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Zur Fabel 'Das Pferd und die Bremse' von Christian Fürchtegott Gellert

Seminararbeit 2002 11 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

1. Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Allgemeine Einführung: Gellert und sein Stellenwert in der Literaturgeschichte

4. Hauptteil:
4. 1. Die Fabel „Das Pferd und die Bremse“ von Christian Fürchtegott Gellert
4. 2. Fassung von 1742
4. 3. Fassung von 1746
4. 4. Deutung und Nutzanwendung

5. Schlußbetrachtung

6. Bibliographie
6. 1. Primärliteratur und verwendete Abkürzungen
6. 2. Sekundärliteratur und verwendete Abkürzungen

2. Einleitung:

Die Fabeln Christian Fürchtegott Gellerts, die auch zum Teil heute noch, nach über 250 Jahren, lebendig wirken, zählen zum Besten dieser volkstümlichen Gattung in der deutschen Literatur.[1] Durch sie wurde Gellert mit einem Schlag ein viel gelesener und beliebter Autor. Er belehrt hier seine Zeitgenossen in gewandter, anschaulicher und leicht verständlicher Sprache mit deutlicher Nutzanwendung. Er deckt menschliche Schwächen wie Habgier, Überheblichkeit, Prahlerei, Heuchelei und Scheinfrömmigkeit auf und artikuliert meist gegen Ende seine moralische Gegenkonzeption. „Eine kurze und auf einen gewissen Gegenstand anspielende Erdichtung, die so eingerichtet ist, dass sie zugleich ergötzet und zugleich nutzet, nennt man eine Fabel“ so definiert es Gellert zu Beginn seiner akademischen Abhandlung „De poesi apologorum eorumque scriptoribus“ von 1744, die im Jahre 1772 unter dem Titel „Von denen Fabeln und deren Verfassern“ auch ins Deutsche übersetzt worden ist.[2] Diese Fabelabhandlung entstand neben den Fabeln, die in den „Belustigungen des Verstandes und des Witzes“[3] gedruckt sind und enthält deren theoretische Begründung.

Im Folgenden soll anhand der Fabel „Das Pferd und die Bremse“, die 1742 ebenfalls in den „Belustigungen“ veröffentlicht wurde[4], die Umsetzung dieser Kriterien untersucht werden. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den Unterschieden zwischen dieser Fassung und der aus dem Jahre 1746 gewidmet sein, die in Gellerts „Fabeln und Erzählungen“[5] gedruckt wurde. Zum besseren Verständnis des seit seinem Tod etwas in Vergessenheit geratenen Autors soll zuerst auf sein Werk und dessen Stellenwert in der Literatur eingegangen werden.

3. Allgemeine Einführung: Gellert und sein Stellenwert in der Literaturgeschichte:

Christian Fürchtegott Gellert war einer der meist gelesenen Autoren des 18. Jahrhunderts. Zu seinem Werk gehören vor allem moralische „Fabeln und Erzählungen“ (1746/48), in denen er das aufklärerische Programm in eine

gefällige, populäre Form umsetzte. Angeblich wurde kein Buch zu jener Zeit öfter

zur Hand genommen als seine „Fabeln“, die Bibel ausgenommen. Die „Fabeln“

verschafften dabei erstmals einem deutschen Dichter breite Anerkennung im ganzen europäischen Ausland. Der Hauptgrund seines Erfolges lag wohl darin begründet, dass er sich von der Dichtung, die nur für ein gelehrtes Publikum geschrieben wurde, abwandte und einfache, für jedermann verständliche Poesie verfaßte. Als erster wirklich volkstümlicher bürgerlicher deutscher Dichter war er bemüht, sein Werk vor allem den bürgerlichen Mittelschichten zugänglich zu machen.[6]

Wie seine aufklärerischen Dichterkollegen begriff Gellert Literatur als wesentliches Instrument, mit dessen Hilfe dem Publikum Werte und vorbildliche Handlungsmuster vermittelt werden konnten. Literatur- und kulturgeschichtlich verkörpert Gellert somit eine wichtige Station der deutschen Aufklärung zwischen der Gottsched- und der Lessing-Phase.[7]

Nach seinem Tod brach der Kult, der zu Gellerts Lebzeiten um ihn betrieben wurde, sehr schnell ab und die ersten Angriffe von Kritikern wurden laut. Den Anfang machten 1771/72 zwei junge Literaten, Jakob Mauvillon und Ludwig A. Unzer, mit ihrem fingierten Briefwechsel „Über den Werth einiger deutscher Dichter“[8], in dem sie mit der alten Dichtergeneration schonungslos abrechneten. Sie degradierten Gellert darin zu einem „sehr mittelmäßigen Schriftsteller“ ohne einen Funken Genie“, zu einem Dichter für „Landpastorentöchter“, dessen Dichtung nichts als „fades Zeug“ sei. Deutlich formulierten sie in ihrer Kritik die Standpunkte der sich formierenden Sturm und Drang Bewegung, die mit der aufklärerischen Zweckdienlichkeit von Literatur nicht viel anfangen konnte. So führte die Tatsache, dass Gellert zwischen den Zeiten und Epochen stand, alsbald zu einer vollständigen Umbewertung seiner Person und zu einem Verkennen seiner eigentlichen Leistung.[9]

4. Hauptteil:

4. 1. Die Fabel „Das Pferd und die Bremse“ von Christian Fürchtegott Gellert

Auch die hier zu untersuchende Fabel „Das Pferd und die Bremse“ entspricht Gellerts Definition einer gelungenen Fabel. Sie ist kurz, besonders die zweite Fassung, allegorisch, indem sie eine erdichtete besondere Begebenheit im Tierreich allgemein auf das Menschliche beziehbar macht, und durch ihre anwendbare Lehre auch nützlich. Zudem ist sie unterhaltsam, da sie die Begebenheit lebendig und anschaulich erzählt, wozu besonders die gebundene Rede beiträgt.

Ein stolzes Pferd trägt seinen Herrn durch einen Wald, als sich eine Bremse auf ihm niederläßt. Das Tier ist erbost über die angebliche Dreistigkeit des Insektes und schüttelt es ab. Die zurückgewiesene Bremse rächt sich jedoch durch einen Stich, woraufhin das erschreckte Pferd stolpert und sich ein Bein bricht. Im Anschluß daran wird eine Lehre formuliert, die aus dem vorangegangenen Geschehen gezogen werden kann und sollte.

Die folgenden Ausführungen stützen sich vor allem auf Wolfgang Martens Fabelinterpretation.[10]

4. 2. Fassung von 1742

Die frühere Fassung stammt von 1742. Sie erschien im zweiten Band der „Belustigungen des Verstandes und des Witzes“, einer Zeitung des Gottsched-Kreises. Diese Fassung ist mit 64 Versen mehr als doppelt so lang wie die zweite. Sie besteht aus insgesamt acht regelmäßig aufgebauten Strophen zu je acht Zeilen. Gellert hat später bei der Überarbeitung im Jahr 1746 rigoros gekürzt und dabei besonders die wortreichen Ausmalungen gestrichen. Auf die ersten vier Strophen, die sich ausführlich den Vorzügen des Pferdes widmen, hat er dabei

[...]


[1] Böttcher, Kurt (Bearbeitung): „Lexikon deutschsprachiger Schriftsteller. Von den Anfängen bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts.“ Leipzig 1987, S. 147

[2] Gellert, Christian Fürchtegott: „Schriften zur Theorie und Geschichte der Fabel“. Historisch-kritische Ausgabe bearbeitet von Siegfried Scheibe. Tübingen 1966, S. 11

[3] Christian Fürchtegott Gellert: „Gesammelte Schriften.“ Kritisch kommentierte Ausgabe. Hg. von Bernd Witte. Bd. I: „Fabeln und Erzählungen.“ Hg. von Ulrike Bardt und Bernd Witte. Berlin / New York 2000, S. 1-54

[4] Gellert / Schriften 2000, S. 16-18

[5] Gellert / Schriften 2000, S. 84-85

[6] Böttcher, S. 147

[7] Böttcher, S. 147

[8] Mauvillon, Jakob / Unzer, Ludwig August: „Ueber den Werth einiger Deutschen Dichter und über andere Gegenstände den Geschmack und die schöne Literatur betreffend.“ Ein Briefwechsel. Erstes und Zweites Stück. Frankfurt / Leipzig 1771 / 1772

[9] Stephan, Inge: „Gellert, Christian Fürchtegott.“ In: „Metzlers Autorenlexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart.“ Hg. von Bernd Lutz. Stuttgart / Weimar 1997, S. 235

[10] Martens, Wolfgang: „Hochmut kommt vor dem Fall. Zu Gellerts Fabel Das Pferd und die Bremse.“ In: „Gedichte und Interpretationen“, Bd. 2, „Aufklärung und Sturm und Drang.“ Hg. von Karl Richter. Stuttgart 1983, S. 162-178

Details

Seiten
11
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638252201
ISBN (Buch)
9783638747592
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21654
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut Neuere Deutsche Literatur und Medien
Note
2
Schlagworte
Fabel Pferd Bremse Christian Fürchtegott Gellert Textgestalten Fassungen Bearbeitungen

Autor

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