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Die Einstellung der österreichischen Bevölkerung zur Entwicklungshilfe

Seminararbeit 2010 13 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Entwicklungspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hypothesen
Forschungsdesign
Wortassoziationstest
Ergebnisse der Umfrage in Österreich

Zusammenfassung

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildungen:

Abbildung 1: Gründe, warum keine Entwicklungshilfe geleistet wird (in Prozent)

Abbildung 2: Art der geleisteten Entwicklungshilfe (in Prozent)

Abbildung 3: Zusammenhang zwischen der Beurteilung der Entwicklungshilfe und dem Spendenverhalten

Abbildung 4: Wichtigste Aufgaben der Entwicklungshilfeorganisationen (in Prozent)

Abbildung 5: Kommunikationsmedien der Entwicklungshilfeproblematik (in Prozent)

Tabellen:

Tabelle 1: Merkmale der in Österreich Befragten zum Thema Entwicklungshilfe Tabelle 2: Spontan abgefragte Begriffsassoziationen mit Entwicklungshilfe (in Österreich)

Tabelle 3: Spontan abgefragte Begriffsassoziationen mit Entwicklungshilfe (in Äthiopien)

Tabelle 4 Negative bzw. positive Assoziationen der ÖsterreicherInnen mit Entwicklungshilfe

Tabelle 5: Negative bzw. positive Assoziationen der ÄthiopierInnen mit Entwicklungshilfe

Tabelle 6: Multiple Regressionsanalyse der Beurteilung von Entwicklungshilfe

und der aktiven Unterstützung von Projekten nach soziodemographischen Variablen und Persönlichkeitsmerkmalen der Befragten

Einleitung

Das zentrale Thema dieser Arbeit dreht sich um die Einstellung der österreichischen Bevölkerung zur Entwicklungshilfe. Es wird auch der Zusammenhang zwischen verschiedenen demographischen Merkmalen der Bevölkerung und der Einstellung gegenüber der Entwicklungshilfe untersucht. Des Weiteren wird der Frage nachgegangen, wovon die Bereitschaft zur aktiven Unterstützung der Entwicklungshilfe abhängt.

Hypothesen

In unserer quantitativen Untersuchung (Fragebogenerhebung) haben wir uns mit zwei Fragestellungen beschäftigt. Die erste setzt sich damit auseinander, wie die Entwicklungshilfeproblematik von den ÖsterreicherInnen wahrgenommen wird und ob eine positive oder negative Einstellung mit dem Alter und dem Bildungsgrad einer Person zusammenhängt. Dazu wurde folgende Hypothese formuliert:

H1: Die Entwicklungshilfe wird von jüngeren Bevölkerungsgruppen positiver beurteilt als von älteren. Bildungshöhere Schichten empfinden die österreichische Entwicklungshilfe als wirksamer als bildungsfernere. Die Beurteilung der ÖsterreicherInnen über die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe ist ferner von der Wohnortgröße, der Religiosität und dem Lesen verschiedener Tageszeitungen abhängig.

Jüngere Menschen sind in Zeiten der Globalisierung aufgewachsen und entwickeln dadurch eher ein globales Denken als ältere Menschen. Sie beschäftigen sich intensiver damit, was in anderen Regionen der Welt geschieht als ältere Bevölkerungsschichten. Auch die Möglichkeit durch Reisen in fremde Länder tiefere Einblicke in andere Kulturen zu bekommen, wird von jüngeren Generationen stärker wahrgenommen als von Älteren. Gebildete Schichten nutzen viel eher Medien, die über Entwicklungshilfe informieren, als niedriger gebildete Bevölkerungsschichten. Infolgedessen wissen letztere auch weniger darüber Bescheid. In Städten liegt eine größere kulturelle Vielfalt vor als in Dörfern, was die Menschen auch eher dazu veranlasst sich mit anderen Kulturen auseinanderzusetzen. Da man in Städten tagtäglich mit Menschen aus anderen Kulturen in Berührung kommt, sind die Menschen offener und eher bereit sich mit der Entwicklungshilfeproblematik auseinanderzusetzen.

Bei unserer zweiten Fragestellung geht es uns darum, die von den ÖsterreicherInnen geleistete aktive Unterstützung von Entwicklungsprojekten zu erfassen und herauszufinden, durch welche Faktoren diese beeinflusst wird. Hierfür haben wir folgende Hypothese formuliert:

H2: Die Unterstützung von Entwicklungsprojekten unterscheidet sich nach Alter, Geschlecht, Bildung, Religiosität, Wohnortgröße, dem Lesen unterschiedlicher Tageszeitungen und der positiven, beziehungsweise negativen Beurteilung der Wirksamkeit von Entwicklungshilfe.

Jüngeren Menschen steht nicht so viel Geld zur Verfügung wie Älteren. Während ältere Menschen möglicherweise finanziellen Spendenaufrufen aus Fernsehen, Radio und anderen Medien folgen, erwarten wir, dass jüngere Menschen Entwicklungsprojekte mit dem Kauf von Fair Trade Produkten, aktiver Mitarbeit bei verschiedenen NRO´s, zum Beispiel in Form von Auslandseinsätzen in Entwicklungsländern, unterstützen. Bildungsferne Schichten beschäftigen sich selten mit anspruchsvollen Medien, die über Entwicklungshilfe berichten und sie werden somit auch weniger mit diesem Thema konfrontiert. Dadurch ist ihr Wissen über die Problematik sehr beschränkt, was sich negativ auf die Unterstützungsbereitschaft auswirkt. Menschen mit einem höheren Einkommen werden eher bereit sein, einen Teil ihres Vermögens zu spenden, als Personen, die ein niedrigeres Einkommen erhalten und das Geld für die eigenen Grundbedürfnisse benötigen. Von Religionen werden Werte wie Nächstenliebe betont. Darum vermuten wir, dass religiöse Personen eher dazu bereit sind, armen Menschen in Entwicklungsländern zu helfen als nicht religiöse Menschen. Politisch eher rechts gesinnte Personen, welche für ihre xenophobe Einstellung bekannt sind, werden die Entwicklungshilfe eher nicht unterstützen.

Forschungsdesign

Die dargestellten Hypothesen wurden anhand eines standardisierten Fragebogens mit zehn Fragen zum Thema überprüft und ausgewertet. Insgesamt wurden 232 Fragebögen ausgefüllt, wobei rund zwei Fünftel der ausgewählten Befragten aus der Steiermark kommen, ein Fünftel aus Wien, ein weiteres Fünftel aus Kärnten und ein Fünftel der Befragten aus Oberösterreich. Die Verteilung nach Geschlecht zeigt, dass 58 Prozent der ProbandInnen männlich und 42 Prozent weiblich sind. Den größten Anteil der Befragten machen die jungen Erwachsenen (21 bis 29 Jahre) mit 47 Prozent aus, den zweitgrößten die Erwachsenen (30 bis 59 Jahre) mit 33 Prozent, worauf die Jugendlichen (13 bis 20 Jahre) mit 12 Prozent folgen und schlussendlich die Alten (60 bis 88 Jahre) mit rund 8 Prozent.

Tabelle 1: Merkmale der in Österreich Befragten zum Thema Entwicklungshilfe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Umfrage in Österreich (n= 232)

13% weisen noch keinen beziehungsweise einen Pflichtschulabschluss auf, weitere 18% haben einen Lehrabschluss, 34% haben eine Berufsbildende Schule ohne Matura abgeschlossen und 35% einen Matura- oder Hochschulabschluss.

Einleitend beginnt der Fragebogen mit einem kurzen Wortassoziationstest, bei dem 5 Begriffe von den Befragten zu nennen waren, die ihnen spontan zum Thema Entwicklungshilfe einfielen. Diese Befragungstechnik wurde sowohl bei der Erhebung in Österreich als auch bei der Befragung unter ÄthiopierInnen angewandt. Ziel dabei war es herauszufinden, ob die Entwicklungshilfe unter den tatsächlich Betroffenen, also der äthiopischen Bevölkerung, anders empfunden wird als von den ÖsterreicherInnen, welche mit diesem Thema hauptsächlich durch die Berichterstattung der Medien konfrontiert werden. Weitere Schwerpunkte unserer Befragung in Österreich waren die einzelnen Bereiche, die durch Entwicklungshilfe gefördert werden, sowie die von den ProbandInnen geleistete Unterstützung, die Gründe für beziehungsweise gegen eine Unterstützung, wie die Befragten über die Wirksamkeit und Effizienz der Projekte denken und wodurch sie auf die Entwicklungshilfeproblematik aufmerksam geworden sind.

Zur tatsächlichen Überprüfung unserer beiden Hypothesen wurden zwei Indizes auf Grundlage dieses Fragebogens erstellt. Einerseits wurde aus der Frage ‚Wie beurteilen Sie die Entwicklungshilfe’ (nach Schulnotensystem) die Skala Beurteilung der Entwicklungshilfe erstellt. Dabei wurden die folgenden Bereiche eingeschlossen:

- Verbesserung der Lebensverhältnisse,
- Erleichterung der Arbeitsbedingungen,
- Sicherung der Nahrungs- und Wasserversorgung,
- Durchsetzung der Menschenrechte,
- Aufklärung und Bekämpfung von AIDS,
- Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten und
- Bekämpfung der Armut,

Der zweite Index aktive Unterstützung von Entwicklungsprojekten wurde aus den Fragen ‚Welche Art von Entwicklungshilfe leisten Sie’ (Spenden, Patenschaften, aktive Mitarbeit vor Ort, aktive Mitarbeit in Österreich, keine, andere) und ‚Kaufen Sie gezielt Fair Trade Produkte’ gebildet. Die vermuteten Zusammenhänge wurden anschließend mittels einer Regressionsanalyse überprüft.

Wortassoziationstest

Bei der Auswertung des Wortassoziationstest wurden die genannten Begriffe unterschiedlichen Kategorien zugeordnet. Diese wurden nach ihrer jeweiligen Anzahl der Nennungen, in der Tabelle 2 für Österreich und in der Tabelle 3 für Äthiopien, gewichtet und prozentuiert, wodurch sich ein grober Überblick über die Einordnung der Entwicklungshilfeproblematik geben lässt. Genannte Begriffe, die sich inhaltlich zu keiner der angeführten Kategorien zuordnen ließen, wurden vernachlässigt. Bei dem Vergleich der Ergebnisse der österreichischen und der äthiopischen Befragten kam es zu interessanten Ergebnissen. Zu der Reihung der Kategorien (größte Anzahl der Nennungen bis zur kleinsten) stimmen die beiden Tabellen größtenteils überein. Bei beiden Befragungen fielen die meisten Nennungen unter die Kategorie ‚Art der geleisteten Entwicklungshilfe’ (Bildung, Spenden, etc.), die zweitgrößte Kategorie umfasst den Bereich ‚Wirtschaft und Finanzielles’ (Geld, Investitionen, etc.). Es unterscheiden sich lediglich die beiden Kategorien an dritter Stelle, wo einerseits die Befragten in Österreich Wörter des Bereiches ‚Medizinischer Sektor und Hygiene’ (Trinkwasser, Medikamente, etc.) angaben und die äthiopischen ProbandInnen Wörter der Kategorie ‚Strukturwandel’ (Entwicklung, Verbesserung, etc.) nannten. Interessanterweise lassen sich bei der österreichischen Befragung keine Begriffe finden, die in die Kategorie Strukturwandel hineinpassen würden, wodurch diese in der Tabelle 2 auch nicht existiert. Ebenso wurden bei der Erhebung in Äthiopien keine Assoziationen gefunden, die dezidiert in die Kategorie Medizinischer Sektor und Hygiene fallen würden, womit diese Kategorie in der Tabelle 3 nicht gebildet werden konnte. Die weiteren Kategorisierungen, welche einen geringeren Anteil an den Gesamtnennungen einnehmen, weisen ebenfalls bei beiden Befragungen dieselbe Reihung auf. Hier befinden sich die ‚Entwicklungshilfeinstitutionen’ an vierter Stelle, der Sektor ‚Umwelt und Landwirtschaft’ an fünfter Stelle, der Bereich ‚Politik’ an sechster Stelle und am letzten Platz die Kategorie ‚Energie und Technologie’.

Tabelle 2: Spontan abgefragte Begriffsassoziationen mit Entwicklungshilfe (in Österreich)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Umfrage in Österreich (n= 232)

Betrachtet man die prozentuelle Verteilung der einzelnen Kategorien genauer, ergeben sich sehr wohl deutliche Unterschiede zwischen den Begriffsassoziationen der befragten ÖsterreicherInnen und ÄthiopierInnen. Während mehr als die Hälfte der genannten Begriffe (rund 55 Prozent) in Äthiopien unter Art der geleisteten Entwicklungshilfe fielen, waren es in Österreich lediglich etwas mehr als ein Viertel (rund 26 Prozent). Generell lässt sich sagen, dass die Kategorien bei der österreichischen Umfrage ausgeglichener verteilt sind als bei der äthiopischen Bevölkerung, wo die größte Kategorie sich deutlich abhebt und die restlichen sechs Bereiche einen vergleichsweise sehr geringen Anteil ausmachen. Für die Äthiopier scheint also die konkret selbst oder im eigenen Umfeld erfahrene Hilfe im Vordergrund zu stehen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656443995
ISBN (Buch)
9783656444077
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215812
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Institut für Soziologie
Note
2
Schlagworte
Entwicklungshilfe Äthiopien NGO Spendenverhalten

Autor

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Titel: Die Einstellung der österreichischen Bevölkerung zur Entwicklungshilfe