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Krisenbewältigung durch den IWF - Ursachen - Maßnahmen - Perspektiven

Hausarbeit 2001 38 Seiten

VWL - Geldtheorie, Geldpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Die Rolle der Globalisierung und des kurzfristigen Kapitals
1.2 Die Währungsspekulation
1.3 Der Domino – Effekt
1.4 Das Bankenwesen und die Krisen
1.5 Die Maßnahmen der Krisenbewältigung

2. Die Asienkrise
2.1 Asien vor der Krise
2.2 Verlauf und Auswirkung der Asienkrise
2.3 Ursachen der Asienkrise
2.4 Vorgehen des IWF in der Asienkrise – Lösungsansätze
2.5 Asien nach der Krise – Ergebnisse der IWF – Programme
2.6 Kritik an der Vorgehensweise des IWF in der Asienkrise
2.7 Zukunftsperspektiven

3. Die Rußlandkrise
3.1 Einleitung
3.2 Die Krise 1998
3.3 Ursachen der Krise
3.4 Rußland nach der Krise

4. Die Krise in Lateinamerika
4.1 Allgemeine Daten zu Brasilien
4.2 Beginn der Wirtschaftskrise
4.3 Verlauf der Wirtschaftskrise 1998 / 1999
4.4 Maßnahmen des IWF
4.5 Zusammenhänge mit Argentinien und Perspektiven

5. Die Rolle der Vereinigten Staaten

6. Reformen und Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Washington D.C., Ecke 19. Straße und G-Street. Sitz der wichtigsten Institution der internationalen Finanzwelt: Der Internationale Währungsfonds, oder auch International Monetary Fund genannt. Anlaufstelle für alle hilfesuchenden Regierungen, die kurz vor der Pleite stehen.

Diesem Internationalen Währungsfonds widmen wir uns in diesem Referat. Wir legen unser besonderes Augenmerk auf die Krisen der Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren, auf die Interventionen seitens des IWFs und die zweifellos diskussionswürdigen Auswirkungen dieser Interventionen. Ebenso wollen wir in besonderem Maße die Krisen und die Krisenbewältigung in Lateinamerika, Asien und Rußland beleuchten, analysieren und einen Ausblick in die Zukunft wagen. Zu guter Letzt werden wir versuchen, die besondere Rolle der Vereinigten Staaten, als mächtigstes Mitglied des IWF, kritisch zu betrachten und die begonnenen Reformen dieser Institution IWF beschreiben.

1.1 Die Rolle der Globalisierung und des kurzfristigen Kapitals

Um die Zusammenhänge der Wirtschaftskrisen Ende der 90er Jahre zu verstehen, muß man sich einiger Theorien der internationalen Finanzwelt bewußt werden und die einzigartigen Möglichkeiten und Gefahren durch die Globalisierung betrachten. Es ist an und für sich keine neue Erkenntnis, daß Kapital immer die höchste Rendite sucht, besonders wenn das Risiko einigermaßen überschaubar ist. Doch der unglaubliche Wandel, der sich durch das neue Medium Internet und durch die globale Vernetzung in der Telekommunikation eingestellt hat, rüttelt an den Grundfesten der internationalen Finanzwelt. Nun ist es dem Anleger, sei es ein institutioneller oder ein privater Anleger, möglich sein Kapital innerhalb kürzester Zeit an den entferntesten Ecken unseres Planeten zu investieren oder es abzuziehen. Dies bedeutet eine immer größere Beschleunigung des Kapitalverkehrs, besonders des kurzfristigen Kapitals. Voraussagen sind schwer zu machen, da sich die Unberechenbarkeit vor allem des kurzfristigen Kapitals immer mehr vergrößert. Auf Grund der großen Euphorie an den Börsen dieser Welt in den vergangenen Jahren, als kein Ende der Aktien- und Immobilienhausse in Sicht war, änderte sich auch das Denken der Anleger. Immer mehr Anleger waren bereit immer größere Risiken für hohe Renditechancen einzugehen. Gepaart mit einem schier unendlichen Glauben an die Weisheit der Großanleger und weniger an die Fundamentalanalysen der Analystenhäuser, handelt es sich hier um eine höchst-explosives Gemisch. Hier ist der oft zitierte Begriff des „Herdeneffekts“ angebracht, denn genauso, wie ein Investment eines Großanlegers viele anderen Investments nach sich zieht, so schnell kann sich auch das Blatt auf Grund eines negativen Analystenurteils wenden, dh. Panikreaktionen setzen ein. Es kommt nicht von ungefähr, daß man das Kapital als „scheues Reh“ bezeichnet!

1.2 Die Währungsspekulation

Die Währungsspekulation, sprich die Spekulation auf ein Fallen oder Steigen einer Währung, benötigt gewisse Voraussetzungen. Eine Bedingung ist, daß die entsprechende Währung in einem festen, d.h. gekoppelten Tauschverhaltnis, in einer Parität oder einem Bandbreitensystem fixiert ist. Gerät nun die Währung unter Druck, meist Abwertungsdruck, so muß die entsprechende Zentralbank den gekoppelten Wechselkurs verteidigen, indem sie mit Devisen die eigene Währung aufkauft und somit das Angebot an eigener Währung verknappt. Die Folge ist, daß der Wechselkurs nach der Investition wieder steigt. Die Garantie, die der Spekulant hat ist natürlich, daß die Zentralbank den Wechsedlkurs stützen muß, will sie den Außenwert unverändert lassen. Als eine Folge der Interventionen sinken die Devisenreserven des Landes. Dieses Spiel wiederholt sich so lange, bis sich entweder die Kursschwankungen beruhigen, oder die Devisenreserven aufgebraucht sind, was dann zu einer enormen Abwertung führen wird.

1.3 Der Domino-Effekt

Ein weiteres Phänomen, das sich beobachten läßt, ist der sogenannte Domino-Effekt. In den 60er Jahren entstand der Begriff der Dominotheorie in Asien. Dieser Begriff beinhaltete die Furcht vor dem Anheimfallen der Staaten an den Kommunismus, sofern ein Staat an den Kommunismus verloren wurde. Diese Dominotheorie erlangte neue Bedeutung in den 90er Jahren als der asiatische Raum ausgehend von Thailand von einer Finanzkrise erfaßt wurde. Volkswirtschaften, die durch Darlehen, wechselseitige Investitionen und intensiven Handel verbunden sind, weisen vor allem in Asien oft auch dieselben Probleme, bzw. Schwächen auf. Speziell in der Wirtschafts- und Haushaltspolitik lassen sich große Gemeinsamkeiten, wie zum Beispiel offene Finanzmärkte bei festen Wechselkursen, eine autonome Geldpolitik und ein marodes, undurchsichtiges Bankenwesen beobachten. Dies stellt zu Zeiten von Wirtschaftswachstum und massivem Kapitalzufluß kein Problem dar, verkehrt sich aber bei ausbleibenden Direkt- und Portfolioinvestitionen, sinkenden Wechselkursen und steigenden Handelsdefiziten in eine Krise katastrophalen Ausmaßes. In diesem Moment nämlich wird Kapital, das im Ausland geparkt ist, repatriiert, sprich ins Land zurückgeholt, um u.a. den Wechselkurs zu stützen. Dieser Sog, der sich dann durch steigenden Druck auf die Wechselkurse noch verstärkt, läßt dann, um beim Bild zu bleiben, die ganzen anderen Dominosteine zusammenfallen. In anderen Worten: es werden die benachbarten Staaten und Handelspartner in die Misere hineingezogen.

1.4 Das Bankenwesen und die Krisen

Nach Ansicht des renommierten Ökonomen Morris Goldstein ist eine größere Transparenz des Banken- und des Finanzwesen unerlässlich, um Krisen früher zu erkennen und besser beurteilen zu können. Goldstein, ein früherer Mitarbeiter des IWFs, der heute am Washingtoner Think-Tank Institute for International Economics (IIE) forscht, sieht den maroden, korrupten und intransparenten Bankensektor Asiens und Südost-Asiens als einen der Hauptauslöser der sogenannten „asiatischen Grippe“. Es fehlten einheitliche Standards der Bonitätsbewertung bei der Kreditvergabe, ebenso eine unabhängige Bankenaufsichtsbehörde und internationale Bilanzrichtlinien. Marode und überschuldete Banken müssen zum Schutz der Einleger rigoros geschlossen werden. Nur so kann Vertrauen wiederhergestellt werden. Vetternwirtschaft, Vorteilnahme und Laxheit haben das asiatische und russische Banken- und Finanzwesen ergriffen und diesem Problem nahm sich der IWF bereits im September 1997, im Baseler Akkord an. In Zusammenarbeit mit dem Baseler Komitee zur Bankenaufsicht wurden 26 „Core Principle Assessments“ ausgearbeitet, die das Finanzkrisen-Management verbessern sollten. Die neuesten Vorschläge, die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Bern aus gearbeitet wurden, sehen vor allem eine Stärkung der Eigenkapitalbasis der Banken vor. So sollen zum Beispiel Banken Eigenkapital entsprechend der Kreditrisiken gemäß dem Schuldner-Rating in die Bilanz einstellen. Am 19. September letzten Jahres zog Horst Köhler, der amtierende Managing Director des IWFs eine hoffnungsvolle Bilanz des bisher Erreichten. Er erkennt an, daß schon große Verbesserungen erreicht worden sind, verhehlt aber auch eine gewisse Besorgnis ob des schleppenden Tempos der Reformen nicht.

1.5 Die Maßnahmen der Krisenbewältigung

Grundsätzlich handelt es sich beim IWF um einen Stabilisator im weltweiten Finanzsystem. Ursprünglich sollte er lediglich für einen reibungslosen Verlauf der internationalen Zahlungsströme sorgen. Heute jedoch tritt der IWF immer häufiger als Feuerwehr in Erscheinung, um kurzfristige Liquiditätsengpässe von Mitgliedsländern zu beseitigen. Auch hat er inzwischen die Funktion als Berater in struktur- und haushaltspolitischen Fragen angenommen, was ihm auch Kritik einbringt. Prinzipiell bietet der IWF Kredite für Mitgliedsländer an, die unter Druck geraten sind. Diese Finanzspritzen sind natürlich an Bedingungen zur Beseitigung der strukturellen Defizite geknüpft

2. Die Asienkrise

2.1 Asien vor der Krise

Die wirtschaftliche Situation der Tigerstaaten (Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Südkorea, Taiwan, Hong Kong und Singapur) wurde vor der Krise durch eine extrem hohe, scheinbar unaufhaltsame Wachstumsphase gekennzeichnet. Experten sprachen weltweit von einem ostasiatischen Wunder. Der pazifische Region erwirtschaftete Anfang 1997 ca. 40% des Welthandels, außerdem stieg das reale Pro-Kopf-Einkommen in Südkorea, Taiwan, Singapur und Hong Kong innerhalb der letzten 30 Jahre um das 6-fache.

Bevor wir den Verlauf der Krise näher erörtern, erweist es sich nützlich das damalige Wirtschaftssystem der Tigerstaaten zu beschreiben: Sämtliche ostasiatischen Länder kopierten das sogenannte „japanische Modernisierungsmodell“, eine Mischung aus Marktwirtschaft und Sozialismus. Dieses Modell verbindet westliche Technik und Fertigungsverfahren mit „konfuzianischen“ Gesellschaftsnormen. Diese traditionelle Normen gewährleisteten den Arbeitern eine lebenslange Beschäftigung als Gegenleistung für ihre Treue und Einsatzbereitschaft, berücksichtigten aber die Gesetze der Wirtschaft nur teilweise oder überhaupt nicht. Die Regierung bestimmte den Konsum der Bürger, isolierte den Binnenmarkt vor ausländischen Investoren und beeinflusste die Kreditvergabe der Banken. Durch diese Maßnahmen konnten sich die Länder Ostasiens ohne Wettbewerb behaupten. Wie wir sehen werden, trugen unter anderem auch diese „Staatseingriffe“ zu der Anfälligkeit der Wirtschaft wesentlich bei.

2.2 Verlauf und Auswirkungen der Asienkrise

Die Asienkrise begann im ersten Quartal des Jahres 1997, als die ersten thailändische Unternehmen nicht mehr für ihre Auslandschulden aufkommen konnten. Ein Monat später gab die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs bekannt, daß der thailändische Immobilienmarkt überbewertet und die Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig wären. Man konnte aus diesen Tatsachen ableiten, daß eine starke Abwertung der thailändischen Währung unaufhaltsam bevorsteht. Anfang Mai begann die Spekulationswelle gegen den thailändischen Baht, der damals noch im festen Kursverhältnis zum US-Dollar gebunden war. Um dieses Verhältnis zwischen den beiden Währungen zu bewahren, war die Thailändische Zentralbank gezwungen ihre eigene Währung für mehrere Milliarden US-Dollar aufzukaufen. Als Folge stiegen in Thailand die Zinsen und die Aktienkurse fielen drastisch. Als die Zentralbank nur noch wenig Reserven für die Erhaltung des Währungskurses hatte, sind auf dem thailändischen Markt immer mehr Spekulanten und Banken erschienen, die auf den Werteverlust der thailändischen Baht setzten. Am 2. Juli hatte die thailändische Zentralbank seine Reserven bereits aufgebraucht und sah sich gezwungen, den Baht vom US-Dollar abzukoppeln und eine Freigabe des Bahts bekanntzugeben, die noch am selben Tag fast 20% ihres Wertes verlor. In Dezember gingen 56 von 58 in Thailand ansässigen Finanzgesellschaften Bankrott, als die Auslandschulden des Landes über 90 Mrd. US-Dollar (entsprach die Hälfte der thailändischen BSP) bekannt geworden sind. Die Krise wurde noch dadurch gestärkt, daß ausländische Investoren panikartig ihr Kapital aus den asiatischen Ländern zurückzogen, nachdem Spekulanten wie George Soros das Vertrauen der Anleger zerstörten.

Die Krise breitete sich aus. Zuerst erreichte sie Indonesien, dann die Philippinen, Malaysia und schließlich auch das fortgeschrittene Industrieland Südkorea. Die nationalen Währungen dieser Länder erlitten das gleiche Schicksal wie davor der thailändische Baht. In Indonesien z.B. wurde die Rupiah nach einer kurzen Periode mit erweitertem Interventionsband gefloatet, und am Anfang Oktober hatte sie bereits 30% ihres Wertes verloren. Durch die Währungsabwertung fielen die Aktienkurse in den Tigerstaaten in den Keller und viele Unternehmen mussten wegen Zahlungsunfähigkeit Konkurs melden. In Malaysia und auf der Philippinen waren die Erfahrungen der Ansteckung etwas anders. In beiden Ländern waren die Anzeichen der Krise ähnlich wie in Thailand, Indonesien und Korea, darunter ein Verlust des Vertrauens der Investoren, was zu starken Kapitalabflüssen, einer Senkung der Reserven, Einbrüchen der Aktienmärkte und bedeutenden Wertverlusten der Währungen führte. Doch die makroökonomische Bedingungen Malaysias waren von Anfang an besser als die der anderen Krisenländer, besonders betreffend Auslandsverschuldung, Inflation und Ersparnisse. Zudem hatte das Land einen bedeutenden Haushaltsüberschuß. Das Bankwesen und die Unternehmenssektoren waren auch gesünder als in den anderen betroffenen Ländern. Auch die Philippinen, die bereits erfolgreich eine makroökonomische Strukturreform begonnen haben, konnten die Krise mit weniger Kosten in bezug auf Produktionseinbußen, Arbeitslosigkeit und soziale Unruhen überstehen.

Die wirtschaftliche Schwäche der Tigerstaaten hat auch bei der Zivilbevölkerung Spuren hinterlassen. Durch die Arbeitslosigkeit, Lohnkürzungen und durch drastische Preiserhöhungen sah sich die Bevölkerung der asiatischen Länder auf einmal mit sozialem Abstieg konfrontiert, denn anders als in Deutschland, gibt es in den Ländern Ostasiens kein ausreichendes soziales Netz. Allein durch die Krise haben mehr als 10 Millionen Menschen in den Tigerstaaten ihre Arbeitsplätze verloren.

2.3 Ursachen der Asienkrise

In erster Linie konnten die Probleme der betroffenen Länder auf eine Kombination aus volkswirtschaftlichen Ungleichgewichten, externen Einflüssen sowie Schwächen im Finanz- und Unternehmenssektor zurückgeführt werden. Die außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte waren das Ergebnis eines kräftigen Zuschusses vom Privatkapital sowie von hohen privaten Inlandsinvestitionen. Auch die Banken der Tigerstaaten investierten ihre Gelder in die expandierende asiatische Industrie. Um einen höheren Entwicklungsstand und Wohlstand zum Ausdruck zu bringen, wurden in allen ostasiatischen Staaten Prestigeprojekte mit hohem Symbolcharakter durchgeführt, wobei die Rentabilität und Notwendigkeit überhaupt keine Rolle spielten.

Die Probleme im Finanz- und Unternehmenssektor bestanden aus mehreren Elementen. Diese waren vor allem die Fremdwährungskredite ohne Kurssicherung, die Abhängigkeit von kurzfristiger Auslandschuld und die riskante Investitionen, die sich auf überbewertete Aktien- und Immobilienpreise stützten. Um für Investoren aus dem Ausland lukrativ zu erscheinen, haben die asiatischen Länder ihre Währungen an den US-Dollar gekoppelt, was zu einem enormen Zufluß kurzfristiger ausländischer Kredite führte. Dieses Kapital wurde von den Banken in Form von langfristigen Krediten an private Investoren weitergegeben, die es in spekulative Anlagen steckten. Die dann - während der Krise - auftretende Kursverluste, die die Rückzahlung von ausländischen Kredite erschwerten, veranlassten die Anleger ihre Verbindlichkeiten durch den Tausch der Landeswährung in ausländische Währung abzusichern. Dies wiederum verstärkte den Druck auf die Wechselkurse und machte die Tilgung der Auslandschulden beinahe unmöglich. Gleichzeitig sind neue und vor allem billiger produzierende Konkurrenten auf dem Markt erschienen. Zu diese zählen vor allem China und Vietnam. Als dann noch China seine eigene Währung abwertete um seine Handelsbilanz auszugleichen, und der US-Dollar, an den die asiatische Währungen angebunden waren, aufgewertet worden ist, konnte man eine voraussichtliche Abwertung der ostasiatischen Währungen nicht mehr abwehren.

Weitere Hauptursache für die Krise war die Entwicklung der „bubble economy“, bei der sich Buchgeld und Immobilienwert nicht mehr entsprachen. Wie bereits erwähnt, waren die Preise für Grund und Boden enorm hochspekuliert worden. Hohe Verschuldung, ungeprüfte Kreditvergabe, erhebliche Mängel bei der Kontrolle der Buchhaltung und Rechnungsprüfung, sowie weit hinter internationalen Standards zurückliegende Publizitätsvorschriften trugen zu der Entstehung dieser Mißstände bei. Weitere wirtschaftliche Probleme entstanden auch durch die Korruption, die Kreditaufnahmen für hochverschuldete und funktionsunfähige Unternehmen ermöglichten. Viele Banken, die später durch den IWF geschlossen worden sind, waren nichts anderes als Machtinstrumente der Politiker.

Nach der Meinung der süd- und ostasiatischen Politiker wurde die Asienkrise durch die globale Finanzstrategie der Amerikaner ausgelöst. Dabei haben besonders die Hedge-Fonds eine wesentliche Rolle gespielt, die auf Zinsschwankungen von staatlichen und privaten Anleihen abgesehen hatten. Die Hedge-Fonds, die ihre Finanzmittel in Milliardenhöhe kurzfristig in vielversprechende Märkte investieren, waren die ersten Spekulanten, die in dieser Situation ein blühendes Geschäft erkannten. Allein die Firma Long Term Capital Management (LTCM) spekulierte mit mehr als 1,2 Billionen USD an der asiatischen Börse. In Thailand geht man davon aus, daß der Baht deswegen an ihrem Wert verloren hat, weil die Spekulanten auf den Verfall der thailändischen Währung gesetzt haben. Unter diesen Umständen konnte ein Stimmungsumschwung auf dem Markt zu einem nur schwer aufzuhaltenden Teufelskreis von Währungsabwertungen, Zahlungsunfähigkeit und Kapitalabfluß führen. Nach der Krise in Thailand erfolgte die Ansteckung der anderen asiatischen Länder, weil die Investoren davon überzeugt waren, daß die anderen Länder auch mit den gleichen Problemen konfrontiert waren, was ihre Kreditwürdigkeit in Frage stellte.

2.4 Vorgehen des IWF in Asien - Lösungsansätze

Der IWF wurde zunächst zur Hilfe gerufen, um besonders Indonesien, Thailand und Südkorea finanziellen Beistand zu leisten, da diese Länder am schwersten von der Krise betroffen waren. Das Hilfsprogramm für die Bekämpfung der Niedergang der Tigerstaaten enthielt drei Komponenten, die jetzt genauer beschrieben werden.

1. Finanzierung: Die Schwächen des Finanzsektors galten als Hauptursache der Asienkrise. Die Kosten für die Reformen im Finanzsektor beliefen sich daher auf 15-45 % des Bruttoinlandproduktes der betroffen Ländern. Die folgende Tabelle zeigt die Größe der Kredite bzw. Hilfspakete für Anpassungs- und Reformprogramme in den betroffenen Ländern:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Siehe auch Anhang # 3 – Ausgewählte Wirtschaftsindikatoren / Zusicherungen und Auszahlungen der Internationalen Gemeinschaft während der Asienkrise)

Die Hilfeleistungen an Indonesien wurden in den Jahren 1998 und 1999 sogar noch weiter erhöht. Indonesien erhielt auch in 2000 eine weitere Kredite über 5 Mrd. USD.

2. Makroökonomische Maßnahmen: Um die Währungsabwertung, den Zusammenbruch der jeweiligen Wechselkurse und gleichzeitig die Inflation aufzuhalten, wurde die Geldpolitik in den asiatischen Länder massiv verschärft. In den ersten Monaten der Krise wurden die realen Zinssätze enorm angehoben. Ein glaubwürdiges makroökonomisches Stabilisierungsprogramm war die Voraussetzung, um das Vertrauen der Sparer, Gläubiger und Investoren wiederzugewinnen. Sobald das Vertrauen der Investoren stieg und die Marktbedingungen einigermaßen sich stabilisierten, zog sich der IWF aus der Fiskalpolitik zurück und die Zinssätze wurden wieder gesenkt.

3. Strukturreformen: Um den Finanz- und Unternehmenssektor zu stärken, wurden vom IWF Reformprogramme entwickelt und mit den von der Krise betroffenen Ländern abgestimmt. Das Ziel diese Reformen war die Milderung und Verbesserung der sozialen Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Belebung des wirtschaftlichen Wachstums. Bei der Ausarbeitung der Maßnahmen waren auch die jeweiligen Regierungen, der Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank anwesend. Die Reformmaßnahmen umfassten die folgenden Hauptaspekte in Thailand, Indonesien und Südkorea:

Zahlungsunfähige Finanzinstitute wurden geschlossen um weiteren Verlusten Einhalt zu gebieten. Potenzielle Finanzinstitutionen wurden mit Regierungsunterstützungen rekapitalisiert um lebensfähig zu bleiben, außerdem wurde der Aufsicht der Zentralbanken über schwache Finanzinstitute strenger organisiert. Durch die Stärkung der Finanzaufsicht und Regulierung erhoffte man sich ein Aufschwung aus der Krise. Ein weiteres Ziel dieser Maßnahmen war die Wiederherstellung der Solidität der Finanzinstitutionen sowie die Anpassung der Aufsicht an die internationalen Standards. Die Umstrukturierung von Unternehmensschulden und die realistische Neuverhandlung von Schulden sollte ebenfalls zur Solidität des Finanzsystems beitragen. Die Ziele der strukturellen Reformen für den Unternehmenssektor waren sowohl die Vorschriften der Rechnungslegung transparenter zu gestalten, als auch finanzielle Beteiligungen ausländischer Investoren an nationalen Unternehmen zu erleichtern.

Des weiteren versuchte man die sozialen Sicherheitsnetze zu stärken bzw. zu erweitern, den Bildungs- und Gesundheitssystem zu fördern und die Subventionen für Güter des Grundbedarfs wie Reis zu erhöhen. Mit diesen Methoden wollte man die ärmeren und schwächeren Bevölkerungsgruppen schützen. Die Verstärkung der Transparenz in allen wirtschaftlichen Sektoren, der Rückhalt hoher Fremdwährungsreserven, die Privatisierung zahlreicher staatlicher Unternehmen, sowie die Stärkung des Wettbewerbs und damit auch der Märkte waren weitere wichtige Bestandteile der Strukturreformen und gleichzeitig Auflagen für die Kreditgewährung der IWF.

In Thailand galten die Reformen insbesondere dem Öffentlichen Dienst. Da die Gehälter an Beamte und Angestellte 40% des Staatshaushaltes verschlangen, musste unbedingt nach Verbesserungsmaßnahmen gesucht werden. Thailand vereinbarte folgende Strukturreformen des öffentlichen Dienstes mit der Weltbank:

- Modernisierung der Steuerverwaltung
- Abbau des überflüssigen Personals
- Rationalisierung der Arbeitsabläufe, und
- Erhöhung der Verantwortlichkeit

Gleichzeitig wurde eine Reform der Zentralbank in Angriff genommen, mit dem Ziel, eine maximale Effizienz bei gleichzeitiger Erhaltung der Unabhängigkeit in der Gestaltung der Geldpolitik zu sichern.

Malaysia versuchte einen schnelleren und vor allem eigenen Weg der Strukturanpassungen zu gehen. Das Land wollte ein Wachstum nicht nur über eine Ausdehnung der Exporte erreichen, sondern auch durch Wiederbelebung und Stärkung der Inlandsnachfrage mit Hilfe keynesianischer Stabilitäts- und Wachstumspolitik. (Senkung der Staatseinahmen und Erhöhung der Staatsausgaben = deficit-spending à Dem Wirtschaftskreislauf wird zusätzliches Geld zugeführt. Der Staat erwartet, daß aufgrund dieser Maßnahmen die Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern steigt und so die Arbeitslosigkeit abgebaut wird.)

Um zukünftig Währungskrisen und Wirtschaftseinbrüche vorbeugen zu können, wurden in den Tigerstaaten Frühwarnsysteme aufgebaut. Diese sollen eine erhöhte Kontrolle und Transparenz von Kapitalströmen und Kreditvolumen bringen. Der IWF versuchte außerdem durch zusätzliche Maßnahmen die Krise in Asien zu überwinden. Für die Philippinen wurde im Jahr 1997 ein bereits bestehendes Unterstützungsprogramm erweitert und aufgestockt. Durch Intensivierung der Konsultationen mit anderen Krisenländern sowie durch eine wirtschaftspolitische Beratung über die Vermeidung von Ansteckungseffekten wollte der IWF erreichen, daß besonders China von der Asienkrise verschont bleibt. Deshalb unterstützte er die chinesischen Behörden, ihren Wechselkurs gegenüber dem amerikanischem Dollar stabil zu halten. Des weiteren wurden Gesetze zur Stärkung der Unabhängigkeit der Zentralbanken, zur Wettbewerbspolitik, zu Konkursverfahren und zu Maßnahmen gegen Korruption verabschiedet.

2.5 Asien nach der Krise – Ergebnisse der IWF-Programme

Die gewählten Strategien der IWF erwiesen sich bis Ende 1998 in den meisten Fällen als erfolgreich bei der Wiederherstellung von Vertrauen und Stabilität der Finanzmärkte sowie bei der Wiederbelebung von Wirtschaftswachstum. Im gleichen Jahr begannen sich die Wechselkurse zu erholen, und die Zinssätze sind unter ihren Vorkrisenstand gefallen. Auch die Inflationsrate konnte in den erwähnten Krisenländern von durchschnittlich über 8% im Jahr 1998 auf ein Niveau von ungefähr 4% in 1999 gesenkt werden. Ein wirtschaftlicher Umschwung begann Mitte 1998 zuerst in Korea, und später auch in den anderen Ländern. (Siehe Anhang #2 – Wirtschaftsdaten 1998) Die Erholung ist in erster Reihe auf die Wiederbelebung der privaten inländischen Nachfrage zurückzuführen. Die Leistungsbilanzen weisen Überschüsse auf, was zum Teil auf eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch die relativ schwachen Wechselkurse, sowie auf weltweit starke Nachfrage nach elektronischen Gütern zurückzuführen ist, die die mit schnellerem Wachstum zusammenhängende erhöhte Importnachfrage ausgleicht. Die internationalen Reserven wurden wieder aufgebaut, dadurch sind die Tigerstaaten gegenüber neue Schockeinwirkungen weniger anfällig geworden. (Siehe Anhang #1 – Wirtschaftsindikatoren)

Malaysia vs. Indonesien

In Malaysia sind laut Regierung die guten Zeiten wieder da. Die Stabilisierung in der Region und die relative Unterbewertung des Ringgit, die die Exporttätigkeiten erhöht hat, erleichterten die Durchführung der IWF-Maßnahmen. Das reale BIP stieg 1999 um 5,8%, für das Jahr 2000 wird ein Wachstum von ca. 8% prognostiziert. Auch die Währungsreserven wurden wieder aufgebaut, ihre Höhe betrug Ende 2000 31 Mrd. USD. Gegenwärtig weist die malaysische Wirtschaft eine hohe Wachstum auf. Diese ist auf die hohe Binnennachfrage und gesteigerte Exporttätigkeit des Landes zurückzuführen. Die weitere Entwicklung hängt aber stark vom Bereich Elektrotechnik und Halbleiter ab (40% der Industrieproduktion). Man erwartet, daß der BIP-Zuwachs 2001 auf 6% sinken wird, weil eine Normalisierung auf dem IT-Markt sich bereits anbahnt. In der Zukunft wird die Leistungsbilanzüberschuß abnehmen, da aufgrund des hohen Wachstumstempos die Binnennachfrage kräftig zunimmt und die Exporte wegen der oben genannten Ursache sinken. Die Inflationsrate bleibt dagegen weiterhin stabil, da der Ringgit seit 2 Jahren erfolgreich an dem USD gebunden ist. Die aktuelle (Anfang 2001) Inflationsrate liegt bei 1,5%, der Wechselkurs MYR/USD beträgt 3,8. Unabhängige Beobachter bezweifeln aber die Nachhaltigkeit der Wende, weil die Regierung mit ihrer Antikrisenmedizin – Kapitalverkehrskontrollen – ausländische Investoren für lange Zeit verschreckt hat. Die Entwicklung des Börsenindex in Malaysia ist der Beweis für diese Tatsache. Vor der Krise (1996) stand der Index bei 1300 Punkten. Als dann die Krise auch Malaysia ergriff, erreichte der Börsenindex Mitte 1998 seinen Tiefststand von weniger als 300 Punkten. Obwohl Ende 1999 bzw. Anfang 2000 eine beachtliche Aufschwung auf der Börse stattfand und der Index 1000 Punkte aufwies, steht er gegenwärtig bei nur 680 Punkten.

Der Inselstaat Indonesien macht bislang nur bescheidene Fortschritte. Anfang 1999 notierte die Rupie zwar fester als ein Jahr davor, doch die Preise stiegen mit einer Rate von 70,7%. Die kurzfristigen Zinsen betrugen im gleichen Jahr 39%. Obwohl seit Juni 1999 die Inflation niedrig ist und die Zinssätze gesenkt wurden, belasten nun andere Probleme die indonesische Wirtschaft. Die politischen Führer sitzen mittlerweile auch nicht mehr fest im Sattel. Diese politische Unsicherheit, die Verzögerung im Privatisierungsprozeß, sowie die geringe Fortschritte bei der Restrukturierung der Unternehmensschulden machen das Land für Investoren nicht gerade lukrativ und interessant. Daher ist in der Zukunft mit einem rückläufigen Entwicklung der Aktienkurse und Wechselkursschwächen zu rechnen. Der Wechselkurs IDR/USD wurde für 2000 mit 9200 prognostiziert gegenüber 1999, als er bei 7156 stand. 1997, d.h. vor der Krise, war der Wechselkurs: 4900 IDR/USD. Mit einer Abwertung ist auch in 2001 zu rechnen, die Deutsche Bank schätzt, daß der Wechselkurs der Rupie zum Dollar 9400 betragen wird. Die Inflationsrate wird, von 3,4% in 2000, voraussichtlich auf 6,7% im Jahre 2001 steigen. Die oben genannten negative Einflußfaktoren schlugen sich auch auf der Aktienmarkt nieder. Man muß hier erwähnen, daß der Börsenindex nach seinem Tiefstpunkt Mitte 1998 (260 Punkte) schnell erholte und bereits im gleichen Jahr auf 700 Punkte stieg. Der Aufschwung war aber nicht vom Dauer: er fiel erneut und stand im Jahre 2000 bei nur 420 Punkten, ähnlich wie vor der Asienkrise. (Börsenindex am 13.01.2001: 407 Punkte) Als positiv erweist sich einzig und allein, daß die schwachen Wechselkurse und die relativ hohen Ölpreise auch für 2001 und 2002 für eine bedeutende Überschuß im Leistungsbilanz Indonesiens sorgen werden.

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Details

Seiten
38
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638113304
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2178
Institution / Hochschule
Hochschule Aalen – Wirtschaftswissenschaften
Note
1,5
Schlagworte
Krisenbewältigung Ursachen Maßnahmen Perspektiven

Autor

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