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Partikeln im gesprochenen Deutsch

Bachelorarbeit 2011 36 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition der Wortart 'Partikel'

3. Der Weg der Wortart 'Partikel' in der Duden-Grammatik

4. Klassifizierung der Partikeln
4.1 Die Gradpartikel
4.2 Die Fokuspartikel
4.3 Die Negationspartikel
4.4 Die Abtönungspartikel (Modalpartikel)
4.5 Die Gesprächspartikel
4.6 Die Interjektion (Ausdruckspartikel)
4.7 Das Onomatopoetikum

5. Partikeln und ihre Funktionen in der gesprochenen Sprache

6. Partikeln und die Construction Grammar

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Wortart der Partikeln ist eine sehr heterogene Wortart, für welche es keine zufriedenstellende Definition gibt. In der Duden-Grammatik werden Partikeln als Wörter charakterisiert, „[die] besonders häufig in der gesprochenen Sprache vor[kommen] und dort ganz unterschiedliche Funktionen [erfüllen]“ (Duden 2009: 588). Als ratsuchender Leser wird man danach auf mehrere Unterkategorien verwiesen, welche die Heterogenität der Wortart etwas eindämmen; dennoch gibt es Partikeln die nicht nur einer dieser Kategorien angehören, sondern in mehreren von ihnen vorkommen. Partikeln wurden lange Zeit von der Sprachwissenschaft ignoriert oder diskreditiert und als Flickwörter bezeichnet, die wie Läuse im Pelz der Sprache wimmeln (vgl. Reiners 2004: 241). Was aber unterscheidet nun das Wort 'eben' als Adjektiv von der Verwendung als Partikel und welche Funktionen haben gesprochensprachliche Phänomene wie 'äh' und 'mhm'?

In dieser Bachelorarbeit geht es vor allem um die Funktion der Partikeln in der gesprochenen Sprache und die ihr zugrundeliegenden Bedingungen. Zuerst aber wird eine Definition dieser Wortart vorgenommen und im vierten Kapitel die auf der Duden-Grammatik beruhende Klassifizierung vorgenommen, die diese Wortart in trennschärfere Gruppen einteilt. Im dritten Kapitel wird der Werdegang dieser Wortart in der Duden-Grammatik aufgezeigt, was auch die Probleme der Heterogenität widerspiegelt. Um die Funktionen der Partikeln in Gesprächen aufzeigen zu können, wird in Kapitel fünf zuerst auf die Bedingungen gesprochener Sprache eingegangen, um die sich stellenden Aufgaben für Gesprächsteilnehmer herausstellen zu können, die oftmals mithilfe von Partikeln gelöst werden.

Im sechsten Kapitel wird die Sichtweise der Construction Grammar und ihre Auswirkungen auf die Behandlung von Partikeln thematisiert. Anhand der starken Anlehnung an Bedingungen und Konzepte der gesprochenen Sprache eignet sie sich sehr gut, um die Heterogenität der Partikeln und ihre dennoch sichere Anwendung durch Gesprächsteilnehmer zu erklären.

2. Definition der Wortart 'Partikel'

Die Bezeichnung Partikel geht auf das lateinische Wort 'particula' zurück, was 'Teilchen' bedeutet und schon auf die Kürze der Wörter dieser Wortart hindeutet. Es gibt unterschiedliche Auffassung dieses Begriffs; die weite Auffassung meint mit der Bezeichnung alle unflektierten Wortarten, während die enge Auffassung darunter lediglich die „sogenannte[n] Würz- und Färbewörter“ (Sommerfeldt/Starke 1998: 141) versteht. Die Partikeln bilden eine sehr heterogene Gruppe, die zusätzlich viele Homonyme in anderen Wortarten und Untergruppen der Partikeln hat, was eine genaue Definition erschwert. Um sie von anderen Wortarten abgrenzen zu können, muss man die semantische, die morphologische und die syntaktische Ebene der Sprache betrachten.

Auf morphologischer Ebene lassen die Partikeln sich durch ihre Unflektierbarkeit von den flektierenden Wortarten abgrenzen. Die Unflektierbarkeit ist zwar ein notwendiger, aber kein hinreichender Grund, da so auch Adverbien, Präpositionen und Junktionen zu den Partikeln zählen würden, wie es bei der weiten Auffassung der Fall ist.

Auf semantischer Ebene lässt sich sagen, dass Partikeln eine Wortart ohne oder mit geringer lexikalischer Bedeutung sind, was also die Hauptwortarten mit eigenständiger lexikalischer Bedeutung ausschließt. Hentschel und Weydt sehen die Partikeln sogar als bloße Synsemantika, weshalb sie die Interjektionen und die Onomatopoetika nicht zu den Partikeln zählen (vgl. Hentschel/Weydt 1989: 5). Wenngleich die Partikeln keine (oder nur eine geringe) lexikalische Bedeutung aufweisen, modifizieren sie aber die Bedeutung ihrer Bezugselemente.

Auf syntaktischer Ebene gehört es zu den Merkmalen der Partikeln, dass sie keinen Satzglied- oder Satzwert haben. Von den Präpositionen und den Junktionen trennt sie die fehlende Satzfunktion.

Beim Wortartensystem von Wolfgang Flämig wird ein ähnliches Ausschlussverfahren gewählt, allerdings berücksichtigt er die semantische Ebene nicht und beschränkt sich lediglich auf die grammatische und die syntaktische Ebene:

Wortartensystem Flämigs

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Sommerfeldt/ Starke 1998: 49)

Gerhard Helbig schlägt sechs spezifische Merkmale der Partikeln vor, anhand derer er sie von Adverbien und Modalwörtern abgrenzt (vgl. Sommerfeldt/Starke 1998: 141):

1. Partikeln sind weder satzgliedfähig (wie Adverbien) noch satzwertig (wie Modalwörter).
2. Sie können nicht allein im Vorfeld des Kernsatzes stehen.
3. Sie können nicht erfragt werden, können nicht als selbstständige Antworten eingesetzt werden.
4. Partikeln partizipieren nicht am Wahrheitswert von Sätzen.
5. Sie sind daher ohne Beeinträchtigung der Sachverhaltsbeschreibung weglassbar.
6. Die meisten Partikel sind unbetont.

Anhand einiger Beispiele sollen diese Aussagen veranschaulicht werden.

(1) Nur 'Peter ist gekommen.
(2) 'Peter ist sogar gekommen.
(3) Peter ist sogar 'gekommen.
(4) 'Peter ist halt gekommen.
(5) Sogar 'Peter ist nicht gekommen.
(6) Sogar ist 'Peter gekommen. (!)

Die Partikeln 'nur', 'sogar' und 'halt' partizipieren in keinem der Beispielsätze am Wahrheitswert der Satzaussage und sind daher auch ohne Beeinträchtigung der Sachverhaltsbeschreibung weglassbar. In den Beispielen (1) und (5) stehen die Fokuspartikeln zwar im Vorfeld des Satzes, können dort aber nur in Verbindung mit ihrem Bezugswort stehen, welches den Hauptakzent dieses Satzes trägt. Dass sie allein nicht vorfeldfähig sind, sieht man an Beispiel (6); wenn die Partikel das Vorfeld allein besetzt, das Bezugswort aber im Mittelfeld steht, wird der Satz grammatikalisch unkorrekt. Umgekehrt ist dies aber möglich, wie an den Beispielen (2) und (3) deutlich wird. Der Unterschied zwischen (2) und (3) liegt im Hauptakzent, der das Bezugswort der Partikeln markiert. Während in Beispiel (2) Peter das Bezugswort ist, liegt in Beispiel (3) der Hauptakzent auf 'gekommen'. Diese - lediglich prosodische - Variation hat aber einen semantischen Unterschied zur Folge. Beispiel (2) lässt sich paraphrasieren durch: Sogar Peter, von dem ich es am wenigsten erwartet hätte, ist gekommen. In Beispiel (3) lautet die Paraphrase aber: Peter ist sogar zu mir gekommen und hat mir nicht bloß eine Karte zu meinem Geburtstag geschickt. In Beispiel (4) handelt es sich um eine Modalpartikel, die gar keine syntaktische Verbindung hat und auf das Mittelfeld beschränkt bleibt. Hiermit betont der Schreiber bzw. der Sprecher, dass es zu erwarten war, dass Peter kommt. Keine dieser Partikeln ist erfragbar, da man lediglich nach Peter oder seinem Kommen fragen kann. Im Beispiel (5) ist zusätzlich zur Fokuspartikel eine Negationspartikel enthalten; diese partizipiert am Wahrheitswert des Satzes und macht in diesem Beispiel den Unterschied zwischen Peters Kommen oder Fernbleiben aus. Anhand dieser wenigen Beispiele wird klar, dass es schwer fällt die Wortart 'Partikel' genau zu definieren, da sie nicht homogen genug ist, um präzise Aussagen über syntaktisches Verhalten und Bedeutung der Partikeln machen zu können, dazu wird die Wortart in mehrere Untergruppen unterteilt, die in sich homogener sind und somit eine genauere Aussage ermöglichen.Im Lexikon der Sprachwissenschaft steht dennoch eine Definition, die alle allgemeingültigen Eigenschaften der Partikeln gut zusammenfasst:

„[…] (unveränderliches Rede-)Teilchen […] - Auch: Füllwort, Funktionswort, Formwort. Sammelbezeichnung für nichtflektierende Wörter bzw. Wortarten mit unterschiedlicher Verwendung in grammatischen Beschreibungen. Im engeren Sinne sind P. nicht flektierende, nicht satzgliedfähige Wortklassen, die keine (oder wenige) selbstständige lexikalische Bedeutung aufweisen, aber die Bedeutung ihrer jeweiligen Bezugselemente modifizieren. Sie sind i. d. R. nicht allein verschiebbar (d. h. auch nicht vorfeldfähig).“ (Lexikon der Sprachwissenschaft 2008: 509)

Nach dieser Definition wird, wie auch im Duden, zu den Untergruppen der Partikeln übergeleitet und deren (Haupt-)Funktionen genannt. Auf diese Duden-Klassifizierung wird im vierten Kapitel eingegangen.

3. Der Weg der Wortart 'Partikel' in der Duden-Grammatik

Aufgrund der Heterogenität der Partikeln gab es immer wieder Neuerungen in der grammatischen Beschreibung dieser Wortart, die sich anhand der Duden-Grammatik in den Auflagen von 1966 bis 2009 aufzeigen lässt.

Noch in der zweiten Auflage aus dem Jahr 1966 wird unter Partikeln eine 'Restgruppe' verstanden, die nicht flektierbar ist und „alle Aufgaben im Satz [übernimmt], die von den anderen Wortarten nicht erfüllt werden können“ (Duden 1966: 301). Die Wortart ist in drei Großgruppen eingeteilt, nämlich die der Adverbien, der Konjunktionen und der Präpositionen; gerade diese werden nach heutiger Auffassung von den Partikeln abgegrenzt. Bei den Adverbien nennt der Duden eine Bedeutungsgruppe, die 'Umstände der Modalität' beschreibt und wiederum eine Untergruppe hat, in der Adverbien vorkommen, die „die Redeweise, die Modalität der Aussage im engeren Sinne“ (Duden 1966: 302f) angeben. Hierzu gehören auch einige der - nach heutigem Verständnis - Abtönungs- bzw. Modalpartikeln. Die Aufstellung sieht in der zweiten Auflage also folgendermaßen aus:

Partikeln: 1. Präpositionen
2. Konjunktionen
3. Adverbien
3.1 Umstände des Ortes
3.3.1 Art und Weise, Qualität
3.3.2 Zahl, Maß, Quantität
3.3.3 Grad, Intensität
3.3.4 Redeweise, Modalität der Aussage
3.2 Umstände der Zeit
3.3 Umstände der Modalität
3.4 Umstände des Grundes
(Kärnä 2005: Kap. 3)

Bei dieser Einteilung bilden die Adverbien eine äußerst heterogene Gruppe, „die weder den syntaktischen noch den semantischen Unterschieden der Elemente dieser Klasse Rechnung [trägt]“ (Kärnä 2005: Kap.3). Auch die darin enthaltenen Abtönungspartikeln bilden aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften keine eigene Kategorie, sondern sind mit Satzadverbien und Negationswörtern in eine Kategorie gesteckt.

In der dritten Auflage der Duden-Grammatik aus dem Jahr 1973 tritt eine Neuerung bezüglich der Abtönungspartikeln auf. Partikel gilt zwar immer noch als Kategorie für alle Nichtflektierbaren, aber eine Unterkategorie der Modaladverbien wird nun explizit 'Abtönungspartikeln' genannt. Sie werden nun als gesonderte Subklasse gesehen, zählen aber immer noch zu den Adverbien, was aber nicht zur anfangs gegebenen Definition der Adverbien passt. Dort heißt es nämlich, dass Adverbien als adverbiale Bestimmung in Verbindung mit einem Verb oder als Attribut beim Substantiv gebraucht werden können, was auch in der vierten Auflage von 1984 noch beibehalten wird (vgl. Duden 1984: 345). Diese Eigenschaften treffen bei der Subklasse der Abtönungspartikeln aber nicht zu.

Interessant ist die Fußnote, welche in der vierten Auflage bei den Abtönungspartikeln steht, die in der Auflage von 1973 aber noch im Text stand: „Zu diesen von der Sprachpflege oft auch 'Würzwörter' oder 'Füllwörter' genannten Partikeln [...]“ (Duden 1984: 351) Die Dudenredaktion distanziert sich von diesen Bezeichnungen, was in Verbindung mit der Kategorie 'Abtönungspartikeln' darauf schließen lässt, dass sie den Partikeln mehr als nur bloße Füll- oder Würzfunktion zuschreibt. In der Definition der Abtönungspartikeln wird auch Bezug auf die gesprochene Sprache genommen, in der diese hauptsächlich vorkommen: „Bestimmte Adverbien werden - vor allem in der gesprochenen Sprache - verwendet, um eine Aussage zu färben und abzutönen; der Sprecher/Schreiber drückt mit ihnen seine Verwunderung, seine Verärgerung, seinen Zweifel, seine Resignation u. ä. aus“ (Duden 1984: 351). Die gegebenen Merkmale sind aber nur semantisch bzw. pragmatisch und lassen die syntaktischen Merkmale außen vor.

Interessant bei dieser Einteilung ist die Stellung der Interjektion, die trotz Unflektierbarkeit nicht zu den Partikeln zählt, sondern eine eigene Wortart darstellt. Interjektionen werden definiert als „Laut- und Schallgebilde, mit denen Empfindungen und Aufforderungen (Anrufe) ausgedrückt oder Laute nachgeahmt werden, ohne daß eine eigene begriffliche Prägung vorliegt, d. h., 'ohne daß ein bestimmter Inhalt dabei formuliert zu werden braucht'“ (Duden 1984: 381). Sie werden in drei Bedeutungsgruppen unterteilt; eine Gruppe dient dem Ausdruck seelischer und körperlicher Empfindungen, eine zweite dient dem Ausdruck des Anrufs bzw. einer Aufforderung und die dritte Gruppe umfasst die Nachahmung von Lauten verschiedenster Art. Das Merkmal, syntaktisch isoliert oder als selbstständige Äußerung zu stehen, unterscheidet sie von den Partikeln, weshalb sie hier eine eigene Wortart bilden.

1995 erscheint die Auflage der Duden-Grammatik, in der es eine wichtige Änderung in der Wortarteneinteilung gibt. Partikeln werden nun nicht mehr synonym für unflektierbar benutzt, sondern als eigene Wortart neben Adverbien, Konjunktionen und Präpositionen verwendet.

„Die Partikeln erfüllen - vorzugsweise in der gesprochenen Alltagssprache - vielfältige Aufgaben. Sie geben u. a. den Grad oder Intensität an, dienen der Hervorhebung, drücken die innere Einstellung des Sprechers aus und spielen eine wichtige Rolle in der Gesprächsführung. Allen Partikeln gemeinsam ist, daß sie der Form nach unverändert auftreten, daß sie - im Gegensatz zu den Wörtern der drei Hauptwortarten und den meisten Adjektiven - keine eigentliche ([nenn]lexikalische) Bedeutung haben oder jedenfalls bedeutungsarm sind und daß sie - anders als Präpositionen und Konjunktionen - keine grammatische Funktion haben. Charakteristisch für alle Partikeln ist, daß sie nicht als Satzglieder auftreten können, weder als notwendige Ergänzungen noch als freie Angaben“ (Duden 1995: 369).

Auch hier wird schon in der Definition auf die Aufgaben der verschiedenen Subklassen der Partikeln eingegangen, wie es in der aktuellen Auflage ebenso der Fall ist. Die Wortart wird in fünf Subklassen gegliedert, sodass die Einteilung der Inflexibilia folgendermaßen aussieht:

Unflektierbare Wörter: 1. Präpositionen
2. Konjunktionen
3. Adverbien (Lokal-, Temporal-, Modal-, Konjunktional-, Kommentar-, Pronominaladverbien etc.)
4. Partikeln
4.1 Gradpartikeln
4.2 Fokuspartikeln
4.3 Modalpartikeln (Partikeln der Abtönung)
4.4 Gesprächspartikeln
4.4.1 Gliederungssignale
4.4.2 Antworten
4.4.3 Ausrufe
4.5 Negationspartikeln
(Kärnä 2005: Kap. 3)

Eine Untergruppe der Gesprächspartikeln bilden die Ausrufe, welche die ehemals eigene Wortart der Interjektion, sowie deren Untergruppe die Lautnachahmungen unter die Partikel ordnet.

Die neueste Ausgabe der Duden-Grammatik von 2009 behält dieses Modell bei, ordnet die Interjektionen und Onomatopoetika aber nicht mehr den Gesprächspartikeln unter, sondern zählt beide als eigenständige Untergruppen zu den Partikeln.

Dieser kurze Überblick über die Partikeln in der Duden-Grammatik zeigt, dass es schwer ist, eine allgemeine Definition für diese Wortart zu finden, da Partikeln in sich zu heterogen sind, um eindeutige Aussagen darüber treffen zu können. Somit ist die Analyse der Untergruppen genauer und ergiebiger und bringt letztendlich trennschärfere Ergebnisse.

4. Klassifizierung der Partikeln

In diesem Kapitel wird die Klassifizierung der Partikeln, wie sie in der Duden-Grammatik von 2009 vorgenommen wird, aufgezeigt und eine genauere Darstellung der einzelnen Untergruppen vorgenommen. Durch die Tatsache, dass diese Gruppen homogener sind, können präzisere Aussagen zu Funktionen und Eigenschaften gemacht werden. Dennoch sind auch diese Gruppen noch so heterogen, dass es viele Einzelfälle gibt, die in einzelnen Eigenschaften abweichen, was auch andere Klassifizierungen als die der Duden-Grammatik möglich macht.

4.1 Die Gradpartikel

Die Funktion der Gradpartikel besteht in der Angabe von Intensitätsgraden einer Eigenschaft oder eines Sachverhaltes. Zu diesem Zweck stehen sie vor Adjektiven, Adverbien, Zahlwörtern und Verben, nicht aber vor artikelfähigen Substantiven (vgl. Duden 2009: 588).

Der Begriff Gradpartikel beschränkt sich nach neuerem Verständnis auf diese bedeutungsmodifizierende Funktion, die den Sachverhalt oder die Eigenschaft auf einer Skala von 'wenig' über 'sehr' bis hin zum Übermaß ('zu') einordnet. Vorher wurden sie zusammen mit den Fokuspartikeln genannt, da auch sie eng mit ihrem Bezugswort verknüpft sind und dieses modifizieren. Hentschel und Weydt unterscheiden, zur genaueren Einteilung, die Gradpartikel in Intensiv- und Fokuspartikeln (vgl. Hentschel/Weydt 1989: 10f). Den Intensivpartikeln bzw. „Intensifikatoren“ (Hentschel/Weydt 1989: 10) kommt dabei die Aufgabe zu, die Eigenschaften eines Wortes zu verstärken oder abzuschwächen, was sich mit der Dudendefinition der Gradpartikeln deckt.

(1) Der Sommer ist sehr/äußerst/irre schön.
(2) Ich bin etwas/ziemlich/einigermaßen müde.
(3) Das war nicht sehr/besonders gut.
(4) Der Film war ganz gut.

Bei (1) haben die Partikeln verstärkende Form und ordnen das Bezugswort am oberen Ende der Skala ein, während die Partikeln im Beispiel (2) eine abschwächende Funktion haben und die Eigenschaft eher am unteren Ende der Skala ansiedeln (vgl. Hentschel/Weydt 1989: 11). Die Partikeln 'sehr' und 'besonders' können, wie in (3), zusammen mit einer Verneinung im Satz stehen, was bei anderen Gradpartikeln nicht der Fall ist (Ich bin nicht äußerst müde). Einen besonderen Fall bildet die Partikel 'ganz', die je nachdem, ob sie betont oder unbetont ist, eine andere Bedeutungsmodifikation nach sich zieht. Wird sie in (4) betont, hat sie verstärkende Funktion, während sie unbetont eine abschwächende Funktion hat, wie es bei den Partikeln aus (2) der Fall ist. Neuere Gradpartikeln wie 'irre' oder 'wahnsinnig' entstammen meist der Jugendsprache, wo oftmals Adjektive in neuer Funktion und neuem Kontext genutzt werden (vgl. Duden 2009: 589).

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Details

Seiten
36
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656441946
ISBN (Buch)
9783656442547
Dateigröße
715 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v215350
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
partikeln deutsch

Autor

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Titel: Partikeln im gesprochenen Deutsch