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Untreues Verhalten in einer Partnerschaft. Gründe, Erklärungen und Rechtfertigungen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 29 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Definitionen und Formen von Untreue

3 Forschungsweisen und -schwerpunkte

4 Welche Faktoren beeinflussen untreues Verhalten?
4.1 Sozio-biologische Erklärungen
4.2 Persönliche Motive und partnerschaftliche Korrelate
4.3 Gesellschaftsbedingte und externe Gründe

5 Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Treue ist neben vielen anderen Faktoren ein wichtiger Bestandteil romantischer Zweierbeziehungen. Besonders die Exklusivität der beiden Beziehungspersonen, d.h. sexuelle Treue und persönliche Loyalität, genießen eine große Bedeutung und Aufmerksamkeit (vgl. Burkart 1991: 499).

Verschiedene Studien in den USA fanden heraus, dass „nahezu alle amerikanischen Paare [...] gegenseitige sexuelle Exklusivität von einander erwarten“ (Treas & Giesen 2000: 48) und dass es wichtig sei, monogam zu sein (Treas & Giesen 2000: 48).

In Anbetracht dieser eindeutigen Einstellungen ist es umso verwunderlicher, dass die Hälfte aller verheirateten Amerikaner trotzdem in eine Form sexueller extradyadischer Untreue involviert sind (vgl. Drigotas et al. 1999: 509). Die Versuchung, einer solchen sexuellen Beziehung außerhalb der bestehenden Partnerschaft nachzugehen war und ist nach Buunk und Dijkstra ein weitverbreitetes Phänomen (vgl. Buunk & Dijkstra 2006: 533). Die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest ein Partner eine außereheliche Beziehung eingeht, liegt laut einer Studie von Thompson zwischen 40% und 76% (vgl. Buunk & Dijkstra 2006: 534).

Beobachtet man die aktuellen Medien, so liest und hört man fast täglich von neuen Seitensprüngen bekannter Politiker, Hollywoodstars und Profisportler. Selbst in den europäischen Königshäusern spielt eheliche und –partnerschaftliche Untreue eine große Rolle.

Ausgehend von der genannten Unstimmigkeit zwischen der Inakzeptanz von extradyadischen Beziehungen und tatsächlich vorkommender Untreue stellt sich die Frage, aus welchen Gründen einige Personen trotzdem untreu sind und welche Faktoren solch ein Verhalten beeinflussen. Zur Beantwortung wird sich die vorliegende Hausarbeit mit den soziobiologischen Erklärungen, persönlichen Motiven und partnerschaftlichen Korrelaten und gesellschaftsspezifischen bzw. externen Gründen für dieses Phänomen befassen. Dabei werden sowohl post-hoc Erklärungen als auch vorhersagende Veränderungen in den Verhaltensweisen und individuellen Empfindungen als Begründungen in Betracht gezogen. Allerdings wird der Unterschied zwischen außerehelicher und außerpartnerschaftlicher Untreue nicht näher berücksichtigt. Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen von Untreue wird der Begriff zunächst definiert und die verschiedenen Formen der Untreue vorgestellt. Darüber hinaus werden verschiedene Formen der Untreueforschung und ihre Schwerpunkte aufgezeigt werden.

2 Definitionen und Formen von Untreue

Um Missverständnisse im Gebrauch des Untreue-Begriffs durch individuelle Interpretationen zu vermeiden, ist eine eindeutige Definition des Wortes nötig. Im folgenden wird unter Untreue eine Kombination aus zwei Faktoren verstanden: Erstens das Gefühl, dass ein Partner eine Beziehungsnorm in Bezug auf die Interaktion mit einer oder mehreren Personen verletzt hat und zweitens die Tatsache, dass dieser Verstoß gegen die Beziehungsnormen bei der oder dem Betrogenen typische Eifersuchtsreaktion und Rivalitätsgedanken hervorruft (vgl. Drigotas et al. 1999: 509). Problematisch an dieser Definition ist allerdings das eventuelle unterschiedliche Verständnis von Beziehungsnormen. Für einige mag schon ein Flirt des Partners gewisse Eifersuchtsgefühle erwecken, andere dagegen stehen solch einem Verhalten des Partners eher gelassen gegenüber (vgl. Buunk & Dijkstra 2006: 533). Demzufolge kann Untreue also viele unterschiedliche Formen annehmen, wie etwa „One-Night-Stands, leidenschaftliche Affären, sexuelle Phantasien gegenüber jemand anderem, [...], extradyadische romantische Zuneigung, flirten und auch Sex mit Prostituierten“ (Buunk & Dijkstra 2006: 533). Auch die Umstände und Situationen, die zur Untreue führen, sowie die Begründungen und Rechtfertigungen beeinflussen die Annahme, inwiefern und wann ein bestimmtes Verhalten als Betrug an der Partnerschaft verstanden oder als unbedenklich akzeptiert wird (vgl. Feldmann et al. 2000: 501). Boekhout und andere fanden dazu passend heraus, dass es meist keine Unstimmigkeiten über die sexuelle Exklusivität in der bestehenden Beziehung gibt, die Befragten jedoch unsicher auf die Frage nach der Grenze von nicht-sexuellen außerpartnerschaftliche Tätigkeiten reagierten (vgl. Boekhout et al. 1999: 100).

Um die verschiedenen Vorkommnisse von Untreue einzuordnen, unterschied Kinsey als einer der ersten Gesellschaftswissenschaftler zwischen sexueller und emotionaler Untreue (vgl. Barta & Kiene 2005: 339). Sexuelle Untreue ist demnach durch eine sexuelle Handlung bzw. Beziehung mit einer Person außerhalb der bestehenden Partnerschaft und ohne das Ausleben emotionaler Gefühle gekennzeichnet. Im Gegensatz dazu umfasst emotionale Untreue die Entstehung von romantischen Gefühlen für eine extradyadische Person, allerdings ohne zwingenden sexuellen Kontakt (vgl. Buunk & Dijkstra 2006: 533, Shackelford & Buss 1997:1034-1035).

Typische Vorkommnisse für sexuelle Untreue findet man beispielsweise in der „Beziehung eines verheirateten Mannes mit einer Prostituierten“ (Barta & Kiene 2005: 341) oder auch beim ’hookup’, der sexuellen Begegnung zwischen zwei Fremden bzw. flüchtigen Bekannten, die normalerweise nur eine Nacht dauert (Paul et al. 2000: 76). Besonders der Konsum von Alkohol oder anderen Drogen spielen bei ‚hookups’ eine gesonderte Rolle (Paul et. al 2000: 83).

Emotionale Untreue tritt dagegen zum Beispiel in der „konfessionellen Atmosphäre“ (Barta & Kiene 2005: 341) der heutigen Internet Chatrooms auf. Abhängig von der Stärke der gegenseitigen Selbstoffenbarung der Chatpartner, kann solch eine geheime und intime Beziehung zu einer extradyadischen Person auch ohne den Gedanken an ein sexuelles Hintergehen stark gefährdend für die bestehende Partnerschaft sein (vgl. Barta & Kiene 2005: 341). Angesichts der Fülle an Chatrooms ist die Ernsthaftigkeit und Seriosität der Chatpartner und –foren allerdings eher fraglich.

3 Forschungsweisen und –schwerpunkte

Drigotas, Safstrom und Gentilia zufolge können Studien über Untreue gemäß der drei folgenden Kategorien klassifiziert werden: die deskriptive Forschung, die sich mit den untreuen Personen und der Anzahl der Untreuefälle beschäftigt; die Reaktionsforschung, welche die Reaktionen auf einen untreuen Partner ermittelt und die Erklärungsforschung, die den Gründen für bestimmte Untreueverhaltensweisen nachgeht. Die bestehende Literatur wird laut der drei Autoren dabei in folgende Rubriken eingeteilt: Sexualität, emotionale Zufriedenheit, sozialer Kontext, Einstellungen/Normen und Rache/Feindseligkeit. Die Forschung bezüglich sexueller Sachverhalte beschäftigt sich mit dem hypothetischen Bedürfnis nach sexueller Vielfalt und der sexuellen Unverträglichkeit mit dem eigenen Partner. Die emotionale Zufriedenheitsforschung bezieht sich – wie der Name vermuten lässt - auf die emotionale (Un)Zufriedenheit in der Partnerschaft sowie der Stärkung des Selbstwertgefühls. Unter sozialkontextuellen Faktoren werden Gelegenheiten, physische Nähe und Trennung vom derzeitigen Partner verstanden. Untersuchungen hinsichtlich der Einstellung und Normen sexuell aufgeschlossener Personen zeigten, dass solche öfters zugaben, in einer außerpartnerschaftlichen Beziehung verwickelt zu sein.

In weiteren Forschungen wurde ein gewisser Zusammenhang von Rache bzw. Feindseligkeiten und Untreue herausgestellt (vgl. Drigotas et al. 1999: 509-510).

Allerdings wurden die meisten Ergebnisse nur aus post-hoc Erklärungen zu Motiven und Begründungen zusammengetragen. Seltener hat man dagegen vorhersagende Veränderungen der Gefühlslage und Verhaltensweisen in Bezug auf mögliche Untreue untersucht. Des Weiteren analysierten die bisherigen Studien das Untreueverhalten überwiegend nur bei verheirateten Paaren und nicht in nichtehelichen Beziehungen (vgl. Drigotas et al. 1999: 510). Ein ebensolcher Schwerpunkt liegt in der Forschung von Geschlechtsunterschieden, insbesondere in der Bewertung und Billigung von bestimmten extradyadischen Verhaltensweisen (vgl. z.B. Babin & Dindia 2005, Feldmann et al. 2000).

Folgend werden nun verschiedene Gründe für bereits begangene und zukünftige Untreue aus mehreren theoriegebundenen Sichtweisen betrachtet und näher erläutert (vgl. auch Shackelford & Buss 1997: 1034).

4 Einflussfaktoren für untreues Verhalten

Einer Studie von Glass und Wright zufolge wird zwischen mehreren Begründungen für außerpartnerschaftliche Beziehungen unterschieden. Dabei handelt es sich sowohl um sexuelle und emotionale als auch extrinsische Faktoren. Die sexuelle Komponente umfasst demnach „sexuelle Erregung und Neugier, Novität oder Vielfalt sowie sexuelles Vergnügen“ (Glass & Wrigtht 1992: 376). Emotionale Motive werden zudem noch in eine Liebes- und emotional-intime Kategorie unterteilt. Erstere umfasst die liebevolle Zuneigung und das tatsächliche Verlieben in eine andere Person. Zu den emotional-intimen Faktoren zählen dagegen „Aspekte wie enge Freundschaft, geistiger Austausch, Gemeinschaft, Verständnis, Respekt und gesteigerte Selbstwertschätzung (Glass & Wright 1992: 376). Zuletzt fassen die beiden Autoren unter den äußeren Faktoren Gründe wie berufliche Förderungen und Aufstiege sowie Rache zusammen.

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Details

Seiten
29
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656441885
ISBN (Buch)
9783656442158
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215444
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
Partnerschaft Untreue

Autor

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