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Der Königsfrieden von 386 v. Chr.

Zum Scheitern eines panhellenischen Friedenskonzepts.

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sparta als Nutznießer des Königsfriedens?

3. Der Zweite Attische Seebund und die koine eiréne von 362 v. Chr. – Stabilitätsphasen auf Grundlage des Königsfriedens?

4. Der Königsfrieden – Segen für die griechischen Kleinstaaten?

5. Das Theoriedefizit des Königsfriedens als Kriegskatalysator?

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
Quellen
Sekundärliteratur

1. Einleitung

Das 4. Jahrhundert v. Chr. war in der griechischen Welt geprägt von einem fast permanenten Kriegszustand. Trotz etlicher Bemühungen gelang es den hellenischen Poleis nicht, eine dauerhafte Stabilisierung und Befriedung der zwischenstaatlichen Beziehungen herbeizuführen. Obwohl Krieg in der griechischen Antike als durchaus probates Mittel der Politik galt, wurden die permanenten Waffengänge in Hellas von den Zeitgenossen als Verschlechterung im Gegensatz zu den Zuständen früherer Zeit angesehen, wie Martin Jehne herausgearbeitet hat.[1] Dies steht im augenfälligen Kontrast zum Anspruch des Königsfriedens von 387/6 v. Chr. und der Idee eines allgemeinen Friedens – der koiné eiréne – die damit einherging und sich im Laufe des 4. Jahrhunderts v. Chr. zum bedeutendsten Referenzpunkt der Außenpolitik griechischer Staaten entwickelte.[2] Diese Arbeit soll die Gründe aufzeigen, wieso der Königsfrieden trotz seines programmatischen Anspruchs, sowie die weiteren Friedensschlüsse des 4. Jahrhunderts, die ihn erneuerten und weiterentwickelten, keinen dauerhaften Friedenszustand hervorbringen konnten. Darüber hinaus soll geklärt werden, inwieweit in der Idee der koine eiréne selbst, angelegt und verwirklicht im Vertragsschluss von 386 v. Chr., eine kriegsfördernde Struktur enthalten war. Dieses neue panhellenische Konzept und seine faktische Umsetzung nach dem Korinthischen Krieg stellte ein Novum in der bisherigen Geschichte des antiken Griechenlands dar, eine Untersuchung zum Friedensschluss von 386 v. Chr. erscheint gerade im Hinblick auf dessen scheinbare Unzulänglichkeiten lohnenswert.

Um diesen Fragen nachzugehen, sollen folgende aus der Forschungsliteratur entwickelte Thesen untersucht werden, die zur Beurteilung der Realisierbarkeit des koine-eiréne- Konzepts dienen. Ihnen ist im Folgenden jeweils ein Kapitel gewidmet. Erstens soll untersucht werden, ob der Königsfrieden in seiner ersten Ausführung einseitig nur Sparta diente, das als Ordnungsmacht durch den persischen Großkönig eingesetzt wurde. Wie Kimitoshi Moritani behauptet, sei der Königsfrieden nur aus dem persischen Bestreben erwachsen, Großkönig Artaxerxes’ Hegemonialanspruch auf Griechenland durchzusetzen. Dies hätte er vollbracht „[…] by appointing Sparta the prostates (protector) of the peace as his subordinate ally […]”.[3] Kann man daher davon ausgehen, dass es sich hier nicht um einen allgemeinen Frieden handelte, sondern nur um ein Instrument, das Sparta zur Zerschlagung der ihm gefährlich erscheinenden Machtgebilde benutzen konnte? Die zweite These bezieht sich auf die wenigen Friedensjahre des 4. Jahrhunderts v. Chr. Ausgehend von der Prämisse, dass der Zweite Attische Seebund zumindest eine kurze Phase relativer Stabilität in Griechenland hervorzubringen wusste und auch auf der Peloponnes nach der Schlacht von Mantineia 362 v. Chr. nicht unmittelbar wieder zu den Waffen gegriffen wurde, soll die Frage geklärt werden, warum zu diesen Zeitpunkten, im Kontrast zu den anderen Friedensschlüssen des Jahrhunderts auf Basis des Königsfriedens, Friede und Stabilität geschaffen werden konnten und inwieweit dies auf die koine eiréne zurückzuführen ist. Die dritte These drängt sich in Anbe­tracht der Tatsache, dass sich nach dem Königsfrieden vor allem Athen, Sparta und Theben als stärkste Mächte Griechenlands behaupteten, geradezu auf. Es ist danach zu fragen, welchen Nutzen die kleineren Poleis de facto aus dem Königsfrieden und der Idee der Polisautonomie zogen, wies doch bereits Katrin Schmidt auf das Paradoxon hin, dass einerseits die Autonomie der Griechen garantiert werden sollte und andererseits die Poleis in Kleinasien unter persischer Herrschaft bleiben sollten.[4] In einem letzten, mehr an der Theorie des Vertragswerks orientierten Schritt, werden die Bestimmungen des Königsfriedens auf ihr Friedenspotential hin beleuchtet um festzustellen, ob die Kriege der Folgezeit bereits darin auszumachen gewesen sind. Die These lautet, dass dem Königsfrieden ein Theoriedefizit immanent war, das seine Umsetzung in politische Realität unmöglich machte.

Die Arbeit soll dabei auf die einzelnen Friedensschlüsse des 4. Jahrhunderts begrenzt bleiben, die genauen Abläufe der Waffengänge dieser Epoche sind für die Fragestellung hier weniger relevant. Ebenso wird das Zustandekommen des Königsfriedens, also die Zeit vor 386 v. Chr. nur insoweit in den Fokus rücken, wie sie für die Erklärung der Thesen dienlich ist. Abschließen soll die Untersuchung mit dem Korinthischen Bund unter dem Makedonen Philipp II. Dieser vermochte es erstmals im 4. Jahrhundert v. Chr. – und dies ist in der Forschung weitestgehend unbestritten – eine längere Phase des Stabilität und des Friedens zwischen den griechischen Staaten zu stiften. Die Arbeitsweise ist dabei nicht streng chronologisch, sondern rückt argumentativ einzelne Ereignisse in den Fokus, um diese zu beleuchten und zu vergleichen.

Die herangezogene Primärliteratur für diese Arbeit basiert auf den Schriften Andokides‘, Xenophons und Diodors. Das Thema wird daher aus dem Blickwinkel zweier Zeitgenossen beleuchtet, Diodors Bericht entstand mit einigem zeitlichen Abstand. Zu beachten ist dabei, dass insgesamt drei verschiedene Blickwinkel auf die Thematik angelegt werden, inklusive Xenophons pro-spartanischer Sichtweise. Der Betrachtungszeitraum ist somit aus den Quellen vollständig rekonstruierbar, wobei einige Ereignisse aber stärker hervorgehoben werden als andere. Der Königsfrieden ist ein in der Forschung vieldiskutiertes Thema, gerade aufgrund seines augenscheinlichen Versagens. Die hier herangezogenen Werke behandeln vorwiegend die zwischenstaatlichen Auswirkungen des Königsfriedens, wobei die drei Großpoleis Athen, Sparta und Theben im Fokus stehen. Differenzen bestehen in der Forschung in der Beurteilung der Profiteure des Königsfriedens und dessen längerfristiger Bedeutung.

2. Sparta als Nutznießer des Königsfriedens?

Noch bevor 387/6 v. Chr. der Königsfrieden geschlossen wurde, hatte sich Sparta im Korinthischen Krieg in eine Zwickmühle manövriert. Der Korinthische Bund, allen voran Athen, drohte die Überhand in der Auseinandersetzung zu gewinnen, auf der anderen Seite hatte man es zudem mit dem Perserreich zu tun. Sparta war also daran gelegen, diese Situation noch bestmöglich für die eigenen Interessen zu lösen, vor allem aber den Korinthischen Bund als allzu mächtiges Bündnissystem auf dem griechischen Festland zu sprengen. Daher wurde 392 v. Chr. Antalkidas nach Persien gesandt, um Großkönig Artaxerxes davon zu überzeugen, der Athener Konon, der als persischer Flottenkommandeur diente, wolle mithilfe der ihm zur Verfügung stehenden Gelder der Perser auf eine athenische Hegemonie hinarbeiten.[5] Es wird also hier bereits klar, dass Sparta zum einen die Perser in einen bevorstehenden griechischen Frieden miteinzubeziehen suchte, auch wenn hier noch nicht von einem allgemeinen Frieden die Rede ist, und zum anderen keinesfalls aus einer Position der Stärke heraus handelte. Dieser Status quo verhärtete sich bis 388 v. Chr. noch mehr zu einer Pattsituation, sodass weder Athen noch Sparta ohne persische Unterstützung eine Kriegswende herbeiführen konnten.[6] Folgt man Xenophons Ausführungen, so änderte sich mit dem 386 v. Chr. in Sparta beeideten Königsfrieden die Stellung Spartas: „[…] as a result of the so-called Peace of Antalcidas they gained a far more distinguished position.“[7] Dass sich Xenophon bei seiner Beurteilung zu sehr von seiner spartafreundlichen Gesinnung leiten lässt, hat Welwei plausibel dargelegt, er verweist auf die Gebietsabtretungen, die Sparta zu leisten hatte und darauf, dass auch sie die Sanktionen der Friedensvereinbarung treffen könne.[8] Auch der Hinweis Xenophons, dass der Großkönig „should be an ally of the Lacedaemonians if the Athenians and their allies refused to accept the peace which he himself directed them to accept,”[9] bezieht sich sicherlich nur auf die Annahme der Friedensbedingungen, nicht auf die spätere Durchsetzung des Vertrags. Dem Großkönig dürfte wohl mehr an einer Beendigung des jetzigen Krieges, als an dauerhaft stabilen Verhältnissen in Hellas gelegen haben. Ob man daraus aber schließen kann, dass Athen der größte Nutzen aus dem Königsfrieden erwuchs, wie Welwei es darstellt, ist in Anbetracht der späteren Ereignisse aber zu bezweifeln.[10] Treffend hat hingegen Kimitoshi Moritani festgestellt, dass die jeweils stärkste Polis über die Ausgestaltung des Königsfriedens entscheiden konnte, was wie eingangs erwähnt zunächst Sparta war. Eine generelle spartanische Vorherrschaft wurde im Friedenstext aber nicht verankert.[11]

[...]


[1] Vergl.: Martin Jehne: Koine Eirene. Untersuchungen zu den Befriedungs- und Stabilisierungsbemühungen in der griechischen Poliswelt des 4. Jahrhunderts v. Chr. (Hermes 63), Stuttgart 1994, S. 15 – 16 [Im Folgenden zitiert als „Jehne: Koine Eirene“].

[2] Vergl.: Kimitoshi Moritani: Koine eirene. Control, peace and autonomia in fourth-century Greece, in: Yuge Tory; Doi Masaoki (Hrsgg.): Forms of control and subordination in antiquity, Leiden 1988, S. 573 [Im Folgenden zitiert als “Moritani: Koine eirene”].

[3] Ebd., S. 574.

[4] Vergl.: Katrin Schmidt: The Peace of Antalcidas and the Idea of the koine eirene. A Panhellenic Peace Movement, in: RIDA 46 (1999), S. 89 [Im Folgenden zitiert als „Schmidt: Antalcidas“].

[5] Vergl.: Karl-Wilhelm Welwei: Das klassische Athen. Demokratie und Machtpolitik im 5. und 4. Jahrhundert, Darmstadt 1999, S. 268 [Im Folgenden zitiert als „Welwei: Athen“].

[6] Vergl.: Ebd., S. 274.

[7] Xen. Hell. 5.1.36.

[8] Vergl.: Welwei: Athen, S. 276.

[9] Xen. Hell. 5.1.25.

[10] Vergl.: Welwei: Athen, S. 277.

[11] Vergl.: Moritani: Koine eirene, S. 575.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656444862
ISBN (Buch)
9783656445883
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215948
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Seminar für Alte Geschichte
Note
1,7
Schlagworte
Antike Altertum Griechenland Athen Sparta Königsfrieden koine eirene Andocides Xenophon Diodorus Alexander der Große Makedonien Polis Korinthischer Krieg Korinth Persien Artaxerxes Peloppones Attischer Seebund Theben

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