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Zur Konstitution von Interaktion (nach Mead) und die These von der konstituiven Rolle von Macht in Interaktionsprozessen (nach Butler)

Hausarbeit 2004 18 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

1. Gliederung

2. Einleitung

3. Hauptteil
3.1 Zur Konstitution von Interaktion nach George Herbert Mead
3.2 Über die konstituive Rolle von Macht in Interaktionsprozessen nach Judith Butler
3.3 Über die besondere Stellung der Kommunikation in der symbolischen Interaktion
3.4 Ist eine Interaktion ohne Machtgefüge denkbar?
3.4.1 Am Beispiel einer Bürgerinitiative

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

2. Einleitung

Die von mir im Folgenden verfasste Abhandlung unter dem Titel „Zur Konstitution von Interaktion (nach Mead) und die These von der konstituiven Rolle von Macht in Interaktionsprozessen (nach Butler)“ befasst sich mit zwei unterschiedlichen Ansätzen zur Erlangung einer Identität eines Individuums und der Erreichung einer gemeinschaftlichen Identität einer Gemeinschaft. Während George Herbert Mead die Bildung einer Identität hauptsächlich im Prozess der Interaktion und der damit gegenseitigen Beeinflussung sieht, geht Judith Butler davon aus, dass eine Identität sich nur auf der Grundlage der Unterwerfung eines Individuums unter eine gesellschaftliche Macht von außen ausbildet. Auch wenn diese Unterwerfung ein Prozess der Interaktion darstellt, speist sich die Identität ausschließlich aus der auf das Individuum einwirkenden Macht.

Im ersten Absatz des Hauptteils „Zur Konstitution von Interaktion nach George Herbert Mead“ werde ich auf die Interaktionsprozesse, in der sich auch die Machtprozesse nach Judith Butlers These abspielen, und die Identitätsbildung nach der Theorie von Mead eingehen. Vor allem lege ich großen Wert auf die gegenseitige Beeinflussung der Akteure ohne die eine Ausbildung einer Gruppenidentität kaum denkbar wäre.

Im folgenden Absatz „Über die konstituive Rolle von Macht in Interaktionsprozessen nach Judith Butler“ beschäftige ich mich mit der Identitätsbildung aus der Sicht Judith Butler´s. Besonderes Augenmerk lege ich im Sinne Butler´s auf die gesellschaftliche Macht, die jede Identität schafft und das Individuum erst zur handelnden Persönlichkeit formt. Eine Ausbildung einer Gruppenidentität werde ich versuchen darzustellen, nur könnte dies problematisch werden auf der Grundlage des Reproduktionszwanges der gesellschaftlichen Macht durch jede Persönlichkeit in Interaktionsprozessen.

Weiterhin möchte ich auf die zwischenmenschliche Kommunikation eingehen, insbesondere mit der vokalen Geste im dritten Absatz: „Über die besondere Stellung der Kommunikation in der symbolischen Interaktion“. Auf der Grundlage der Kommunikation mit Sinn behafteten Gesten, welche eine Universalität zumindest zwischen den Akteuren besitzen, wird symbolische Interaktion erst möglich. Bei dem Vergleich der Theorien von Mead und Butler ist auch im Bereich der Kommunikation ein Punkt zu finden, in dem sie nicht übereinstimmen. Dieser befindet sich im Prozess der Erlangung der Kommunikationsregeln durch das Individuum. In der Theorie von Judith Butler ist auch dieser Prozess ohne Macht undenkbar. Sie spricht von einer Unterwerfung, während bei George Herbert Mead maximal von einer Anpassung die Rede ist.

Letztendlich läuft jeder Vergleich der beiden Theorien auf ein Gegenüber von Kommunikation in Interaktionsprozessen mit und durch Macht nach Butler und Kommunikation in Interaktionsprozessen ohne zwingende Machtkomponente nach Mead hinaus. Folglich beschäftige ich mich im letzten Abschnitt des Hauptteils mit der Frage: „Ist eine Interaktion ohne Machtgefüge denkbar?“. Eine besondere Beachtung in dieser Überlegung spielt für mich hierbei die Bildung einer Gruppenidentität, welche sich auch zwischen nur zwei Akteuren abspielen kann. Dies ist da meiner Meinung nach der Ansatz, in dem eine Form der Interaktion ohne Machtgefüge denkbar ist. Als Beispiel einer sich ausbildenden Gruppenidentität benutze ich eine sich gründende Bürgerinitiative im Unterabsatz: „Am Beispiel einer Bürgerinitiative“.

Auf eine nähere Betrachtung der in einer Gemeinschaft existierenden Normen- und Werteordnung habe ich bewusst verzichtet. Beide Theorien gehen von deren Existenz und deren Universalität aus. Einziger Unterschied ist hierbei die Betrachtung der Übernahme dieser. Diskussionspunkte befinden sich hierbei in derselben Form wie im Bereich der Kommunikation, durch die Gegenüberstellung von Unterwerfung und Anpassung. Der Bereich der gegenseitigen Beeinflussung der Akteure nach Mead und die dieser gegenüberstehenden These der Reproduktion um jeden Preis nach Butler sind hierbei ein strittiger Punkt. Nach meiner Meinung werden diese aber im folgenden Hauptteil in anderen Bereichen ausführlich diskutiert.

Ich bitte noch zu beachten, dass meine folgenden Ausführungen größtenteils Interpretationen der Theorien sind und diese nicht allumfassend behandeln sollen. Jegliche Ausführungen beziehen sich nahezu ausschließlich auf den Aspekt der Macht in den Interaktionsprozessen, ob nun im Bereich der Identitätsbildung eines Individuums oder einer Gemeinschaft.

3. Hauptteil

3.1 Zur Konstitution von Interaktion nach George Herbert Mead

George Herbert Mead stützt sich in seiner Betrachtung der Interaktion auf den Behaviorismus nach John B. Watson. „ Behaviorismus in diesem allgemeineren Sinn ist einfach eine Methode, die Erfahrung des Individuums vom Standpunkt seines Verhaltens aus zu Untersuchen, insbesondere, jedoch nicht ausschließlich jenes Verhaltens, das von anderen beobachtet werden kann.“ (Mead 1988, S. 40) Diese neue Definition durch George Herbert Mead selbst wird zu seinem Ausgangspunkt seiner Überlegungen über die soziale Interaktion.

Die Identität eines Menschen, ja sogar eine zwischenmenschliche Gemeinschaft, entsteht und besteht grundlegend aus den sozialen Interaktionen der Teilnehmenden. Beides kann nur durch Kommunikation mit Sinn behafteten Gesten der Agenten, welche eine gewisse Universalität besitzen müssen, konstituiert werden. Die Kommunikation sollte hierbei nicht auf Sprache reduziert werden, da es auch nonverbale mit Sinn behaftete universale Gesten gibt, welche bei der sozialen Interaktion eine große Rolle spielen. Die Kommunikation mit Sprache bezeichnet Mead als Nutzung von verbalen Gesten, was ich gerne übernehme, doch sollte man hierbei nicht vergessen, dass diese verbalen Gesten nicht nur zwischenmenschlich genutzt wird, sondern auch für den Denkprozess (z.B. die Reflektion des Erlebten ) von entscheidender Bedeutung ist. Dazu aber mehr in einem späteren Abschnitt.

Nun möchte ich erst einmal näher darauf eingehen, wie ein menschliches Wesen überhaupt er bzw. sie selbst wird. Es gibt eine Reihe von psychologischen Ansätzen, die davon ausgehen, dass der Mensch mit seiner Persönlichkeit geboren wird und keinen Kontakt zu anderen Menschen benötigt um sie zu bilden. Nicht so bei George Herbert Mead. Erst durch die Interaktion mit anderen Menschen, bekommt ein Mensch seine Identität und wird somit zu dem gemacht, was er ist. Das will aber nicht bedeuten, dass diese Identität irgendwann vollkommen oder fertig ist. Es ist ein stetiger Prozess der Wandlung, auf Grund neuer Beeinflussung von Haltungen anderer.

Ein Mensch nimmt seine Umwelt wahr und die Umwelt nimmt einen Menschen wahr. Das heißt auch ein Anderer nimmt mich wahr und wird durch mich beeinflusst. Die Frage ist nun, wie nehme ich mich selbst wahr? Um dies tun zu können, muss ich mir selbst zum Objekt werden, will sagen ich muss mich von Außen betrachten können. Mit meinem Körper ist dies kein Problem, da ich ihn sehen kann. Aber was ist mit meiner Persönlichkeit? Diese kann man nur erfahren, indem man die Reaktionen anderer Menschen auf die eigenen Aktionen versucht zu erfassen. Mead schildert dies folgendermaßen: „…er wird für sich selbst nur zum Objekt, indem er die Haltungen anderer Individuen gegenüber sich selbst innerhalb einer gesellschaftlichen Umwelt oder eines Erfahrungs- und Verhaltenskontextes einnimmt, in den er ebenso wie die anderen eingeschaltet ist.“ (Mead 1988, S. 180) In diesem Zitat ist ein weiterer wichtiger Punkt enthalten, der Erfahrungs- und Verhaltenskontext. Es kommt bei der Identitätsbildung nicht nur darauf an sich selbst zum Objekt werden zu können, sondern jeder Mensch muss in der Lage sein, die organisierten Haltungen anderer Menschen in seiner Umwelt sich selbst gegenüber, die ich ab jetzt nach Mead den verallgemeinerten Anderen nennen werde, reflektieren zu können. Dies setzt voraus, dass man Reaktionen des verallgemeinerten Anderen nicht nur wahrnimmt, sondern sich diese Reaktionen auch merkt. Auf diese Weise wird sich der Erfahrungs- und Verhaltenskontext von Interaktion zu Interaktion vergrößern und damit auch die Anzahl der möglichen reflektierten Reaktionen meiner Selbst auf die Aktionen meines Gegenüber.

Es ist die Reflektion der Haltungen des verallgemeinerten Anderen aus der eigenen Vergangenheit und der darauf folgenden Reaktion des Selbst in einer Interaktion und die damit verbundene Beeinflussung, ob nun positiv oder negativ, des Gegenüber mit Hilfe von mit Sinn behafteten universellen Gesten, was unsere Identität ausmacht.

Das Zusammenspiel der Aktion und der Reflektion, was ich im Folgenden als agierendes Ich und reflektierendes Ich (im Bezug auf einen Prozess des Handelns) benennen möchte, ist es das unsere Identitäten ausbildet und auf deren Basis Bewusstsein ermöglicht wird. Selbstbewusst bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Individuum seiner Identität bewusst wird und auf Grund dessen organisiert Handeln möglich wird. Organisiertes Handeln jedes Einzelnen begründet sich somit in der sozialen Interaktion zwischen Individuen unserer Gemeinschaft. Individuen organisieren ihre Handlungen auf Grund der reflektierten Haltung des verallgemeinerten Anderen in ihren Erinnerungen. Dies bedeutet aber nicht, dass das Handeln zwangsläufig vorprogrammiert ist. Wir handeln nur so, wie wir es für richtig halten und dies von anderen in der gleichen Situation auch erwarten würden. Da man nur sehr selten auf Menschen mit der gleichen Vergangenheit trifft, tritt das agierende Ich oft in ein Fettnäpfchen. Wir kennen nun mal diese Art der Haltung des Anderen auf unsere Aktion noch nicht. Auf diese Art und Weise wird unser reflektierendes Ich immer mit neuen Haltungen anderer gefüttert und verändert sich stetig.

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Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638254816
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v22034
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Konstitution Interaktion Mead) These Rolle Macht Interaktionsprozessen Butler) Soziale Selbstdarstellung Alltag

Autor

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Titel: Zur Konstitution von Interaktion (nach Mead) und die These von der konstituiven Rolle von Macht in Interaktionsprozessen (nach Butler)