Lade Inhalt...

Borderline bei Jugendlichen

Studienarbeit 2012 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Begriff

Symptome

Ursachen

Diagnostik

Therapie

Borderline und Pubertät

Modediagnose Borderline

Was charakterisiert Borderline Jugendliche?

Werden aus Borderline Jugendliche auch Borderline Erwachsene?

Gibt es Zusammenhänge mit anderen Störungen?

Fazit

Literatur

Einleitung

Keine Diagnose ist so umstritten wie die Borderline Persönlichkeitsstörung bei Kindern und Jugendlichen. Obgleich es keine Frage ist, dass es Kinder und Jugendliche mit schweren Erkrankungen im Grenzbereich zwischen Neurose und Psychose gibt, die der Borderline Persönlichkeitsstörung ähnlich sind. Dennoch ist die Diagnostik umstritten: Kann man bei Kindern und Jugendlichen von einer Borderline Persönlichkeitsstörung sprechen oder sollte man von einer Borderlinestruktur sprechen?

Angaben zur Häufigkeit bei Kindern und Jugendlichen sind nicht bekannt, im Erwachsenenalter geht man hingehend von einer Häufigkeit von 5,9% in der Bevölkerung (Grant, Goldstein 2008) aus. Heute gibt es immer mehr Aussagen darüber, dass auch bei Jugendlichen oder gar Kindern von der Diagnose Borderline-Störung gesprochen werden kann (vgl. Kernberg 1990, Cohen 1997). Dies aber in Sinne einer Strukturdiagnose und keiner Persönlichkeitsstörung. Das eigentliche Störungsbild der Borderline-Störung sollte nur auf Patienten mit einer chronischen Charakterorganisation angewandt werden. Hier war klar, dass die Diagnose nicht bei Kindern und Jugendlichen gestellt werden konnte, da die psychische Struktur noch nicht chronisch gefestigt ist (Kernberg 1978).

Begriff

Der Begriff Borderline (Grenzlinie, Grenzfall) wurde bereits im 17. Jahrhundert verwendet. Der englische Arzt Thomas Sydenham schrieb über eine Reihe seiner Patienten den oft zitierten Satz: „Sie lieben diejenigen ohne Maß, die sie ohne Grund hassen werden." Erstmals wurde der Begriff jedoch erst 1938 angewandt. Der Begriff wurde 1938 von dem Psychoanalytiker William Louis Stern neu geprägt, als Ärzte, Therapeuten und Wissenschaftler dieses Krankheitsbild weder der Gruppe der Neurosen, noch derjenigen der Psychosen zuordnen konnten, so dass sie sich auf einen Begriff einigten. Als Folge dieser Zuordnung wurde die Borderline Störung entweder als Unterform der Schizophrene verstanden oder aber als Neurose. Erst viele Jahre später wurde die Diagnose nach einer erneuten Diskussion den Persönlichkeitsstörungen zugeordnet und zwar als emotional instabile Persönlichkeitsstörung (Niklewski, Riecke-Niklewski 2003).

Symptome

In der Fachliteratur finden sich Symptome des Erwachsenenalters, über Kinder und Jugendliche findet man kaum Aussagen. Aufgrund der aktuellen Diskussion wird jedoch in den aktuell erscheinenden Büchern zum Teil darauf eingegangen. Als Symptome für Erwachsene gelten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ingrid Sender (2000)

Heinemann und Hopf nennen in ihrem Buch jedoch auch Symptome für Kinder und Jugendliche:

„Schwierigkeiten, zwischen Selbst und Objekt, zwischen Realität und Fantasie zu unterscheiden, paranoide Ängste, […] Schwierigkeiten zwischen den Zeitdimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu unterscheiden, ein Fehlen der Fähigkeit zum symbolischen Denken bei normaler Intelligenz, übertriebene Abhängigkeit von äußeren Objekten (Cohen 1997), […] Panische Angst, Selbstbeschädigungen, keine zuverlässigen Objektbeziehungen, Tendenz, die Bezugspersonen zu idealisieren oder bei Frustration abzuwerten (Diepold 1992).“

Ursachen

Laut dem aktuellen Stand gehen Forscher davon aus, dass zwei Faktoren erfüllt sein müssen, damit eine Borderline Störung entstehen kann. Diese Faktoren lassen sich auch bei Jugendlichen anwenden. Die Faktoren sind der Umweltfaktor: Traumata in der frühen Kindheit, sowie der Genetischer Faktor: das Temperament.

Dies lässt sich so verstehen: Erlebt ein Mensch ein oder mehrere Traumata und ist sein Temperament (das durch die Gene vorprogrammiert ist) so geschaffen, dass er diese Traumata nicht verarbeiten kann, so kann er an einer Borderline Störung erkranken. Wobei hier die Betonung auf kann gelegt werden muss, denn nicht jeder erkrankt an einer Borderline Störung (Koch 2010; Bandelow, Gruber, Falkai 2008).

Diagnostik

Wie jede Diagnose gibt es auch für die Borderline Störung mehrere Kriterien die eine Person erfüllen muss. In Deutschland arbeiten wir mit zwei Systemen: ICD-10 und DSM-IV. Die Kriterien sind jedoch in beiden Systemen auf Erwachsene bezogen.

ICD - 10 - Kriterien:

A.) Um die Diagnose einer Borderline Störung stellen zu können müssen mindestens 3 der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen:

1. Deutliche Tendenz, unerwartet und ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln.
2. deutliche Tendenz zu Streitereien und Konflikten mit andere, vor allem dann, wenn impulsive Handlungen unterbunden oder getadelt werden.
3. Neigung zu Ausbrüchen mit Wut und Gewalt mit Unfähigkeit zur Kontrolle explosiven Verhaltens.
4. Schwierigkeit in der Beibehaltung von Handlungen, die nicht unmittelbar belohnt werden.
5. Unbeständige und unberechenbare Stimmung.

B.) Zusätzlich müssen zur Diagnose Borderline mindestens zwei der folgenden Eigenschaften und Verhaltensweisen vorliegen:

1. Störungen und Unsicherheit bezüglich Selbstbild, Zielen und “ inneren Präferenzen ”
2. Neigung, sich in intensive, aber instabile Beziehungen einzulassen, oft mit der Folge von emotionalen Krisen.
3. Übertriebene Bemühungen das Verlassenwerden zu vermeiden.
4. Wiederholt Drohungen oder Handlungen mit Selbstbeschädigung.
5. Anhaltendes Gefühl von Leere

DSM-IV:

Um die Diagnose einer Borderline Störung stellen zu können müssen mindestens 5 der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen vorliegen:

1. verzweifeltes Bemühen, ein reales oder imaginäres Alleinsein zu verhindern.
Ein Muster von instabilen und zwischenmenschlichen Beziehungen, das sich durch einen Wechsel zwischen extremer Idealisierung und Abwertung auszeichnet
2. Identitätsstörung: eine ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder des Gefühls für sich selbst.
3. Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen (z.B. Geld ausgeben,
Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, Fressanfälle).
4. Wiederkehrende Suizidandrohungen, Suizidandeutungen oder -versuche oder selbstschädigendes Verhalten.
5. Affektive Instabilität, die durch eine ausgeprägte Orientierung an der aktuellen Stimmung gekennzeichnet ist: z.B. starke episodische Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder Angst.
6. Chronisches Gefühl der Leere.
7. Unangemessene, starke Wut oder Schwierigkeiten, Wut oderÄrger zu kontrollieren (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernderÄrger, wiederholte Prügeleien.

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656445050
ISBN (Buch)
9783656446156
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215900
Institution / Hochschule
Hochschule Coburg (FH) – Soziale Arbeit
Note
1,7
Schlagworte
borderline jugendlichen

Autor

Zurück

Titel: Borderline bei Jugendlichen