im Rahmen der sogenannten Luftschlacht über der Deutschen Bucht Luftangriffe auf Helgoland, Sylt, Juist, Amrum und Borkum. Am 12. Januar fielen die ersten Bomben auf Westerland[129]. Bis April 1940 gingen zudem Bomben auf militärische Ziele auf Sylt, Süderoog und in Heiligenhafen nieder[130].

Die Luftwaffe flog am 13. November einen Angriff auf britische Flotteneinheiten in der Nähe der Shetland- und Orkneyinseln. Am 16. März 1940 wurden in der Bucht Scapa Flow, welche zwischen den genannten Inselgruppen liegt, ebenfalls Schiffe der britischen Flotte bombardiert[131].

Bei den erwähnten ersten Angriffen der RAF wurde bereits deutlich, dass die in der Vorkriegszeit angestellten Überlegungen bezüglich des Luftkrieges mehr Utopie als Realität waren. Die Theorie des Bombers, welcher ohne Jägerschutz bei Tageslicht in den feindlichen Luftraum eindringen, sein Ziel bekämpfen und anschließend sicher heimkehren könne, wurde rasch im deutschen Abwehrfeuer begraben. Die einzig logische Konsequenz war das Ausweichen auf Nachtangriffe, doch diese stellte die RAF vor neue Probleme: wie sollte ein Ziel angeflogen werden, welches nicht einmal sichtbar war? Nun rächten sich die Versäumnisse bei der Entwicklungsarbeit auf dem Navigationssektor. Bis zur effektiven Verwirklichung der britischen Luftkriegsdoktrin sollten noch viele Monate vergehen. Zur Vorbereitung wurde schon früh begonnen, des Nachts Propaganda-Flugblätter über deutschen Städten im Landesinneren abzuwerfen. Von deutscher Seite belächelt, dienten diese Flüge jedoch mitnichten der Gewinnung von Sympathisanten, sondern vielmehr der Abtastung von Verteidigungseinrichtungen im Landesinneren sowie dem Navigationstraining bei Nacht[132]. Göring äußerte sich diesbezüglich folgendermaßen:

Wenn sie jetzt des Nachts in riesigen Höhen ab und zu im deutschen Raum spazieren fliegen, um ihre lächerlichen Propagandazettel abzuwerfen, so habe ich eigentlich nichts dagegen. Wehe aber, wenn sie den Propagandazettel mit einer Bombe verwechseln sollten. Dann wird die Vergeltung keinen Augenblick auf sich warten lassen![133]

Die aufsehenerregendsten Bombardierungen dieser ersten Kriegsphase stellten zweifelsohne die Angriffe der Luftwaffe auf Warschau und Rotterdam dar, welche ähnlich wie der Angriff auf Guernica zum Sinnbild deutscher Grausamkeit gegenüber Zivilisten wurden. Was aber war wirklich geschehen? Wie oben in Kapitel 2 erörtert, durften nur verteidigte Städte im Zuge militärischer Aktionen aus der Luft angegriffen werden. Warschau war eine solche verteidigte Stadt inmitten der Gefechtszone und wurde zuvor fünfmal zur Kapitulation aufgefordert[134], wodurch die Haager Landkriegsordnung zum Tragen kam. Der Zweck des Angriffes war demnach militärisch, keinesfalls terroristisch, zumal die Kapitulation Warschaus mit jener ganz Polens gleichzusetzen war. Der Angriff auf Polen ohne vorherige Kriegserklärung stellte zweifellos eine völkerrechtswidrige Handlung in bezug auf das ius ad bellum dar, doch ist dies belanglos für den schweren Luftangriff der Luftwaffe am 25. September 1939 auf Warschau; dieser muss unter den Maximen des ius in bellum beurteilt werden, also dem Kriegsvölkerrecht, egal ob eine Partei den Krieg entfesselt hat oder aber in diesen hineingezogen wurde[135]. Dieser Umstand mag jedoch für jene Einwohner Warschaus, welche bei dem Angriff den Tod fanden, wenig tröstlich gewesen sein; das Völkerrecht kümmert sich dessen ungeachtet allerdings wenig um menschliche Einzelschicksale, obgleich zivile Opfer billigend in Kauf genommen wurden. Da zuvor bereits einige Bomberverbände zum Schutz der Westfront verlegt worden waren, wurde der Abwurf der Brandbomben mit dem zu diesem Zweck ungeeigneten Transportflugzeugen des Typs Ju 52 durchgeführt, wodurch die Präzision naturgemäß litt[136]. Es sollten aber noch Jahre vergehen, bevor es möglich war, die leichten Brandbomben wirklich gezielt abzuwerfen. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch deutsche Städte das Ziel.

Der Angriff auf die neutralen Niederlande stellte ebenso eine völkerrechtswidrige Handlung in bezug auf das ius ad bellum dar wie jener auf Polen, doch war auch der folgende Luftangriff der Luftwaffe auf Rotterdam am 14. Mai 1940 mit dem Kriegsvölkerrecht durchaus vereinbar, zumal auch dieser einen direkten militärischen Nutzen bezweckte, da durch die holländische Kapitulation entscheidende Kräfte zum Vorstoß über Sedan Richtung Kanalküste frei wurden. Der erschütternste Aspekt dieses Angriffes ist die mittlerweile anerkannte Tatsache, dass der Luftangriff kurz vor Ausführung abgebrochen werden sollte, da Rotterdam inzwischen kapituliert hattet, jedoch waren die Schleppantennen der deutschen Bomber zwecks des bevorstehenden Angriffes bereits eingezogen - der Befehl kam nicht durch. Weite Teile Rotterdams brannten daraufhin nieder.

Beide Angriffe wurden von der Weltöffentlichkeit mir Schrecken zur Kenntnis genommen, natürlich verstärkt durch Propagandaarbeit. So wurden in der britischen Presse die knapp 1000 Opfer Rotterdams kurzerhand zu 30.000 Opfern hochgesetzt[137]. Auch wenn es moralisch nicht nachvollziehbar ist, müssen beide Angriffe auf Warschau und Rotterdam, kriegsvölkerrechtlich als Angriffe auf militärische Ziele und somit als taktisch gewertet werden, da sie im Zuge von Bodenoperationen zur Erzwingung der Kapitulation durchgeführt wurden[138]. Ähnliches gilt für die Luftangriffe der RAF, welche zwar nicht der Unterstützung von Bodentruppen dienten, sich aber weder gegen offene Städte, noch gegen Zivilisten richteten.

Einen weiteren Aspekt, welcher beiden Städteangriffen gemein ist, stellt die Entstehung von Flächenbränden dar, obgleich im Gegensatz zu Warschau über Rotterdam keine Brandbomben abgeworfen wurden[139]. Jedoch sammelten die Luftstrategen anhand dieser Beispiele wertvolle Informationen bezüglich der Brennbarkeit von Wohnungen[140] - Informationen, die sich später bei den Angriffen auf deutsche Städte als ebenso nützlich wie verhängnisvoll erweisen sollten.

Obwohl der Angriff auf Rotterdam vom 14. Mai 1940 zeitlich gesehen zur zweiten Phase zählt, ist er von seinem Charakter noch zur ersten zu rechnen; eine auf den Tag genaue Einteilung ist bei solch komplexen Abläufen nicht immer möglich.

3.2 Die zweite Phase: 10. Mai 1940 bis 22. Februar 1942

Der 10. Mai 1940, ein Datum, welches in mehrfacher Hinsicht von historischer Relevanz ist, markiert es doch zum einen die Ernennung Winston Churchills zum britischen Premierminister, als welcher bereits einen Tag später, also am 11. Mai 1940, im Kabinett die Freigabe der Bombardierung des deutschen Hinterlandes durchsetzte[141], zum anderen kennzeichnet dieses Datum den Beginn der deutschen Westoffensive gegen Frankreich sowie die ersten gezielten Zivilbombardements des Krieges. Ein Mysterium stellte hierbei die Bombardierung Freiburgs im Breisgau dar. Lange herrschte Uneinigkeit darüber, wer diesen Angriff überhaupt durchgeführt hatte. Entgegen der Erklärungen Goebbels waren nach neuesten Erkenntnissen für den Angriff, welchem 22 Kinder zum Opfer fielen[142], allerdings nicht die englischen Luftgangster[143] verantwortlich, sondern drei verirrte deutsche Jagdbomber des Kampfgeschwaders 51, welche ihre Bomben anstatt über dem Flughafen der französischen Stadt Dole-Tavaux, versehentlich über Freiburg ausklinkten[144].

In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1940 fielen zudem die ersten Bomben auf Städte im Raum Aachen – Geldern – Kleve - Wesel, wobei auch Randbezirke Mönchengladbachs in Mitleidenschaft gezogen wurden. Hans Brunswick ordnet diese Angriffe allerdings, ebenso wie die vom 12. auf den 13. Mai auf Duisburg, Kaldenkirchen, Troisdorf, Zülpich und Schleiden, als auch den Luftschlag in der darauffolgenden Nacht auf Krefeld noch als taktisch ein, da es sich hier um Aufmarschgebiete der Heeresgruppe B gehandelt haben soll[145]. Erich Hampe hingegen, sieht bereits hier den Beginn der bewussten Bombardierung nichtmilitärischer Stadtziele[146]. In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai fielen vereinzelte Bomben auf Haldern, Goch, Dorsten, Olfen, Kamen, Oberhausen, Hattingen, Remscheid, Rheydt und Erkelenz, wodurch sechs Menschen getötet und 34 weitere verletzt wurden[147].

Die ersten strategischen Angriffe des Krieges erfolgten ebenfalls auf Ziele im Ruhrgebiet. Hierbei wurden Öllager und Eisenbahnziele ausgewählt[148]. In der Nacht vom 15. auf den 16. Mai flog die RAF Entlastungsangriffe auf das Reich, um den deutschen Vormarsch Richtung Kanal zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen. Dabei diente der tags zuvor durchgeführte Luftangriff der Luftwaffe auf Rotterdam lediglich als moralischer Vorwand[149]. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte diese keinerlei Angriffe gegen das britische Mutterland geflogen. Zur gleichen Zeit fanden jedoch die ersten Luftangriffe auf Dortmund, Essen, Hamm, Aachen, Hannover und andere Städte statt[150]. Erst am 5. Juni 1940 begannen deutsche Angriffe auf Flughäfen und Militäranlagen in Südengland[151]. Knapp einen Monat später, am 4. Juli 1940, wurden dann die ersten Bombeneinschläge im Raum München registriert. Am 8. August begann zur Vorbereitung der Operation Seelöwe - der geplanten Invasion der britischen Insel - die Luftschlacht um England. In der Weisung Nr. 17 für die Führung des Luft- und Seekrieges gegen England vom 1. August heißt es unter Punkt 1:

(...) Die Angriffe haben sich in erster Linie gegen die fliegenden Einheiten, ihre Bodenorganisation und Nachschubeinrichtungen, ferner gegen die Luftrüstungsindustrie einschließlich der Industrie zur Herstellung von Flakgerät zu richten.

[...]


[1] So oder ähnlich soll sich Göring bezüglich der Gefahr britischer bzw. alliierter Bombenangriffe am 9.8.1939 geäußert haben (Friedemann Bedürftig, Christian Zentner: Das große Lexikon des Dritten Reiches, München 1985, S. 379, Stichwort: Meier).

[2] Jörg Friedrich: Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945, 2. Aufl., München 2002, S.21.

[3] Der Zerstörungsgrad variiert je nach angelegtem Maßstab. So ist der Wert von 51% auf den Totalverlust von Wohnungen zurückzuführen, 91% aller Wohnungen wurden hingegen zu mehr als 20% beschädigt (s. Kapitel 7). Für den Altstadtbereich dürfte der Wert der Totalverluste im Wohnungssektor gar gegen 100% streben.

[4] Werner Dettmar: Die Zerstörung Kassels im Oktober 1943. Eine Dokumentation, Fuldabrück 1984, S. 141.

[5] Vgl. Erich Goerlitz/ Joachim Immisch (Hrsg): Zeitgeschichte. Von der Oktoberrevolution bis zur Gegenwart (Zeiten und Menschen Bd. 4) Paderborn 1985, 134.

[6] Spiegel Special 1/2003.

[7] Christoph Kucklick: Der Bombenkrieg gegen Deutschland, in: GEO. Verbrechen gegen die Deutschen. 02/2003, S. 120-139.

[8] Jörg Friedrich in einem Interview mit DIE WELT, welches am 21. November 2002 im Internet veröffentlicht wurde. Abgerufen am 17. September 2003 unter: http://www.welt.de/data/2002/11/21/17939.html?s=3

[9] Horst Boog: Bombenkrieg, Völkerrecht und Menschlichkeit im Luftkrieg, in: H. Poppel, W.-K. Prinz v. Preußen, K.-G. v. Hase (Hrsg.): Die Soldaten der Wehrmacht, 7. Aufl., München 2002, S. 261.

[10] Boog, Bombenkrieg, S. 260.

[11] Kucklick, S. 125.

[12] Friedrich in einer Lesung in der Kasseler Lutherkirche am 18. Februar 2003. Da Churchill als Kriegsgewinner nicht vor ein Kriegsgericht gestellt wurde, könne er folglich im juristischen Sinne auch kein Kriegsverbrecher sein.

[13] Olaf Groehler: Bombenkrieg gegen Deutschland, Berlin/Ost 1990.

[14] Ebend., S. 14f.

[15] Horst Boog (Hrsg.): The Conduct of the Air War in the Second World War. An International Comparison, Oxford 1992.

[16] David Irving: Und Deutschlands Städte starben nicht, Zürich 1963.

[17] Williamson Murray: War in the Air 1914-45, London 1999.

[18] Erhard Klöss (Hrsg.): Der Luftkrieg über Deutschland 1939-1959, München 1964.

[19] Franz Kurowski: Der Luftkrieg über Deutschland, Düsseldorf/ Wien 1977.

[20] Jochen von Lang: Krieg der Bomber, Dokumentationen eine deutschen Katastrophe, Berlin 1986.

[21] Alan J. Levine: The strategic Bombing of Germany, 1940-1945, Westport 1992.

[22] Robert Neillands : Der Krieg der Bomber. Arthur Harris und die Bomberoffensive der Alliierten 1939-1945, dt. Übers. V. Kurt Baudisch, Berlin 2002.

[23] Janusz Piekalkiewicz: Luftkrieg 1939-1945, München 1982.

[24] Hans Rumpf: Der hochrote Hahn, Darmstadt 1952.

[25] Sir Robert Saundby: Air Bombardement. The Story of its Development, New York 1961.

[26] Anthony Verrier: Bombenkrieg gegen Deutschland 1939-1945, Frankfurt a. M. 1970.

[27] Charels Webster, Noble Frankland: The strategic Air Offensive against Germany. 1939-1945, 4 Bde. London 1961.

[28] Leben in Ruinen. Kassel 1943-1948, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Kassel, Kassel 1993.

[29] Überlebensberichte. Der 22. Oktober 1943 in Protokollen der Vermisstensuchstelle des Oberbürgermeisters der Stadt Kassel, herausgegeben vom Magistrat der Stadt Kassel, Kassel 1993.

[30] Die Nacht als die Flut kam. Die Bombardierung der Edertalsperre 1943, 2. Auflage, Kassel 2003.

[31] Peter Jacobs: The Dambusters. A tribute to 617 Squadron Royal Air Force, Beilage des Lincolnshire Echos v. 9.2.1993.

[32] Gottfried Ganssauge: Die Baudenkmäler in Kassel, in: Kunstchronik, 5. Jg. 1952, H.4, S.85-92.

[33] Hartwig Beseler, Niels Gutschow (Hrsg.): Kriegsschicksale Deutscher Architektur. Verluste-Schäden-Wiederaufbau, 2 Bde 1980, Bd. 2, S. 856-886.

[34] Stadtarchiv Kassel, Bestände: S5 und S8.

[35] Alliierte Lauftangriffe auf Kassel im II. Weltkrieg, zusammengestellt von Werner Dettmar 1980, in: Stadtarchiv Kassel, Signatur: III B 22.

[36] Feuersturm über Hamburg, 3. Aufl., Stuttgart 1979.

[37] Max Domarus: Der Untergang des alten Würzburg und seine Vorgeschichte, 2. Aufl., Gerolzhofen 1955.

[38] Werner Eckel: Saarbrücken im Luftkrieg 1939-45, Saarbrücken 1985.

[39] Erich Heyn: Zerstörung und Aufbau der Stadt Essen, Bonn 1955.

[40] Eugen Lux: Die Luftangriffe auf Offenbach am Amin 1939-45 (Offenbacher Geschichtsblätter Nr. 21) Offenbach 1971.

[41] Peter Simon: Köln im Luftkrieg 1939-1945. Statistische Mitteilungen der Stadt Köln, 9. Jg. 1954, H. 2, S. 61-124.

[42] Horst Boog: Bombenkrieg, Völkerrecht und Menschlichkeit im Luftkrieg, in: H. Poppel, W.-K. Prinz v. Preußen, K.-G. v. Hase (Hrsg.): Die Soldaten der Wehrmacht, 7. Aufl., München 2002, S. 256-323.

[43] Hans-Henning Abendroth: Guernica. Ein fragwürdiges Symbol, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen, 41. Jg. 1987, S. 111-126.

[44] James S. Corum: The Luftwaffe and the Coalition Air War in Spain, 1936-1939, in: John Gooch (Hrsg.): The Journal of Strategic Studies, Special Issue on Air Power. Theory and Practice, Bd. 18, März 1995, Nr. 1, S. 71f.

[45] Winston S. Churchill: Thoughts and Adventures, London 1925. (deutsche Ausgabe: Gedanken und Abenteuer, 2. Aufl., Zürich 1944.)

[46] Giulio Douhet: Il domino dell’aria. Prohabili aspetti della guerra futura, Rom 1921. (deutsche Ausgabe: Luftherrschaft, Berlin 1935.)

[47] Wolf Daerr: Die Unterscheidung zwischen militärischen und zivilen Objekten im Recht des internationalen Konflikts, Dissertation, Bochum 1980.

[48] Hans Sperling: Die deutschen Luftkriegsverluste im Zweiten Weltkrieg, in: Wirtschaft und Statistik, 14. Jg. 1962, S. 139-141.

[49] Eberhard Spetzler: Luftkrieg und Menschlichkeit. Die Völkerrechtliche Stellung der Zivilpersonen im Luftkrieg, Göttingen 1956.

[50] David Irving: Von Guernica bis Vietnam. Die Leiden der Zivilbevölkerung im modernen Krieg, München 1985.

[51] Rudolf Laun (Hrsg.): Die Haager Landkriegsordnung. Das Übereinkommen über die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs, 3. Aufl., Wolfenbüttel/ Hannover 1947.

[52] Gerhard Donat: Die Leistungen der deutschen Rüstungsindustrie im 2. Weltkrieg, in: WWR, Heft 6, Juni 1967, 17. Jg.

[53] Werner Wolf: Luftangriffe auf die deutsche Industrie 1942-1945, München 1985.

[54] Bill Gunston: Die Flugzeige des 2. Weltkrieges. Rißzeichnungen, Mailand 1999.

[55] Werner Müller: Die schwere Flak 1933-1945. Mit den Ortungs- und Feuerleitgeräten, o.O.u.J.

[56] Erich Hampe: Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg. Dokumentation und Erfahrungsberichte über Aufbau und Einsatz, Frankfurt a. M. 1963.

[57] Uta Hohn: Die Zerstörung der deutschen Städte im Zweiten Weltkrieg. Regionale Unterschiede in der Bilanz der Wohnungstotalschäden und Folgen des Luftkrieges unter bevölkerungsgeographischem Aspekt, Dissertation, Dortmund 1991.

[58] United States Strategic Bombing Survey (USSBS). Summary Report (European War), 30.9.1945.

[59] The Strategic Air War against German 1939-1945. Report of British Bombing Survey Unit (BBSU), London 1998.

[60] Basil H. Liddell-Hart: The Revolution in Warfare, London 1946.

[61] John Slessor: The Central Blue. Recollections and Reflections, London 1956.

[62] John Terraine: The Right of the Line, London 1988.

[63] Neillands, S. 16.

[64] Klöss, S. 8.

[65] Alan J. Levine , S. 5. Siehe außerdem Kapitel 2.2.

[66] Neillands, S. 16.

[67] Klöss, S. 8.

[68] Kurowski, S. 10.

[69] Ebend., S. 12.

[70] Friedrich, S. 65.

[71] Dettmar, S. 16.

[72] Friedrich, S 67. Vgl. Auch Boog: Bombenkrieg, S. 261.

[73] Daerr, S.33.

[74] Boog, Bombenkrieg, S. 261.

[75] Webster/ Frankland, Bd. I, S. 4.

[76] Churchill, Gedanken und Abenteuer, S. 259f.

[77] Kurowski, S. 9.

[78] Hays Parks: Luftkrieg und Kriegsrecht, in: Horst Boog (Hrsg.): Luftkriegführung im Zweiten Weltkrieg. Ein internationaler Vergleich (Vorträge zur Militärgeschichte Bd. 12) Herford/ Bonn 1993, S. 239.

[79] Webster/ Frankland, Bd. I, S. 71ff.

[80] Friedrich, S. 68.

[81] Boog, Bombenkrieg, S. 265.

[82] Douhet, Luftherrschaft, S. 21ff.

[83] Kurowski, S. 11.

[84] Ebend., S. 10f.

[85] Friedrich, S. 111f.

[86] Kurowski, S. 9.

[87] Friedrich, S. 65.

[88] Boog, Bombenkrieg, S. 262.

[89] Boog, Bombenkrieg, S. 266. sowie Friedrich, S. 68.

[90] Ebend., S. 265.

[91] Ebend., S. 267.

[92] Ebend., S. 268.

[93] L.Div.16, Ziffer 1, Luftkriegführung, Berlin 1935. Zitiert nach Boog, Bombenkrieg, S. 276.

[94] L.Div.16, Ziffer 16., S. 277.

[95] Ebend., S. 279.

[96] Friedrich, S. 63.

[97] Kurowski, S. 12.

[98] Daerr, S. 22-25.

[99] Ebend., S. 17.

[100] Spetzler, S. 161, 267f. Zit. nach Boog, Bombenkrieg, S. 272.

[101] Daerr, S. 26.

[102] Hampe, S. 107.

[103] Kurowski, S. 17.

[104] Daerr, S. 30f.

[105] Kucklick, S 125.

[106] Kucklick, S 125.

[107] Boog, Bombenkrieg, S 263.

[108] Slessor, S. 263.

[109] Freiherr von Bülow: Die Rolle der Luftwaffen in einem zukünftigen Kriege, in: E. Hampe, E. Knipfer (Hrsg): Der Zivile Luftschutz, Berlin 1934, S. 17.

[110] Peter Bamm: Eines Menschen Zeit, Stuttgart 1972, S. 252.

[111] Wilfred von Oven: Hitler und der spanische Bürgerkrieg. Mission und Schicksal der Legion Condor, Tübingen 1978, S. 408.

[112] Irving: Göring, München, 1987, S 258.

[113] Abendroth, S. 260.

[114] Corum, S. 71f. Zit. nach Boog, Bombenkrieg, S. 260.

[115] Boog, Bombenkrieg, S. 260.

[116] Irving, Göring, S. 259.

[117] Der Volks-Brockhaus, A-Z, 6. Aufl., Leipzig 1938.

[118] Laun , S.85.

[119] Boog, Bombenkrieg, S. 256.

[120] Boog, Bombenkrieg, S. 277.

[121] Die folgende Einteilung der verschiedenen Luftkriegsphasen wurde von Uta Hohn übernommen. Auch Erich Hampe teilt den Luftkrieg in nahezu identische Phasen ein.

[122] Hampe, S. 107

[123] Ebend., S. 108.

[124] Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918-1945, Serie D, Baden-Baden/ Frankfurt a. M., Bde I-VIII, 1951/1961, Bd. VII, S 422f. (Nr. 530 u. 531). Zit. nach Max Domarus: Hitler. Reden du Proklamationen, S. 1323.

[125] Hampe, Der zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg, S. 108.

[126] Irving, Von Guernica bis Vietnam, S. 51

[127] Hampe, S. 109.

[128] Ebend.

[129] Hampe, S. 109.

[130] Ebend., S. 109f.

[131] Ebend., S. 110.

[132] Ebend., S. 110f.

[133] DNB.-Text v. 9.9.1939. Im Rundfunk übertragene Ansprache Görings vor den Arbeitern der Rheinmetall-Borsig-Werke in Berlin-Tegel. Zitiert nach Max Domarus: Bd. II: Untergang, Erster Halbband 1939-1940, Wiesbaden 1973, S. 1349.

[134] Boog, Bombenkrieg, S. 293.

[135] Ebend., S. 256.

[136] Ebend., S. 293.

[137] Boog, Bombenkrieg, S. 294.

[138] Friedrich, S. 64.

[139] Ebend., S. 64.

[140] Ebend.

[141] Hohn, S. 8.

[142] Irving, Und Deutschlands Städte starben nicht, S. 6.

[143] Wortschöpfung von Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels.

[144] Boog, Bombenkrieg, S. 293.

[145] Brunswick, S. 38. Zit. nach Hohn, S. 8.

[146] Hampe, S. 118.

[147] Ebend., S. 119.

[148] Janusz Piekalkiewicz, S. 149f. Zit. nach Hohn, S. 8.

[149] Boog, Bombenkrieg, S. 286.

[150] Kucklick, S. 128.

[151] Ebend., S. 129.

Details

Seiten
161
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638254892
ISBN (Buch)
9783640190461
Dateigröße
6.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22047
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Fachbereich 05
Note
2
Schlagworte
Flächenbombardierung Kriegsmittel Luftangriffe Kassel Zweiten Weltkrieg Bombardierung Luftkrieg

Autor

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Titel: Flächenbombardierung als Kriegsmittel