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Ökonomische Folgen der EU-Osterweiterung

Seminararbeit 2003 15 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Mögliche ökonomische Vorteile für die Beitrittsländer
2.1. Garantierter Zugang zu EU-Märkten
2.2. Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen und Strukturfonds

3. Mögliche ökonomische Vorteile für die EU
3.1. Wachsende Absatzpotentiale und regionalökonomische Auswirkungen
3.2. Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
3.3. Einsparpotential

4. Mögliche ökonomische Nachteile für die Beitrittsländer

5. Mögliche ökonomische Folgen für die EU
5.1. Güter-, Kapital- und Arbeitsmarkt, Ressourcentransfer

6. Migration

7. Zusammenfassende Schlussbetrachtungen

8. Quellen und Literatur

1. Einleitung

Mit dem endgültigen Kollaps der kommunistischen Systeme in den osteuropäischen Ländern Anfang der 1990er Jahre setzten in diesen Staaten auch gleichzeitig tief greifende ökonomische und gesellschaftliche Transformationsprozesse ein, die die Umstrukturierung der politischen und wirtschaftlichen Ordnungen von Planwirtschaft hin zu funktionierender Marktwirtschaft und den Übergang zur parlamentarischen Demokratie zum Ziel hatten, um dadurch politische und ökonomische Stabilität aufzubauen, diese längerfristig zu sichern und den Anspruch auf Frieden, Sicherheit und Wohlstand auf nationaler und transnationaler Ebene zu gewährleisten. Nach dem Zusammenbruch der Organisationsstrukturen des Warschauer Pakts und dem damit einhergehenden Ende des Rats für Gegenseitige Wirtschaftshilfe zielten die osteuropäischen Regierungen auf die Integration in westeuropäische Stabilitäts-, Sicherheits- und Wirtschaftsstrukturen hin. In diesem Sinne auch auf den Zutritt zum Europäischen Binnenmarkt und den Beitritt zur EU.

Im Jahr 2004 steht der Europäischen Union die fünfte Integrationsetappe nach ihrer Gründung bevor. Die Erweiterung der EU auf 25 Mitglieder durch den Beitritt von zehn Staaten Ost-, Ostmittel- und Südeuropas – Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern – wird mit hohen Anpassungs- und Reformerfordernissen verbunden sein.

Die Aufgabe dieser Seminararbeit wird es sein, mögliche ökonomische Folgen sowohl für die Alt-, als auch für die Neumitglieder der Europäischen Union nach der EU-Osterweiterung zu filtern und grob zu skizzieren, ohne dabei diese Auswirkungen analytisch zu diskutieren. Hierbei gilt es in Ansätzen die Fragen zu erörtern, welche eventuelle Vor- und Nachteile für die Ökonomien der EU bzw. der neuen Mitglieder nach der Erweiterung bestehen könnten. Was sind mögliche wirtschaftliche Perspektiven nach der EU-Osterweiterung? Sind die ökonomischen Folgen für die EU bzw. für die Beitrittsländer voneinander abhängig oder kann man diese separat voneinander betrachten?

Es sei darauf hingewiesen, dass diese Hausarbeit primär ein Grundriss möglicher Folgen der EU-Osterweiterung darstellt und nicht dem Anspruch nachgeht, ganzheitlich erschöpfend zu sein.

2. Mögliche ökonomische Vorteile für die Beitrittsländer

2.1. Garantierter Zugang zu EU-Märkten

Durch die Mitgliedschaft der osteuropäischen Länder in der EU und der daraus resultierenden gleichberechtigten Teilnahme an den ökonomischen Strukturen der Union eröffnet sich auch die Möglichkeit für diese Staaten, aktiv auf dem Europäischen Binnenmarkt zu agieren. Der Abbau von tarifären und nichttarifären Handelseinschränkungen wird den Handel auf dem europäischen Markt intensivieren, den Beitrittsländern den direkten Zugang zum westeuropäischen Know-how und zu zusätzlichen finanziellen Ressourcen ermöglichen. Osteuropäische Unternehmen werden durch verstärkte Kontakte zu westeuropäischen Partnern vermehrt von deren Erfahrungen im Management und Marketing profitieren, was eine indirekt forcierte Qualifizierung des heimischen Unternehmertums bedeutet.

Geprägt von negativen Erfahrungen mit dem RGW verbinden die Beitrittsländer mit dem Zugang zum Europäischen Binnenmarkt auch eine langfristige Gewährleistung ökonomischer Stabilität und die Integration in beständige Wirtschaftsstrukturen. Im Gegensatz zu dem osteuropäischen Binnenmarkt, gemeint ist die CEFTA, der lediglich in Ansätzen funktionsfähig und keinesfalls konkurrenzfähig ist, wird durch die Öffnung der Grenzen, also dem Wegfall von Zöllen, und der Teilnahme am kapitalintensiven europäischen Markt, aber auch bedingt durch die niedrigen Produktionskosten in den osteuropäischen Staaten, die Nachfrage in den Beitrittsländern gesteigert werden. Folglich werden die heimischen Ökonomien sich verstärkt auf die neuen Absatzmärkte in den kaufkräftigen westeuropäischen Ländern konzentrieren, intensiviert Export orientiert produzieren, was gleichzeitig eine Erhöhung des Handelsvolumens und Wirtschaftswachstum bedeutet.

2.2. Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen und Strukturfonds

Ausländische Anleger orientieren sich bei ihren Investitionsvorhaben an bestimmte politische und wirtschaftliche Voraussetzungen. Garantierte Sicherheit und Stabilität in den Regionen sind solche Kriterien. So wurde nach 1990 in den postkommunistischen Ländern ein enormer Investitionsanstieg verzeichnet[1], der sich durch die Integration bzw. Bekanntgabe bevorstehender Angliederung osteuropäischer Länder an internationale Stabilität fördernde Organisationen, wie etwa die NATO, fortsetzte. Mit der Bekanntgabe der EU-Beitrittskandidatenländer und des voraussichtlichen Zeitpunkts derer Mitgliedschaft in die Union, also dem offiziellen Zugeständnis von funktionierender Marktwirtschaft und ökonomischer Stabilität, wurde erneut ein Anstieg der ausländischen Direktinvestitionen verzeichnet, der zweifelsohne nach der EU-Osterweiterung verstärkt fortdauern wird. Die zehn Länder Osteuropas, die am 1. Mai 2004 offiziell der EU beitreten werden, sind auch deswegen ein attraktiver Investitionsstandort, da die Anleger in diesen Staaten von Faktorkostenvorteilen, beispielsweise niedrige Löhne, profitieren können. In diesen Ländern machen außerdem die Arbeitskosten 1/10 des EU-Durchschnitts aus, die Auslandsschulden sind im Vergleich zu den westeuropäischen Staaten relativ gering[2] und auf Grund des wirtschaftlichen „Aufholbedarfs“ dort sind die Wachstumsprognosen für die nächsten Jahre konstant steigend. Ausschlaggebend ist auch, dass die Beitrittsländer industrialisierter, weniger gegenüber Produktionsschwankungen anfällig sind und über besser qualifiziertes Personal verfügen, als das der Fall in Ländern wie etwa Taiwan, Singapur oder Thailand ist, in denen westeuropäische Unternehmen wegen der enormen Kostenvorteile massiv investieren und produzieren. Auf Grund der nach der EU-Osterweiterung für die westeuropäischen Unternehmen entstehenden Präferenzen werden vermehrt Investitionen, sei dies in Form von Joint Venture, Privatisierung von staatlichen Einrichtungen, Konzessionsvergaben oder sonstiger Art, ausländischer Anleger verzeichnet werden.

Ein Ziel der europäischen Wirtschaftspolitik ist die gezielte Förderung und finanzielle Unterstützung von unterentwickelten Regionen innerhalb der EU, um diese in das europäische Wohlstandsgefälle zu integrieren und regionale ökonomische Disproportionen zu vermeiden.

Bereits vor dem Beitritt zur EU profitieren die zukünftigen Mitglieder von Fördergeldern aus europäischen Entwicklungsprogrammen, wie beispielsweise PHARE, ISPA, SAPARD. Von Vorteil werden auch von der EU bereitgestellte finanzielle Mittel aus den Strukturfonds sein, deren Aufgabe es ist, die erwähnten lokalen ökonomischen Missstände zu mindern, zur Stärkung der nationalen Volkswirtschaften und zur erhöhten Erschöpfung der ökonomischen Potentiale dieser Regionen beizutragen.

[...]


[1] Lösch, Dieter, Institutionelle Voraussetzungen in den MOEL nach mehr als fünf Jahren., S.97-129 In: Mayer/ Scharrer, (Hrsg.), Osterweiterung der Europäischen Union, Baden-Baden 1997

[2] Heitzer-Susa, Elke, Die ökonomische Dimension der EU-Osterweiterung, Baden-Baden 2001

Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638251273
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v21540
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Osteuropainstitut
Note
1,5
Schlagworte
Folgen EU-Osterweiterung Wirtschaftspolitische Fragen Osterweiterung

Autor

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