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Johann Christoph Gottscheds "Sterbender Cato" aus seinem Werk "Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen"

Einhaltung der Kriterien für das aufklärerische Drama

Hausarbeit 2010 19 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Nachahmung Johann Gottscheds Arbeitsweise

2. Untersuchung Johann Christoph Gottscheds ‚Sterbender Cato‘ auf Einhaltung der Kriterien für das aufklärerische Drama aus seinem Werk ‚Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen‘
2.1 Historizität
2.2 Angemessenheit des Stils
2.3 Drei Einheiten
2.3.1 Einheit des Ortes und der Zeit
2.3.2 Einheit der Handlung
2.4 Überprüfen der Kriterien Mimesis, Ausdruck der Affekte, Wahrscheinlichkeit, Charakter, Bewunderung und Katharsis anhand der Personen Cato und Arsene
2.4.1 Mimesis
2.4.2 Ausdruck der Affekte
2.4.2.1 Cato
2.4.2.2 Arsene
2.4.3 Wahrscheinlichkeit und Charakter
2.4.3.1 Cato
2.4.3.1.1 Wahrscheinlichkeit
2.4.3.1.2 Charakter
2.4.3.2 Arsene: Charakter
2.4.4 Katharsis und Bewunderung
2.4.4.1 Katharsis
2.4.4.2 Bewunderung und Verwunderung

3. kein klarer Zuspruch

Literaturverzeichnis

Untersuchung Johann Christoph Gottscheds ‚Sterbender Cato‘ auf Einhaltung der Kriterien für das aufklärerische Drama aus seinem Werk ‚Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen‘

1. Nachahmung Johann Gottscheds Arbeitsweise

Gottsched selbst macht sich zur Aufgabe Werke auf nach seines Empfindens vermeintliche

Mängel an Kriterien, die er in der ‚Critischen Dichtkunst vor die Deutschen‘ aufstellt, zu überprüfen. Infolge dessen weist der ‚Dichtungstheoretiker‘ in der ‚Critischen Dichtkunst‘ und der Vorrede zum ‚Sterbender Cato‘ auf zahlreiche ‚Mangelwerke‘ hin, so zum Beispiel auf Joseph Addisons ‚Cato‘ und auf Francois- Michel- Chrétien Deschamps ‚Caton d´Utique‘, die Gottsched als Vorlage für seinen deutschen, regelgetreuen Fassung verwendet.[1]

Johann Gottscheds Arbeitsweise werde ich in meiner Hausarbeit Folge leisten, jedoch

untersuche ich sein eigenes Werk, den ‚Sterbender Cato‘, auf Defizite gemäß seiner eigens aufgestellten Regeln seiner ‚Critischen Dichtkunst‘. Dabei gehe ich zu Anfang allgemein auf das Werk ein und bespreche die Punkte Historizität, Sprache und die drei aristotelischen Einheiten, bevor ich mich intensiver damit beschäftige. Den Schwerpunkt meiner Arbeit und somit meiner Betrachtungen bilden die Personen Cato und Arsene. An ihnen werde ich die weiteren Kriterien Nachahmung, Ausdruck der Affekte, Wahrscheinlichkeit und Charakter, sowie den Katharsis- und Bewunderungsbegriff untersuchen.

2. Untersuchung Johann Christoph Gottscheds ‚Sterbender Cato‘ auf Einhaltung der Kriterien für das aufklärerische Drama aus seinem Werk ‚Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen‘

2.1 Historizität

„Man findet etwas Wahres, auch was Erdichtetes darinnen.“[2] Mit diesen Worten wird in der Dichtkunst Gottscheds der Inhalt der Tragödien beschrieben. Das Thema und folglich die handelnden Personen entlehnt sich der Poet aus der Historie.[3]

Die Geschichte des sterbenden Catos ist für Gottsched anziehend gewesen, weil sie

über romanische Überlieferung eine lange Tradition gehabt hat, die sogar in die klassische Antike geführt hat.[4] So haben sich bereits vor Gottsched Addison und Deschamps des antiken Catostoffs bedient.[5] In der Realität gibt es jedoch keine Person Arsene und somit auch keine damit verbundene, zugesicherte Ehe zu Pharnaces. Des weiteren hat kein Treffen zwischen Cato und Cäsar auf Utica stattgefunden.[6]

2.2 Angemessenheit des Stils

Kennzeichnend für die Schreibart der Tragödie ist ihr vornehmes, lehrhaftes Wesen, daher ist sie reich an belehrenden Sprüchen.[7] Dem entspricht die Schrift und Sprache des Regelwerks Gottscheds vollkommen. Die handelnden Personen des oberen Standes heben sich durch ihre würdevolle Sprechweise deutlich von der Unterschicht ab.[8] Alle Charaktere zählen zur hohen Gesellschaftsschicht.

Jedoch ist an dieser Stelle klar festzuhalten, dass Johann Gottsched sich nicht von der

Barocken Tragödie lösen konnte.[9] Bereits in der Barocken Epoche steht Martin Opitz sowohl für reine Reime und Wohlklang als auch für Verse mit gezählten Akzenten, die gleichzeitig den Wortakzenten entsprechen. Die Versform des sterbenden Catos, der Alexandriner, ein sechsfüßiger Jambus mit Zäsur in der Mitte, ist bereits im Barock vorherrschend gewesen.[10] Darüber hinaus ist im Werk die Barocke Bildlichkeit durch Metapher und Allegorien klar zu erkennen.[11] Als Beispiel für die Allegorie ist der fünfte Auftritt des vierten Aktes[12] zu nennen, in der Cato Rom als weibliche Person versinnbildlicht,[13] als Beispiel für eine Metapher das Zitat,[14] in dem Portius erklärt, er habe den Königshass bereits mit der Muttermilch aufgenommen.[15]

2.3 Drei Einheiten

Die Regel der ‚Drei Einheiten‘ nach Aristoteles zieht Gottsched aus dem Wahrscheinlichkeitsprinzip, das für ihn eines der bedeutendsten Merkmale einer gelungenen Tragödie darstellt. So fordert Gottsched in seinem Regelwerk, „dass ein Poet in seinen Fabeln beständig die Regeln der Wahrscheinlichkeit vor Augen haben müsse“[16] und „nichts Widersprechendes in der Begebenheit, folglich auch nichts Unwahrscheinliches in der Tragödie“[17] darstellen dürfe.

Auf die Frage, ob die Wahrscheinlichkeit im ‚Sterbender Cato‘ eingehalten wurde, wird in Abschnitt 2.4.3 eingegangen.

[...]


[1] Gottsched, Johann Christoph; Steinmetz, Horst (2007): Sterbender Cato. Im Anhang: Auszüge aus der zeitgenössischen Diskussion über Gottscheds Drama. . /// Bibliogr. erg. Ausg., [Nachdr.]. Stuttgart: Reclam (Reclams Universal-Bibliothek, 2097), S.11f.

[2] Gottsched, Johann Christoph; Steinmetz, Horst (2009): Schriften zur Literatur. Bibliogr. erg. Ausg. 1998.

Stuttgart: Reclam (Reclams Universal-Bibliothek, 9361), S. 33.

[3] Vgl. ebd., S. 165.

[4] Vgl. Koopmann, Helmut (1979): Drama der Aufklärung. Kommentar zu einer Epoche. München: Winkler

(Winkler-Kommentar), S. 73.

[5] Gottsched, Steinmetz 2007 – Sterbender Cato, S.11f.

[6] Ebd., S. 16.

[7] Vgl. Gottsched, Steinmetz 2009 – Schriften zur Literatur, S. 33.

[8] Ebd., S. 169.

[9] Vgl., Koopmann 1979 – Drama der Aufklärung, S. 75.

[10] Wucherpfennig, Wolf (1993): Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2. Aufl., 10. [Dr.]. Stuttgart: Ernst

Klett Schulbuchverlag (Geschichte der deutschen Literatur, 1781). S. 67.

[11] Vgl. Koopmann 1979 – Drama der Aufklärung, S. 74.

[12] Gottsched, Steinmetz 2007 – Sterbender Cato, IV, 5, vv. 1351

Es scheint, ihr könnet euch der Tränen nicht erwehren,

Da nur ein Jüngling fällt. Rom, Rom erfordert Zähren!

Der Götter Meisterstück, der Helden Vaterland,

Die Herrscherin der Welt, die mit gerechter Hand

Tyrannen niederschlug und den geplanten Landen

Die Freiheit wiedergab

[13] Vgl. Ball, Gabriele; Brandes, Helga; Goodman, Katherine R. (2006): Diskurse der Aufklärung. Luise Adelgunde Victorie und Johann Christoph Gottsched ; [Arbeitsgespräch, das vom 8. bis 10. Juni 2005…in der Herzog August Bibliothek zu Wolfenbüttel…stattfand]. Wiesbaden: Harrassowitz (Wolfenbütteler Forschungen, 112), S. 177.

[14] Gottsched, Steinmetz 2007 – Sterbender Cato, II, 6, 606 ff.

[15] Vgl. Ball, Brandes et al. 2006 – Diskurse der Aufklärung, S. 178 ff.

[16] Gottsched, Steinmetz 2009 – Schriften zur Literatur, S. 130.

[17] Ebd., S. 131.

Details

Seiten
19
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656442943
ISBN (Buch)
9783656442707
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215763
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,7
Schlagworte
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Autor

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