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Die Stalin-Note vom 10. März 1952 - eine vertane Chance?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 11 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhalt:

1) Einleitung

2) Außenpolitische Verhältnisse vor der Note vom 10. März 1952

3) Inhalt der Stalin-Note

4) Adenauers Haltung zur Stalin-Note

5) Rolf Steininger: Die Note als verpaßte Chance

6) Der weitere Notenwechsel

7) Fazit

Literaturangabe

1) Einleitung

Eine "welthistorische Initiative" nannte sie die SED im Osten Deutschlands[1], während Adenauer sie im Westen nur mit dem Kommentar "oberste Pflicht sei es, jetzt zu schweigen"[2] versah. Die Rede ist von der sog. "Stalin-Note", die den Vertretern der drei Westmächte in Moskau durch den stellvertretenden sowjetischen Außenminister Gromyko am 10. März 1952 überreicht wurde.

Die Wiedervereinigung Deutschlands war das Angebot, das Stalin den Deutschen machte, gepaart mit dem Vorschlag eines Friedensvertrages mit Deutschland, aber auch mit der For-derung nach einer Neutralität des Landes. Die kategorische Ablehnung des Angebotes durch Adenauer stieß damals bei vielen Zeitgenossen auf Unverständnis. Die Haltung Adenauers war einer der Gründe, die z. B. Gustav Heinemann veranlaßten, 1952 seine Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) zu gründen.[3] Heinemann warf Adenauer noch 6 Jahre später zusammen mit Thomas Dehler[4] in einer hitzigen Redeschlacht im Bundestag vor, die Chance nicht genützt zu haben.[5]

War das Angebot Stalins ernst gemeint? Wurde eine reale Chance vertan oder handelte es sich bei der Note vom 10. März nur um ein diplomatisches Manöver der Sowjetunion, um die Integration Westdeutschlands in den Bereich der Westmächte zu unterbinden bzw. hinauszuzögern? Nicht nur die damaligen Politiker, auch Historiker haben dazu verschiedene Ansichten.

Diese Hausarbeit versucht herauszustellen, welche Argumente für und welche gegen die Glaubwürdigkeit der Note stehen. Hierzu werden dem Standpunkt Konrad Adenauers die Thesen des Historikers Rolf Steininger gegenübergestellt.

Rolf Steininger gehört zu den Historikern, die die Abweisung der Stalin-Note als verpaßte Chance vertreten. Der Großteil seiner Kollegen vertritt allerdings eine andere Meinung. Sie befinden z.B.:

"Die bisher bekannten Quellen sprechen dafür, dass es sich um eine sowjetische Propaganda-Aktion gehandelt hat." [6] Ähnlich: "Die sowjetische Offerte war ganz offensichtlich ein Propagandamanöver, das die westeuropäische Integrationspolitik stören und gleichzeitig (...) die Aufwertung und Stabilisierung der DDR fördern sollte." [7]

Die "Note"[8] vom 10. März 1952, die besagte "Stalin-Note", wurde von den Westmächten am 25. März desselben Jahres beantwortet. Daraufhin wiederum erfolgte eine zweite Note der Sowjetunion. Im Ganzen gab es in der Folge der ersten Stalin-Note zwei weitere Notenwechsel zwischen Ost und West. Da sich die Standpunkte aber schon nach dem ersten Wechsel erhärtet hatten und es zu keiner Veränderung der Positionen auf beiden Seiten mehr kam, will ich die Note vom 10. März in den Mittelpunkt stellen.

2) Außenpolitische Verhältnisse vor der Note vom 10. März 1952

Um einige der Argumente für und wider die Seriosität des Stalin-Angebotes besser zu verstehen, will ich zunächst die wichtigsten Fakten der außenpolitischen Lage kurz vor der Note darlegen.

Im April 1949 schlossen sich die britisch, amerikanisch und französisch besetzten Zonen in Deutschland zur sogenannten "Tri-Zone" zusammen. Der Westen Deutschlands war damit zusammengerückt und bildete ein Pendant zum sowjetischen und somit kommunistischen Ostteil des Landes. Adenauer versuchte, Westdeutschland so weit wie möglich an die westliche Welt zu binden. Dazu wurde 1951 der Montanunion-Vertrag unterzeichnet. Die Montanunion, bzw. die "Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl", war der Kern der späteren europäischen Wirtschaftsgemeinschaft.[9] Zudem wurde über die Schaffung einer "Europäischen Verteidigungsgemeinschaft" (EVG) verhandelt, mit dem Ziel der Bildung einer euro-päischen Armee unter Beteiligung Deutschlands. Die Bundesrepublik sollte dazu ca. 400 000 Soldaten aufstellen.[10] An diesen EVG-Vertrag sollte dann der sog. "Deutschland-Vertrag" gekoppelt werden, der Deutschland die volle Souveränität brächte. Über beide Verträge wurde gerade verhandelt, als die Offerte Stalins eintraf.

[...]


[1] Steininger, Rolf: Eine vertane Chance. Die Stalin-Note vom 10. März 1952 und die Wiedervereinigung.

Berlin 1985. S. 28.

[2] Köhler, Henning: Adenauer. Eine politische Biographie. Berlin 1994. S. 685.

[3] Thierfelder, Jörg (Hg.): Gustav Heinemann. Christ und Politiker. Karlsruhe 1999. S. 137.

[4] Bem.: Justizminister unter Adenauer

[5] Steininger, Rolf: Eine vertane Chance. S. 10.

[6] Dirlmeier, Ulf: Deutsche Geschichte. Stuttgart 1999. S. 367.

[7] Benz, Wolfgang (Hg.): Weltbild Weltgeschichte. Bd. 35. Europa nach dem Zweiten Weltkrieg 1945-1982.

Augsburg 1998. S.144 (Hermann Graml, ein Kontrahent Steiningers in Bezug auf die historische Auseinander-

setzung mit der Stalin-Note, ist Mitherausgeber des Buches).

[8] Definition einer politischen "Note": "Jede förmliche schriftliche Mitteilung, die eine Regierung einer anderen

auf diplomatischem Wege macht." (Meyers großes Taschenlexikon. Mannheim 1998. Bd.16. S. 6)

[9] Dirlmeier, Ulf: Deutsche Geschichte. S. 366.

[10] Steininger, Rolf: Eine vertane Chance. S. 13.

Details

Seiten
11
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638253826
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21876
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau – Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Stalin-Note März Chance

Autor

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Titel: Die Stalin-Note vom 10. März 1952 - eine vertane Chance?