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Die Kabelpilotprojekte der siebziger und achtziger Jahre zu den damaligen neuen Medien

Hausarbeit (Hauptseminar) 1998 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Konzeption und die Ziele der Kabelpilotprojekte
1.1 Die Einordnung der damaligen „neuen“ Kommunikationsdienste

2. Die einzelnen Kabelpilotprojekte
2.1. Die frühen Versuche
2.2. Das Kabelpilotprojekt Ludwigshafen/Vorderpfalz
2.3. Das Kabelpilotprojekt München
2.4. Das Kabelpilotprojekt Dortmund
2.5. Das Kabelpilotprojekt Berlin

3. Ein Überblick: Befunde, Erkenntnisse und Prognosen aus den Kabelpilotprojekten

Literaturverzeichnis

Einleitung

Innovationen im Mediensystem zählen heute zu den charakteristischen Merkmalen moderner Gesellschaften. Gerade erleben wir eine neue Veränderung des Kommunikation- und Informationssystems. Multimedia und Internet sind in diesem Kontext sehr wichtige Stichpunkte, unter anderen durch diese neuen Möglichkeiten wird die zum „ globalen Dorf “. Aber diese Innovationen stellen hier nicht den Gegenstand des Interesses dar, sondern es geht um die Einführung der Kabelkommunikation oder Breitbandkommunikation am Ende der 70er Jahre. Das war die nächste große Veränderungswelle im Bereich der Medien nach der Zeit des Entstehens von Rundfunk und der Einführung des Fernsehens in den 50er Jahren. Das Fernsehen ist es mit diesem Schritt gelungen, den Weg zum eindeutig bestimmenden und bedeutendsten Massenmedium unserer Zeit einzuschlagen. Der Platz, den es heute einnimmt. Der Weg war allerdings zur Zeit des Aufkommens der Kabelkommunikation in der Bundesrepublik Deutschland sehr steinig. Heftiger Streit brach damals in den Bereichen Politik, Medien, Wissenschaft und Wirtschaft aus. Fragen wie Finanzierung, Akzeptanz bei der Bevölkerung, Zulassung von ersten privaten Rundfunkveranstaltern, rechtliche Einordnung der neuen Medien, Auswirkungen der Ausweitung des Fernsehprogrammangebots auf Familie und Freizeitverhalten usw. spielten in der Diskussion wichtige Rollen. Die damalige Bundesregierung Brandt richtete zur Lösung dieser Probleme eine Regierungskommission ein. Die „Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationsystems“ (KtK) brachte dann sogleich den Vorschlag ein, Modellversuche, genauer Kabelpilotprojekte durchzuführen, die das Ziel haben sollten, Erkenntnisse für einen späteren flächendeckenden Ausbau des Kommunikationssystems zu gewinnen. Genau um diese Kabelpilotprojekte - vier an der Zahl - , mit den Standorten Ludwigshafen, München, Dortmund und Berlin, dreht sich das Untersuchungsthema meiner Arbeit. Es gab zwar auch Versuche in Baden-Würtemberg, aber darüber hatte ich nur ungenügend Literatur zur Verfügung. Der Schwerpunkt meiner Ausarbeitung über die Kabelpilotprojekte liegt beim „Kabelfernsehen“. Ich werde mich zuerst mit der Konzeption, dem Weg der Entwicklung hin zur Durchführung der Pilotprojekte, mit dem Zweck und den Zielen der Modellversuche beschäftigen. Im Anschluß daran werden die einzelnen Projekte vorgestellt, das Programmangebot untersucht und die Besonderheiten der verschiedenen Standorte beschrieben. Die Vorstellung der wichtigsten Ergebnisse, Befunde und Erkenntnisse, die aufgrund der Ergebnisfülle nur überblicksmäßig erfolgen kann, bildet den Schluß der Arbeit.

1. Die Konzeption und die Ziele der Kabelpilotprojekte

Die „Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems“ (KtK), die auf Initiative der damaligen Bundesregierung gegründet worden war, hatte 1976 vorgeschlagen vor einer Einführung der neuen elektronischen Kommunikationstechniken wie Videotext, Bildschirmtext und Kabelfernsehen, deren Auswirkungen in verschiedenen Pilotprojekten zu erforschen und die Option einer bundesweiten Realisierung der Kabelkommunikation auszutesten. Unter der Mitwirkung nahezu aller gesellschaftlich relevanten Gruppen kamen die vier Arbeitskreise ( Bedürfnisse, Technik und Kosten, Organisation, Finanzierung ) im sogenannten „ Telekommunikationsbericht“ zu diesem Ergebnis. Die genaue Formulierung des Abschlußberichtes lautete: „Da die Errichtung eines bundesweiten Breitbandverteilnetzes wegen des Fehlens eines ausgeprägten und drängenden Bedarfs heute noch nicht empfohlen werden kann, und da neue Inhalte – auch solche, die nicht Rundfunk sind – erst der Entwicklung bedürfen, werden zunächst Pilotprojekte ( Modellversuche ) mit Breitbandkabelsystemen empfohlen.“[1]

In ihrem Beschluß vom 11. Mai 1978 haben die Ministerpräsidenten diese Empfehlung aufgegriffen und vier zeitlich begrenzte Projekte vorgesehen: Berlin, Dortmund - ursprünglich Köln oder Wuppertal - , Ludwigshafen/Vorderpfalz – ursprünglich Ludwigshafen/Mannheim – und München.[2] Den Anfang machte das Bundesland Rheinland/Pfalz, indem die Landesregierung am 4. Dezember 1980 die rechtlichen Grundlagen für das erste Kabelpilotprojekt im Versuchsraum Ludwigshafen/Vorderpfalz schuf , das heißt mit dem „ Landesgesetz über einen Versuch mit Breitbandkabel“. Die anderen drei Bundesländer mit den übrigen Projektstandorten zogen dann später nach.

Der relativ lange Zeitraum von fast vier Jahren seit der KtK – Empfehlung ist auf das zähe Gerangel im Geflecht der Kompetenzen und Ansprüche sowie auf Schwierigkeiten zwischen den einzelnen Bundesländern und auf Probleme zwischen den Ländern und dem Bund zurückzuführen.

Eine weitere wichtige medienpolitisch bahnbrechende Grundsatzentscheidung, die Zulassung von privaten Rundfunkveranstaltern, sorgte für zusätzliche Verzögerung und Aufregung bei der Realisierung der Kabelpilotprojekte. Bis zum Start des ersten Kabelpilotprojektes am 1. Januar 1984 im Versuchsraum Ludwigshafen/Vorderpfalz vergingen nochmals vier Jahre, in denen auf politischer, publizistischer und wissenschaftlicher Ebene in aufgeheizter Atmosphäre über die Verwirklichung dieser Modellversuche gestritten wurde.

Was war der Sinn dieser Kabelpilotprojekte ? Es sollten vor allem ein vergrößertes Programmangebot, neue Programmformen, - inhalte und – strukturen erprobt werden. Weiterhin von Interesse in diesem dreijährigen Versuch, den die Landesregierung um zwei Jahre verlängern konnte, war die damit erhöhte Bedeutung des lokalen oder kommunalen Rundfunks sowie die Beteiligung neuer Veranstalter.

Die spezifischen Untersuchungsziele gestalteten sich folgendermaßen:

1.das Nutzungsverhalten der Teilnehmer,
2. die Auswirkungen auf den einzelnen Menschen und auf das gesellschaftliche Leben, zum Beispiel in Familien, in Dorfgemeinschaften und in Städten,
3. Die Auswirkungen auf die öffentlich – rechtlichen Rundfunkanstalten, auf die Presse überhaupt (Befürchtung des Niederganges und der Zurückdrängung der Printmedien) und den Film,
4. Die Erforschung und Austestung neuer Möglichkeiten künftiger Organisationsformen für den Rundfunk und andere Kommunikationsdienste,
5. die wirtschaftlichen und finanziellen Fragen der Kabelkommunikation und
6. Die Kosten und die Finanzierung bei Veranstaltern und Teilnehmern.[3]

Das gemeinsame Ziel aller Versuche war es, die Akzeptanz und den Bedarf neuer Kommunikationsangebote zu testen und Auswirkungen auf andere Bereiche der Freizeit– und Lebensgestaltung zu analysieren. Eine besondere Rolle hat auch die Frage gespielt, ob durch die Ausweitung der „ Neuen Medien “ die Nutzung anderer Medien, wie zum Beispiel der Tageszeitung oder des Buches negativ beeinflußt wird. Diese Annahmen verlangten eine möglichst realitätsnahe Gestaltung der Projekte und eine seriöse sozialwissenschaftliche Begleitforschung innerhalb der Laufzeit eines Pilotprojektes. Der Paragraph 4 des genannten rheinland-pfälzischen Landesgesetzes regelte die Organisation der Begleitforschung. Danach hatte die sogenannte Begleitkommission aus folgenden Vertretern zu bestehen : - 7 Vertretern der Wissenschaft, das heißt aus den Bereichen Medienrecht, Kommunikations- und Medienforschung, Wirtschaft und Technik, - 2 Vertreter aus dem Kreis der Anstaltsversammlung (AKK), 2 Vertreter der beteiligten kommunalen Gebietskörperschaften, - 1 Vertreter der Landesregierung und einem Vertreter der Datenschutzkommission mit beratender Stimme.[4]

Eine Zusammenarbeit der Begleitkommission mit den programmlich engagierten Anstalten ZDF und SWF kam leider nicht zustande, obwohl die rundfunkeigenen Medienforschungsabteilungen ein weitergehendes Konzept einer sozialwissenschaftlichen Begleitforschung und detaillierte Vorschläge erarbeitet hatten. Somit wurde das Forschungskonzept reduziert und gewisse Chancen vertan . Langenbucher forderte weitergehend, daß Kabelpilotprojekte nicht Vollprogramme herkömmlichen Musters, sondern auch neue Infrastrukturen der Kommunikation testen sollten.[5] Neue Infrastrukturen innerhalb der Programmangebote wurden in den vier Pilotprojekten bis auf wenige Ausnahmen eher wenig ausprobiert. Das Neue an den Modellversuchen war im wesentlichen die Ausweitung des Angebotsspektrums bei Fernseh- und Hörfunkprogrammen. Demzufolge wurden die Möglichkeiten eines Breitbandverteilnetzes damals gar nicht voll ausgereizt. Die 1980 gegründete Expertenkommission Neue Medien – EKM Baden-Würtemberg äußerte sich zum Aspekt der Leistungsfähigkeit von Breitbandverteilnetzen folgendermaßen: „Breitbandverteilnetze stellen neben dem Fernsprechnetz ein zweites Ortsnetz dar, auf dem neben den Fernseh- und Hörfunkprogrammen weitere Formen der Text-, Daten- und Bildkommunikation und damit zum Teil auch nicht-rundfunkspezifische Inhalte verwirklicht werden können, für die der Begriff Kabelfernsehen unpassend ist“.[6]

Auch für die Kommunen ergaben sich aus der Neuordnung des Kommunikationssystems durch die künftige Einbindung der „Neuen Medien“ neue Möglichkeiten, zum Beispiel in der Darstellung ihrer Politik und der damit verbundenen besseren Information der Bürger auf lokaler Ebene.

[...]


[1] Vgl. Jäckel 1990, S.7.

[2] Vgl. Media – Perspektiven 1987, S.7.

[3] Vgl. Media – Perspektiven 1987, S.7.

[4] Ebenda S.8.

[5] Langenbucher, Wolfgang R. : Ende des Fernsehzeitalters?, in: Publizistik 27 (1982), S.501.

[6] Vgl. Expertenkommission Neue Medien – EKM 1981, S.16.

Details

Seiten
17
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638251556
ISBN (Buch)
9783638938259
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21572
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Kommunikationswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Kabelpilotprojekte Jahre Medien

Autor

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