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Wolf Biermann und sein Einfluss auf die Jugend in der DDR

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 15 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jugend in der DDR nach Leitbildern der SED

3. Wolf Biermanns kulturelle und gesellschaftliche Prägung
3.1 Wolf Biermanns Leben
3.2 Instanzen künstlerischer Kritik in Bezug auf Wolf Biermann
3.2.1 Kritik in Theater und Kabarett
3.2.2 Die Rockmusiker-Resolution von 1989
3.2.3 Widerstand und Kritik in musikalischer und lyrischer Form

4. Wolf Biermanns Formen der Auflehnung gegen die DDR
4.1 „So oder so, die Erde wird rot“
4.2 Unmittelbare Auswirkungen des Biermann Konzertes

5. Weitere Folgen der Ausbürgerung Wolf Biermanns

6. Fazit

7. Quellenverzeichnis

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

10. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Nationale Revolutionen und Protestbewegungen werden weltweit häufig von intellektuellen, Künstlern oder Studentenbewegungen initialisiert. Eine Reihe von Faktoren ist hierbei zu beachten, welche über die Intensität und das Engagement der Protestierenden entscheidet. Wolf Biermann ist Liedermacher und Dichter in der Deutschen Demokratischen Republik (künftig: DDR) und die Folgen seiner Ausbürgerung aus der DDR tragen zu der Wiedervereinigung Deutschlands bei. Wie stark jedoch sein Einfluss auf die Jugend der DDR war, wird in der folgenden Hausarbeit erläutert. Ich beziehe mich hierbei auf die Gruppe der Jugend in der DDR im Alter von 14 bis 21 Jahren. Im Folgenden werde ich Aufzeigen welches Jugendbild innerhalb der DDR nach Vorstellungen der politischen Führung. Daran anschließend wird Wolf Biermann als Musiker und Dichter vorgestellt und versucht einen Bezug zu der Jugend zu ziehen. Seine Formen der Auflehnung und deren Wirkung auf die Jugend werden im Rahmen dieser Hausarbeit anhand des Liedes „So oder so, die Erde wird rot“ in der Kölner Version dargestellt. Abschließend wird der indirekte Einfluss über Dritte durch Biermann auf die Jugend anhand der weiteren Folgen seiner Ausbürgerung aufgezeigt.

2. Jugend in der DDR nach Leitbildern der SED

Um den kulturellen Hintergrund der DDR und die Kritik Wolf Biermanns nachvollziehen zu können, zeige ich zuerst auf, welches Jugend- und Kulturbild die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (künftig: SED) propagierte. Wenn dieses verstanden wurde, können die Lieder und Gedichte von Wolf Biermann im geschichtlichen Gesamtkontext betrachtet und gedeutet werden. Daraus resultierend kann letztendlich der Einfluss Wolf Biermanns auf die Jugend der DDR gezogen werden.

Die SED vermittelte ihr marxistisch-leninistisch fundiertes Weltbild primär über institutionalisierte Organisationen. Diese hatten das Ziel Patrioten des Vaterlandes zu schaffen. Diese sollten mit Wissen und Können ausgestattet und befähigt sein schöpferisches Denken und selbstständiges Handeln innerhalb des marxistisch-leninistischen Weltbilds anzuwenden. Die gelernten Fähigkeiten sollten zum Wohle der sozialistischen Gesellschaft dienen. Zentral hierbei beteilig waren das Bildungswesen, insbesondere die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule, welche allen Kindern eine hohe Allgemeinbildung vermittelte. Der Unterricht gliederte sich auf in wissenschaftlichen, parteilichen und Lebensverbundenen auf. Des Weiteren waren Sprachen weiter Fokus der schulischen Ausbildung. Hierbei war die russische Sprache von besonderer Bedeutung auf häufig auf den Lehrplänen der Schülerinnen und Schüler vertreten ( vgl.Fricke 1979: S.82 ff ). Die Schule, welche als sekundäre Sozialisationsinstanz zu klassifizieren ist, wurde genutzt, um die Kinder sozialistisch zu prägen. Die Schülerinnen und Schüler wurden durch Belohnung an die Kultur und das Jugendbild der SED herangeführt. Besonders durch das Erlernen der russischen Sprache wurde eine Brücke nach Osten und ihrer Kultur geschlagen. Eine „reine“ Sozialistische Erziehung sollte so erreicht werden. Über die Schule hinaus, im tertiären Sozialisationsumfeld, haben die Jugendlichen Freizeit in der Freien Deutschen Jugend (künftig: FDJ) verbracht, neben dieser gab es noch den deutschen Turn- und Sportbund (künftig: DTSB) und die Gesellschaft für Sport und Technik (künftig: GST), welche beide eine deutlich geringere Mitgliederanzahl als die FDJ aufwiesen. Mitglieder der FDJ waren 14 bis 21 Jahre alt und 80 % aller Jugendlichen dieser Altersgruppe in der FDJ eingeschrieben.

Die FDJ beanspruchte schätzungsweise mehr als die Hälfte an Freizeit, welche den Jugendlichen zur Verfügung stand. Primäre Sektoren der FDJ waren die Wehrerziehung, Sport und Funktionärspflichten, welche jedes Mitglied ableisten musste ( vgl. Hille 1990: S. 95 ff. ). Somit wurden die Jugendlichen an die Militarisierung gewöhnt und sozialistisch gelichgeschaltet. Die SED-Führung setzte in allen Sozialisationsinstanzen auf eine sozialistische Werte- und Moralvermittlung (siehe Abb. 1) zentral im sekundären und tertiären Sozialisationsbereich. Der Einfluss der westlichen Kultur sollte vermieden werden, um die leichter beeinflussbarere Jugend als sozialistischen Multiplikator der Gesellschaft nicht zu verlieren. Innerhalb der Kultur der Jugendlichen waren Musik und Gedichte ein zentraler Austauschfaktor. Dieser wurde besonders durch das Aufkommen des leichter zu bedienenden Kassettenrekorders beschleunigt. Entgegen der Ideologie der SED-Führung mehrten sich Kritik und Opposition Anfang der 1960er Jahre zunehmend aus dem künstlerischen und literarischen Bereich. Die Jugendlichen vernahmen diesen Widerstand und unterstützten diesen, je nach eigner Auffassung und Zufriedenheit mit der bestehenden Gesellschaftsform.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sozialisierungsinstanzen in der DDR; eigene Darstellung

3. Wolf Biermanns kulturelle und gesellschaftliche Prägung

Der Widerstand in der Kultur und Gesellschaft der DDR ist vielfältig gesellschaftsdurchdringend. Die verschiedenen Protestbewegungen in der DDR formten sich nicht von einer zentralen Quelle heraus aus und waren auf dem ersten Blick auch nicht direkt als Widerstand zu identifizieren. Diese Protestbewegungen formten sich in ihren Anfangszuständen autark voneinander beeinflussten jedoch die Bürger der DDR, insbesondere die Jugend. Im Folgenden wird auf die verschiedenen Arten des Protestes hingewiesen und eine Verbindung zu Wolf Biermann und seinem Leben gezogen. Dazu wird im Folgenden eine kurzer biografischer Überblick über Wolf Biermanns Leben gegeben.

3.1 Wolf Biermanns Leben

Wolf Biermann wurde am 15. November 1936 in Hamburg als Sohn eines jüdischen Hafenarbeiters geboren. Dieser wurde in der nationalsozialistischen Zeit im Jahre 1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Mit 17 Jahren siedelte Wolf Biermann nach Ost-Berlin über, da er zu dieser Zeit annahm die DDR sein das bessere Deutschland. Neben seinem Studium der politischen Ökonomie, Philosophie und Mathematik arbeitet Biermann am Berliner Ensemble, dem bedeutendsten Theater in der DDR, als Regieassistent. Im Jahr 1960 lernte Biermann den Komponisten Hanns Eisler kennen, von diesem inspiriert begann er seine ersten kritischen Gedichte, Lieder und Balladen zu schrieben. Um diese frühen Werke öffentlich aufzuführen, gründete er das Ost-Berliner Arbeiter- und Studententheater (künftig: b.a.t). Welches jedoch kurze Zeit nach der Eröffnung wieder von der SED verboten wurde. Durch dieses Verbot schürte sich die Kritik in Biermanns Liedern und Texten, welche besonders in der Jugend weit verbreitet waren. Im Jahr 1965 wurde eine totales Auftritts- und Publikationsverbot über Biermann im 11. Plenum des Zentralkomitees der SED verhängt. Begründet wurde dieses Vorgehen durch die SED mit: „ In den letzten Jahren schrieb BIERMANN fortgesetzt Gedichte und Lieder, die sich gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR, die sozialistische Staatsmacht, die führende Rolle der Partei der Arbeiterklasse und den proletarischen Internationalismus sowie gegen führende Repräsentanten unseres Staates richten “. Des Weiteren hätten seine Gedichte und Lieder einen politisch-ideologisch zersetzenden Charakter gehabt. Durch die in der Zeit verbreiteten Kassettenrekorder verbreiteten sich Wolf Biermanns Gedichte und Lieder trotzt Verbotes immens in der DDR.

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Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656443483
ISBN (Buch)
9783656443537
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215718
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Wolf Biermann DDR Jugend Jugendopposition Einfluss Jugendwiderstand Widerstand Musiker Dichter Ausbürgerung Stasi

Autor

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