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Die Karikatur auf Holzschnitten. Lucas Cranach d. J. „Abendmahl der Evangelischen und Höllensturz des Papstes“ (1547)

Seminararbeit 2001 9 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

A. Der Holzschnitt als Medium des Mittelalters

B. Die Eigenarten des Flugblattes von Lucas Cranach d. J.
1. Biographie über Lucas Cranach d. J.
2. Die stilistischen Eigenarten
3. Die inhaltlichen Begebenheiten

C. Konfessionelle Aussagen in den Holzschnitten dieser Zeit
1. Die konfessionelle Ausrichtung des Cranach-Holzschnittes
2. Die pro-katholischen Flugblätter.

D. Literaturverzeichnis

A. Der Holzschnitt als Medium des Mittelalters

In fast jeder Zeitung findet man heutzutage eine Karikatur. Meist überzeichnet werden die neuesten Geschehnisse aus Politik und Gesellschaft dargestellt. Mit dem notwendigen Hintergrundwissen lassen sich die Darstellungen leicht interpretieren.

Im Mittelalter war der Holzschnitt eine Art »Karikatur«. Ohne besondere Übertreibung wurde mit dessen Hilfe der einfachen Bevölkerung, die des Lesens und Schreibens nicht kundig war, der neueste Sachverhalt aus der Politik nahegebracht. Besonders in der Zeit des 16. Jahrhunderts - das Zeitalter der Reformation in Europa - kam es zu einer regen Verbreitung von solchen Holzschnitten. Bedingt durch die Verbesserung des Buchdrucks war eine Massenanfertigung möglich geworden, so dass eine große Menge gleichzeitig vergeben werden konnte. Holzschnitte mit pro-lutherischen Inhalten sind v.a. von Lucas Cranach d. Ä. geschaffen worden, aber auch von seinem Sohn Lucas Cranach d. J. Die Gestaltung und Interpretation des Holzschnittes „Abendmahl der Evangelischen und Höllensturz des Papstes“, der 1547 vom jüngeren Cranach geschaffen wurde, soll in dieser Arbeit nun betrachtet werden.

B. Die Eigenarten des Flugblattes von Lucas Cranach d. J.

1. Biographie über Lucas Cranach d. J.

Lucas Cranach d. J. wurde am 04.10.1515 als Sohn von Lucas Cranach dem Älteren geboren.

Geburtsort und gleichzeitig Sitz der väterlichen Werkstatt war Wittenberg. Lukas Cranach d. Ä. hatte zeitlebens ein enges Verhältnis zu Martin Luther. Er war Trauzeuge bei der Hochzeit Luthers mit Katharina von Bora und später Taufpate von Luthers Tochter. Zahlreiche Porträts fertigte er von Luther an, als Gelehrter mit Doktorhut oder als Junker Jörg auf der Wartburg. Durch die Arbeit in der väterlichen Werkstatt konnte der jüngere Cranach auch die Verbindung zu Martin Luther herstellen. Nach dem Bruch Luthers mit der katholischen Kirche schlug er sich auf seine Seite und bekräftigte in zahlreichen Holzschnitten und Flugblättern die wahre Religion der lutherischen Lehre gegenüber der Irrlehre der Papst-Kirche.

Die Mehrzahl der Werke aus Cranach-Werkstatt, die nach dem Tode des Vaters 1553 entstanden sind, werden dem jüngeren Cranach zugeschrieben. Er führte nämlich das Vermächtnis seines Vaters weiter, sowohl künstlerisch als auch konfessionell. Immerhin entstand der Holzschnitt ein Jahr nach Luthers Tod und dennoch betrieb Cranach jr. »anti-katholische Hetzpropaganda«. Lucas Cranach d. J. starb am 25.01.1586 in Weimar.

2. Die stilistischen Eigenarten

Bei der Betrachtung dieses Holzschnittes fallen drei Dinge sofort ins Auge: Zum einen die zentrale gewaltige überdachte Kanzel in der Bildmitte mit den Abbildungen der vier Evangelisten und ihrer Symbole, von wo aus der Prediger nach links (vom Betrachter aus nach rechts) blickt. Dort befindet sich ein gewaltiges (Höllen-) Feuer, das die Vertreter des katholischen Klerus umgibt und quasi verschlingt. Tatsächlich ist das Höllenfeuer dem Maul eines schreckenerregenden Ungeheuers nachgebildet. Etliche kleine höllische Dämonen »wuseln« um sie herum. An der Schattierung rechts der Kanzel ist die Dunkelheit zu erkennen, die nur durch den Schein des Feuers erleuchtet wird.

Links der Kanzel jedoch strahlt alles in der Helligkeit des Lichts. Die Kanzel bildet sozusagen die Achse, an der sich zum einen die Dunkelheit der rechten Seite und die Helligkeit der linken Seite spaltet. Das Licht fällt durch das Fenster in der linken oberen Ecke herein, das Ähnlichkeit mit dem Fenster einer Kirche oder Burg zur damaligen Zeit hat.

Die Mitte der linken Bildhälfte wiederum wird von einem großen Kruzifix beherrscht, unter dem Gläubige das Abendmahl feiern. Der Fuß des Kreuzes wird durch den gewaltigen Alter verdeckt, auf dem Hostien und Wein sowie das Agnus Dei stehen.

Die Bildausmessung des Bildes ergibt folgendes: Gesamtbreite des Bildes ist 26 cm. Die Kanzel liegt mit 13 cm tatsächlich exakt in der Bildmitte. Der Abstand Kanzel - Kreuz beträgt 8 cm. Überträgt man dieses Maß von der Kanzel aus nach rechts, so erhält man die Mitte das Höllenfeuers. So wurde also mit geschickten Messungen die Aussagekraft eines religiösen Holzschnittes verstärkt.

3. Die inhaltlichen Begebenheiten

Unschwer ist der Prediger auf der Kanzel als Luther zu erkennen. Er zeigt große Ähnlichkeit mit den Holzschnitten Cranachs des Älteren auf. Ganz zentral steht er im Mittelpunkt des Holzschnittes und weist mit der Rechten auf das Kruzifix, das die Abendmahlsszene überragt, während er mit der linken eine Abwärtsbewegung vollführt. Zwei Pastoren reichen dieses Mahl in beiderlei Gestalten, in Brot und Wein. Bei den Empfängern handelt es sich um die Mitglieder der sächsischen Fürstenfamilie. Ihr Wappen finden wir - in den Rahmen eingearbeitet - quasi als Krönung dieses Holzschnittes. Es wird von einem kleinen Engel gehalten. Zwei weitere Engel beobachten das Geschehen. Folgende Ausdeutung zu einem Gemälde des älteren Cranach (Gesetz und Gnade: Die Rechtfertigung des Sünders) lässt sich auch auf diesen Holzschnitt übertragen: „Der Gekreuzigte, das Lamm Gottes, bietet sich (...) unmittelbar dar und verheißt (...) Erlösung durch den Glauben - nicht durch die Wirkung kirchlicher Liturgie und irgendwelcher menschlicher Werke.“ Neu an diesem Mahl ist die Darreichung des Kelches an das Laienvolk. „Der Genuß von Brot und Wein wird als Gedächtnis der Leiden Christi verstanden. Christi Opfer am Kreuz wird als der entscheidende Beitrag zur Erlösung der Menschheit angesehen.“ Das Lamm mit der Kreuzesfahne auf dem Altar, zu Füßen des Gekreuzigten verdeutlicht diese Opferszene. Es symbolisiert voll und ganz Christus, das Opfer. Auch wir beten in der Eucharistiefeier: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt“.

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Details

Seiten
9
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638253543
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21833
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Lehrstuhl für Kirchengeschichte des MA und der Neuzeit
Note
1,0
Schlagworte
Arbeiten Eigenarten Flugblattes Lucas Cranach Abendmahl Evangelischen Höllensturz Papstes Ausrichtung Einführung Studium Kirchengeschichte

Autor

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Titel: Die Karikatur auf Holzschnitten. Lucas Cranach d. J. „Abendmahl der Evangelischen und Höllensturz des Papstes“ (1547)