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Wirtschaftliche Globalisierung und ihre Folgen

Hausarbeit 2000 24 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Grundlagen
2.1. Definition und Ursachen
2.2 GATT
2.3. World Trade Organization
2.4. IWF

3. Wirtschaftliche Globalisierung und ihre Folgen
3.1. Das internationale Finanzsystem
3.1.1. Finanzmärkte
3.1.2. Finanzkrisen
3.1.3. Die Entstehung von Finanz- und Währungskrisen
3.2. Globalisierung und Erwerbsarbeit
3.2.1 Freihandelszonen
3.2.2. Telearbeit
3.2.3 Konsequenzen für die Erwerbsarbeit
3.3. Umweltzerstörung

4. Nachwort

5. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Der Begriff Globalisierung ist in den letzten Jahren zu einem der meist diskutierten Begriffe geworden. Doch was bedeutet Globalisierung überhaupt? Für manche ist es ein Segen, für andere der Untergang der bisherigen sozialen Errungenschaften, eine Auslieferung an den Kapitalismus und Bedrohung der persönlichen Existenz.

„Steigende Arbeitslosenzahlen, folgenreiche Einsparungen der öffentlichen Finanzen und schmerzhafte Einschränkungen für viele private Haushalte haben in allen Industriestaaten das Gefühl einer Zeitwende entstehen lassen. Von einer inzwischen kaum noch überschaubaren Literatur beschrieben, scheint das Thema „Globalisierung“ alle anderen politischen Fragen zu überlagern. Internationale Mächte werden verantwortlich gemacht für den wachsenden Konflikt zwischen nationalen Traditionen und den Herausforderungen einer neuen Welt der Kommunikationstechnik.“[1]

Es sind nunmehr alle Industrienationen, welche dem Druck der Globalisierung ausgeliefert sind und die in ihrer bisherigen Lebensweise bedroht sind. Jahrzehnte alte soziale Errungenschaften, welche so gut wie jeden Teil des menschlichen Lebens berührt haben, werden nach und nach immer weiter abgebaut. Diese sozialen Einschnitte berühren die gesamte Gesellschaft, so daß jeder Einzelne durch den beschleunigten Wandel von Wissenschaft und Wirtschaft betroffen ist.

Die Industriestaaten sind mit sehr hohen Arbeitslosenquoten geplagt. Ist daran die Globalisierung schuld oder gibt es dafür noch andere Gründe?

Aber die Entwicklungen nach 1945 brachten aber noch andere Folgen mit sich. Die Entwicklungsländer öffneten sich immer mehr den westlichen Ländern. Dabei wurden traditionelle Kulturen weitgehend zerstört und die Staatsverschuldung immer höher getrieben. Zunächst waren Westeuropa und die USA die Gewinner. Doch der technische Fortschritt und der technische Wandel brachten Umweltzerstörung, Erdaufwärmung, Anhebung des Meeresspiegels und das Ozonloch.

Kann man die Konflikte beseitigen, welche mit der Globalisierung entstehen oder muß man sich damit abfinden und damit leben?

2. Grundlagen

2.1. Definition und Ursachen

Es gibt verschiedene Bereiche, in die man den Begriff Globalisierung einteilen kann: Globalisierung in wirtschaftlicher und sozialer Dimension, in politischer und gesellschaftlicher Dimension und in der kulturellen Dimension.

Ich möchte aber hauptsächlich auf die Globalisierung in wirtschaftlicher und sozialer Dimension eingehen.

Als Globalisierung in wirtschaftlicher und sozialer Dimension sollen hier „die Ursachen, Merkmale und Auswirkungen der zunehmenden weltweiten Vernetzung und Interdependenz nicht nur von Güter- und Faktormärkten, sondern auch von Unternehmen und Produktionsstandorten bezeichnet werden.“[2]

Globalisierung ist kein zufälliges Naturereignis, welches am Ende des 20. Jahrhunderts über die Menschheit hereingebrochen ist. „Das neue Wort „Globalisierung“ hat die Ökonomen nicht sonderlich interessiert, weil für sie der Vorgang der Globalisierung seit zwei Jahrhunderten das tägliche Brot ist.“[3]

Es ist vielmehr eine bewußt herbeigeführte Entwicklung, welche durch politische Gremien auf nationaler und internationaler Ebene bewilligt worden ist.

Die rasante Zunahme an Außenhandelsaktivitäten wäre ohne die internationalen Abkommen GATT und WTO nicht denkbar. In Europa haben vor allem die Freiheiten für Waren, Dienstleistungen, Menschen und Kapital zum Abbau von Handelshemmnissen im Europäischen Binnenmarkt geführt. Aber ohne die neueren, großen Freihandelsräume NAFTA und MERCOSUR in Nord- und Südamerika und ASEAN in Südostasien wären es vermutlich nicht zu einem weltweiten Güter- und Kapitalaustausch mit heutigem Ausmaß gekommen.

„Hinter allen diesen Entwicklungen stehen viele, im festen Glauben an die wohlstandssteigernden Segnungen eines freien Welthandels geschlossenen Verträgen, die dem selbstverständlich schon lange vorher bestehenden Trend zur Internationalisierung einen geradezu spektakulären Schub gegeben haben.“[4]

Es gibt aber noch andere Entwicklungen als den Abbau von Handelshemmnissen, welche die Globalisierung mit beeinflußt haben. Zunächst wäre da die moderne Informations- und Kommunikationstechnik zu nennen. Durch diese Technik hat sich die Geschwindigkeit des Informationsaustausches rasant beschleunigt. Mit dem Internet ist es möglich geworden, große Datenmengen innerhalb von Sekunden um den gesamten Globus zu schicken. Es ist auch möglich geworden, daß Menschen auf verschiedenen Kontinenten gleichzeitig an einem Projekt arbeiten können.

Eine andere Entwicklung welche die Globalisierung beeinflußt hat, sind die stark gesunkenen Transportkosten und wesentlich bessere Transportdienstleistungen. Dies macht es möglich, Güter schneller, besser und billiger von einem Teil der Welt zum anderen Teil zu transportieren.

Als letzte Entwicklung führt Prof. Dr. Voeller den stark angestiegenen Umfang von Direktinvestitionen, die anschwellende Flut von Unternehmensbeteiligungen und Fusionen. „Als Motive dafür werden in einer Umfrage der Deutschen Industriekreditbank IKB vier Gründe genannt. Mit weitem Abstand an erster Stelle steht das Ziel, neue Märkte zu erschließen. Als zweites Motiv, mit deutlichem Abstand, wird das Ausnutzen von Lohnkostenvorteilen genannt. Als drittwichtigster Grund wird die „Begleitung von Abnehmern„ erwähnt, was darauf hinweist, daß sich immer mehr mittelständische Unternehmen zu Auslandsinvestitionen veranlaßt sehen, um ihren international orientierten Kunden zu folgen. Schließlich wird als viertes und letztes Motiv auf „Marktsättigung im Inland“ hingewiesen.“ [5]

In den nächsten drei Abschnitten möchte ich kurz drei internationale Abkommen charakterisieren. GATT und WTO sind zwei Abkommen, welche den freien Handel von Gütern und Kapital auf internationaler Ebene ermöglichen sollen. IWF, der internationale Währungsfond, soll Ländern, welche sich in finanziellen Notsituationen befinden, mit Krediten wieder auf die Beine helfen.

2.2 GATT

Vor dem 2. Weltkrieg wurde die Wirtschaftspolitik der Nationalstaaten zumeist durch Status quo - orientierte Interessengruppen bestimmt, welche zu allen Zeiten protektionistischen Einflüssen ausgesetzt war und deshalb auch teilweise protektionistisch war. Die Weltwirtschaftskrise brachte die durch Zölle schon abgeschwächte Möglichkeit, international zu kaufen und zu verkaufen, immer mehr zum Einsturz.

In den Umbruchzeiten am Ende des zweiten Weltkrieges ergab sich die Chance, einen liberalen Neuanfang zu wagen. Nationalökonomische Ratgeber der USA und Großbritanniens brachten ein multilaterales Abkommen zum Schutz des freien internationalen Warenaustauschs auf den Weg. Dieses Abkommen trug den Namen: General Agreement on Tariffs and Trade. Es trat am 1. Januar 1948 mit 23 Mitgliedsländern in Kraft.

„Es ist nicht zuletzt der große gesamtwirtschaftliche Erfolg des GATT – Zeitalters zwischen 1948 und 1989, der, trotz aller Status quo – Orientierung der Politik, die Prinzipien des Wettbewerbs und der Globalisierung auch politisch hoffähig gemacht und fest verankert hat. Heute kann niemand mehr zurück. Die von Export abhängigen Branchen sind in der Zwischenzeit politisch so gewichtig, daß sie ein solches Zurückdrehen verhindern können.“ [6]

„Dabei ergab sich die Logik, daß dies nur möglich war, wenn man das Prinzip der nationalen Nichtdiskriminierung durchsetzte. Wie aber kann ein solches Prinzip operational gemacht werden? Das geht unter anderem dadurch, daß der einzelne Nationalstaat seine Bürger entläßt in die freie Wahl zwischen Produkten von inländischen und ausländischen Anbietern. Er muß die traditionelle Bevormundung des Bürgers in seiner Produktauswahl zugunsten heimischer Produkte beenden.“ [7]

Die freie Wahl des Konsumenten, so wie in dem Zitat beschrieben, ist nur gegeben, wenn unverfälschter Wettbewerb zwischen den Anbietern verschiedener Nationalität besteht.

2.3. World Trade Organization

Nach der Ratifizierung der GATT 1947 und der darauf folgenden Liberalisierung des Warenhandels ergab sich nach einigen Jahrzehnten das Bedürfnis, den freien wirtschaftlichen Austausch zu vervollkommnen. Dies geschah mit dem WTO – Abkommen. Dabei wurden die Prinzipien des freien Handels um neue Produktgruppen erweitert, insbesondere um Produkte aus dem Agrarsektor und viele verschiedene Dienstleistungen. Außerdem wurde für Entwicklungsländer der Zugang zu den Märkten industrialisierter Länder erleichtert.

Damit dieses Abkommen funktionieren kann, ist das Vorhandensein von Sanktionen gegen Staaten, welche sich nicht an die Regeln des Abkommens halten, notwendig.

„Denn, ähnlich wie bei einem Abrüstungsabkommen, geht ein Staat A vor allem deshalb eigene Verpflichtungen ein, um die Staaten B,C,... zu veranlassen, ihrerseits Verpflichtungen einzugehen, die dem Staat A zugute kommen. Die Last der eigenen Last wiegt leichter als der Vorteil, der durch die Verpflichtung der anderen entsteht. So vorteilhaft insgesamt ein solches Abkommen auch ist, es besteht immer die Versuchung, die eigenen Verpflichtungen nicht allzu genau zu nehmen in der Erwartung, daß dies die anderen Mitglieder schon nicht veranlassen wird, einem selbst die Vorteile des Abkommens nicht zugute kommen zu lassen. Eine solche Haltung führt aber mit Sicherheit zu einem Kollaps der gesamten Vereinbarung. Das Abkommen hat nur dann eine Chance auf ein langes Leben, wenn das mit vereinbarte Sanktionssystem derart ist, das es im Regelfall von mutwilligen Vertragsverletzungen abschreckt und daß es Streit schlichten kann im Fall von Auslegungsproblemen der Vereinbarung. So wie im nationalstaatlichen Recht eine Polizei mutwillige Rechtsverletzungen verhindern und ein Gerichtssystem Auslegungsprobleme lösen können muß, so muß es ein internationales Sanktionssystem zum Schutz eines internationalen Abkommens geben.“ [8]

Das WTO – System hat die Institutionen zur Sanktionierung von Vertragsverletzungen gegenüber dem GATT – Abkommen verstärkt. Ein Mitglied, welches ein anderes einer Vertragsverletzung beschuldigt, muß die Einsetzung eines Sachverständigengremiums beantragen, welches die Aufgabe hat, ein Urteil über den Streitfall zu bilden. Dem Urteilsspruch diesen Gremiums müssen sich die Streitparteien beugen. Sollte die Klägerpartei Recht behalten, so kann sie erst jetzt Gegenmaßnahmen ergreifen.

Scheinbar gibt es aber Länder, welche sich nicht an die Vereinbarungen der WTO halten müssen: zum Beispiel die USA.

„Von Befürwortern wird oft ins Feld geführt, daß vor dem Weltgericht zumindest alle Länder gleich wären, daß auch die Handelsmächte sich an die Abmachungen zu halten haben. Abgesehen davon, daß die Abmachungen im wesentlichen den Interessen der Handelsmächte (bzw. Der Großkonzerne) entsprechen, gilt auch hier die traurige Feststellung, daß einige gleicher sind als andere. Die Helms - Burton - und d’Amato - Gesetze der USA sind eigentlich ein klarer Verstoß gegen WTO - Regeln. Sie beinhalten, daß die USA massive Sanktionen gegenüber ausländischen Firmen (und deren Angehörigen) anwenden darf, falls diese mit Kuba, Libyen, Syrien oder dem Iran Geschäfte machen. Die EU hat die USA wegen Verletzung der Regeln daraufhin bei der WTO verklagt. Als sich abzeichnete, daß das Schiedsgericht der Klägerin Recht geben würde, drohte die USA für diesen Fall mit dem Austritt aus der WTO - die EU gab nach und zog die Klage zurück.“ [9]

[...]


[1] „Im Joch des Profits? – Eine deutsche Antwort auf die Globalisierung“ ; Klaus von Dohnanyi, 1997; S.11

[2] „Ulmensien- Schriftenreihe der Universität Ulm: Globalisierung und Soziale Marktwirtschaft. Auf der Suche nach Balance: Soziale Marktwirtschaft im Kräftespiel der Globalisierung“;1999; Prof. Dr. Joachim Voeller; S.10

[3] „Logik der Globalisierung“;1999; Prof. Dr. C. Christian von Weizsäcker; S. 5-6

[4] „Ulmensien- Schriftenreihe der Universität Ulm: Globalisierung und Soziale Marktwirtschaft. Auf der Suche nach Balance: Soziale Marktwirtschaft im Kräftespiel der Globalisierung“;1999; Prof. Dr. Joachim Voeller; S.11

[5] „Ulmensien - Schriftenreihe der Universität Ulm: Globalisierung und Soziale Marktwirtschaft. Auf der Suche nach Balance: Soziale Marktwirtschaft im Kräftespiel der Globalisierung“;1999; Prof. Dr. Joachim Voeller; S.13

[6] „Logik der Globalisierung“;1999; Prof. Dr. C. Christian von Weizsäcker; S. 124 – 125

[7] „Logik der Globalisierung“;1999; Prof. Dr. C. Christian von Weizsäcker; S. 125

[8] „Logik der Globalisierung“;1999; Prof. Dr. C. Christian von Weizsäcker; S. 126

[9] „Strategien für die Weltgesellschaft - Zur Entwicklungspolitik in der Globalisierung“; Aram Ziai; 1998

Details

Seiten
24
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638113281
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v2174
Institution / Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus – LS Technikphilosophie
Note
2,3
Schlagworte
Wirtschaftliche Globalisierung Folgen Ringvorlesung

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