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Schnappt die deutsche Xeno-Falle zu?

Wissenschaftliche Studie 2013 22 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Visionen und Modellierung eines multikulturellen Deutschland: Ein kulturhistorisches Experiment

2. Die xenologische Falle und der Fall Deutschland

1 Visionen und Modellierung eines multikulturellen Deutschland: Ein kulturhistorisches Experiment

Diese Erörterung ist kein Plädoyer gegen oder für Immigration unter ideologischem Blickwinkel, sondern Evidenz für einen roten Faden in den eigen-fremdkulturellen Wechselwirkungen, dessen Kenntnis und Verständnis im Hinblick auf die Formulierung einer angemessenen intrakulturellen Kulturpolitik vonnöten erscheint. Ohne diese Bewusstwerdung bleibt die Bewältigung der Migration, Integration und Partizipation ein auf Sand statt auf zeitresistenten Fels gegründetes historisches Deutschlandprojekt, das alsbald vom Strom der Zeit hinweggespült und seinerseits ein unüberschaubare gesellschaftliche Wellendynamik, bis hin zu einem Tsunami des Kulturkampfes entfachen könnte.

Eigen-fremdkultureller Wechselwirkungen bewusstes Kulturmanagement und strategisches politisch-gesellschaftliches Kulturmanagement im Lichte der Evidenz historischer kultureller Dynamiken, die eine Gesetzmäßigkeit offenbaren und die man im Hinblick auf das intrakulturelle Kulturmanagement in diesem Land und in unserer Zeit nicht ignorieren kann, sind ein wesentlicher Tenor dieser Exposés. Denn, ansonsten könnte die „Xenofalle“ (die kulturelle Falle, die durch das kulturell unangemessene politisch-gesellschaftliche intrakulturelle Kulturmanagement entsteht) zuschnappen. Und niemand, ob Bürger, Gesellschaft oder Staat möchte in einer Falle gefangen sein, die die Freiheit und Selbstbestimmung auf unüberschaubare Zeit irreversibel beendet. Es wäre die Negation unserer Grundwerte der nationalen Einigkeit, kulturellen und demokratischen Gerechtigkeit, und solidarischen Brüderlichkeit, sowie der im Grundgesetz expressis verbis formulierten und vom Bundesverfassungsgericht in den fünfziger Jahren interpretierten und detaillierten Grundrechte der Bürger der Bundesrepublik Deutschland.

Auch müssen die Rechte des Staates in der Gestalt einer zeitgeistrelativen Regierung mit ihren bedingten gesellschaftlichen Zukunftsvorstellungen einerseits und die Grundrechte und Bedürfnisse der Bürger langfristig in Einklang gebracht werden.

Hier sollen auch nicht US-amerikanische kulturelle Schmelztiegel- (eine zentrale amerikanische Konvergenzkultur für alle kulturelle Diversitätsintegration der Einwandererkulturen-Mitglieder), kanadische Salatschüssel- (gezielte Förderung diverser immigrierter kultureller Ethnien), brasilianische oder andere kontextspezifische Kulturmodelle im Hinblick auf ihre Anwendbarkeit auf des Einwanderungs- und Integrationsland Deutschland mit seinen kulturellen Integrationserfordernissen überprüft und Inspirationen für die Durchsetzung einer politisch erwünschten und erforderlich erscheinenden Leitkultur gewonnen werden, sondern es geht vielmehr um eine spezifisch deutsche Kulturexploration grundsätzlicher Art, auf deren Basis man zentrale und unabdingbare kulturelle Selbsterkenntnis gewinnen kann. Auf dieser kann man eine angemessene Einwanderungs- und intrakulturelle Kulturpolitik formulieren.

Dabei stehen auch wünschenswerte intrakulturelle interkulturelle Synergien, die Beilegung intrakultureller Antagonismen und latenter Konflikte und die diversen Modelle der friedlichen Koexistenz und Partizipation diverser Ethnien und kulturelle Kooperation und Partizipation in einem Integrators- oder Einwanderungsland nicht primär im Rampenlicht der Erörterung, sondern die deutsche kulturgeschichtliche Evidenz mit ihrer Dynamik und ihrem Impact.

Die Aufarbeitung der kulturellen Defizite erfordert vielmehr eine grundsätzliche Herangehensweise, um eine angemessene Kultur- und Einwanderungspolitik zu formulieren und diese in eine kulturell nachhaltige Praxis umzusetzen, die bislang theorieresistent und im intrakulturellen Alltag noch von diversen sozialunverträglichen Machtdynamiken geprägt zu sein scheint.

Experimente sind naturgemäß ambivalent. Die Etymologie des Begriffes Experiment verweist auf die Erfahrungskomponente darin. Doch es gibt Szenarien, bei denen man nicht, wie im Labor, Experimente vielmals wiederholen und mit verschiedenen Kontexten und Variationen der Inputs in das Experiment gewissermaßen spielen kann, um dann ein Optimum zu finden, das man dann in der Praxis, in größerem Rahmen und mit einiger Sicherheit was die Folgen anbelangt, realisieren kann. Viele Szenarien sind eher vergleichbar mit dem Poker oder dem Roulette, wobei man alles gewinnen oder auch augenblicklich alles verlieren kann und wo Fortuna keine oder nur geringfügige Reiterationen erlaubt. Das heißt, wenn man dabei einen Fehler gemacht hat, dann ist dieser, wenn überhaupt, nur schwer revidierbar. Im menschlichen Bereich sollten Experimente daher tunlichst unterlassen werden.

Im Falle der Kulturpolitik im Sinne der Einwanderungspolitik oder der demographischen Zukunftsoptionen kann man zwar - da es keine wirklich verlässlichen Präzedenzen für unser Land gibt - nach dem Prinzip des Versuchs und des Irrtums vorgehen, doch dies bewirkt immer ein Quantum an Risiko, das alsbald schwer managebar zu sein scheint.

Deutschland hat kulturastigmatisch mit hohem Risiko im Hinblick auf die Einwanderungspolitik gepokert, um den ganz großen nationalen Wirtschaftsgewinn zu erringen. Das ist beinahe ins Auge gegangen und es ist bereits kaum noch revidierbar, da die Ausländer, die man kurzsichtig für vorübergehende menschliche Import-Inputs in der Nationalökonomie zu deren Effizienzsteigerung hielt, die man bei Bedarf wieder freisetzen könnte, ohne größere Rechenschaft darüber ablegen zu müssen, hierhergekommen sind, um zu bleiben und den Kuchen, den sie miterwirtschaftetet haben, voll und ganz mit den Einheimischen zu teilen gedenken.

Die Geister, die man in deutscher Zauberlehrlingsmanier gerufen hat, wurde man nicht mehr los, im Gegenteil, es hat sich eine gesellschaftliche Abhängigkeit davon ergeben, der man nun fassungs- und machtlos gegenübersteht und die unvorhergesehene Proportionen anzunehmen droht, die sich mehr und mehr der gesellschaftlichen Kontrolle entziehen zu scheinen. Die losgetretene Lawine ist zu einem Selbstläufer geworden, der nicht mehr zu bremsen ist und die, wie jede Lawine, katastrophale Ausmaße annehmen und vieles unter sich begraben kann, ohne dass irgendjemand oder irgendetwas sich ihr in den Weg stellen könnte. Was mit einem scheinbar harmlosem Schneeballspiel zur gesellschaftlichen Ergötzung und unverbindlichen exotisch-pragmatischen Bereicherung heimischer Lande begann, ist mit unversehens, mit der Zeit, als verheerende Lawine über das deutsche Volk hereingebrochen, während alle lustig weiterspielten und gar nicht merkten, was hier zu entstehen im Begriff war.

In der asiatischen Kriegsstrategie versucht man, gezielt die Natur gegen den Feind zu dessen Vernichtung einzusetzen. Man kann beispielsweise Baumstämme einen Berg herunterrollen, wie es im Indiochinakrieg geschehen ist oder eine Lawine auslösen, um die feindlichen Truppen damit zu überrollen, wie es in der Geschichte bereits geschehen ist. Doch kaum eine Gesellschaft ist wohl so suizidär und unbedarft, dass sie die Waffe der Natur gegen sich selbst einsetzt. Zumindest ist dies geschichtlich nicht geläufig, es sei denn, um einen inneren Feind zu besiegen.

Überträgt man dieses Strategem auf die Gesellschaft und ihre demographischen Bedingungen, so könnte man beispielsweise ein Volk mit einer fremden ethnischen Lawine überrollen und es somit durch eine andere Ethnie substituieren. Je nach Art und Intensität führt dies zu Formen der ethnischen Säuberung. Es ist ein feindseliger Akt par excellence, da er nicht die Infrastruktur des Feindes oder sein Kriegsmaterial, ja selbst seine Armee, vernichtet, während sich das Volk nach dem Krieg wieder regenerieren kann. Nein, diese Strategie zielt auf die Zerstörung der Substanz der Gesellschaft ab, sodass sie sich nicht mehr in gewohnter Weise, wie es nach militärischen Konflikten in der Regel der Fall ist, regenerieren kann. Die Lawine soll die bestehende kollektiv menschliche Substanz gewissermaßen regelrecht unter sich begraben, sodass ein neues und anderes Folgegebilde das alte ablösen kann. Hierbei handelt es sich zweifelsfrei um feindselige Akte, die an extreme Formen des Imperialismus oder der Diktatur erinnern. Aber sie werden immer noch international und intrakulturell eingesetzt:

Man denke beispielsweis nur an Tibet, dessen resistente Kultur man im Wege der Ein-China-Politik nur im Wege eines progressiven Han-chinesischen ethnischen Inputs demographisch à la longue zu besiegen sucht. Es ist eine indirekte Eroberungsstrategie, in der die Zeit zugunsten der Eroberer zu spielen scheint. Mit der Zeit wird das demographisch-ethnische Gleichgewicht kippen und die kulturell eroberungsrestente Zielkultur wird durch die kulturtypische Ausdauer und langfristige historische konfuzianische Strategie der Sun Tzu'schen Kriegskunst dem strategisch politischen Zentrum des Landes der Mitte in Peking als reife Frucht von selbst in den Schoß fallen. Die Lawine ist im Rollen, gleich wieviele Stupas und Gebetsmühen dies zu verhindern suchen, die bislang die kulturelle Widerstandskraft symbolisieren. So ist zumindest das imperialistische Kalkül der Ein-China-Politik Pekings. Und die hat ein sehr langfristiges Gedächtnis und vergisst keines ihrer Schäfchen, weder Tibet noch Taiwan, noch andere von Japan beanspruchten Territorien... Es gibt also bis in unsere Tage hinein Beispiele für den Sieg über eine Gesellschaft im Wege der Kulturpolitik, oder der ethnisch-demographischen Strategie auf lange Sicht, die todsicher wie eine Lawine ist, demographisch ebenso wie urweltlich. Die Naturgewalt ist unerbittlich und verschont nichts und niemand. Kriegsstrategie vom Feinsten, die man höchsten seinen ärgsten Feinden angedeihen lässt.

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Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656444893
ISBN (Buch)
9783656566878
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215801
Note
Schlagworte
Kulturpolitik politisch-gesellschaftliches Kulturmanagement intrakulturelle Dynamik Migration/Integration/Partizipation Innen-/Außenpolitik kulturelle Identität Kulturkonflikt Prävention

Autor

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Titel: Schnappt die deutsche Xeno-Falle zu?