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Alexander der Große. Die ersten Regierungsjahre

von Konrad Burckhardt (Autor) Konrad Burckhardt (Autor)

Seminararbeit 2003 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Machtergreifung in Makedonien
1.1 Gerüchte um den Tod Philipps
1.2 Terror der ersten Stunden

2. Machtsicherung in Griechenland und auf dem Balkan
2.1 Profilierung der Herrschaft Alexanders
2.2 Das Exempel Theben

3. Fazit der ersten Regierungsjahre Alexanders

Quellen- und Literaturverzeichnis

Vorwort

Alexander der Große ist einer der berühmtesten Herrscher der Antike. Besonders seine Eroberungen auf dem Perserfeldzug sind wohl jedem bekannt. Man kennt die Schlacht von Issos und die Massenhochzeit von Susa, doch wie fing seine Herrschaft einmal an?

War Alexander von Anfang an der Eroberer und tollkühne Herrscher, wie er es später während seiner Herrschaft dem Mythos nach war. Die Umstände seiner Thronbesteigung und seine Politik bis zum Perserfeldzug möchte ich mit dieser Arbeit beleuchten. Auch möchte ich kritisch auf Probleme in der Überlieferung hinweisen und herausfinden, ob es diesen Alexander so gegeben haben kann, wie er in den Hauptquellen Arrian, Diodor und Plutarch beschrieben wird. Schon hier möchte ich darauf hinweisen, dass ich in meiner Arbeit den Schwerpunkt nicht auf die Vollständigkeit der Ereignisse in der Chronologie lege, sondern vielmehr anhand chronologisch ausgewählter Überlieferungen die ersten Jahre Alexanders Herrschaft beleuchten werde.

1. Machtergreifung in Makedonien

1.1 Gerüchte um den Tod Philipps

Alexander bestieg nach der Ermordung seines Vaters im Herbst 336 v.Chr. den makedonischen Thron. Außer diesem sicheren Ereignis kann man die Umstände des Todes Philipps nicht genau rekonstruieren. Die verschiedenen Überlieferungen geben hier kein einheitliches Bild. In Plutarchs Alexanderbiographie liest man, dass Olympias und Alexander Mitschuld am Tode Philipps gehabt haben. Es „traf der schwerste Vorwurf Olympias, dass sie den erzürnten jungen Mann (Pausanias) zu der Tat angefeuert und aufgehetzt habe; ein gewisser Verdacht rührt aber auch Alexander an.“[1] Sie hätten demnach Pausanias, einem makedonischen Offizier zum Mord bewegt. Olympias ist die Mutter Alexanders. Sie, wie auch Alexander sahen wohl die Thronfolge gefährdet, nachdem Philipp die Makedonin Kleopatra geheiratet hatte[2]. Ein Sohn dieser Ehe hätte Anspruch auf den makedonischen Thron erheben können. Und in der Tat hatte Kleopatra Philipp kurz vor seinem Tod einen Sohn geschenkt. Das Verhältnis zwischen Alexander und Philipp war deswegen sicherlich gespannt und von Misstrauen erfüllt. „Die Störung des Familienlebens - da durch die Eheschlüsse und Liebesgeschichten Philipps das ganze Reich gewissermaßen von dem Frauenhause in Mitleidenschaft gezogen wurde - bewirkte viele gegenseitige Vorwürfe und schwere Streitigkeiten, welche die Heftigkeit der Olympias, (...), noch dadurch verschlimmerte, dass sie Alexander aufhetzte.“[3] Plutarch beschreibt auch einen Eklat zwischen Vater und Sohn bei Philipps Hochzeit mit Kleopatra[4]. Es ist anzunehmen, dass Alexander schon zu diesem Zeitpunkt seinen Blick fest auf den Makedonischen Thron gerichtet hatte und so natürlich mögliche Gefahren seiner Thronfolge erkannte. Diese Annahme meinerseits belegt aber keineswegs die Annahme Plutarchs, dass Alexander Schuld am Tode Philipps hatte, die man somit nicht zwingend als Wahrheit sehen kann.

Bei Iustin findet man gleich zwei mögliche Schuldige. Zum einen gibt er Olympias die Schuld, die ohne Mitwissen Alexanders gehandelt haben soll. Auch diese Überlieferung kann man nicht ohne Zweifel zur Wahrheit erklären, denn Olympias ist zum Zeitpunkt des Mordes nicht auf der Hochzeit gewesen, sondern Hunderte Kilometer entfernt[5]. Um diesen Mord geplant haben zu können hätte sie näher am Ort des Geschehens sein müssen.

Die zweite Überlieferung, die uns Iustin gibt, hält Pausanias als alleinigen Täter fest. Das Motiv das ihn gelenkt haben soll war das der gekränkten Ehre[6]. Glaubwürdig erscheint mir hierbei nur, dass Pausanias der Mörder war. Das wahre Motiv des Pausanias wird wohl immer im Dunkeln bleiben. Alle Überlegungen dazu sind Mutmaßungen und werden es bleiben, wenn sich die Quellenlage zum Tode Philipps nicht ändert.

Bei Diodor findet man ebenfalls die Möglichkeit, dass Pausanias der alleinige Mörder sei[7]. Es liegt nahe zu vermuten, dass diesen beiden Überlieferungen die gleiche Quelle zugrunde liegt. Vermutet wird der hellenistische Historiker Duris von Samos. Dieser ist ein Vertreter der Tragischen Geschichtsschreibung. Daher verlieren seine als Schrift verlorene Überlieferung und somit auch deren Verwendung durch Iustin und Diodor an Glaubwürdigkeit. Der Schwerpunkt der tragischen Geschichtsschreibung lag bei der Erzeugung von Emotionen. Ein Mord im Königshaus bot sich somit für eine eher emotionsgeladene Darstellung statt einer glaubwürdig detaillierten Beschreibung des Tathergangs an.

Der Mord an Philipp fand des weiteren auch in den Schriften von Arrian Erwähnung. Dieser liefert eine Version der Dinge, die wohl als offizielle makedonische Version bezeichnet werden kann. Sie berichtet von einer Verschwörung der makedonischen Opposition (Amyntas und die Lynkesten) und des persischen Großkönigs zur Ermordung Philipps.[8] In meinen Augen erscheint diese „offizielle“ Fassung zu gut zu den folgenden Ereignissen zu passen. Vielmehr diente sie wohl zur Begründung und Legitimierung der Aktionen zur Machtsicherung Alexanders, bei der er alle politischen Widersacher ausschaltete. Darauf wird aber noch näher eingegangen werden.

Festzuhalten bleibt, dass man keine glaubwürdige Überlieferung zum Tode Philipps finden kann und somit dieses Kapitel der makedonischen Geschichte nicht exakt ergründbar ist.

[...]


[1] Plut. Alex. 10

[2] Vgl. Plut. Alex. 9

[3] Plut. Alex. 9

[4] Vgl. Plut. Alex. 9

[5] Vgl. W. Will, Makedonien, S.28, Iust. 9. 6-7

[6] Vgl. W. Will, Makedonien, S.28, Iust. 9. 6-7

[7] Vgl. Diod. XVII 94.4

[8] Vgl. W. Will, Makedonien, S.29, Anm.10, Arr. 2.14.5

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638253536
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21830
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Alexander Große Regierungsjahre Proseminar

Autoren

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